(navigation image)
Home American Libraries | Canadian Libraries | Universal Library | Community Texts | Project Gutenberg | Children's Library | Biodiversity Heritage Library | Additional Collections
Search: Advanced Search
Anonymous User (login or join us)
Upload
See other formats

Full text of "Wörterbuch der altmärkisch-plattdeutschen Mundart"

iw-^ 




4 



%u 



3(/U Ji^cu^^^/?t^^ ...^^^^ .^^AciaA^ JÄe^ /^f^X5^^ 



'"^kV^"^ 



WÖETEEBUCH 



der 



altmärkisch-plattdeutschen Mundart 



von 



Jolhiuu Friedrich Dauueil. 



Salzwedel. 

In Commission bei J. D. Schmidt. 
1859. 










^ 



Vorrede. 



Als mir vor länger als einem halben Jahrhundert Richey Idioticon 
Hamburgense und später das Bremische Wörterbuch in die Hände 
fielen, merkte ich einzelne Wörter und Redensarten, wodurch das Plattdeutsche 
der A 1 1 m a r k von dem in Hamburg und Bremen abwich, an. Mit der 
Zeit mehrten sich diese Notizen, besonders als mehrere meiner Schüler aus 
verschiedenen Theilen der Altmark Beiträge lieferten. Nach meinem Rücktritt 
in den Ruhestand fing ich an, das Material zu sichten. Nach und nach reifte der 
Entschluss, das Gesammelte zusammen zu stellen und zu ergänzen. So entstand 
das Wörterbuch der a Itm är k iscli- plattdeutschen Mund art. 
Der Gedanke, es dem Druck zu übergeben, lag noch fern. Nachdem jedoch 
einigeFreunde, denen die Handschrift zu Gesichte gekommen war, den Wunsch 
aussprachen, es durch den Druck allgemeiner zugänglich zumachen; als sich 
ferner im Norden des alten Sachsenlandes nach Claus Groth's Vorgang ein 
allgemeines Bestreben entwickelte, den reichen Schatz des Plattdeutschen durch 
Veröffentlichung von Dichtungen und Erzählungen in gebundener und 
ungebundener Rede der Vergessenheit zu entreissen, ward ich geneigt, dem 
Wunsch meiner Freunde Gehör zu geben. Entscheidend ward das Urtheil 
unsers Heroen Jacob Grimm, (dem von einem Beförderer des Werks das 
Manuscript mitgetheilt vi'ar), dass das Wörterbuch des Druckes würdig sei. Die 
Arbeit ward nun noch einer Revision unterworfen. Während der Zeit erschienen 
StürenburgostfriesischesWörterbuch 1857 und nicht lange nach- 
her Scham bach Göttin gisch-Grubenhagensches Idiotikon 
1858;zweiverdienstvo]leArbeiten,die aber auf meinbereits fertiges Wörterbuch 
keinen wesentlichen Einfluss ausüben konnten. StUrenburgs Wörterbuch 
zeichnet sich besonders durch eine reiche Etymologie aus, und er hat darin 
Erfreuliches geleistet. Mein Hauptgesichtspunkt war jedoch weniger darauf 
gerichtet ; ich hätte dann den ganzen Sprachschatz des Germanischen mit allen 
seinen Dialecten berücksichtigen müssen, und dazu reichen meine Kenntnisse 





IV 

nicht aus; ich beschränkte mich vielmehr auf die unmittelbaren Quellen des 
Plattdeutschen, auf das Gothische und Altsächsische, wobei Ernst 
Schulze gothisches Glossar und Schmellers G.lossariura 
Saxonicum zum Heiland treffliche Dienste leisteten. Auf das A ngel- 
sächsische. Altnordische, Englische und Nieder länd isch e 
ist nur sehr vereinzelt Rücksicht genommen. Die bei der A usarbeitung Anfangs 
vielfach benutzten Untersuchungen <j r'a f f s in Seinem althochdeutschen 
Sprachschatz sind später gänzlich gestrichen. 

Mein Hauptaugenmerk war daraufgerichtet, die Synonymie mehr zu 
berücksichtigen, als dies in den vorhandenen Idiotiken geschehen ist. Verglei- 
chen wir den plattdeutschen Dialectffiitdem neuhochdeutschen, so ergiebtsicb^ 
IP dass der Wortreichthum des erstem, besonders für die sinnHchen Gegenstände, 
bei weitem grösser ist, als bei dem letzten, ungeachtet der neuhochdeutsche 
DIalect seit Jahrhunderten durch die Schrift weiter fortgebildet ist. Für eine 
Menge von Begriffen, für welche das Neuhochdeutsche nur ein oder ein Paar 
Worte hat, finden sich im Plattdeutschen oft eine Menge von Wörtern mit oft 
sehr feinen Unterschieden. Bei dem Umsichgreifen des Neuhochdeutschen, das 
allmählig das Plattdeutsche auch aus dem alten Sachsenlande verdrängt, ist die 
Zeit nicht mehr fern, dass das Plattdeutsche als ausgestorben betrachtet werden 
kann. Unter solchen Verhältnissen scheint es zweckmässig, auf die Synonymie 
mehr Rücksicht zu nehmen. Aber dies ist keine leichte Aufgabe. In allen durch 
die Schrift verbreiteten Sprachen kann man den Unterschied der Begriffe, die in 
den einzelnen Wörtern enthalten sind, aus den Schriften selbst schöpfen. Aber 
das Plattdeutsche hat keine Litteratur, und wir sind lediglich auf die Sprache, 
wie wir sie hören, beschränkt. Diese Quelle versiegt jedoch, so bald die Sprache 
nicht mehr gesprochen wird. Daraus folgt auch, dass es nicht so leicht ist, wie 
manche zu glauben scheinen, gut plattdeutsch zu schreiben und die Mehrzahl der 
in der neuesten Zeit ans Licht getretenen plattdeutschen Erzeugnisse ist genau 
genommen neuhochdeutsch gedacht in plattdeutscheWorte eingekleidet. Selbst 
Bornemann's viel verbreitete Gedichte in altmärkischer Mundart leiden an 
diesem Fehler, obgleich in der neuesten nach dem Tode des Verfassers von 
seinem Sohn besorgten Ausgabe in dieserHinsichteinewesentUche Verbesse- 
rung mit der Sprache vorgenommen und viele nicht plattdeutsche Wendungen 
durch echte ersetzt sind. Besser ist das Idiom des altmärkischen Landmanns 
aufgefasst in den Plattdeuschen Gedichten, 3 Bde., Magdeburg bei 
Rubach. 2. Aufl. 1823. Sie sind weniger bekannt geworden als die Gedichte 
von Bo rnemann, weilihnen des letztern Humorfehlt. Verfasser derselben 



ist der in Gr.-Beuster bei Seehausen verstorbene Pastor Alb recht. 
Das beste altmärkische Platt schreibt Fritz Schwerin, Cantor in 
A 1 1 e n h a u s e n. Von seinen Schriften gehört hieher : DerAltmärker; 
*ine Reihe Sprichwörter, plattdeutsch aufaltmärkische 
Manier ausgelegt nebst einigen plattdeutschen Gedichten. 
Neuhaldensleben bei Eyraud; undrVöggel Spraok un Snack oder 
wasdieVögelkleinundgrossim Früh jähr in der Altmark 
singen und sagen. In plattdeutsche Reimverse gebracht. 
Neuhaldensleben bei Eyraud. Von dem was der Norden Deutschlands nach 
C I a u s G r o t h s Vorgang in der hollsteinschen, meklenburgischen, pommer- 
schen und ostfriesi sehen Mundart hervorgebracht, scheint mir neben Groth's 
Schriften einer besonders ehrenvollen Erwähnung werth zu sein: En pao 
Blomn ut Ammarik Schulten ehren Gaorn von A.W., her- 
ausgegeben von Fritz Reuter. Greifswald 1858. 

Aus dem Gesagten folgt, dass eine vertraute Kenntniss mit dem Platt- 
deutschen dazu gehört, um wirklich plattdeutsch schreiben zu können, was 
'nicht von allen Erscheinungen der neuesten Zeit gilt; diese aber kann mau nur 
aus dem Munde des Volks erlernen, und nur auf diesem Wege lassen sich die 
oft feinen Schattirungen der Begriffe, die in den verschiedenen Wörtern liegen, 
ermitteln. Mit jedem Jahre aber mehren sich die Schwierigkeiten das Platt- 
•deutsche genau kennen zulernen, da es mit Riesenschritten seinem Aussterben 
entgegengeht. Meine Jugend fiel in eine Zeit, wo der Bürger seinen Jüngern 
NebenbiJrger, dervon der Wanderschaft das Neuhochdeutsche mitbrachte und 
sich desselben bediente, einen aflectirten Narren nannte, während jetzt in den 
Städten nur selten noch plattdeutsch gesprochen wird und viele Jüngern L a n d - 
1 e u t e es schon übel vermerken, wenn ein Städter plattdeutsch mit ihnen spricht. 
Der imBUrgerstande geborne Verfasser sprach in den ersten zwanzig Jahren 
seines Lebens fast nur plattdeutsch und blieb auch in derFolge in mannigfacher 
Berührung mit dem Volke, glaubt also einigeKenntnissderEigenthümlichkeiten 
desPlattdeutschen zu besitzen und einScherflein zurFeststellungderSynonymie 
beitragen zu können. Niemand ist jedoch mit den Schwierigkeiten, die sich hier 
darbieten, bekannter als ich, und ich weiss es nur zu gut, wie unvollständig die 
Leistungen sind. Tndess ein Versuch musste doch gemacht werden. 

Da das Plattdeutsche seit Jahrhunderten aufgehört hat, Schriftsprache zu 
sein, so fehlt auch das gemeinschaftliche, das Ganze umschlin ende, Band; der 
Dialect zerfiel nach und nach in einegrosse Anzahl von Mundarten, von denen 
jede ihre Eigenthllmlichkeiten in der Aussprache, besonders der Vokale hat. 

0* 



Selbst die etwa 80 Quadratmeileu grosse Altmark bietet in dieser Hinsicht nicht 
unbedeutende Verschiedenheiten besonders Hinsichts der Vokalisation dar, ja es 
giebt einzelne Dörfer, die sich von andern benachbarten darin unterscheiden, 
auch manche Ausdrücke und Wendungen sind oft räumlich sehr beschränkt. 
Der Theil der Altmark, welcher dÄrn Braunschweigischen näher liegt, hat viel 
von dem schlechten braunschweigischen Patois angenommen, von Garde- 
legen an südlich hat die Sprachweise des Magdeburgischen einen sichtbaren 
Einfluss; der westliche und nordwestliche Theil der Altmark nähert sich am 
meisten der hannoverschen und meklenburgischen Vokalisation. Am eigen- 
thümlichsten ist die Vokalisation im nordwestlichen Theil von Salz w edel 
nach D i e s d o r f zu in dem sogenannten Hans-Jochen-Winkel, der 
sich auch sonst von den übrigen Theilen der Altmark vielfach unterscheidet, 
indem er am längsten sich vor dem Einfluss städtischer Civilisation geschützt 
hat. In diesem Winkel findet man eine Menge von Diphthongen , mehrere 
Triphthongen, selbst Quadriphthongen, die nur der Mund des Eingebornen 
auszusprechen im Standeist. Selbst der, welcher des Plattdeutschen recht 
mächtig ist, kann sich mit einem Hansjochen-Winkler schlecht verständigen, 
und dem südlichen Bewohner der Altmark würde diese Mundart als eine fremde 
Sprache erscheinen. 

Sehr verschieden sind auch in der Altmark die Benennungen mancher 
Pflanzen, Thiere etc. so wie die Bedeutungen, die einzelnen W^örtern inne- 
wohnen; in einigen Gegenden kennt man einzelne Bezeichnungen, selbst sicht- 
barer Gegenstände, gar nicht, und andere treten an ihre Stelle; die Sitten und 
Gebräuche besonders bei ländlichen Festen, Spielen etc. sind nicht selten in 
benachbarten Dörfern verschieden. Alle Einzelnheiten der Art konnten natür- 
lich in dem Wörterbuche nicht berücksichtigt werden; es hätte ein Aufenthalt 
von Wochen fast in jedem Dorfe dazu gehört, um hierin etwas Vollständiges 
liefern zu können. Auch hätte das Buch eine verhältnissmässig bedeutendere 
Stärke erhalten müssen. 

Aus demselben Grunde kann auch von einer Vollständigkeit des Wörter- 
Verzeichnisses keine Rede sein. Nur die Wörter, die nocli im Gebrauch sind, 
werden berücksichtigt und die ausgestorbenen sind weggelassen, also nicht der 
ganze Sprachschatz des Plactdeutschen soll erschöpft \\erden. Wenn auch 
gleich das Material zu meiner Arbeit aus den verschiedensten Theilen der Alt- 
mark herrührt, so ging doch während des Drucks noch eine Menge von 
Beiträgen, Berichtigungen etc. ein, so dass ich mich veranlasst gesehen habe, in 
einem Nachtrage manches davon aufzunehmen. Ich glaubte dies um so eher 



VIT 

thun zu können, als dadurch die in der Ankündigung in Aussicht gestellte 
Bogenzahl nicht vermehrt wird. 

Auch die Spiele der Jugend, der Volksreim und die sprichwörtlicLen Re- 
densarten wurden vielfach berücksichtigt. Tn ihnen spricht sich nicht selten die 
derbe Gemüthlichkeit des Altmärkers aus, wenn sie gleich nicht immer einen 
tiefen Sinn enthalten, oft nur als Sprachdenkmäler zu betrachten sind. Auch 
hier hat man einen grossen Verlust zu beklagen. Der Landmann schämt sich 
shonsehr häufig seiner Muttersprache, seiner Sentenzen und besonders seiner 
Spiele, die viel Interessantes hatten. Spiele, die ich vor60— 70 Jahren mit an- 
gesehen habe, kennt man jetzt grossentheils nicht mehr und ich fand in vielen 
Dörfern in den neuesten Zeiten oft nur eine traumähnliche Erinnerung daran 
bei einzelnen Greisen. 

Soll ein plattdeutsches Idiotikon nicht blosfürden, welcher der Sprache 
mächtig ist, verständlich sein, so ist es erforderlich, dass so viel als möglich die 
Laute bezeichnet werden, die mit den einzelnen Vokalzeichen zu verbinden 
sind, womit auch die Orthographie in Verbindung steht. Prutz sagt im 
Deutschen Museum 1854 Nr. 43, S.630: „Derjenige Punkt, auf den es für den 
Augenblick allein ankommt, ist die Verständlichkeit; jede Rechtschreibung, 
welche das Verständniss erleichtert, rauss gebilligt werden, jede die es er- 
schwert, ist vom Übel, und ob sie übrigens noch so wissenschaffentlich wäre 
und sich auf noch so gelehrte Gründe stütze". Diesem Grundsatz bin ich gefolgt, 
ich suchte den Laut so treu als möglich durch die Vokalzeichen anzudeuten, 
wenn auch in den verschiedenen Gegenden manche Nüancirungen vorkommen. 
Die Vokale, Doppelvokale und Umlaute in der altmärkischen Mundart 
sind folgende : 

1. die kurzen a, 6, i, 0, U) ä, (e), Ö, Ü. 

2. die langen ä, h, i, ö, ü; t, 8, u; ao, äö ; au, ei, (eu). 

Zuvörderst ist zu bemerken, dass das Wort „langer Vokal'' nur bedeuten soll, 
dass derselbe beim Sprechen als Länge erscheint, ohne darauf Rücksicht zu 
nehmen, ob ihm auch eine organische Länge zukommt. Bei Bezeichnung der 
langen Vokale bin ich Grimm und der ältesten Schreibweise gefolgt, wie sie 
sich z.B. in den Handschriften des Heliand und auch schon mehrfach in den 
neuesten Drucken findet. Dadurch erspart man eine Menge FlickbucJistaben, die 
wir im Neuhochdeutschen ohne durchgreifende Regel linden. Genau genoni- 
men hätte dadurch die vielfaclie Verdoppelung derConsouanten zur Bezeich- 
nung der Kürze des voraufgehenden Vokals erspart werden können, aber die 
Abweichung von der lierrschenden Schreibweise würde dadurch zu gross 



'^ 



geworden sein. Die langen Umlaute ä,^tind ti nach Grimms Weise mit ae, 06 
und ue zu bezeichen, schien mir nicht gerathen, um der irrigen Meinung zuvor- 
zukommen, dass diese Umlaute Doppelvokale (Diphthongen) wären. 

Dastonlose nicht zurWurzel gehörige, so wie das stumme 6 werden im 
Plattdeutschen noch weniger gehört, als im Neuhochdeutschen, besonders in den 
Infinitivendungen. Daher ist im Glossar dies stumme und tonlose e fast überall 
weggelassen und dies durch den Apostroph angedeutet. Steht dieser Apostroph 
am Endeeines Worts, so bedeutet das; man soll den letzten Laut des 
Worts noch etwas nachtonen lassen, was wohl zu beachten ist, 
indem sich nur dadurch einzelne Wörter von einander unterscheiden lassen. 
Das Zeichen 6 ist im Ton nichts weiter, als der Umlaut ä, jetzt ein unnützer 
Luxus. Dagegen ist feein reiner gothischerVokal und kein Umlaut. Diphthonge 
kommen im Plattdeutschen selten vor, vorzugsweise bei Inter jectionen und bei 
derNachahmung von Naturlauten; den Diphthong eu hörtman nur in einigen 
Theilen der Altmark, in der Regel spricht man dafür ei. Die zahllosen 
Diphthonge etc. in einigen Gegenden und einzelnen Dörfern, zu deren 
Bezeichnung unsere Vokalzeichen bei weitem nicht ausreichen, bleiben unbe- 
rücksichtigt. Über den Doppelvokal ao und dessen Schwächung (Umlaut) äö 
noch Einiges. Der Doppelvokal ao findet sich auch im Schwedischen und im 
Englischen. Die Schweden bezeichnen ihn mit a und darüber gesetztem 0, die 
Engländer blos durch a (water). In allen plattdeutschen Drucken der Neuzeit 
hat man oa für den Laut gewählt, ohne dass mir irgend ein Grund für diese 
Schreibweise bekannt gew" orden wäre. Es haben allerdings beide Vokale einen 
gleichen Antheil an diesem Laut, aber die Schweden und Engländer betrachren 
offenbar das a als den Hauptvokal, und es ist kein Grund vorhanden, hiervon 
abzugehen. Wenn Klaus Groth, Raabe, Asmns, Reuter und 
W i g g e r s in seiner Grammatik der plattdeutschen Sprache, Schambach etc. 
sich des blossen a bedienen, so wird der Kenner des Plattdeutschen hieran keinen 
Anstoss finden, aber der Nichtkenner wird dadurch verleitet, einen falschen 
Laut hören zulassen. Die schwedische Schreibweise würde den Vorzug ver- 
dienen, wenn nicht für den Umlaut eine Schreibschwierigkeit entstände. So 
viel mir bekannt hat nur der plattdeutsche Dialect diesen Umlaut; auch kommt 
er in der Altmark häufiger vor als z.B. im Meklenburgischen. So wie der 
Doppelvokal aozwischenbeiden Vokalen schwebt, so ist dies auch der Fall mit 
dessen Umlaut äö, er ist ausbeiden Vokalen zusammengesetzt. In den neuesten 
Drucken sind dafür verschiedene Zeichen gewählt. Bornemann, Jung, 
A 1 b r e c h t und Schwerin schreiben öä, weil sie oa schreiben. Ritter in 



seiner Grammatik der meklenburgisch- plattdeutschen Mundart schreibt wie die 
Schweden a mit darüberstehendem für unser ao, für den Umlaut ebenfalls, 
doch so, dass das durchstrichen ist; Brinkmann, Reuter, Asmus 
schreibenä; Klaus Groth aß, so dass beide Zeichen in einander verschlungen 
sind ; S c h a m b a c h 6 und ÖSBjStürenburg mit darüber stehendem ä. Da 
diese beiden Doppelvokaie nur als Länge erscheinen, so konnte diese Längen- 
bezeichnung überall fortfallen. Bei der alphabetischen Anordnung in diesem 
Glossar sind diese Doppelvokale überall an das Ende des Vokals a gesetzt. 

Noch ist hier eines in derAitmark fast durchgängig sich vorfindenden 
Lauts zu erwähnen. Erscheint nämlich der kurze Umlaut ä (das lange ä behält 
überall seinen Laut) vor r, so entsteht gewissermassen ein neuer Umlaut, der 
zwischen a und ä liegt, so dass man ihn durch jeden der beiden Vokale bezeich- 
nen könnte. Lässt man beim Sprechen des ä das a ein wenig vorwalten und 
stösst dann den Ton kurz ab, so bringt man ihn ziemlich genau heraus. Man 
muss die Wörter Ärft'n (Erbsen), Härräck (Hederich), Härl (Flachsfaser), Mädd'l 
(aus Märrl entstanden, der Windhalm), Wäm '(werden), färig (fertig) etc. 
sprechen hören, um den Ton richtig aufzufassen. 

DerConsonant r, der diese Modification des Tons erzeugt, bedarf noch 
einer Bemerkung, Zuvörderst wird er fast nie, höchstens als Anlaut und 
zwischen zwei Vokalen rein ausgesprochen, am unreinsten als Auslaut eines 
Worts oder einer Silbe. Man will ja in entferntem Gegenden den Altmärker 
hauptsächlich an der Aussprache des r erkennen. Diese Eigenthümlichkeit hat 
ihren Grund in der für das Plattdeutsche durchweg geltenden Regel : alle Härten 
in der Aussprache so viel als möglich zu vermeiden, und diese Härten fmdet der 
Altmärker neben der Consonantenhäufung im Consonant r. Daher fällt 
er im Auslaut einer Silbe oder eines Worts ganz weg, das vorangehende 6 
wird fast ein kurz abgestossenes a. Vaoder klingt Yaoda; die Vorschlagssilbe 
ver schrumpft fast zu dem einfachen Consonant V zusammen ; Bftr (der Land- 
mann) spricht man meistens Bua, här(Imperfectum von hämm, haben) sprich 
M. Daher finden wir, dass in manchen plattdeutschen Büchern der Neuzeit 
dieser Consonant im Druck ganz weggelassen ist. Am weitesten geht darin 
Ritter in seiner plattdeutschen Grammatik. Weil aber das Lesen dadurch 
ungemein erschwert wird, so hat er in dieser Ausdehnung keine Nachfolger 
gefunden. Erscheint r als Inlaut vor einem andern Consonanten, so hilft sich 
die Sprache auf manclierlei Weise, entweder durch Ausstossen des r (SWatt für 
schwarz) oder des andern Consonanten (Gaorn = der Garten) oder d urch Assi- 
milation, oder endlich wie bei rl durch Zwischenschieben eines e (Kaorel=der 



Vorname Karl). Obgleich der Altmärker dem r eigentlicli nirgends sein Recht 
"widerfahren lässt, so setzt er doch recht häufig statt desConsonanten deini: 
Wedder (wieder und wider) klingt in sehr vielen Orten wie werrer ; Feddern 
(Federn) wie Färrern; Fudder (Futter) wie Furrer; Yaddersch (Gevatterin) 
wie Yarrersch ; der Vorname Karl nicht blos Kaorel sondern auch Kaodel. 
Eben wie bei r fällt d auch häufig im Auslaut weg Wid (Weidenbaum) wird 
meistens Wt, Lud (Leute) wie Lu, Stld (die Stelle) wie Sta, mö statt möd (müde) 
gesprochen. Auch im Inlaut fällt er zuweilen fort Blä statt Bläd'r (Blätter). Im 
Glossar ist, wenn die Consonanten r und d beim Sprechen in der Regel wegfal- 
len, dies durch die Klammern, in denen diese Buchstaben stehen, angedeutet. 

Von den übrigen Consonanten verdient das doppelte s noch einer Erwäh- 
nung. Steht es zwischen zwei Vokalen, so hat es in eiliigen plattdeutschen 
Wörtern einen eigenthümlich sanften Ton. Die beiden Buchstaben erscheinen 
weit mehr als im Neuhochdeutschen getrennt. Man lasse den Sauselaut des 
ersten Sohne alle Schärfe antönen, verweile auf demselben länger als gewöhn- 
lich und lasse eben so sanft den zweiten naclitönen z.B. inbiss'u. Richey 
nennt dies in seinem Idiotikon S mollissimum. 

Bei den Verben mit starker Conjugation ist der Ablaut im Imperfect 
nnd Particip angegeben : den Substantiven das Geschlecht hinzuzufügen schien 
mir zur Ersparung des Raums überflüssig, theils weil der Plattdeutsche hierin 
weniger genau ist, theils weil das Geschlecht mit dem des Neuhochdeutschen 
in der Regel übereinstimmt, abweichende Fälle sind bezeichnet ; die mit Präpo- 
sitionen zusammengesetzten Verben sind weggelassen, wenn sich der Begriff 
aus dem einfachen Verbo und der Präposition selbst ergiebt ; auch viele Ad jective 
wenn ihre Bedeutung aus dem Substantiv oderVerbum ohne weiteres hervor- 
geht, sind weggeblieben. 

Die bedeutenden Zusätze rühren grossentheiis von den Mittheilungen her, 
die während des Drucks aus mehreren Gegenden der Altmark einliefen. Beson- 
ders dankbar bin ich neben vielen andern Beförderern der Arbeit den Herren 
Pastoren Lachmann in Kerkau, Krüger in Lagendorf, Sültmannin 
Thüritz, dem Herrn Kreisrichter Parisius in Gardelegen, dem Herrn 
Cantor Fritz Schwerin in Altenhausen, 

Salzwedel, im Juni 1859. 

Oanneil. 



Ble haupt<(ächlich8ten Abkürzuni^CB. 



Goth. = Gothiscli. 

Alts, = Altsächsiscli. 

Agls. = AngelsäcJisisch. 

Altn, = Altuordiscli, 

Altnd. = Altniederliindisch, 

Engl. = Ens;liscli. 

Nhd. = Neuliochdcutsch. 

Gr. Gr. = Grimms Grammatik. 



A. 



Ä! (Interj.), Zeichen des Beifalls 
oder der Freude. A! datisgöd; oder 
des Unwillens: ä watt! davon will 
ich Nichts hören. 

Aa, (zweisilbig, kurz abgestossen,) 
ein Laut mit dem die Wärterinnen die 
Säuglinge veranlassen wollen, ihre 
Nothdurft zu verrichten. Daher: Aa 

maok'n. 

Ä. Mehrere mit diesem Umlaut 
anfangende Wörter stehen unter E 
aufgeführt. 

Abece das Alphabet j Abeceschöl 

die unterste Klasse der Elementarschu- 
len. Die Kinder singen: Abece, Katt 

lep in' Sne, müs lep nao, Katt sä jao. 
absiüt u. abslutemaag (letzte Silbe 

ist der Nasallaut) ganz und gar, durch- 
aus. Ick dö't nu absiüt nich ich thue 

es nun schlechterdings nicht. 

Ach'l oder Hach'l die Granne an <ier 
Spitze der Ähre, besonders der Gerste : 
im Süden heisst diese Gerstengranne: 
EimCD. Das griechische öcx^pov giebt 
Ulphilas diu-ch agana. Das Adject. 
achlig, hacMig wird auch von allem 
gebraucht, was bei der Berührung ein 
Gefühl erzeugt wie der Hachel. 

acbein, achSClu sich abquälen, 
schwer tragen. 

achter (Adverb, u. Präpos.) hinten, 
hinter. Achter gaon nach dem hinten 
liegenden Theil des Hauses, nach dem 
Hofe gehen ; achterüt gaon aus der 
Hofthür gehen, achter d'pört hinter 
der Thür. goth., althd. u. alts. aftra, 
holländ. achter. Das ft der filtern 



DIalecte geht im Plattd. öfter In ch 
über. z.B. Lucht Luft (Gr. Gr. 1, 537). 

achter-an hinterdrein, achterher, 

achterin wesen hinter etwas her sein, 
d, h. mit Eifer verfolgen. : ^ 

AchterbSn Hinterfuss der Thiere. 

Achterfiick das Leder unter dem 
Absatz des Schuhzeugs. y 

Achterkaorn die nicht vollkommen 
ausgewachsenen Getreidekörner die 
beim Worfeln des Getreides als die 
hintersten liegen bleiben. 

achter-nao hinterher. 

Achterpört die Hinterthür, Hof- 
pforte, auch statt podex gebraucht, 
in welchem Sinn auch Achterkastell 
oder bloss Achter als Subst. im Ge- 
brauch ist. AchterpörtsparzelbärD 
Birnen, deren Baum an der Hinter- 
pforte steht u. leicht vom Baume ab- 
fallen. 

achts eine Art Suffix, entspre- 
chend dem nhd. Erachtens, nur mit 
dem Pron. poss. min, din, sin verbun- 
den, minerachts här dat so wesen 
must meines Erachtens hätte das so 
sein müssen. 

ackraot Adverb, genau, gerade so, 

accurat. M Is ackraot so grdt ass ick 

er ist gerade so gross, als ich. Be- 
hauptet oder verneint Jemand etwas, 
und ein Anderer will die Wahrheit 
bestätigen, so antwortet er nur: 

ackraot ! —- Ackraot so recht gerade 

so recht. 

Ackermännk'n die Bachstelze (Mo- 
tacilla); die blaue (M. alba) wird 

1 



auch Bkn Ackermann, Wippst&rt, 
Wappstert, Waogenstertje, Qaabb- 

Stert, Ouickstert, von dem beständi- 
gen Wippen des Schwanzes, genannt, 
die gelbe Bachstelze (Motacilla flava) 

heisstgäl Ackermann u. gäl Wippstert. 
Äcksch die Axt. Dwaräcksch, 

ein Handwerksgeräth des Zimmer- 
manns, mit zwei Schneidearmen, be- 
sonders um Zapfiöcher auszubauen. 

Ackvit, aus aqua vitae corrumpiii^ 
ein jetzt ziemlich verloren gegange- 
ner Ausdruck für Liqueur. 
'" Adder die Natter, (Coluber berus ;) 
dann jede giftige Schlange, bildlich: 
ein zorniger Mensch. Das Adject 
ftddrig ist nur im bildlichen Sinn ge- 
bräuchlich zornig; wogegen dasVer- 
bum addem nur vom Schlangenbiss 
im Gebrauch ist. goth. nadr; alts. 

nadra. 
aderkann, aorkann wiederkäuen. 

Adjfe, A^i&S, das französ. Adieu. 

adrett, das französische adroit, ge- 
wandt, mit äusserem Anstände, datt 
iss'n adrette D&rn das ist ein gewand- 
tes oder hübsch angezogenes Mäd- 
chen, von gefälligem Äussern. 

äff goth. u. alts. af ab Präp. selten 
Adv. wird sehr häufig mit Verben, 
weniger mit Nominibus verbunden, 
gerade wie im Alts. Adverbialisch 
kommt es nur in einigen Redensar- 
ten vor: af QU to ab und zu, bis- 
weilen; äff OD an nahe daran. Ick 
bin äff ich scheide momentan aus 
dem Spiele, bin jetzt nicht mehr in 
Thätigkeit. Ebenso: äff s!n in die- 
ser Lage sein, dass man nicht mehr 
mitspielt. Giff DU watt äff gieb mir 
etwas davon, 

afllaors rücklings. 
affbackt nennt man das Brot, weim 
die Kruste sich abgelöset hat. Von 



einem solchen abgebackenen 'Brote 
überhaupt von jedem Backwerk, in 
dem sich Höhlungen finden, sagt 

man: de Bäcker hat s!n Frt dfirch 
jaogt. 

Affbäöm. S. bäörn. 

affblutSCh'n drückt das Vorbren- 
nen des Feuergewehrs aus, wenn das 
Pulver von der Pfanne u.s.w. weg- 
brennt, die Ladung aber nicht losgeht. 

affbring'n abbringen in dem Sinn 
von Korn oder Heu vom Erndtewa- 
gen in der Scheune abladen. 

affdefih, affdÖSCb'n derb durch- 
prügeln. 

affdrög'n abtrocken. 

affTaH'n mager werden. 

affflom' S. flöm*. 

affß:aog'n abfragen. z.B. vom Me- 
morirten 2. ausfragen. So ftÖgt'U de 
Btlr de Kunst af aushorchen, ausfor- 
schen. 

affglr'n S. glr'n. 
affgnawweln S. guawweln. 
affgruns'n, sick S. gruns'n. 

Affgunst Missgunst, Neid. 

affhoH'n wird von Kinder Wärte- 
rinnen gebraucht, wenn sie den Säug- 
ling veranlassen wollen, ein Natur- 
bedürfniss zu befriedigen. 

Affjaog'r eine Stange, an deren En- 
de ein Gänseflügel befestigt ist. Sie 
wird auf der Tenne gebraucht, um 
beim Worfeln des Getreides die mit- 
geflogenen Spreutheile abzukehren. 

Affkaot der Rechtsanwalt, der Ad- 
vocat. 

Affkaotern, affkaort'n heimlich et. 

was mit Jemandem verabreden, meist 
zum Schaden eines Dritten. Datt 

hämm's all wedd'r affkaotert 
affkik'n S. kik'n. 

affklawfern, sick sich leicht etwas 
erklären können, begreifen, durch 



* 



Nachdenken zu einem Resultat gelan- 
gen. Vgl. kalmüsern. 
affknapp'n, Afknaps'n. S. knapp. 

affkniw'n sich ein derbes Stück 
Brot (Knagg'l, Ranken) absclmeiden. 

affkraom' S. kraom'. 
affkrig'n S. krig'n. 

afflagens. Adv. bisweilen, dann 
und wann. Das alts. lag, welches 
nur in Zusammensetzungen vor- 
kommt, bezeichnet das Bestimmte, 
Feste; daher afflagens dasjenige be- 
zeichnet, was sich vom Gewissen, 
Bestimmten entfernt. 

afflaow'n abgeloben 1. geloben, 
dass man etwas nicht wieder thun 

will. He hat afflaowt nich wedder 

Üt tO gaon ; 2. das Erbtheil der Kin- 
der bestimmen, wenn Vater oder 
Mutter nach dem Tode des einen 
sich wieder verheirathen; solche Kin- 
der heissen dann : afflaowt Kinner. 

afflew'n erleben, wenn 'k 't noch 

afflew' wenn ich es noch erlebe. 

afflucht'n durch Einwirkung der 
Luft trocken werden lassen. 

afflüks'n S. lAks'n. 

affmuck'n S. muck'n. 

affplack'n, sick. S. plack'n. 
affpöln S. poln. 
affrabastern, sick. S. Rabbel. 
afirlt'n S. ritn. ,] .; 

affsack'n S. sack'n. 
affschurr'n S. schurm. 
affsett'n S, spän. 

j'.affsid abseits. 

affsmeckig S. Uck. 
affsmit'n S. smit'n. 
affsnack'n S. snack'n. 
afftaokeln S. Tauk'l. 
afftow'n S. töw'n. 

afiVenn' abgewöhnen. 

aisch S. eisch. 

Ak, äk Zuruf an Kinder, die etwas 



Unreines In die Hand nehmen wol- 
len. Auch als Substantiv im Gebrauch. 

laot ling'n, 't is äk u. 't iss 'n ik. 

alart l. genau auf etwas achtend, 
wachsam 2. flink, hurtig. 

all, schon; 't isS all göd es ist 
schon gut. Unterscheidet sich in der 
Aussprache von all alle dadurch dass 
in letzterm das 1 noch etwas nach- 
tönt, bei ersterm ganz kurz abge- 
stossen wird, a ist in beiden kurz, 't 
is all all' es ist schon alle, zu Ende. 
In der Redensart: 't is all all all es 
ist schon Alles zu Ende sind die 3 Be- 
deutungen dieses Worts zusammen- 
gestellt; all nao graod nachgerade, 
allmählich. 

alläb'n ganz so. Wird beson- 
ders bei stark bejahenden Antworten 
gebraucht. 

alladigst (statt allerdägst) Ver- 
stärkung von dägerst S. unten. 

alläid'lletzt. S. id'l. 

AUalei Subst. englisches Gewürz, 
Piment. 

alldoch verstärktes doch, einfache 
Antwort auf die Verneinung eines 
Andern. 

alldaogS, alledaog täglidi, jeder- 
zeit, an jedem Tage. 

alldernao je nachdem, alldernao 

't iss je nachdem es ist. 

alleben mit voraufgehendem dao« 
rüm gerad darum, eben deshalb. 

allebott jedesmal. Im Holland, soll 
Bott repercussio sein, und W a eil- 
te r erklärt es durch: Schlag, allebott 
wäre darnach so vielaU: auf jeden 
Schlag. 

all^n 1. allein (solus.) ; auch dem 
neuhd. selbst entsprechend , dit 
sali mi doch allän verlaog'n da bin 

ich selbst neugierig, wie das wird. 
Hiervon wird ein Diminutiv : allene* 



4 



ken gebildet, mit welchem Worte 
Kinderwä'rterinnen Kinder, die den 
ersten Versuch im Gehen machen, auf- 
zumuntern pflegen. Beiläufig sei hier 
bemerkt, dass in der Altm. das Di- 
minutiv nie mit illg, sondern nur durch 
ken gebildet wird. Überdies ist der 
plttd. Dialect so ungemein reich an 
diesen Formen, dass keine Grenze 
zu ziehen ist und sich fast über 
alle Klassen von' Wörtern ausdehnt. 
2. als Conjunct. bat es den Begriff 
von aber, als die Beschränkung 
einer voraufgegangenen Behauptung. 

Dat is alls all göd, allen u.s.w. 

In den meisten Fällen setzt man noch 
äöwer, äöwest hinzu. Diesen Pleo- 
nasmus hört man auch im Neuhd. 
all' -fer sonst, ehedem. 

aller ■ wiler - wärts u. allerwärts, 

überall, allenthalben. 

Allmann Jedermann; ist nur in 
Verbindung mit einem folgenden 

Subst. im Gebrauch. Allmanns Fründ, 
Allmanns Saok, Allmanns Hör ge- 
meine Hure, wo das S eine Art Ge- 
nitivform andeutet. 

Alltid jeder Zeit, immer. 

alltohöp alle zusammen ; wörtlich : 
alle zu Haufen. 

all-ttmm ringsum. 

allunnalaot ohne Unterlass, unauf- 
hörlich, den Augenblick. Ick mtitt 

am allernnnalaot erinnern. 

allwäg allerdings, immer, auf je- 
den lall; datt sock all wäg dön das 

sollte ich allerdings thun. 

allwern, Verb, sich albern betra- 
gen. 

allwil grossenthells gesprochen: 

awil gerade jetzt, allwU is 'r hir wäst 

eben jetzt ist er hier gewesen. 

amböstig (von Bost- Brust) lun- 
genkrank, dem das Athmen schwer 



und die Brust verengt ersclieint. 
Vgl. dampig, gim', pich'n. 

Amen drückt in dem Sprüchwort : 

Dat is so gewiss as 't Amen in de 

Kärk den höchsten Grad der Gewiss- 
heit aus. 

Amern, Ämern heisse Asche, sel- 
ten vorkommend. 

Ammann der Amtmann, Guts- 
pächter. Dat is 'n Ammans buk 
wird von einem wohlgenährten, 
dickbäuchigen Menschen gesagt. 

Ammari, Amre die Vornamen An- 
na Marie. Die altm. Vornamen sind 
in der Regel aus zwei, selbst drei, 
sogar aus den vier bei der Taufe ge- 
gebenen Namen zusammengezogen. 

ampeln (Verb.) wird von kleinen 
Kindern gebraucht, wenn sie mit 
schnellen Bewegungen der Hände 
und Füsse nach etwas streben, be- 
sonders wenn sie von einer geliebten 
Person auf den Arm genommen sein 
wollen. 

an. Elgenthihnlich shnd die Re- 
densarten. Ist 't Für all an? brennt 
das Feuer im Ofen, auf den Heerd 
u, s.w. schon ? du bist an du bist an 

der Reihe. He kann 't nick an warn 

er kann sich nicht- daran gewöhnen. 

anböt'n. S. böt'n. 
Anbott das Angebot bei Verstei- 
gerungen. 

andam, wahr, 't is nick andam 

das ist nicht wahr. 

anden ; daomit kann ick nick an- 

den damit kann ich nicht dienen. 

andön anthun, stimmt in der Be- 
deutung mit dem Neuhd. nur in den 
Redensarten: Leid, Gewalt, Zwang 
u. s. w. anthun. Nie wird es im Plattd. 
von Kleidungen oder Putz gebraucht. 
Dagegen kommt es in der Grundbe- 
deutung von Dingen vor die z. B. 



beim KocLen der Speisen 'zugesetzt 
werden. Häst all Solt, Krüd u. s. w. 
andaon? fragt die Hausfrau die Kö- 
chin. — Eigenthümlich ist der Ge- 
brauch dieses Worts für: bezaubern, 
behexen. Wenn kleine Kinder oder 
das Vieh nicht gedeihen wollen, so 

heisst es : 't is am wat a^daon, was 

so viel bedeutet als: es ist behext. 
Ebenso, wenn eine Person eine aus- 
serordentliche Zuneigung zu einer 
andern verschiedenen Geschlechts hat 
und von ihr nicht ablassen kann, so 

heisst es: se hat am wat andaon. 

Das Reflex, sick andön bedeutet: sich 
an Jemanden machen, sich bei ihm 
einzuschmeicheln suchen. 

andüd'n S. düd'n. 

anfieit'n hat in einigen Gegenden 
die eigenthUmliche Bedeutung von 
bezaubern, behexen, emm iss Watt 

anfleit. 

ang' (Nasallaut und nachtönend) 
entspricht dem SWÜl. 't is hut SO ang', 
't is ang' Lucht sagt man, wenn ein 
Gewitter im Anzüge ist. Von SWÜl 
(schwül) unterscheidet sich ang' dass 
dieses mehr das subjective Gefühl be- 
rücksichtigt was man bei grosser 
Hitze hat, wahrend SWÜl rein objec- 
tiv ist. Im benachbarten Hannover- 
schen ist ein Wort angig für beengt, 
beklommen, im Gebrauch. Es scheint 
mit enge dasselbe Wort zu sein. Es 

ist mir so enge ums Herz drückt fast 
denselben BegrilT aus. Dazu kommt 
da Ottfried angO statt enge hat. 

ang'n, WOrnao ist nur eine ver- 
kürzte Form für angeln, was auch 
im PIttd. im Gebrauch, in der Bedeu- 
tung des Neuhd. nach etwas angeln. 

Äng'l 1. die Angel, wie im Neuhd. 
2. als Masculinnm: der Stachel aller 
bienenartigen Insecten. Davon das 



Verbum angeln ; de Hummel hat mi 

angelt. — In Zusammensetzungen ist 
Angel ein Schimpfwort z.B. LÜSan- 

gel, Frätangel u. s. w. 
angläös'n S. gläos'n. 
anglüp'n S. glup'n. 
angökeln S. Gökel. 

" angräpSCh S. grapsch'n. 
anhack'n S. hack'n (Verb.) 
ankämp'n S. kämp'n. 
ankarjoln S. karjöln. 

Änk'l der Knöchel an derFusswur- 
zel, duwwelt Änk'l der Plattfuss. 
ank'n S. jank'n. 

ankläön' S. kläön'. 
anklei'n S. klei'n. 

ankrid'n elg. mit der Kreide an- 
schreiben, kommt nur in der Bedeu- 
tung vor: zu viel auf die Rechnung 
schreiben und im bildlichen Sinn statt: 
gedenken, um Rache zu nehmen. 

anmoden sin zumuthen Vgl. tomö- 

d'n. '''"''''r 

Ännemarimalelisch'n, ein im Süden 

vorkommender Vorname zusammen- 
gezogen aus Anna Maria Margaretha 
Elisabeth. ■'';* 

annem'n. Der Imperat. dieses Vef' 
bums (nimm an) dient besonders als 
Aufforderung, beim Essen oder Trin- 
ken sich des Präsentirten zu bedienen. 

annerthalf anderthalb. Die Zusam- 
mensetzung der Ordinalzahlen mtt 
halb ist ganz wie im Nhd. 

Anngret Anna Margaretha. 

Annlis, die Vornamen Anna Elisa- 
beth zusammengezogen. 

anpäk'n S. pak'n. 

Anpart Antheil. 

anpurrn S. purr'n. 

anranz'n auf eine gemeine Weise 
Jemanden mit Worten anfahren. Im 
Bremischen sagt man dafür anrdüd'D, 



von Rand, was dort ein Scheltwort 
für ein altes Weib ist. 

anschaofn angeschossen, angetrun- 
ken, schwächer als dÜD. Wird auch 
vom ersten Stadium des Verliebtseins 
gebraucht. 

anschit'n anführen, betrügen, beim 
Handel, Tausch u. s. w. 

anslagsch S. Knäp. 

ansang' (Nasallaut) ansagen, be- 
kannt machen, besonders von Gebur- 
ten, Entbindungen, Todesfällen u. s, w. 
gebräuchlich. 

an sinn' Wäs'n ansinnen, zumu- 

then dat si mi nich ansinn'. 

ansmär'n betrügen, etwas zu theuer 
Jemandem verkaufen. 

ansnack'n S. snack'n. 

anspräk'n l. beim Vorübergehen 
besuchen 2. um ein Darlehn, Almo- 
sen bitten. 

anstik'n, en watt S. wams'n. 

anstaon laot'n unterlassen. 

anstelin, Sick sich aussergewöhn- 
lich, über die Gebühr geberden, über 
eine Kleinigkeit ein grosses Aufsehn 
machen ; besonders über eine uns wi- 
derfahrene Unbill. 

anten , Antog , anziehen , Anzug 
z.B. von Kleidern. 

antick'n S. tick'n 

antreck'n anziehen (Kleider); sick 
watt antreck'n eine Bemerkung auf 

sich beziehen, und darüber empfind- 
lich werden. 

aniyer'n (r. fast nicht zu hören) 
gewohnt werden, besonders bei Ver- 
änderung des Orts. He kannt' gaor 
nick anwä(r)'n sagt man vom Gesin- 
de, das sich in seiner neuen Lage noch 
nicht finden kann, oder wenn sich Je- 
mand an einem Orte noch niclit ge- 
fällt. Denselben Begriff hat: gewennt 



anwalzt kaom' scherzhafter Aus- 
druck für: kommen, ankommen, 

anwärsch unwirsch, es bezeichnet 
einen Menschen, der verwirrt zu sehi 
scheint und in seinem Betragen kin- 
disch und läppisch ist. Das Subst. An« 
Wärschkeit kommt selten vor. 

Anwass der Anwuchs, junge Leute. 
Das Verbum anwassen bedeutet auch 
im Passiv eine Art von rheumatischem 
Gliederschmerz, auch Schmerz im 
Unterleibe, wogegen dat Strik'n an- 
gewandt wird. 

anwisch'n, en' watt Jemandem un- 
vermerkt einen Schlag versetzen, ick 

heff ämm en anwischt. S. auch wams'n. 

Äp die einzeln in den Dörfern vor- 
kommende langstielige Rüster, (Ul- 
mus effusa.), in andern Dörfern: der 
wilde Ahorn (Acer campestris.) 

apartig abgesondert, ausgezeichnet. 

Appel der Apfel. Die vielen Spiel- 
arten haben grossentheils verschie- 
dene eigenthümliche Namen. Wir he- 
ben von ihnen folgende heraus, ohne 
sie näher bezeichnen zu können: 
SÜrhÖltken, wovon folgender Reim : 

Wenn de Tun dröggt Witten Hot, 
denn smecken Sürhöitken göt. Wenn 

Schnee liegt, schmeckt auch das 

schlechte Obst gut; Prisappel, Brfeap- 
pel, Röhäönschen, Latzappel, Waor- 
appel, Iserappel, Grönberger, Stakap« 
pel, Garling, Mürappel, Kläöterappel, 
Austappel. Sprlciiwort: de Appel fällt 
nich wit von 'n Stamm, ass dat 
Schaop so dat Lamm. 

Appeltrül S. Trül. 

Äpeidäörn der gemeine Ahorn 
(Acer campestris.) 

April. Unsere Kinder singen: 'n er- 
sten April, kann 'n Narr'n schicken 

wo (statt wohin) 'n will, 
är S. er. 



Ärft die Erbse, alts. erwet ; holl. 
erwt. Unsre Kinder haben ein Spiel, 
wobei sie singen : 

Plück, pitick Ärften 
Wenn de Panmann kern 
Un slüg uns um de Ben, 
Ach wo woU'n wi wen. 

Sprichwort: 'n blinn' Düw findt ök 

WOU 'n Ärft drückt das Ziifiillige aus. 
arg hat neben den gewöhnlichen 
Bedeutungen auch die von: erzürnt, 
büse. Hfe is arg Upp di, im Begriff 
doch schwächer als erzürnt. Ick heff 

ken arg darüt hat, ich habe nichts 

Schlechtes dabei beabsichtigt. 

Ärkner der Erker, der herausge- 
bauete Theil eines Hauses. 

ärn irden, ärn Tüg Küchengeschirre, 
als Gegensatz von dem metallenen 
Küchenfreradie. 



linken lind nennen das: Röwk'ü 

schraop'n. 

Aust (aus Aiigust zusammen ge- 
zogen) die Erndtezeit. Anst'ü ernd- 
ten. Austköst der Erndteschniauss. 
Die Knechte halten nicht viel von dem 
Aust, ^^"egen der schweren Arbeit. 
Daher sagen sie: Toerst int Jaor 

kümmt de fröhliche Ostern, drupp de 
lustige Pingsten, un denn de sacker- 

mentsche Aust. Austappel ein frührei- 
fender Apfel. 

awilk'n jetzt, in diesem Augen- 
blick, oder in dieser Zeit, awilken 

bin ick dao west. 

Aodebaor der Storch ; heisst auch : 

Edebaor, Heilebaor, Heinotter, Hannot- 

ter, am häufigsten : Stork zuweilen 

auch Odebarr. Bhar im Sanskr. bero 

im Althd. heisst: bringen, odi althd. 
Glück, Heil. Aodebar u.s.w. bedeu- 



Artsch, Grauaitsch der Hänfling, tet also: der Glück und Heil bringt. 



Hanffink (Silvia cannabina.) 

Arz'n Arzenei gebrauchen, 't arz'n 

helpt nix ; verarz'n Geld für Arze- 

neien ausgeben. 
a ■ so ach so ! 

ass 1. als, da, nachdem. Eigentliüm- 
lich ist der Gebrauch dieses Worts 
bei Fragen. Fragt man : bist du dao- 
bi west? so antwortet der Gefragte 
in den Fällen, in welchen er zuvör- 
derst wissen will, ob die Frage in der 
That an ihn gerichtet sei : ass ick ? 
etwa in dem Sinne: fragst du mich? 
2. als Subst. bedeutet es die Aclisc am 
Wagen. 

j^ss wenn als ob. 

ätsch rufen sich die Kinder zu, 
wenn sie sich gegenseitig oder einen 
andern beschämen wollen, auch ätSCh 
ftt. i:)avon das Verbum ätsch'u, Üt- 
ätSCh'n. Dabei streichen sie mit dem 
Zeigeiinger der rechten Hand den der 



So wird er auch von unsern Landleu- 
ten betrachtet. Auch unsern Kindern 
ist er ein Bruder- und Schwesterbrin- 
ger; daher singen sie: 

Hannotter, Hannotter, Hannester 
Bring' mi 'n klein Swester ; 
Hannotter, Hannotter Hannöder 
Bring' mi 'n klein Broder. 
An andern Orten: Hannotter, Hannot- 
ter du Luder — Bring mi 'n klein 
Bruder ~- Hannotter, Hannotter du 
Ester — Bring mi 'n klein Swester. 

Aod'r die Ader. Das Sprichwort; 

de Jung' hat ken Aoder von mi be- 

deutet: der Knabe hat nichts Ahnli- 
ches mit mir. 

Aoft das Obst. 

Aolansbäsing die Gichtbeere (Ri- 
bes nigrum). 

Aol 1. der Aal (Fisch) 2. ein Fin- 
gergeschwiir (panaritium) 3. die Mist- 
jauche. Daher Aolpöl Ffutze, stagni- 



8 



rendes Wasser auf den Banerhöfen be- 
sonders aus der Mistgauche enstanden. 
Das baierscbeal bedeutet Mistgauche; 
ala im Sch\ved. harneti; im Angls. 
adde Sdimut/:. 

Aolänner, ein grosser Weissfisch 
(Cyprinus cepbalus). 

Aomacht die Ohnmacht ; aomächtig, 

der Ohnmacht nahe, besonders nach 
starker Arbeit, langem Lauf etc. 

aon ohne. 

Aont, Ant n. Ent die Ente, althd. 
anut. Das Geschnatter der Ente über- 
setzt der Land mann so : In der Jugend : 
Snit, Snit, Snit (d.i. schneidet); etwas 
älter geworden: SChärW, SChärw, 
SChärW (d.i. Scharbe, schneide grüber); 
erwaclisen : watt ? Watt, Watt, Watt ? 
natt, natt, natt, natt. Sieht der Erpel 

die Ente, ruft er: Gästen, Gästen, 
Gästen, Gästen (d. i. Gerste). 

Aont'n flott S. flott. 

Aonwend, ein Stück Ackerland, das 
quer vor einer Reihe von Ackerstucken 
liegt und auf dem der Pflüger umwen- 
det. Das alts an bedeutet auch auf. 

Aop, der Affe, bildlich einNachäfler. 

Sprüchwort: he stit üt, ass Wenn am 

'ü Aop lÜSt! er sieht vergnügt aus. 

aop'a, offen ;a!ts.opan, open; aopen 

lif, LeibesölTnung. Fih- öffnen hat der 
Plttd. kein eigenes Wort, er sagt aop'n 

oder upp maok'n. 

äör S. er. 

Aor, die Pflanzenähre alts. aarl. 

aorkaun S. aderkaun. 

Aorn. S. slagt'n. 

Aors, Maors, podex. Bildet mehrere 
Redensarten und Schimpfwörter im 
Munde des gemeirien Mannes, in denen 
aber nicht so wie im Neuhd. das Unan- 
ständige gefunden wird. Aorsklapp 
Schläge auf den Hintern. 

Äorsbedreg'r der Frack. 



Aorskröppel S. Hätltsch. 

Aort lett von Aort nich, ein Sprüch- 
wort etwa so viel wie : Der Apfel fällt 
nicht weit vom Stamme; 'tgeitjo, dat 
't man SO 'nAort hat, das geht ja ganz 
vortrefllich. 

AOS, das Aas; auch ein starkes 
Schimpfwort. Adject. aosig, stinkend. 

Aös'l, der glimmende Docht; 
Schnuppe am Kerzenlicht oder der 
Lampe. 

Aos'n, 1. vom Aase sich nähren. 
2. durch eine unberufene Arbeit und 
Herumwühlen Unordnung in die Ge- 
gegenstände bringen, oder sie umher- 
werfen. 3, von Tliieren, die in dem dar- 
gereichten Futter herumwühlen und so 
unbrauchbar machen. Dat Fudd'f iss 

veraos't. 

AoSWid' (das d wird nicht gehört) 
die Brachweide, wenn sie als Pflänz- 
ling in den Hals eines gefallenen oder 
eingescharrten Stück Viehes gepatet 

wird,denn vertut sick deVesuk wedder 

die Viehseuche hört dann auf. 

äöwel, übel, mi iss so äöw'l, ich 

muss mich brechen, Äöweldad, Uebel- 
that, Verbrechen. 

AowXAob'n, der Ofen. 

Aowend, aks. aband, der Abend. 
Aowendbrot , das Abendessen, 'z Ao- 

wens. S. Morg'n. 

äÖW'r, äöwerst, Präp. und Adverb, 
über, herüber. ÄÖW'r 't Stiaot, über 
der Strasse. Haoi äÖW'r! ruft man den 
am jenseitigen Llussufer befindlichen 
Fährmann zu. gm werd dat äÖW'r ihm 
wird es überdrüssig; he isS emm 
äöwer, er ist ihm überlegen. 2. übrig, 
he hat nicks äöwer, es bleibt ihm nichts 
übrig; äÖWerst ist eigentlich die Su- 
perlativform von äöwer worüber Gr. 
Gr. 3, 663 das Nähere. 



Äöwerdönig wird ein Mensch oder 
auch ein Stück Vieh genannt, mit dem 
in Güte oder mit Gewalt niclits anzu- 
fangen ist; ein nocli stärkerer Grad 
dieses Zustandes wird durch: äöwer- 
gSweil bezeichnet. Vergl. gewen. 

äöw'rdräb'n, übertrieben, ausseror- 
dentlicii. 

äöwerenn', aufrecht, in die Hohe, 
von langen Gegenständen gebraucht. 

sett dat Brett äöw'renn, stelle das Brett 

so hin, dnss es seiner Länge nach steht, 

nicht liegt, sick äöwerenn' int Bett 

upprichten ist ein oft vorkommender 
rieonasnuis. Nicht zu verwechseln mit 
äöwerhenn, obenhin, oberflächlich. 

äöwergaon, l. vorübergehen, vom 
Schmerz. 2. vom Zuchtvieh, wenn es 
in einem Jahre nicht begangen ist, kein 
Junges gebracht hat. Substantiv von 1. 
Äöwergang. 

äöw'rgäw'n S. gewn. 

ÄÖWerglob'n,Misstrautn, nie: Aber- 
glauben, dieser heisst.-Eöaerglob'n, wo- 
von de Haon nix wet und Biglöw. 

äöw'rhaol'n S. haol'n. 

äöwerhöp, l. überhaupt,2. überein- 
ander liegend oder werfend, ohne 
Ordnung. 



äöwerling'n, in: übrigens, inäöw'r- 
ling'n heff 'k dat gaornich meint, das 

habe ich übrigens gar nicht gemeint. 

äöw'rpulschen S. pülsch'n. 

äöw'rsett'n, im Handel übersetzen 
d. h. zu viel Geld für die Waare fordern 
oder abnehmen. y. 

äÖW'rstaon, l. etwasUnangenehmes 
hinter sich haben z.B. Krankheit, Abbe- 
zahlen drückender Schulden; 2. von 
melkendem Vieli gebraucht, bedeutet 
es : ein Jahr hindurch unbefruchtet ge- 
blieben sein. 

AöwertOCh, der Ueberzug z. B. vom 
Bette. 

äöwerwägen = äöwergäben. 

äöw'r warn, M-ortlich : überwerden, 
bedeutet so viel als : Herr über etwas 
werden. Wenn derFuchs einen Hasen 
gefangen hat und ihn frisst, so heisst es: 

den ganzen Haosen kann he doch nich 

äÖWT warn, den Hasen konnte er doch 
nicht ganz^verzehreu. 

äÖW'rwendlich , überwendlich, 
wenn beim Nähen die Stücken Zeugs 
erst vorläufig aneinandergereiht wer- 
den. 



B. 



Die Lippenlauter b, f und W gehen 
im Plttd. sehr häufig in einander über, 
b wird w im Auslaut: leben, ickläw; 
fim Auslaut wird w imlniaut:lef, lieb; 

'n ifewen Jung; defPlur. Dew', der Dieb. 

In der Aussprache wechseln diese Lip- 
penlauter in verschiedenen Gegenden 
verschieden; schef, 'n SChew'u Pott, 

auch schfeb'n Pott. 

Bäbä, die Wiege, besonders in der 
Sprache der Kinder. 

BackbÖSt, ein Ding von ungewühn- 



licher Grosse und Dicke, vom alts. bak, 
der Rücken; von lebenden und leblo- 
sen Diu'Ten gebraucht. 

back'n, anback'n, i. ballen (vom 
Schnee) de Sne backt all ; 2. drückt es 
dieAdhäsion ohne zu kleben, oder dau- 
ernd fest zu sitzen aus, welcher Neben- 
begriflnihack'neuthaitenist.DerSchnee 
unter den Schuhen backt nur an. Wenti 
der Alaurer dieWände mit wenig Sorg- 
falt mit Lehm anträgt, der sich bald 
wieder ablöset, so heisst es: hh hat'n 



10 



Lehm man so anbackt. 3. to back'n 

kaom', eine eigenthUmliclie Redens- 
art. Hat Jemand z. 13. bei einerVerstei- 
gerung ein Gebot getli;in, so d.iss es ihm 
kein Ernst wiir oder dem Aehnüches, 

so sagt er : ick glow, ick kaom daomit 

to back'n. Vgl. hack'n. 

Backenbarn, l. gebackene Birnen, 
2. das geringe Mobiliar eines Armen. 

He kann s!n Back'nbarn bald weg- 

bring', in der 2. Bedeutung wohl von 
bac (der Rücken) und bäörn (tragen) 
also Gerätlie, die man nicht fahren 
braucht, sondern leicht auf dem Rücken 
fortträgt. Vgl. Takel. 

Bäcksei, l. Gebackenes, 2. so viel 
Mehl als man auf einmal ausbackt. 

bäd'n, 1. beten. DerUnterrichtbeim 
Geistlichen als Vorbereitung zurCon- 
firmation heisst : dat Bad'n ; diesen Un- 
terricht geniessen: in Bad'n gaon; 
2. bitten, Ick bitt JU. Obgleich beten 
und bitten einem Stamme angehört und 
letzteres wohl nur dasFrequent. vom 
ersten ist, so unterscheiden sich doch 
diebeidenBedeutungen durch dieCon- 
jugation. Von bäd'n, beten heisst das 
Praes. ick bäd, dubadst. Imperf. bad. 
Partie, bad'n ; von bäd'n, bitten aber 
Praes. ick bitt, du bittst ; Im per f. bitt ; 
Part, bäd'n. Das Substantiv Bad für: 
Bitte und Gebet ist bei uns nicht im Ge- 
brauch; nur als; Abgabe an denGuts- 
herrn etc. kennt man es. Das gotli. bid- 
Jan bedeutet beten, bitten und betteln. 
Auch im Pittd. wird bäd'n hie und da 
für betteln gebraucht. 

Bagaosch (seh wie das französ. ge 
zu sprechen, doch etwas mehr nach- 
tönend) Gesindel, Lumpenpack. Engl. 
Baggage, französ. Bagasse, Italien. Ba- 
gassia. 

Bäk, alts. bac u. bex, jedes fliessende 
Wasser, eigentlich der Bach, dieQuelle. 



Da der Plttd. das Wort FlUSS niclit 
kennt, sondern es meistens durch Wao« 
ter mitunter auch durch Flet bezeich- 
net, so hört man auf dem Lande meist 
nur: Bäk. In der Stadt dagegen ge- 
braiiclit man stets d. Namen des Flusses, 

Bäkbung (ng drückt nur den Nasal- 
laut aus), die Bachbunge, Wasserehren- 
preis (V^eronica Beccabunga). 

Bäk'r, der Becher, alts. bi kera. 

Bälam, das Schaf (Kindersprache). 

balbern, barbiren. He is gottlos bal- 

bferteristge\\altigangeriihrc,betrogen. 

Balg, plebejischer Ausdruck für ein 

kleines Kind mit dem Nebenbegriff des 

Unwillens, zuweilen auch desScherzes. 

Bat Balg schrit ök den ütgeslaogenen 

Dag. Schmeiclieind nennt die Mutter 

auch wohl ihr Kind: min Bälgeken. 

Andere Benennungen für Kind sind: 

Krabb, Gäör, üuark, Ränzel, Schiträn- 
zel, Kräöt, Schitkräöt, Rack'r; 2. in der 
Redensart: sick 'n Balg vuil slaon, für 

viel essen, steht Balg für Magen, Leib. 

Balj', der Kübel, die Wanne, grösser 
als der Tubb'n, eine durchschnittene 
Tonne bildet zwei Balje. 

Balken hat neben den Bedeutungen 
im Nhd. auch den im Plttd., dass es 
einen schmalen Strich unbebaueten 
Landes zwischen d. bebauetenStücken, 
mit oder ohne Holz, Buschwerk etc.be- 
zeichnet. 

ballern S. bäükern. 

Ballerjaon, der Baldrian (Valeriana 
ofllcinalis). 

bäll'n — verbäll'n. 

ball'n, mit dem Balle spielen und 
Bälle bilden, der Knabe ballt, auch der 
Schnee ballt. 

Ball -man -klapp rufen die Knaben 
beim Ballspiel, wenn das Spiel einen 
Augenbück ziu* Schlichtung eines 
Streits unterbrochen wird, wodurch 



11 



die am Schlage befindliche Hälfte vor 
dem Abwerfen mit dem Balle, auch 
wenn sie nicht innerhalb ihrer Schntz- 
grenzesich befindet,gesichertist Daher 
auch nur dieser Theil das Ball-man- 

klapp ruft. 

Balsternack S. Palsternaok. 

ballstürig, stürrig, unbändig, der zu 
seinem Schaden (ball im Alts, malum) 
seine Heftigkeit nicht zu steuern 
(stürn) weiss. 

Bambuschen, PantofTeln, 2. Socken. 

bammeln S. bummeln. 

Bammellock'n, die Gattung Fuchsin, 
eiueGartenblume. 

Bann', durchZaubermittel eineuDieb 
in demAugenblickjdass er mit dem Ge- 
stohlenen abgehen will, festen. Früher 
war man der Meinung, dass der Bienen- 
wirth diese Kunst verstehe. 

Bandstöck'r, jimge Weiden, Eschen 
und andere biegsame Holzarten, wor- 
aus der Böttcher seine Reifen fertigt. 

BangbticksS. Blicks n. 

Bang hämm' sich fürchten. Hef ken 

bang, sei unbesorgt. 

Bankräk'l, Bandräk'I, ein fauler, da- 
bei sich pöbelhaft beuehmenderMensch, 
stäYker als Räk'l. 

Bans' = Tass S. unten. Bans'n das 

Korn in die Banse bringen. 13as goth. 
bansts bedeutet die Scheune. 

Bar, Bäsing, Basen, Bässeln. Vgl. 

Gr.Gr.'J,48ö. (goth. Basi (bacea)alts. 
beri), l. die Birne. Tu dieser Bedeutung 
wird nur die erste Form gebraucht. 
EinigeBenennungen der verschiedenen 
SpieLirten der Birne sind : Trammelbär, 

Klockenbär, Köttelbär, Honnigbär, 
Schunbär, Klümpker, Wickelbär, 
Kösterbär, Jumferbär,Jnnkerbär, Grön- 
hengelbär, Austbär, Stfenbär, Dickstel- 
ten, Göschbär, Utzerbär, Blötbär, 
Pipmann'. 2. die Beere (bacca) Stickel- 



bär und Stick'Ibäsing. Die Heidelbeere 
wird in einigenGegenden Bäsing(ohne 
Zusatz) genannt, in andern Gegenden 

dagegen Bickbär, auch : Krelnogen. 

barbaorsch als Bezeichnung des Su- 
perlativs S. gefährlich. 

Bärböm, Birnbaum. 

barft, selten barföt, ohneFussbeklei- 
dung gehend, man sagt daher auch baor* 
bfenig, baorbent. BeideWörter werden 
auch oft mit einander verbunden ge- 
braucht. Rh geit barft nnd baorbSnig. 
Das altdeutsche Stammwort bar bedeu- 
tet nach Graff: nackt, unbedeckt; 
nach Seh melier dagegen bedeutet 
es im Alts, manifestus, apertus. Barft 
würde dann bedeuten, dass der Fuss 
sichtbar, ohne Bedeckung, sei. Barft 
geht auch schon der, welcher keine 
Strümpfe aber wohl Schuhe trägt, bei 

barft un baorbenig fehlen auch die 

Schuhe. Für das nhd. barhaupt giebt 
es im FIttd. keinen eigenen Ausdruck, 

dafür sagt man : in'n blöd'n Kopp gaoD. 

Bärm, der Hefen, die Bärme. 

barsch, vom Geschmack gebraucht; 
reclitalt.Käse,Meerrettig,stark.Brannt- 
wein, Pfefleretc. schmecken barsch. 

Barte! eigentlicli: Barthold, Bartho- 
lomäus, kommt nur in dem Sprichwort 

vor : He w6t, WO Bartel 'n Most haolt, 

er lässt sich nichts einreden, weiss sehr 
wohl Bescheid. DnsSpricliM'ort lautet 
auch: WO Bartel Most waont, worin 
Barth. Most ausBartholomäus entstellt 
wäre; letzteres scheint richtiger, denn 
Most (ungegohrnerWein) ist bei uns 
nicht im Gebrniich. 

Bäsing S. Bar. 

Bast,dcrBast.wirdauchind. Redensart 
gebraucht: upp'n Bast slttn, zum Ar- 
beiten antreiben und: npp'nBastkdOm', 
für : schlagen, bestrafen. 

bätern, bessern, alts. betian. 
2* 



12 



bät'n, bätjen, bätken, bischen, bits- bei jenem der hörbare Laut weniger 
ken, bitschen, ein Bischen, wenig ; giff stark ist. Wenn ein Kind fällt, so spricht 

mi 'n bät'n äff, 'n Itittj bäten ; 'n bäten die Mutter : Banz, dao lit dat Kind, auch 



wenn das Fallen gar nicht hörbar ist. 
Hiervon wird dasVerb. bauz'n gebildet. 
Für Banz gebraucht man auch wohl: 
Bntz. Ob in der Redensart: deButz'n 
daovon draog'n, denSchaden von etwas 
haben, das Subst.Butz'n hiermit in Zu- 



bito, ein wenig nebenbei. 

bät'n, Part von bit'n, beissen. 

bät'r, Compar. von göd. 

bätSChu.bitSCh, bissig, vom Hunde 
gebraucht, ist nur in einigen Gegenden 
üblich. 

BattÜmmerÜmm u. bantnmmering- sammenhang steht? wageich nicht zu 

Hill, ein Knabenspiel. Rings um eine bestimmen. Vgl. Bumps. PardaUZ 

Erdvertiefung werden so viel Löcher das verstärkte Bauz, ist wohl ausPar- 

gemacht, als Mitspieler, weniger einen, banz gebildet. Man hört auch dafür 

sind, jeder führt einenStock. Der übrig- Pladanz. 

gebliebene versucht mit seinem Stock blw'n u.bäwern,beben, zittern, von 
einen Ball durch die Zwischenräume zitternden Händen, Fieberbevvegungen 
in die Erdvertiefung zubringen, die und ähnlichen Zuständen im Gebrauch. 
Umstehenden versuchen dies dadurch He blw't ass 'n Espenlöf, er zittert wie 
zu vereiteln, dass sie mit ihrem Stock Espenlaub z.B. ein recht Durchgefror- 
den Ball fortschlagen, wobei sie sich je- ner. Wenn de Karl losbrüllt, denn 
doch hüten müssen, dass der Balltreiber bäw't dat ganze HÜS. (Bor n) Bäwern 
nicht früher als sie ihr Loch mit dem ist das Frequent. 
Ende des Stocks berühret ; ist dies der Bäw'l, das Beben, Zittern ; dat letzte 
Fall, so tritt der Betrogene an die Stelle Bäw'r, die Todeszuckungen, 
des Balltreibers. Beim Beginn des BäwereSCh', die Zitterpappel (Po- 
Spiels hält die ganze Gesellschaft ihren pulus tremula) heisst auch : FludreSCh 
Stock in die innere Vertiefung und u. KnallbÖk'n. 



dreht sich im Kreise um die Vertiefung 
mit dem öfter wiederholten BattÜDl* 
merfimm bis der gewählte Leiter des 

Spiels ruft : jeder in sin Lock, worauf 

sich jeder beeilt, seinen Stock in eins 
der Löcher zu stellen. Wer zu kurz 
kömmt ist der Balltreiber. 



BäwerSWanS, eine Dachziegelart, 
Biberschwänze oder Zungen genannt. 

baob'nu.bobbenS baow'n. 

Baod' der Bote ; alts. bode, auch : die 
Botschaft. 

Bäöd'!, der Büttel, Henker ; kommt 
nur noch in der Redensart vor: dat di 



batz, Nachahmung des Schalles der de Bäöd'l, dass dich der Henker ! 



von dem Falle eines Körpers herrührt. 
Fällt einStein etc. nieder und verursacht 
dad urch einen Schall, so sagt man : Batz ? 
dao liggt 't. Erzählt Jemand, dass er 
einem Andern eine Maulschelle gege- 



Baodkapp, ein einfacher, aus 
weissem baumM^oUenen Zeuge beste- 
hender Leichenanzog. 

BaodmÖn,Baodmutter, die Hebam- 
me. Wahrscheinlich verrichteten im 



ben, so spricht er wohl: Batz! dao gaff Mittelalter die Weiber, welche in den 

ickämSn. Davon das Verb. : batzen. öffentlichen Badstuben (Staow'n) 

banz bedeutet ungefähr dasselbe, Handdienste verrichteten, auch dasAmt 

was Batz mit dem Unterschiede, dass der Hebammen. 



13 



Bäögd'l u. Bögg'I, der Bügel jeder 
Art. 

Baok kommt nur in Zusammensetz- 
ungen vor. Gösbaok, Spickgans, ge- 
räucherte Gänsebrust. Mit dem alts. 
bak, der Rücken steht es schwerh'ch in 
Verbindung. Voss in seiner Luise 
erklärt es durch Gänsespeck. 

bäökern, oft hinter einander klopfen, 
schlagen, stärker aisklopfen, schwächer 
alsschiagen. Nahe verwandt ist ballern. 
Beide unterscheiden sich durch den 
Ton, der hervorgebracht wird. Klopft 
man aneineThür mit dem Klopfham- 
mer (in einigen Gegenden heisst der 
Hammer auch Baker), so ist der Schall 
nicht so breit, als wenn man mit der 
Faust gegen die Thür schlägt, durch 
letzteres geräth die ganze Thür mehr 
in Bewegung, der Schall wird breiter. 
Dies istballern, das erstebäökern. Letz- 
teres hängt mit böttkern (das Geschäft 
eines Böttchers treiben) zusammen, 
was auch im figürlichen Sinn für bäö- 
kern gebraucht wird. Die Composita 

affbäökern, dörchbäökern, ütbäökern 

werden auch für: abprügeln, durch- 
prügeln, ausprügeln gebraucht. Vgl. 

auch dellern. 

Baol, die Bohle. 

Baon, die Bahn; 't iss all Baon, sagt 
man wennnachstarkgefallenem Schnee 
schon ein Gang oder fahrbarer Weg 
sich findet. 

Bäön, Bodd'n, der Boden, d. h. 1. der 
ganze Raum eines Hauses mit Ausnah- 
me des Erdgeschosses; 2. der Gaumen 
im Munde; 3. der Boden von den Ge- 
wissen. In diesem letzten Sinne wird 
riieBäön, sondern nurBodd'n gebraucht. 

Bäönhaos. Wer ohne Meister zu 
sein, arbeitet; der sich verstecktauf 
dem Boden (Bäön) aufliält und in steter 
Furcht, gleich dem Hasen lebt, entdeckt 



zuwerden, Auchdie sogenanntenFrel- 
meister, welche von der Obrigkeit unter 
gewissen Bedingungen dieErlaubuIss 
erhielten, ohnein die Zunft aufgenom- 
men zu sein, selbstständig arbeiten zu 
können, wurden früher mit diesem Na- 
men bezeichnet. 

Baor, 1. der Bär (ursus). Hc hatt 
Hänn' as'nBaor, er hat plumpe Hände. 
'n Baor'n anbinn', Schulden machen. 
2. die Leichenbahre, von bäör'n, heben. 
3.dasBeil,dieBarte,nurimHansjochens- 
winkel in dieser dritten Bedeutung im 
Gebrauch. 4. so viel als Baorlttch'O. 

Baordruw, das Instrument, in das der 
Tischler den Bohrer steckt, um rascher 
bohren zu können. 

Baoritttch'n , kleiner Handbohrer, 
von baorn, bohren. Die Bedeutung der 
beiden letzten Silben erklärt sich am 
einfachsten aus der Benennung dessel- 
ben Werkzeugs in Hambiu'g und Bre- 
men, wo es Frittbaor heisst. Es würde 
also umgestellt Baor-fritt heissen. Da 
nun der Altm. die Häufung der Conso- 
nanten meidet, so liess er fr weg, und 
wählte die Diminutivform. t; 

bäörn, heben. Bliar im Saiiskr., bai- 
ran goth., heran alts., angels. u. uordd. 
bedeuten sänuntlich: tragen. ImPittd. 
kommt diese Bedeutung nicht vor, son- 
dern das Antecedens des Tragens, das 
Heben schwerer Gegenstände. Davon 
die Composita affbäöm, schwere Ge- 
genstände herabheben. 

naobäörn, durch Heben nachhelfen. 

Uppbäörn, aufheben. 

Verbäörn, nur in einer abgeleiteten 
Bedeutung gebraucht für: sich einer 
strafwürdigen Handlung zu Schulden 

kommen lassen. Wat hat he verbäört ? 

fragt man, wenn z.B. Jemand gefäng- 
lich eingezogen wird. Der Ausdruck 
ist in seiner Bedeutung schwächer, als : 



14 



verbraok'n (verbrochen). Sick ver- 

bäör'n hat dieselbe Bedeutung wie sich 
verheben imNeuhd., durch Hebeneines 
schweren Gegenstandes dem Körper 
innerlicli, nicht änsserlich, einen Scha- 
den zufügen. 

Baors, derBarsch, einFisch; (Perca). 

Baort, der Bart. Mummel nich so in 

'nBaort, sprich laut und deutlich. Dao 

is di de Baort noch nich townss'n be- 
deutet 1. das passt sich für dein Alter 
noch nicht; 2. das geht über deine 
Kräfte. 

Baortkratz'r, Baortschraoper, der 

Barbier. 

baow'n u. bobb'n, oben ; alts. bi oban. 
Baow'ngaon, die Treppe hinangehen. 
Der Superlativ in Adjectivform heisst: 

bäöwerst, böwwerst. Heisupp'nböw- 

Wersten Bäon, er ist auf dem obersten 
Boden,unter deniDache. debÖWWerst, 
der oberste z. B. in der Rangordnung 
der Schüler. 

baow'n drupp, obenein ; von boaben- 

daol, von oben herab. 

B5ddel, Bettel, Dinge ohne allen 
Werth. 

beddeln, l. betteln ; 2. dringend und 
anhaltend bitten, vonKindern gebraucht. 

Bedelltasch, mildes Scheltwort für 
Kinder, die nicht aufhören um Etwas 
zu bitten, zu betteln. 

bfed'n (Präsens bed, büddst; Imperf. 
bottu. böd ; Partie, baod'n), bieten z. B. 
bei Versteigerungen. 

bedön, sick, sich beschmutzen. 

bedräp'n,bedräplich, S. dräp'n. 

bedreg'n und beschuppen, betrügen, 
alts. bidreogan, bedröglich, betrüge- 
risch. 

Bedrif, Antrieb, Betrieb. 

bedriw'n, betreiben. Wat bedrifst 

du? welches Geschäft hast du? 

bedröft, S. dröft. 



beducht'n, bedenklich werden ; da- 
gegen mibedticht oder 't is miso be- 
dücht, mich dünkt. 

bedüd'n,S.düd'n. 

bedunnert, angedonnert, verdutzt. 

befaot'n, sick, sich mit etwas befas- 
sen ; daomett befaot ick mi nich. 

begaon, durch Gehen ganz herum- 
kommen, besonders vom Boten ge- 
braucht, der eine Menge Aufträge aus- 
zurichten hat, die in bestimmter Zeit- 
frist erledigt werden sollen. Ickknnnt 
nich ganz begaon, in demselben Sinn 

wie : ick knnn nich rtimkaom. Eine 

andere Bedeutung dieses Wortes siehe 
unter gtist. 

begnawweln, S. gnawweln. 

begrawweln, S. grabbeln. 

begösk'n, S. Gös. 

begrist, S. grimmeln. 

bei, beide; goth. bei. 

beien, bähen, vom grünen Holze die 
Rindeund den Bast dadurch wegschaf- 
fen, dass man dasselbe der Hitze aus- 
setzt, wodurch auch zu gleich etwanige 
Krümmungen fortgeschaift werden. 
Auf diese Weise fertigt der Landmann 
in der Regel seinen Spazierstock 

(Go(d)'ndagstock). 

bekennt, bekannt : datt is mi nich 
bekennt. 

beklaog'n, sick, bedeutet ausser dem 
gewöhnlichen, überetwasBeschwerde 
führen: das sich krank fühlen 
ohne bettlägerig zu sein. DieConjug. 

ist : ick beklaog', dn beklögst, he be- 
klögt; Tmperf.beklög; Part, beklaogt. 
beklatsch'n, von Jemandem übel, 
schlecht sprechen. 

beklei'n, S. klei'n. 
beklickern, sick, S. klick. 
bekraom', S. kraom' 

bekrüp'n, schwängern. 

belämmert und belabbert. Dieses 



15 



Adjectivs bedient man sich, um die 
Verachtung eines Dinges oder einer 
aufgestellten Behauptung anzudeuten, 
NVübeinichtseltendie Nebenvorstellung 
herrscht, dass man die gescholtene 
Sache gern selbst besässe. Man hört es 
häuliger im Mundeder Jugend, als der 
Erwachsenen. 

belew, beleiw nich, beileibe nicht, 
ja nicht. 

belew'n, belieben. Wat belfewt ju? 

fragt der Materialist den eintretenden 
Landmann. 

belöp'n, sick, sich belaufen, für: be- 
tragen mit zugesetzter Zahl. Min üt- 

gaow belöppt sick upp verhannert 
Daolr. 

belüks'n, S. luks'n. 

Ben, Dimin.Benk'n, das Bein. 

benibbeln, S. nibbeln. 

benöd'n sin, bedürfen, nöthig haben. 
benöm', benamen, benennen (bei der 
Taufe). 

benusseln, sick, S. nusseln. 

beplack'n, beflecken, beschmutzen. 
Ber, das Bier. 
beräk'n, berechnen. 
beredsaom, gesprächig, herablas- 
send. 
Berg, Barg, der Berg. achter'nBerg 

hoH'n, vorsichtig, zurückhaltend im 
Sprechen und Handeln sein, achter'n 

Berg waon 6k noch Lud. Sprichwort : 
BergunDaolbegegnensicknich,äöwer 

Winschenkinner, man kann nicht vor- 
hersehen, ob uns dieser oder jener einst 
nützen oder schaden kann. 

berg'n, sick, sich bergen. Die Re- 
densart: it kann sick wol berg'n be- 
deutet : der hat die Mittel, sich gegen 
Etwas (Kälte, Ungemach, Hunger etc.) 
zu schützen. 
Bgrk, die Birke(Betula) Adj. bSrk'n. 



berop'n, berufen, durch Worte be- 
zaubern. 

berst'n, l. wie im Neuhd. 2. eiligst 
laufen, herbeistürzen. H5 kammanto- 
bersten, eilenden Laufes stürzte er 
heran. 

Bes', die Binse (Juncus). 

besabbeln, S. sabbeln. 

besack'n, S. sack'n. 

besalwern, S. salwern. 

Bescheid dön, den gereichten Bier- 
krug nehmen, trinken. 

Bescheid gäw'n, bedeutet auch: ta- 
delnde bittere Antwort geben. 

bescheiss'nundbeschlt'n, mItKoth 

besudeln; bildlich: betrügen. 

beschummeln und beschuppen, S. 

schummeln. 

beslaon, beschlagen, wird auch ge- 
braucht, wenn Eingemachtes oder Ge- 
kochtes überhaupt sich mit Schimmel 
bedeckt. 

beslaop'n, dattwill ick erst beslao- 

p'n, darauf will ich mich nochbesinnen, 
das will ich erst recht überlegen; 
2. schwängern. 

beslöp'n, S. Dräöm. 

besmaddern, S. besuddeln. 
besnack'n, S. snack'n. 

Bess'n, der Kehrbesen. Bess'nstäl, 

der Besenstiel. Von einem afFectirt steif 
gehenden Menschen sagt man: He hat 

'n Bessenstäl in'n Rttggen. 

BeSS'nbinne, der Besenbinder. Hfe 

löppt as 'n Bess'nbinne oder as 'n Fatt- 

binne sagt man von einem tüchtigen 
Fussgänger. Warum gerade von dem 
Besenbinder und dem Böttcher (Fatt- 
binner) das Bild der Schnelligkeit her- 
genommen, ist mir unklar. 

Bessenrein nennt man ein Zimmer, 
ein Haus, das nur oberflächlich mit dem 
Besen rein gekehrt, aber z. ß. noch 
nicht gescheuert ist. 



1^ 



beSÖk'n, besnchen. 

Best, Pliir. Best'r, wird im Allge- 
meinen von grossen, starken Thieren 
gebraucht, besonders wenn sie ihre 
Kräfte geltend machen. Wenn der 
Führer eines Ochsen nicht Herr dessel- 
ben bleiben kann, so sagt er: datis'U 
Best. Derselbe Regriff wird auch auf 
Menschen Übertragen, die in aufgereg- 
ter Leidenschaft oder in der Trunken- 
heit sich unbändig und wild durch An- 
wendung roher Kraft betragen; es 
heisst dann auch : 't is 'n Best. Das Adj. 

ist bestig. Vgl. gefärlich. 

bestaou bliw"!!, belmHersagen einer 
auswendig gelernten Rede stecken 
bleiben. 

Bfestmelknennt man die Milch einer 
Kuh, die eben erst gekalbt hat ; die But- 
ter von dieser Milch heisst auch: Best- 
botter. Das Essen, gefertigt aus dieser 
Milch und Mehl heisst auch Best. 

bestriden, bestreiten, die erforder- 
lichenKräfte zu einer Sache besitzen; 
2.SO vielalsläugnen. 

besuddeln, besudeln, verunreinigen. 
Aehnliche Ausdrücke sind : besäöl'n, 

tosuddeln, torack'n, tosmuddeln, be- 
smaddern, belLlickern. 

beSWippt S. dräp'n. 

besWÖW'ü , ohnmächtig werden ; 
beSWÖWt, ohnmächtig. Im Alts, be- 
deutet SUOgan, Geräusch machen, her- 
einbrechen; angels. svogan, svegan. 
BeSWÖW'n würde also zunächst bedeu- 
ten: mitGeräusch niederfallen. 

BeSWOWQitZ, die Ohnmacht. 

betäm' laot'n S. tamm. 

betÖWern, bezaubern. 

bßtt, 1. bis ; b'ett nao flÜS. 2. ver- 
kürzte Form für beter, weiter. Zu ei- 
nem am Tische sitzenden sagt man: 

gao bßtt rnpp oder: bäter rnpp, rücke 

weiter hinauf. Dies kann selbst die 



ganze Bank gemeint sein, während j 
'n Bät'n rupp nur so viel andeutet um 
für eine Person etwa noch Raum zu 
lassen. Vgl. bät'n. 

Bettlaok'n, das Betttuch. 

Bettstäd, die Bettstelle. 

bewärn, Sick, sich mit Jemandem zu 
schaffen machen. In Hamburg wird 
dasSubstant. Bewär, Lärmen, Unruhe 
noch gebraucht. 

Bewis. Bat is man 'nBewts, das ist 

nur um zu zeigen, dass man eine Bitte 
etc. nicht füglich abschlagen kann, von 
dem Erbetenen aber nur eine Kleinig- 
keit giebt. 

bi, bei ; goth. u. alts bi ; fen bi fett, ein- 
zeln, twfebi twfe, je zwei, paarwefse; 
He iSS bi, er ist damit beschäftigt. 

bi- an, neben. HMs man M an gaon, 

er ist nur zu dem nächsten Nachbar ge- 
gangen. 

bi-deSS, unterdessen. BidCSS hefif 
ick dat daon, während der Zeit habe ich 
das gethnn. 

bi-sin (wäsen), dabei sein, zugegen 
sein. Hfe iSS biwäst, er ist dabei gewe- 
sen, als dies oder jenes geschah; 2. er 
hat von einem Gegenstande etwas ge- 
nommen, oder in Unordnung gebraclit, 
oder genascht. 

bi-to, nebenhin, beiweg. Du glittst 
JO bito, wenn Jemand eine Flüssigkeit 
in ein Gefäss giesst, und einiges neben- 
bei üiessen lässt. ForwattbitO, fahre 
etwas vorwärts und bei Seite, dütt heff 
'kbitomaokt, dies habe ich neben mei- 
ner gewöhnlichen Arbeit gefertigt. 

bibbern, bei einer sehr geringen 
äussernVeranlassungin Bewegung ge- 
rathen, verwandt mit bäwern. 

Bibbernägelk, das Zittergras (Briza 
media). 

bibbrig, mit der Hand zitternd, vom 
Sumpfe, der bei dem geringsten Druck 



17 



auf die Grasnarbe in Bewegung gerath. 
Von baw'n unterscheidet es sich, dass 
die Veranlassung zu der Bewegung 
bei bibbern viel geringer ist. 

Biböt, der Beifuss (Artemisia vul- 
garis); soll wahrscheinlich Biiot heis- 
sen. 

Bicht, die Beichte ; bicht'n, beichten. 

Bick, eine Art Hacke, deren man 
»ich z. B. beim Aufreissen des Pflasters 
U.S.W, bedient, sie verjüngt sich nach 
vorne und ist oft von ziemlicher Länge. 
Ist sie kürzer und nach vorne breit, so 

lieisstsieRaodhack. 

bick'n wird auch vom jungen Vogel 
gebraucht, der dieSchale durchbrechen 
will. Der Sprachgebrauch legt das, 
was dem Vogel zukommt, dem Ei bei ; 

man sagt : ddt Ei bickt all. Vgl. pick'n. 

2. ein Kleidungsstück, das an einer 
Stelle so dünne geworden, dass einLoch 
einfallen wird, bickt. 

Bickbär, S. Bär. 

bick'l- (pick'l-) hart, steinhart, was 
gleichsam mit der Bicke erst zerschla- 
gen etc. werden muss. Unreifes Obst, 
gefrorne Erde, sind bick'lhart. Viel- 
leicht: so hart als der Knöchel amFuss 
von Bickel, der Fussknochel. 't frÜSt 

Pick'lstfen= bick'lhart. 

bidd'n, 1. bitten, in der gewöhnlichen 
Bedeutung; 2. betteln. SC mtitt sick 
Wattbidd'n, sie ist gezwungen um Al- 
mosen zu bitten. Das goth.bidjanund 
das alts. biddian haben auch beide Be- 
deutungen. 

Bifali,bifdlln, Beifall, beifalln, in allen 
Bedeutungen, datt gäw ick Bifall, da- 
mit stimme ich überein. 

Biglöw, der Aberglaube. Vergl. 
ÄÖwerglöw. 

Bigraft, das Begräbniss. Ickbin to 
Bigraft wgst. 

bi - halw, seitwärts. 



Bihasp'l, ein Faden, der beim Has- 
peln des Gespinstes nicht auf der Haspel 
sondern daneben liegt. 2. ein zufälliger 
Begleiter ; 3. ein ausser der Ehe er- 
zeugtes Kind. 

bihenn, beiher. Schaod, wattbihSnn 

kümmt, schade um jeden Schlag, der 
nicht trifft; Sprichwort, dessen mau 
sich bedient, wenn ein Knabe gezüch- 
tigt wird, der eigentlich noch stärker 
bestraft werden sollte. 
Bil, das Beil ; alts. bil. 

bilangs, längs ; z. B. bilangs de Mftr, 

längs der Mauer; 2. am häufigsten ge- 
braucht von Kindern, die zu gehen ver- 
suchen, sich aber noch mit den Händen 
an Gegenständen halten müssen. 

Bilaod, S. Laod. 

billern, Bilder besehen, mit Bildern 
spielen. 

Bimmel, fein klingende Glocke, sel- 
ten gebraucht, dagegen oft das Verbum 
bimmeln, mit der kleinen Glocke zum 
Gottesdienst einladen, 'that bimmelt, 
es ist Zeit zur Kirche zu gehen. An 
einigenOrten sagt man dafür : klingeln. 

binao, beinahe. 

Bind, das Gebinde, z. B. Garn, Korn- 
garben. 

Bindfaod'n, Bindfaom, l. der Bind- 
faden; 2. schlechter Brantwein, der 
auch blauen Twarn genannt wird. 

bi-schen, bisken, S. bät'n. 

bisids gaon, bei Seite gehen d. h. 
uriniren. 

Bislag, die halbhohe Wand neben 
der Dreschtenne. 

Bismack, Beigeschmack. 

Bissen (über den sanften Sauselaut 
vergl. die Vorrede) , ein Naturlaut, 
hergenommen von dem Ton, den eine 
Bremsenart (Bissworm genannt) im 
Fluge von sich giebt;ein Ton, der be- 
sonders vom Rindvieh so sehr gefürch- 



iS 



tet wird und dasselbe in einen Zustand 
der höchsten Aufregung versetzt. 
Dann sagt man : de Ko bisst. Selbst 
durch das Nacliabmen dieses Tons 
kann man eine Heerde in grosse Un- 
ruhe versetzen. 
Bist = Best. 

bister, bistrig, trübe, neblig, bistrig 

Wäd'r, trübes, nebliges Wetter. Be- 
sonders ist es von Wegen im Gebrauch, 
auf denen man sich leicht verirren kann 
z.B. durch ein Holz, oder über einer 
Heide, wo sich zahlreiche Wege fin- 
den. dattis'nbistrigenWeg, heisstes 
dann. Davon verbistern, sich auf einem 
solchen Wege, oder in der Dunkelheit 
verirren. Auch von Hausthieren, die 
von der Weide zurückkehrend, sich 
in den Strassen verirren, und durch Ja- 
gen sich auch dann vor Angst nicbt zu- 
rechtfinden können, wenn sie sich auf 
dem bekannten Wege befinden. DeKo 
is ganz verbistert. Im figürlichen Sinn 
bedeutet bister ÜtsCD, unfreundlich 
sein. 

Biswäk drückt den körperlichenZu- 
stand aus, in dem man sich befindet, 
wenn man sich unwohl fühlt, ohne 
recht zu wissen, w^orindasUnM-ohlsein 
besteht, oder wo der Sitz desUebels ist. 

bit'n(Präs. bit;Imperf.bet; Partie. 

bät'n), beissen. He hat nicks to bit'n 

nn to bräk'n drückt eine sehr grosse 

Dürftigkeit aus. De Maräk, Sämp,Tä- 
per etc. bitt. Bildlich bedeutet es Je- 
manden heftig anfahren. Na! bit mi 
man nich ! goth. beitan, angls. bitan 

Bit'r, Eiterken, der Zahn, besonders 
bei kleinen Kindern im Gebrauch. 

bitscb = bissig. 

bitter, bitterlich hat neben der ge- 
wöhnliclien Bedeutung im Plttd. noch 
eine eigenthümliche, indem dies Wort 
gleichsam einen verstärkten Superlativ 



ausdrückt. De Frft is bitterlich arm 

ist stärkergesagtals: blötarm(blutarm). 

Hfe hat ok nich dat Bitterste, er ist von 

allem entblösst. Bitterböse findet sich 
auch imNeuhd. 

BitterkrÜd nennt der Landmann den 
WasserpfefFer (Polygonum hydropi- 
per), dessen gekauete Blätter wie Pfef- 
fer beissen. 

Black, Dinte, wenig mehr im Ge- 
brauch. 

Blad Plur. Blä(d)'r, das Blatt; alts. 
blad. Davon blaon, affblaon = blatten, 
abblatten. 

biaddern, blättrig abschälen, wird 
besonders von Hautkrankheiten ge- 
braucht, wenn die Oberhaut sich ab- 
schält. De Masseln biaddern äff. 

blädern, in einem Buche blättern. 

blaff'n, bellen der Hunde. Daher 
Blaff köter, ein Hund der viel bellt; ist 
auch Spottname für einen Menschen, 
der sehr laut und anhaltend spricht. 
Hnnnblaff dient zur Bezeichnung der 
kurzen Entfernung eines Ortes. Fragt 
man auf dem Lande, wie weit es noch 
bis zum nächstenDorfsei, so erhält man 
verschiedene Antworten z.B. : 'n Smät 
Wegs, d. h. wörtlich : so weit man mit 
einem Stein werfen kann. Darunter 
verstehtman ungefähr 1[_^ Stunde Ent- 
fernung, 'n Hunn'blaff d. h. so weit man 
das Bellen eines Hundes hören kann, 
drückt eine etwas grössereEntfernung, 
als die vorige, aus; 'nPip Tobackoder 
'n Smok Toback d. h. so weit eine bren- 
nende Pfeife Taback ausreicht, drückt 
1|.2 bis eine ganze Stunde Entfernung 
aus. 

blank, blank, glänzend. De Wisch is 

ganz blank, die Wiese ist ganz unter 
Wasser. 

Blank, l. Morgen- und Abendröthe, 
besonders im benachbarten Hannover- 



19 



sehen gebrätichllcli. Im Alts, bedeutet 
bli die Farbe, davon blican, glänzeft; 
2. ein blinkender, glänzender Raum. 
Wenn im Frühjahr die Flüsse austreten 
und weit und breit das Wasser steht, 
oder im W'^inter ein grosser Raum. mit 
spiegelglattem Eise belegt ist, so heisst 

es :'tisen Blank, 
blänkern, blünkern, blinkem, das 

Verbum vom vorigen. Man verbindet 
selbst diese dasselbe bedeutende Wör- 
ter : dat blinkeit un blänkert recht. 

blärn, plärren, stark weinen. Engl, 
blare.lat. balare, von Kindern, kleinern 
Vieh, besonders Schafen, im Gebrauch. 
ElärsnÜt, Scheltwort. 

Blasslock, Blassholt, Blassfar. Der 

Bäcker unterhält neben der Ofenmun- 
dung ein kleines aus fein gespaltenen 
Holzstückchen genährtes Feuer, um 
den Ofen zu erhellen. Das BlaSSfÜr 
brennt im Blasslock, genälirt von 

Blassholt. 

blastern, afifblastern, l^equent. vcjn 

bladdern, wird gebraucht, wenn die 
sich abschälendenStücken grösser sind, 
z. B. wenn die Tünche an den Wänden 
sich ablöst. 

blau Ackermann,S. Ackermännchen. 

blaun Dunst, der Dost (Origanum 
vulgare). 

Blaurack'r, die Mandelkrähe (Cora- 
cias garrula). Die beiden letzten Sil- 
ben sind eine Nachahmung des Lauts: 
rack, rack, den man von dem Vogel 
hört. 

blaustem, bleustem (Verb.) wird 

gebraucht von dem eigenthümlichen 
Ton, der entsteht, wenn aus dem Rauch 
die Flamme hervorbricht. 

blau'n Twära, S. Bindfaod'n. 

blaog, blau, wird durch die neuhd. 
Form allniälilig verdrängt. 

Blaok, blaok'n. Blac im Agls., blak 



im Engl, bedeuten ; schwarz. Blaok 
bezeichnet in der Altmark den feinen 
Russ, den der Kien oder die brennende 
Lampe oder das Talglicht absetzt, Dc 

Dönns isswart von Blaok. De oll'Krösl 

(Lampe) blaokt, wenn der Docht zu 
lang heraus gezogen ist. Toblaok'n 
wird von den Räumen gebraucht, in 
denen sich die Folgen des Blaokens fin- 
den. De Doms is recht toblaokt, die 
Stube ist vom Lampenruss sehr ge- 
schwärzt. Das Adject. davon istblao« 
kig, zu unterscheiden von bläökrig, 
welches letztere hauptsächlich von 
Speisen undGetränken gebraucht wird, 
in die beim Kochen Rauch hineingezo- 
gen ist. De Mälk is bläökrig, die Milch 

schmeckt nach Rauch. Das BläÖkrige 
ist aber noqh nicht branstrig, was an- 
gebrannt bedeutet. Bläökrig wird fi- 
gürlich auch von Menschen gebraucht, 
die z.B. eine Nacht getanzt, gewacht - 
haben. Du süst SO bläökrig Üt, man 
siebtes dir an, dassdii die Kracht hin- 
durch gescJiwärmt oder gewachthast. 
Man konnte versucht werden, das 
Bläökrige der Gesichtsfarbe abzuleiten 
vom alts, u. plttd. blek, blass, bleich ; 
aber : 'n blek Gesicht ist kein bläökri- 
ges, es drückt nur die blasse, kränkliche 
Gesichtsfarbe aus. Vgl. auch saugem. 

bläÖk'n, bellen, brüllen von Thieren; 
2. von Menschen gebraucht, bedeutet 
es : hart anfahren. 

Blaok'r, der Wandleuchter. Z 

blaos'n (blaos, blöst ; blos; blaos'n) = 
blasen. 

blech'U, zahlen mitdemNebenbegrifl" 
des Erzwungenen. Du Sast mi dÜCh- 
tigblech'n ruft man Jemandem zu, der 
sicli auf verbotenem Wege befindet. 

Bleck, 1. Fleck, ein verhältnissmas- 
sig sehr kk iner Raum. De Gaom iS m&n 
klSn Bleck, der Garten ist nur klein. Es 

3* 



20 



bedeutet auch einen kleinen Theil eines 
Weges. Ick will noch 'n Bleck mitgaon, 

ich will dich noch eine Strecke Weges 
begleiten ; 2. Blech. 

Bleik, die Bleiche. 

blek, blass, bleich; alts. blek. Vgl. 

Blaok. 

bleck'n, entblössen z. B. die Zähne; 
2. einen Cadaver abhäuten. affbleck'D, 

die Rinde einer Pflanze, eines Baumes 

abschälen ; De Zick hat den Böm äff- 
bleckt. 

blenn', blenden. 

Bless, gewöhnlich. Name für Pferde 
und Kühe etc. wenn sie einen weissen 
Streifen an der Stirn haben. 

BlessSnt, das schwarzeWasserhuhn 
(TuHca atra). 

Bleustern, S. Blaustern. 

Bli, das Blei. Ad ject. bli-ern. 

blinkem, S. blankem. 

blinn' Ding, das Blutgeschwür aus 
heiler Haut. 

blinn' Hecks, l. Scheltwort für einen 
Menschen, der über das zu Beachtende 
hinwegsieht. 2. wird das üfeiaas, die 
Eintagsfliege, ein Insect, das sich im 
Sommer zu Tausenden an den Flüssen 
aufhält, mit diesem Namen bezeichnet. 
(Ephemera auch die Phryganea). 

Blistick'n, Bleifeder. 

Blitz, Blicks, l. eineinterjection, in 
der Regel mit PotZ verbunden. PotZ 

Blicks , watt hat de Karl vöörn gröt 

SnÜt, was kann der Kerl prahlen ! 2. ein 

Fluchwort: Blitz! Haogel! Dunner! 

Flickerment (Born). Wird es mit Sub- 
stant. verbunden, z.B. Blitz- Jung, Blitz- 
Kärl so bezeichnet es einen Menschen, 
der durch Kurzweil, launige u. witzige 
Einfälle die Hörenden belustigt, auch 
wohl diesen oder jenen zurZielscheibe 
seines Witzes macht. Ein Tadel soll 
aber dadurch nicht ausgesprochen 



werden, sondern in den meisten Fällen 
ein Wohlgefallen daran. 

blitzblau undunnergrau ist die Be- 
zeichnung einer unbestimmten Farbe, 
auch wenn blau und grau nicht darin 
vorkommen. 

bliw'n (ick bliw, du bliffst, Imperf. 
blew, Partie biäw'n), bleiben. 

Blocksberg, der Brocken. Ick WOll, 
du Werst Upp 'nBlocksberg, drückt das- 
selbe aus, wie das neuhd. Sprichwort: 
ich wollte du wärst wo der Pfeffer 
wächst. Damit in der Walpurgisnacht 
die nach dem Blocksberg ziehenden 
Hexen der Stadt etc. oder den einzelnen 
Häusern keinen Schaden zufügen, be- 
zeichnen die Knaben die Hausthüren 
und die Mittelsteine des Pflasters mit 
Kreidekreuzen. Auch spotten die Kin- 
der über einen Kutscher der anspannt 

durch den Gesang : Johann ! spann' an ! 
drfe Katten voran, dre Mtis' väörupp, 
nao'n Blocksberg 'rupp. 

blöd'n (das d wird in der Regel nicht 
gehört) Präsens blöd, blöttst. Imperf. 
blödd, Part, blöt; bluten. Die Redens- 
art: datHärt blött mi bedeutet: ich 
empfmde einen tiefen, ergreifenden 
Schmerz ; 2. es wird aber auch von 
Kindern gebraucht, die andere im Be- 
sitz einer Sache, besonders Esswaaren 
sehen und gern es selbst besässen. Sick 
ÜtblÖd'n,sein Vermögen nach und nach 
hingeben z. B. zur Erziehung der Kin- 
der, so dass er verarmt. Adj. blödig, 
blodig. 

blöj'n, blon, blühen. De Sn6 blöt, 

ländliche Bezeichnung des sogenann- 
ten Sommers, d.h. des Spinngewebes, 
das im Spätsommer die Felder über- 
zieht und auch in der Luft herumfliegt. 
Es heisst ausserdem auch Sommasld, 

Sn&blossen. 

BlBdknopp'n, Blütknospen. 



2f 

Blöm, die Blume ; goth. und althd. nach dem Bock verlangend ; 2. auf- 
blöma. Plur.BlÖni'r,Dimin.BlÖink'n u. sätzig, w!derspenstig(vom Menschen). 

Böd, l.dieBude z.B. auf dem Markte; 
2. ein Haus, das im Mittelalter keine 
Braugerechtigkeit hatte. Die Häuser 
der altmärkischen Städte waren in Er- 



Blömerk'n. 

blomrant, bunt, blnmenartig ge- 
zeichnet, (von Rlom, PI. Blcim'r). Zund 

is alles Fensterglas, blömrantschmnck- 



schön(Born) Mi is ganz blömrant väör ben und Buden (Erw un Böd) getheilt. 



Og'n sagt man, wenn man schwindeh'g 
ist, oder eine Ohnmacht im Anzüge ist, 

BlÖSS'n, (Plnrale tantum), Hlüthen 
eines Fruclitbaums, von den übrigen 
Blumen wird dies M^ort nie gebraucht, 
sieheissen niirBIÖm'r. SnebloSS'n der 
fliegende Sommer. 

Blöt, als Substant. : das Blut ; goth. u. 
alts. blöd; als Adject. bloss, unbedeckt. 
Nackt un blöt Ausdruck für: blutarm; 
als Adverb, blos?, nur. 

Blubb, der Laut, welcher entsteht, 



Die ersten hatten dieBraugerechtigkeit, 
die letzten nicht. Diese Eintheilung er- 
hielt sich da,wodieAntheile an der Ge- 
meindeweide u. am Holze nach dieser 
Eintheilung bestimmt wurden. Seit 
den Separationen hören auch diese Be- 
nennungen auf. 

Bodd'n, der Boden in seinen ver- 
schiedenen Bedeutungen. 

Bödd'n, der Bottich des Brauers, 
Brenners, Lohgerbers. Daher Maisch* 
bödd'n. 

Bog, die Beuge, Krümmung, Falte. 



wenn sich die Luft durch eine Flüssig- 
keitdrängt. Davon das Subst.Blnbber, Knebog, die Kniebeuge, 
die Wasserblasen, das Verb, blubbern, Bögg'l, S. Bäögl. 
1. diesen Laut hören lassen, besonders bög'u (Imperf. bog, Part, baog'n), 
beimTrinkendieLuftindieFlüssigkeit biegen und beugen ; goth. biuga. H6 
drängen, wodurch Blasen und der Laut hat nich to bög'n Unbräk'n, er ist ein 
entstehen ; rasch und undeutlich, polte- Hungerleider, ÜtbÖg'n, beim Gehen 
rig sprechen, besonders wenn die ein- oder Fahren ausbeugen. 



zelnen Buchstaben undeutlich bleiben. 
(Daher die Scheit vvorte Blubberer, 
Blubb'rjOChen.) 3. Unnütze und unbe- 
dachtsame Reden führen. Du blubberst 



Bök, Plur. Bök'r, Dimin. Bökelken, 

das Buch. Vgl, Ög. Goth, böka, alts. 
bök. Bökstaow, der Buchstabe. 

Bök, die Buche. Wittbok, dieWeiss- 



ök all's rüt, du sprichst unbedachtsa- buche (Carpinusbetulus) Rodbök, die 
merweise, was du verschweig, solltest. Rothbuche (Fagus silvatica). Im Plur. 
Bltimelein, mit und ohne den Zusatz Bök'n, Adj, bök'n. In denZusammen- 



Yergissmeinnicllt, d i e bekannteSum pf- 
blunie (M yosotis palustris). 
bobb'n, S. baown. 

Bockheistern, S.Kobbolzen. 

Bocksbaort nenntman alledieGrä- 
ser, die auf unfruchtbarem, dürren Bo- 



setzungen Bökmast, Bökhost, Bök- 

ackern fällt der Umlaut weg. 

Bökfink, der Buchfinke (Fringilla 
caelebs). Er singt: Ick, ick, ick will 
hin zu dir! Du, du, du komm herzu 
mir! Flink, flink, flink! Oder: Min 



den wachsen und bald ein blasses abge- leM'es Wif, Wif, Wif, Wif ; Hut, hüt, 

storbenes Ansehen gewinnen z.B. aus hüt, hüt' hef 'k bot dat Nest, Probirs, 

den Gattungen Aira,Festnca etc. birs, bir's, bir's, 't iss smuck, smuck, 

booksch, 1. von Schafen u. Ziegen : smuck, sniuck.Oder ; t'schiuki t'schinkl 



Ql 



t'schink will ick, un vor en twe Drir 
B6r! 

BÖkweit, der Buchweizen. 

Bölk'n,leiblicheGesc]iwister. Davon 
Bolk'nkinner, Gescliwlsterkinder. Man 
geht in dieser Bezeichnung der Ver- 
wandtsch.ift noch weiter und nennt: 

anneBolkenkinner unddrüdd' Bölken- 

kinn'r, wenn die Gross- oderUreltern 
Geschwister waren. Bolc bedeutet im 
Althd. propinquus, aflinis. 

bölk'n, blöken, besonders vom Rind- 
vieh, von Schafen etc. sagt man blärn ; 
2. vom Menschen gebraucht bedeutet 
es: aus vollem Halse schreieti. Daher : 
Bölkhals, ein Scheltwort. '^, 

Bölkhöst'ü, ein rauher, sehr dumpf 
tönender Husten. 

. ■ boU, hohl ; besonders in der Verbin- 
dung holl un boll. Beide Wörter be- 
deuten dasselbe; die plattd. Sprache 
liebt aber dergleichen Assonanzen, so 
wie die Alliterationen sehr. Schlecht 
aufgescliichcetes Holz hegt: boll. Ist 
ein Stall oder Zimmer von Ratten ganz 
unterwühlt, oder ist ein Haus in 
schlechtem baulichen Zustande, so sagt 

man : dao is aU's iioll un boll. — To boll 

forn, festl"ahren. 

Boir, Samenkapsel des Flachses; 
2. Zipolle. 

BolliS heisst das Eis, wenn es nicht 
unmittelbar auf dem Wasser liegt, son- 
dern zwischen beiden noch ein Zwi- 
schenraum sich befindet. 

Bolt'n, der Bolzen, 1. das Eisen, 
welches glühend gemacht in die Plätte 
geschoben wird; 2. der Löthkolben des 
Klempners und Glasers. 

bolzen, sich begatten, nur von 
Katzen gebraucht. 

Böm, goth. bagms; 1. der Baum; 
2. der Hebel, Hebebaum ; einen beson- 



dern Namen für letztern kennt man in 
unserm Plattd. nicht. 

bömstill, bumsstill, ganz stille, ohne 
einen Lnut von sich zu geben, 

Bön, die Bohne, M'egen der Redens- 
art: he hat Bön' gäten, er hört nicht 
auf den Zuruf etc , zu merken. 

Bor, die Börde im Magdeburgisch. 

Borg (althd. bore, angels. beorc), 
das verschnittene Schwein. Das männ- 
liche heisst Pas'lborg auch Kämpborg 
(von Päsel = penis), das weibliche Su- 
borg (von Sau). 

Borg', die Trage, ein Werkzeug 
zur Fortschaffung von Lasten , wozu 
zwei Personen erforderlich sind. (Die 
Trage für eine Person heisst Schann'). 
Die einfachste ist de MeSSbÖrg zum 
Fortschaffen des Mistes; de HoltbÖrg 
hat 4 Füsse, die auf der obern Seite noch 
weit hervorragen, 

Börg'r, der Bürger; goth. baurgja, 
baurgs. 

Bork', die Baumrinde, vorzugsweise 
und ohne Zusatz die abgeschälte Ei- 
chenrinde,diederLohgerber gebraucht, 
Dann wird die dicke, rauhe Rinde auf 
einer Wunde, der Schorf, auch so ge- 
nannt, wenn sie stark ist. BorkmöU' 
die Lohmühle. 

Borst auch Berst, ein Riss im Holze 
und hölzernen etc.Geräthen. 

Borst, die Bürste, 2. die Schweins- 
borste, 3. das Kopfhaar in der Redens- 
art : bi de Börst'n krig'n. S. wams'n. 

Bort, ein hölzernes Gestelle mit 
Fächern aber ohne ThUren. Nach der 
Bestimmung erhält es verschiedene 

Namen : Tellerbort, Schäötelbort, Bö- 

kerbört etc. je nachdem Tellern, Schüs- 
seln, Bücher etc. darin aufgestellt wer- 
den. Besteht es nur aus einem horizon- 
tal liegenden und einem mit demselben 
in Verbindung gebrachten vertikalen 



23 



Brette, letzteres mitNägeln an derWand Botterbrot, Butterbrot. Dat kost 'ü 
befestigt und mit vielen hölzernen Botterbrot, das istspottwohlfeil. 



Pflücken zum Aufhängen von Gegen- 
ständen versehen, so heisst es : 'n Eichel, 
auch wenn das horizontal liegende 
Brett fehlt. Bourd goth. bedeutet Brett. 

BÖSSel, die Kegelkugel, boSSeln, ke- 
geln. 



Botterlick'r, scherzhafteBenennung 

des Zeio-ellny;ers. 

Botterstuil, S. Stull. 

Bottervogg'I und Botterhex, allge- 
meiner Name der Tagschmetterlinge 
vorzugsweise des Kohlweisslings. 



Bossen, der Busen. Alts.bosm, bö- Wenn die Kinder einen solchen er- 
s6m. haschen wollen, so singen sie : Botter- 

voggl,Gigelgaog], sett di, Näs' unMul 
blött di. Die sogenannten Nachtfal- 
ter heissen durchweg : Eupeuschiter. 
Nach dem Glauben des Landmanns 



Bost, die Brust, Beim Stillen der 
Kinder wird nicht Bost, sondern nur 

Brust gesagt. Ick will de Bern man erst 
d' Brust gäwen. Vgh auch amböstig. 



Bostdök, die Weste, mit und ohne muss man im Frühjahr genau auf den 



Ermel. 

böt'n, Feuer machen. Anböt'n, 
Feuer anzünden; inbot'n, einheizen; 
nnnerbbt'n, unter einem Kessel etc. 
Feuer machen. Dann bedeutet bÖt'n 
auch eine Art magnetisch. Kunnethode 



ersten Bottervoggl achten. Sieht man 
zuerst einen weissen, so bekommt mau 
Trauer ; einen gelben, so steht man Ge- 
vatter; einen bunten, so hat man im 
Laufe des Jahres eine Hochzeit. 

Böttk'r, derBöttcher. DenHammer- 



anwenden, die unter den niedernKlas- schlagen des Böttchers legt man den 
sen noch häufig im Gebrauch ist. Der Reim unter: Datt Böttkerwif, datt Bött- 



Böter (so heisstder, welcher dieMani- 
pulation verrichtet) lässt auf dem lei- 
denden Theil sehr häufig einige aus 
Stahl und Feuerstein hervorgebrachte 
Funken fallen u. murmelt verschiedene 
Beschwörungsformeln. Vgl. Roth de 



kerwif, dattfritt 'nsurenKolin'tLif, 

böttkern, das Geschäft eines Bött- 
chers treiben, S. auch bäökern. 

Bracknäs', eine verhältnissmässig 

kleine Nase. / 

Brag'n, Bram, l. das Gehirn; engf. 



nominibus et vocabulismedic. ap. vett. brain, angls. brägen. De Bräm is ämm 

Germ.p. 140. Endlich istbüt'nso viel verfraorn, sagt man von einem Men-' 

als bÜSSen in der Redensart: sin Lust sehen, der alberne Reden führt; 2. die^ 

böt'n. Bremse, ein zweiflügliges Insect;' 

Bott, I.Gebot, bei Versteigerungen. 3. der nach aussen gekehrte Vorsatz 

Wer hat dat Bott ? Anbott, das erste von Pelzwerk an Mütze und Rock. 



Gebot dabei. 2. S. allebott. 

Bott'r, die Butter; dao steit 'r, ass 

Bott'ran d' Sunn, dasteht er als Butter 
an der Sonne, d. i. er ist verblüfft, be- 
schämt. 

Botterblöm, die Butterblume, Kuh- 
blume, (Caltha palustris), auch Lö- 
wenzahn (Leontodon taraxacum). 



Auch von der Kleidung gebraucht, 
wenn ein Frauenzimmer bei schmutzi- 
gem Wetter den untern Theil des Klei- 
des beschmutzt hat. Se hat 'n grftten 
Bram um 'n Rock. 

Brämpann', die Hirnschale, 
Bramwost, eine Art Wurst, worin 
das Gehirn d. Schweins eingemengt ist. 



24 



Brambärn und Braom, die grosse 

oder Waldbrombeerfrucht. Die Frucht 
der Ackerbrombeere nennt der Land- 
mann aber Brumbäsing. 

Bramsen, seinen Unwillen zu er- 
kennen geben. Hfe biamst en de Orn 
villi, stärker als gnaddem. 

Brandböm, die Aloepflanze, deren 
Saft der Landmann für ein Mittel gegen 
Brandwunden hält. 

branstig, S. Biaok. 

Braanwin, Brennwin, derBrantwein. 

Brassen, l. der bekannte Fisch die 
Bleie (Sparus. Linn.). 2. bedeutet es 
allerlei Dinge als ein Ganzes betrachtet. 

Nimm den Brassen hänn, sagt der Ver- 
steigerer, wenn Jemand eine Kleinig- 
keit für allerlei Polterei geboten hat. 

Auch ironisch dao hast 'q rechten Bras- 
sen, da hast du was rechts. 

BrätSCh, ein Naturlaut, dessen man 
sich bedient, um denSchlag gegen einen 
Körper zu bezeichnen. BratSCh ! kreg 

hfe von deSmäd'n Slag. (Born). 

Braod'n das seh wach nur antönende 
d geht hie und da in einen Laut über, 
der dem des g ähnlich ist, der Braten, 
figürlich auch vom Wohlleben und 

Reichthum. He kann all' Daog Braod'n 
ät'n; dao is lüt'r Saod'n un Braod'n, 

drücken beide Reichthum und Wohl- 
leben aus, jedocli mit einem tadelnden 
Nebenbegriff der Verschwendung, be- 
sonders im Essen. 

Braodbärn, gebackene Birnen ; Üt- 

sen as Braodbärn, mager sein. 

Braodschaop'n, Bratpfanne. 

BraodSCh'n , alles Backobst z. B. 
Pflaumen, Aepfel, Birnen etc. 

braodschig, grosssprecherisdi, mit 
demNebenbegrifif des lauten Sprechens, 
von braodsch'n, lärmen, prahlen. Brät 
im Alts der Lärm. 

Brack, l. derBrachacker, dieBrache> 



2. ein Instrument zum Zerbrechen der 
Halme des Leins, vor dem Schwingen 
und Hecheln des Flachses gebraucht. 

braok'n, Brachacker pflügen und 
den Flachs brechen. 

Braoksäwken, S. Säwwäck. 

Braomen, die 13rombeere. 

bräöseln. Wenn beim Braten des 
Fleisches unter demselben nicht die er- 
forderliche Feuchtigkeit sich befindet, 
so bezeichnet dies Wort den eigen- 
thümlichenTon, der dadurch entsteht. 
Von Brat alts, der Lärm. 

bräösig, S. sangern. 

Bräössel, Bräözel, heisst einGericht, 
das aus allerlei Kleinigkeiten oder 
Ueberbleibseln besteht und zusammen 
in einer Pfanne gebraten wird. Kann 
als Diminutiv von Braod'n angesehen 
werden 

Bredulj, S. Predulj. 

brenn', brennen ; kommt bei einigen 
Kinderspielen vor. Wenn beim Kugel- 
spiel die Kugel durch irgend etwas in 
ihrem Laufe gestört wird oder beim 
Würfelspiel der Würfel sich gegen 
etwas lehnt, dass er nicht gerade auf 
einer seiner Flächen ruht, so heisst es: 

't brennt oder 't hatt brennt. Will 

beim Ball- und andern Laufspielen ein 
Mitspieler momentan ausser Spielthä- 
tigkeicsein, um Erörterungen beizu- 
bringen oder einen Streit zu schlichten, 
so ruft er: Yerbranni Es scheint dies 
einSubst. zusein, denn es heisst auch : 

ick heff in 't Verbrannt wäst. 

brennrig, hlr rükt so brennrig, hier 

riecht es, als wenn etwas brennt ; bran« 
Stig wird von angebrannten Speisea 
gesagt. 

Brennwin, S. Brannwin. 

bretaoi, grob, hochfahrend (brutal). 

bret, breit ; goth. braids. 



•A 



Bri, der Brei. De Bri wät nich so 
hetgät'n, ashe uppdraogtis, es wird 

nicht so scliümm werden, als es scheint. 

He geit rümm, as d' Eatt ümm 'n beten 

Bri, erwillniclit gern daran, möchte es 
aber wold. 

Brich'n, jeder din-ch dieSinne wahr- 
nehmbare Dunst, besonders wenn er 
aus erhitztem Wasser od. von gekocht. 
Speisen aufsteigt. Auch von gasartigen 
nur durch den Geruch wahrnehmbaren 
Dingen z.B. von den Ausdünstungen 
der Pferde in den Stallen. 

Briir die Brille; BriH'n verköp'n, 

täuschen, betrügen; BriirnverkÖpcr, 
wer dies thut. 

Brinksitt'r, S. Kaot*. 

bringen, (Imperf. u. Part, brecht u. 
bracht), bringen. 

BritSCh, die Pritsche. 

brockfellig, morsch, zerbrechlich; 
tropisch: schwiiciiHch, kränklich. 

Brockwid, die Bruchweide, wird 
auch Sprockwid genannt. Vgl. Sprock. 

brodern, leise sprechen, brnmmeln, 

unverständlich sprechen, in 'n Baort 

brnmmeln; blnwwern S. blubbern; 

gnttern ist mit blubbern gleichbedeu- 
tend. 

bröd'n, brüten, den figürlichen Be- 
griiF des neuhd. kennt man imPlattd. 
uicht. 

Brök, der Bruch, Moorboden. 

Brök, Beinkleider. Vergl. Bücks'n. 
angels. braec, brec. 

Brör, der Bruder, goth, brodhar. 

Bröss'l, S. Kaosl.^ 

Brot, das Brot. Annaw^g'n wat 6k 

Brot backt, auch an andern Orten kann 
man sicheinllnterkonunen verscliallen. 

Weck sin Brot ick ät, denn' sin Ud ick 

sing, wessen Brot ich esse, dessen I.icd 

ich singe. De sln Kinnem giflft Brot 



nn litt sälw'st Not, de is wart, datt 'n 
sleit mit de Kül döt. ^f 

Brötkaorn, der Roggen. '^ 

brnch'n, brünstig sein, nur von 
Scliweinen im Gebrauch. 

brüd'n (d wird wenig gehört), vexl- 
ren, necken. Dat isjoLudbrud'n, das 
helsst ja den Menschen zum Besten ha- 
ben. Davon LtidbrÜd'r. Das Sprich- 
wort: datBrud'n geitumm entspricht 
dem neuhd. Wie du mir, so ich dir. 

BrÜgg, die Brücke. 

Brtijam u. Brtim, der Bräutigam. 

brük'n, gebrauchen, goth. ü. alts. 
brukjan. M brükt Watt, ein kurzer 
Ausdruck für: er hat einen Arzt ange- 
nommen und nhnmt Arzeneien. Nicks 
brük'n bedeutet das Gegentheil. Br&k, 
brüklig, Gebrauch, gebräuchlich. 

Bmmbass, dasContraviolon des Mu-^ 
sikers. 

brumm', S. törn'. 

Brummelbär = Brammelbär, 

brummein, S. brodern. 

Brummer, die grosse Stubenfliege, 
Schmeissfliege. 

Brummkaot'r, Scheltwort für einen 
Menschen, der stets seine Unzufrieden- 
heit über das Thun seiner Mitmenschen 
durch Brummen äussert, M'ird auch 

Brummbär, Brummbass genannt. 

Brummküsel, Brummkreisel. 

brün, braun. Sali ick mit 'n Brtn 

kaom? eine Androhung von Strafe 
durch das spanische Rohr und über- 
haupt durch den Stock. 

BrÜnsilk'n, ein GeM'ürzkrant(Oci- 
mum Basilicum). ^ ^' 

BrÜS, die Brause, Giesskanne; wird 
auch von jungen M'ilden Alädchen ge- 
braucht: dat is 'n BrÜS', das ist ein 
Wild fang. 

brüs'n, l. mit der Brause giessen: 
2. brausen, aufbrauseji. 



26 



Brftscb, Anschwellung am Kopfe 
vom Fall oder Stoss herrührend, die 
Brausche. 

Brost, S. Bossen, Bost. 

BrftthaOD, der Brauthahn. Bei den 
ländlichen, früher und auch jetzt noch 
eine ganze Woche dauernden, Hoch- 
zeitsfesten ist der Morgendes zweiten 
Tages nach dem Morgeninbiss zum 
Br&thaonsitten bestimmt. Das jimge 
Ehepaar sitzt am Ende der Tafel und 
die Hochzeitsgäste treten einzeln nach 
dem Grade der Verwandtschaft zur 
Tafel u. bringen ihr in baarem Gelde 
bestehendes Geschenk, dessen Höhe 
sich nach dem Verwandtschaftsgrade 
richtet und nicht selten in mehreren 
Goldstücken besteht. Dies Geschenk 
dient zum Ersatz für die grossen 
Kosten, welche die Hochzeit verur- 
sacht. In frühern Zeiten soll der Braut 
ein Hahn zur Hochzeit geschenkt sein, 
so dasssich also der Name für eine ganz 
verschiedene Sitte erhalten hat. 

Brftthaomelmann, S. Jumfer Sibold. 

BÜ, der Bau, das Aufbauen eines 
Gebäudes, alts. bu. 

Bucht, ein befriedigter Raum, be- 
sonders um Weidevieh hineinzujagen. 
toBncht drtw'n, eigentlich das Vieh in 
die Bucht treiben ; figürlich : zu Paaren 
treiben, Tüffelbucht, Eitibucht sind 
umzäunte Ackerräume zum Anpflan- 
zen von Kartoffeln und Kohl. 

bUCks'D, heimlich entwenden, mil- 
derer Ausdruck für stehlen. 

Bficks, Plur. Bticksen = Beinklei- 
der. Von Brök(S. oben) unterscheidet 
«s sich, dass dem letztern der Nebenbe- 
griff des Altgewordenen, Schlechten 
inwohnt. Holland, boxe. Spendftr- 
bticks'n anhämm, sprichwörtliche Re- 
densart für: freigebig seui, verschen- 
ken. BambÜcks, ein feiger Mensch, 



dem, nach dem Sprichwort, das Herz 
in den Hosen (Bücks'n) sitzt. 

Badd'l, Bier- oder Weinflasche. Ein 
acht deutsches Wort, von But, ein kur- 
zes, dickes Endv, wovon Endelbütt. 
Es ging zu den Franzosen und kehrte 
als Bouteille wieder zurück. Das Di- 
minutiv heisst PtillkeH. 

buddeln, als Verbum activum ^= 
spielend und nutzlos in der Erde her- 
umwülilen, wodurch kleine Haufen 
und Unebenheiten entstehen; von But 
(Vgl. den vorigen Artikel). Als Verb, 
neutrum wird es vom Bier gebraucht, 
wenn es Kohlensäure enthält und beim 
Einschenken gut schäumt. In diesem 
Sinne stammt es von dem Laut, budd- 
budd, den man beim Einschenken von 
solchem Bier hört. Unuerbuddelu, 
oberflächlich unter die Erde bringen 
z.B. wenn der Hund einen Knochen 
verscharrt. 

Btidel, der Beutel. 

Buff, Puff, ein Stoss, Schlag. H6 

(dütt) kann 'n Puff verdraog'n von 

Sachen,Geräthen: dauerhaft, fest sein, 
nicht so leicht zerbrechen; von Perso- 
nen bildlich: die Wahrheit hören, ge- 
tadelt M^erden, ohne dass der Getadelte 
es übel nimmt. 

buff'n, stosscn, wodurch ein Schall: 
Buff entj-teht, wie z. B. durch einen 
Faustschlag auf den Rücken. 

büffeln, dasFrequent. vom vongen 
= grob behandeln, besonders durch 
Fau ststösse. 

Büffel, der Grobian im Randein 
(nicht in Worten). 

Bur, Bettüberzug, z. B. KüssenbCtr 
etc. 

Buk, der Rauch. BÜkwedaog, Leib- 
schmerzen. Wenn doch de ,Bftk *n 
SchÜndll wer ! ruft der aus, dem ein 



I 



27 



Esaen sehr gutschmeckt, u. er gern noch 
mehr davon ilsse. 

bäk'D, Wäsche etc. in einen Kübel 
packen und mit heiss aufgegossenem 
Seifwasser u. Lauge mehrere Stunden 
stehen lassen ; beuchen. 

Bükfatt, Btik'ltubb'n, das hölzerne 
Fass, in dem gebeucht wird. 

Bnko, die Kuh in der Kindersprache, 
Dimin. Bllkök'n. Das bekannte Wie- 
genlied : Bukük'n von Halberstadt etc. 
hat mit diesem Worte Nichts zu schaf- 
fen, sondern bezieht sich auf den im 
ilten Jahrhundert lebenden Bischof 
Uucco (Burchard) von Halberstadt, der 
seine Freude daran hatte, Kinder zu 
beschenken. 

BÜkslaon wird vorzugsweise von 
Pferden gebi'ancht, M'enn nach einem 
angestrengten Lauf die Weichen sich 
heftig bewegen. 

BÜl, die Beule. 1. eine Vertit?fung 
.in einem Ger.äch. Vgl. L u n k. 2. eine 
aufgetriebene Stelle am Körper, z. B. 
Drüsenanschwellungen, verschieden 
von Brftsch (S. oben). Audi Ciufes' ist 
eine, aber nur kleine, meist mit Blut 
oder Wasser unterlaufene Erhöhung 
an der Hand. Daher Waot'rqu^S', Blöt- 
qU^S'. Aber auch die durch harte Ar- 
beit entstandene Verhärtung der Haut 
in der Hand wird Ques' genannt, wäh- 
rend der Callus an den Lüssen LlkdäÖrQ 

heisst oder Kieiüög'n. Ouaddel ist 

auch eine kleiiie Eri,ülning, rührt aber 
vom Brennessel oder eiuem.Jnsecten- 
stich her. In einem Glossar aus sec. 9 
bei Schilter kommt diesWort als Q u e - 
d i 1 1 a schon vor. Küübb'! ist am nach- 
täten mit BÜl verwandt, Ist aber härter. 
Daher auch Holz, an ueuisicli mehrere 
Auswüchse iinden knubblig(knorrig), 
und ein Stück, mehrfach durchwach- 



senes Holz selbst Knubb'l genannt 
wird. Vgl. Lunk. 

bülig, voll Beulen, meist nur von Ge- 
räthen im Gebrauch. 

Bull, der Stier, /3ot:c;Stadtbnll, der 
Hurenbock. 

Bullkäwer u. Bullwäwer, der Mist- 
käfer (Scarabaeus stercorarius). 

ball'n, brünstig sein, von Kühen, 
rindern. 4 

Bnllnmelk, der Saft der Wolfsmilcli 
(Euphorbia), auch die Pflanze selbst 
heisst so. 

Bullklewer, der gelbblühende Klee 
(Trifolium procumbens u. ähnliche), 

heisst auch Lefk'nklew'r. -^J^ 

Bnlllipäs'l, eigentlich: tauri penis, 
der im getrockneten Zustande von har- 
ten Vätern zuweilen als Zuchtmittel 
für Knaben benutzt wird; er wird 
auch wohl mit Riemen umflochten. 
Dann pflegt auch zuweilen jede Kar^- 
batsche mit diesem Namen oder auch 
mitBnllnfink, Pdserich belegt zu wer* 
den. 

ballern bezeichnet den eigenthüm- 
llclien Ton, den hellbrennendes Feuer 

hervorbringt. Bat Für bullert recht, 

für denAbergläubischen dieVorbedeu- 
tung eines Gezänks in derFamilie ; oder 
wenn ein Wagen über eine hölzerne 
Brücke fährt, davon Bullerwaog'n in 
der Kindersprache für Wagen über- 
haupt; figürlich gebraucht man es von 
Menschen, die mit lauter, polternder 
(bullernder) Stimme ihre Unzufrie- 
denheit über etwas äussern. Ein sol- 
cher heisst; Bnlleijochen, (Polter- 
joachim) oder Bttüerjaon (Polter- Jo- 
hann), endlich heisst es auch: eine Ar- 
beit rasch, mit Gepolter, aber unordent- 
lich verfertigen. Bat hast 6k weddcf 
äöwerweg bnllert, wenn man Jemand 
auf das rehlerhafted, Arbei|; hinweiset. 

4' 



28 



Dem Begrifi* nach ist biillern etwas 
stärker als poltern. DasAdject. heisst: 

builrig und buUerhaft. 

Bült, Bulten, Plur. BÜlt -= kleiner 
Haufen, Erh(3hung. Althd. buol, buel; 
auch eine Pflanze, die mehrere Stengel 
treibt. Nägelk'nbult , die Nelke mit 
ihren jungen Trieben. Bultl'Ogg'n, 
der grosse Staudenroggen. Audi die 
Kartoffel pflanzen, wenn sie einzeln be- 
häufelt sind, bilden einen Bult'n, Tüffel- 
bult'n. De Rogg' Steit bultwis \\ enn er 
iingleichmässig aufgegangen ist, stel- 
lenv/eisdiePflänzcheii zu dichtstehen. 
Erbsen n. Bohnen pflanzen viele bult- 
wis. Die Erdaufwürfe des Maulwurfs 
sind Bult'n. 

bulltig u. buttrig, voll von Buken, 
imeben. 

bumark'n mussten in frühern Zeiten 
die Städter, d.h. gewisse Hand dienste 
zum Besten der Stadt verrichten, ent- 
weder Wege zu bessern oder Weiden 
an denWegen zu pflanzen. Im Götting- 
schen heisst das BÜrwerken, im Braun- 
schweigischen meinewarken. Seitdem 
diese Pflicht der Städter aufgehört, ist 
auch das Wort dafür verschwunden, 

Bummbamm jedes Ding, das sich 
■pendelartig bewegt. Daher 1. jeder 
Körper der an ehiem Faden befestigt in 
Bewegung gesetzt wird. Kinderwär- 
terinnenbedienensichhäufigdesselben, 
um schreiende Kinder zu beruhigen. 
Dabei wird gesungen: Bummbamm, 
Bälam, Koster hat sick upphangt; 
will'n am enen*) Ben affsnid'n, sali nich 
mehr in Bummbamm stig'n, 2. Jede 
Schaukel. 



*) Aus Liebe mm Rhvthmus und zum 
Heim erlaubt sich der Platlri. nicht selten 
Sprachimrifhtigkeitcn. Dat B^n (Bein) 
ist hier dls Masculinum gebraucht, wäh 
rend es überall sächlichen Geschlechts ist. 



bummeln und bammeln sind sehr 

verwandt. Sie drücken beide die Be- 
wegung eines schwebenden Gegen- 
standes aus. Bammeln wird fast nur 
von der Fussbewegungz. B. der Schul- 
kinder, deren Füsse nicht den Boden be- 
rühren, gesagt. In allen übrigen Fällen 
gebraucht inanBummeln, z. B.Örbum- 
mein, Ohrgel. äuge. Wat daorau bum- 

melt un bammelt bedeutet: alles was 
mit dem Genannten in Verbindung 
steht, wasdarausfolgtetc. Dann bedeu- 
tet bummeln: müssig gehen. He bum- 
melt den ütgeslaogenen Dag umher. 
Wer dies thut ist 'n Bummler. Das x^dj. 
bummlig wird auch von Sachen z.B. 
vom Anzüge gebraucht: dat sltt SO 
bummlig Upp 'n LiW. Ver\^ andt da- 
mit sind: lungern, dämmern, lulei'n. 
Der P'aule bummelt, wenn er von einem 
Wirthshauseinsanderegeht, erlungert, 
wenn ersieh von einem Stuhle auf den 
andern setzt und nachlässig dasitzt. Der 
Bummler geht doch umher, der Lunge- 
rer ruht meistentheils. Dämmern, 
rümmdämmern drückt mehr das ver- 
einzelte , zwecklose Müssiggehen, 
ohne auf etwas zu achten, ans, gleich 
wenn alles um ihn lierum sich inxler 
Dämmerung befindet,' während 'der 
Bummler gern in der Gesellschaft 
anderer ist. Lulei'U drückt einen hö- 
hern Grad der vorangegangenen Be- 
grifleaus und gehört, M'ie das Substant. 
Lulei zu den Scheltwörtern. 

BummelaoSCh' (seh gesprochen wie 
das französ. ge, doch etwas mehr nach- 
tönend) = allerlei Kleinigkeiten an 
einem gemeinschaftlichen Faden, die 
aufgehängt in Bewegung gesetzt wer- 
den ; 2. überladenes Putz werk, als Ket- 
ten u.dergl. womit sich gefallsüchtige 
Frauenzimmer zu behängen pflegen. 



I 



29 



Bummeldaog', arbeitsfreie Tage, an 
denen herumgebummelt wird. 

achteran bummeln, sich ohne Zweck 

und unuiifgefordertan andere alsMüs- 
siggänger anschh'essen. 

yerbummeln: l. die Zeit durch 

Bummeln tcidten; 2. gegebene Aufträge 
U.dgl. nicht ausrichten, vergessen, mit 
tadelndem NebenbegrifT. 

nmherbummeln, sich herumtreiben. 

BumpS, Nachahmung des Tons, den 
ein schwerer Gegenstand beim Falle 
hervorbringt. Unterscheidet sich von 
Butz und Bautz (S. oben), dass der Ton 
des Falles stärker und dumpfer ist, als 
bei diesen. Davon das Verb, bumps'n. 
Dao bumpst watt, da fällt etwas sehr 
stark. 

btn, bauen. BüiiisLust,watt 't kost, 
häff'knicliwasst. 

BÜn', in der ElL)gegend ein in schiefer 
Richtung gegen den Strom aus Faschi- 
nen u. darauf geworfener Erde errich- 
teter Damm um an der Stelle dem um 
sich greifenden und ins Ufer herein- 
wUhlenden Strom eineandereRichtung 
zu geben. Das Verb, ist : bÜD'n. 

Btinz'l, I.Windeln. Davon btinzelfl, 
inbünzeln, ein säugendes Kind in Win- 
deln einschlagen. InbÜDZeln ist auch so 
viel als einpacken z. B. im Winter sich 
reichlich mit Kleidungen, Fusssack etc. 
versehen; 2. der Koth. De Wost 

smeckt nao'n Bünzel. 

Bftr, l Hauer, Lnndwirth ; 2. Vogel- 
bauer ; 3. Bube im Kartenspiel ; S. Kaot. 

Sprichwort : Wat de Bür nich kennt, 

dat ft-itt hfe nich, wörtlicli: Was der 
Bauer nicht kennt,dasfrissternicht, d.h. 
der Bauer entschliesst sich schwer et- 
was neues zu unternehmen, wenn der 
Vortlieil nicht sofort einleuciitend ist. 

Bür, der Bettüberzug. KüSSenbUF. 

BÜrn, die Bauern zu einer Zusam- 



menkunft durch den Schulzen mittels 
Anschlagens der Glocke oder durch 
einen von Hof zu Hof geschickten 
Knüppel einladen. 

burrn, ßiegen, wird nur von den flie- 
genden Thieren gebraucht, die beim 
Fliegen einen reclit hörbaren Schall 
hervorbringen z. B. RepphUhner, Mai- 
käfer etc.. 

Burree, der Porree( Allium Porrum). 
BurSChopp, derlnbegriffsämmtlicher 
Hofwirthe eines Dorfes. 

BnrSS, BUSS, der Bursche, oll BUSS, 
alter Junge, öftere Anrede von Bekann- 
ten. 

BuschbÖm,der Buchsbaum (Buxus). 

bnscheln oder mascheln , ftscbeln, 

bnschern, heimlich mit Jemandem 
reden, wobei es darauf abgesehen ist, 
dass ein Dritter die aus der heimlichen 
VerabredunghervorgehendeHandlung 
nicht wissen darf. Wenn z. B. die 
Hausfrau mit einer Person etwas zu 
thun verabredet, was der Mann nicht 
Missen soll, so heisst es : se buscheit all 
Wedder. — Auch bedient man sich 
dieses Worts, wenn Jemand beim Kar- 
tenspiel etwas Unrechtes vorninnnt. 
Bat is BuSCheli, heisst es dann. 

Busk, Busch. BuschkaoSCh', Busch- 
werk, besonders in den grossen Gärten, 
auch das Unterholz in den Waldungen. 

BtiSS, die Büchse, wie im Neuhd. 

büt'n, ausserhalb, draussen. alt.s. bi 
utan. büt'n Stadwaon', ausserhalb der 
Stadt wohnen. Hfe is büt'n, erist draus- 
sen vor derThür oder auf dem Hofe. 
Von büt'n rinntreck'n, vomLande in die 
Stadt ziehen. 

BÜt'ndlk, der Aussendeich. Büt'n- 
land, Acker, ausserhalb der Deiche. 

Büt'nschopp, ländlicher Ausdruck 
für die Verhcirathung z\\eier Brüder 
mitzw^iSch\\eÄtenk»voin ui^ht mcht 



30 



gebräuchlichen bfiteo, tauschen, wech- 
seln. Vgl. Kütbüt'n. 

btit'n Üt, vor dem Dorfe. 

butt bedeutet in der Altmark nicht: 
grob, plump ; sondern wird von Perso- 
nen gebraucht, denen es an der erfor- 
derlichen Freundlichkeit fehlt, und die 
in ihren Antworten etwas kurzes, ein- 
silbiges und abstossendes haben, gotli. 
baut. 

buttern wird von kleinen Kindern 
gebraucht, wenn sie anfangen auf eige- 
nen Füssen zu gehen. 

bftunbä, Natur laute, deren mansich 
bedient, um eineneinsilbigen unfreund- 
lichen Menschen zu bezeichnen: lih 

whi nicks as bü un bä. 



bütwennig, auf der auswendigen 

Seite. De Plack sitt bütwennig, der 

Schmutzfleck sitzt auf der äussernSeite, 
etAva des Glases. Das Sprichwort: dat 
is bütwennig, sagt so viel als : das ver- 
dient keine Beachtung. Bütwennig 
Wfet'n, auswendig wissen, im Gedächt- 

ni SS haben. Ick kann den Gesang büt- 

wennig, bedeutet 1. ich habe das Lied 
dem Gedächtniss anvertraut; 2. dient 
es als Antwort oder Zwischenrede, 
wenn uns Jemand etwas erzählen oder 
vortragen will, was man anzuhören 
keine Lust hat. 

Butz, t.S.Bauz; 2. der Bettwinkel 
des Hausherrn, der des Kn echtes heisst 
Zell ; 3. ein Bretterverschlag unter der 
Treppe. 



c. 



Der Buchstabe C wird in den altsächsischen Handschriften und 
Urkunden des Mittelalters selbst in einem und demselben Worte in der- 
selben Urkunde abwechselnd für k geschrieben. Daher sind alle Wörter, 
die man vielleicht hier suchen mögte, unter R aufzusuchen. 



D. 



d', der Artikel, für de. 
da, Traperf. von dön, thun. 

Back, Daok, PI. Daok'r, das Haus- 

dach, auch tropisch: en npp'n Dack 
Sitt'n, Jemanden mit Strenge zur Er- 
füllung seiner Pflicht anhalten. 

Dag, Plur. Daog', der Tag. goth. u. 
alts. dag. Gon dag, guten Tag (Gruss- 
formel). He will sick von Daog'n d6n, 
er ist in Verzweiflung, will sich bei- 
nahe das Leben nehmen. Yondaogan, 

von heute an; datt wUl ick inDacg'n 

don, das will ich sofort thun; dtiSS 
Daog', in diesen Tagen, sowohl von der 
Vergangenheit als von der Zukunft. 
In Daogelingen, bei anbrecheudem 



Tage. Sin Daog' nich, wörtlich: seine 
Tage nicht, wird ganz adverbialisch 
gebiaucht für : nie; sinBaog* wart hÄ 
nichklök, nie, in seinem Leben nicht 
wird er klug. Ebenso für die erste Per- 
son: min Daog' heff ick so watt nich 
Sen. Das Verb um daog'n, Tag werden. 
Dag', Dagt, Dei, das Gedeihen, be- 
sonders durch gute Pflege, von Men- 
schen und vorzüglich vom Vieh. Hö 
hat denDeibeholln ist eine Redensart, 
die auf einem Aberglauben des gemei- 
nen Mannes beruliet. Beim Verkauf 
eines Stücks Vieh kann der Verkäufer 
durch eine Hexerei bewirken, dassdas 
Vieh beim Mästen nicht gedeihet, und 



3i 

für diesen Fall wird die angegebene die schlechte Arbeit des Tisch lersheiöSt 

Redensart gebraucht. Der Käufer kann ebenso. 

Däl, der Fussboden; der Hausflur; 
die Dreschtenne, die auch Schundäl' 
heisst, wenn sie nicht im Wohnhaus 
sich befindet. 

Dalweri, Dammeli, das Subst. vom 

Folgenden. 

dalwern, kalwern u. dammein, tän. 

dein. Das letztere entspricht dem nhd. 
tändeln ohne weitem Nebenbegriff, 
dalwern aberschliesst denNebenbegriff 



sich gegen diese Art von Hexerei 
schützen, wenn er unvermerkt imd 
stillschweigend irgendetwas aus dem 
Stalle, besonders Mist, beisteckt. Das 
Verbum istdin', hieund daauchidci'n- 
gedeihen, anwachsen, zunehmen. Es 
wird von Früchten, Mehl u. vom Mast- 
vieh gebraucht, wenn sie sich ausdeh- 
nen. Dat Swin dei't schön, dasvSchweiu 
nimmt bei der Mast !J;utzn. DeArft'n, 
B6n', dat Mal etc. din' schön, die Erb- des Unpassenden, Unschicklichen ein, 
sen, Bohnen, das Mehl nehmen beim sowohl im Handeln als im Reden. Si 
Kochen einen verhältnissmässig gros- nich SO dalwiig, ruft die Mutter dem 
Sern Raum ein. Auch gehört hieher erwachsenen Sohn zu, wenn er die 
dägt, dägr, dägest eigentUch das Dammelei mit den kleinern Ge- 
Partic. von däg'n (statt diu) also was schwistern nicht bloss übertreibt, son- 
eingutesGedeihenhat, kommt bei uns dernauch in seinen Gesprächen sich 
nur als eine Art von Superlativ vor in unpassende Tändeleien erlaubt. Davon 
der Bedeutung von : sehr, tüchtig. Dat die Subst. Dammler undDalwerer und 

is'n dagr göd Minsch, das ist einsehr die Adject. dammlig u. dalwerig. Mit 

guter Mensch. Dägest affwicks'D, derb albem ist der Begriff in diesen Wörtern 
durchprügeln. Das goth. thaigan und nicht zu verwechseln, jener ist viel 
alts.thaihan bedeutet das Wachsen, Zu- stärker, da ihm noch der Nebenbegriff 
nehmen von Mangel an Verstand innewohnt, 

Däg'l, der Tiegel. der sich in beiden erklärten Wörtern 

Däg'lbraod, im Tiegel Gebratenes, nicht findet, 
ausallerlei Fleisch und Rindergekröse Dammast'n, dieNachtviole(Hespe- 
bestehendes u. gebratenes Gericht mit ris). 

darauf gelegter gebratener Wurst, ein Damos', die Frauenmütze, 

Lieblingsgericht unsers Landmanns bei dao mßtt (Ton auf der ersten), mit 

Hochzeiten und Kosten überhaupt und der Sache. DaO m§tt hew 'k nicks to 

inderErndtezeit. dön, mit der Sache habe ich nichts zu 

daglönern, als Tagelöhner arbeiten. sclialTen. 2. (Ton auf der letzten) ist 

däg'n, Yerdäg'n, schützen, be- die Conjunction damit. 

schützen, verbergen, verhehlen. Da- dämmern, 1. die Mitte zwischen 

von Wedderdäg', einer, der einen an- helle und dunkel halten; 2. wird es 

<it'rn in seinen Absichten widerstrebt. auch von müssig umhergehenden Men- 

Däk'rwaor nennt man alle Fabrikate, sehen gebraucht (vgl. bummeln), Ver- 

die leicht und schlecht gearbeitet sind, dämmern ist ein Transitiv, jenes intrau- 

dalier leicht zerbrechen, aus den Fugeri sitiv ; im Begriff gleich dämmern. Auch 

gehen etc. Sämmtliches Nürnberger bedeutet es vergessen. Dat hat h^ all 

Kindcrspielzeug ist Däkerwaor, und wedder verdämmert, das hat er (itt 



37 



seiner ge\vobnten dämmernden Weise) 
schon wieder vergessen. 

Damp, 1. der Dampf, 2. Engbrüstig- 
keit, fehlerhafter Zustand der Lunge. 

Adject. darapig;datt hat em 'nDamp 

daon, das ist für sein Unglück entschei- 
dend gewesen. DasVerbum damp'n, 
dampfen ; dagegen dämp'o, 1. ersticken 
z.B. Feuer; 2. dem Ersticken nahe 
bringen, deRök dämptmi ganz to, der 
Rauch war zum Ersticken. 

danao, darnach. Eigenthümh'ch 
wird das Wort gebraucht um einen 
Tadel auszusprechen. Rühmt sich Je- 
mand, in ganz kurzer Zeit eine Arbeit 
verrichtet zu haben, so erhält er wohl 
zur Antwort: 't is ok danao, in dem 
Sinne: sie ist auch schlecht genug. 

Dann', die Tanne und Fichte; Dann'- 
app'l, der Kienapfel, Zapfen, der den 
Samen enthält. Adject. ebenfalls dann', 
dann' Brad', Tannenbretter. 

Dann'kamp, ein eingefriedigtes mit 
Fichten bestandenes Feld. 

Dans, der Tanz. 

Däs'n, Biesam; davon DäsenbtiSS, 
Biesambüchse, kleine meist aus Zinn 
bestehende Büchschen , die mit einer 
wohlriechendenMasse gefüllt u. früher 
sehr, jetzt nicht mehr, im Gebrauch 
waren. 

datt, 1 . das, welches, d ieses ; 2. dass, 
damit; datt dao, jenes. Pleonastisch 
steht es in Sätzen, die einen Grund an- 
geben, der mit weil eingeführt wird; 
z. B. : Ich thue dies, weil ich dich lieb 
habe, wird plattd heissen: Datt dö 'k 

gUk, wil datt ickdi Ifew häff. So: ick 
hör' di g^rn snack'n, wil datt ick din 
Spraok göd verstaon kann. 

dan'n, thauen von Dan, Thau, sowohl 
vom Zerrinnen gefrornen Wassers, als 
auch vom Ansetzen der Dünste an die 
Körper. 



Dausläp'r hiess b. ländlichen Spielen 
der Landleute das Viehmädchen, das 
amPfingstmorgen seineKühe am ersten 
gemolken und abgetrieben hatte; ihre 
Kuh ward von der Jugend bekränzt u. 
hiess das Jahr hindurch: de bunt' K6. 
Das Viehmädchen, das ihre Kühe zu- 
letzt abtrieb, hiess : PingstkerW. 

Daus u, DÜS, das Ass im Kartenspiel. 

dao, daor, alts. thur = da, dort. 
Die letzte Form nur in zusammenge- 
setzten Wörtern: darnao, daortö, da- 
räöw'r, daoninner, daorümmer, daor- 

upp, daorüt = darnach, dazu, darüber, 
darunter, darum, darauf, daraus. Vgl. 

auch dnnn. 

Daod, alts. däd = die That. Datt 
Slind gröde Daod'n, eine oft vorkom- 
mende sputtelnd-ironischeRedensart. 

Daog, S. Dag. 

däög'n (Praes. däüg, doggst ; Partie. 
dücht, ohne Imperf.), taugen, weiches 
Wort erst aus dem alts. dügan, diogan 
ins Hochd. übergegangen ist. goth, 

ebenfalls dugan. ick däög nicks mer, 

sagt der vom Alter oder durchKrank- 
heit Entkräftete. 

Däögt, Tugend, Tauglichkeit. An 
den Jung' is ken Däögt, der Junge taugt 
nicht viel. Das Ad j. lautet ebenso, ün« 
däögt, Unducht drückt das Gegentheil 
aus, ist aber schwächer als das neuhd. 
Taugenichts ; es wird sogar oft scherz- 
weise ohne einen tadelnden Nebenbe- 
griff gebraucht. 

daohenn, dahin; dao heff 'k hSnu 

Wäst, ich bin dahin gewesen. 

Daok, S. Dack. 

daol u. hendaol, nieder, herabwärts, 
goth. daluth (von dal das Thal) VOU 
baob'n daol', von oben herab ; Sctt di 
daol, setze dich nieder; Upp Un daol, 
auf u. nieder ; Berg daol, bergabwärts. 
Es wird mit allen Verbis, die eine 



33 



Bewegung nach unten ausdrücken, 
verbunden, daolsmit'n, daolsack'ü etc. 

Daol'r, der Thaler. Eigentliümlich 
ist die Art und Weise, wie bei Maass, 
Gewicht u. dgl. eine ungefähre Zahl 
ausgedrückt w'ird. Man setzt das allge- 
meine Pronomen enn, 'n vorauf, lässt 
das Substantiv z.B. Daoler, Stück, Punt 
-etc. in einer verlängerten Form, durch 
Anhängung von nei oder enci, folgen 
und setzt dann die Zahl. Also: 'nDaO* 

lener föfftig, 'n Stückener hunnert, 
'd Gröschener watt. Das letzte watt 

bezeichnet in diesem Fall: einige, et- 
liche. De Gös wigt 'n Puntener tein. 
Yäör'n Daogener watt, 'n Schocker 

watt = vor einigen Tagen, etliche 
Schock. 

daomank, dazwischen ; dao is Raod'l 

mank, zwischen dem Roggen befindet 
sich Radel, 

Däömelack, ein dämlicher Mensch. 

daomett l. ruht der Ton auf der 

ersten Silbe, so bedeutet es: mit dem 

Dinge; daomett hefF 'k am slaon, mit 

diesem Stock habe ich ihn geschlagen ; 
2. ruht der Ton auf der letzten, so ist es 
die Conjunct. dass, damit. 

däömeln, l. ohne Ueberlegung und 
Zweck irgendwo hingehen oder etwas 
verrichten ; 2. geistlos spreclien. Vgl. 

dräön und kläön. 

Däömeljoch'n S. Jodi'n. 

dao nichväör, elliptische Redensart 
beim Ablehnen eines Dankes, statt: 
dafür brauclist du nicht zu danken. 

daOD, 1. aufgetrieben, angeschwol- 
len z. H. nach zu vielem Essen ; 2. Part, 
vondön — thun. 

däömlich, etwas dumm erscheinend, 
im liegrift' milder als dumm. Substant. 

Däömeli luid Däömler. 

Daor, das Thor. alts. d6r,goth. daur. 

daor S. dao. 



DäÖr,dieThür. Sprichwort: Hunn' 

un Eddellüd' laot'n de Däör aopen. Das 

gotli. danr bedeutet ThUr und Thor. 

Väör däör gaon, Stuhlgang haben, zu 

Stuhl gehen. 

Daom u. Däörn, der Dorn. 
daortomaolD, Zeitpartikel: Jamals, 
däösig verwandt mit däömlich und 

dnsselig (S. unten). Es bezeichnet 

einen Menschen, der wie im Traume 

herumgeht und so handelt. DasSubst. 

DäÖS hört man auch noch zuweilen. 

Dat hat he in'n Däös daon, das liat er in 

der Dusselei gethan. Wer so handelt 

heisst auch Däöskopp, Däöspcter, 
Däöstrin. 

dastilwst, daselbst. 
Däöts, der Kopf, aber nur als Tadel. 
Ickslao di npp'n Däöts ; bist 'ndnmm' 

Däöts ; eine andere Form ist DäÖS'I. 
Adject. däötsch bedeutet dumm, ein- 
fältig; lieisst auch dettsch. 

daoväör, davor und dafür. Ick Stund 

daoväör, ich stand davor. Daoväör gäw' 

ick ken Pennig, dafür gebe ich keinen 

Pfenning. Daoväör kannickoich, da- 
für bin ich nicht verantwortlich. 

de, l. der, bestimmter Artikel Mascul. 
u. Femin., das Neutrum heisst dat. Re- 
gel ist, dass der Artikel nicht declinirt 
wird. Soll im Dativ u. Accusativ der 
Artikel gebraucht werden, so bedient 
man sich der Form 'n im Neutr. 't z. B. : 

hast 'n Brod'r sän, ick heff 't Bök 16st. 

F^Ine Art Genitivform erscheint in: 
's Nachts, 's Aobens; über diese sub- 
stantivische Adverbia in der Genitiv- 
form vergl. Gr. Gr. 3, 127 fl; 2. dieser, 
diese, dieses und jener, jene, jenes. 
In diesem Fall wird de etwas stärker 
betont, und hat eine eigene Accusativ- 
form : denn' (n tönt etwas nach, wo- 
durch es sich von der Partikel denn 
unterscheidet), zuweilen wird noch 

5 



m 



ein dao lilnzugesetzt : denn' dao mein 

ick, den dort meine ich; d§ hat nicks 
daon; Upp de Aort, auf diese W^eise; 
3. das relat. Pron. liäuflger als: weck, 

'n Frü de dat Kind söcht ; ick laow'n, de 
dat deit ; ick köp ken Perd, dat mi nich 

gefallen deit. Als Artikel wird es nacli 
dem Subst. öfter wiederholt : de Frft, 

de sä, die Frau sagte; de Sunn, de 

SChtnt, die Sonne scheint 

DScht, der Lampendocht. 

Def, alts.thiof,theof, der Dieb. Die 
Kinder singen öfter : Dfef, Def, Diff, Daff 
Sleit 'n DÜW'I 't Gnick äff. Sprichwort: 

de klein' D&w hangt 'n, de gröt'n lött 'n 

lop'n. 2. ein verkohlter Theil am Ker- 
zenlicht. 

deff'n, affdeff'n, stossen, schlagen. 
Denn' heff ick affdefft, den habe ich ab- 
geprügelt. 

Deg, der Teig zu Brot oder Semmel. 

goth. daigs. 

ti-: Dei S. Dag. 

'v Deidei , kindliche Benennung der 

-'Puppe. In Ditmarschen bedeutet Dei 

die Wiege. 

Deik'r, Denker, Denscher, kommt 

nur in dem Fluchwort: dat die de 
Deik'r vor = dass dich der Teufel ! aber 
in einem mildern Sinne. Dieselbe Re- 
densart drücktauch häufig eine blosse 
Verwunderung aus, 
deii'n, theilen. 

dei'n S. din. 
deist S. don. 

Deiw'l, seltenere Form für Dfiw'l, 
der Teufel ; davon deiw'lmässig zur 

Bezeichnung des Superlativs. Vergl. 

gefahrlich. 

DM, der Theil, die Menge, goth. 
dails, alts. dei, 'n ganz Del, viel. Das 
Verbum dein lautet auch : deii'n. alts. 
delian, gotli. dailjan. Vgl. tall ; will'n 
nns deii'n, im Handel den Unterschied 



zwischen der Forderung und dem Ge- 
botenen theilen. 

dei, einige, dei Säggen, einige sagen; 
davon dels «dels, theils- theils. 

delg'n, tilgen, vertilgen, eigentlich; 
durch Zertheilen (von dein) vernich- 
ten. Dat kannst jo nich delg'n, das 
kannst du ja nicht aufzehren, vertilgen. 
Das alts. fordiligon bedeutet das- 
selbe. 

dellern, wenig unterschieden von 
ballern S. oben. Es unterscheidet sich 
hauptsächlich von ballern durch das 
durchdringende anhaltende Geräusch, 
was dadurch hervorgebracht wird. 
Wer anderThürdellert klopfe länger 
und anhaltender, wenn auch nicht so 
stark, als wer daran ballert, zu letzterm 
sind schon einige kräftige Schläge hin- 
reichend. 

dfen, dienen, Diener sein. He dent, 
er ist als Knecht im Dienste; dat At'n 

d6nt mi nich unddaomett kann ick di 

nich dfen, ganz in der Bedeutung des 
neuhd. 

Denn Subst. l. der Dünger im Vieh- 
stall; 2. das Gedeihen. 

denn Adv., dann ; erst dütt un denn 

datt, erst dies, dann das ; 2. wie im Nhd. 
Denst, der Zustand des Dienenden. 

Min Denst is licht; wenngeistdn in'n 

Dfenst? wenn trittst du deinen Dienst 
an? 

dfep, tief. alts. diop,diap, deop; goth. 

diups; hast 'n bät'n to dep in 't Glas 

käk'n, sagt man von einem Angetrun- 
kenen. 

Dfem, die Dirne, das Mädchen, alts. 
thiorna, tbierna; entspricht mehr dem 
neuhd. Mädchen, denn es wird mekr 
im guten Sinne gebraucht. Die verhei- 
rathete Frau spricht von ihren D^ns- 
jaor'tt. klein Dem ist ein Liebkosungs- 
wort. Ein Scheltwort wird es erst 



3S 



durch ein vorgesetztes Ad ject. : dnmm' 
Dfcrn. Ein Kindertresang lautet: Möller, 

Möller, Maoler, Dferns kosten 'n Daoler, 
Jnng's kosten 'n Düw'ndreck, denn 
fäg'n wi all' Jaor weg. 

Dert, Dirt, das Thier jeder Art und 
Grosse, alts. dier, gotlu dius. Und^rt, 
ein hässliches oder grosses und schäd- 
liches Thier, vorzugsweise wird der 
Wolf so genannt. Dient auch als Schelt- 
wort für einen Menschen, der sich als 
ein wildes Tliier geberdet. 

Desenbtiss S. Däs'n. 

Dess'l, da3 Dächsei, Dachsbeil ; Ge- 
räthschaft des Zimmermanns, des Bött- 
chers und des Muldenhauers. 

DfeSSelkopp, Schimpfwort = Starr- 
kopf. 

dfesülw, desülwig, deSÜlftig = der- 
selbe, ebenderselbe. 

Dew'ri, Dieberei. 

d^WSCh, diebisch. 

dewil, derwil, während. Dewil ick 
dätt dö, kannst du daohenn gaon. 

Diak(einsilbig),Dietrich(Vorname). 

dicht-bi, nahe bei. 

dicht • holln, l. den crepitus ventri 
nicht hören lassen; 2. verschwiegen 
sein. 

dick ländlich für di, Dat. Sing, des 
zweiten Personal-Pronomens. 

dick, dicht wie im Neuhd. H6 iS 
dick, er hat sich voll gegessen, oder 
getrunken, im letzten Falle stärker als 
dftn. Beide werden auch verbunden: 

He is dick nn dün. S& is dick, sie ist 

schwanger. Holt dicht ! sei verschwie- 
gen und treu ! Dick dörch sin, vollstän- 
dig das erreicht haben, was man be- 
zweckte, oder: einer Gefahr ganz ent- 
gangen sein, dick maok'n, schwän- 
gern ; dicke Frünn, intime Freunde. 

Dickde, die Dicke. 

dickfellig, ein dickes Fell, habend, 



gegen Tadel und Strafe gleichgüitigf 
bleibend. 

Dickkopp, die Hundscamille (Chry- 
santhemum leucanthemum) ; in andern 
Dörfern, die Centaurea paniculata, in 
noch andern Dörfern, die Anthemis 
Cotula. 

Dickpanz, Scheltwort für einen dick- 
bäuchigen Menschen. 

DicktÜffeln, Kartoffelbrei. 

DIk, der Deich und der Teich, alts. 
die. Im Angels. bedeutet dikan graben; 
also Dik das Ausgegrabene, der Teich, 
(piscina) ; das Ausgegrabene aber wird 
zur Erhöhung des Flussrandes ge- 
braucht, der D e i c h. 

dik'n, 1. einen Deich machen, oder 
im weitern Sinne, am Deich arbeiten. 

Wi hemm de ganze Nacht dikt, wir 

haben die ganze Nacht am Deiche gear- 
beitet. 2. eine Niederung, einen Teich 
mit Schutt, Erde etc. ausfüllen. Figür- 
lich sagt man von einem starken Trin- 
ker : He is gaor nich to dik'n. 

Dim ein im Freien errichteter Hau- 
fen von gemähetem Korn, Stroh oder 
Heu. In derselben Bedeutung ge- 
braucht man auch : Mitt, vom Holze da- 
gegen Fim. rf 

din, (Pron.) = dein. 

Din S. Däg. 

DingDimin. Dingelk'n u. Dingerk'n, 

häufig als Scherzwort für; kleines 
Kind im Gebraucli. 

Dirk, Dietrich (Vorname). 

DIrk'r, der Dietricli des Schlössers. 

dlrkern, mit dem Dietrich öffnen. 

DIrt S. Dert. 

D!sk u. Disch, der Tisch, alts. disk. 
Discher, der Tischler; dischcm, die 
Tischlerei treiben. 

Distribntivzahlen. Für dieselben 
giebtes imPittd. keine besondern For- 
men. Dieser Mangel wird durch die 

5* 



36 



Praepos. bi ersetzt Vfer bi Vftl = je vier, 

und so bei allen Zahlen. 

DiSS'I, der Wagendeichsel. 

DiSS'l, Distel. Eine Pflanzenfamilie, 
die Gattungen Cirsium, Carduus und 
Onopordon umfassend, goth. deino. 

Diwwerk S. Döwwerk. 

Döbbel, ein weisser Flussfisch, auch 

Diebel. 

Döbbeln, Döbkenspäöler S. Dopp. 

Dock kommt nur noch in : 'n Dock 
Twäro, Std vor, eine bestimmte Anzahl 
Fäden Zwirn, Seide. 

doch wieimNhd.; davon ein Verb. 
doch'n im Sinne von widersprechen. 
Hat Jemand sich des Worts doch (als 
etwas Widersprechendes) bedient, so 
erhält er wohl zur Antwort: ick wiü 
di bi doch'n, d. h. du sollst keinen Wi- 
derspruch erheben. 

Död, der Tod und todt. De Död löppt 
äöwer't Grafift sagt man, wenn ein eisi- 
ger Schauder uns Überläuft, död blib'D, 

sterben ;d6dmaok'n, tödten. Dattkann 
ick väör'n Död nich lid'n, das ist mir im 

höchsten Grade zuwider ; dao künn' JO 

den Död daovon hämm, drückt einen 

grossen Schreck oder Aerger aus; du 

sust üt as de Död ; vor död ling'n bliw'n, 

eine gewohnliche Redensart, wennbei 
Schlägereien Jemand betäubt nieder- 
fallt, goth. doudhus, der Tod, daudhs, 
todt; alts. für Subst. u. Adj. död. 

DodenbidderSCh,Leichenbitterin. 

Dodd'r, Eidotter, alts. dodro. 
dödigjtodtenähnlich. üpp'tFeld sSt't 
SO dödig fit, die Natur ist abgestorben ; 
steht auch bisweilen für : todt. de Aol 
is dödig. 

Dödläw'r S. Quebbe. 

Död Sterbens krank, zum Sterben 
krank ; so hört man auch nicht selten : 
dödsterw'n, sterben. 

döf, alts. dof, goth, daubs, taub, von 



Menschen,Bliithen,Niissen, Flüssen etc. 
im Gebrauch. üpp'n döw'n DunSt 
fen bidd'n, Jemanden einladen, ob- 
gleich der Ladende den Gast nicht gern 
bei sich sieht und eine abschlägliche 
Antwort erwartet, oder; obgleich er 
weiss, dass der Geladene nicht erschei- 
nen kann oder will. Döwe Kaol'n sind 
die nicht ausgeglüht, sondern aus Man- 
gel an Luftzug erstickt sind. iW 

dök, thue ich S. Ick. 

Dök, das Tuch, d. h. 1. dicht ge- 
webtes und gewalktes Wollenzeug zur 
Kleidung, Plural DÖk; 2. Tuch zum 
Umschlagen, Umbinden, Hals-, Snupp- 
etc. dök, Flur. Dök'r, und meist mascu- 
linisch im Gebrauch, nicht zu verwech- 
seln mit Dock (die Docke). 

doktern, einen Arzt gebrauchen, 
auch : sich selbst curiren. 

döm, als Endsilbe inCompositis, ent- 
spricht dem nhd. thum. 

Dömpaop, auch Dodenpaop, der 

Dompfafl' (Loxia pyrrhula). 

dön (Praes. dö, deist; Imperf. da; 
Partie, daon), thun. alts. don. Steht 

öfter pleonastisch wenn du datt dön 
deist oder gar; ick fraog ofduminich 
seggen können dön deist. 't is watt to 

dön, keinesweges, weitgefelilt; 't hat 
watt to dön, es wird schwer halten. 

Sprichwort : de Grött deit 't nich, sonst 
kirn de Kö den Haosen väör. 2. l ei h e n 

dö mi doch 'n Dri'r, leihe mir doch drei 
Pfenninge, herdön, darreichen, hinge- 
ben. Dömaol't Glas her. verdön, viel 

Geld ausgeben , verschwenden ; sick 
verdön, l. zu weit oder zu lange sich 
entfernen, 2. prahlen mitetwas. umdön, 
sich nach etwas umsehen im Sinn von : 
Erkundigungen einziehen. Ick willDdi 
nao'n Mäk'n umdön, ich will Erkundi- 
gungen einziehen, wo ein Mädchen zu 
miethen ist. nppdön, wird besonders 



37 



von der Spinnerin gebraucht, die den 
auf dem Schooss ganz dünne ausge- 
breiteten Flachs lose um ein Holz 
wickelt, woraus der Wock'ü (Spinn- 
rocken) entsteht. mitdÖD, mitgeben aber 
meist nur zum Boi'gen. 

Dönker Furrmaan, der Himmelswa- 
gen, grosse Bär. 

DönnS (eigentlich Dömsse oder 
Dörnze), die Stube. Da der Landmann 
seine Stuben stets verschlossen hält 
olme frische Luft zuzulassen, so ent- 
wickelt sich in denselben ein eigen- 
thümlich dumpllger Geruch, der mit 
dem Adject. dönnzig, bezeichnet wird. 

Döp, die Taufe, alts. dopi; auch der 
Taufstein. 

dÖp'n(Praes. döp, döftst; Imperf. u. 
Partie, doftc), taufen. Is't Kind all döfft ? 
Das Stammwort ist dep (tief), goth. 
diups, alts.diop,alsodÖp'n=tief imter- 
tmchen. goth. doupjan. Kindöp, Kill- 
o'lber, derTaufact mit dem darauf fol- 
gendem Festschmauss. 

Döpaaom, Taufname, Vorname. 

Dopp, der abgerimdete Deckel. Bei 
uns nur noch in Zusammensetzungen 
im Gebrauch z.B.Eierdopp, eine halbe 
Eierschale ; Eckerdopp, der verholzte 
Kelch der Eichel. Mit diesem Dopp, 
Diminut. Döbbk'U Irängc zusammen de 
Döbb'kuspäöler, eigentlich: wer mit 
abgerundet. Deckelgefässen (Bechern) 
seinSpiel treibt, wird von jedemKunst- 
stUckenmacher gebraucht. Ebenso be- 
deutet döbbeln überhaupt spielen, vor- 
zugsweise mit W ürfeln. Das Stamm- 
wort ist wohl das goth. diups. Vgl. 
Gr. Gr. 2, 48. 

Dör, der Thor. Sick dör'o, sich irren, 

sich täuschen. Dao heff ick mi doch 

dort, darin habe ich mich doch geirrt, 
mit dem NebenbegrilT des Unerwarte- 
ten. Dörheit, Thorheit. 



dörch, durch Praepos. u. Adverb; 
dÖrch-Üt, durchaus. 

dörchdräw'n,<^urchtrieben. Datt is 
'n dörchdräw'n Bengel, der junge 

IVlenscli hat sich eine Fertigkeit in losen 
Streichen zu eigen gemacht. Den Be- 
griff der Unsittlichkeit schhesst dies 
Wort aber nicht ein, es drückt nur das 
mvaitere und schlaue Benehmen aus. 

dörchgallern, durchprügeb. 

dörchgrisseln S. huddern. 

dörchhaorn wird l. vomWinde ge- 
braucht, wenn er empfindlich auf den 
Körper einwirkt; 2. einen durch- 
hecheln, beklatschen und verläumden, 

dörchschürn S. Schür. 

dörchten S. huddern. 

dörcbwackeln und dörcliwalk'n S. 

wams'n. 

dorn, sick S. D6r. 

Dörp, das Dorf; alts. thorp. Das 

Sprichwort: upp datDörp hathfe nich 

to kaom' wird gebraucht, wenn sich 
Jemand in einem Stücke ganz unwis- 
send, unerfahren zeigt. 

Dort u. Dorti, der weibliche Name 
Dorothee. 

dörtein, dÖrtig= dreizehn, dreissig. 
Man hört aber häufiger drüttein, drüt- 
tig, letzteres alts. thritig. 

Dörtfik, Dorothee Sophie. 

Dörtlis', Dorothee Elisabeth. 

dörw'n, dürfen. ,,.. 

dösch'n , dreschen , auch prügeli^r 

Subst. datDöschend. ^^ 

DöSCh'r, der Drescher. ,-jj 

Döst, der Durst, döst'ü, dürsteiu 
döstig. 

Dow'n Nett'l, der Bienensaug (La- 
miumalbum und purpureum). 

DöWWe(r)k, d. Männchen derTaube, 
derTäuber, wird auch DÜW'r, DiwWCrt 
und DÜffert genannt. 

Drabb, Draw, der Trab, besonders 



vU 



38 



des Pfei-des ; davoJi dra0W*D, traben, im 
Trabe reiten oder laufen. Beim Men- 
schen drückt es einen schnellen Schritt 
aus. 

Drach'n, der Drachen, den die Kna- 
ben bei massigem Winde in die Luft 
steio;en lassen. Der Drachen, als fabel- 
haftes Thier heisst : de Draok. Voss 
sagt im Winteraowend : Bist du mit 

Gunsten de Draok, nn künnst doch nich 
dörch den Schorsten. 

Dragt bedeutet jedes Instrument 
zum Tragen, die Tracht; besonders 
werden zweierlei Geräthe darunter 
verstanden : zuerst ein in der Mitte 
ausgeschnittenes Holz, das wagerecht 
auf den Schultern getragen wird, an 
dessen beiden Enden sich Seile mit Ha- 
ken befinden. Es wird zum Tragen 
von Eimern, Körben etc. gebrauclit. 
Diese ArtTrage heisst: Schann'. Das 
zweiteWerkzeug ist de Börg'(S. oben) 
auch Draog genannt Daraus geht die 
abgeleitete Bedeutung des Worts her- 
vor, nach welcher eine Last, die mit 
einem Male getragen wird , Dragt 
heisst. In Waoterdragt, Holtdragt 

gilt die erste Bedeutung; in: 'a Dragt 
Waoter , Draogt Holt die zweite Be- 
deutung. 

drair 1. stark gedreht. DeTwämls 
so drall' ; 2. hurtig, rasch. Gao drair 

to, lauf rasch ! 3. von Personen ge- 
braucht, bedeutet es ein rasches, mun- 
teres Wesen, das für sich schon ein- 
nimmt; oder eine junge Person, die 
sich durch eine gesunde Gesichtsfarbe 
und runde Muskeln auszeichnet; oder 
endlich, wenn ihrd. Kleidung gut sitzt. 
Dat iS 'n dralle Dfern kann heissen : das 
Mädchen ist rasch auf den Beinen, oder 
• es ist ein kleines (denn von verhältnlss- 
mässig grossen Leuten wird das Wort 
nicht gebraucht) gedrungenes Mäd- 



chen von gesundem Ansehen u. festem 
Fleiscli, oder: das Madchen hat sich 
niedlich angezogen. Im letztern Sinn 
heisst es auch wohl : dat Tug sitt* är 

recht drair oder: se hat sick drall' an- 

taog'n. 4. Auch vom Regen gebraucht 

man dies Wort: 't rägent recht drall', 

die Tropfen fallen nicht einzeln, son- 
dern dicht ; es ist ein Mittelbegriff zwi- 
schen schwach und stark. 

drang (g bezeichnet nur den Nasal- 
laut), sich drängend, eng. Dat Fenster 
geit drangnpp, das Fenster klemmt sich. 

De Stäweln sitt'n so drang, die Stiefeln 

sind mir zu enge. 

Drank, der Spülicht, besonders beim 
Branntwein und in der Küche. Dick 

Drank maokt fett' Swin', von Nichts 

kommt Nichts. Daher Dranktunn', 
Tonne z. Spülicht. Drank, der Trank 
(potus) heisst im alts. ebenso. 

dräp'n(Praes. dräp, drippst; Imperf. 
drepunddrapp; Partie. draop'n), tref- 
fen, hast'n draop'n, hast du ihn ange- 
troffen ; de Katt häff 'k mit 'nKnüpp'i 
draop'n, die Katze, nach der ich mit 
einem Stücke Holz warf, habe ich ge- 
troffen. Denn' hebb ick recht draop'n, 
den dahabe ich durch treffende Worte, 
durch Bilder, Mienen, Ironie etc. über- 
haupt indirect aber w'ohl verständlich 
meine Meinung zu erkennen gegeben, 
woran er wohl denken soll. Vgl. auch 
kapp'n, bedräp'n, bei der That ertap- 
pen ; indräp'n, eintreffen, wahr werden; 
bedräplich u. dräplich wird besonders 
vom Mädchen gebraucht, wenn es, nett 
aber einfach gekleidet, wegen seiner 
ganzen körperlichen Haltung auf den 
ersten Blick gefällt, mit dem Nebenbe- 
griff des Gewandten und Raschen beim 
Arbeiten. (In einig. Gegenden schliesst 
es den Begriff des Gezierten ein, und 
spridit dann einen Tadel aus. bedräp'n 



39 



gaon, geziert einhergeheii.) Verfahrt 
das Mädchen dabei mit Geist und Um- 
sicht, so heisstes : beSWippt, von SWipp 

= behende, hnrtio;. engl, swift. Nach 

A d e I u n g ist bedräplich v. bedriwen, 

betreiben, abzuleiten. 
,- Draps 1. ein Schlag, im Begriff etwas 
stärker als RlappS, aber scliwächer als : 
Schlag. 2. treffende, beissende Worte. 
De hat'n Dräps weg wird in beiderlei 
Sinne gesagt, der Zusammenhang er- 
gicbt den Sinn. 

draschäökeln, durchprügeln. 

drau'n, drohen. 

drawallj'n, hin und her gehen, auch 
schlechtweg für: gehen. 

DraotSubst., der Drath, Faden. Da- 
von dräödig, womit man die einzelnen 
Garnfäden, aus denen ein gezwirnter 
Faden zusammengesetzt ist,bezeichnet, 

twfedräödig, verdräödig Garn ist also 

ein Garn, dessen Fäden aus zwei, vier 
einzelnen Fäden besteht. 

draod, drao, Adverb, (alts. drado, 
statim; goth. tragsan, laufen), ge- 
schwind, bald. Dao kunn ick eben so 
draod henkaom', dahin konnte ich eben 
so schnell kommen. 

Draogband (Plur. Draogbänn'r), der 

Hosenträger. 

draog'n, tragen, goth. u. alts. dragan. 

Drao(g)kip— Kip. 

Draogknobb'n, Blütknospen der 
Fruchtbäume. 

Draok S. Drachen. 

Dräök'l, ein kleiner Junge u. Knirps. 

DräÖm, das Zettelende beimGewebe, 
derletzteTheil des Aufzugs, der nicht 
mehr tnit Einschlag versehen werden 
kann ; dann dies abgeschnittene Zettel- 
ende, das gebraucht wird, um die Lein- 
wand, Behufs des Befestigens auf der 
Bleiche, mit Schleifen zu versehen. 
Diese Operation heisst: beslöp'n. 



dräön' l. dröhnen, durch eine hef- 
tige Bewegung erschüttert werden, 

dat dunnert, dat de Finstern dräön'. 
Dat sali am noch lang in'n Kopp (ind' 

Häörn) dräön. Sprichwort — daran soll 
er noch lange denken. 2. Langsam und 
eintönig sprechen, häufig mit dem Ne- 
benbegriff, dass das Vorgebrachte nicht 
hätte gesagt werden sollen. He dräÖOt 
dao watt henn, er spricht da Etwas, 
was er hätte lassen sollen. Solches Ge- 
rede heisst : 'n Dräönsnack oder : Dräö- 
neri. Adjectdräönig. 

Dräöner, wer eintönig oder nicht 
mit der nöthigen Ueberlegung spricht, 

stärker noch ist: Dräönköttel, Dräön- 

kl6t. Vgl. kläön und däömeln. 

Dräönung, schmerzhafte Empfin- 
dung in einem Theile des Körpers von 
einer äussern Einwirkung herrührend. 
Wer sich z.B. die Spitze des Ellenbo- 
gens, das sogenannte Kümmeleckchen 
stark stösst, empfindet im ganzen Vor- 
derarm einen Schmerz, dann sagt man : 

dat dräönt dörch den ganzen Arm, de 
Dräönung geit dörch den ganzen Arm. 

dräöteln, träge, verdrossen sein. 

dräötsch'n wird vom Regen ge- 
braucht,wenn erbeimNiederfallen oder 
Schlagen an die Fenstern einen starken 
Schall hervorbringt; wohl dasneuhd. 
dreschen. Vgl. auch träötsch'9. 

drä, drei. He süt üt, ass kunn he nich 

dre telln, er sieht sehr dumm aus. 

Dreck l. Schmutz auf den Wegen; 
2. bildlich von Dingen ohne Werth, im 
verächtlichen Sinne. 

drecklig, schmutzig, kothig. 

DreckswalW, Spottname d. Maurers. 

drfeduwwelt u. drefechtig bedeuten 

beide dreifach. 

Drefi^and S. drJw'n. 

Dreföt, derRh^infarrn (Tanacetum 
vulgare). 



40 



drfeg'n(Pr. drüggst; Imperf. dfog; 
Partie, draog'n), täuschen, irren. He 
drtiggt Sick, er irrt, täuscht sich. alts. 
driogan, bidriogan. Davon Dregeri, 
Betrug. 

drehaorig S. drihaorlg. 

drei'n, drehen, wenden. 

Dreikül auch Dreilock, der Strudel 

im Wasser. 

Drekamm S. Warp. 

Drell, der Drillich, ein leinenes Ge- 
Avebezu Tischzeug und Handtüchern. 

Dremast'r, ein dreieckiger Hut. 

Dresch. unbeackertes mit einer Gras- 
narbe versehenes Land, nicht mitBraok 
(Brac]ie)zu verwechseln. Dat Land hat 
lang in Dresch läg'n, das Stück Landes 
ist lange unbeackert geblieben und hat, 
mit einer Grasnarbe versehen, als 
Weide gedient. 

Dresp, dieTrespe(Bromussecalinus) 

dresseln, Dressler, drechsehi, der 

Drechsler. 

dreWSCh, widerspenstig, aufsätzig. 

Drift von driw'n, 1. die Trift fürs 
Vieh, besonders wenn dieselbe zwi- 
schen bebaueten Feldern geht und der 
Weg durch Zäune von dem bebaueten 
Acker abgegrenzt ist. 2. eineHeerde 
Vieh, 'n drift Köe. 3. das Rad am 
Spinnrade. 

drifsaom, eifrig beider Arbeit und 
dieselbe schnell beendend. 

Drihaor, ein munterer, muthwilUger 
junger Mensch, von beiden Geschlech- 
tern gebraucht. Adject. drihaorigund 

drehaorig. 

drink'n, Verb. = trinken, goth. u. 
alts. drincan. 

Drink'n Subst. = das Getränk. Wi 
hämm ken Drinken in't Hfts. 

dripp'n, lecken, in einzelnen Tropfen 
herabfallen lassen. Dat Fatt drippt, das 
Fass leckt. DasFrequent.drippeln wird 



hauptsächlich vom Regen gebraucht, 
wenn er in sparsamen kleinen Tropfen 
herabfällt, alts. driopan. 

Dripp'nfall, Dropp'nfall, die Dach- 
traufe. Näsdripp, ein an d. Nasenspitze 
hängender Tropfen. 

drtst 1. dreist ; 2. rascli, schnell. 6ao 

drist to. 

Driw', Kanal, der das Gossenwasser 
aus den Strassen abführt. 

driw'n (Imperf. drew) 1. treiben; 
goth. dreiban, alts. driban. Häst de 
Schaop all affdräw'n? hast du d. Schafe 
schon aus dem Stalle getrieben ? 2. im 
abgeleiteten Sinne durchhecheln, be- 
klatschen, nur im Begriff stärker als 
beides. Es drückt ein unaufhörliches 
Schlechtreden gegen Jedermann aus, 
ein Weibsbild (denn von Männern wird 
es nicht gebraucht) das Nichts als 
Schlechtes von Andern sagt und sich 
von einem Hause ins andere in dieser 
Absicht herumtreibt. Das Eifrige in 
dem Verläumden ist der HauptbegriiF. 
Nach dem Bremischen Wörterbuch 
heisst dritt derEifer. Daher ist DrlW« 
kittel ein viel stärkeres Schimpfwort 

als Klatschkittel, 

Driw'r, der Treiber d. zahmen Viehs 
besonders beim Transport von Heer- 
den; dann des Wildes auf den Treib- 
jagden. Swindriw'r, Scheltwort für ; 
Herumtreiber. 

droit u. bedroft, betrübt, alts. drobi. 

Dröfniss, Bedröfniss, Betrübniss. be- 
dröw'n, betrüben. HebedrowtkenMin- 
sehen, er thut Niemandem zu nahe. 

Drög, Betrug, Täuschung. De Drom 

is 'nDrÖg, der Traum ist Täuschung. 

De Stäweln sünd upp' Drög maokt, die 

Stiefeln sind schlecht, man wird damit 
betrogen. 

drög, trocken. hoUd, droog, SO drög 



ass Pulwer, ganz trocken. Dieselbe Be- 
deutung liatknaokendrög. He is noch 
iiichdrögachter'iiOren,eristnochjung. 

drög Ütsen, ernst aussehen und doch 
dabei schalkhaft sein. 

drög Staon, wird vom Melkvieh ge- 
braucht, wenn eskeinelMIlch mehr giebt. 

De Kö steitdrög. windrög, halbtrocken. 
drög'n, trocken werden u. trocken 
machen. 

Drögniss und Drögnitz = Dürre, 

Trockenheit. 

Dröm, der Traum ; alts. drom. 

dröm' 1. träumen, alts. dromian j 
2. bildlich Träumereien nachhängen, 
auch 3. langsam, wie imTraume, gehen. 

Drömklöt, ein träumriger Mensch. 

Dropp'n, derTropfen, Dimin. DrÖpp- 

k'n. Datt iss, ass'n Dröppk'n Waot'r 
upp'nhet'n Sten= l. das stillt den Durst 
nicht; 2. das hilft so viel wie gar nichts. 

drucksen, zögern, zaudern ; 2. lange 
ZeitohneNutzen bei einer Arbeit ver- 
harren, mit derselben nicht zum Ende 
kommen. 

drüdd, der dritte : alts. thriddi. 

Drüf, hölzerner Griff an eisernen 
Schneideinstrumenten. 

drull'n, quellen, hervordringen. Dat 
Blöt drnllt rüt, das Blut dringt stark aus 
der Wunde. Vgl. auch sip'n. lippdrill* 
l'n, auftreiben. DeD&g drullt upp, der 
Brodteig hebt sich gährend. 

drummeln, indrummeln, drusseln. 

Drümp'l, TrÜmp'l, auchTroppel be- 
deutet besonders das Dichtzusammen- 
stehen von Bäumen oder Pflanzen in so 
fern das Ganze nur einen kleinen Um- 
fang hat, z.B. Drümp'l oder Dropp'l 

Dann'. 

Drunk l. Trunk, alts. drank. Gif mi 
'nDrnnkBfer; 2. Trunkenheit. Hfehat 
Sick Upp'n Drunk leggt, er hat sich der 
Trunkenheit ergeben. Wat de Druuk 



nich deit, was geschieht nicht in der 
Trunkenheit, verdrinken 1. ertrinken, 

Hfe hatt sick verdrunken heisst : er ist 

ertrunken, aber auch : er hat sich er- 
säuft; 2. sein Geld, Vermögen durch 
Trinken vermindern. 

drunn'r, darunter, darzwischen. 't 
Stind 6k Wick'n drunn'r (unter den Erb- 
sen). Dat geit dräöw'r un drunn'r, das 
gehtsehr bunt her. 

drupp, darauf. Drupp lös gaon, auf 
etwas losgehen. 'twass druppundraun, 

es W'ar nahe daran. 

Drussel (SS ganz sanft gesprochen), 
der Schlummer. . 

drusseln , schlummern. Laot mi'n 

bet'n afdrusseln, lass mich ein wenig 
schlummern, indrusseln, im Begriff 
sein einzuschlummern. 

drÜS, drÜSt = ernst, finster, un- 
freundlich. He SUt so drÜSt Üt, ersieht 
finster, ernst aus, wobei es unentschie- 
den ist, ob das finstere Aussehen natür- 
lich oder Folge einer Innern Gemüths- 
bewegung ist. Bei der Redensart: hö 

maokt 'n drüs Gesicht ist zwar eine 

künstl. angenommene Miene gemeint, 
aber esbleibtzweifelhaft, ob das finstere 
Gesicht Ernst oder Scherz sei. Die in 
einigen Gegenden Norddeutschlands 
vorkommende Formel dat di de DrÜS 
kennt man in der Altmark, so viel ich 
weiss, nicht. 

drtittein u. drüttig S. dörtein. 

DrÜw' die Traube, davon das Dimin. 

Drüfk'n. 

DrUWWel bedeutet einen verhältniss- 
mässig kleinen aber gedrungenen Men- 
schen, dessen Körpertheile gewisser- 
massen traubenweis an einander ge- 
drängt sind. Davon drUWWelwis, dai 
dem neuhd. truppweise am besten ent- 
spricht. Blumen, Früchte, Kartoll\;ln 
in der Erde, die recht eng an einander 
6 



42 



stehen oder liegen, bezeichnet man 
durch dieses Wort. 

DrÜwnägelk, die Bartnelke (Dian- 
thiis barbatus"). 

duCdu, di, Plur.ji, ju)=duPron.pers. 

dÜCht'n (Iinperf. u. Partie, ducht), 
dünken, deuchten. Mi dücht, mir 
deucht. 

dÜChtigu. duchtig (von däög'n, tau- 
gen) = tüchtig, als Adverbium des 
Adjectivs dägr, dägst zu betrachten 

(S.oben). Düchtige Arbeit, vollauf zu 

thun. 

dü(d)'n, deuten, erklären ; davon be« 
dti(d)'n, bedeuten; fttdü(d)'ll, ausdeu- 
ten; andü(d)'n, andeuten, feierlich an- 
kündigen. 

Dttffert S. Döwwerk. 

dük'n eigentl. : tauchen ; in welchem 
Sinn es aber nur in zusammengesetzten 
Formen vorkommt, z,B. unnerdük'n 
= 1. untertauchen, im Wasser; 2. sich 
verkriechen von Kindern unter das 
Deckbett. Sickduk'n, sich blicken De 

Voss d&kt sick daol. en dük'n, einen 

durch Worte oder harte Behandlung 
zum Nachgeben, Schweigen bringen. 
üppdük'n, auftauchen, besonders im 

bildlich. Sinne. He derf nich uppdük'n, 

er darf sich auf keine Weise wieder 
hervorthun, durch Reden oderHandeln. 
Düker, der Taucher, gewöhnlicher : 
WaoterdÜker, ist zugleich ein Spitz- 
name für Jemanden, der ins Wasser ge- 
fallen ist. 

dükoackig, düknackt, düfnackig=: 

mit gebeugtem Kopfe und Nacken ge- 
hend. Gao nich so düfnackig bedeutet 
also so viel als: Halte den Kopf in die 
Höhe. Das Verbum davon heisst : dük« 
nack'n. Aehnlicher Begriff liegt in 

düflings. He leggt sick dnflings nedder, 

er legt sich mit vorgebeugtem Körper 
nieder. 



duU, toll. alts. dol. Yäör duU un blind 

lopen, wie unsinnig laufen. Dat Wfer 
doch to dull, das wäre doch zu arg. 
Dull un VUll wörtlich toll und voll, wird 
gebraucht von einem besoffenen Men- 
schen. Den duUenkrlg'noderdasVerb.: 

dull'n, sehrheftigwerden. Dann bedeu- 
tet es auch: geisteskrank. 

Dullfern u. Dullerhaor wär'n, leicht 

in heftigen Zorn gerathen. Dasselbe 

drückt den Dullworm hebb'n aus. Dem 

letzten Ausdruck liegt d ie falsche Vor- 
stellung des gemeinen Mannes zum 
Grunde, dass ein Hund nicht toll wer- 
den kann, wenn ihm ein Muskel unter 
der Zunge, der Wurm, herausgenom- 
men wird, 

DullhÜS, das Tollhaus. 

Dullkopp, ein Mensch, der leicht in 
heftigen Zorn geräth. Das Adject. ist 

dullköppig u. dullköpsch, 

DullkrÜt, der Wasserschierling (Cl- 
ou ta vi rosa). 

Dullmannswerk, dieHandlung eines 
Verrückten. 

Dum Dimin. Dümk'n, der Daumen. 
Uh hatt watVOr'nDÜm bedeutet: er ist 
nicht ohne Geldmittel. Wenn Jemand 
mürrisch und verdriesslich ist, und ein 
Anderer will ihn umstimmen, so singt 
er mit emporgehaltenem Daumen, den 
er vor dem Gesichte des Mürrischen auf 
und niederbewegt: Stist duminDtim- 

ken, so müstdn wohl lachen und wie- 
derholt dies einigemal, wodurch in der 
Regel der Zweck erreicht wird. 

Dummbaort, Dumerjaon, Dummsnftt 

gemeine Schim pfwörter=iDummkopf. 
dumpig, dumpfig. 
dün, angetrunken, schwächer als 

besaop'n. He is allDaog dick un dftn, 

er ist täglich betrunken. Vgl. auch dick, 
sup'n,moIum. 

Dün', Flaumfeder, Daunen. 



I 



43 



dann Zeitpartikel = da, dann, damals, 
auch darauf; dient in der Erzählung 
sehr häufig als Uebergang und Fort- 
setzung der Erzählung, meistens mit 
voraufgehendem un; statt dunn steht 
auch eben so oft: dao. Fast jeder Satz 
in der Erzählung beginnt mit Un daO 

oder un dunn. 

Dunk, aufgelockerter Werg, der in 
Cylinderform lose zusammengewi- 
ckelt wird. Das Sprichwort : M kickt 
aSS'n MÜS Üt'n Dunk Hed' wird von Je- 
mandem gebraucht,der ein freundliclies 
Gesicht macht. 

Dünner alts.thunar, der Donner, wird 
oft als Fluchwort gebraucht Dunner un 

Haog'l, datdi de Dunner, dao soll jo de 
Dunner inslaon. Vgl. auch Blitz. Dun- 
ner haoM ein Ausruf des Erstaunens, 
der Verwunderung. 

Dunnernettel, d. ausdauernde Nessel 
(Urtica dioica). Er schlitzt nachdem 
Volksglauben gegen die nachtheiligen 
Folgen der Gewitter. Wer Bier im Ei- 
mer gähren lassen will, legt bei heran- 
nahendem Gewitter eine Stange neben 
den Eimer. Wenn der Landmann den 
Flachs in die Rotlie bringt, so belegt er 
die FlachsbUndel zuerst mit 3-4 Stan- 
gen des Nessels, dann erst kommt das 
Strauchwerk u. die belastenden Steine ; 
geschieht dies nicht, so macht das Ge- 
witter den Bast mürbe. 

Dunnersdag, Donnerstag. 

Dunnerkil nennt der Landmann die 
in den Hünengräbern häufig vorkom- 
menden Steingeräthe. die sehr häufig 
eine keilförmige Gestalt haben ; nach 
dem Volksglauben fallen sie beim Ge- 
witter zur Erde. 

dün'n, dünne. Sprichwort: Segeit 
dörch dick nn dflnn bedeutet : das Mäd- 
chen lässtsich keint Arbeit verdriessen. 



Dünning, dieWeichen bei Menschen 
und Thieren ; 2. die Schläfe. 
dunntomaol, damals, sonst. 

Dür, Dauer. Dat is nich upp de Dftr 

maokt, das ist nicht dauerhaft genug 
gearbeitet. 

dtir, theuer, alts. diuri. Dat Holt iss 
UpstundS recht diir, das Brennholz ist 
jetzt recht theuer. Sprichwort: H6sat 
Üt, ass d' dtire Tid, ersieht ganz ver- 
hungert aus. 

Diir u. Gedür = Ausdauer, Geduld. 
Heff man Gedur, gedulde dich nur. Du 

hastjo gaor kenDür. 

DÜrappel, ein Apfel, der sich den 
Winter hindurch hält; heisst auch 

Waorappel. 

duraobel, dauerhaft gearbeitet. 

dür'n latein.durare = l. dauern, aus- 
dauern ; 2. bedauern, Mitleid mit einem 
haben. Hfe dürtmi, ich bedaure ihn. 

Dürniss, die Theurung; dagegen 
DÜrniss, die Dauer, Haltung; dat Ttig 
hat ken Dürniss, das Kleid etc. hat keine 
Haltung, es zerreisstzu leicht. 

DÜS S. Daus. 

dusent, tausend, alts. thusendlg. 

dÜSS, dütt, dieser, dieses ; Pluralis 
dÜSS'. Für das Neutrum wird auch 
das Neutrum des Artikels datt ge- 
braucht, doch mit dem Unterschiede, 
dass dütt dem ce-ci, dattaber dem ce-la 
entspricht, wie imNhd. in der Form: 
dies und das ; plttd. : dfitt Un datt. 

dussen, dusseln, düsseln (ss sehr 

sanft au sgespr ) , durch einen Schlag 
auf den Kopf Jemanden so betäuben, 
dass ihm schwarz (düster) vor den Au- 
gen wird. Noch häufiger ist die abge- 
leitete Bedeutung von seil windeln im 
Gebrauch, dann gewöhnlich dttseln ge- 
sprochen, mag der Grund desselben 
von einer Krankheit oder vom Tnuik 

6' 



44 



■herrühren. Daher das Subst. Düsel, der 
Schwindel, düslig, schwindlig, 

Dussel, dUSSlich, der Zustand eines 
Menschen, der sich benimmt wie ein 

duseliger. Du bist immer in' Dussel ; 

sinich sodusslich sagt man zu einem 
Geistesschlaf ri gen, der auf das was ihm 
gesagt, gezeigt etc. wird, nicht achtet, 
oder gleich wieder vergisst, Bestellun- 
gen verkehrt ausrichtet. Er heisst ein 

Duss'ler. Vgl. däöslig, däöseln. 

Dusselkopp 1. so viel als Dussler; 
2. ein Betrunkener. 

dtissid, dütsid, diesseits. Up düssid 

den marcht, diesseits des Marktes. 

DÜSt, der Dunst in dem Sinne von 
ganz feinem Mehl, was beim ersten 
Durchgehen des Korns durch d. Mühle 
erzeugt wird. Daher ÜtdÜSt'n, d.Brod- 
korn nur einmal durch dieMühle gehen 
lassen, um mehr Kleie zum Viehfutter 
zu gewinnen. 

düster, selten duster, alts. thiustri = 
dunkel, hat auch imNhd. sich das Bür- 
gerrecht erworben. So düster ass in'n 
Sack,stockdunkel;in'DÜStern, in der 
Dunkelheit. Düsterbrtigg' eine Brücke 
in Salzwedel. 

dÜStrig, ziemlich dunkel. 

Dutzbrö'r, ein vertrauter, brüder- 
licher Freund, mit dem man sich dutzt. 
Die letzte Silbe ist ausBroder, Bruder, 
zusammengezogen. 

dutzig, dumm, geistesstumpf. 

Dutzkopp, ein dutziger Mensch. 

DÜWPlur.DÜW'n, die Taube, goth. 
dubo, alts. düban, diifa. 'n blinn' Dftw 
findt Ökwoll 'nÄrft, der Dumme, Un- 
geschickte etc. hat auch bisweil. Glück. 
Verschiedene Spielarten von Tauben 

sind: Feldflücht'r, Kröpp'r, Elster, 
Dümml'r, Mßw'n, Mörnköpp', Schleier- 
düw', Maondüw', Trummeldüw'. 

DÜWk'n das Dimin. davon. Düwer, 



der Täuber; er ruft: Nu kann 'k'tall! 
nu kann 'k 't all ! 

DÜW'I, der Teufel; alts. diubal. Dat 
di de Düw'l ist meistentheils ein Aus- 
ruf des Erstaunens, kommt aber dazu 
ein Verbum z. B. plaogt, ritt oder ahn- 
liche, so spricht es einen starken Tadel 
aus. De Düw'l ritt am heisst es von Je- 
mandem, der schleclite Streiche ausübt. 

Datgeit naodusent Düw'l, das geht ja 

toll her. 

düwelhaftig. Bezeichnung des Su- 
perlativs. S. gefährlich. 
Düwelsknap,Teufelsknifre,Zauberei. 

Düw'nkutschen, S. Schoblom. 

duwwelt, doppelt ; duwwelt un dre- 

fach, völlig ausreichend. Dat hat hfe 

duwwelt un drefachwedder göt maokt. 

Duww'l-Kömm'l, starker Brantwein. 

Dwang, der Zw-ang. Im Alts, und 
Altn. bedeutet dhvinga cogere, zwin- 
gen; imAngels. dhvangligamentum. 

dwaol'n, irren, herumirren ; 2. ohne 
Gedanken umhergehen ; 3. unverstän- 
dig ;sprechen und handeln, dwasselu 
auch quaSSeln(SS sehr sanft gesproch.), 

wovon dwaslich, quaslich ; dwatsch 

und quatsch =: Unverstand ig, verschro- 
ben. Du bist dwatsch. dwals goth.= 

ein Thor; im Alts, bedeutet forduelan 
durch Zaudern die Zeit verlieren und 
biduelian morari, impedire. Das goth. 
dvalmon bedeutet tlioriclit, wahnsinnig 
sein, verdwaol'n, verirren, vom recht. 
Wege abkommen, auch im figürlichen 
Sinne Ümherdwaol'n, wie ein Verirrter 
umhergehen, ohne Zweck. 

dwas S. dwer. 

dwatsch S. dwaol'n. 

Dwel, Handtuch, von J. H. V o s s 
auch ins Neuhd. aufgenommen, alts. 
Hantdwamitla , goth. duahita = ein 
Waschtuch. 

dwelmern, irrereden, still deliriren. 



45 



dw8r, quer, schräge. Dwer äöw't 

plög'n, den Acker nicht blos in d. Länge 
sondern auch in der Breite, quer über, 

pflügen. He waont dwer äöw'r, er 

wohnt schräg über, dwer Un dwaSS, ein 
Pleonasmus; denn dwaSS, aus dwarSS 
entstanden, bedeutet dasselbe, alts. und 

altn. thwer. 

Dweräcksch S. Äcksch. 

Dwernäg'l, ein Mensch, d. mitNichts 
zufrieden ist, der Alles auch das Unbe- 
strittene tadelt, dessen Ansichten die 



der andern Menschen gewissermassen 
in d.Queredurcbschneiden ; am meisten 
im Gebrauch V.Kranken, diesich nicht 
selten in einer solchen Stimmung befin- 
den. Die letzten Silben Ilägelsind viel- 
leicht mit nörgeln, närgeln (S, unten) 
verwandt. Vgl. töm'. 

DwSrsack, Quersack. 

dwing'n, zwingen. 

dwirn, timherdwirn = d waol'n, um« 
herdwaol'n. 



c:. 



Eck 1. die Ecke : 2. kurze Strecke 
Weges. Ick will noch 'n Eck mitgaon ; 
'n Eck hinnernMilnsten, nicht weit hin- 
ter dem Meilenstein; 3. auch von der 
Zeit: 'tiss all'n Eck Jaor her ; an all'n 
Eck'n un Kant'n, überall. 

Ecker, die Eichel u. Buchnuss; von 
fek,Eik,dieP:iche;eik'n, ausEichenholz 
bestehend ; Eikapp'l, der Gallapfel, ver- 
ursacht durch die GalKvespe. Die ge- 
fällte Eicheheist meistens Eikböm. 

Eckerkarap, ein EichengehOlz. 

Eckerswin, ein Schwein, das mit 
Eicheln gemästet ist. 

Eckschapp, Eckschrank. 

eckstern, quälen, tribuliren. Du 

ecksterst en'n ök 'n ganzen Dag; im 

Hannoverschen heisst es: ängStern, 
woraus unser Worr vielleicht entstan- 
den ist. 

Ed, der Eid, im Alts, ebenso. 

Eddelmann heisst schlechtweg der 
Gutsbesitzer in einem Dorfe. Den Ed- 
delmann sinKö sünd rechtfett. Ebenso 
Eddelgöt, Eddelhof. Die Form : Adel 

kennt der Altmärker nicht. 

edder, oder, nicht mehr viel im Ge- 
brauch. 
Edder, derEiter,(pus)in d.Gcschwü- 



ren und zwischen den Augenlidern. 

Adject. eddrig; min Og'n sünd 's Mor- 
gens so eddrig. 

Edebaor S. Aodebaor. 

eff und efft, oder. 

egaol S. engaol. 

Egg' 1. die Egge, d. bekannte Acker- 
geräth ; 2. der Verstoss zu beiden Sei- 
ten eines jeden Gewebes; die Saalleiste. 
Dat iSS SinEgg' UnPlÖg, das ist seine ge- 
WühnlicheBeschäftigung, die ihmNali- 
rung und Unterhalt verschafft. 

feg'nSWärfs, zu einem bestimmten 

Zweck. Ick bin eg'nswärfs daorüm 

herkaom'n, nur um dies Geschäft mit 
dirabzumachen, oder Rücksprache mit 
dir zu nehmen, oder Erkundigungen 
darüber einzuziehen u.dgl. bin ich zu 
dir gekommen. Scheint aus eigen u. 
Gewerbe (für Geschäft) zusammen- 
gesetzt zu sein. Ich habe ein eigenes 
Gewerbe (Geschäft) daraus gemacht. 

Eich'l, eichein u. heikein, der Ekel; 

Ekel empfinden und erwecken. 

Eidopp, Ei'rdopp, die Eierschale. 
Eimen S. Acliel. 

ei'n, liebkoserd über d. Backen strei- 
clien, vom Naturlaut ei (gcdelint gc- 



46 



spröclien) den die Kinder hierbei aus- 
sprechen. 

eisch auch wohl alsch, Adject. und 
Adverb.— garstig. ImGoth. bedeutet 
Agis die Furcht, der Schauer. Nimm 
datnich, 't iS eisch wird den Kindern 
zugerufen, wennsieetwasUnreinh'ches 
oder auch Etwas, was ihnen schädlicli 
werden kann, oder was sie verderben 
künnen, in die Hand nehmen wollen. 
'n eischen Jung, ein garstiger Junge, 
aber nur in einem milden Sinne ; garstig 
entspricht dem eisch nicht gan?^. 

Eischaoln, die gewöhnlichen Fluss- 
oder Teiclimuscheln. 

Eker u. Kateker, das Eichhörnchen. 

Das Sprichwort : He stitüt, ass'n Eker, 

bedeutet ein freundliches Gesicht 
machen. 

elk-en, mancher. Elk-en Minsch deit 

dat nicll, Mancher thut das nicht. 

Eller und Eis', die Erle. Das Sprich- 
wort: Ellem Holt un vossig Haor sünd 
Upp godenBodd'nraor bedeutet: einem 
Rothharigen ist nicht zutrauen. 

Elw' 1. die Elbe (Strom) ; 2. die Car- 
dinalzahl elf, alrs. elleuan. 

Emk u. Emk, die Ameise. Der ge- 
meine Mann nennt die Ameisen auch 
wohl PissSmken weil er von demBiss 
der Ameisen eine falsche Vorstellung 

liat. Auch Miremk, Migemk, Mir. Die 

braune Waldameise heisst: Yossämk, 

Pägemk. 

femm der Dativ u. Accusat. des männ- 
lichen Personalpronomens hfe = er; 
für den Arciisat. ist aber nochmehr'n 
im Gebrauch. Ick hgf em sfen und ick 
hef 'n Sen, ich habe ihn gesehen. In 
einigen Gegenden auf dem Lande sagt 
man statt emm auch jfemm u. jtimmauch 
wohl Jim. 

Emmer, der Eimer als Geföss. alts. 
embar. 



6n, dieCardinalzahl ein', vomArtikel 
'n leicht durch d. lange 6 zu unterschei- 
den. Nur bei dieser einzigen Cardinal- 
zahl findet eine Art von Declination 
statt, indem der Dativ u.Accusativ im 
Masculino u. Neutro en'n heisst, in allen 
übrigen Fällen bleibt en unverändert. 
Steht das Neutrum substantivisch so 

heisst es: tüs. Ick Will di noch £ns 

Seng'D, ich will dir noch Eins sagen. 
'tiss mi allnsEns, es ist mir alles gleich. 
Nicht zu verwechseln mit SUDS. S. un- 
ten. Hinsichts des substantivischen 
EU ist noch im Allgemeinen zu bemer- 
ken, dassesmitund ohne den Artikel 

steht. De en, de anner; datten, datt 
anner; den en, den annern ; Plur.de en, 

einige. OhneArtikelnimmtesdanndie 
Form ener an in der Bedeutung von Je- 
mand, und vertritt auch die Stelle des 
Pronomens man: datt mütt'n enen 
erst Seggen, dass muss man Einem erst 

sagen, fcner söcht ken' hinnern Äow'n, 
he hat den sülwst daohinner sät'n 

wörtlich; Jemand (oder man) sucht 
keinen hinter dem Ofen, er habe denn 
selbst dahinter gesessen ; bekanntes 

Sprichwort, datt mütt ener wet'n, das 

muss Jemand (oder man) wissen. Van- 
fen, von einander, in den Fugen nach- 
lassend. De Tunn' geit ganz van-en, die 
Tonne trocknetzusammen. Wirdmehr 
von dem Nachlassen kihistlicher Fü- 
gungen gebraucht, wodurch es sich 
von : intwei unterscheidet, waseinZer- 
brechen ausdrückt. Dat geit 6n, twe, 
dre, das geht sehr rasch, od : das fertige 
ich in ganzkurzerZeit. Vgl. auch man. 
Enanner, einander ; hinn'rann'r, hin- 
ter einander; bi fenanner staon, hinn'r- 
ann'r gaon.< 

Endäönig l. eintönig, z. B. vom Ge- 
sänge, der Sprache etc.; 2. dumm ein- 
faltig, schwach am Verstände. 



4^ 



Ins dMs, S. Morgen. 

^ndönt, einerlei, gleich. Dat is eil- 
dönt, das ist ganz einerlei, von dÖD, 
thiin, also wörtlich : ein Thun, eine Ar- 
beit. 

fenerweg'n, irgendwo. Enerweg'n 

mütt 't doch sin, irgendwo muss es 
doch sein, 

fenfächtig, einfach. 

engaol, einförmig, egal, 't geit SO 

Sngaol weg. De Faod'n iss recht en- 
gaol. ^ 

Engfär, Ingwer. 

engöd, sehr gut. Hat man ein Un- 
glück gefürchtet, oder wird man durch 
eine Erzählung auf einen grausigen 
Ausgang hingeleitetund es gleicht sich 
zum Schluss Alles gut aus, so ruft der 

Zuhörer aus: Na! dat is man engöd. 

Enk, der zweite Knecht, oder der 
Ackerjunge auf einem Ackerhofe. alts. 
encho, enko ; 2. ein Ableger oderSteck- 
ling von einer Blume, generis femin. 

Enkel S. Änk'l. 

^nkernig wird von der ThUr ge- 
braucht, wenn sie nicht eingeklinkt ist. 

De Däör is enkernig upp. In Ditmar- 
schen heisst dies: de Däör steit inne 
Knirr. 

Enn' alts. endi, das Ende. Eigen- 
thümlich ist der manchem Substantive 
angehängte Zusatz : un kfen Enn'. Voss 
sagt z. R. im Winteraowend : Nu to 
Karl un ken Enn' ! Ein Ausdruck des 
Erstaunens, derSinn ist der : ich glaubte 
mit meinen Argumenten zu Ende zu 
sein, um dich von der Richtigkeit mei- 
ner Ansichten zu überzeugen, aber du 
entschlüpfst wieder durch Beibringung 
anderer Gründe. Oder ganz allgemein : 
du bist doch ein wunderlicher Mann. 
Aehnlich die Redensart: Rit'nsplit Un 
kfen Enn'! der Junge zerreisst doch 
ohne Ende seine Kleidung, 't dick Enn' 



sitt hinn', Sprichwort für: die Schwie- 
rigkeiten sind noch nichtganz gehoben. 

2. Entfernung, 't iss 'n kortEnn' bett 
daohenn, es ist nur eine kurze Strecke 
bis dahin. Vgl.Eck. Das Dimin.inder 
Bedeutung 2 heisst Enneken. 

Ennelbatt, der sackartige Anfang 
des Dickdarms, das Coecum. Im abge- 
leiteten Sinne bedeutet es die Blutwurst, 
die in diesem Da rmtheil sich befindet. 
Die letzte Silbe hängt mitButt, Bütte, 
ein weites Gefäss zusammen. Diese 
Blutwurst heisst hie und da auch Kun- 

keldick. Vgl. oben unter Badd'l. 

enns, einmal, semel und aliquando. 
Ick heff enns dao West, ich bin einmal 
(olim) dagewesen. nOCh ennS, noch 
einmal; kik Snns, sieh einmal. Datt 

was enns, nu kumm mi äöwer nich wed- 

der, du hast mich einmal überlistet, 
übervortheilt etc., ein zweites mal soll 
es nicht wieder geschehen, miteuns, 
aufeinmal, zugleich, noch enns SO VäÖl, 
SO gröt, noch einmal so viel, so gross. 
fenschig, einzig, allein. 

Ent' häufiger Äont, auch Aontvogg'l, 

die Ente. 

Entenfleit, derSchachtelhalm(Equi- 
setinn). 

Entenflott S. Flott. 

entfaomigt, entfaomt, infam. 

enthöcht, in die Höhe. 

enthoU'n, Sick, sich enthalten. 

entlang ist in der nhd, Sprache fast 
ganz verschwunden, im Plttd. aber ist 
es geblieben, das aber dieForm : 1 ä n g s 
gar nicht kennt. 

enzeln, einzeln. 

Enziaon. Die weissen P'.xcremente 
des Hundes werden: Witten EnziaOQ 
genannt. 

Sr, Dat. u. Accus, des weibl. Person.- 
Fron. vonse u.der l'luralis für alle Ge- 
schlecliter. Ick hefför Sfcn, ich h:ibe sie 



48^ 



gesehen. Tn einigen Dörfern spricht 
manäör. Ueber den eigenthliml. Ge- 
brauch dieses Pron. um ein Genitivver- 
hältniss auszudrücken S. unter sin. 

Er alts. ertha, erda, erthe= die Erde ; 
8rn, irden, 'n ern Pott, ein irdenener 
Topf. 

eräöwern, erübrigen, ersparen. 

ergistern, vorgestern. 

erntweg'n, ihrentwegen. 

Erpel, der Entrich, das Männchen 
der Ente. 

ferst-an, anfangs. 

ersten Daogs, nächstens. 

fertids, vor Zeiten, sonst; im Alts. 
an er dagun. 

Erupp Zirupp. Will einKnabe etwas 
verschenken, wozu sich mehrere Lieb- 



haber finden, so verspricht er dem das 
Geschenk, der zuerst ErupZirupp ruft. 
Was dieser Ausruf bedeute habe ich 
niclit ergründen können. 

Erw' S. B6d. 

et'n, essen, Praes. ät, Imperf. fetund 
att, Imper. itt, Part.geten; goth.atian, 
alts. etan. 

Etelschapp, Schrank fUrEsswaaren. 

Etelwaor, Esswaaien, Lebensmittel 
jeder Art. 

etsch S. ätsch ! 

6tt, es, das Neutrum des dritten Per- 
sonal-Pronom. Beim Sprechen wird 
nur das t gehört : 't is, es ist. 

extra gaon, wird von Männern ge- 
sagt, die ausser der Ehe ihren Gelüsten 
nachsrehen. 



F. 



Wenn gleich dieBuchstaben F und V 
in der Aussprache sich durchaus nicht 
unterscheiden und daher einer dieser 
Buchstaben gänzlich eingezogen wer- 
den könnte, wie dies von einigen Her- 
ausgebern plattdeutscher Sachen auch 
geschehen ist, so habe ich doch beide 
nach Analogie des nhd. beibehält., zumal 
da sie sich beide im Alts. u. in den platt- 
deutschen Urkunden des Mittelalters 
finden, obgleich in letzternsehr häufige 
Verwechselungen beider Buchstaben 
selbst in einer und derselben Urkunde 
vorkommen. 

Fächt'l, der Fächer. 

Fack S. Faok. 

fackeln, zögern, hauptsächlich in 
der Redensart: nich lang fackeln ge- 
bräuchlich. Sie deutet an, dass Jemand 
gleich darauflosschlägtjohneerstWorte 

zumachen, Maok! Vaoder fackelt nich 

lang für: eile! du weisst ja, der Vater 
schlägt gleich drein. 



Facksen (Plurale tantum), allerlei 
Bewegungen mit den Gliedmassen und 
mit dem Gesichte, die Lachen erregen 
sollen, imBegriffmitFlaUSen verwandt. 
DerFacksenmacher will nur amüsiren, 
ohne täuschen zu wollen; derFIaUSCn- 
maCiier hat d ie Absicht zu täuschen, ge- 
braucht leere Ausflüchte und Vorspie- 
gelungen, um die Wahrheit zu verber- 
gen. Daher wird Flausenauch als Syn- 
onym mit: Unwahrheit gebraucht. 

Fägs'l, der Auskehricht. 

fali'n, (Praes. fall, fällst ; Imperf. fei, 
Part, fali'n), fallen. Eigenthüml. ist die 

Redensart: hastdu dl watfallen laoten, 

hast du diretwas davon merken lassen ? 
auf die Sache hindeutend gesprochen. 

falsch wie im Neuhd. gebraucht. 
falsch sin, etwas übel genommen ha- 
ben und seine Empfindlichkeit darüber 
an den Tag legen, etwas schwächer als 

grollen. M is falsch npp mi, er ist böse 

auf mich. 



49 



farig, ferrig, alts. fard — fertig. 

Farn, die Ferne, nur noch gebräuch- 
lich in von farns, aus derFerne. Ick heff 
em man von förns Sfen, ich habe ihn nur 
in der Ferne gesellen. VOn fäms bin 
ick em ankaom'n, ich habe ihn nur so 
ungefähr, so eben, wie aus der Ferne 
berührt. 

Färs, ein junges Rind, das noch nicht 
gekalbt hat. 

Farw 1. die Farbe; 2. die Färberei; 

ick will dat Tag nao d' Farw draog'n. 

Farw'r, der Färber. 

Fasch, Aiifmunterungswort für 
Hunde, wenn sie gehetzt werden und 
etwas anfassen oder beissen sollen. 

Fasse! (SS sehr weich gespr.) der 
Faser, feine, aber aufgelosete Fäden z.B. 
beim Zupfen von Charpie u. ähnlichen 
Dingen. Das Adj. ist fasslig. Gewebe 
jeder Art, wenn sie vor Alter anfangen, 
sich in Fäden aufzulösen, werden eben- 
falls mit diesem Beiwort bezeichnet. 

Diminutiv Fässelk'n. 

fast, fest. Das a hat sich aus dem 
goth. fastan = festhalten erhalten, auch 

imAlthd., Angl. u.Altn. de Strick is 

fast. — Eh kann Sick fast maok'n be- 
deutet: kugelfest sein, im Kampfe nicht 
verwundet werden. Dass dies durch 
Zaubermittel geschehen könne, wird 
noch hin und wieder geglaubt, fast 
maok'n bedeutet auch beim Handel, 
oder bei jedem andern Geschäfte : das- 
selbe abschliessen , entweder durch 
Worte oder durch ein Aufgeld, kapit- 
telfast oder bibelfast bedeutet in der 
Bibel genau Bescheid wissen, wofür 
aber auchkapitel-un bibelfest gespro- 
clien wird. 

Fast'laowend, Fastnacht. 

Fatt. alts. fat, jedes liölzerne Gefäss, 
das eine grössere Weite als Höhe hat. 
Daher faot'n (Pr.faot, föttst, fott; Im- 



perf. fot,' Part, faot'n), das neben dem 
Begriff des nhd. fassen auch noch be- 
deutet : das Bier in die Tonnen bringen. 
Im abgeleiteten Sinne bedeutet h^hat 
Sns faot' so viel als : er hat etwas zu viel 
getrunken, istangetrunken, wofür auch 

gesagt wnrd ; H6 hat to dfep int Glas 

kSken, wörtlich : er hat zu tief in das 
Glas gesehen. Sick faot'n, ringen, faot 
dimaimitämm, versuche deine Kräfte 
im Ringen mit ihm. 

Fattbinner, ein Böttcher. HMOppt 
ass'nFattbinner drückt einen schnellen 
Fussgänger aus. 

Faok u. Fack, Plur. Faok'r, das Fach 

dervonallenSeitenvonHolzeingefasste 
und ausgemauerte oder mit Fenstern 
ausgefüllte Raum einer Wand, ünner 
Back un Fack gaon, beim Regen in ein 

Ha US treten . Eh hat nich Dack un Fack, 

er besitzt kein eigenes Haus, 

faol, fahl, verbleicht. 

Faom, im Plur. Fäöm, der Faden. 

fäöm', infäöm', einfädehi. De Nei* 
naod'l infäöm'. 

Faor, 1. die Furche zwischen zwei 
Ackerstücken; vom alts, färan, fahren, 

2. die schmale Furche beim Pflügen; 

3. die Gefahr. 

fäör, vor und für. tofäör kaom'n, 

zuvorkommen; fäörem, für ihn. Das 
goth. faur bedeutet ebenfalls für und 
vor; fäör dnll, gar sehr. 
fäörfötsch S. vörfotsch. 

fäörholl'n S. hoU'n. 

Fäörkost, Vorkost. 

faosel , noch nicht gemästet, noch 
auf der Weide gehend, zur Zucht die- 
nend, z. R. Faoselswin. 

Faossen, eine bestimmte Quantität 
Brennholz, etwa einen halben Klafter 
enthaltend. 

faot'n S. Fatt. 

7 



Fedder, die Feder der Vögel, die 
Schreibfeder ; davon 

feddern, federn, mausern. 

*f FedderfltitchS.Flunk. 

Fedderpös', die Federspule. 

Fedeitsch, die gelbe Narcisse (Nar- 
«issus Pseudo-Narcissus), 

feg'n S. käntern. 

FegelS, der Auskehricht. 

Feger, ein in seiner Art kräftiger, 
kolossaler Mensch. 

feil'n, fehlen, mangeln. 

feistem S. käntern. 

Feld 1. der Acker; ans Lüd sfind to 

Fel(d), unser Gesinde ist mit Feldarbeit, 
beschäftigt ; 2. Gegensatz von Stadt : 
Vao'r iss äöwert Feld, Vater ist nach 
einem benachbarten Dorfe gegangen; 
3. wie im Nhd. : zu Felde ziehen, im 
Felde stehen d. h, Soldat im Kriege sein. 

' Feldbön S. Walschbon. 

Feldflticht'r, die Feldtaube. 

Feldschtichter S. Schotentöffel. 

FeldsUn heisst in der Altmark die 
grosse Masse von Geschiebe u. Gerolle, 
die sich in der norddeutschen Ebeneso 
reichlich vorfindet, mag es Granit sein 
oder anderes Felsgerölle. 

Fell, das Fell wie im Neuhd. 'n ollet 
Fell, eine alte Frauensperson , verhei- 
rathet oder unverheirathet. Dat Fell 

losmaok'n, versaorn S. wams'n. 

Fel(d)SChär, der Wundarzt und der 
Barbier, weil die Beschäftigung beider 
sonst nicht getrennt war. 

FSnt, Fentken, der Fant. goth. fanta. 

Rnn, tüchtig. 'nfgrmen Jäger. Heis 

all ferm, er hat das Seine schon tüchtig 
erlernt. 

Ffew'r, das Fieber, auch häufig: Fr6« 
sein genannt. 

Fiddel 1. die Geige, Fiedel, im weg- 
werfenden Sinn; ohne diesen Neben- 
begriff heisst sie: Yigelln (das Wort 



Geige kennt man im Plattd. nicht). 

2. ein liederliclies Weibsbild = Vettel. 

3. eine Art Straffolter, mit der in frü- 
hernZeiten Weibspersonen, die gestoh- 
lenhatten, üffentlichausgestellt wurden. 

Dies hiess : in d' Fidd'l staon. 

fiddeln, dieGeigespielen,auch über- 
haupt musiciren, besonders, wenn die 
Musik schlecht ist. 

Fidd'ler, ein schleckter Musikant. 
B6rfidd'ler,derin denßauerkrügen auf- 
spielt. 

fidfel,heiter,munter. krenzfid^l, sehr 
heiter. 

Fidikan S. Fudikan. 

ficheln, sich durch allerlei auch un- 
moralische Mittel bei Jemandem ein- 
schmeicheln mit dem Nebenbegriff des 
Heucheins. Wer das thut ist ein Fleh- 
1er. Den Begriff von liebkosen hat dies 
Wort bei uns nicht. 

Fick, Kleidertasche jeder Art. Stick 

int Fick. 

fick'n, den concubitus begehen. 

Fickfacker, ein Windbeutel, unbe- 
ständiger Mensch. Nach Boxhorn 
istfigfag ein alt britannisches Wort in 
der Bedeutung confuse. Vielleicht mit 
Facksen verwandt. Verb, fickfack'n. 

ficks, 1. hurtig, rasch, flink, löp fiX, 
lauf rasch. 'nfixeDem, eingewandtes, 
schmuckes Mädchen. 2. abgemacht, 
Verstärkung von : fertig in der Redens- 
art : ficks un fertig. 

FIfkamm, ein Gewebe, dessen Auf- 
zug aus leinenem, der Einschlag aus 
wollenem Garn besteht, das der Land- 
mann selbst mit f ünfKämmen anfertigt. 
Vgl, Warp. 

Fik'n, der Vorname Sophie. 

fll'n, feilen. 

fiU'n, 1. die Oberhaut abziehen, von 
Thieren und Pflanzen gebraucht. Da- 
her FillkÜl, derOrt, wo d. Scharfrichter 



51 



dem gefallenen Vieh die Haut abzieht. 
Filleiken, Eichen-Brennholz, dem die 
Rinde vorher abgezogen ist. 2. Hart 
züchtigen, gleichsam die Haut abzie- 
hen. 3. mit einem stumpfen Schneide- 
Instrument od. auf ungeschickte Weise 
etwas zerschneiden wollen z. B. Brod 
oder Fleisch ohne damit gehörig zu 
Stande kommen zu können. Im Alts. 
^ bedeutet fillian geissein ; goth. fill, das 
^. Fell. Vgl. pellen. 
W Fim u. Fin nur gebräuchlich in : Holt- 

flm, einHaufen aufgeschichteten langen 
Holzes ; ein Haufen Korn, Stroh, Heu 
heii^st Dim. 

fin Adject. = fein. 

Find, der Feind, alts. flond. 

Finsel, die Füllung des Geflügels, 
das gebraten ist. 

Finster, das Fenster. 

fipprig, iinstät. 

fim, feiern, transitiv u. intransitiv, 
von Fir = Ruhe von der gewöhnUchen 
Arbeit und ein festlicher Tag. 

Fisematenten , listige Ausflüchte, 

listige Streiche, Chicanen, Finten. 

Fisk, der Fisch. Im Goth. und Alts. 
ebenso. 

Fiss' u. Eiss'l (SS sehr weich gespr.), 
eigentlich ein sehr zartesFlachsfädchen, 
besonders gebräuchlich in der Redens- 
art: Dich 'n Fiss', auch nicht die aller- 
geringste Kleinigkeit. 

fisseln, die feinen Fäden eines Ge- 
webes ausziehen, auch von Staubregen 
gebräuchlich. 

fissligCsS sehr sanft) bezeichnet den 
geringsten Grad der Trunkenheit, der 
sich nur imReden ofl'enbart. In einigen 
Gegenden sagt man dafür ftlSSlig, das 
mit Fusel, schlechtem Brantwein zu- 
sammenhängt. 

fist'n, heimlich einen Wind gehen 
lassen. Die Bauerstuben, welche gar 



nicht gelüftet werden, u. stark besetzte 
Schulstuben riechen fistrig. Vgl.Döns. 

Fittje S. Flunk. 

fitschen, in kleine Thelle zerschnei- 
den, besonders die Vitsbohnen. 

Fitz l.die Abtheihing eines Gespin- 
stes, die während des Haspeins durch 
das Fitzband gebildet wird. Diese 
Abtheilungen bilden heisst fitz'n. 2. ein 
Sprung im Glase, der aber noch nicht 
durchgeht, sich nur in einem kleinen 
Theil befindet ; davon dasVerbum : dat 

Glas iss infitzt. 

flw, gth.fimf,fünf. föfftein,funfzehn; 
föfftig, fünfzig, de föfft', der fünfte. 

Flabb', die Lippen, herabhängendes 
Maul, nur der Scheltende u. Unwillige 
gebraucht dies Wort, du krigst hü Up 
d' Flabb', ich schlage dich aufs Maul. 

De Flabb' hangen laot'n, etwas übel 

nehmen, verdriesslich sein. Zum 
Grunde liegt labben, labbern = lecken 
mit vorschlagendem F. Ebenso bei dem 
Scheltwort Flabbs, derLafl'e, flabbsig, 

läppisch. Vgl. auch slabbern. 

FlabbsnÜt, ein MaulafFe. 

fladdrig, flatterig u. flatterhaft z. B. 
die halbgefüllte Rose, der Kohlkopf, 
w^enn er kleine Köpfe bildet. Trägt 
ein Mädchen ein grosses Tuch, oder hat 
es mehrere lang herabhängende Bänder 
an seiner Kleidung, dasAUes leicht vom 
Winde bewegt wird, so nennt man dies 
'n fladdrigen Staot. Der leichtsinnige 
Mensch, dem es an Ausdauer in allen 
Stücken fehlt, immer zerstreut ist, 

heisst fladdrig. 

Fladfts', jede weibl.Kopfbedeckung, 
mit dem NebenbegriiF des Schlechten 
oder Verspottenden. 

Fläg, ein geschmackloser Kopfputz 
der Leichenbitterin aus weisser Leine- 
wand; früher von jedem Kopfputz, 
mit Ausschluss der Mütze, gebraucht. 

T 



51 



fiack II. flöt, vom Wasser gebrauclit, 
so viel als: nicht tief. DeElw is man 

flack oder flöt, die Elbe ist iiurniedrig. 
flämsch kommt nur in derVerbin- 

dungflämsch ütssn und 'ofilmschGe» 

sieht maok'n vor und bedeutet ein sehr 
finsteres Gesicht; auch gebraucht man 
es zur Bezeichnung des Superlativs. 

flankfern (aus flanquer gebildet) und 
rfim flankern, vielfach umhergehen, 
eine Gegend oft besuchen, häufig auch 
iiiit dem NebenbegrilY des Stolzes, oder 
um die Aufmerksamkeit anderer auf 
sich zu ziehen, herumstolziren. 

Flär der weibliche Kopfputz beson- 
ders, wenn er breit u. gross ist, mag er 
aus einer Haube oder einer Mütze be- 
stehen. Im letztern Fall wird aber nur 
der vordereTheilder Mütze aus feinem 
weissen Zeuge bestehend und von be- 
trächtlicher Breite, darunter verstan- 
den. Ist derselbe nur schmal, soheisst 
er : 'n Strich, Streifen. In den Städten 
sind diese Mützen ganz v^erschwunden 
und kommen nur noch auf dem Lande 
vor. 

Flass, Flachs. Beim Aufziehen des 
Flachses darf das Gesinde kein Hälm- 
clien stehen lassen, denn es heisst: Wnlt 

du mi nich igsen, will ick bi di nich 
wgsen. 

Flasskopp, einMensch mit lichtblon- 
dem Haar. 

fläSSen, das Ad ject. von F 1 a s s ; fläs- 

sen Gaorn. Klein Hed'n in flässen be- 
zeichnet Leinwand, dessen Aufzug aus 
Flachsgarn, dessen Einschlag aber aus 
feinem Hedengarn besteht. 

Flasss!(d), die Flachsseide (Cuscuta 
europaea). 

Flätangel, Scheltwort für einen 
schmutzigen Menschen. 

Flatsch u.FlatSCh'n, ein verhältniss- 
mässig breites aber dünnes Stück, H& 



hattsick 'ngr6t Flatsch von de Hand 

affstött, er hat sich ein grosses Stück 
Haut von der Hand abgestossen. Ick 

heff am 'n gröten Flatsch üt'n Rock 

rät'n , ich habe ein grosses Stück aus 
seinem Rockschoss gerissen ; auch ein 
verhältnissmässig dünnes aber breites 
Stück Fleisch heisst so. 

Flans'n S. Facks'n und Knäp. 

Flaog' 1. Fläche. Min Wischen ligg'n 

in fen Flaog, meine Wiesen liegen un- 
unterbrochen neben einander, 't iS noch 
'ngöd Flaog hen, est ist noch ziemlich 

weit bis dorthin. Ick will noch 'n Flaog 

mitgaon, ich will noch eine Strecke 
mitgehen. 2. eine rasch vorüberzie- 
hende Regenwolke. SWdrk bedeutet 
dasselbe, ist aber kleiner als FlaOg. In 
diesem Sinne ist das Wort von fi6g'n 
(fliegen) abgeleitet. 3. ein kleines 
Fischernetz. 

flaogwis, strichweise. De Haogel 

kämm flaogwts, es hagelte strichweise. 
FläÖZ, ein Schimpfwort = Flegel, 

Grobian. Ad ject. fläötzig; sick hen- 

fläötz'n, sich wie ein Flegel hinsetzen. 
Flebbken, ein früher gewöhnliches, 
jetzt fast gar nichtmehrvorkommendes 
■Zeichen der TraUer bfeim weibl. Ge- 
schlecht. Es bestand aus einem schwar- 
zen od. weissen dreieckigen Stirnband 
mit niedergekehrter Spitze. Der Name 
Snibb dafür war seltener im Gebrauch. 

Fledderflünk S. Flünk. 

Flfeg, die Fliege imAUgemeinen d. h. 
allelnsecten, die Aehnlichkeit mit der 
Stubenfliege haben. Hfe is SO mack ass 
'nFleg, er ist sehr erschöpft, figürlich: 
er hat keinen Muth mehr. 

Fl^genkrÜt, der Beifuss (Artemisia 
vulgaris). 

Fl&genwnlf, eine Art Ichneumon, 
der die Hausfliege in grosser Menge 
tödtet. 



53 



flSg'n, fliegen (ick. fleg, du flüggst. 
Imperf. Ick flog, Partie, flaog'n) wird 
ausser der gew ölmlichen Bedeutung 
auch von jeder raschen Handlung ge- 
braucht. Dat fltigt man so, sagt man 
von einem Schnellschreiber ; de Arbeit 

fiüggt em man so üt de Hänn', er fertigt 

die Arbeit sehr rasch. In der Redensart: 

ickwfetnich, wuhestaon un flaog'n is, 

ich weiss nicht, wo er geblieben ist, 
Zeigt sich wieder die Liebe desPlattd. 
zur Alliteration. 

Flei, der Floh; flei'n, die Flöhe ab- 
suchen. 

Fleit u Fleidüs, Flöte, Pfeife. Pleite 

dwßr, die Querpfeife, Flauto traverso; 
davon fleit'n, auf d. Lande auch flent'n 
gesprochen, auf der Flöte spielen, auch 
mit dem Munde pfeiiTen. 

fleit'n gaon, wie im Nhd. flötenge- 
hen. Ein davon fliegender Vogel, weg- 
laufender Hase geit fleit'n. Dat Geld is 
fleit'n gaon, fleit nao oder kannst hin- 
nerlier(oder achternao) fleit'n ruft man 

dem zu, der vergebens ein davon lau- 
fendes oder fliegendes Thier haschen 

wollte. Vgl. aucli : Heidi gaon. Ick 

will di wat fleit'n sagt der, welcher 
einem andern Etwas rund abschlägt. 

flenn' S. lau'n. 

Flfes', eine dünneHaut Z.B. die Haut, 
mit der die Flohmen der Schweine um- 
geben sind, die abgezogen und beutei- 
förmig zusammen genäht wird, um 
Schlackwurst einzustopfen. H6 hat 'n 
Flfes' Upp't Og', er hat den grauen Staar. 

FlfeSCh (auf dem Lande : Flesk), das 
Fleisch. Im Angels. u. Altnord. Flesk. 

Flfet S. Bäk. 

flfct'n, fliessen (Pr. du flüttst, Imperf. 
flöt, Part, flaot'n). 

Flick U.Flicken, einStück von einem 

Ganzen, 'n Flicken Tüg , 'n Flick'n 
Land. 



Flick- de -Bticks, die Wachtel. 
Flickerment, ein Fluchwort, womit 

es aber niclitso böse gemeint ist. 
Flidd'r S. Flirra. 

flinkem und flunkern, glänzen mit 

dem NebenbcgrifFdes Wertblosen, des 
äussern Scheins, flunkem bed. ausser- 
dem täuschen, aufschneiden, lügen. 
Der Flitterstat wird auch wohl Flinker* 
Staot genannt. 

Flin ähnlich flinkem, vielleicht ist 
dies nur ein Frequentativ. Der allge- 
meine Begrifl"ist putzen. (Das alts, 
f 1 e h a n bedeutet ordnen, zurechtstel- 
len.) Es kommt aber nur noch in Zu- 
sammensetzungen vor, als : anflin, an- 
putzen; Upflin, ausschmücken. Dat 

Mäken hat sick recht npflit. De Stuw' 

npflin, die Stube ausputzen. Ütflin, zur 
Schau auslegen z.B. von Krämern, die 
ihre Waaren zur Schau stellen, von 
Mädchen, die sich sehr putzen, tofltn, 
1. beschmutzen , 2. Gegenstände ver- 
schiedener Art durch einander bringen, 
und Nichts am passenden Orte haben. 

Funsen, Subst. Plur. -— eine Art ganz 
dünner Eierkuchen. 

flins'n Vgl. lau'n. 

Flirra (das a nur angestossen)» der 
Flieder (Sambucus u. Syringa). Leute, 
die Pferde halten, diu'fen das Holz des 
ersten nicht brennen, sonst sterben die 
Pferde, daher verschenkt derLandmann 
das Holz an kleine Leute. Das Sprich- 
wort: Wenn 'n Flirrbusch sut, mütt 'n 
Vaterunser bäd'n drückt die Achtung 
des Landmanns vor diesem Gewächs 
aus, weil die Blüthe das Medicament ist, 
zu dem d. Landmann in jederKrankheit 
seine erste Zuflucht nimmt. 

Flis'n, dünne aus verschiedenemMa- 
terial gefertigte imd meist gebrannte 
kleine Platten zum Belegeft der Fuss- 
böden; Ofenröhren etc. 



54 



FlIt,fl!tig = derFleiss, flelssig, Ick 
heff 't mit Fllt daon, ich habe es absiclit- 

lich, mit Ueberlegunggethan. 

Flitz, der Pfeil. 

Flitzbaog'n , die Armbrust, eigent- 
lich nur ein hölzerner Bügel an beiden 
Enden mit einer Schnur zusammenge- 
zogen, mit dessen Hülfe Kinder kleine 
hölzerne Haken in die Höhe schnellen. 

flitz'n, fiitSCh'n = schnell vorüber- 
laufen. Dao flitzt hä henn, da lauft er 
vorüber, so dass man ihn kaum wahr- 
nimmt. 

flistern, flüstern = flüstern , leise 
sprechen. 

Flögg'l S. Flütch. 
^ Flök, flök'n = der Fluch, fluchen. 

Flöm , das Bauch- oder Nierenfett 
bei den Schweinen, Gänsen und bei 
Fischen; beim Rinde u. Hammel wird 
dies Fett nur Tnlg genannt. Davon 
flöm', das nur noch in Zusammen- 
setzungen vorkommt, als affiöm', das 
Fett abnehmen, z. B. vom kochenden 
Fleiscb, die Sahne von der Milch. Für 
die letzte Operation wird öfter affröm', 
was noch bezeichnender Ist = den Rom 
(die Sahne) abnehmen. Ütflöm', die 
Fische abschuppen und ausnehmen. 

flömern u. lömern, eine an sich klare 
Flüssigkeit durch Aufrühren des Bo- 
densatzes oder durch die Vermischung 
mit fremdenGegenständ. trübe machen. 

Dat Waoter is flömrig oder lömrig oder 

is Uppfiomert, das Wasser isttrübe, oder 
ist trübe gemacht durch Aufrühren des 
Niederschlags in demselben. Auch ge- 
braucht man es vom Auge, dem die er- 
forderliche Klarheit fehlt. Im Bremen- 
schen heisstes: giömem. 

Flot S. Flack. 

Flott Subst. 1. das Floss. 2. die Sahne. 

flott, auf dem Wasser schwimmend. 

De Kaon is noch nich flott, der Kahn 



schwimmt noch nicht ganz , sitzt auf 
dem Grunde noch fest. Im abgeleiteten 
Sinne wird es gebraucht, wenn man 
über seine Kräfte zu viel Geld verwen- 
det. Maclit Jemand bei Ausrichtungen 
z.B. bei Kind taufen, Hochzeiten u.s.w. 
grössere Anstrengungen, als die ihm 
zu Gebote stehenden Mittel erfordern, 
so sagt man : Dao geit 't flott her. Ver- 
wendet eine Familie auf das Essen und 
Trinken mehr, als er nach ihrem Ver- 
mögen sollte , so heisst es : de leben 

flott. 

Flottmelk, schlechte Milch, von der 
die Sahne abgeflott't ist. afflött'n heisst 
nämlich die Sahne abnehmen. Enten* 
flott oderÄontenflott, die Wasserlinse 
(hemna). 

flöttern nennen unsere Knaben eine 
ihrer Hauptbelustigungen bei einge- 
tretenemThauwetter, wenn sie dieEis- 
schüllen auf den Flüssen stromabwärts 
zu treiben suchen und sich durch Fah- 
ren auf denselben belustigen. 

fiötkern, einen ins Wasser gefalle- 
nen Gegenstand wieder herausfischen. 

fincks S. fluggs. 

fiuddern, flattern ; fiuddrig, flatterig, 
nachlässig, besonders im Anzüge der 
Weiber. Auch die Espe, Zitterpappel 
(Populus tremula) wird auf dem Lande 
Fiuddrig genannt. Vergleiche auch 
Bäw'r-esch. 

flugg oder fluck, Adverb. = ein gut 

Theil. ett stind all flugg wöck dao ! = 

es istschon ein gutTheil zusammen. 

fiuggS oder fiucks, geschwind, hur- 
tig, maok fiucks tO ! beeile dich. 

flügg hat neben dem gewöhnlichen 
Begrifi^, nach welchem es von jungen 
Vögeln gebraucht wird,diefliegen kön- 
nen, auch den von munter, lebhaft, be- 
sonders wenn diese Lebhaftigkeit an- 
fängt,das gehörige Mass zu überscbrei- 



55 



ten; daher FlÜchter einen flatterJiaften 
Mensclien ohne Avisdauer bezeichnet, 
der gern ausser dem Hause ist, 

flnckern wird voiitrockenenGegen- 
ständen gebraucht, dieleichtaufllaciiern 
aber auch bald wieder verlöschen z.B. 
Stroh, Flachs u. dgl. 

Flnnk, Flüok, Flüntk und Flütch = 

der Vogelflügel sowohl an noch leben- 
den Vögeln, wofür auch FlÖgg'l und 
Fittje gebraucht wird, als auch der von 
f geschlachteten Gänsen rind Enten ab- 
geschnittene Flügel, nie FlÖgg'l wohl 

aber : Fedderfitink , Fedderfititch. De 
Fltittcheii (Flünk'n , Flüatk'n) hang'n 
laot'n bedeutet : den Muth verlieren. 

flunkern, von Putzwerk glänzen; 
2. aufschneiden, nicht derWahrheit ge- 
treu bleiben. 

Flarresch S. Bäw'resch. 

Flusch, Flausch von Haaren, Wolle, 
Werch u. dergleichen lockern Dingen, 
wenn sie ein Conglomerat bilden. 

Dimin. Flüschk'n. 

flÜSCh'n ist gleichsam eine Menge 
Einzelheiten schnell zu einem Fliisch 
verbinden, daher: rasch gefördert wer- 
den, schnell geUngen. De Arbeit fiÜSCht 
em recht, er fertigt die Arbeit sehr 
rasch. Aehnlich sagt man : de Arbeit 
schafft em recht. Der erste Ausdruck 
ist aber noch ein gut Theil stärker. 

Finster nennen unsere Knaben eine 
mit ausgefasertem Zeuge umwickelte 
Zwecke, dessen sie sich beim Schiessen 
mit dem PÜStrÖr (HIaserohr) bedienen. 

flnstern versuchen zu fliegen, von 
jungen Vögeln gebraucht. 

Flütch "S. Fhink. 

föddernauchförrern, fordern. Wat 
födderst dn vor dat Ferd. 

fÖd'n (Pr. föd,födst; Imp. fött, Part, 
föt), Nahrung geben, ernähren. Ick 
mütt em föd'n. goth. und alts. fodjan ; 



Sick fSd'n, sich nähren, üpfod'n, auf- 
ziehen, gross füttern. Wist dU dat 

Kalw upfBd'n ? Ick heff de Dem upfodt. 
föft,föftein,fi)ftig S. fiV. 

Folgers, das ganze Leichengefolge. 

Foll'a, die Falten in Kleidern, Tisch- 
tuch etc. 

foU'n, (Verb.) die Hände falten. 

Fölln, Subst. u. Verb. = das Fohlen, 
und fohlen. 

FÖp S. Huppupp. 

fopp'nauch ins nhd. übergegangen, 
zum Besten haben, vexiren. 

För und Füdder, Fuhre und Fuder, 
eben so unterschieden wie im Nhd. 

FBr, die Furt, d. h. ein niedriger, nas- 
ser Weg, den man durch aufgefahrene 
Steine passirbar zu machen sucht. 

Fork, die Heu- u. Mistgabel, erstere 
zweizahnig, letztere dreizahnig,MeSS- 
fork. Im Süden heisst letztere Grfep. 

forn, fahren, vehere und vehi. Als 
Transitiv geht es nach der schwachen, 
als Intransitiv nach der starken Conju- 
gation. Im Tmperfect. sagt der Kut- 
scher: ick fort, der Reisende: ick fÖI. 
Ausserdem bedeutet es auch führen, 
leiten. H5 fort den Blinn', er führt den 

Blinden. Watt mag 'r wedder in'n 
Schill förn. 
förrern S. föddern. 

ForSChSubst, das französische force 
=r Stärke, Körperkraft. De Jung' hat 'D 
bestig Forsch, der Jüngling zeigt eine 
grosse Körperkraft. 

forsch, Ad ject. = stark , tüchtig, 't 
geit forsch drup lös, es geht mit aller 
Kraft an die Arbeit. Wi hemm forsch 
arbeit', wir haben tüchtig gearbeitet. 
'n forschen Karl , bedeutet nicht blos 
einen körperlich starken Menschen, 
sondern es wird auch von der ganzen 
Haltung des Menschen gebraucht der 



56 



durch sein Auftreten imponirt, und 
durch seine Persönlichkeit Achtung 
einflösst. Da aber auch die Kleidung 
dazu beiträgt, Eindruck zu machen, 
so wird der Ausdruck: hfe maokt 
sick forsch schon von dem Manne ge- 
braucht, der durch seinen Anzug im- 
ponirt, wobei aber derNebenbegriff des 
Kräftigen eingeschlossen ist. Daher 
wird es nur vom männl. Geschlecht 
gebraucht. Endlich wird forsch auch 
vom Bier, Brantwein etc. gebraucht, im 
Sinne von: stark. 

Forsten, die Firsten; Gipfel eines 
Ziegeldaches,auchdiehalbrund.Steine, 
womit die Firsten belegt werden, 
heissen so. 

Fort = Furz. Von einem Geizhals 
sagt der gemeine Mann : He WÜl 'n Fort 
in drfen klöw'n. Sprichwort : Öt 'n Fort 
'nDunnerslag maok'n, aus einer Klei- 
nigkeit grosses Aufsehen machen. 

f&rt, förts, fortsen, fürt = alsbald, so- 
fort, rasch, kummforts wedder, komm 

sogleich wieder, gao furt! geh fort! 

ick will dattman förts'ndön, ich will 

die Arbeit nur sogleich vornehmen. In 
den zusammengesetzt. Wörtern wer- 
den die Formen fortsen u. forts nicht 
gebraucht. 

fÖSCh, das Gegentheil von derb, 

fest, DatDökisrechtfösch, das Tuch 

ist recht lose gewebt, 't iS 'n fÖSCheo 
Karl, es ist ein kraftloser Mensch, der 
nicht ordentlich arbeiten kann. Zuw^ei- 
len wird es auch von sittlich. Schwäche 
gebraucht. 

FOSS 1. der Fuchs, alts. fohs. dcMil 

hat de Voss mät'n, nn 'n Swans togäb'n, 

die Meile ist sehr lang. 2. jede Gold- 
münze, besonders dasFünfthalerstuck. 
3. ein Mensch mit rothem Haar, fossig, 
fuchsfarben, wird auch gebraucht, 
wenn ein gefärbter Gegenstand seine 



Farbe verloren hat; besonders wenn 
das schwarzgefärbte Wollenzeug eine 
gelbröthliche Farbe annimmt. FoSS int 
Lock, ein beliebtes Knabenspiel, wenn 
einer auf einemBeine hüpfend dieSpiel- 
genossen in einem bestimmten Räume 
zu berühren sucht. Verwandt mit die- 
sem Knabenspiel ist ein ähnliches der 
Hnmpelfix, wobei es darauf ankommt, 
auf einem Beine hüpfend eine Kugel 
oder einen Stein mit dem Beine aus 
einem abgegrenzten Räume in einen, 
andern begrenzten Raum zu schaffen, 

Fosseier, der Staubpilz (Bovista). 

FÖt im Plur. F8t, goth. fotus, alts fot, 
der Fuss von Menschen und Thieren. 
Pöt, im Plur. Pöt'n, nur der Fuss der 
Thiere, von Menschen wird letzteres 
nur im scheltenden Sinne gebraucht, 
in welcliem Sinn dann auch die Hände 
mit inbegriffen sind. BäÖI de Pöt'n Upp, 
hebe die Füsse auf. Du kliggst Wat Upp 
dePöt'n, ich schlage dich auf die Finger. 

Wer 't nich in Kopp hatt, mütt't in'n 

Föt'nhebhn Sprichwort für einen Ver- 
gesslichen, dereinen Gang zumzwei- 
tenmaie machen mnss. Hüngerpöt'n 
Stgn, Noth leiden, hungern müssen. 
FötnndPöt sind dasselbe Wort. F ist 
die Asperata von P. Im Sanscr. pa d a , 
gr.TToC«:, lat. pes, goth. fotus, alts. 
f6t 

Fötbank, Fussbank. 

Fotstig, der Fusssteig. 

FöttÜg = Fusszeug, Schuhe oder 
Stiefeln. 

Fotling, abgeschnittener unterer 
Theil des Strumpfes. 

FottS, Vulva. 

Frld, d. Friede. Holt Frad, lass mich 
in Ruhe, dasselbe sagt: kannst 6n to 

Frld'n laot'n. 

Frat und Press, der Mund, gemeiner 



57. 



im Zorn gebräuchllclier Ausdruck. Ick 
slao di intFratjholtdeFrat. 

ftät'n (Pr, Trittst, Imperf. fret und 
frattjmper. fritt,Part. frät'n)= fressen, 
vom Vieh u. von viel u. stark essenden 
Blenschen gebrauclit. goth.fretan. 

Fratbüd'l, Frittupp, Fratangel, Frat- 

sack, Ausdrücke für starke Fresser. 
Fratbüd'l auch ein Behälter, worin man 
Esswaaren auf einer Reise mitgenom- 
men, Fressbeutel, verfrät'n, verfressen, 
vergeuden, verprassen durch kostbare 
Wahlzeiten; Sick Verfrät'D, durch un- 
niässiges Essen krank werden, von 
Menschen und Thieren. fttfrät'n, aus- 
fressen, bedeutet auch eine strafbare 
Handlung vorgenommen haben. Du 

hast gewiss watt ütfrät'n, du hast 

sicherlich einen dummen Streich ge- 
macht. 

Frätfew'r, Fressfieber, starker Ap- 
petit. 

fratSCh, gier fressend. Min Swiü iss 

fratsch. 

FratwerkjEsswaaren ; Frateii, l.das 

Vielessen, 2. ein Gastmahl. 

Franjen, Fransen als Schmuck und 
als Fetzen am Kleide. Das davon gebil- 
dete Verbum fränseln, ütfränselnwird 
vom Gewebe gebraucht wenn sich die 
Fäden ablösen , und als Fransen daran 
hangen. 

fränksch kommt in d.Redensart vor: 

dat wärt di fränksch ankaom'n, das 

wird dir schlecht gefallen. In demsel- 
ben Sinne gebr. man auch : spansch. 

Fraod'n, dieheissen aus den Flüssig- 
keiten u. Speisen aufsteigend. Dünste, 
der B roden. 

' fraog'n (Fr. fraog, früggst; Imperf. 
frog u. früg ; Part, fraogt) = fragen. 

fraom, fi:omni=fromm in dem Sinne 
von artig, stille, sanft, von kleinen Kin- 



dern, aucli zuweilen von Thieren im 

Gebrauch. 

fremd. Ick bin fremd sagt der Ge- 
selle, wenn sein Meister ihm aus der 
Arbeit entlässt. 

frern (Pr. frer, früst; Imperf. frcr, 
Part. fraorn)= frieren. MifrÜst, mich 
friert. Hefrüstass'nSnider, ihn friert 
sehr. 

Fres', Fries, ein bekanntes wollenes 
Gewebe. 

Frfeseln, dat, l. das kalte Fieber, heisst 
auch Fresend ; 2. die Frieseln. 

fri, frei. 

Fridag, der Freitag; 'nFridag ännert 
sick'tWäd'r. 

frin, freien, heirathen, ehelichen. 

Frigatsch, der Molch. 

Frigaot, die Freierei, triit derft Ne- 
benbcgrifi" des öftern Wechsels der Ge- 
liebten, wodurch es sich vom Substanfi 
dat Frin unterscheidet. Auch bei Friert 
findet der Nebenbegriff nicht statt, np 
deFrieri gaon, Heirathscandidatsein. 

frilich, freilich, ifriüch! ei freilich! 

Fröln, Plural Frolns, das Fräulein 
adeligen Standes. Will man ein bür- 
gerliches Mädchen gebildeten Standes 
bezeichnen , so sagt man nicht Fröln 
sondern Fräulein. 

Fromelkt'Ko, eine Kuh, die früher 
als gewöhnlich gekalbt hat. 

Fromm' (das m ziemlich lange nach- 
tönend für Frömde)=l. Fremde in dem 
Sinn für angekommene Gäste. Wi 
hemm Fromm', wir haben auswärtigen 
Besuch bekommen, auch wenn die an- 
gekommenen Personen dem Sprechen- 
den wohl bekannt sind. 2. Fremde, 

Ausland; uns' Jung iss iü't Fromm', 

unser Sohn wandert iils Gcvsclle. 

FrOStkÖtt'l, der eineu geringen Grad 
von Kälte scheut, und darübtr zimpert. 
Dasselbe bedeutet frostrig. 



58 



Frn, die Frau, Gebieterin, uns' Frn, 
unsere Hausfrau , Herrin (im Munde 
des Gesindes). Wird Fm mit Subst. zu- 
sammengesetzt, so nimmt ersteres eine 
Genitivform mit S an : FrÜnslud, FlÜIlS- 

minsch, Frünsrock, Frünskloster und 

dergl. Ein gleiches gilt vom Substant. 

HaDD z. B. Mannslüd, Mannsvolk. 

Frucht, dieFurdit; fruchten, fürchten. 

Fründ, PI. Frünn', Dlmin. Frfinnek'n, 

der Freund goth. friund, im Plur. vor- 
zugsweise für: Verwandte. Frtind- 
SChopp, Verwandtschaft; göd FrÜnn', 
innige Freunde ; nao Frfinn', nahe Ver- 
wandte. 

fründlich, freundlich. SO fründlich 

aSS'n Örworm, sehr freundlich. 

FrÜnslÜd S. Lud und Frü. 

Frftnsminsch, das Frauenzimmer in 
gutem und tadelndem Sinne. 

fucht und ftichtig, feucht. 

fuckeln, gehen (im veräclitlichen 
Sinne). 

Füdder S. För. 

Fudderhemd, die Weste, hie und da 
im Gebrauch, besondersauf dem Lande. 

Fudikaninterj.aus Fu(Pfui) dik(für 

dj)an zusammengesetzt, auch Fidikan 
gesprochen, bedeutet so viel als: Ffui, 
schäme dich. Ein Zuruf zunächst für 
kleine Kinder, wenn sie etwas Unrein- 
liches, Unsauberes berühren, in der Be- 
deutung ähnlich mit: Ak. Hieraus ist 
ein Substant. geworden : dU bist 'n Fu- 
dikan. Dann gebraucht man es auch 
von einem Menschen, der etwas Unpas- 
sendes, gewissermassen moralisch Un- 
reines begeht: du bist ein garstiger 
Mensch. Selbst von Sachen gebraucht 

man es. dat is'n aischen Fudikan, das 

ist ein arges Versehen, Vergl. Gr. 
Gr. 3, 304. 

filkeln, etwas heimlich bei Seite 



bringen ; auch im Handel und Wandel 
betrügen. 

fül, faul ;mrn, faulen. 

Fülböm l. derFauIbeerbaum(Rham- 
nus frangula) ; 2. der Faulbaum (Pru* 
nusPadus). Der l.heisstauch Fulk'ü. 

FÜl-Gret = l. die Hundspetersilie 
(AethusaCynapium) 2. der Erdrauch 
(Fumaria oflicinalis). 

FÜlh6p,FÜlpelz, der Faulpelz. Vgl. 
LSghöp. 

FÜlsnÜt heisst auf dem Lande der, 
welcher sich nicht gewaschen hat. 

fül'n, einen unhörbaren Wind strei- 
chen lassen. Das nhd. fühlen heisst 

föl'n. 

Fülk'n S. Fülbom. 

füll, voll ; alts. ful. 

füll'n, gi essen, schütten. inf&U'n und 
Ütf tiU'n, mittels eine.^Geräths (Ftillkell) 
eine Flüssigkeit aus einem grössern 
Gefäss, in ein kleines giessen. Das 
erste nimmt Rücksicht auf das Gefass, 
in welches, das zweite auf das 
Gefäss, aus welchem die Flüssigkeit 
geschöpft oder gegossen wird. 

Fummel, ein Scheltwort, damit es 
aber eben nicht böse gemeint ist. 

fiimmeln oder fürameln, sich nicht 
die erforderlicheMühe bei Verrichtung 
einer Handarbeit geben. 

Fummeli , das Subst. davon, dat is 

luter Fummeli, kein Theil der Arbeit 
ist ordentlich gefertigt. 

Fundgeld, dasjenige, was man fiir 
das F i n d e n eines verlorenen Gegen- 
standes erhält. 

funsch, launisch, sein Missbehagen 
über eine Person durch Handeln zuer- 
kennengeben. Höis funsch upp mi, er 
giebt mir durch sein ganzes Benehmen 
zu erkennen, dass er mir Etwas übel 
gedeutet hat. Mit Iftnsch, lunsch ver- 
wandt. 



59 



Funk in der Redensart: dat is 'n 
Funkbedeitet es so viel als: verschlagen, 
listig, mit dem Nebenbegrifl", dass der 
so Genannte Mancherlei, eben nicht 
Sittliches vorniiTimt, was man ihm 
kaum zugetrant hätte. 

f^nkelnaogelnt S. ni. 

FuntUS ruft der, welcher ein verlore- 
nes und gefundenes Ding findet. 

Funzel, ein schlecht brennend. Licht 

oder Lampe. De oU' FuMel brennt 
schlecht. 

fünzlig, funzlig heisst eine Arbeit, 
bei der so viele zeitraubende Kleinig- 
keiten zu berücksichtigen sind oder 
die nur aus kleinen Theilen besteht, 
dass man das Fortschreiten derselben 
kaum wahrnehmen kann. DieEntwir- 
rung von verworrenem Garn, die feine 
Stickereien, das Zusammenstellen 
kleiner Theilchen zu einem Ganzen 
u. dergleichen ist eine fünzlige Arbeit. 
Vgl. auch kntiflig und pulig. Das Verb, 
heisst funzeln, funzeln ; das Substantiv 
Fünzell. 

Für, die Führe (Pinus silvestris). 

Für, das Feuer; alts. fiur. Sprich w. : 

Arm unBen lett sick nich antFür legg'n, 

Holz stehlen kann niclit vermieden 
werden. Ad j. fürig, feurig mit den Be- 
deutungen desNhd. 

Ffirblöm, der rothblühende Mohn, 



Klatschrose (Papaver Rhoeas) heisst 

auch Klaotschen. 

FÜrhärd, Feuerherd. 
FÜrbÖter, Mordbrenner. 

Fürworm auch Fürkniper, Fordräger, 

der Hirschschröter, einKäfer (Lucanus 
Cervus), Fürworm heisst an einigen 
Orten auch d. Leuchtkäfer (Lampyris). 

Furrmann, der Fuhrmann ; dümsch 

Furrmann, das Gestirn des gr. Bären. 

Furrwerk, Wagen und Pferde; hh 
holt sick Furrwgrk. 

Furrwerk'n,dasGeschäfteinesFuhr- 
manns treiben. 

furt, fort ; gao ftirt, geh fort. 

Furz, crepitus ventri; davon dasVer- 
bum furzen auch ferzen. Sprichwort: 

'nFurz in de wideWelt, iss bäter ass 

in'n eng'n Buk, manschadetderGesund- 
heit, wenn man die Winde zurückhält. 

ftlSCheln S. buschein. 

füseln 1. dem Fusel ähnlich sein, de 
Schnapps fuselt, der Brantwein ist 
schlecht. 2. Brantwein trinken. He hat 
all Wedder fuselt, er hat schon wieder 
Brantwein getrunken. Davon fbss'lig 
S. iiss'lig. 

FÜSt, die Faust. Dimin. FSstk'n. 

Füsthanschen S. Hansch. 

fast odc r fÜSten = hurtig, schnell. 
Maokfüst'n, mach schnell. 

ftltern,ftlttern= zanken, sclielten. 

ftitsch= daiiin ! dat iss futsch gaoD. 



€i. 



In einem altmärkischen Idioticon 
sollte genaugenommen der Buchstabe 
6 ganz fehlen, da der Altmärker ebenso 
wie der Berliner sich stets des conso- 
nantischenJstattdesselbenimSprechen 
bedient. Dies ist der Hauptfehler des 
Altmärkers und wird derselbe im Aus- 
lande vorzugsweise an dieser fehler- 



haften Aussprache erkannt. Aus nahe- 
liegenden Gründen habe ich aber deÄ 
Buchstaben beibehalten zu müssen ge- 
glaubt. - Gals Anlaut vor einer liquida 
klingt oft wie k, eben so umgekehrt 
wird statt des letztern vor liquidis g 
gesprochen. 

gädlich, gaotlich, passend, sich (ür 
8' 



60 

die Sache od. Person eignend; bequem; sclimack bekommt; deFisch iss gftUt, 
zur Hand liegend; datt is gädiich, es der Fisch schmeckt bitter. 



gallern, dörchgallern, derb durch- 

prügeln. 

galpen, galpern, galfern = rülpsen, 

nur in wenigen Dörfern gebräuchlich. 
galstrig wird vom ranzig geworde- 
nen Speck, Butter etc. gebrauclit; dat 

Speck kann 'n küm at'n, so galstrig 

iSS't. Hat man recht fette Speisen ge- 
nossen, so sagt man auch: mi iss recht 
galstrig in'n Hals. Da das galstrige 
Speck eine gelbe, der Galle ähnliche, 
Farbe hat, so wird das Wort auch auf 
die kranke Gesichtsfarbe übertragen; 
Se SUt so galstrig Üt, das Mädchen hat 
eine kranke gelbliche Gesichtsfarbe. 
Das Verbum heisst galstem, auch das 



passt sich ganz gut; deRock sitt gäd« 
lieh, der Rock sitzt wie er soll ; 'n gäd- 
lich'n Minsch ist ein Mensch, gegen 
dessen ganzes Wesen Nichts zu erin- 
nern ist ; de Stöl steit mi ganz gädiich, 
der Stuhl steht mir gut zur Hand. 

GäfTel, dieGaflel, ein gabelfürmiges 
hölzernes Instrument zum Umwenden 
der losgebundenen. Garben ^iif der 
Dreschtenne." / ' "* 

gal, alts. gelo, gelb ; galig, gelblich. 

gal Dickkop S. Lüsblöm. 

Gälgäsk, Gälgerst, Galgatsch, der 

Goldammer (EmberizaCitrinella). Der 
Käme rührt nicht von der Farbe des 

Vogels nach der Meinung des Land- Subst.Galster kommt vor. 
Dianns sondern v. seinem Gesänge her ; (j^ng. Ausser den Bedeutungen des 
denn U Sprickt SO gal d.h. er führt Nhd. ist hier zu merken, dassWang im 
schmutzige Reden. Semen Gesang Anfertigendes Aufzuges zu einem Ge- 
übersetzt das Volk so: im Sommer: ^ebe einen Inbegriff von 20 Fäden be- 

lick-hck-hck schit ; im Winter: Jürgen, zeichnet; in wu väöl Gang sali de Linn- 
Jürgenlaotmimd'Schun;imFrübjahr ^^nd kaom oder: wu väöl Gangsall 

wird er gleich wieder übermüthig und ^g Linnwand hämm' ? auswie vielmal 

Singt : Jürgen, Jürgen, lick schit, nu iss ^oFäden soll der Aufzug derLeinwand 

Haov'rtld. In andern Dörfern lautet bestehen? Von der Zahl der Gänge 

der Gesang: hast minoch mchmaorn hängt die Feiulieit und die Dichtigkeit 

Kröm Brot gäw'n! Vaddersch, Yad- ^^^ Q^^^^^es ab. 

dersch, wo is denn Ju Marik'n ? g^ngwis Adv. in einem fort, ohne 
.gälrip,soebenreif;indeGälr!pfri'n, Anstoss. Wenn ein Kind anfängt sei- 
jung verheirathet werden. nen eigenen Füssen zu vertrauen, wenn 

Gäl-rÖW S. Mörröw. ein Zugthier zuerst angespannt wird, 

Gäl-SChÖk'n, der Frauenschuh (Cy- oder eine neue Maschine zuerst inBe- 

pripedium Calceolus). wegunggesetztwird, se heisst es, weim 

gäl-spräk'n, schmutzige Zoten im dererste Versuch wider F>warten gut 

Munde führen. ausfällt: dat geit jo gangwis. Aehn- 

Gal-YUk'n, der Goldlack (Gieiran- lieh im Begriff ist gäng ungaw = ge- 

thus Cheiri). wohnlich, herkömmlich; dat Staot 

Galgenstrick S. Strick. maok'n iss gäng un gäw nnner de Büm, 

galln beim Ausnehmen der Fische der Kleiderluxus unter den Landleuten 
die Galle verletzen, wodurch dieselbe ist schon etwas ganz Gewöhnliches, 
ausläuft und der Fisch einen bittern Ge- ist Mode. 




61 



Ganter, Ganter, der 'Gänserich. Er 
ruft: KegackIKegack! Kegack! gack 
gack gack! 

gärb'n, durchprügeln. 

gärn, gern, willig, mit Vergnügen; 

SO garn ick 't da, so geit 't doch nich. 

Garwkaom'r, ein in den Urkunden 
oft vorkommendes Wort für: die Sa- 
kristei in den Kirchen, auch hie und da 
in der Altmark noch im Gebrauch. Im 
Alts, bedeutet garewi, garwi die Klei- 
dung, Bedeckung. Es ist also Garw- 
kaom'r die Kammer, in der der Geist- 
liche seinen geistlichen Ornat anzieht 
und aufbewahrt. 

Gäspard, die Libelle (Libellula). Vgl. 

Jamfer Sibold. 

gassein S. gesseln. 

Gast dient imPlttd.auch, um einen 
Menschen zu loben oder zu tadeln; 
'n rik'n Gast, ein reicher Mann. Du bist 

mi 'n schönen Gast, dat iss ök de rechte 

Gast sind ironisch zu nehmen und drü- 
cken einen Tadel aus. Frauen sagen bei 
ihrer Menstruation : ick heff 'n Gast. 
Das goth. gasts bed. einen Fremden. 

gastrig, garstig. 

gau veraltet. Wort in dem Sinn von : 
hurtig, geschwind, rasch, was nach 
Richey in Hamburg noch im Ge- 
brauch ist. Es liegt dem Worte Gau- 
dht zum Grunde, das einen listigen 
Betrüger bedeutet. 

gaudfern, sick, sich ergötzen, sich 
.erfreuen, vom Latein, gaudium. 

gaal'n S. lau'n. 

Gäw'I, der Giebel eines Gebäudes; 
goth. gibla. 

gäw'n (gäw,giiirst; gaff; gäw'n)=: 
geben, äöwergäw'n, sein Besitzthum 
einem andern übergeben ; ick heff 
äöwergäw'n, ich bin nicht mehr im Be- 
sitz meines Hauernguts, befinde mich 
schon im Altentheil, Da« Part, äöwer- 



gäw'n wird auch adverbialisch gebr. 
für: sehr ; äÖwergäw'n gröt, sehr gross. 
Sick äöwergäw'n bedeutet l. sich er- 
brechen ; 2. sich im Schmerz über erlit- 
tene Beleidigungen nicht beruhigen 

lassen ; dat iss 'n äöwergäw'n Bengel, 

der junge Mensch will sich in seinem 
Zorn gar nicht beruhigen lassen. Sick 
togäw'n, sich zugeben, sich beruhigen. 
Hat eine Mutter ihr Kind verloren, 
worüber sie sich lange grämt, so sagt 

man : Se kann sick gar nich togäw'n. 

In diesem Sinne wird auch die einfache 
Form gebraucht; gififdiman, beruhige 
dich nur. Die Redensart: de Krank' 
gifft sick ganz to bedeutet : der Kranke 
ergiebt sich mit Geduld in sein Schick- 
sal, seine Genesungshoffnung ist ganz 
geschwunden. Sick begäw'n, sich be- 
geben, auch: sich verheirathen. 

Gaot (Subst.) kommt nur in einigen 
Wendungen vor, als: tO Gaot hämm - 
legg'n - hoU'n - krig'nin derBedeutung 
von: zur Hand haben - legen - halten - 
nehmen. Gebraucht z.B. Jemand zu 
einer Arbeit mehrere Werkzeuge und 
er legt diese vor Anfang der Arbeit so 
neben einander, dass ermitLeichtigkeit 
die erforderlichen zur Hand nehmen 
kann, so heisst es : ick heff all'S all tO 
Gaot kräg'n oder ermuntert: legg di 
erst to Gaot! lege dir alles in Bereit- 
schaft, damit du es sofort hast, wenn 
du es gebrauchst. 

Gaog'l Dimin. Gägelk'n, die Kinn- 
laden; dat Kind bittmit deGägelkens 

sagt die säugende Mutter, wenn das 
Kind beim Saugen die Kinnladen zu- 
sammendrückt. 

gaon (gao, geist; gung lind gUng; 
gaon); alts. und goth. giln, gangan; 
gehen, hat mitdemneuhd. die Begriffe 
gemein; dat geit daomit! das ist ja 
schon I es drückt hauptsächlich den 



m 



Beifall, den man dem Erzählten zollt, 
aus. Sitt'n gaon, sich setzen, gao sitt'ü! 
setze dich ! ling'n gaon, sich niederle- 
gen, fleit'n gaon, flöten gehen (auch im 
Nhd.Sprichwort : 't ging woll, äöwer 't 
geit nich, es könnte an sicli wohl ge- 
schehen, aber Rücksichten erlauben es 
nicht, begaon wird vom Vieh gebr. in 
dem Sinne von : tragend sein ; de Ko is 
nich begaon, die Kuh ist nicht tragend, 
ungeachtet sie beim Stier gewesen ist ; 
nicht gleich bedeutend mit gtist, das 
den letzten BegrilTnichtin sichschliesst. 

gaor, gar, zubereitet (vom Essen, 
Leder etc.). 

GäBr, kleines Kind, meist im schel- 
tenden Sinne ; dat iss 'n vertaog'n Gäör, 

das ist ein verzogenes Kind. 

Gaorn l. der Garten, goth. gards, 
alts.gard. 2. das Garn. 3. das Fischer- 
netz. 

Gaotlock, Goltsten, wörtlich Guss- 
loch u. Gussstein. Vertiefte Sandsteine 
zur Abführung von Flüssigkeiten aus 
derKüche, die durch ein Locli in der 
Wand nach aussen ausmünden. Viel- 
leicht sind dieWörter vom goth. gatVO, 
Loch, Oeffnung abzuleiten. 

Gaow'l, die Gabel zum Essen. Vgl. 

Gäff'l. 

ge — das im Nhd. so häufig vor- 
kommende Praefixum findet sich im 
Plttd. der Altmark sehr wenig. Beim 
Part, des Perf. kommt es gar nicht vor, 
folgl.auch nlchtb.d.zLisammengesetzt. 
Tempp. Geht die Form des Part, in ein 
reines Adj. über, so findet es sich b i s- 
W e i 1 e n z. B. slaon, schlagen ; Partie. 

slaon, aber: 'o geslaogen Minsch. 

Eben so selten ist es bei der Bildung von 
Substant., Adject. selbst Verben. Man 

sagt Stank, Brük, Dächtniss, Häg für 

Gestank, Gebrauch, Gedächtniss, Ge- 
hege, brük'n statt gebrauchen. Im Alts. 



war dies Praefix sehr im Gebrauch und 
konnte selbst dem Praesens eines Verbi 
vorgesetzt werden. Vgl. S c h m e 1 1 er s 
Glossar unter gi. 

Geböd, das Gebäude, vorzugsweise 
das Wohnhaus, 
i gedttllig'n, Geduld,Nachsicht haben; 

gedüUig di man noch 'n bat'n, denn säst 

du dinGeld hämm, habe mit der Zah- 
lung noch etwas Geduld. 

Gefall'n ; mins Gefallens kannst dat 

dön, meinetwegen kannst du das thun, 
ich habe nichts einzuwenden. Vergl. 

auch unter Morgen. 

gefärlich (das Praefix wird wenig 
gehört) hat die Bedeutung desNeuhd. 
Ausserdem bezeichnet es den Superla- 
tiv, für den das Plttd. sehr selten eine 
eigene Form hat. Der Grund liegt in 
der grossen Scheu vor Consonanten- 
häufung, die bei der Superlativbildung 
nicht zu vermeiden ist; das Plattd. be- 
zeichnet daher die Steigerungsgrade 
durch Umschreibungen, seltener beim 
Comparativ, mit sehr wenig Ausnah- 
men regelmässig für den Superlativbe- 
grifT. Die Sprache setzt nämlich vor 
den Positiv ein ihr passend scheinendes 
Adjectiv. Dergleichen Adject. kommt 
eine sehr grosse Anzahl vor nach den 
verschiedenen Abstufungen der Be- 
griffe. Hier nur folgende, deren Zahl 
noch vermehrt werden könnte, sie sind 
ungefähr nach der Steigerung der Be- 
deutung geordnet: dtichtig, dägt, 

mächtig, gefärlich, ütnemend, ve(r)- 
deikert , knollig , glupsch ,^ grulich, 
klotzig, heillos , smälig , parmässig, 
ossig, ossenmässig, grässlich, dnll, 
bestig, aow'rgäw'n, ba(r)baorsch, höl- 
lisch, verdammt, ve(r)flucht, verdei- 
welt, düwelmässig, dfiw'lhaftig, luder- 

massig. Den Gebrauch des sehr vor 
dem^Posit. kenucman in d.Altm. nicht. 




63 



Cedur S. dum. 

Qegendeil, das Ebenbild (im Süden) 

gegen-dess, gegen die Zeit; gegen 
dess dat he kümmt !ss dütt f^rig, ge- 
gen die Zeit, dass er kommt, bin ich mit 
der Arbeit fertig. 

Gegenpart, Gegenparthei, Wider- 
sacher, 

gehür, geheuer ; dao is 't nich gehnr, 

da spukt es, wofür man auch sagt : dao 
is 't nich recht richtig. DerGespenster- 
glaube ist bei dem gemeinen IVlann noch 
ziemlich allgemein. Der 1. Redensart 
bedient man sich auch, um auszudrü- 
cken, dass in einer Familie viel Zank u. 
Unfrieden herrscht und dass es bis zu 
Thätlichkeiten kommen kann. 

geil wird von Gewächsen gebr., die 

zu üppigwachsen; de Weit steitsogeil, 

he mtitt SChrÖppt warn, der Weizen 
stellt zu üppig, er miiss zurückge- 
schnitten werden. 

:; Geilbult'n heissen einzelne Stellen 
auf dem Acker, auf denen diePllanzen 
üppiger, als an den übrigen Stellen 
stehen. 

Gelaot, Gelass, Behälter oder Raum 
zum Aufbewahren (laot'n) von Ge- 
genständen. 

Geld un G6d, Vermögen,\\^ohlstand. 

Geld un göd Wor pleg'n to help'n, 

Geld und guteWorte pflegen zu helfen. 

gell'n (gell, gellst ; gult ; gull'n) gel- 
ten, werth sein; watt gellt de GrÜtt? 
wietheuer ist die Grütze? WU sali de 
Reis' henn gell'n ? wohin willst du ge- 
hen, fahren etc. 

Gelöp, das Gelaufe, starkes bin und 
herlaufen vieler Menschen. 

Gemächt, dat, die Schaamtheile bei- 
derlei Geschleclits. 

gemein, gemen, goth. gumains bed. 

in dcrSpracke des Volks populär, affa- 
bel. Vgl. niederträchtig. 



Gemein, Gemeind, Gemeinheit, die 

Gemeinde d.h.l. derlnbegriifder zu 
einer Kirche, auch aus mehrern Dörfern 
bestehenden, Personen. 2. der Inbegriff 
der in einem Dorfe wohnenden Leute, 
nicht selten mit Ausschluss der Häusler 
und Miethsleute. 3. das einem Dorfe 
gehörende Gemeingut; de Gemein will 

von de klein Lud ken Kö upp de Weid 

näm', die Hoffbesitzer wollen es nicht 
zugeben, dass die Häusler und Mieths- 
leute ihreKuhaufdiegemeinschaftliche 

Weide bringen ; ick mütt in d'Gemeind 

to VäÖl gäw'n, die mir zugetheilte 
Quote zu dem von der Gemeinde auf- 
zubringenden Gelde ist zu gross; dat 

Holt issin d' Gemein, wi sfind noch in 

d' Gemeinheit, wir haben noch nicht 
separirt, das Holz ist noch nicht ver- 
theilt, 

genet'n (Part, naot'n) goth. niatanj 
geniessen. I 

geraod'n, gerathen ; back'u un braun 
gerött nich immer. 

Gfern heissen in vielen altm. Dörfern 
die Ackerbreiten, deren gegenüberlie- 
genden Grenzlinien nicht parallel sind. 

Gerzel, das Zipperleiiiskraur(Aego- 
podium podagraria), ein Littlings- In- 
gredienz des gemeinen Mannes zum 
Grün-Donnerstags-Kohl, der aus neu- 
nerlei Kräutern besteht. 

Geschricht, Schriebt, lautes heftiges 
Geschrei ; watt iss dao väöm Schriebt? 

Gespräk, das Gerede (nicht = Ge- 
spräch). 

gesseln, gassein wird vom Brode 
gebraucht, das halbgebacken aus dem 
Ofen genommen , mit Wasser bestri- 
chen, und sofort wieder in denOfen ge- 
schoben wird, wodurch eseine dunkle 
und glänzende Oberfläche erhält. 

gestaon, gestehen. 

gfet'n (gct, güttst ; göt u. göt ; gaot'n) 



64' 



a1ts. giotan, geotan: giessen; datt tS- 

gent, ass wenn 't mit Moll'n glitt, sagt 

man vom Platzregen. Vgl. pladdem. 
In den Bierbrauereien bedeutet get'n : 
das Nachbier, denCovent, indieaufge- 
stellten Eimer giessen ; dU kümmst to 
Spad, 'tiss all gaot'n, du kommst mit 
deinem Eimer zu spät, der Covent ist 
schon vertheilt. 

Gewarw, Warw selten für : Gewerbe, 
Handwerk, häufig rUrBestellung, Auf- 
trag an eine Person; he hat sinWarW 

anbracht ; ick hefF in d' Stadt 'n Warw. 

gi, alts gi (Prou.) ihr(vos). 
. Gibb'l,Giww'l S, Giper. 

gibbeln,giggeln, heimlich, versteckt 
lachen, sclnyäclier als kichern, jenem 
hängt ein Tadel an, diesem niclit. 

Gift, Mitgift; Gabe, Geschenk. 
Gig'l, die schleckte Geige. Unsere 
Knaben ahmen das Geigenspiel durch 

gig'i, gig'ljunk, jnnk, junk nach, wor- 
aus ein Verbum junkjunk'n, Musik ma- 
chen, entstanden ist, 

gigein 1. die Geige spielen. 2. un- 
geschickt oder mit einem stumpfen 
Messer schneiden. Einem Kiude, das 
noch nicht die Geschicklichkeit besitzt, 
ein Stück Brot abzuschneiden, ruft die 
Mutter zu : laot dat gigein. Bedient 
sich ein Erwachsener eines stumpfen, 
schartigen Messers zum Abschneiden 
des Brotstücks so heisstes: kik maol 

• wu hegigelt. 

Gigg'i, ein Mensch, der über die ge- 
ringste Kleinigkeit lacht, 

gim, engbrüstig sein, schwer ath- 
men, besonders wenn sich in dem Kehl- 
kopf beim Athmen ein Ton hören lässt, 
Wodurch es sich von amböstig und 
dampig unterscheidet. 

Giper, Gibb'l, Giww'l = ein brennen- 
des unwiderstehliches Verlangen nach 



Etwas, stärker als Lecker, giperuist 

das Verbum.'giprig das Adjectiv. 

Gir, die starke Begierde. Du hast ok 
'nGirnao allS. Das goth. geiran (be- 
gehren) das aithd. gir, alts. ger(cupi- 
dus) gehören mit gir einem Stamme an. 
(Gr. Gr. 2, 57.) 

girn, ein Begehren nach Etwas ha- 
ben, wird besonders von Kindern ge- 
braucht, wenn sie bei essenden Perso- 
nen stehen und ihnen, wie man sagt, 
„den Happen in den Mundzählen;" von 
altern Personen gebraucht, drückt es 
das Verlangen nach jeder Sache aus. 
alts. girnean, girnian, girnan. Wer dies 
thut heisst : Glrblaos. afiFgim wird von 
Kindern gebraucht, die ihre Begierde 
besonders nach Esswaaren gegen ihre 
Spielgenossen ausdrücken, 

girfrätsch, mit grosser Gier und 
ausserordentlich stark essend. 

gistern, gestern, goth.gistra. 

giz'n 1. geizig sein, 2. die neuen 
Triebe derTabackspflanze ausbrechen, 

Gizer, Gizmichel, der Geizhals. 

Glass, Plur. Glaos und Giäöser, das 

Glas. 

glatt 1. als Adject. «latt, wohl aus- 
sehend, 'n glatt Gesicht, de Stftw sut 
glatt üt. Sick glatt maok'n, sich rein 

und nett anziehen, was den Neb^nbe- 
griff des Putzes nicht einschliessf, auch 
vom Geschmack ist es im Gebrauch: 

datt smeckt glatt oder dat geit so glatt 

daol. 2. das Adv. : ganz und gar, datt 

heff ick glatt verget'n , das habe ich 

ganz u. gar vergessen; glatt Weg ßt'n, 
alles, was es giebt, essen, ohne kiesig 
zu sein. 

Glattis S. Is. 

glattsnack'n , zum Munde reden, 
schmeicheln. Wer dies thut ist 'B Giatt- 

snacker. 

gläös'n, glimmen, schwach glühen 



65 



z.B.Koklen, auch von andern Dingen 

gebraucht Dat Für brennt nich ornd- 
lieh, 't gläöst man. angläösen, anfan- 
gen zu s;Hmmen. ÜtgläÖS'n, aufliören 
zu glimmen. 

glei S. glu. 

glibbrig, wegen einer sclileima rü- 
gen Oberfläche leicht aus der Hand 
gleitend z. B. Gegenstände, die lange 
im Wasser gelegen haben, Fische. Ist 
der Schleim stärker vorhanden z. ß. 
beim Aal, dann wird das stärkere slimig 
gebraucht. 

glid'n (2. Pr. gliddst; Imperf. gled; 
Part, gläd'n) — gleiten, wird meist nur 
im. figürlichen Sinne gebraucht; sonst 
glipp'n od. glitsch'n. Dat Eten, Drink'n 
will nich glid'n, das Essen, Trinken 
schmeckt nicht, weil es entweder 
schlecht zubereitet, od. der Essende etc, 
kiesig oder unwohl ist. 

glik, gliks, gliks'n, Ad v. — i. sofort, 

sogleich. Kumm glik her. 2. obgleich. 

Hett se glik dat seggt , so will ick doch 

etc., wenn sie gleich das gesagt hat, so 
will ich doch etc. Vgl. auch lik. 

gllk'n, gleichen. 

glikväöl, gleichviel, .einerlei. 

Glimmstengel, die Cigarre, 

Glimmstertje , (im slldl. Theil der 
Altm.) = der Leuchtkäfer (Lampyris 
noctiluca). Er heisst anderwärts auch 

Fürworm. 

glinstern, glunstern= schimmern, 
funkeln. Dat glinstert un glunstert 

sagt man von dem Anzüge eines 
Frauenzimmers, wenn sich viel glän- 
zendes an demselben findet, glunstern 
ist kein eigenes Wort, sondern nach 
plttd. Weise aus glinstem gebildet, eine 
Art von Ailitteration , wozu der Altm. 
sehr grosse Neigung hat. 

glipp'n oder glitsch'n, gleiten. Da- 
von äff- und ütglipp'n, ütglitsch'n ; glit- 



schig auchgliddrig, glibbrig, womätf 
leicht ausgleitet; z. B. nasse Wege,' 
Eis etc. 

GlÖW', der Glaube, alts. gilobo. 

glöw'n (auch löw'n) goth. galonbjan 
u. laubjan, alts. gilobin = glauben. H§ 
mütt dran glöw'n, wie im Nhd.: er 
kann dem Unvermeidlichen nicht ent- 
gehen. Wer 't glowt, kriggt twe Fen- 
nig, wörtlich: weresglaubt, erhältzwei 
Pfenninge; es bezeichnet das Nicht-i 
glauben. "■' 

glÜ = glühend, stärker als : 't gläÖStJ^ 
vom Rothglühenden der Metalle auch 
anderer Dinge gebraucht. Im abgelei- 
tetenSinne bedeutet es; funkelnd, glän- 
zend, besonders von Augen im Ge- 
brauch ; glüe Ög'n oder he süt so gluüt. 

Auch die Form glei istfUrglu im Ge- 
brauch, aber nur in der abgeleiteten 

Bedeutung : 'n gleie Dem. 

glün, glühen, mit dem Begriff des 
Neuhd. •;.■'. -■ «j 

Gltickshand, Wurzel d. OrchisarteUJ 

glüm' S. fjst'n. i 

glunstern S. glinstern. 

glüp'n, von unten auf oder von der 
Seite sehen, wie der Tückische, od. der 
gereizte Seien anglüp'n,glupend anse- 
hen. Da ein solcher Blick nicht selten 
ein verstocktes Wesen verräth, so be- 
deutet das Adject. glÜpsch auch heim- 
tückisch, dann auch etwas Ausseror- 
dentliches in seiner Art. Dat is glÜpsch 
heisst es von Jemandem, der z.B. beim Jk> 
Fischen einen sehr glücklichen Zug 
macht, oder der beim Glücksspiel 
ausserordentl. gewinnt. Damit hängt 
auch: 'n glÜpsche FÖSt zusammen in 
dem Sinn von derb, kraftvoll, die derbe 
Schläge versetzen kann. Nimm di in 

acht, dat is 'n glüpsch'n Egrl, nimm 

dich in Acht, der Kerl schlägt gleich 
heftig drauf los. 'n glftpsche KtiU' ist 

9 



66 



eine sehr grosse Kalte. 'S; aiich gefär» 
Uch. GlÜpÖg'a, stark vorstehende 
grosse Augen. 

glustern, ein Frequent. dem glü zum 
Grunde liegt ; es bedeutet : mit glänzen- 
den, funkelnden Augen anschauen. 

gnabbeln, gnawweln od. knabbeln— 

nagen, mit Rücksicht auf das Hörbare 
desselben, dao gnabbelt 'n MÜS. Ist 
der. durch das Nagen hervorgebrachte 
LaOt etwas feiner, so heisst es gnibbeln, 

sekener knibbeln. Vgl. auch knuppem. 
begnabbeln = benagen, wie die Maus, 
das zahnlose Kind, das an einer Brot- 
rinde, der Hund, der an einem Knochen 
nagt, afgnabbeln = abnagen, z. B, das 
Fleisch von einem Knochen mit den 
Zähnen abnagen. Geschieht dies letz- 
tere mit Hülfe des Messers, so heisst es 

pftl'ü, afpül'n. Vgl. auch nibbeln. 

Gnäbk , jedes stechende zweiflüg- 
ligelnsect, z.B. die Mücke (Culex pi- 
piens) besonders eine Art kleiner oft 
in zahllosen Massen sich einfindenden 
grauer Fliegen, die uns im Sommer 
durch ihre Zudringlichkeit sehr lästig 
fallen. Man nennt sie . auch -Guibken, 
Gnitzen und Gnätt'nj ^ 

gnaddern auch gniddern, gnaddeln 

wird von Erwachsenen gebraucht, 
wenn sie missmuthig gestimmt sind 
und über Alles ihre Unzufriedenheit 
äussern , denen Niemand Etwas recht 
macht, auch der Kränkliche gnaddert 

* oft. Vergl. gnägeln, Gnatz, gnitzig, 
gnfew und törn'. Das Adject. gnaddrig, 

knaddrig wird auch von unebenen We- 
gen gebraucht. 

Gnaod', die Gnade, wie im Neuhd. 
Ausserdem wird es vom Nachlassen des 
Körperschmerzes gebraucht, z.B. beim 
Nachlassen von Zahnweh u. dergl, DQ 
hefif 'k 'n bät'n Gnaod. A uch in der Re- 
densart: toGnaod'n kaom hat es einen 



\ 



ahnlic"hen Sinn: nach anhaltender 
schwerer Arbeit sich einige Erholung, 
Ruhe verschaffen. 

gnägeln bedeutet dasselbe was gnad* 
dem, mit dem NebenbegrifP, dass der 
Unzufriedene gern Gelegenheit sucht, 
einen Streit anzufangen, er reizt zum 
Widerspruch, welcher Nebenbegriff 
nicht in gnaddern enthalten ist. Das 
Adject. heisst gnäglich. Vgl. gnaddern 
lind törn'. 

gnaps'n, Sick = sich kratzen, beson- 
ders wegen Ungeziefer. 

gnarren, wird meistentheils von 
Kindern gebraucht, wenn sie über jede 
Kleinigkeit weinen, quarren. Vgl auch 
lauen, gnaddern, gnägeln, gnarren, 
gnurren sind mit knurren zu einem 
Stamme gehörig. Im Alts, bedeutet 
gnornon lamentari. 

gnäterswart S. knäterswart. 

Gnatz, die Krätze und jeder Haut- 
oder Kopfauschlag ; wird auch von 
Früchten gebraucht, wenn die Ober- 
fläche nicht rein ist. De Ttiffeln sünd düt 
Jaor so gnatzig, die diesjährigen Kar- 
toffeln haben viele schorfähnliche Er- 
höhungen auf der Oberfläche.- ^Pas 
Adjectiv gnatzig wird auch zur Be- 
zeichnung eines leicht gereizten, zan- 
kenden Menschen gebraucht und 
häufig mit gnitzig verbünden. Davon 
gnatzen = leicht zum Zank geneigt, 
mit allem unzufrieden sein. 

gnau'n S. knau'n. 

gnawweln S. gnabbeln. 

gneW u. gnewig, verdriesslich, übel- 
launisch, so dass man dies durch Mienen 
und Worte zu erkennen giebt. gnfew'n 
ist das Verbum. Subst. ebenfalls GneW. 
Vgl. auch törn*. Im Süden sagt man 

dafür auch grämplich, grämpeln, Gräm- 

peljan (einer der grämpelt). 

gnibb'n, glätten; die Wäsche mit 



67' 



eloem dicken, ein Kugelsegment bil- 
denden, Glase glatt machen. Dies In- 
strument heisst: de Gnibbsten (Glatt- 
«tein). 
- : gnibbeln S. gnabbeln. 

Gnibk S. Gnäbk. 

Gnickbuff und Knickbuff, eigentlich : 
ein harter Stoss ins Genick, dann von 
jedem derben Stoss an jedem Theil des 
Körpers; f3uch im figürlichen Sinne. 
Davon das Verbum gnickbuff*!!, womit 
man im Süden auch ein Ballspiel der 
Knaben, benannt. 

.( gnitzig, gnitschig von Menschen 
gebraucht, bedeutetso viel als ärgerlich 
über Kleinigkeiten u. diese Gemüths- 
stimmung durch spitze Reden zu exr. 
Hennen gebend. Vgl. gnaddern. 

Gnitz nennt man fe;ne Theile der 
Flachspflanze, die beim, Schwingen 
uul^echeln des Flachses sich nicht von 
den einzelpen Flachsfasern losgemacht 
haben. Ist der Flachs so beschaffen, so 
h^tsst er gnitzig. Verschieden von 
Giiitz ist: de Schaw. Dies sind düch 
etwas gröbere Theile d. Flachsstengels, 
dieabernicht mehr an den Flachsfasern 
hängen, sondern sich lose wegen un- 
vollkommenen und nachlässigen 
Schwingens zwischen dem Flachs be- 
finden. Ein solcher Flachs heisst SChä- 
wig. Dieis Wort ist in der Form von 
schäbig insNeuhd. übergegangen in 
einem abgeleiteten Sinne; der Plattd. 
aberbedientsich dafür der Form schab« 

•big od. schawwig. 'n schabbigen Rock, 
schabbigen Hand, 'n schabbigen Karl, 
■fein gewissermassen moralisch abge- 
schabter Mensch. 

Gnitz'n S. Gnäbk. 

gnöckern S. nöckern. 
. ■ • gnnpp'n wird von Menschen u.Thie- 
jren gebr., wenn sie beim Essen einen 
Ton, ähnlich gDUpp, hören lassen.. So 



lange die KartofFelschale iich leiclilf 
löset, nimmt sich der gemeine Mann' 
nicht immer die Zeit, sie abzuschälen, 
sondern gnuppt sie aus. Ausserdem 
gebraucht man es vonMenschen,diesicli 
hörbar kratzen. • , /- " '^ 

gnnrr'n = knurren. Beide Förmig 
sind imPlttd.neben einander gebrauch*^ 
lieh. Das alts. gnornon bed.lamentari. 
Sick Vergnurr'n, in Zwiespalt mit Je- 
mandem gerathen. de grdt'n Hefin 
hebb'nsickvergnurrt. Vgl. törn'. 

Göd Subst, Plur. Göd'r l. ein Gut 
(bonum). 2. die Waare, he hatt Göd'r 
npp, er hat Güter geladen. S.Geld und 
Gut. -4. das Landgut. 5. der Brot- un<i 
Kuchenteig. Dadj Göd geit SChÖÜ, der 
Teig hebt sich gut. 

göd Adj , gut ; goth. gods, ftlts. god. 
Die Redensart : aSS all niks göds, dient 
als Zusatz zu einem Verbo in dem Be- 
griff von : ausserordentlich. HS slcit, 

slöppt, itt etc. ass all niks göds, er 

schlägt, schläft, isst etc. ansserordent- 
lich. göd dön, gehorchen, wist Ök göd 
dÖD?' willst du auch künftig gehor- 
chen und folgsam sein? göds dÖDodei* 
to göd dön, Gutes erweisen, besonders 
durch Darreichen guter Nahrungsmit- 
tel. Ick will 'd OU'n wat to göd dön sagt 

die Tochter, wenn sie des Vaters Lieb- 
lingsgericht kocht. Göd schön laot'ri^ 
gut sein lassen ; laotman gödschön. 
Gödheit, Güte. 

Gökel, altes schlechtes Pferd. 
gokeln 1. schlecht reiten oder fal-'ren. 

2. gaukeln. He gökelt mi 80 väöl väör, 

er macht durch Worte, Mienen und Be- 
wegungen mir-^o viel vor. Der Neben- 
begriff, einen Andern dadurch zu et- 
was verleiten, liegt im Plattd. nicht 
nothwendig darin. Im abgeleiteten 
Sinn wird es von jungen Leuten ge- 
braucht, wenn sie beim SchfeiWh 

9* 



« 



unnütze Schmierereien vornehmen. 
Das Ad ject. gök'lig bedeutet auch eine 
lächerlich bunte Kleidung; davon sick 
angökeln, sich überflüssige und unpas- 
sende Kleidung anlegen. 

Goldknöppk'n , gelullte Ranunkel, 
hervorgegang. aus Ranuj^culus repens ; 
die gefüllte R. acris heisst nicht so. 

Gölk , Engelwurz (Archangelica 

ofiicinali s) heisst auch Angölkenwörtel. 

ßiGön-dag, gewöhnliche Grussformel. 

Göndagstook, Vvörtlich : guten Tag 

Stock: der Spazierstock.. i 'in '^ b6Q 

Göpsch, die hohle Doppelhand, in- 
dem man beideHände mit gekrümmten 
Fingern dicht an einander legt. Nimm 
'n Göpsch Vüll, nimm so viel als du mit 
beiden hohlen Händen fassen kannst. ' 
Gör, die Gährung. 
Görg'l, die Gurgel. 
GÖS, die Gans, als Schimpfwort : ein 
dummes Mädchen. 

Gösaornd, der Gänsehabicht, welche 
Species von F a 1 c o dies sei, habe ich 
nicht ergründen können. 

GöSChe, der Gänsefuss, die Gattung 
Chenopodlum. 

gösig Ütsßn, ein blasses und kränk- 
liches Ansehen haben, wie die jungen 
Gänse im Juni, wenn sie krank sind. 
, ,, Göswin, scherzhafter Ausdruck für 
l^rinkwasser.' . ,>.- 

Gösbaok S. Baok. 

Gösdöd , das Kreuzkrallt (Senecio 
vulgaris). 

Gösflirra (a nur wenig angestossen) 
der wilde Schneeballenstrauch(Vibur- 
num opulus), oru' // rictiuy jrii>ßrm^ 

Göshüt, Gänsehaut, 'd.h;xHe- vor 
Kälte , Schreck etc. rauh gewordene 
menschliche Haut. '. 
„. Göskaow'n, der Gänsestall. 
-. GöSSelk'n und Gössel, halb ausge- 
Wachsene Gänse, die kleinen jungen 



heissen Göskfiken. Davon Pipgössel, 

elnMenscb, der sehr empfindlich gegen 
jeden Kürperschmerz ist und dabei so- 
gleich weint und winselt, begösk'n, 
durch glatte Worte Jemandem zu et- 
was bereden, berücken. 

Gottsblöd, ein allzu be^cjieidiöfier u. 
in allen Stücken nachgiebig^erMetisch. 

Gottsbrot, Almosen. 

GottshÜS 1 . d i e K i rclVe ; ^.' das Ho- 
spital, zur Verpflegung armer älter 
Leute. . f 

Gottsköp, wohlfeiler Kauf; ist der 
Preis gar zuniedrig, söheisst erSchand' 

köp. 

Gott vergew' mi de schwere Sünn', 

eine häufig im Munde des gemeinen 
Mannes gehörteRedensart, die dann ge- 
braucht wird, wenn man im Eifersich 
eine Aeusserung erlaubt hat, die, ohne 
eine Sünde zu begehen, nicht hätte aus- 
gesprochen werden müssen. 

grabbeln, grawweln, mit der Hand 

wiederholentlich und mit steter Bewe- 
gung der Finger einen Gegenstand 
oberflächlich und gelinde berühren, be- 
tasten; in, einer Sach^ herumwühlen. 
Hat Jemand Etwas verloren und wühlt 
im Schmutz herum, SO grabbelt hfe in'ü 
Dreck hertil5..Wenn ein Kind Etwas, 
das es nicht anfassen soll, in die, Hände 
nimmt, sich viel damit beschäftigt, es 
unaufhprlicli umdreht und betastet, so 

ruft man ihm zu : du mtist ök alls be- 
grabbeln. In'n Grabbel smit'n heisst, 

wenn man Kleinigkeiten, kleine Mün- 
zen, Backwerk, Nüsse etc. unter einen 
Haufen Knaben wirft, und jeder das 
Ausgeworfene zu erhaschen sucht. 

Graff u. Grafft, Grab zur Bestattung 
der Todten. alts. graf, davon Bigraft, 
das Leichenbegängniss mit dem darauf 
folgenden Todtenmahle. ^^ 



6g 



Gramm, Grummet, Nachheu, wird 
auch Naomaot genannt. 

grämplich = gnew. 

Grand, der Kies; Adj. grannig. 

Gräp S. gripen. 

grans'n, durch Stöhnen, Weinen 
u. dergl. seinen Schmerz ausdrücken, 
verwandt mit grUttSen, was aber den 
äusseren Ausdruck des Schmerzes 

ausgcb|i^ß6t. Gegranset heb ick rtirch« 
terlicii! dran kehrt de Dödsick äöwer 
nich : wat ick ok plinsen mucht un 
gnarr'n , ick musst de twete Fru ver- 

SCharr'n. (Born). 

grappsch'n, hastig nach EtM'as grei- 
^u,,' meist mit dem Nebenbegriff des 
Zuvielnehmens; das Frequent. von gri- 
"pen oderdas verstärkte grabbeln. Adj. 

grapschig. - Grapsch bedeutet i. so viel 

als Griff mit äert,^ Nebenbegriff des 
Hastigen, Unerwarteten; fehlt dieser 
Nebenbegriff, so hcisst es blosGrÖp. mit 

fen'n Grapsch har h§ 't weg, dann 

2. einen Menschen, der grapschig ist. 
ÄUbist 'n,GrapSCl^.,.End]ich wird dies 
;.Mfpr^:,:^qc^^ adverbi^isch gewisser- 
massen als Interjection gebraucht: 

Grapsch! daohatt he 'tweg. Tograp- 
sch'n, ho^^ig zugreifen. Angrapsch 

wird von, verkäufliql^enGegeuständen 
gebraucht, die sehr gesucht M^erden: 

DeWaor iss angrapsch, dieWaarewird 
stark. gesucht, ist tlieuer. 

" grasen und gräsig 'S. huddern. 

Grass nennt d.Landmann allePilan- 
• zen, für die er keine besondere Namen 
hat. , . . 

' Grassfaor, ein schmaler init Gras be- 
wachsener Streifen Landes stwischen 
zwei Stücken als Grenzbezeichnung. 

, GraSSgrÜtt u. GrasshSrs', Grashirse, 
Samen vonGlycerium llultans. 
gräsig, grausig, grässlich. 



gransaöm, als Superk-Bezelchnung 
S. gefäriich. 

Gräw'r, der Spaten von graob'n = 

graben. i^ 

graoben (ick graow, du gröffst ; Im- 

perf. gröw ; Part, graow'n) = graben. 

2. begraben, 'k heff 'n Kind graob'n 

laot'n. Graob'n, der Graben. 

graod u. grao, gerade, geraden We- 
ges; abgeleitet so viel als rasch, 

hurtig, knmm graod wedder, komm 

hurtig wieder. Dagegen bedeutet all- 
naograod so viel als allrrwhlig, langsam. 

AUnaograod kfimmt Hans mit Wamms 

sagt man von Jemandem, der eine Sache 
z.B. das Ankleiden sehr langsam be- 
treibt. Uebrigens hatgraodalle Bedeu- 
dungen des nhd, gerade. 

Graot. Dat M^tz hat 'n Graot, beim 

Schleifen des Messers hat sich die 
Schneide etwas umgelegt. 

Graod'n, Fischgräten. Hfe wiU VOtt 
de Graod'n faU'n, er ist hundmager. 
graodig = vol ! Gräten. 

Graop'n, ein aus Metall gegossener 
Tiegel mit zwei Henkeln. Im Mittel- 
alter hiess der Gelbgiesser : Graopcn- 

geter. 

Graosehüpper S. Haow'rbock. 

Greb'n, die zusammengeschrumpf- 
ten Fettzeilen, welche beim Ausbraten 
des Specks, Talges etc. zurückbleiben. 
In einigefi;Geg£Dden heissen sieKöj'D, 

grellig, närrisch, störrig. vergrellen 

1. einen erbittern ; 2.eineWunde durch 
Reiben, Stossen etc. wieder au^reii^s^^u 
und die Heilung dadurch verzögertis 

Grendel, der PHugkolter. 

Grens', die Grenze. 

Grfet, abgekürzter Vorname für 
Margarethe. 

Gretdort, Margarethe Dorothee. 

Gr^tl^n, Margarethe Magdaiene. 



m 



Grfetlls', Margarethe Elisabeth. ; 

Grfetfe u. Gretfik'n, Margar. Sophie, 

Gret in Busch, Schwarzkümmel 
(Nigella damascena). 

griflach'n und grüflach'n, heimlich 
lächeln, das ein Anderer nicht merken 
soll, besonders wenn es mit Schaden- 
freude verbunden ist; ohne diesen Ne- 
benbegrifF sagt man auch grein'. Vgl. 

gibbeln. 

grimmein, schmutzig werden, seine 
liechte Farbe verlieren; besonders von 
xJerAjreissen Wäsche gebraucht, wenn 
sie nicht niehr sauber oder zu lange ge- 
tragen ist, wodurch die Reinigung er- 
schwert wird. Vgl. säöl'n u. suddeln. 
■ingrimmein, durch Vernachlässigung 
schmutzig werden lassen. DatTüg iss 

SO ingrimmelt, ett miitt bükt wern, 

die Wäsche ist so schmutzig, dass sie 
durch Waschen nicht wieder ganz klar 
und rein hergestellt werden kann, sie 
•muss gebeucht (S. btik'n) werden. 
Vgl. auch smuddeln. Im Süden sagt 
man dafür begrls't, sich an Farbe dem 
Grisen (Grauen) nähernd. 

grln' = greinen, lächeln, schwächer 

als lachen. .i-i^^;s 

grlp'n (Imperf. gr^p ; Part.gräp'n), 
greifen, goth. greipan, alts. gripan. 
Gräp, der Griff, begrtp'n, begreifen. 
Für den logischen Begriff hat der 
Plattd. kein Wort. Vgl. Gripps. 

Gripp, Rinne im Acker zur Ablei- 
tung des Sammelwassers. 

Gripps, Kripps = Verstand , als das 
Vermögen zu Begriffen, auch Gedächt- 
niss. DeJnng hat Gripps kann bedeuten: 
er hat Verstand , begreift eine Sache 
leicht, aber auch: er hat ein gutes Ge- 
dßchtniss, lernt ein aufgegebenes Stück 
leicht auswendig. Der gemeine Mann 
unterscheidet Verstand und Gedächt- 
nisskraft zu wenig. 



gf tS, greis, grau. alta. ebenfalls grls. 
glls' Linn', uugebleichfe Leinwand., 
grls Haor, graue Haare, daher Griskopp, 
Graukopf. Zeigen sich die" grauen 
Haare erst einzeln, so heisst das grls- 

grau oder grimmlich. 

grisseln S. huddern. 

groff, grob; eine Diminutivform 
gröff ken wird auch zuweilen, aber sel- 
ten gehört. Compar. grÖWW't. Der 
Comp, wird im Plttd. selten gebraucht, 
noch seltener der Superlativ der fast 
immer durch hinzuges.Adv.umschrie- 
benwird. Vgl. gefärlich. DerGrUud 
liegt in der Abneigung des Plattd. vor 
Häufung von Consonanten, So groff 
ass Bönströ sin, drückt einen hohen 
Grad von Grobheit aus. 'n groWWen 
Knast, bedeutet dasselbe, ebenso : h^iSS 

noch gröww'r ass groff. 

Groffbrot, Schwarzbrot. 

Groffhed'n, aus grober Hede ge- 
sponnenes Garn. ■' »'^'••."'^^*' *ifl* 

gröl'n, d rückt d. anhaltende Schreiieh 
der Frösche aus, quak'n wird nurvori 
den einzelnen abgesetzten Tönen des 
Trosches gebraucht ; 2. witd eS von 
Menschen gebr., die' unharmonisch, 
mehr in Naturlauten singen. Das 
Hauptwort GcgrBl hat gegen die plttd, 
Weise das Praefix. 

grön, grün. alts. gr6nJ. Von Fischen 
gebraucht bezeichnet es den Gegensatz 
von gesalzen oder geräuchert. HÄ isS 
mi nich grön, bedeutet: er hat einen 
Hass auf mich, kann mich nicht leiden, 
gron Bengel, ein junger Gelbsclmabel. 

Wat will de grön Bengel , laot'n erst 
hinner de Om drög warn. 

Grönhämpling, Gronhämperling = 

der Grünfink (Loxia chloris). Vergi. 

Schwunsch. 

Groschen, der Groschen, üeberdie 




7f 



Jezeiölinungsart einer ungefähren 
Groschenzahl, siehe unter Daoler. 
grosig S. grusig. 
grossmüthig bedeutet so viel als 

hochmüthig. 

GrötsnÜt, Grossmau], Prahlhans, 
GrÖtt, die Grösse. Sprichvv. : Wenn 

t nao d' Grött ging' , löppt de Ko den 

flaosen Väör. Sinn: Man kann von 
dem Äussern nicht immer- ^üüf "den 
Innern Werthschliessen. 

Grub 'n, Graupen. 

Grud', ^in tief iri den Feuerheerd ge- 
hendes Loch, in dem eitie Quantität 
Stroh verbrannt wird. In die Strohkoh- 
len wird dann das Kochgeschirr gesetzt 
und die obere Oefinung mit Lehm ver- 
mauert. Diesheisst in dcGrüdkaok'n. 
Ist gegenwärtig ganz ausser Gebrauch. 

grftl'n, grauen, Furcht und Wider- 
willen vor Etwas empfinden; ick grfti 
tnl oder mi grült väör de Arbeit. Ins- 
tesondere drückt es die Furcht vor Ge- 
spenstern aus. H6 geit nich allen to 
Bett, em grült. Von Grül, Gröl =- der 

Grauel. grülich ist zuvörderst der, 
welcher Furcht vor Gespenstern hat, 
darin ist es gleichbedeutend mit gräu- 
lich, Schreck, Schauder erweckend, 
wird auch wohl zur Bezeichnung des 
Superlat. gebraucht. Das alts. grolico, 
griolico (von gruri = horror) bedeutet 
dasselbe. 

Grummel, ein lautnachahmendes 
Wort vom fernenDonner ; Dunnerwird 
•nur von nahen Gewittern gebraucht. 
Davon grummeln, schwach donnern. 

grunsen, in der Sti lle seinem Schmerz 
nachhängen, ohne ihn laut werden zu 
lassen, höchstens zuweilen einen stöh- 
nenden Ton hören lassen; auch vom 
■Seelenschmerz gebraucht. Etymolo- 
gisch mit grunzen verwandt, Vergl. 

auofi krunzen und krunksen. Sick 



afgnniSCn, sich abhärmen. Unterschei- 
det sich von dem verwandten : sick tO« 
gäw'n. Wem man zuruft: giffdi doch 
to, der äussert seinen Schmerz durch 
Worte u. Geberden, wer sick afgrunst, 
sitzt in dumpfer Betäubung, härmt sich 
in der Stille ab u. sucht die Einsamkeit 
auf. 

GrÜS, zermalmte und in ganz kleine 
mit Staub vermisChteTheile zerriebene 
Gegenstände; Adject. giusig; Verbum 

grasen. 

grusig, grosig l.S. vorher; 2. vom 
Geschmack gebraucht = wie Gras 
schmeckend, herbe, wie unreifes Obst. 
Gruse kommt hie u. danoch vorinder 
Bedeutung von Grus. 

grussein (SS sehr sanft gespr.), sich 
leicht in Grus auflösen, leicht zerbrö- 
ckeln, de Zucker döchtniz, h^ iss so 

grnsslig. Ausserdem ist es ein Fre-i- 
quentativ vongrisseln, worüber unter 
huddern das Nähere. 

GrÜSS'n hat ausser d. verschiedenen 
Bedeutungen des Nhd. auch noch eine 
ironische. Berührt uns Jemand durch 
seine Reden und Anmuthungen unan- 
genehm , und wir wollen ihm einen 
deutlichen Wink geben , dass wir auf 
seine Reden etc. nicht einzugehen ge- 
neigtsind, so bedient man sich derRe^ 

densart: 's göd,grüss man od, : kannst 

grÜSS'n, ohne dass von einer dritten 
Person die Rede ist, an die der Gruss 
gelangen soll; der Sinn ist: Sprich 
nur nicht weiter und höre davon auf, 
oder: gehe deiner Wege. Es versteht 
sich vonselbst, dass die Persoji, wejche 
sich dieser Wendung bedient, mit der 
angeredeten in einem solchen Verhäit- 
niss steht, dass siesichdieserRcdeweise 
bedienen darf. 

Grütt 1. die Grütze. Bökgrütt, Hao- 
w'rgrüttetc. 2. Grütt in Kopp, Verstand. 



7^ 



-io Crrtittblöm , . die Waöserranunkel 
(Ranunculus aquatalis), in andern Ge- 
genden : das Wiesenschaumkraut (Car- 
damine pratensis)», i;,,^ ji »-p/r;^ -lab ,«l 
Güldenklee, die Leberblume (Hepa- 
ticatriloba). 

1 gtinn'.^jönnen. he gtinnt CD nich dat 

Witt in't Ög, der Neidhammel. 
s gjins'n, im Schlaf beim tiefen Atb- 
men schwach winselnde Töne von sich 
geben, wie dies z.B. bei ängstlichen 
Träumen der Fall ist. Auch Hunde 
g-ünsen ; .allgemein : winseln, jammern. 
gÜS-gÜS, Lockruf für die Gänse; 



dabenin d.-K i ndersprache Güs-gösek^Bi * 
die Gans. 

Güsch, ein Gebäcksei von grobem 
)^eizenmehl in Rautenform. 

GüSt, unfruchtbar; trocken stehend, 
von melkendem Hausvieh gebraucht, 
wenn es keine Milch mehrgiebt, oder 
wenn es ein Jahr unfruchtbar geblie- 
ben ist. Im ersten Fall heisst es : de Kd 
Steit gÜSt ; im zweiten : se iss gÜSt. 
Im letztern Sinn sagt man auch: seiSS 

Dich begaon. 

Güster heisst vorzugsweise der 
Flohmenhering (Matjes), w,. 

gUttern S. brodern. 



flachel S. Achel. 

Hack'l, der Heuhechel (Oponis spi- 
nosa). 

UM Hack nnMack, allerlei durch einan- 
der geworfenes werthlose Geräth z. B. 
bei einer Feuersbrunst, wenn Arme 
ihre unbedeutenden Habseligkeiten 
retten und zusammenwerfen. 

Hack Un Pack dagegen gebraucht 
man, wenn eine Gesellschaft von Men- 
schen ganz oder theilweise aus gemei- 
nen nicht im sonderlichen Rufe stehen- 
den Personen besteht. 

Hack'n Subst. l. die Ferse; 2. der 
Theil der Strumpfe u. Schuhe, welcher 
den Hacken bedeckt; 3. der Absatz 
unter den Stiefeln. Von Hack'n bett 
an'n Nack'n, vom Kopf bis zu den 
Füssen. Hack'n maok'n, zum raschen 
Fortgehen zwingen. TÖf ! ick wiU di 
Hack'n maok'n, warte nur, ich will dir 

Beine machen, de Hack'n naotreck'n, 

rasch zugehen ; de Hack'n Wis'n, davon 
laufen, entfliehen ; Upp doHack'n sitt'n, 
zu etwas antreiben. 

hack'n Verb, l.'mit einem schnei- 



denden oder spitzen Werkzeuge auf 
etwas wiederholentlich stossen. Holt 
hack'n ; 2. so viel als stossen, schlagen ; 

he hackt ümmer npp ämm los, er schlägt 

stets auf ihn ein ; hacke to, BrÖI ! 't gelt 
Väör 't Yaoderland, Zur i if an Menschen, 
die sich schlagen u. dadurch ermuntert 
werden sollen, fortzufahren. 3. gleich- 
bedeut. mit haok'n (S. unten). Beide 
bedeuten das Festsitzen eines Gegen- 
standes.doch mit dem Unterschied, dass 
hack'n nur von etwas Bindendem, Kle- 
benden, Festsitzenden gebraucht wird 
z.B. beim Leimen, Kleistern. Von 
back'n unterscheid, es sich, dass hack'n 
mehr auf den Anfang d.Klebens sich.be- 
zieht, ohne gerade daran fest zu sitzen, 
hack'naber auf dasAngeklebtsein, letzt, 
also ist intransitiv. Der Schnee backt, 
der Kleister hackt, anhack'n, im bild- 
lichen Sinn bedeutet auch : stehen blei- 
ben, um zu schwatzen, fasthack'n be- 
deutet dasselbe mit dem NebenbegrifT 
des langem Verweilens, eben so be- 

hack'n bllw'n; üthack'n wird von 

Schuhen gebraucht, die für den Fuss zu 



•91 



gross sind und sich also beim Gehen der 
Fusshacken lierauszielit. Hack Upp ! 
sagt der Knabe zu seinem Gespielen, 
wenn er ihn auf den Rücken nehmen 
und tragen will, um Hackback, HlIGk- 
back zu spielen. Back, alts. bac, ein in 
der Altmark noch hie und da gebräuch- 
liches Wort, bedeutet Rücken ; die erste 
Silbe huck (in Huckback) ist nicht von 
Hucke (Hocke), Rücken, sondern von 
HÜk(S, unten) also von der halbsitzen- 
den Stellung, die der annimmt, um ein 
Kind auf den Rücken zu nehmen^ In 
Hackback ist die erste Silbe vom Verbo 
hack'ü abzuleiten; das Kind sitzt fest 
auf dem Rücken. 

- Hackpilln heissen beim Anfertigen 
derHolzkabeln in derastehendenHolze 
die mit deniTBeil gemachten drei Ein- 
hiebe in dieBäume rechts und links, um 
einen Durchgang oder dieGrenze der 
Kabeln der Länge nach zubeidenSeiten 
zu bilden. Die Grenzen der einzelnen 
Kabeln in der Breite werden durch 
Schaol'n, anschaol'n bezeichnet u. be- 
stehen darin, dass man von den Bäumen 
rechts u. links der Grenzhnie die Rinde 
und etwas vom Holz abhaut (abschält), 
dass die Nummer der Kabel u. nach dem 
Kaufder Name desKäufers ant^eschrie- 
ben werden kami. Daher Hackpillböm 
u.'SchaolbBm, Bäume, die mit der Hack- 
pille oder mit der Nummer versehen 
sind. 

Hacksch, ein Mensch, der in seinem 
Thunsich ungeschickt und plump be- 
nimmt. 

Hadd'r, Hader in dem Sinn von Zer- 
ium pten Kleidungsstücken. Davon Ver« 

haddern, verhiddern vom Garn oder 

Zwirn gebraucht, wenn beim Abwi- 
ckeln oder Abwinden desselben die 
Fäden so in Verwirrung gerathen, dass 
sie nur mit Mühe wieder in Ordnung 



gebracht werden können ; sick VCr- 
haddern, durch Widersprüche, Un- 
wahrheiten u. dergl. sich so fest reden, 
dass man nicht wieder heraus kommen^ 
kann. 

Hagg l. ein kleines dichtes Gebüsch. 

2. unregelmäss. gewachsenesGestrüpp. 

3. unnütze, unbrauchbare und durch- 
einander liegende Polterei. 

Häg'r, der Holzheher (Corvus glan- 
darius). 

Hak'l, der Hechel; häkeln, hecheln, 
tropisch tadeln, zanken, zum Zorn rei- 
zen, Adject.häklig; Häk'It, gesuchter 
Tadel, Streit, Hakler, derZänker,Streit- 
süchtige, Spielverderber; fen dörchhä* 
kein, tadelnd und schmähend von Je- 
mandem sprechen. 

Hakt, der Hecht. 

half, halwig, halb ; datiss nichhalf 

nich hfel, das ist nichts Rechtes, nichts 
Ganzes, ist nicht recht gefertigt. Die 
zweite Form wird hauptsächlich bei 
Angabe der Zeit gebr., halwig tcin, 
halb zehn ; half Säöb'n Sin, halb betrun- 
ken sein, 'tishalf säöb'nbiämm; half 
nn half l. zu gleichen Theilen, 2. so 

ziemlich s. v. a. hallwäg ; half part ruft 
man Jemandem zu, wenn man mit ihm 
das was er in Händen od. gefunden hat 
oder wovon die Rede ist, theilen will. 

Halfscheid, die Hälfte. 

Halfsläg'r und Halfslag, der Bastard, 
von Hausthieren im Gebrauch. 3 

Halfstlg Subst, zehn Stück, als Arfi. 
jectiv: zehn. 

halfwrass'n, halberwachsen, 'n half- 
wassen Jung heisst d. 14bis 16jährige 
Jüngling. 

hall'n, Üthall'n, austrocknen; de 

Wind hallt dat Land recht üt, dasAdj. 
dav. heisst hall u. hallig (ballig Lacht, 
hallig Wäd'r). Hallig hatauch eine ab- 
geleitete Bedeutung, kommt aber dann 

Ift 



74 



^ 



mit detn Umlaut vor hällig Im Sinne 
von durstig, schmachtend; Kranke, die 
in der Fieberhitze liegen, sagen : mi iss 
SO hällig oder ickbin so hällig, eben so 
Kinder, die mit Begierde sich nach der 
Mutterbrust sehnen ; nicht mit hellig 
(S. unten) zu verwechseln. 
., Hallo! Aus dieser Interject'on , so 
wie fast aus allen andern, macht d.Plttd. 
ein Substantiv doHallo, im Sinne von: 
tobender Lärm. Ddtt isS JO dao'n gC- 
färlich Hallo, da ist ja ein ge\x'altiger 

Lärm ; maok man nich so väöl Hallo da- 
von, mach nur nicht so viel Aufsehen, 
Lärm davon. Auchdas Verbumhallön 
kommt vor. 

hallwäg, ziemlich, wörtlich : halben 
Weges. Auf die Frage: wie gehts? 
erhält man häufig die Antwort: SO hall- 

wäg ; 't iss mett ämm man so hallwäg, 

seine Lage, Gesundheit u. s. w. ist nur 

mittelmässig; hallwlggeit mit'nPrls, 

der Preis des Korns etc. ist so ziemlich. 
In demselben Sinn gebraucht man auch 

handlich ; 'tiss 'n handlich'n Prts. 

hallwig S. half. 

Hals. He hat watt in'n unrechten 
Hals (d. h. Luftröhre) kilg'n ; datt iss 

jO nich Hals äff, das ist ja nicht so ge- 
ßihrlich. 

Halw' 1. die Hälfte; ick will man 

Halw'n hämm, ich will nur die Hälfte 
haben. 2. die Seite, äÖW'r d' Halw blin- 
g'n, auf die Seite bringen ; he isS npp 
jenn' Halw, er ist auf jener Seite, äÖW'r 
d'Halwgaon, auf die Seite gehen (um 
seine Nothdurft zu verrichten). Das 
alts. half ist Subst. und Adjectiv. 

hämm' aus hSbb'n entstanden S. 
bebb'n. 

Hammbntch, Haobutch, die Hage- 
butte, Frucht des wildcnRosenstrauchs. 
hamm holln , in Zaum halten ; du 

sast mi woll hammhoUn, du sollst da 



wohl bleiben, wo ich will,bildlich : ich 
werde dich wohl nach meinem Willen 
leiten. Das alts. ham bedeutet einen 
eingeschlossenenRaum, was im Bremi- 
schen noch im Gebrauch ist, im Engl, 
bedeutet es den Kniebug. 
Hämp, der Hanf. 

Hämpling, Hämperling, der Hänflink, 

Hanffink (Fringilla cannabina). Man 
unterscheidet grau und roth Hämpling, 
ob es gleich derselbe Vogel ist, dessen 
Männchen im Alter rcthliche Brustfe- 
dern bekommt; gTÖn Hämpling ist Lo- 
xia Chloris. 

Hampelmann S. ampeln. 

Hampeter, d. Vorname Johann Peter. 

hanäökeln l.satirisiren, 2. hohn- 
lachen, 3. necken. 

Hannacksch, eine fast ausgestorbene 
Art ländlichenTanzes ; ein Gleiches gilt 
von den übrigen ländlichen Tänzen 

Stursch, Twätritt, Dretritt. 
handlich S. hallwäg. 

Handwis'r, der Meilenzeiger. 
Hannmichel, Johann Michael. 
Hannott'r S. Aodebaor. UnsereKin- 

der singen : Hannotter, Hannotter du 
Langben, steit upp'n roden Sandsten, 
hat röd' Strümp an, steit ass 'n oUn 
Beddelmann. Oder: Hannotter, Han- 
notter du Langben , wenn er wult du 
wegten? wenn deRogg' rip iss, wenn 
dePogg pipiss, wenn deWaog'n stiU 
steit, wenn de Plög to Felle geit, wenn 
de Yoggeln nich mer sing'n, wenn de 
blanken Daol'r kling'n. 

Hannotterblöm, das Wi esenschaum- 
kraut(Cardamine pratensis) ; in andern 
Gegenden der Altmark, heisst die Wald- 
anemone (Anemone nemorosa) so, 

Hangelholt, das Krummholz der 
Schlächter zum Aufhängen des ge- 
sclilachteten Viehes. 
Hanknpp, einSchimpfwort imMunde 



m 



75- 



des Pöbels in der Bedeutung: du bist 
weiter nichts werth, als aufgehangen 
zu werden. 

Hans, Hänsk'n,derVorname Johann, 
Ein Knabenlied lautet ; HanS, Spano an ! 

twe Katten väöran, twe Mus vorupp, 
nao'n Blocksberg rupp. Ein anderes: 
Hänsken satt in'n Schornsten un flickte 
sine Schö,dao kämm 'nsmnckes Klak'n 
un sach so nippe to ; Maken wist du 
fri'n, so frie du nao mi, ick heff 'n blan- 
ken Daoler, denn' will ick gäw'n di. 

Hansaom'l, Johann Samuel. 

Hansgret wörtlich Johann Marga- 
rethe, vSchinipfwort, das einen Herma- 
phroditen bezeichnet. 

Hansch, Hanschen, Dim. Hänschk'n, 

der Handschuh, davon Fusthanschen. 

Hanstoffel, Johann Christoph. 

Hanschöm S. Johann jom. 

hantern, handthieren. 

Happ, Happs Naturlaute, besonders 
vom begierigen und raschen Essen im 
Gebrauch; denn happ'nist: mit dem 
Munde so etwas hinnehmen, d^ss der 
Laut happ hörbar ist. Der Nebenbegriff 
des Gierigen liegt nicht nothwendig 
im Worte, happ tO, nimm schnell hin ; 
happ Üt, nimm das Dargebotene ganz 
und lass nichts zurück. Happ'n (Subst.) 
was man mit einem male in den Mund 
steckt, meist nur von consistenten Ge- 
genständen im Gebr. 'n Happ'u Brot ; 
dat iss man 'n Happ'n, das kann man mit 
einem male in den Mund stecken, ist 
nur ein Bissen. 

happig 1. zudringlicii, begierig; si 
doch nich so happig, dränge dich doch 
nicht so begierig nach dem Essen, mit 
dem Nebenbegrifl' des Hastigen beim 
Essen. 2. erpicht auf etwas, happig 
Upp'n Dfenst, begierig auf die Arbeit; 
'n happigen Karl bedeutet einen Hab- 
süchtigen. 



här, Imperf. von hcbb'n, haben. :'"A. 

Hark, flärk, der Rechen, auch in» 
Nhd. übergegangen. Verb, härk'u. -^1 

Härkels, was zusammen geharkt ist. 

Härräck (äganz kurz gesprochen. 
Vgl. Vorrede u. rr nur sanft anstossen,' 
so dass es fast wie dd lautet), der Hede- 
rich (Raplianus Rhaphanistrum). 

Härl (Aussprache wie bei dem vo- 
rigen) ein Fäserchen z. B. Flachs. 

Harbink'n, der Ahorn (Acer cam- 
pestris). 

hartlerig, schwer lernend, beson- 
ders vom schlechten Gedächtniss im 
Gebrauch. 

härtlich, ein wenig hart, wirdauctf 
von Getränken gebraucht, die anfangen 
sauer zu werden. 

Härwst, der Herbst. 

hässüch wird vom gemeinen Manne 
in derBedeutg. von sehr nicht selten 

gebraucht; datt iss hässlich schön, 
dattiss'n hässlich göd'n Karl. Vergt 

auch gelarlich, 

Hasselbusch, der Haselstrauch ; has- 
Seln, aus dem Holz des Haselstrauchs 

bestehend, hasseln Stock; Hasselnott 

Plur. HasselnäÖt,dieHaselnuss. 

Hast, die Eile, 't hat ken Hast, im 

BegrifYstärker als 't hat ken 11 (lang i). 
hast, hastig, Adverb, eilig, bald, ge- 
schwind ; kumm hast wedd'r, komm 
bald wieder, nich SO hastig, übereile 
dich nicht. Davon sick hasten, sich 
beeilen. 

hast du nich, sust du nich wörtlich : 

hast du nicht, siehst du nicht, wird rein 
adverbialisch für: eilig, schnell, heftig 

gebraucht, hh löppthastdu uich, s6st 

du nich, er läuft in grösster Eile, hh 

döscht hast du nich, süst dunichupp 

am los, er prügelt derb auf ihn los. 

hastig Adj., rasch, eilig, 'n hastigen 
Drunk d6n, begierig den Durst löschen. 

10* 



w 



Abgeleitet bedeutet es so viel als jäb- 
zornig, cholerisch, datt iSS 'n hastigCÜ 
Mann, der Mann wird leicht heftig. 

HätitSCh, die Eidechse ; wird auch 
Y^rfotsch genannt, im Süden AorS« 

* kröpp'l. 

Hau, Hei l.das Heu, goth. havi, alts. 
hoiiwe; 2. der Hieb, Plur.HaueSchläge, 
Hiebe. 

bann, hein drückt die Beschäftigung 
mit dem Heu, solange es sich noch auf 
der Wiese befindet, aus, also das Wen- 
den, Hocken, Aufladen etc. 

HaUdi Subst., ein Schlag, ick hcff am 
'n Haadi gäw'n, ich habe ihm einen 
Schlag versetzt. Nach dem Bremisch. 
Wörterbuch soll es der Imperat. von 
audire und der Sinn sein: ein Mittel, 
damit er künftig höre. Diesen Neben- 
begriffkennt man in der Altmark nicht. 
Näher liegt die Ableitung von hanen 
imd Handi ist vielleicht zusammenge- 
zogen aus ick hau di, ich schlage dich. 

Häw'n, der Himmel, alts.heban. 

Haobönke einer der zu Hofe geht, 
Frohndienste verrichtet. 

Haofk, der Habicht, die ganze Gat- 
tung Falco. 

Häög, das Behagen, die herzliche 
Freude, Lust. M hat sin Häög an Bök'r, 
er hat seine Freude an Büchern ; se hat 
'n Häög daonao, sie (besonders die 
Schwangere) hat eine grosse Begierde 
nach diesem oder jenem Essen. 

Haog'I, der Hagel; datt di dcHaogl 

oder: 'n Haog'l 6k, ein schwaches 
Fluchwort, oft nichts weiter bedeutend 
als: ei das wäre! 

Haog'n, ein auf irgend eine Weise 
eingefriedigter Raum; Haogenwisch, 
Haogengraoben. Auch einige Dörfer 
mit u. ohne Zusatz führen dies. Namen. 

häög'n, behagen, erfreuen, ergötzen ; 
dat häögt mi, das erfreuet mich. Ist 



mit Behagen dasselbe Wort, da der 
Plattd. die Vorsilbe bc gern weglässt 
und den Umlaut anwendet. 

Haok, Haok'n i. der Haken, Haoknn 
ÖS (lang ö) Plur. Eaok'n nn Ös'n, aus 

Drath gefertigte Haken und dazu ge- 
hörenden Bügel, die an K leider genäbet 
Werden, zum Zuhaken derselben; slo 
Haoken anslaon, einen Versuch ma- 
chen, etwas zu erlangen z.B. wenn ein 
Mann sich einem Mädchen nähert in der 
Absicht sie zu heirathen. dat Ding hat 
s!n Haok'n, die Sache ist nicht klar, es 
steckt etwas dahinter. 2. ein einfiicher 
Pflug ohneRäder, wie ervorzugswei.se 
von den benachbarten Wenden gebr. 
wird. Davon haok'n mit dem Haken 
pflügen. 

haok'n Verb., festsitzen, mit dem Ha- 
ken etwas so in Verbindung bringen, 
dass ersterer den Gegenstand festhält. 
Wenn z. B. beim Abwinden oder Ab- 
wickeln eines Gespinstes der Faden 
festsitzt, so lieisst esdathaokt. Auch 
bildlich, wenn z. B. der Schulknabe 
beim Hersagen einer Lection stockt, so 

heisst es auch dat haokt. Sick haok'n, 

imGespräch sich Unangenehmes sagen, 
bitter gegen einander werden, im Be- 
griff schwächer, als s i c h zanke n. 
In dies. Bedeutung ist ein Adj. nicht im 
Gebrauch wofür häkUg, von häkeln, 
gewählt wird, ebenso dieSubst HäklCT, 

Häkelt. 

haokenrein wird vom Einkaufeines 
Schweins gebraucht, wenn man es ge- 
schlachtet nach der Zahl der Pfunde 
bezahlt, das Gegentheil ist nppdeHand 
köpen. Nach seiner Zusammensetzung 
soll das Wort vielleicht aussagen: das 
rein gemachte und vom Eingeweide 
befreiete Schwein, so wie es der 
Schlächter an den Haken hängt, kaufen. 

Haokenrein maoken, eine sprichwört- 



77 



HcheRedensart im Sinne des gänzlichen 
Aufräumens, alles so aufzehren und 
durcbbringen , dass sich nichts mehr 
am Haken befindet. 

Häöker, der Hoker ; häökem 1. Hok- 
waaren feil haben, allgemeiner: Ver- 
käufliches in kleinen Theilen verkau- 
fen, wofür noch häufiger ftthäökern 
gebr. wird ; 2. viel handeln, abdingen. 
haoln, hohlen, haol äöwer, Zuruf au 
einen am jenseitigen Ufer eines Flusses 
befindlichen Fährmann; alts. halon. 
Aöwerhaoln, tadelnde Bemerkungen 
über Jemanden madien, schwächer als 

driwen und klatschen. 

Uaomel und Häömel, der Hammel. 

Haomer, der Hammer. 

Haon, der Halin, gth. hana, alts. hano. 
Sein Krähen wird so übersetzt : Kttcke* 

rnckti, Zucker iss dür ! jao ! jao ! jao ! 

Haonblöm, die Fleischblume (Lych- 
nis flos cuculi). 

Haonbök, die Hainbuche, Weiss- 
buche, Hagebuche (Carpinus betulus). 
Das Adj. haonbök'n bedeutet auch so 
viel als g r o s s dabei grob, 'n haonbÖk'n 
Karl, ein grosser grober Kerl. Jn der 
ersten Bedeutung ist dies Adj. vielleicht 
gar nicht im Gebrauch, man sagt dafür 

wittbök'n. 

Haonklot S. Poggenklöt. 

Häönken Väörmeier, ein Mensch der 
imaufgefordert und ohne Veranlassung 
sich in etwas mischt oder vornimmt 
und dabei übel ankommt. Daher die 

Redensart Häönken Yäörmeier hinn an 
Häöoken Väörmeier väör von Jeman- 
dem, der sich häufig den Fehler zu 
Schulden kommen lässt, im Gebr. ist. 

Haop'r, Hindemiss;haopeni, hapern. 
Adj.haoprig. iVMi'nlM-i^-r:j''t; 

HäOnk'r ein leer gelassener Bienen- 
korb: 2. der Händelmacher. 

häönkem, Streit veranlassen und 



suchen , besonders von Kindern ge- 
bräuchlich. 

Haor, das Haar, dient im Plattd. oft 
zur Verstärkung der Affirmation als 

Negation ; an di iss ken Haor göds. Das 
Sprichwort rod Haor un ellern Holt 
wässt nioh ümmer npp göden Grund 

bedeutet: den Rothharigen istnichtim-» 
mer zu trauen. 

Haorfleit'n, der Ackerschachtelhalm 
(Equisetum arvense), wird in andern 

Dörfern auch Katt'nswans, Katt'nstärt 

genannt. 

HaorW S. UI. 

haorn wird vom Schärfen der Sense 
gebraucht; de Seissel haom. Diesge- 
schieht, wenn die Schärfe der Sense 
mittels eines eigenen Hammers (Haor> 
haom'r) auf einen kleineuAmbos (Haor* 
bolt'n) dünne geschlagen wird ; gleich 
dengeln. 

Haorklöw'r S. klüw'n. 

Häörn, goth. haum, das. Hörn, das 
Adj. heisst ebenso. 

Haorpluser, der mittlere Maikäfer 
(Melolontha solstitialis). 

Haos\ der Hase, auch ein feiger 
Mensch ; Dimin.HäÖsk'n. 

Haosenpöppel, die beiden Artender 
Käsepappel (Malva rotundifolia und 
silvestris). Vgl. KattcnkfeS. 

Haos'nsallaot, der kleine Ampher 
(Rum ex acetosa). 

HäÖSk'nbrot, heisst in der Kinder- 
sprache alles Essbare, was Erwachsene, 
die von einer Reise oder vomSpazier- 
gange zurückkommen, mit den Wor- 
ten: datt heff 'k Haos'n affjaogt, den 

Kindern geben, was von ihnen mit 
grossem Appetit verzehrt wird. 

Haos'n, die Beinkleider, Hosen, ftt 
Haos'n s!n (wäs'n) , seine Nothdurfl 
verrichten. 



78: 



Haow', der Hofedienst, to Haow 
gän, Hofedienste verrichten. 

Haow'r, der Hafer, alts, havoro. 

Sprichwort, sind : Stickt di de Haow'r ? 
töfman, deZagwätdibleck'n! wört- 
lich: sticht dich der Hafer? warte nur, 
die Ziege wird dich schälen. Gebraucht 
wird dies Sprichwort, wenn Jemand 
in einer übermüthig lustigen Laune 
sich befindet u. man will ihn aufmer- 
sam machen, dass er dadurch in Unan- 
nehmlichkeiten gerathen kann. Wird 
es in einer Gesellschaft stiller, so sagt 
man : hir iss göt HaOW'l sein, wörtlich : 
hier ist gut Hafer säen. 

Haow'rbock, die Heuschrecke-, im 
Süden heisst sie GraOSehupp'r. Die 

Knaben singen: Pingst'n spring'n de 
D^rns ass Hingst'n an de Jungs ass 
Haow'rbock. 

HaOW'cbUCk, die Becassine (Scolopax 
Gallinago). 

Haow'rrecbt kommt nur in der Re- 
densart vor :he quält (pisackt) mi upp't 
Haow'rrecht, er plagt mich ausseror- 
dentlich. 

flaow'rwelj, Haferschleim, Hafer- 
seim. 

Haowibk'n und Haobuttch'n, die 

Hambutte. 

he, alts. he, das Pronom. pers. er. 
De Hfe oder Hfek oder Hfek'n Subst. das 
Männchen eines Vogels. Eben so de 
Sie oder Sek'n, das Weibchen. Die 
kürzere Form hfe und siC werden gebr., 
wenn nur von einem Vogel die Rede 
ist, um das Geschlecht anzudeuten ; 't 
iss dochkenSie ? es ist doch keinWeib- 
chen? Eigenthümlich ist es, dass hier 
nur dienhd. Form sie und nie die plttd. 
Sfe im Gebrauch ist. Stellt man beide 
Vogelgeschlechter zusammen, so wird 
allemal die längere Form gebraucht 

H^k'nanS6k'nnie:H6unSie. .. 



hebbn, hämm (iieff, häst,hett u. hat, 

Imperf. här und hadd, Part.hatt), ha- 
ben. Einige intransitive Verba nehmen 
in derAltm. dasHülfszeitwort haben 
entweder allein oder mit sein(wäs'n) 
an. Ick bin Wäst hört man seltener, als 

ick heff west. Ebenso : 'k heff gaon, 

he hett am mot, neben dem seltenern 

ick bin gaon, hfe iss am begegn't, und 

so bei ähnlichen Verben. Das Imperf. 
vertritt, besonders wenn ein Wunsch 
ausgedrückt werden soll die Stelle des 
Plusquamperf. im Conjunctiv : härick 
doch datt nich daon, hätte ich doch das 
nicht gethan. Im Plttd. giebt es nämlich 
nur einigeschwache Andeutungen von 
einem Conjunctiv; wenn man hie und 
da einzelne Conjunctivformen hört, 
sind sie aus dem Nhd. entlehnt Daher 

ickdat, ich thätedies! ickhär 'tdaon, 

ich hätte es gethan, ich würde es gethan 
haben. Sick hebb'n, (hämm) bedeutet 
1. sich arten, sich betragen ; WH hätt 
sich de Jung', wie artet, beträgt sich der 

Sohn? du müst di darnaohämm ant- 
wortet der Gefragte, wie er sein Ge- 
schäft einzurichten habe. 2.sich ängsti- 
gen, heffdi nich so ! beruhige dich doch 
in deinem Schmerz. Das Sprichwort 

hast du nich, so geist du nich gebraucht 

man von einer lustigen, besonderstan- 
zenden Gesellschaft. Steht bei Fragen 
das Pronom. nach, so wird in der zwei- 
ten Person Plur. statt hefft gesagt heij 
hei ji dat daon ? habt ihr das gethan ? 
Ueber ick heff als Bezeichnung des Fu- 
turs vergJ. unter sali. 

Heck 1. die Hecke, Befriedigung 
eines Gartens etc. mit lebenden Sträu- 
chern; Tun ist eine Befriedigung von 
abgestorbenen Sträuchern; Rickwerk 
Befriedigung mit einzelnen gegen 
Pfähle geschlagenen Latten. 2.bezeich- 
net Heck (von heck'n, nisten, Jutige 



I 



ausbrüten) auch die künstliche Nach- 
ahmung einer Hecke, um Vögel zum 
Ausbrüten von Jungen zu veranlassen. 
Auch im Nhd. wird Hecke so gebr. 

Heck'D, dat l. eine aus Latten gefer- 
tigte ThUr, die den in einer Befriedi- 
gung befindlich. Eingang verschliesst. 
5. der Schlagbanm ; 3. eiiie halbe Haus- 
fhür, um Kindern u.Thieren den Ein- 
und Ausgang zu verschiiessen, oftnur 
äus hölzernem Gitterwerk bestehend. 

Hecks 1. die Hexe; 2. allgemeine 
Bezeichnung für die ganz kleinen 
Schmetterlinge, besonders die Motten 

(Tinea), .y.^>i[::^<'l:^m^U 

Hecks'l, der Heckerling; Hecksel- 

laod, die Maschine zum Schneiden des 

Heckerlings. ^^ ^ , ^ 

Hfed, Hede, Werch; klein H&d'n in 

FläSS'n heisst eineArt Leinwand, deren 
Aufzug aus Flachsgarn, der Einschlag 
aber ausHedengarn besteht; kleinHed'n 
ist nämlich die Htde, die beim letzten 
Hecheln des Flachses gewonnen wird. 

Hedweck, wörtlich : heisse Wecke, 
ein nur am Fastnachtstage übliches 
Backwerk aus Weizenmehl in Form 
eines Rhombus mit ausspringenden 
Ecken, das erst gesotten und dann ge- 
backen wird. Der Landmann nennt es 
Stimpstut'n, StippstUt'n, sollte heissen: 
Timpstat'n von Timpe, Ecke, Spitze 
eines Dinges. 

heg'n, sparen, zu Rathe halten. 
Sprichwörter; Dfe Watt hggt, dfe Watt 

hat ; watt 'n hegt väörn Mund, dat fritt 

Kattun Hand. 2. pflegen, zuGutethun. 
Der Krankgewcsene sagt nach seiner 

Genesung : ick heff mi hegt un plagt, 
ich habe mir ordentlich was zu Gute 
gethaii. Davon upphft'g'n, aufheben, 
verwahren. 
. Hßg'r Substant., der hegt und spart, 



upp'n Hgg'r kfimmt 'n Vertärer, auf den 

Sparer folgt der Verschwender. 
He! S. Hau. 

heia, heiapopeia, heidt, heididledt, 

heissassa, Interjectionen,die besonders 
von Wärterinnen gebraucht werden, 
wenn sie kleine Kinder auf dem Arme 
tanzen lassen, wobei sie diese Interject. 
in den mannigfaltigsten Abwechselun- 
gen und Melodien singen. :Q 
Hei(d) l. der Heide, Verehrer meh- 
rerer Götter, dat Kind iss noch 'n Heid, 
das Kind ist noch nicht getauft. 2. das 
Heidekraut (Calunna vulgaris); 3. ein 
unbebaueter, mehr oder weniger mit 
Heide und Kiefern bestandener nicht 
kleiner Strich Landes, goth. haidhi. 
Nicht selten bedeutet dies Wort in Zu- 
sammensetzungen das Ausserordent- 
liche ; dat iss 'n Heidenwäder, das ist 

eine abscheuliche Witterung, Heiden» 

dreck, tiefer Schmutz, Heidenlärm, 

grosser Lärm. ) 

Heidecker, Potentilla Tormentilla. 

Heidebaor, Heilebaor, Heinotter S. 

Aodebaor. '.-vi« , ;->it4-> ryjüi&i t>i^ 

Heidenbest, arges Schimpfwort ' ■'* 
Heidenvolk, ein Schimpfwort für 
rohe Menschen. ■ jr* 

heidi gaon, davon gehen, wegflie- 
gen , verloren gehen. Es wird gebr. 
vom fortfliegenden Vogel, weglaufen- 
den Menschen, von fallenden und da-- 
durch verloren gehenden Gegenstän- 
den etc. Auch bildlich vom Verlust des 
Geldes durch verschwenderische Aus- 
gaben, Spiel u. dergl. Vgl. auch fleit'n 

gaon. 

Heidsnack, eine kleine sich in der 
Heide aufhaltende Schlange. 

Heidsnack, eine Art Schafe, die be- 
sonders in der Lüneburger Heide ge- 
funden wird. Sie sind klein, die untern 
Theile der Füsse u. die Ohrenspitzen 



80 



gind scliwarz, die Wolle ist schlecht, 
aber das Fleisch wird sehr geschätzt. 
Bekanntlich machte ein französischer 
Schriftsteller, als die Franzosen 1802 
das Hannoversche besetzten aus den 
Heidsnucken ein peuple sau vage. 
a*! Heigras heisst in einigen Dörfern 
die Pfingstweide, d. h. die mitPfingsten 
eröffnete Weide auf der Brache bei der 
Dreifelderwlrthschaft. Im Goth. be- 
deutet haitti die Weide; Heigras 
also ist die Grasung, welche als Weide 
dient. 

hei ji ? habt ihr ? Vgl. hebb'n. 

heikeln S. Eich'l. 

heillos, Bezeichnung d. Superlativs 
S. gefarlich. 

Heilt aH'n Schaoden, die A^istel 

(Viscum album). 

Heimbök, dieWeissbuche (Carpinus 
betulus), 

Helmk, Eeimelk, das Heimchen 
(Acheta). 

Heinotterblöm , der Hirtentäschel 
(Capsella bursa pastoris) Unsere Kin- 
der lassen eine Samenkapsel von dieser 
Pflanze durch einen ihrer Gespielen 
abpflücken und singen dann : hat 'ü BÜT 
'nSchink'nstaol'n. In andern Dörfern 
wird der Wiesenschaum (Cardamine 
pratensis) mit dies. Namen bezeichnet. 

HeioSS 1. ein grosser langer Kerl ; 
2. ein plumper grober Mensch. 

Heister, Hfester, Haster, die Elster 

(Corvus Pica); sie ruft: ick bin de 

Heister ! eck, eck, eck, eck ! 
heisterbunt od.^so bunt ass'n Heister 

wird vom Anzui-e gebraucht, an dem 
sich eine auffallende Farbenabwechse- 
iung befindet. 

llfel('40th. u. alts.hel), l.heil, ganz; 
Wedd'rhfel,wiederheilz.B.eineWunde, 
aber nicht von Innern Krankheiten im 
Gebrauch ; hei UD göt, ganz unversehrt, 



allhM hithj durchaus nicht, he lÖppt'O 
helen Dag rümmer, er läuft den ganzen 
Tag umher. Auch wird das Wort ad- 
verbialisch im Begriff von sehr gebr., 
't iss hM gOt, das ist sehr gut. '2. das 
Imperf, von holln, halten. 

hMbÖmig l.was noch nicht hinrei- 
chend getheilt ist, dattHolt iss noch to 
hMbömig, die Kloben des Holzes sind 
noch zu stark ; 2. körperlich unge- 
schickt und ohne Gewandtheit, 'n hcl- 

bömig'n Karl; he slög hMbömig hen, 

er fiel wie ein Baum nieder ohne dabei 
irgend eine Gewandtheit zu zeigen. 

HSler, Heller, ein verhältnissmässig 
kleiner Fischteich zum einstweiligen 
Aufbewahren von Fischen. 

Helft, der hölzerne Stiel eines Beils, 
einer Axt. 

Helljäger, der durch die Luft zie- 
hende wilde Jäger, auch als Schimpf- 
wort im Gebrauch. 

hellig, hellicht, hellerlicht, helle; 
bi helligen Dag , stao upp , 't iss hei« 
lichten Dag oder hellerlichter Dag, 

steh doch auf, es ist schon ganz helle. 

help'n (Pr.help, helpst ; Im perf. hulp, 
Part, hulp'n), helfen; tiif! ick Will di 
help'n! ein drohender Zuruf. 

Helpholl, Lärm und Aufsehen be- 
sonders über Kleinigkeiten ;maok man 

nich sonn Helpholl datüt, mache doch 

wegen der unbedeutenden Sache kein 
so gewaltiges Aufsehen. Davon das 

Verbum helphoU'n. 

heme, heim, nach Hause (selten im 

Gebrauch) will'n hfeme gaon. 

hendaol, herunter, hernieder. 

Henk, der Henke], Henkpott, Henk' 

korf, Topf, Korb mit einem Henkel. 

Henksei, der Henkel an den Klei- 
dungsstücken, mit denen sie angehängt 
werden, 

hSnn, hin, gaohSnn, geh hin, h6 iss 



81' 



hSnn, er ist dahin (wovon die Rede ist) 
gegangen, und : er ist todt, h5nn siH 
(von Sachen), untergegangen, zerbro- 
chen, stark verletzt sein; de Pött, de 

Stäweln, de Sto!, de Hamm' etc. sünd 
ök all wedd'r henn, die Töpfe, Stiefeln, 

Stühle, Hemden etc. sind aucl) schon 
vieder zerbrochen, zerrissen. Wird 
mit vielen Verbis wie im Nhd. zusam- 
mengesetzt, die der Kürze wegen über- 
gangen werden, 

hennto, hinzu, nao de Stadt hennto, 

stadtwarts. 

hennüt = herüt. 
heraff und raff, herab. 

Herrgottswörmk'D,Eerrgottsäönk'n, 

PÜthOD, PÜtWOrra helsst die Coccinelle, 
besonders die siebenpunktige. Dieser 
Käfer steht bei den Kindern in grossem. 
Ansehen, sorgfältig nehmen sie ihn auf, 
lassen ilinauf der Hand herumkriechen 
und auffliegen, wobei sie singen: Herr- 

gottswörmk'n fleg in'n Himmel, bring 
mi 'n Kringel, seggt min Vaoder un Mut- 
ter nich nao ; oder : Herrgottswörmk'n 
fleg nao'n Himmel, bring mi'n Stuten un 
Botterkringel ; od. .-Herrgottswörmk'n 
fleg nao'n Himmel, segg din Vaoder an 
Mutter, datt morgen un äöwermorg'n 
gödWäd'rwart. 
Herr Je! Herr Jfes S. Je. 

« 

hferkaom', bildet einen eigenthüm- 
lichen Pleonasmus in der Erzählung. 
Will man z. 1^ ausdrucken : er schlug 
mich, so heisst das bei uns : daokaom 
h6herunslÖgmi. Wie sehr die Bedeu- 
tung des Herkommens dabei verwischt 
ist, gellt daraus hervor, dass es auch da 
gebraucht >A'ird,wo es in einem Wider- 
spruch mit dem Folgenden steht z.B. 
na kämm ick her un ging weg. Dies soll 

nicht etwa hcissen, d:iss er erst von 
anderswo gekommen und dann weg- 



gegangen sei, die Redensart bedeutet 
nichts weiter, als : ich ging weg. 

Herr, der Hirte, kommt nur in den 
Verbindungen vor: Stöthen* (Pferde- 
hirte),K6herr(Kuhhirte). 

Herrndenst, Frohndienst, Hofei 
dienst. Das Sprichwort: Hermdenst 
geit Väör Gottsdenst bezeichnet das 
Druckende dieser ehemaligen Last des 
Landmanns. 

Herrschop , die Herrschaft d. h. die 
Familie des Hausherrn, im Gegensatz 
des Gesindes. 

H8rs', dieHirse; Grashers', dieGras- 
grUtze, Schwaden, preussisch Manna, 
Samen von Glycerion fluitans. 

Hört (goth. hairto, alts. herte), ganz 
kurz gesprochen : das Herz. Die nhd. 
Form Herz, meist gespr.Hetz dient 
bei uns zurAndeutung des innigen Ver- 
hältnisses zwischen Eltern und Kinder. 
Letztere nennen Vater u. Mutter nicht 
blos in der Anrede; sondern auch gegen 
andere Person.: He(r)zVaod'r, He(r)z- 
Mutter. Leider ist diese schöne Sitte 
fast ganz verloren gegangen. Dies ver- 
stärkende Herz findet sich auch in: 
herzensgöt, innig, herzlichgut; wobei 
die Verlängerung statt herzgöt (was nie 
vorkommt) zu beachten ist. Dieselbe 
Verlängerung findet man auch öfter bei 

Herzenvaod'r, Herzenmutter. 

Hertslag, Herz, Lunge und Leber 
von geschlachteten vierfüssig. Thieren 
besonders vom Kalbe. 

hertimm, herümmer, riimm, rtimmer, 
herum, will'n bät'n rümmerlop'n, 

herftt, hennüt, rüt, nüt, heraus. 

hesch, hfes'rig, heiser; ick hgff mi 
ganz hfcsch schrit ; alts. hes. 

Hesebessen, Hissebessen, Schimpf*^ 

wort für ein altes Weib, ct^-a: ciii'^ 
böse Xantippc. 

}, dieHauptsehneam Hintcrfusse 
ü 



82 



der Thiere und am Menschen ; davon 
inhessen, durch einen Einschnitt in die 
Haut diese Sehne vom Knochen tren- 
nen, um ein Stück Vieh mittelst eines 
durchgesteckten Holzes aufzuhängen. 
Im abgeleiteten Sinn bedeut.HeSS auch 
den untern Theii des hintern Ober- 
schenkels vomSchwein, eingescliätztes 
Essen im gepökelten Zustande. Auch 
bedeutet es den ganzen Fuss des Men- 
schen, ick smit di in 'd Hess'n. 

Hesp, Angelan Thüren, Fenstern etc. 
Hesphaok, d. Haken auf dem die Hespe 
sich bewegt. 

het (hie und da: heit), heiss. Sprich- 
wort: 't wät nich so hfet gat'n, ass 't 

nppdraog'ü iss, es wird nicht so 
schlimm, als es Anfangs erscheint ; watt 

ick nich wet, maokt mi nich hht alts. 

het. 

hfet'n (Präs. het, hest; Imperf. fehlt, 
Part, het'n) gth. heita, alts. hetan, heten, 
Iiat alle Bedeutung, des nhd. h e i s s e n. 

hl S. hott. 

hibbeln, hiwweln wird von Kindern 
gebr., die es nicht abwarten können, die 
Mutterbrust zu bekommen, oder wenn 
sie beim Anziehen Miene u. Bewegun- 
gen machen, davon zu laufen ; von Er- 
wachsenen gebraucht bedeutet es : bei 
einem Geschäftsich nicht die erforder- 
liche Zeit nehmen und sich übereilen. 
Wer dies thut ist ein Hibler. Adjectiv : 

hibblig, hibbrig. 

hickhack'n, streiten, zanken, in der 
Bedeutung schwächer als letzteres. 

Subst. Hickhackert. 

Hicker, Hickerken, die hervortreten- 
den Zähne zarter Kinder. 

Hild, die Raufe für Pferde, Schafe u. 
Ziegen. 

hiir, eilig ; t geit Mir, es ist viel zu 

thun, hiir Tid ; heff di hill ; je hiller je 
düUer, wenn man sich auch noch so 



beeilt, so finden sich doch allerlei Hin- 
dernisse u. Störungen. Sbst. Billigkeit. 

Hilgenland, Hilgenwisch, Acker, 
Wiese, die der Kirche gehören. 

hillig, heilig. 

Himm', das Hemde. 

Himmel dnsent zack'rmänt, ein star- 
kes Fluchwort, davon: Himmel dusent 
zack'rmänter, ein Mensch, den man mit 
diesem Fluch belegt, 

Himmelsvogg'l, d. Bläuling, ein Tag- 
schmetterling (Polyommatus). 

Himmels waog'n, der grosse Bär am 
Himmel. 

Himphamp , jeder Gegenstand , der 
viel Raum einnimmt ohne Nutzen zu 
haben und wackelig ist ;auch wohl von 
einem alten Hause gebr., das nicht mehr 

fest steht, watt sall de oll Himphamp 
hir noch rümm staon, slaog'n twei ; de 
oir Himphamp wät ök bald infalln. 

Himmt, Himmt'n, ein Getreidege- 

mäss, einen halben Scheffel enthaltend. 

Hind kommt nur in d. Redensart vor 

nich Hind nich Kind hämm, vielleicht 

ist Hind ein ausFiebezur Allitteration 
gebildetes Wort; andere erklären es 
für: Angehörige. 
Hingst, der Hengst. 

Hingsterbäsing , Hingstbäss'l, die 

Himbeere. 

hinn', gththindar, alts. hindan, hinten ; 
hfe iss hinn', er ist im hintern Theil des 
Hauses oder des Gehöftes. 

Hinnäck, der Vorname Heinrich; 
ro'n Hinnäck, der krause Sauerampfer 
(Rumex crispus). 

hinner, goth, hiridar, hinter. 

Hinnerkastel, dasGesäss, podex. 

hiss ! Aufmunterungswort für 
Hunde, M'enn sie gehetzt werden. Da- 
von hissen i . hetzen, hiss den Hund upp 
't Yft ; 2 . hetzen lassen, deSchaop hissen, 




8^ 



I 



die Schafe vom Hunde zusammen trei- 
ben lassen. 

Hitt, die Hitze, 

Höbbel, so heissen einige Wiesen in 
der Altmark. Hübbel bedeutet im Hol- 
ländischen eineErhühung, Unebenheit. 
Wahrscheinlich waren diese Wiesen 
früher uneben, als sie den Namen er- 
hielten. 

hochnäsig, hochmüthig, dünkelhaft. 

Höcht'r, Bewohner der Höhe, im 
Gegensatz der Wische. Vgl. Hügt. 

hoch-upp, giebt das Zeichen für die 
Personen, die Piahle einrammen, um 
gleiclizeiiig die Ramme zu heben, soll 
nach mehrern Stössen eine Weile ge- 
ruht werden, so ruft der Leiter der Ar- 
beit : hoch-npp un sett. 

Hock, ein Haufen Gras od. Heu, wie 
letzteres auf den Wiesen beim Trock- 
nen des Abends zusammengebracht 
wird, damit es des Nachts nicht zu sehr 
betliaue, vom Zusammenstellen der 
Korngarben ist es in der Altmark nicht 
im Gebrauch. 

hock'n, inhock'n, solche Haufen bil- 
den. Vgl. hau'n. 

HÖdjdieHeerde, nicht blos vom zah- 
men Vieh, sondern auch vom Wilde im 
Gebrauch. 

höd'n (Pr. höd, höttst ; Imperf. hödd ; 
Part. hütu. hütt) 1. hüten, datVfe, dat 

Hüs höd'n; ick will mi woll höd'n. 

2. abhüten, abweiden, de Stopp'l Wät 
hödt, das Vieh befindet sich auf der 
Stoppelweide. 

H5(d)r, der Hirte. Gewöhnlich wird 
auf d. Lande der Hirte nach dem Vieh 
genannt, das er auf die Weide führt. 
kö'r, Swfen, Schaop'r etc. Vergl. auch 
Herr. 

Höf, der Huf z. B. des Pferdes; HÖf- 
if'n, das Hufeisen. 

Höft , goth. hanbidu, 1. Haupt, vom 



Vieh gebr. und meist mit dem Worte : 
Vieh verbunden, 'n Höft Ve. Vom Men- 
schen scheint es nur in der Redensart: 
krank in 't Höft für: geisteskrank ge- 
bräuchlich zu sein u. in dem Ausdruck : 
von Höft to Fot, vom Kopf bis zu den 
Füssen. Im Alts, heisst höbhid (Genit. 
höfdes) der Kopf. 2. der Balken, in dem 
die Harkenzähne befestigt sind. 

Hoff für Bauergehüfte, hat im Plur. 
Häöw'. 

Hoffart will Pin lid'n ein Sprichwort: 
das von Dingen gebraucht wird, die uns 
lästig werden, woran wir aber selbst 
Schuld sind z. B. wer aus Modesucht 
unbequeme Kleidungsstücke anzieht. 

Höflattk, der Huflattig (Tussilago 
Farfara). 

höger, högger, Compar. von hoch. 
Bögt, die Höhe, Anhöhe, holt'n DiSCh 
'n Bat'n in d' Höcht, hebe den Tisch ein 
wenig auf. Der westliche Theil der 
Altmark, als Gegensatz von; deWiSCh 
heisst auch so; üpp de Hög't Wäon'o, 
nicht in der Wische wohnen. 

hojaon und hojapp'n, gähnen, ge- 
wissermassen hoch jappen. Die 
einfache plattd. Formrjaon' ist nicht 
mehr im Gebrauch. 

hoU, hohl; holk'n, ütholk'n = hohl 

machen, aushöhlen. Vgl. boll. 

Holla, bekannte Interjection. Man 
bedient sich dieses Worts auch zu einer 
Art von Entschuldigung, indem man 
sich dasselbe selbst zuruft. Auch gebr. 
man es, um dem Einreden Anderer 
kurzweg ein Ende zu machen, z.B. 

daobi blifftnn daomit Holla, kurz und 

gut, CS bleibt dabei. 

HöllenbSssen, ein arges Schimpf- 
wort, besonders für Frauenzimmer, 
die in ihrer leidenschaftlichen Wuth 
keine Grenzen des Anstandes kennen. 

II' 



84 



höllisch, alsBezelchnung des Super- 
lativs S. gcfarlich. 

hollögt, hohläugig. 

hoU'n (Pr. hol], hülst ; Imperf. hei u. 
hol; Part. holln)goth.holdan = halten. 
Laotdiholl'n, übereile dich nicht. Dat 

lett slck holl'n. De Naog'l holt, der 

Nagel sitzt festzu dem Behuf wozu er 
dienen soll. De Twäm holt, der Zwirn 
ist fest, reisst nicht leicht. fäÖrhoH'D, 
vorhalten , nicht schnell verschwinden. 

frisch Brot holt nich väör. Eben so 

von Nahrungsmitteln, die rasch verdaut 
werden, im Gebr. Das Subst. im Be- 
griff von Dauer, Festigkeit heisstHöll- 

nitz. Datt Want hat gar ken Höllnitz, 

das Tuch hält gar nicht gut. verholl'n, 

sick, sich verhalten. Datt verhölt sick 

nich so, das ist nicht so beschaffen. 
Holster, Reisetasche, Jagdtasche. 
flolmk, Hormk, die Hornisse. 
Holt 1. Holz ; 2. Gehölz. Ad j. holten 

u. höltern ; holten Tttffel, Holzpantoffel. 

holt'n, mit dem Holze im Walde be- 
schäftigt sein. 

Holter - polter, Holter • di • polter, in 

seuier Bedeutung eine Art von Inter- 
jection, durch dessen Gebrauch man 
irgend ein starkes Gepolter, oder pol- 
terndes Geräusch bezeichnen will. 
Vgl. hulfer de buller. 

Holtbörg, S. Bürg. 

Holtfim, S. Fim. 

Höltk'n, Surhöltk'n, wilde Birnen 
«nd Apfel, dann auch jede Art von 
schlechten und kleinen Äpfeln und 
Birnen. Von andern Obstarten ist das 
Wort nicht im Gebrauch. 

Holtmark, ein Gartenunkraut, (Ra- 
nunculus repens). 

Holtslaog, S. Slaog. 

Homeist'r, Homeir, für Hofmeister, 
heisst auf grossen Landgütern und be- 
sondersauf deren Vorwerken der, wel- 



cher die Aufsieht über Knechte und 
Mägde, auch wohl über das Ganze eine 
Art von Aufsicht hat. Er vertritt häufig 
die Stelle eines Verwalters, Davon ho« 
meistern = etwas tadeln und besser als 
andere wissen wollen. 

Hön, alts. ebenso, Plur. Hön'r, Dimin. 
Hönk'n — das Huhn u. die Henne. Das 

Sprichwort: Klök Hön'r legg'n 6k in'n 

Nettel wird gebraucht, wenn Jemand, 
der für klug gehalten sein will, arge 

Verstösse macht. Wi hämm' noch 'n 

Hönk'n to pltick'n bedeutet so viel als : 
wir haben noch eine Differenz zwi- 
schen uns auszugleichen. Mit d'Hön'r 
to Wim gaon, früh zu Bette gehen. 
honack'n = haonäökeln. 

Hönerglow' S. Äöwerglow. 

Hönernettel S. Nettel. 

Honnig, der Honis;. Man unterschei- 
det Schibenhonuig u. Semhonnig. Der 
erste ist der sogenannte Jungfernhonig 
d.h. wenn der Honig sich noch Inder 
Zelle befindet, noch nicht ausgelauf. ist 
Der ausgelaufene oder ausgepresste 
Honig dagegen heisst Semhonnig. 

HonnigstuU S. Stull. 

Höp'n, Hüp'n, Dimin. Hüpk'n =^ der 
Haufen ; 'nHÜp'nLüd', eineMengeMen- 
schen; 'nHÜp'ntodÖnhemm', viel Ge- 
schäfte haben. Die Form Höp wird nur 
dann gebraucht, wenn sie mit der Prae- 
positionto verbunden wird u. aissub- 
stantivisches Adverbium steht (Gr. 
Gr. 3, 149) ; all to Höp, alle zusammen ; 

to Höp kaom'n, to Höp löp'n, to Höp 

hangen, zusammen kommen, laufen, 
hangen: toHÖpkaom' bedeutet auch: 
in Streit, Zank gerathen. S. auch hÜp'S. 
Hoppas, eig. Interject. wofür auch 
Hopps im Gebrauch ist, ein Ermunte- 
rnngs wort zum Sprung, wird meisten- 
theils substant. gebraucht als : Fehltritt, . 
Versehen, auch für unangenehme Vcr- 




85 



legenheit. dat WaSS 'n HoppaS, das war 

ein Fehler. Dao här 'n duUet Hoppas üt 

warn kunnt, ans dem Versehen hätten 
schlimme Folgen hervorgehen können. 
Davon das Verb. hoppaSS'n. 
Hopp'n, der Hopfen. 
Hoppstang (ng ist blosser Nasenlaut), 
die Hopfenstange. 

Hopphei, Hoppheiken 1. der Inbe- 
griff aller Habseligkeiten eines ärmern 
Mannes; 2. Anfsehen , Lärm, maok 

doch Dich so'n Hopphei um de Saok, 

mache doch nicht einen so grossen 
Lärm wegen der Sache. 

Hör,Hnre. höm, huren. Hömbalj, 

niedriger Ausdruck für Hnrkind. Die- 
ses Hurkind bedeutet tropisch auch die 
Obstsorten, die sich schwer unterschei- 
den lassen. 

hork'n, horchen, lauschen. 

hör'n 1. hören, 2. geboren, zugehö- 
ren, dat hört mi ; 3. Sickhörn (im per- 
sonell) sich ziemen, sich gebahren; dat 
hört Sick nich. Nicht selten wird tanto- 
logischnoch gebüm hinzugesetzt: aSS 

sick dat hört an gebart. Sick amhcr'n, 

Erkundigungen einziehen; hör di mal 

danao am. Damit ist verwandt üthör'n, 

ausfragen, aushorchen, verhör'n, l. et- 
was falsch hören, da hast di Verhört ; 
2. sich etwas Memorirtes hersagen 
lassen, um sich zu überzeugen, dass es 
dem Ciedächtniss anvertraut Ist. Verhör 

mi enns den Sprach. 
Hormk S. Holmk. 
flo(r)st, Plur. Hö(r)st'r, ein mit Holz 

bewachsener Plan, der höher liegt als 
seine Umgebungen. Bei Salzwedel ist 
eineBökhorst, Borghorst, wanderliche 

Horst als Abtheilungen der Stadtforst, 
Swtnshorst, ehemals auch mit Holz be- 
sfcuiden. 

Hört, die Hürde 1. ein Flechtwerk, 
um Obst darauf z II trocknen j 2. d. Um- 



hegung im Freien, zur Uebernachtung 
einer Schafheerde. 

hosten, husten. Ick will di wat 

hosten, wenn man Jemandes Bitte mit 
halbem Unwillen abschlägt. 

Hot, Plur. Hod', der Hut. 

höt, sehn eil, h u rti g. Lop höt to, lauf 
schnell. ^ 

Hotker, Hotjer, der Hutmacher. / 

Hott! ein Zuruf derLandleute, wenn 
d. Pferde nach rechts gehen sollen, nach 
links hin heisst : tül, auch hi od. naoSCh. 
Hott an tili Sprichwort im Sinne von : 
hin und her. 

Hott-jÜ und Hott-tO, Zuruf an die 
Pferde zum Weitergehen. 

Hottepärd, das Pferd, in der Kinder- 
sprache. 

hott'n, ein aus hott gebildetes Zeit- 
wort, kommt nur in der Redensart vor : 
't will nich recht hott'n, es will mit der 
Sache nicht recht fort, sie wird nicht 
genug gefördert. 

How', die Hufe Landes, alts. houa, 
Plur.Höw'. 

Höww'l S. Huw'l. 
hachein 1. heucheln. 2. Stammwort 
von sick inhacheln, gebr. v. Menschen, 
die empfindlich gegen die kalte Witte- 
rung sind, sich in schützendeKleidung 
einhüllen. Im abgeleiteten Sinne wird 
es auch von Kindern gebraucht, wenn 
sie spielend sich in Kleidungsstücke 
oder ins Bette einhüllen und die Geber- 
den eines Weichlings nachahmen. Im 
Sinne von unanständig lachen kennt 
man es in der Altmark nicht. 

Hack, das Zäpfchen im Halse, de 
Hack iss SChaoten bedeutet das Ange- 
schwollensein des Zäpfchens. Um dies 
zu heilen, zieht man einige Haare im 
Scheitel (Warw'l) ziemlich stark in die 
Höhe ; das nennt man : de Huck OpptÖD. 

Huckeback S. Hack upp. 



86 



huddern, dasGefühl d. Kälte empfin- 
den, datt iss huddrigWäd'r; 't issmi 

so hnddrig. Stärker im Begriff ist 
schuddern (S. unten). Verwandte 
Worter sind dörchteo, durchziehen, 
dÖrchgriSSeln. Grisselnist mit rieseln 
dasselbe Wort, dÖrchgrisseln bedeutet 
demnach das eigenthümlicbe Gefüiil, 
wenn sich durch dieNerven ein Rieseln 
zieht. Sehr nahe verwandt mit srisseln 
ist grasen, aber stärker im BegriiT, es 
druckt dasGrausige, Schauderhafte aus. 
Hcirt man die Erzählung einer scheuss- 
lichcn Mordthat an, so heisst es : datt 
iss gräsig, wie das nhd. grässlich, grau- 
sig, grusseln (Subst. Gruss'I) Hegt in 
seiner Bedeutung zwischen grisseln 
und grasen, also nicht ganz so stark als 

letzteres. Err ! datt grusselt mi recht 

dörch bezieht sich mehr auf dasGefüijJ, 
das man beim Erzählen des Schauder- 
haften empfindet, grasen aber auf die 
That selbst, ohne Rücksicht auf die 
Nervenaffection. 

hüdig S. hüt. 

HÜk, nennt man die kauernde, ho- 
ckende Stellung eines Menschen, wenn 
er den Oberschenkel so tief als möglich 
herunterzieht. Es bedeutete nach 
Adelung früher so viel als Winkel, 
Ecke. Wer in de HÜk Sitt bildet mit 
dem Kniegelenk u. dem Oberschenkel 
einen Winkel. DasVerbum hük'n be- 
deutet mit in de HÜk Sitt'n dasselbe. 

hül'n S. unter lau'n. 

huller de buller, eine Art Interject,, 
besonders das Rasche im Handeln aus- 
drückend. Von einem fleis«jigen und 
gewandten Arbeiter sagt man, wenn er 
sichtbar seine Arbeit schafft: dat gcit 

mit am huller de buller, wobei jedoch 

immer der Nebenbegriff verbunden ist, 
dass er bei seinen Arbeiten mit grosser 
Lebhaftigkeit zu Werke gehtj auch 



steckt häufig der NebenbegrifF des 
Uebereilten darin. 

Hülp, die Hülfe. . 

Hüls', die Hülse z.B. der Getreide* 
korner. Beeren, Weintrauben etc. 

Hummel S. Schummel. 

Hummelk, die Hummel, grosse Die- 
nenart. 

humpeln, liinken, krankhafte Füsse 

haben. Duhumpelstjo, wathast deuu 

an de Föt ? = du gehst ja lahm, hinkend, 
was fehlt denn deinen Füssen. Humpler, 

Hümpler. 

Humpelfix S. Foss int Lock. 
hump'lig, etwas lahm, hinkend; dU 
geist jo so hump'lig, du lahmst ja. 
Hund, Plr.Hunn'. Sprichworter: hh 

iss bekannt, ass 'n bunten Hund = Je- 
dermann kennt ihn. - Kaom ick äöwem 
Hund, kaom ick ök äöwem Swanz = 

habe ich die grössere Schwierigkeit 
überwunden, wird es mit der kleinern 

leicht. Hunn' piss'n unFrünsltid wen', 

wenn 's Will'n. Eigenthüml. Hunde- 
namen sind: Wasser, Strom (Hunde, 
die mit diesen neuhd. Namen gerufen 
werden, können nicht behext werden), 

Hoffmann, Feldmann, Wächter, Fuchtel, 
Funk, Lustig, Slaovondi, Fix. Holten 

Hunn' heissen die jetzt nicht ofc mehr 
vorkommenden Flachsbraken,andereu 
Stelle Maschinen getreten sind. Man 
konnte, wennmitihnengearbeitet ward, 
dasGeklappe derselben, das Aehnlich- 
keit mit dem Hundegebell hatte, sehr 
weit hören. 

Hunnblaff S. blafTn. 

Hunnschit od. Olln HunnSChit, pöbel- 
hafter Ausdruck für eine abschlägliche 
Antwort, im Sinne von : nein, 

Hunbedden S. Stenkaomer. 
iKunger, Hungerblöm, die Kornblume, 
auch der Same der Blume (Centaurea 
Cyanus), heisst auch Roggenbldm. 




Hnngerpoten süg'n, sprichwörtlich. 

Ausdruck für: ärmlich und kümmer- 
lich leben, Hunger leiden. 

Hnnn'draf, ein kurzer Trab, wie bei 
den Hunden. 

hnnnert, hundert, 'nhunDerterfif= 
etwa 5C0. 'n hunnerter watt, einige 

hundert. \'gl, Diioler. 

Hunn'ques' (Titt'nwif in d. Süd-Alt- 
mark), die schwarzbraune langharige 
Raupe der Bärvögel (Nachtsclimetter- 
linge). Man glaubt, dass der welcher 
barfuss auf eine solche Raupe tritt, da- 
von eine Qnese bekömmt. 

Eunn'qufes' u. Hunntäk, die Zeche, ein 
Insect, das sich mit d. Kopfe ganz in die 
Haut einbohrtund voll Blut saugt. Es 
schwillt vom Blut stark an u. ist nur mit 
Mühezu entfernen, da derkleineKopf 
ungemein fest in der Haut sitzt. 

HÜp'n S. Hop'n. 

htip'n, häufen ; hupig, häufig; dage- 
gen hüp'nig, hupendig, voll gehäuft, 

übervoll. 

hüpeln, häufen, behäufen ; 2. ein Kar- 
tenspiel treiben, wobei so viel Haufen 
gebildet werden, als Mitspieler sind. 
Hupp-Upp 1. der Wiedehopf (Upupa 

Epops) auch Wuppupp, Kuknksköster, 

Hapk genannt ; 2. ein vom Holze abge- 
zogenes Stück Weidenrinde, das an 
einem Ende dünn geschabt und breit 
gedrückt wi rd, wod urch sich die Seiten 
nähern. Ein beliebtes Blaseinstrumcnt 
unsererKnaben, das in einigen Gegen- 
den der Altmark auchFÖp heisst, eine 
grössere Föpe heisst im Süden Trarat. 
Wird ein solcher Huppupp als Mund- 
stück in einen abgekürzt, aus Weiden- 
bast gerollten Hohlkegel gesteckt, wo- 
durch beim Blasen ein tieferer Ton ent- 
steht, so heisstdies Instrum. Schalmei. 
Hupp-app u. Föp sind beides Wörter, 
die den hervorgebrachten Ton nach- 



87 

machen. Beim Anfertigen des Hupp- 
upps, zu der Zeit, wo der Saft zwischen 
Bast und Rinde am reichsten ist, singen 
unsere Knaben, während sie den Wei- 
denstock rund um sanft klopfen : Hnpp* 

app, Hupp-npp Bastiaon, laotdatSapp 
int Holte gaon, laot 't wit weg gaon, 
laot 't bald wedder kaom, laot 'n Hupp- 
npp (Föpe) wgrn, laot d' Fleit verberb'n. 

In andern Dörfern singen sie: FipC, pipc 

Bastiaon ! laot de Fleite göd afgaon, 
laot se göd nao 't Holte gaon, laot se 
göd werrer kaom. Dao kämm de ollen 
Draoken mit dat witte Laoken, will de 
ganze Welt bedecken, kenn nich 
äöwer 't Waoter recken. Ach de lewe 
Sunn', schin doch düsse Stunn', schin 
doch upp de Fleiten raff, denn gaon se 
göd äff, göd äff, göd äff! Oder.Sapp, 
Sapp,Sid,baow'nupp'nWid satt 'n oll 
Hex mit twe Kinnern, den en'n gaff se 
Botterbrot, dat anner slog se mitKul 
dod ; Kättken lep nao'n Berg herupp, 
haolt'nMund vollSapp heraff; assse 
wedder runner kämm ging'n alle Föp'n 
un Fleit'n äff Oder: Klopp, klopp'n 
Staoken, wi will'n Fleit maoken. De 
Katt de lep nao'n Berg heran, ass se 
werrer runner kämm, dao här de Fleit 
afgaon, af- af- afgaon. 

HÜr,die Miethcdie Pacht. Watgifst 

du Hur vor den Gaorn, wie viel Pacht 

zahlst du für den Garten, to Hür sitt'n, 

zur Miethe wohnen. 

hurndrücktdas neuhd.miethen und 

pachten aus. Hö hätt sick 'fl Knecht 

hurt. Im Englisch, bedeutet to hire 
auch: für Lohn dingen. Verhüm, ver- 
miethen. sickinhurn, sich eine Woh- 
nung miethen. 
HarlÜd, Leute, d. zur Miethe wohnen. 

HÜS PI u r Hüser, das Haus, goth. hus. 
Dimin. HÜsk'n. 

HÜsbacken Brot, ist dasjenige Brot, 



88 



das im Hause gesäuert u. als Teig zum 
Bäcker gebracht wird. Gegensatz von 

Bäckerbrot. 

Husch l.ein kurz anhaltender star- 
ker Regen, dat wass 'n gö den Husch. 
2. Schläge. dU kriggst Husch, du be- 
kommst Prügel. Verb. hUSCh'U, schla- 
gen, prügeln mit denComposit. affhu« 

sch'n, dörchhusch'n. 

HÜSdrink'n, schwaches Bier, 'k hSff 
man Husdrink'n, watt ick di nich väör- 

sett'n kann, ich habe nur schwaches 
Hai'sgetränk. 

HüshÖllerSCh, die Haushälterin. 

Huslök, Hauslauch (falsch: Haus- 
laub) (Sempervivum tectorum). 



hut, heute ;alts.hiudu.htidig, heutig; 

hüdigeuDaogs iss 't noch so, jetzt ist es 

noch so. 

Hütentüt, auch mit dem vorgesetzten : 
Dockter; Spottnameeines Arztes. 

HÜtik u. Hüting, das Rothschwänz- 
chen (Sylvia Tliytis u. phoenicurus). 
Letzterer spricht : Hut dick-dick-dick. 

Hüttsch, die Fussbank. 

Hüw', die Haube; unner d' Hftw' 

kaom'n, verheirathet werden. 

HÜW'l und HöWW'l, der Hobel des 
Tischlers. Davon hüweln, Hftw'lbank, 

Hüw'lspön etc. 



JL« 



*' ichtS, ichtens kommt in derAltm. 
hur noch vor alsAdverb im Begriff von ; 
einigerraassen. Wenn 't ichtenS geit, 
SOkaom ickhenn. Auch erscheint dies 
Wort mit dem Pronomen relativum u. 
interrogativ, weck (welcher). ichtS- 
weckbedeutetquidam,aliqui. Zuwei- 
len kommt auch ichtswatt =aliquod, 
quoddam vor. 

ick oder 'k, goth. u. alts. ik, Pronom. 
der erst. Person, Dat. u. Accus. ini,Plur. 
Nom.wi, Dat. u. Accus, uns. Ein Gen. 
ist nicht im Gebrauch. Wird bei Fragen 
das Pronom. allein gesetzt, so sagt man 
nicht selten icke. Im Alts, wird dies 
Pronom, ebenso wie im Plttd. declinirt, 
der Accus. Plur. heisst alts. us. Ausser- 
dem hat das alts. noch einen Duah Ste- 
hen die Pronom. ick, du, se hinter dem 
Zeitwort, so verschmelzen sie mit dem 
Verb., so dass aus ick, sfe ein 'k, 'S w i rd : 

watt do'k, watt seggt's, lop'n's all = 

was thue ich, was sagt sie, laufen sie 
schon ? die 2.Pers. wird meist unbeach- 
tet gelassen : watt maokst? was machst 



du? Bei den Verbis sollen, wollen, 
sagen llndet eine noch grössere Ver- 
schmelzung statt im Praes. u. Imperf.: 

watt sack (schak) = was soll ich ? dtitt 

WOk 6k = dies wollte ich auch; datt 
döggt nix, Säk = das taugt nichts, sagte 
ich. Diese Zusammenziehung gilt bei 
den beiden ersten Verben nur von der 
ersten Person, bei dem letzten auch von 
der dritten : SäS = sagte sie, Sä'r = sagte 
er, wobei das r auffallend ist : auch säst 
— sagtest du, kommt vor. Ick wiU di bi 
mit folgendem Verbum ist eine ganz 
eigenthümliche Redeweise. Wenn Je- 
mand zu einem andern, der gegen den 
ersten in einem wirklichen oder ge- 
glaubten abhängigen Verhältniss steht 
z. 13. der Sühn z um Vater, der Kneclit zu 
seinem Herrn, eine Bitte, eine Behaup< 
tungetc. ausspricht, u. der Anhörende 
damit unzufrieden ist, und seinen Un- 
willen darüber zu erkennen geben will» 
so wiederholt er das Verbum mit dessen 
Bedeutung er unzufried. ist, so dass er. 
demselben : ick will di bt vorsetzt. 




89 



Beispiele : Ein Sohn bittet seinen Vater 
um dieErlaubn., heirathen zu dürfen; 
ein Knecht wünscht auszugehen und 
z.B. Fische zu angeln, so drückt der 
Vater, der Herr seine grosse Unzufrie- 
denheit damit drohend so aus; IckwHl 
di bi frin — fischangeln mit oder ohne 

den Zusatz : du sast maol Sfen in dem 
5inne: das thue einmal u. du sollst selien 
was daraus hervorgeht. Auch greift 
der Drohende wohl sofort nach dem 
Stock und belohnt den Antrag mit kör- 
perlicher Züchtigung. Denselben Sinn 
hat das kürzere : Watt? frin ? — fisch^ 

angeln ? 

!d'I auch 11 alts. idhl =laiiter, rein, 
unvermischt. Dat is id'l Geld. H5 itt 
id'I Flesch oder U itt dat Flftsch id'l, er 

Isst das Ffeich ohne Brot oder ohne Ge- 
müse. Dat stind id'l Läög'n. Wird das 

Wort mit einigen andern zusammen- 
gesetzt, so spricht man es wohl ihler 
(das! wird kaum gcliort) aus: ihlei- 
iest, allerihlerbest, ein verstärkter Su- 
perlativ: der beste; ihlerletzt aucli 
allerihlerletzt=zuletzt, der allerletzte. 

II (lang i), der Egel (hirudo) ; daher 
IlpÖl, ein Pfuhl, in dem sich viel Egel 
befinden. Sprichwort : he SÜppt ass 'n 
II von starken Trinkern. Bemerkens- 
werth ist die Namcnsverwechselung 
von Egel und Igel imPlattd. II ist 
offenbar das zusammengezogene Igel 
U. bezeichnet den Egel, dagegen heisst 
der Igel (das vierfüssige mit Stacheln 
bekleidete Thier) Swln-Egel. 

II (lang 1), die Eile; il'n, eilen, Adj. 

ilig. 

Her S. idel. 

Ilöf, der Epheu(Hedera Helix) auch 

Ivenbläder. 

Ils'u.Ilsbeth, Elisabeth. 
Imm', Plur. ebenso, die Biene. 
Immker, der Bienenwirth,Zeidler. 



Immlcorf) der Bienenkorb, Bienen^ 
stock. 

Imm'schÜr, Blenenscliauer. 

Imm'wnlf S. unter Windracker. 

in. Diese Präposition wird auch ad- 
verbialisch in der Redensart: inslnee- 
braucht statt : zu Hause sein. H6 is in.'^ 

in-twei, entzwei, zerbrochen ; von 
twfe, zwei. Vgl. auch unteren. 

inböt'n S. unter böt'n. 

inbünzeln S. unter Bünzel. 

indem l. sogleich, soeben; ickwill 
indem gaon, ich will so eben wegge- 
ken;l>.bemahe; ick här indSm ftlllcn, 
beinahe wäreich gefallen. 

indränk'n in der Redensart : datt Will 
'k di indränk'n, bedeutet:auf eine em- 
pfindliche \Wise Jemanden für einen 
Fehler strafen. 

indräp'n, eintreffen, zutreffen. • 

indrusseln S. unter drusseln. ' 

Infall, Einfall. HS hat Infäll' ass 'n 

olt HÜS sagt man von Äusserungen, die 
nicht den Beifall der Zuhörer haben. 

infaom, infaomtig, entfaom, ent- 

faomtig = demlatein. infnmis, verab- 

scheuungswerth, 'tissjo 'ttintfaomten 

Karl ist ein viel stärkeres Schelt\^'ort 
als : ein schlechter Kerl. 

infäöm' S. unter fäöm'. 

Ingedöm, das ganze Eingeweide 
beim Schlachtvieh; 2. der gesammte 
Hausratli. 

ingrämsch und isegrimmsch, sehr 

grämlich, verdriesslich. 

ingrimmeln S. unter grlmmeln. 

inhuddern, Sick, sich einhüllen um 
sich z. B. vor Kälte zu schützen. 

inhÜS'n, in der Ernte allein zu Hause 
bleiben ; im Süd. heisst das innehö'D. 

inkacheln, den Stubenofen zu stark 
heizen. ^' 

inkälk'n, kälk'n, das zur Aussaat be- 
stimmte Getreide, besonders Weizen, 

12 



90 



Ciit einer Brühe aus Kalk, Salz, Gauche 
etc. bestehend begiessen, wodurch der 
Meinung nach der Weizen vor dem 
Brande (Smitt) geschützt wird. 

inkik'ni, hineinsehen. Laot mimit 

inkik'n sagt der Schüler, der sein Lese- 
buchvergessen hat, zu seinemNachbar ; 
2. sehen, wie sich Jemand befindet ick 

will man 'n Bäten inkik'n, ich will mich 

nur erkundigen, wie es euch geht. 

inklapp'n, einschlagen, die Hand Je- 
mand, so geben, dass es klappt. Klapp 
in beim Viehhandel dient zur Ermun- 
terung, dass der Verkäufer das Gebot 
annehmen, oder der Käufer das Gefor- 
derte geben soll ; wenn der Handschlag 
erfolgt, so ist derHandel als geschlossen 
zu betrachten. 

inkniw'n, sich ungeschickter Weise 
mitdemMesser(Knif) eine nicht unbe- 
deutende Wunde beibringen, 
(,■ inkrig'n S. krig'ji. 

inkrüp'n, inlöp'n l. hinemkriechen ; 
2. einlaufen, von gewebten wollenen 
Stoffen, die beim Feuchtwerden zu- 
sammenkriechen. 
ß inkül'n S. Kul. 
V Inledd', von led, lid = Kleid, Decke 

also : die innereDecke ; ist der Theil der 
Federbetten, in dem sich die Federn be- 
finden; über dem Inledd befinden sich 
die Bür'n, t^ie Ueberzüge. 
inlunk'n S. unter Lunk. 

in-mern, ferner; an so in mern, und 

so weiter. 

innuck'n drückt den Übergang vom 
wachenden Zustande zum Schlaf aus = 

de Ög'n fallen to. 

inns, einmal. 

inrämm', eigentl. einrammen, kommt 
nur im bildlichen Sinne vor. Datt wiU 
ick di inrämm', ich werde solche(harte) 
Mittel anwenden, dass du dessehwohl 
eingedenk sein sollst. 



: insack'n S. sacken. 

Insaog, Einsage, Einspruch. 
inschenk'n, einschenken. Sprichw.: 

De kann sick watt inschenk'n,'der kann 

gehen, nachdem er seine Sachen 
schlecht gemacht hat. 

InSChott (von Schott = Schuss), ein 
plötzlich eintretender Schmerz, beson- 
ders in der Hüfte und der Wirbelsäule, 
der am Bewegen des Körpers hinder- 
lich ist. Ick kr^g mit änmaol 'n Inschott 
intKraz. 

inslaon, S. slaon. 

instaon, eingestel en. 

instipp'n, S. stipp'n. 

intreck'n, einziehen, z.B. in pine 
Wohnung. 

Inwäöner, der Einwohner d. h. der 
keine eigene Wohnung hat, sondern 
zur Miethe wohnt. 

Is (lang i), Eis. Das Adj. isig wird 
auch tropisch von unangenehmen Ge- 
fühlen gebraucht: dat geit mi so tsig 
dörch,, sagt man, wenn man von einer 
grausen That erzählen hört. Glattis 
wird auch sprichwörthch gebraucht: 
He fort di np't Glattis, er verführt dich 
zu einer unrechten That, aus derGefahr 
für dich hervorgehen kann; auch: er 
betrügt dich, führt dich an. 

isdräönig werden Weizen, Äpfel 

etc. genannt, die in der Überreife ein 
glasiges Ansehen haben und dadurch 
ihren Werth verloren haben. 

Isegrimm kommt bei uns nur als 

Sclieltwort vor: du bist 'n oUcn Ise- 

grimm, du bist ein finsterer, mürrischer, 
unzufriedener Brummbär. 

Isen, das Eisen. H^ is von Isen nn 

Staol , er hat einen gesunden , festen 
Körpcr,so dass er mehrals eingewöhn- 
licher Mensch abhalten kann. 



9f 



m ■ 

l^r^^'n, Verbum, das Eis anfliauen und mit Zorn. Von dem Verb, iwemund 

^» fortschaflen. dem Ad ject. iwiig gilt dasselbe. Eifrig, 

isern, eisern ; alts. isarnin. thätig bei der Arbeit wird nicht durch 

IsertÜg, eiserne Geräthschaften jeder iwrig gegeben, sondern entwed. durch 

Art. das nlid. eifrig oder umschreibend : ho, 

itzlich S. etzlich. is recht dachinner hSr, oder: h5 geit 

Iwer, der Eifer, im Zustande der recht drupp los. 

Aufregung, daher fast gleichbedeutend 



Jachel, das alte Schaf, im schelten- He jankt glik, Wenn em 'n Finger weh 



dem Sinne. 

jachtern Fequentat. von jagen, be- 
deutet da'; lärmende Spiel kleiner Kin- 
der, wenn Erwachsene allerlei Kurz- 
weil mit ihnen treiben , also lärmend 
umherspringen,ausgelassen lustig sein. 

■ Jack, de Jack ütstöw'n S. wams'n. 

' Jack'nfett, Schläge, Prügel. 

jackern, ütjackern Intensiv, v. jaog'n, 
tadelndes Wort für einen Menschen, der ^^;^ ^j^, gl'eichgültig bleibende Zeuge : 
öfter ausreitet mit dem Nebenbegriff, hejapptnochsoeben. Desselben Aus- 
dass das Pferd nicht sonderlich ist, und 
dass der Reiter nachlassig auf dem 
Pferde sitzt. 



deit. 2. Verlangen, Appetit, Sehnsucht 
nach etwas haben. 

jappen, auch jappsen = den Mund 
öffnen um nach Luft zu schnappen. 
Wenn der Fisch ausser und in dem 
Wasser im Sterben begriffen ist und das 
Maul immer öffnet, so jappt hh noch. 
Aiich von sterbenden in den letzten 
Züsen liegenden Menschen sagt beson- 



jackig wird von dem gewöhnlichen 
Käse, besonders dien sogenannt. Hand- 
käsen gebraucht, wenn sie getrocknet 
zumGähren eingepackt sind und dann 
sich mit einer krausen, weichen, fast 
zerfliessenden Oberfläche bekleiden. 
Diese weiche Substanz lieisst: de Jack. 



drucks bedient man sich auch von Men- 
schen, die nach einem starken Lauf fast 
athemlos geworden sind : hfe knnn küm 
noch japp'n. Zum »Grunde liegt der 
Naturlaut: Japp. 

jaul'n wird besonders von Kindern 
gebraucht, wenn sie unaufhörlich wei- 
nerlich gestimmt sind, schwächer im 

Begriff als : wfen. Dat Krabb' jault ök 



Jagd wird auch von Zank u. Streit Ümmerweg. In einigen Dörfern lautet 

dies Verbum: schraul'n. Auch von 
jungen u. an der Kette liegenden Hun- 
den im Gebrauch, wenn sie lange an- 
haltend heulen. 

jaog'n, verjaog'n bed. ausser dem 



gebraucht. Dao iss all wedder Jagd 

sagt man z. B. wenn Mann und »au 
sich öfter laut zanken. 

Jahannjöm und Hanschöm, Johann 

Joachim. 



Jammer bedeutet auch dieEpilepsie, nhd. jagen, verjagen auch erschre- 



•Krämpfe zarter Kinder. 
JanMd, Johann Friedrich. 
Janhinneck, Johann Heinrich. 
jank'n l. klagen, stöhnen, ächzen. 



cken und zwar in einem stärkern 
Sinne als dieses. 

Jaogsi, der an einer Stange befestigte 
Flederwisch, womit die Drescher beim 

12* 



9Ö 



Worfeln dfes Korns den Sptfeuvondem 
Korn abfegen. 

Jäök, das Joch des Ochsen. 

jäök'n, jucken. DePnck'l jäökt gm, 

eristUbermüthiguiid wird Schläge be- 
kommen. Vgl. krinzeln u. schrinn'. 
Jaor, das Jahr; jäörig, ehijährig, 'ü 

jäörig Swin. 

JäÖr, gleichbedeutend mit Krabbe, 
eui kleines Kind, meist mit einem ta- 
delnden Nebenbegriff. Auch von Halb- 
erwachsenen gebraucht, wenn sie für 
ihr Alter im Wachsen zurückgeblieben 
sind. 

Je ! Jes ! Jemens ! Jemin^ ! Interjec- 

tionen der Verwunderung, auch der 
Klage. Im ersten Fall wird ihnen nicht 

selten ein Herr vorgesetzt : Herr Je, Herr 

J(S (aus Jesus zusammen gezogen) 
dasselbe bedeutet : Herr Jeram) ; soll es 
aber Klagewort sein, so setzt man : ! 
auch wohl : Herr vor. 

jfeder-fen, j6dwerfen= jedermann. 
j8m, jtim S. unter emm. 

jen'n. Das demonstr.Pron. der drit- 
ten Person kommt im Plattd. nicht vor, 
man gebr. dafür de, datt. Wenn man 
in den Städten imPlttd. die Form j6n'n 
gebraucht, so ist sie aus dem Nhd. her- 
übergekommen. Die vielleicht einzige 
Ausnahme ist die acht plttd. Redensart ; 
lippjeil'llSid' = auf jenerSeite, aber nur 
\^om Orte gebraucht. Daraus ist ein 
Adverb, des Orts; jcüt entstanden = 
dort, jenthgnn, jenther=dorthin, dort- 
her. Der Begriff in dem jent ist aber 
noch allgemeiner als in dem dort. Man 
sagt; hh iss jenthen ohne damit einen 
bestimmten Ort zu bezeichnen, es be- 
deutet oft nur so viel als ; er ist ausge- 
gangen. Eben so ; hfe iss jcnthcr = er 
ist aus der F^erne ; dao jent bi 't Dörp = 
da in einiger Entfernung (auch wohl ; 



auf der entgegengesetzten Seite) beim 
Dorfe. 

jimm S. emm. 

jitzund,jitzunner, jetzt. 

JO, eine Partikel, dietheilweise dem 
neuhd. ja entspricht. Sie wird gebr. 
1. zur Verstärkung eines Begriffs. Datt 

is jo nixBos' ; he mag jo, das traue ich 

ihm nicht zu. 2. als Begleitung einer 
Bitte, Drohung etc.: dat du mi jO niX 
SeggSt; dö dat jo nich. 3. alsBegkitung 
einer Meinung, Vermuthung, Hoff- 
nung, eines Zweifels. He wät jO Wol 

kaom'n ; du bist jo nich klok ; wenn't 
jo sin mütt. 

Joch'n, Joachim. — Hans • Jocheu- 

Winkel heisst der nordwestliche Theil 
der Altmark. Joch'n ist auch ein Schelt- 
wort mit dem Nebenbegr. der Dumm- 
heit : oll' Joch'n. Bullerjoch'n, ein Pol- 
terer. Däömeijoch'n, wer ohneÜb«-- 
legung handelt oder spricht. J^ *■ 

Jöp, ein Kleid, das wegen zu grosser 
Weite dem Körper nicht anpassend ist, 
Adj. jöpig. De Rock sitt recht jöpig. 

JU, alts. ebenso; die abhängig. Casus 
im Plural von; du, so wie der Plural in 
allen Casus von: din (dein). Sämmt- 
liche Pron. poss. sind sowohl im Sing, 
als Plur. wahre Indeclinab. Nur im Dat. 
u. Accus. Singuh wird nicht selten ein 
'n angehängt : ju'u Hund, euren Hund. 

jü und jü-hü! Zuruf an die Pferde, 
wenn sie vorwärts gehen sollen. 

Jüch (von Jauche?) jedes Getränk, 
das zu schwach, oder wegen verflüch- 
tigter Kohlensäure unschmackhaft ist, 
besonders vom Bier gebraucht, stärJver 
als schäl und Klaoritch. 

jUCh'n u. juchei'n, Juch oder Juchhei 
rufen; jauchzen u. dabei laut schreien. 

Juch'n , as upp'n Bürhochtid. Yerju- 

chei'n, verjubeln, sein Geld bei Lust- 
barkeiten durchbringen. 



^3 



IK . * jnck^In, reiten, besohflers, wenn es 
^m ganz kunstlos geschieht, oder das Pferd 
nicht dressirt ist. 

Jucks 1. Schmutz, 2. Scherz, kurz- 
weilige und lügenhafte Erzählungen, 
denen man das Unwahre leicht ansieht. 
jucks'n 1. beschmieren, besudeln, 
beschmutzen. 2. aufschneiderische u. 
' lügenhafte Reden führen. tOJUCks'n, 

beschmutzen. 

Jülk, Jölk, das Schollkraut (Cheli- 
doniimi malus). 

^ Jumfer Sibold oder Jumfer Lischen, 

dii Libelle, einelnsectengattung, wird 

auch Schillebold, Spinnjumfer, Brut- 

haomelmaDn genannt 
jtiin S. emm. 

jümmer, ümmer, immer. 

Jung, Substant., unterscheidet sich 
in der Ansprache vom Adject., dassbei 
dem Substant. das g nicht gehört, der 
Nasenlaut aber bleibt. Es wird eben so 
gebraucht, wie im Neuhd. Ausserdem 



bedeutet es noch 1. einen Lehrling, 
2. einen Kleinknecht. Ueber die Di- 
minutivform Jüngelken siehe unter Og. 

Jungvolk, junge Leute, Gesinde, ^i 

jüntweg'n S. dintweg'n. 

just, justement, (letzteres ganz so 
zu sprechen, wie es geschrieben ist) = 
gerade, eben, recht. Ick kämm jUSt tO 
ISaot, ich kam gerade zur rechten Zeit. 
Der letzten Form bedient man sich 
auch, um ein verstärktes Ja auszudrü- 
cken. Auf die Frage: hast dudatt all 
sehn, daon etc., hast du das schon gese- 
hen, gethan? hört man nicht selten die 
Antwort.'justement im Sinn von: aller- 
dings ja ! Just im Engl, hat dieselbe Be- 
deutung, 't iss justement nich so 
SWaor, äÖW'r etc. = das ist nun gerade 
nicht so schwer, aber etc. 

Jütt (verkürzter Name für : Judith) 
kommt nur als Scheltwort vor : Jumfer 

Jütt, dumme albern Jütt = einfältiges 

Frauenzimmer. 



K. 



'k, ich ; Sa'k, sagte ich. 
Eabach, ein altes schlechtes Haus. 

kabbeln, kawweln, sick, sich zan- 

ken, .iber im BegriiT schwächer als 
dieses. 

Kabbeli, Zänkerei, Wortwechsel. 

kabolz'n l. beim Fallen stark tönen 
z. B. wenn ein Gegenstand laut tonend 
von der Treppe fällt; 2. von Kindern 
gebraucht bedeutet es : sich hin und her 
wälzen, im Bette oder auf der Erde. 
Kabolzen SChet'n, Burzelbaum spielen, 
M'ird hie u. da auch Kopheister SCh^t'n 
genannt. 

Kabftz, ein kleines enges Häuschen, 
häuiiger ein kleines Zimmerchen, oder 
ein abgeschlagener Raum für eine Bett- 
stelle. 



Kachelaob'n, ein aus Kacheln zusam- 
mengesetzter Ofen. 

kack'n, cacare; Kack, der Koth; 
Kackstöl, Nachtstuhl; Kackhtts, der 
Abtritt. 

Käd, die Kette. 

kaddeln, zerschneiden, mit einem 
Tadel des Ungehörigen,Uegeschickten 
begleitet; kaddlig, schlecht geschnit- 
ten ; Verkaddeln, d urch Schneiden einen 
Gegenst. verderben. Wenn der Knabe 
einen Versuch macht, sich eineSchreib- 
feder zu schneiden, kommt aber damit 
nicht zu Stande, so dass er die Feder- 
spule ganz verdirbt, so heisstes : hfehat 

de P6s' ganz verkaddelt. 

käddern, nur von der Milch gebr., 



w 



wenn sie beim Aufkochen käseartig 
zusammenläuft. Vgl. kfes'nu. rönn'. 

- Käddel, der Kitzel ; käddeln, kitzeln; 
käddlig, kitzlich. 

Käd'i, Kao(r)I, der Vorname Karl. 
o^Kaff, die Spreu beim Dreschen des 
Getreides; tropisch ein Gegenstand 
ohne allen Werth ; datt iss man Kaff, 

das taugt Nichts; hö hat Geld ass Kaff, 

er ist reich. 

Kaiser-Königskrön, die Nachtkerze 
(Verbascum Thapsus). 
■ ' -kalasch'n, derb durchprügeln, vgl. 

kiaranz'n. 

KaldÜn, Kaidaunen. DieGymnasia- 
sfeii'^fn Salzwedel werden von den 
S^raSäenbub. nicht selten KaldÜnsluk'r 

genannt. 

kalennern. Der gemeine Mann kann 
sich häufig nicht im Kalender zurecht 
finden und sagt dann von dem, der das 

versteht: he kann kalennern. b ,tJÄl 
Kalf PI. Kälw'r, Dim. Kälwk'n, goth. 

kalbo, alts. calf, das Kalb; bist'n Kalf, 
du bistfUr dein Alter sehr albern. Kalf- 
fleSCh, Kalbfleisch. 

kalfaktern, rummkalfaktern; eigent- 
lich den Calefactor spielen, wird gebr. 
■von Jemandem, der nach allem in der 
Wirtlischaft sieht, durch Zimmer und 
Ställe läuft und in beständiger Thätig- 
keit ist. j^;.«l 

kälk'n S. inkälk'n. ." 

Kalmank, eine früher v.'iLandmann 
viel getragene Art Wollenzeug. 

'^ kalmtisern, klamüsern, in der Stille 

seinen Gedanken nachhängen, oder 
durch Versuchen etwas zu Stande zu 
bringen suchen und so auf Resultate, 
sowohl richtige als falsche gerathen; 
Jiast nn rüt klamüsert? fragt man Je- 
manden, wenn] er etwas Schwieriges, 
Verwickeltes zu lösen sich beschäftigt 
und ans Ziel gelangt ist. Ahnlich im 



Begriff ist affklawim und ütklawftm. 

Sie unterscheiden sich so : beim Klamü- 
sern wird das Resultat durch mannig-, 
fache voraufgegangene, nicht selten 
vergebens angestellte. Versuche ge- 
wonnen, dieser Nebenbegriff fehlt bei 
affklawern, wo es besonders auf Zu- 
sammenstellung der Gründe, die für 
oder wider eine Sache sprechen, an- 
kommt, und daraus das Resultat ge- 
wonnen wird. 

Kalör, Klör, das franz^ couleur; auch 
tropiscli für Art, Beschaffenheit; datt 
issnichminKlBr, das ist nicht die Art 
von Menschen, mit denen icli verkehre, 
Menschen von solcher Gesinnung, Le- 
bensweisen, s. w. liebe ich nicht. 

Kälw'rkropp, ein in Grasgärten viel- 
fach vorkommendes Doldengewächs 
(Chaerophyllum silvestre). 

kalwern S. dalwern. 

Kammerdök, eine sehr feine Lein- 
wand, die von Cambrai, wo sie beson- 
ders gut gefertigt ward, den Namen hat, 
war früher ein Hauptputz des weibl. 
Geschlechts, besonders zu Schürzen. 
Vor mehrern Decennien hiirte man 
nicht selten den Tanz mit folgenden 
Reimen von den Tanzenden selbstbe- 
gleiten : Tanz mit mir, tanz mit mir, ich 
hab' ne bnnte Schürze für; Mit mi 6k, 
mit mi 6k, mine iss von Kammerd6k. 

Es zeigt sich in diesem Gesänge eine 
eigenthüml. Abwechselung desNhd. 
micdemPlttd. M.in kann sich die Sache 
als einen Wechselgesang denken, die 
erste Hälfte singt ein Mädchen hoch- 
deutsch, die letzte Hälfte ein anderes 
plattdeutsch. 

KamöU'n, die Kamillen, nur im Flur, 
gebräuchlich (Matricaria Chamomilla). 

Kamp,.ein grosseres oder kleineres 
Stück Feld, befriedigt od. unbefriedigt, 
Ackerland oder Holz ; Eckerkamp. 



95 



Kamp 1. ein Instrument, das dem 
Hornvieh um den Hals gelegt wird, 
um das Sielenzeug zum Ziehen daran 
zu befestigen. Davon ankämp'ü das 
Hornvieh atispannen. 2. das männliche 
Schwein, der Eber. Kämpborg S.Borg. 

Kan^I, die Zimmtrinde. :n;! vr^: 

kanöndick, knüpp'ldick, in hohem 

Grade besoflen. 

Kann'geter, der Zinngiesser. 

Ranker, die Spinne, auch das Ge- 
webe derselben. 

Kant, die Kante, Ufer der Gräben. 
-Das Sprichwort npp de Kant Sett'n, be- 
deutet auch tropisch so viel als: Geld 
erübrigen u. beilegen. DerPlur.Kant'tt 
bedeutet auch geklöppelte Spitzen. 
Y^rkantig, vierkantig, viereckig, wird 
.auch von jedem Dinge gebraucht, das 
in seiner Art recht vollkommen und 

derb ist; datt iss 'n vferkantigen Jung, 

das ist ein starker, kräftiger Junge. 
Herscht derBegrifl' des Derben vor, so 
bedeutet es auch so viel als : grob. 

käntern, schelten u. schlagen, denn' 

heff ick käntert, den habe ich derb aus- 
gescholten, auch wohl geschlagen. Im 

Begrift' verwandt ist feistem, fenstem 

u. ttfeistern, das aber elften geringern 
Grad desScheltens mit dem Nebenbe- 
grÜT des Davon Jagens ausdrückt; töf 

man, ick will di feistem ! m arte, ich 

werde dich gewaltsam davon jagen. 
Denselben Begriff drückt stänz'n aus 
, (S. unten). Noch schwächer ist fßg'n ] 
ick will difßg'ndrücktnürdasVerjagen 
aus, doch so, dass eine Strafdrohung 
darin liegt. Fegen heisstnach Adelung 
ursprünglich so viel als schlagen, wel- 
cher Begriff sich noch in Ohrfeige er- 
halten hat. Statt feistem sagt man hie 

u. da auch fenstem; käntem von Kant 

abzuleiten, also wohl eigentlich: ein 
Holz zu scharfen Kanten behauen. 



Kanthaok'n, eigentlich ein grosser 
eiserner Haken, kommt nur in der, Re- 
densart vor: en bi'n Kanthaok'n krig'n 

im Sinne von: ergreifen, anpacken, 
beim Kragen fassen. 

KantUSCh, eine Jacke für Männer u. 
Frauen, die über die Hüften reicht; 
wird selten mehr gehört. i 

kapem&m , verderben , zerstöret, 
hängt mitkaputt(S. unten) zusammen. 

kapitteln, ntkapitteln, ausschelten, 

derb den Text lesen. 

kapittelfest sin bedeutet 1. etwas 
Memorirtes fest d. Gedächtniss anver- 
traut haben, jdePrest'r iss kapittelfest 
sagt d. Landmann, wenn der Geistliche 
ohne Ängstlichkeit und Anstoss seinen 
Vortrag hält. 2. fest bei der einmal an- 
genommenen Meinung und bei seinem 
Willen beharren, si kapittelfest, zeige 
Charakter. 

kapores Adv. = kaputt. 

kapp'n, bedeutet auch: Jemandem 
durch Worte hart treffen^, stärker als 

dräp'n (treil^n),de hat mi draop'n, der 

hat mir versteckt etwas Unliebes, 
gleichviel ob es wahr oder falsch ist, 
gesagt ; hfe hat mi kappt, er hat sich mit 
Worten an mich gewandt, die einen 
herben Tadel enthalten, indem er seinen 
Unwillen nicht verbarg. 

Käps'l, jede Kopfbedeckung mit dem 
NebenbegrifTdes Schlechten. 

kapün, Verb., castriren, zumKapaun 
machen. 

kaputt als Subst. eine kurze Jacke 
mit Ärmeln; als Adj. verdorben, nicht 
mehr im Zustande der Integrität; de 

Rock, de Stöi iss kaputt; kaputt 

maok'n, zerbrechen, zerstören. He iSS 
ganz kaputt l. mit seiner Gesundheit 
sieht es schlecht aus, 2. er hat seine 
Körperkräfte nicht mehr, 3. er ist 



% 



banquenitt. Vom Vieh gebraucht be- 
deutet es so viel als krepilt. 

Kar, der einrädrige Schiebkarren; 
für einen zwei- oder vierrädrigen Wa- 
gen wird es bei uns nur gebr., wenn 
es denselben als einen schlechten, ge- 
brechlichen bezeichnen soll ; gewohn- 
lich sagt man denn ; oll' Rumpelkär. — 
Spinnkär, Spinnrad, Wullkär, Wollrad. 

karanz'n (selten kuranz'n), tüchtig 

durchprügeln, stärker als slaon. 

Karaosch (seh wie das franz. gc ge- 
sprochen), das franz. courage ist ganz 
ins Plttd. übergegangen. 

karjoln, krajoln, karjöln i. im Wa- 
gen herumfahren mit dem Nebenbegriff 
des Nutzlosen. 2. wird es von Kindern 
gebraucht, die aus tjbermuth sich im 
Bette hin und her wälzen, dabei jauch- 
zend und singend allerlei Kurzweil 
treiben. Ankarjöln, Jemanden anreden 
mit dem Nebenbegriff d. Unzufrieden- 
heit des Angeredeten darüber. 

Ka(r)kasS , die weibliche Köpfbe- 
deckung, nur im tadelnden od. spotten- 
den Sinne gebräuchlich, 

Karl, der Kerl, hat nicht immer den 
tadelnden Nebenbegrift' des Nhd., son- 
dern wird auch oft in einem guten 

Sinne gebraucht, datt iss noch 'n Karl 

ist ein Lob in dem Sinne: das ist ein 
tüchtiger IMann. 

karlsdüU, heirathssüchtig. 

Ka(r)nick'l, das Kaninchen. 

Karret, der Wagen, insofern er 
schlecht oder unmodisch ist. 

ka(r)SCh, frisch, stark, kräftig. Ein 
Kind mit kräftigen, runden Muskeln 
heisst 'n karSCh Kind, ein Apfel, der 
nicht zusammengeschrumpft oder zu 
mürbe ist, heisst karsch. 

KarÜtSCh, die Karausche, ein Süss- 
wasserfisch (Cyprinus Carassius). 



Kaschaol l. die Kalteschale, 2. sau- 
bere, schone Geschichten im ironischen 
Sinne. 

kaschelirn (sehe wie das franz. ge), 
schmeicheln, hätscheln, das französ. 
cajoler. 

kaschnnkeln (in einigen Gegenden : 
kassümpeln), auf einem Fusse hüpfend 
sich fortbewegen. 

kasperaot, desperat, ärgerlich, ver- 
driesslich, so dass sich diese Seelen- 
stimmung durch Worte u. Handlungen 
stark äussert, stärker als ärgerlich. 

KäSSher, die Kirsche, der Baum heisst 
ebenso und auch Kässpelböm. 

Kastannig, Kristanje, die Kastanie 

(Aesculus Hippocastanum). 

Kästelt, Kastitt S. Stakett. 

Kätl, der Kessel, goth. katils, alts. 
ketil. 

kätihaorig, em pfindllch, leicht ärger- 
lich werdend, kurz angebunden. 

Katiss'nbök, der Katechismus. 

katölsch, ärgerlich, verrückt. Ist 
Jemandem eine Sache sehr unange- 
nehm, so dass er sich darüber ärgert, so 

sagt er : datt Iss jo katölsch to warn. 
Katt, PI. Katten, Dim. Kättschk'n, 

gewöhnlich KättSCh'n, die Katze. Der 

Reim : watt 'n spaort vör'n Mund, datt 

frittKatt Un Hund bedeutet, dass man 
durch irgend einen Unfall um Esswaa- 
ren gekommen ist ; ass Katt Un Hund 
läw'n, in stetem Streit und Unfrieden 
leben, besonders von Eheleuten gebr. 

Wenn de Katt nich to Hüs is, denn 
danz'n de Mus' upp'n Disch bedeutet : 

ist die Herrschaft abwesend, so treibt 
das Gesinde (Kinder) unnütze Dinge. 

He maokt 'n Gesicht, ass wenn de Katt 

dunnern hört drückt das Verziehen des 
Gesichts vor Schreck, Schmerz u. s. w. 

aus. He geitdaovon, ass de Katt von' 

Duwenslag, er geht weg ohne Abschied 



97 



zu nehmen, oder : ohne sich um etwas 
zu bekümmern und seine Sachen in 
Ordnung zu bringen, 

Katt&ker S. Eker. 

KattenkeS, dh rundblättrige Malve 
(Malvfl rotundifolia). Vergl. Haos'n- 

pöppel. 

Kattenklimmer, der aus den Stein- 
obstbäumen ausschwitzende Harz. 
Vergl. Kläw'r. 

Kattenstöl, der Pilz im Allgemeinen 
(Fungi). 

Kattenswans , der Windhalm 
(Agrostis spica venti). Vgl. Haorfleit. 

kauderwälsch, unverständlich, sprick 

nich so kauderwälsch. Davon das Ver- 

bum kanderwälsch'n ; watt kauder- 
wälscht du all wedder? was sprichst 

du da wieder für unverständliches al- 
bernes Zeug. 

Rauk, d. Dohle, (Corvus monedula). 
wendisch: kauka, ein naturnachahmen- 
des Wort. Ausserdem helsst dieser 
Lieblingsvogel unserer Kinder KlaoS 

und Taolk. 

kauk'n, eine Stimme, wie die Doh- 
len hören lassen. 

kaa'n, käuen ; da kaust jao so hoch 

sagt man zu Jemandem, dem das Essen 
nicht schmeckt. Bildlich gebraucht man 
es auch in der Redensart: dao sast dU 
WOl ankau'n, das soll dir zu beenden od. 
zii lösen wohl schwer werden. Nao- 
kau'n, eines andern Worte spöttisch 
nachsprechen. 

kawweln S. kabbeln. 

Kaob'n , der Koben für Schweine, 

auch Swinskaob'n. 

Kaod'r, Räöd'r, das Unterkinn, Dop- 
pelkinn, besonders von gut genährten 
kleinen Kindern im Gebrauch. 

Kaoj'n S. Grcbn. 

kaok'D, kochen, von Käök, d, Küche, 



KäÖk'SCh*) dIeKöchin. Das Frenquent. 
kädkern wird von Jemandem gebr., der 
sich mit Kochgeräthen am Feuer be- 
schäftigt ohne es zu verstehen od. dazu 
berufen zusein. 

kaokenig, kaokendig, kochend helss ; 
kaokendig Waoter. 

Kaokende, der Acklei (Aquilegia 
vulgaris). 

kaokeln drückt das Gackern der 
Hühner aus, wenn sie ein Ei gelegt 
haben. 

käökeln, plaudern, schwatzen mit 
dem Nebenbegrlff des Langweiligen ; 
KäÖkelf, langweilGeschwätz ; KäÖkler 
der langweilige Erzähler; Käökellis' u. 
KäÖkeltrin, langweilige Plaudertasche. 

käöklig wird fast nur vom Anzüge 
gebr., wenn er geschmacklos bunt Ist; 

de Dern hat sick recht käöklig an- 
treckt, der Anzug des Mädchens Ist 
überlüden bunt und geschmacklos. 
KäÖkeri, schlechte Art des Kochens, 

sonn KäÖkeri döcht nicks, das Ist eine 

schlechte Art und Weise die Speisen 
zu bereiten. 

Kaol, Pl.Kaol'n, Käöl'n, die Kohle; 

ick Sitt ass Upp Kaoln sagt man, wenn 
man nothgedrungen irgendwo ver- 
weilen muss z. B. die Hausfrau, die 
einen Besuch erhält, deren Gegenwart 
in der Küche aber nothwend ig Ist. 2. als 
Adj. bedeutetes kahl, Kaolkopp. Der 
Kohl (Brassica) heisst hier nur Kohl. 
Kaom, Käöm, der Kahm auf dem 

Essig u. dgi. Adj. kaomig, käömig. 

kaom, Verb. (Im perf. kämm u. kern, 
Imperat. kumm, Part, kaom) kommen ; 

kümmsthüt nich kümmst morgen rufe 

man dem zu, der zu langsam bei seinen 
Arbeiten ist oder der ausgeschickt zu 



*) Die Enrliuig in zur Bezeichnung des 
weiblichen Geschlechts kennt man im 
iUtmärkischeu Plattdeutscli nicht. 

13 



98 



lange ausbleibt ; to pass kaom, zur ge- 
legenen Zeit kommen. 

Kaom, goth. kaarn 1. das Korn, col- 
lectivisch ; 2. der Roggen. Das einzelne 

Korn heisst Käöm ; Adj. käömig, de 
Rogg iss so kleinkäörnig, der Roggen 

besteht aus zu kleinen Körnern. Räörn 
ist auch so viel als : Kern, Appelkäöm. 

käöm, köddem, (alts. quedan :::= spre- 
chen) hat seine eigentliche Bedeutung 
von plaudern in der Altmark grössten- 
theils verloren und wird hauptsächlich 
nur von Kindern gebr., die anfangen, 
die ersten artikulirtenTöne hervorzu- 

bf Ingen, dat Km(d)keii käört all so 

schön ; dann bedeut. es auch auswählen, 
küren, besonders das Adject. käörsch, 
wählerisch. Das Substant. Käörhat sich 
nur in Käörkaowel , die beste ausge- 
suchte Holzkabel, erhalten. 

Eaort, die Spielkarte und Landkarte, 
in der ersten Bedeutung auch Kaor^en 
(im Plural). 

kaort'ü, Karten spielen. 

Käösel 1. dieTabackspfeife; 2. ein 
schlechtes kleines Häuschen, in diesem 
Sinn auch das Dimin. RäÖSelk'n ; 3. ein 
Kind, das sich beschmutzt hat, wofür 
man auch BrÖSS'l gebraucht. 

Kaot, ein Bauerhäuschen und zwar 
ein solches zu dem kein Acker od. doch 
nur sehr wenig davon gehört. Der Be- 
sitzer einer solch. Kaot heisst Käötner, 
in alten Urkunden Kater auch Köter. 
Der Gegensatz vom Käötner ist de Bür, 

Hofwärt, seine Gebäude bilden den Hof. 
Zwischen beid. steht Koster, Kossathe, 
in Urkunden Kothsatt. Ursprünglich 
hat der Koster unmittelbar bei seinem 
Hause eine Wort d.h. 3 bis 4 Stücken 
Acker. Ausser dem angegebenen Be- 
griff wird der Ausdruck oll Kaot von 
jedem in schlechtem baulich. Zustande 
sich befindenden Gebäude gebraucht. 



In einigen Theilen der Altmark heisst 
derKäthner auch Biinksitter von Brink, 

ein grüner Platz. In dpr Redensart : h§ 
iss von BÜrn, er ist vom Lande, im Ge- 
gensatz von derStadt, istBÜrim weitern 
Sinne genommen. Unsere Kinder sin- 
gen : Bür iss'n Bür, Schelm von Natur, 
Bür iss ken Eddelmann. 

Kaoter, der Kater, Mann der Katze. 

kaoterern, rummkaterem, m 1 1 ei n er 

gewissen Hast das Bestehende umän- 
dern und Anderes an die Stelle setzen, 
sowohl im Kleinen als im Grossen. 

KaoWjKäÖW, der Husten u. Schnu- 
pfen, Adj. käÖWSCh, das auch von einer 
Krankheit der Schafe gebraucht wird. 

Kaow'l 1. dasLoos; 2. das was Je- 
mandem durchs Loos zugefallen ist; 
3. der Anthell, die Portion, wobei der 
Nebenbegriff des Losens ganz wegfällt. 
So heisst die Portion Butter, Speck und 
dgl. die in den grossen Wirthschaften 
den einzelnen Mädchen und Knechten 
bei einer Mahlzeit zugetheilt wird Kao* 

wel. 

kaoweln, losep, losend vertheilen. 

Kaowt, ein kleines hölzernes Gefäss 
mit Handhabe zum Wasserschöpfen, 
Futtern d. Schweine ; kleiner alsTubb'n. 

Kein, eine Art vonFlachs, der beson- 
ders in den Dörfern am Drömling ge- 
bauet wird ; er reift früher, ah der ge- 
wöhnliche u. wird des Samens wegen 
hauptsächlich gebauet, aus dem die 
Landleute ein Öl pressen und dies zum 
Essen verbrauchen, 

keddeln u. kiddeln— kitzeln. 

Kejack, die Luftröhre der geschlach- 
teten Gänse. (Laut nachahmend.) 

Keif, ein schlechter Hut. De grOWWe 
Karl behölt sin Keif Upp, der Grobian 
nimmt seinen Hut nicht einmal ab. 
Wird auch Deckel genannt. 

keifein u. kenfeln = polternd herab- 



■p 



99 



oder herunterfallen. Dat JäÖr iss VOn 

d' Trepp runner keifelt. 

keil'D, sickjsich lierum wälzen. Kleine 
Kinder keil'n sich im Bette, im Grase. 

Davon Nestkeil, Nestkuk'n = das zu- 
letzt ausgenommene u. im Wachsthum 
meist etwas zurückgebliebene Junge 
von Vögeln, das sich also noch eine Zeit 
lang im Neste keilt; übertragen auf den 
Menschen bezeichnet man damit das 
jüngste Kind einer Familie, auch : ein 
neugebornes Kind. 

Kfen 1. als Subst. der Kien. 2. Adj. = 
keiner; kenCD, nicht einer. 

Kenbtitt, Klenruss ; sollte eigentlich 
K^nrnSSblltt heissen ; Butt ist ein Gefäss 

wie in Theerbutte etc. 

Kehr, die Kehr im Neuhd.nur in Zu- 
sammensetzungen : Rückkehr, Ein- 
kehr etc. gebräuchlich, to Khl gaOD, 
lärmen, toben, sich sogeberdeu, als ob 
man alles umkehren wolle. Üt deKSr, 
vom nächst. Wege abM'elchend. Fragt 
Jemand, ob der Weg nach einem Orte 
führt, so heisst es wohl : Jao ! äöwer hfe 
18 dt de Rer= der Weg führt zwar da- 
liin, ist aber weiter. Ganz Üt de Kei 
drückt einen besonders langen Umweg 
aus. Gao mi üt de Ker, geh mir aus dem 
Wege, damit ich nicht nothig habe, 
vom kürzesten Wege abzuweichen. 

Kfeper, der Köper. 

KSrk, die Kirche ; alts. kerika. 

K6rw', die Kerbe. 
Kerw'l, der Kurbel (Chaerophyllum). 

KfeS, der Käse; an o eis. u.alts. kese. 

KfeskrÜt u. Pöppelke^ die rundblätt- 
rige Malve (Malva rotundifolia), von 
der Käseform des Samenkuchens. 

kfes'n 1. gerinnen, von der Milch ge- 

bravicht, so viel als käddem. de Kaffee- 

mglkiSSkfes't oder kfesig, die Milch ist 
käseartig zusamniciigelaufen. Statt 
kösig sagt man von der Milch auch : to- 



sammenI6p'n, tosammenrönnt. 2. tro- 
pisch von der blassen, kranken Ge- 
sichtsfarbe des Menschen, dn Stist JO SO 

kesig üt oder : du sEst jo Üt, ass Kes un 
Bottermelk. 

Ketzer, ein an einem halbkreisför- 
migen Rahm befindliches Netz zum 
Fangen der Fische. 

kibbeln u . kiwweln, sick i. sich strei- 
ten, so dass es beim Austausch der Mei- 
nungen schon ans Empfindlichwerden 
grenzt, zanken ist für den Begriff 
noch etwas zu stark. Es involvirt dieses 
Wort noch, dass man beim kibbeln sich 
innerlich ärgert, was bei kabbeln nicht 
der Fall ist. Daher 2. sich ärgern, ohne 
es sich merken zu lassen. Vgl. kabbeln. 

Kibbelbleck, ein Raum, um den viel 
Zank, Streit geführt wird. 

kiddeln S. unter kitzeln. 

Kif, Vorwürfe, Schelte. Klf krlg'n, 
nicht so stark als Schelte bekommen. 

kifo, keifen, tadeln, schelten. 

Kifköter, ein kleiner stets bellender 
Hund. 

Kik, ein kleines achtseitiges Gefäss 
aus Messing mit vielfach durchbroche- 
ner Oberseite, in welches ein irdenes 
Gefäss mit glühenden Kohlen gesetzt 
ward. Die Frauen aus dem Bütger- 
stände Hessen sich ein solches in die 
Kirche bringen, um sich gegen dieKälte 
zu schützen. Die Wärmflaschen und 
Fusskörbe haben dies Gefäss gänzlich 
verdrängt. 

Kik - int • Ei, d ieMeise(Parus major). 

kik'n, (Pr. ick kik, du kickst ; Imperf. 
ick kek ; Imperat. kik ; Partie, käk'n) = 
sehen, mit dem Nebenbegriff der neu- 
gierigen Annäherung des Kopfes nach 
dem Gegenstande. Kik npp'n Oisch, 
Scherzwort, ein kleines K in J, das noch 
nicht auf den Tisch sehen kann; ktk 
äöwer't Hecken nennt man scherzweise 

13' 



lÖÖ 



auch die Buchgrütze, weil nach der 
Meinung des Volks zur Verdauung 
derselben gewissermassen nicht mehr 
Zeit erforderlich ist, als um über ein 
Hecken zu sehen. To dep in't GlaS 
klk'n, sich betrinken Sprichwort : Fle- 

Sehers Dochter kickt üt Strumpweber 

sin Finster, der Strumpf hat ein Loch. 
affkik'n, absehen, durch aufmerksames 
Beachten der Art und Weise, wie Je- 
mand eine Arbeit fertigt, sich dieses 
Verfahren zu eigen zumachen suchen ; 
von Schulknaben gebraucht, bedeutet 
es, in d. Nachbars Geschriebenes sehen, 
um es zu benutzen. Föttk'nkik'r,Spott- 
name für einen Mann, der sich um die 
Geschäfte der Frau, besonders in Kü- 
chenangelegenheiten mehr als passend 
ist, bekümmert. 

kik in de Welt, ein reines Subst.= 
ein junger unerfahrener Mensch. 

Kik'r, ein Fernglas, en'n npp den 

Kik'r hebb'n, sein Augenmerk auf Je- 
manden haben, so viel als möglich ihn 
im Auge behalten, weil man ihn einer 
tadelnswerth. Handlung für fähig hält. 
He hat 'n göd'n Kik'r, er hat ein scharfes 
Auge, im eigentlichen und tropischen 
Sinne. 

Kiks Un Käks, eigenthümlicher Aus- 
druck, in dem Sinne von : ganz und gar. 

De wet von Riks an Käks nich, sagt man 

z. B. von einer Hausfrau, die nichts von 
der Hauswirthschaft versteht. 

kik'l kaok'l, adverbiallsch gebr., ist 
die häufige Antwort, wenn man ein 
albernes, nichtssagendes Geschwätz 
wicht weiter anhören will, gewisser- 
massen ein Hühner Gekaokel. 

Kil 1. der Keil, zum Spalten; Sprich- 
wort : upp'n growwen Klotz hört 'n 

growwenKil, grobe Menschen müssen 
grob behandelt werden; 2. jedes keil- 
förmige Ding z.B. Zeug, das zum Er- 



weitern dfer Kleidung eingesetzt wird, 
der Zwickel im Strumpf, ein spitz zu- 
laufendes langes Ackerstück etc. 

kil'n 1. keilen, einen Keil einschla- 
gen; 2. grob schlagen. Hfe kUt gUk 
dmpp los, er schlägt sogleich darauf 
los. 

Kim, der Kiemen der Fische. 

Kimm, die Kimme, Kerbe; den Be- 
griff einer scharf vorstehenden Erhö- 
hung kennt man in der Altmark nicht. 

Kin, der Pflanzenkeim. 

kin', alts.kinan, gth.keianu. kehian, 
keimen, von Pflanzen ; de TüfTeln kin' 
all, die Kartoffeln treiben schon Keime. 

Kind, Plur. Kinner, das Kind. Yäöl 
Kinner, väöl Vaterunser, ist gleich die 

Zahl der Kinder gross, so findet sich 
doch für sie immer das Nothdürftige. 

He hat nichHind nich Kind oder: nich 

Kind un Kegel , er ist kinderlos. To- 
brachtkinner, Stiefgeschwister, nicht: 
Stiefkinder. Von einem hässlich aus- 
sehenden Menschen oder Dinge sagt 

riian sprichwörtlich: Dao schali man 
wol de Kinner mit to Bett jaogen. Rin- 
ner un Kälwermaot mütt'n oU' Lud' 

Weten, d.h. Erwachsene wissen am 
besten, was Kindern dient. Kinner ÜB 

oir Lud' seng'n d' Waorheit, Kinder u. 

akeLeute können nicht gut etwas ver- 
schweigen Gott bewaor doch jedes 
Mutt'r Kind (d. h. jed. Menschen) väör 

Sonn Unglück. 

Kinkerlitz'n , Flausen , Blendwerk, 

Täuschung, 

Kinnelber, ^chmaus bei der Taufe 
eines Kindes, wobei Bier (Ber) die 
Hauptsache ist ; seltener : Rindop. 

Kinneldök, Windel, Wickeltuch. 

Kinnerk'n, Diminutiv von Kind. 
Man spricht auch Rindk'n. Vergl. über 
die Diminutivformen unter Og. 

kinnern, Kinder bekommen. Se 




101 



kionert noch, sie Ist noch in den Jahren, 
dass sie Kinder gebären kann, Sc kin- 
nert ök Ümmer, sie ist immer schwan- 
ger. Wenn't kinnern man erstväörbi 

is, wenn sie nur erst aus den Jahren des 
Kindergebährens herausist. 

kinnrig, kindisch, si doch nich so 

kinnrig, gebehrde dich doch nicht so 
kindiscli. 

Kip, der Tragekorb. Kipenstricker, 

die beiden Gurten, wodurch die Kjpe 
getragen wird. Der A rmko rbheisst 
nurKorf, 

kippeln, Frequent von kippen, wird 
neben den gewöhnlichen Bedeutungen 
besonders vond. kleinen Schulkindern 
gebraucht, wenn die Schulbank nicht 
mit allen Füssen auf dem Boden reicht, 
so dass also eine Bewegung der Bank 
entsteht. Adj.kipp'lig. 

Kirken, die Larven von 2flügligeu 
und andern Insecten wenn sie fusslos 
und klein sind; die grossem heissen 

Maoden. 

kis'n, goth. kiusan.alts. kiesan, beim 
Essen auswählen. Daher kisfrätsch = 
der nicht alles isst, dies und jenes auf 
dem Teller zurücklässt und zurück- 
schiebt. 

kiw'n (Tmperf. kef, Partie, käw'n), 
keifen, geringeres Schelten der Frauen 
mit dem Gesinde und den Kindern aus- 
drückend v.KlW, der Tadel, die Schelte. 

kiwweln S. kibbeln. 

Ktwitt, derKiebitz, Unsere Kinder 

singen : Kiwitt WO bliw ick ? im Brum- 
melberbnsch ! Dao sing' ick, dao fleit 
ick, dao hebb' ick min Lnst. Kiwitt- 

dans, ein Kinderspiel. Knaben u. Mäd- 
chen hocken nieder, legen ihre Hände 
aufdieKniee, springen und hopsen so 
herum und singen dabei : Kiwittdanzen 

kann ick nich, dao slög se mi, dao w^nt 



ick ; dao gaff se mi'n fettBotterstnll, 
dao sweg ick. 

kitzein, wie imNhd. aberweniger 
im Gebrauch, man gebr. dafür öfter kid- 
dein u. keddeln, ersteres meist im per- 

sonel : 't kiddeltaber : he hat mikeddelt. 

Dat kiddelt em maol , darüber hat er 
eine grosse Schadenfreude, kidlich = 
kitzlich. 

klabastern , seltener klabistern, 

scheint eine Nachahmung des Schalls 
zu sein, den ein beschlagenes Pferd im 
schnellenLaufehervorbringt. Hörmaol, 

WD dat klabastert, oder : datgeit kla- 

bister, klabaster sagt man , wenn ein 
Pferd in vollem Galopp oder Carriere 
vorüberläuft. Auch von eilig laufenden 
Menschen wird es, wiewohl selten, ge- 
braucht. In einer plattd. Bibel werden 
die Worte: und seine Jünger folgten 
ihm nach, übersetzt: un SinJungskld* 

bastertenhinn'nao. 

klack, nachgeahmterLaut beim Fal- 
len eines Gegenstandes. 

klackern S. slackern. 

Klacks n.Klicks, ein Flecken, Klecks, 
ein kleines Theilchen von flüssigen od. 
weichen Gegenständen, das sich vom 
Ganzen losgemacht hat z. B. Dinten* 

klacks, 'n Klicks und Klicksk'n Botter, 

ein Stückchen Butter. Auch in tropi- 
scher Bedeutung: En' 'n Klacks an- 

hangen. Jemanden in übles Gerede 
bringen. Vgl. klickem. Das Zeitwort 

davon ist klacksen, klicksen. 

kladdern, von Schmutz kleben und 
dadurch inUnordnung gerathen. Wenn 
die Augenwimpern durch Eiter, bei 
einem Kopfauschlage die Haare ver- 
worren an einander geklebtsind, so sagt 

man : de Haor sünd tosaom kladdert, 

von Kladd, Schmutz (hier ungebräuch- 
lich). Sick bekladdern, wenn auf 
schmutzigen Wegen der Gehende nicht 



102 



vorsichtig Ist, sondern sich beschmutzt, 
so hat er sich bekladdert. An einigen 
Orten gebraucht man das Wort klad- 
dein auch, wenn die Kuh den Koth fal- 
len lässt. Vgl. auch kläötem. 

Kladdert, Schmiererei, Gekleckse. 

kladdrig, das Adj. de Haor se'n so 

kladdrig Üt, dieHaare liegen verworren 
auf dem Kopfe herum; auch so viel als 
zerlumpt. 

Rladderbock oder kladdrige Hund, 

ein hartes Schimpfwort im Munde des 
Pcibels. 

klamm, klaom,klnmm u.klnmmig. 
1. sich klemmend, de Däör, dat Fenster 

iSS klaom oder klumm, die Thür, das 
Fenster sind gequollen, und klemmen 
sich beim Auf- od. Zumachen. Dieselbe 
Bedeutung liegt in drang S. oben, je- 
doch unterscheiden sich beide Wörter, 
bei klamm wird Rücksicht genommen 
auf das Gewordene, bei drang nur 
auf das Seiende, Klamm werden z. B. 
die Thüren im Herbst u. Winter, wenn 
die feuchtere Luft das Holz ausdehnt, 
welcher Nebenbegriff nicht in drang 
liegt. 2. noch nicht völlig trocken aber 
doch nicht mehr feucht. Dat Tug isS 
noch klummig od. klamm, die Wäsche 
ist noch nicht völlig trocken. Es steht 
im Begriffe das Wort zwischen drög 
undfuchtig. 3. von der Kälte steif und 
ungelenkig geworden : de Finger SÜnd 

mi ganz klamm, klaom. In diesem 

Sinne aber wird die Form klumm und 
klummig nie gebr. Mit dieser letzten 
Bedeutg. hängt zusammen verklaom'n, 
vor Kälte steif und starr werden, selbst 
bis zum Tode. H5 issverklaomt kann 
also heissen : er ist erfroren, und ; er ist 
starr und steif, ohne todt zu sein. Der 
Säugling, welcher dasDeckbett von sich 
gestossen und so eine Zeitlang gelegen 

issganzverklaomt. 



klamüsern S. kalmüsern. 

Kläper, eine Wiesenpflanze, die ge- 
trocknet vom Vieh verschmäht wird. 
(Alectorolophus, früher Khinanthus.) 

klapp'n hat alle die Bedeutungen des 
Nhd. ausserdem bedeutet es noch : häu- 
fig durch dieStubenthüraus- und ein- 
gehen. Lact dat Klapp'n sin, lauf nicht 
so viel aus und ein. Redensarten : dat 
klappt nich, das passt nicht, 't mütt 
doch to'n Klapp'n kaom, esmuss sich 

doch einmal entscheiden. 

Klappert, allerlei Kleinigkeiten, die 
ohne Werth hie und da herumliegen, 
allerlei Gerumpel. 

Klapperschnlden, auch Klippschnl- 

den, Schulden für Kleinigkeiten. 

KlappS, ein Schlag mit der Hand, so 
dass es klappst. DerKlapps istnichtso 
böse gemeint und oft nur ein Scherz, 
eine Neckerei Verliebter. Dies Wort 
dientauch alsinterjection. Klapps! dao 

hast ens. 

klätern, vlelu. rasch sprechen, ver- 
wandt mit käökeln im Begriff. Vergl. 
kläötern, von dem es nur in derBedeu- 
tung, nicht etymol. verschieden ist. 

Klätertasch, Kläterlis', Frauensper- 
sonen, auch Kinder, die viel schwatzen. 
Ersteres oft ohne tadelnden Nebenbe- 
griff, selbst als Scherzwort nicht selten 
gebraucht; dagegen ist Kläterlis' im- 
mer tadelnd. 

Klatschen S. Fürblöm. 

klatsch'n S. unter driw'n. 

klatschig oder klatsch'nnatt, völlig 

durchnässt, so dass d. Kleider klatschen, 
von dem Ton, 'dem ein hingeworfenes 
durchnässtes Stück Zeug hervorbringt. 

Man spricht auch qnatsch u. qnatsch'n* 
natt. 

Kiatz, alte schlechte Kuh. 
Kläw'r = Katt'nklimmer. 
kläön' 1. schwatzen, plaudern ohne 




103 



irgend eine Lebhaftigkeit dabei zu 

äussern. Kumm, wiU'n bät'n kläön'. 

2. viele und unnütze Worte sprechen 
und dem Zuhörer dadurch lästig fallen. 

He kläönt fen'n de Or'n vuU, er wird uns 

durch sein iinaufhörlichesGerede lästig. 

3. petzen, Andern etwas hinterbringen. 

Hast all wedder kläönt, hast du schon 

wieder geplaudert? In diesem Sinne 
wird häufig ankläÖn'D gebr. Adjectiv 

kläönig. Subst. Gekläön. 

Kläönert, Gerede, unn ützes, unwah- 
res Geschwätz. Vgl. dräön' u. däömeJn. 

klaor'n, klären. Eier klaor'n , die 

Eier gegen das Licht halten und sehen, 
ob sie klar, nicht faul od. bebrütet sind. 
Klaoritch, dünnes mit Wasser stark 
versetztes Bier. Vgl.Jtich. 

RlaoS 1. die Dohle (Corvus Mone- 
dula) S. auch Kauk. 2. wird es zur 
Bezeichnung eines Einfältigen gebr. 
bist 'D KlaoS, du bist nicht gescheut; 
hast recht, Klaos? ironischer Aus- 
druck, wodurch man Jemandem wider- 
spricht. In der letzten Bedeutung hängt 
das Wort mit dem goth. n i n k 1 a h s= 
kindisch zusammen, wenn es nicht mit 
dem Vornam. Nicolaus, der auch Klaos 
heisst, (z. B. K 1 a o s - K irche an eini- 
gen Orten) zusammenhängt. 

RlaosbÜr, ein aus der Heidenzeit 
herrührenderHausgeist, der am Weih- 
nachtsabend mit dem weissgekleideten 
und bescherenden Weihnachtsmann 
umherging. An andernOrten Deutsch- 
lands lieisst er Knecht Niclas gleichbe- 
deutend mit Knecht Rnprecht. War 
gleich der Glaube an diesen Hausgeist 
verschwunden, soerhieltsich doch das, 
was ihm beigelegt ward, noch bis auf 
die neuern Zeiten. Am Weihnachts- 
abende kleidete sich ein Knecht etc. 
abentheuerlich und schreckenerregend 
aus, und ging entweder allein oder iu 



Begleitung des weiss und freundlich 
gekleideten Weihnachtsmannes in die 
Häuser, worin Kinder waren. Klaos- 
bur trug einen Beutel mit Asche gefüllt 
und forderte die Kinder auf, einen 
Spruch od. Liedervers zu beten. Konn- 
ten die Kinder dies nicht ordentlich, so 
erhielten sie einen Schlag mit dem 
Aschbeutel, sprachen sieihrenVers gut, 
so erhielten sie vom Weihnachtsmann 
ein kleines Geschenk. Seit mehreren 
Jahrzehenden ist der Klaosbür abge- 
schafft, da das Erschreckende des Auf- 
zuges nicht selten nachtheilige Folgen 
für die Kinder hatte. 

kläötern l. einen einförmigen in ge- 
ringen Zwischenräumen sich wieder- 
holenden einfachen Ton hören lassen. 
Datt kläötert recht sagt man, wenn die 
Regentropfen so fallen, dass man den 
Ton, den sie erzeugen, zwar schon hö- 
ren, aber doch noch dieZwischenräiime 
unterscheiden kann ; fällt der Regen in 
Strömen, so heisst es: datt gütt. BLläö- 
terbÜSS ist ein aus Blech gefertigter 
hohler Cylinder mit einem Stiel, in des- 
sen Innern sich einige Steinchen befin- 
den, die beim Schütteln einen einfaclien 
Ton geben. Kläöterappel , ein Apfel 
mit grossem Kernhause, so dass man 
beim Schütteln des Apfels die Kerne 
gegen dieW ände des Kernhauses schla- 
gen hört. 2. ähnlich im Begriff mit 

kladdern, sickbekläötern, bei schmu- 
tzigem Wetter sich die Kleider im 
Gehen beschmutzen. 

Kläöter, Klat'r, Kladd'r, heisst der 

Mistklunker bei d. Kühen, Schafen etc., 
die nicht gehörig mit Streustroh verse- 
hen werden, KläÖtern an der Kleidung 
sind einzelne zapfenartig herabhän- 
gende Schmutztheile oder einzelne 
Schmutzflecken an der Kleidung. 
Nimmt der Schmutz den ganzen oder 



104 



grossem Untertlieil der Kleidung ein, 

so lieisst es : s5 hat sick bekladdeit. 

Wegen der Ähnlichkeit der Kleider- 
fetzen mit den Klunkern sagt man von 
der inFetzen herabbängendenKleidung 
eines unordentlichen Frauenzimmers 

auch : Kik mao! , wn gr de Kläötern 

rummhangen. Auch der an den Wim- 
pern sich bildende trockene Eiter heisst 
Kläöter. Das Adject. kläötrig kommt 
in der erst, unter kläötern angegebenen 
Bedeutungnie vor, wohl in d. zweiten. 
Ausserdem ist kläötrig = klatrig, was 
wohl aus dem Plattd. ins Nhd. überge- 
gangen ist. datt sÜt kläötrig Üt, die 
Sachescheint einen misslichen, schlech- 
ten Ausgang zu nehmen ; datt hat 'n 
kläötrig Enn' naom, die Sache hat 
schlecht geendet. Vom Bier, Fleisch- 
brühen etc. gebr., bedeutet es : schwach, 

wässerig, dünn. Vgl. kladdern. 

RläÖW, ein Backwerk aus Weizen- 
mehl, das in Form eines Ringes oder 
Halbmondes früher zu Weihnachten 
im Bürgerstande gebacken ward. Die 
Masse ist wie die des Topfkuchens. 

Kled , das Kleid, vorzugsweise das 
der Frauen. 

KledaoSCh (seh das franz. ge) = die 
Kleidungsstücke als CoUectivum. 

klßd'n, kleiden, gut sitzen. datTÜg 
kl^dtemgöd, das Zeug kleidet ihn gut. 

klein, klen, Ad ject.,=r klein, klein 

maok'n, eine Geldmünze in kleinere 
Sorten umtauschen, nich klein krig'n 
können, nicht begreifen, sich nicht er- 
klären können. 

klein Hed'n S. Hed. 

klei'n, klau'n i. kratzen. He klei't 

sick acht'r d' Oh^n bedeutet einmal ; er 
ist ärgerlich über den schlechten Aus- 
gang einerSache, dann auch : er bereuet 
etwas. 2. schlecht schreiben. Klei' nich 
SO, sei aufmerksam beim Schreiben. 



Dass bei dein Worte Klaue zum Grunde 
liegt, erhellet auch wohl daraus, dass 
man von einem der schlecht schreibt, 

auch sagt: 'n schlecht Klau schriw'n. 

3. mit den Händen in dem Schmutz 

herumwühlen; in'nDreck klei'n. Adj. 
klei'ig, 'n kleiige Arbeit. Subst. Kleierl, 

schlechte Schreiberei, beklei'n, etwas 
unnütz oder unordentlich beschreiben 
oder bemalen ; dat Papir beklei'n, das 
Papier unnütz beschmieren, sick bc« 
klei'n, sich beschmutzen. 

kleiw'n, kleiben, das Fachwerk eines 
Gebäudes mit Stallräpen u.Strolilehm 
ausfüllen. Auf dem Lande wird diese 
Arbeit an einem Tage gefertigt, in- 
dem jederHof ein. Arbeiterstellt. Nach 
beendigter Arbeit wird auf Kosten des 
Bauherrn geschmaust und getanzt, dies 
ist die EleiwkÖSt. Da das Essen und 
Trinken als die Hauptsache betrachtet 
wird, so heisst die Arbeit desKleiw'ns 
ebenfalls Kleiwköst. 

klennlich u. knennlich, von zartem 
Knochenbau. Datt iss 'n klennlich Kind 

sagt man von einem Kinde, das nach 
seinem Alter nur klein u. von schwäch- 
lichem Körperbau ist, nur schwache 
Muskeln hat. 

Klew'r,Klee. Rod Rlew'r=Trifo. 

lium pratense ; Witt Klew'r = Trifol. 
repens. Klew'r.ver, ein vierblättriges 
Kleeblatt; wird für ein Glückszeichen 
gehalten. W^erohnees zu wissen, ein 
solches Blatt bei sich trägt, kann die 
Menschen, besonders die Taschenspie- 
ler durchschauen. 

Kienner, der Kalender. 

Klensmedd, der Schlosser. 

KU, die Kleie. 

Klick, ein Adverb., das sich schwer 
durch ein einziges Wort geben lässt. 
Wenn das Kind ein Messer in die Hand 
nimmt, wodurch es sich schaden kann, 



105 



oder ein Erwachsener etwas zu thun 
beabsiclitigt, wodurch er sich od. an- 
dern einen nicht unerheblich. Nachtheil 
bereiten kann, so sagt man: bist dU 

klick ? od. : bist klick un dnll in'n Kopp. 

Sinn ist etwa: handelst du auch wohl 
mit tjberlegung, bedenkst du auch in 
der leidenschaftlich. Stimmung, welch 
einen Schaden du durch dein Handeln 
dich und andern bereiten kannst? du 
überschreitest die Grenze des zu Billi- 
genden. 

klick'n, von einer flüssigen od. wel- 
chen Masse sich ein Theilchen ablüsen 
und herabfallen; da klick'n etymolog. 
mit Fleck zusammenhängt, so scheint 
der Begriff: einen Fleck bilden 
für alle Bedeutungen zu passen. 
Wenn nach einem starken Regen das 
Wasser tropfenweise durch die Decke 
dringt, oder wenn beim Essen flüssiger 
od. auch weicher Dinge ein Theilchen 
vom Löffel od. der Gabel abfällt, so sagt 
man : dat klickt od. du kÜckst, so dass 
dasVerbum im transitiven und intran- 
sitiven Sinn gebraucht wird, klickem 

ist das Frequentativ. De Murker hat de 

StÜW recht to Wickert = der Maurer 
hat beim Ausweissen der Stube recht 
vielKalktropfen fallen lassen. Daher zu 
Kindern, die während des Essens von 
den Speisen Theilchen auf ihre Klei- 
dung fallen lassen, gesagt wird: dube* 
klickerst di. Im südlichen Theil der 
Altmark wird das Antragen der Wände 
mit Lehm auch kUck'D genannt, sonst 

kleiw'n. 

Klick'r und Lehmklick'r hat sich hie 

und da noch aus dem Mittelalter für: 
M a u r e r erhalten. 

KlickermöS, ein Müs, das bereitet 
wird, wenn das Mehl in kleinen Theil- 
chen ins kochende Wasser geklickert 
wird. '!;<'.•:»,■_ 



Klickbrett, eine kleine Serviette oder 
auch Wachstuch mit Bändern, das klei- 
nen Kindern beim Essen umgebunden 
wird, damit sie die Kleider nicht bekli- 
ckern. 2. nennt man die Kinder auch so, 
wenn sie sich beim Essen zuklickern; 

Bist'n rechten Klickbrett, d u hast deine 

Kleider beim Essen beschmutzt. Vgl. 

Päffken. 

KÜckS vergl. Klacks. 

Kling', die Klinge, hier wegen der 

Redensart: 'ne dttehtig Kling' slaon, 

f ür : g nten Appetit haben, zu merken. 

Klink' 1. Klinke; 2. eine Falte im 
Zeuge, besonders der Frauenröcke. 

klinken l. die Klinke heben ; 2. eine 
Falte im Kleidungsstück anbringen. 

klipp nn klaor, ganz klar, deutlich, 
wogegen sich Nichts erinnern lässt. 

Mit ämm is 't klipp nn klaor, mit seinem 

Gclde etc. ist es rein und klar, er besitzt 
nichts mehr. 

Klippkraomer, wer unbedeutende 
Kleinigkeiten feil hat. 

Klippschulden S. Klapperschulden. 

Klis', Klitz, Klitz'nbnsch, die Klette, 
die Pflanzengattung arctium. 

Klist'r, der Kleister. 

Klitsch, das Brot, wenn es nicht ge- 
hörig ausgebacken, noch feucht ist, und 
wenn über derUnterrindesich noch ein 
teigiger Streifen befmdet. Dieser Strei- 
fen heisst Waoterstrim. Das Adjectiv 
klitschig ist auch im Nhd. gebäucblich. 

Klock 1. die Glocke. All's an de gröte 

Klock slaon, alles ausposaunen, aus- 
schwatzen. H5 hat de Klock lüd'n hört, 
wfetäöwer nich, wn se hangt, er kennt 

eine Sache nur halb. Ick hör all, watt de 
Klock sleit, ich höre schon, wie es ge- 
meint ist. 2. die Stunde der Uhn Watt 
iss d' Klock ? wie viel Uhr ist es ? Klock 
halwig SÖSS, es ist halb sechs. Ick heff 

all 'n klockendig halw Stnnn' npp di 

14 



106 



tÖWt, ich habe schon eine vollständige 
halbe Stunde auf dich gelauert. 

Klockenblöm , sowohl die Gattung 
Canipanula als Aquilegia. 

kI6k,klug. 

Kloksnack'r, Klökschit'r, S. snack'n. 
klopp'n, klopfen, üpp"!! Busch klop- 

p'n, hinhorchen, ob Jemand wohl auf 
ein gewünschtesGespräch siclieinlässt. 
affklopp'n und dörchklopp'n, bedeuten 
auch schlagen, meistentheils aber nur 
im Scherz gebraucht. 

Klöpper, der Klopfer an der Thür. 

Klopphingst, ein Hengst, dem nur 
eine Hode weggenommen ist. 

KlÖr, das ganz insPlttd. übergegan- 
gene französ. couleur. 'ü klort Kled, 
ein farbiges, nicht schwarzes, Kleid; 
klort Tug antfen, die Trauerkleider ab- 
und farbige Kleider anlegen. (Das I 
wird nur schwach gehört.) 

Klöt, nur im Plural Klot gebräuch- 
lich = testiculi. Klötsack. 

Klotz-K!l-Haomer, ein Knabenspiel. 
Ein Kreis von Knaben, in deren Mitte 
ein bei der geringsten Berührung um- 
fallender Haufen zerbrochener Dach- 
steine steht , sucht gegenseitig durch 
Zerren, Ziehen etc. es (dahin zu 
bringen, dass einer den Steinhaufen 
umstosst. Der erste heisst Klotz , der 
gweite KU , der dritte Haom'r. Dann 
stellt sich der Klotz an eine Wand, 
hinter ihn der Kil, und der Haom'r wird 
von der Gesellschaft aufgehoben und in 
der Horizontale liegend gegen den Kil 
dreimal stark gestossen, u. beim ersten 
Stoss : Klotz, beim zweiten : Kil u. beim 
dritten : Haom'r gerufen. Dies hässliche 
Spiel verschw^indet immer mehr. 
klotzen, verhältnissmässig viel Geld 

geben müssen ; h^ mtltt recht orndlich 

klotzen, er muss für einen begangenen 
Fehler etc. recht ordentlich zahlen. 



klotzig, Bezeichnung des Superla- 
tivs S. unter gefährlich. 

klowig, klotzig, grob. 

klÖW'n, spalten z.B. Holz; 2. grob 
drein schlagen beim Handgemenge, 
alts. klioban. HaorklÖW'r heisst der, 
welcher in Kleinigkeiten sehr genau 
ist, sehr feine Unterschiede macht; 
wird auch statt: Geizhals gebraucht. 
UppklÖW'n, aufspalten, dann: dasIMaul 
weit aufsperren. 

Kluft, ein Holzscheit. 

kluftig oder klüftig heisst das Holz, 
wenn es leicht spaltet. — grötkluftig 
Holt, Brennholz, das aus groben Schei- 
ten, Kloben, besteht. 

KlUCk 1. die Gluckhenne; 2. soviel 
als Schluck besonders geistiger Ge- 
tränke. Kluck! Kluck! rufen die Kin- 
der einem Betrunkenen als Scheltwort 
zu. 3. bildlich von einem, der anhaltend 
oder aus Trägheit sitzt. 011' KlQCk, so 
viel als Faulpelz. Das Verbum kluck'n 
undkluckern hat alle angeführten Be- 
deutungen. Ausserdem aber wird es 
auch von säugendenKindern gebraucht. 

Dat Kind treckt, datt'tman soklnckt, 

das Kind saugt so begierig, dass man es 
hören kann, wie es die Milch herunter- 
schluckt. 

klnckern, in ganz kleinen Absätzen, 
gewissermassen tropfenweise trinken, 
so dass man die einzelnen Theilchen 
durch die Gurgel gehen hört, auch von 
Kindern gebr., die dergleichen aus 
Spielerei vornehmen. Die Bedeutung: 
liebeln, wie in Hamburg und Bremen, 
hat es bei uns nicht. 

Klump, Pl.Klämp,Dim. auch Klütk'n 

(von Kiüt) = Kloss, Klösse, nicht zu 
verwechseln mitKlump'U, Diminutiv; 
KlÜmpk'n, das : Haufen, Häufchen be- 
deutet. In en'n Klnmpen tosammen* 
schoten, vor Schreck zusammenfahren^ 



r 



107 



Dao sitt'n ass 'n KlÜmpk'n Unschuld 

gebrauclit man hauptsächlich vonKran- 
ken od. den Kindern, welchen die Reg- 
samkeit abgeht, und die bewegungslos 
lange Zeit auf einem Flecke sitzen. 

klumpig u. klumprig, Klumpen ent- 
haltend 7.. B. Speisen, auch von unebe- 
nen M^egen im Gebranch. 

Klumpf&t u. Klunzfot, ein Mensch 
mit einem missgestalteten klumpigen 
Fuss. 

Klnmpsack, ein Tuch, dessen Ende 



Kltisner, der Klausener, Einsiedler, 
auch die Gegend, in der ein Einsiedler 
lebte. Ein jetzt niedergeschlagenes 
dichtes Gehölz bei Salzwedel führte 
diesen Namen. 

Klüt oder Klüt'n, im PI. Klüt, Klüt'r 
und Klüt'n, Diminut. Klutje, Klutkcn. 

Im Allgemeinen bedeutet dies Wort 
eine zusammenhängende meist form- 
lose Masse eines Stofles. In't Bett SÜnd 
Väöl Klüt'n, wenn die Federn in dem 
Bette sich vielfach zusammengeballt 



zu einem starken Knoten gedreht wird, haben, 'n Klüt'n Lfem, angefeuchteter, 

dessen* sich die Knaben beim Klump- nicht brücklicher Lehm; 2. insbeson- 

Sack- od. StÖpkenspiel zur Bestrafung dere werden die Luftsteine d.h. 

des Diebes bedienen, auch bei einem die aus Lehm geformte nur getrock- 

Spiel meist im Freien, wenn d. Klump- nete, nicht gebrannte, Mauersteine KlÜt 

sack einem der im Kreise Stehenden genannt. Die verschiedenen Formen 

unvermerkt in die Hand gegeben wird, des Plural unterscheiden sich jedoch 

der dann auf den rechts von ihm stehen- im Gebrauch sehr bestimmt. Von den 



den losschlägt, bis dieser um den Kreis 
laufend seinen Platz wieder eingenom- 
men hat 

Klün S. Knül. 

Klnnker l. Troddel ; 2. Schmutz an 
Kleidern, der troddelartig herabhängt. 

klunkern, einen Laut: Klunk von 
sich geben. Wird von Fliissigkeiten 
gebr., die ein Gefäss nicht ganz ausfül- 
len, u. bei der Bewegung des Gefässes 
gegen dessen Wände stossen und den 
Laut hervorbringen. 



Lufisteinen wird nur Klüt gebraucht, 
feucht gewordenes Mehl bildet Kluter, 
wenn die zusammengebackene Masse 
nur klein ist, die grössern heiss. Klüt'n. 
Daher Klilt'rmÖS, ein dünner Mehlbrei, 
in dem die Mehltheile sich nicht voll- 
ständig aufgelöst haben, sondern noch 
in kleinern Theileu zusammenhängen. 
Ebenso unterscheiden sich dieAdject. 
klütig von grössern klütrig von klei- 
nern zusammenhängenden Theilen. 
Mit der Pluralform KlÜt'r ist nicht zu 



Klunz,ein Klumpen, das dicke Ende verwechselndeKlÜt'raisSingularform, 



einer Keule. KlunzfÖt. Besonders 
nennt der Knabe den hintern Bauclitheil 
junger Vögel, die noch nicht flügge 
sind, so, weil derhintereTheilindem 
zarten Alter der Vögel noch sehr ange- 
schwollen ist, Klnnz. H^ hat den Klunz 
noch nich affschgt'n, der Vogel ist noch 
nicht flügge. 

KlÜS, die Klause, Einsiedlerwoh- 



das eine Art von Hahn oder Henne be- 
zeichnet, welche keine Schwanzfedern 
hat, auch Klüthaon, KlÜthÖn, genannt. 
Endlich ist Klüt auch der Plural von 
Klump = Klüss, neben dem PI. Klflmp. 

klüt'n, werfen, vorzugsweise mit 
Schneebällen. ^ 

klütern, dasFrequentativ von klüt'n; 
auch bildlich von liebäugeln gebraucht.' 



nung, hat sieh hie und da als Name ein- Sick mit de Og'n klütern (Bornemann), 
zelner Häuser erhalten. sich verliebte Blicke zuwerfen. 2.be- 

14* 



108 



deutet dieses Verbnm allerlei Kleinig- 
keiten in der Häuslichkeit selbst anfer- 
tigen oder ausbessern, he klütert den 
ganzen Dag rümm, er beschäftigt sich 

beständig mit Anfertigen, Ausbessern 
von kleinen Gegenständen. Im Engl, 
bedeut. clout so viel als ausbessern. 

Kititerer, wer gern klütert. 

Klüter!, die Beschäftigung mitKlei- 
pigkeiten. 

knabbeln S. gnabbeln. 

KnackblaOS, die innere Haut des 
untern Theils von der Urinblase des 
Schweins, die von unsern Knaben als 
Spielwerk durch Einblasen u. rasches 



hat all *n gödenKnagg'l toUw, er hat 

schon ein derbes Stück Brot verzehrt. 
Das alts. knagan, holländ. k n a g e n be- 
deutet nagen ; 2. ein hölzerner Vor- 
reiber an derThür etc. 

Knallbök'n S. Bäweresch. 

KnallbÜSS , ein Spielzeug für Kna- 
ben, bestehend aus einem ausgehöhlten 
Schössling des Fliederbaumes, indem 
mittelst eines Stempels Werchpfropfen 
durch die Luftcompression fortgetrie- 
ben werden, wodurcheinKnall entsteht. 

Knap (Plurale tantum), Pfiffe, listige 
Erfindungen um Jemanden zutänschen 
oder zu betrügen. Spitzbob'n - Knäp, 



Wiederherausdrängen der zusammen- Diebesränke. Knäp in'n Kopp hebb'n, 

gepressten Luft, wodurch der Ton; pfiffig sein. Verwandt ist die Redens- 

Knack entsteht, gern benutzt wird. art: 'n anscWagschen Kopp hebb'n, in 

knacks, Interjection, aus dem Natur- welcher der Nebenbegriff des Komi- 
laut hervorgegangen , wenn ein nicht sehen, Scherzhaften, der in jener liegt, 
ganz dünnes Stück Holz zerbrochen nicht enthalten ist, dafür aber denNe- 
wird. Ist der Naturlaut ein hellerer, benbegrifF des Nachdenkens, Grübelns 
z. B. beim Zerbrechen eines dürren und einschliesst, um sich bei seinenArbeiten 
dünnen Reises oder eines Glases, so Vortheile und Erleichterungen zu ver- 
heisst es knicks. Fällt ein Teller zur schaffen. Wer Knip in'n Kopp hat , er- 
Erde u. zerbricht, süheisst es: knackS sinnt und ergrübelt auch wohl Neues, 



Waor *r intwei. Springt aber ein Glas, 

so sagt man : knicks waort intwei. Als 

Substantiv bedeutet KnackS jedes kör- 
perlicheLeiden, das denKranken merk- 
lich herunterbringt. De hat 'n Knacks 
weg; dafür sagt man auch: he hat 'n 

Rnapps weg. 

.^Jmaddern S. knastern. 

knaddrig und knoddrig= knorrig, 

wird von einem Baum oder Holz gebr., 
wenn es sich nicht gut spalten lässt, 
sondern eine Menge Knollen und 
Auswüchse enthält, wie dies z.B. bei 
der Weissbüche der Fall ist. In Ham- 



aber nur um zu amüsiren oderzu täu- 
schen. Flansen hat Jemand, der allerlei 
Possen und Kurzweil treibt, die aber 
kein rechtes Geschick haben, weil sie 
nicht von ihm ersonnen , sondern nur 
nachgeahmt sind. Marotten in'n Kopp 

hebb'n hat den Nebenbegriff d. Launen- 
haften, Mürrischen, verbunden mit der 
Absicht schaden zu wollen, tjber 

Gripps 'in'n Kopp hebb'n siehe oben 

unter Gripps. 

Knap'l, Kläpl l. der Klöpfel an der 
Hausthür; 2. Glockenschläge]. 

knapp, Adj. u. Adv., wird im PJattd. 



bürg U.Bremen sagt man dafür knubb- viel häufiger als imNhd. gebr. 't geit 

rig von Knubbel. S. unten. man knapp oder ick matt mi knapp be- 

Knagg und Knagg'l l. ein verhält- help'n, ich habe kaum meiu Auskom- 

nissmässig dickes Stück z. B. Brot. H$ men ; beide Redensarten werden auch 




109 



von der eingeschränkten Wohnung ge- 
braucht; allto knapp, zu genau; hfe 
kann knapp mit , er kann beim Gehen 
kaum mitkommen; datt wät knapp 
gaon, das wird kaum gehen, affknap- 
p'n, affknaps'n, verkürzen, wie dem 
Arbeiter den verdienten Lohn, beim 
Messen, Wägen, in der Wirthschaft hie 
und da noch Etwas zurückbehalten. 

knappern S. knuppern. 

Knappsack = Schnappsack , Reise- 
renzel. 

knapsch, voller Kniffe. 

Knast, der Baumast und dieKnorre 
im Holz; bildlich: Datt iss'll groww'n 
Knast, das ist ein groberMensch. Auch: 

de rike Knast, de olle Knast. 

knastig, knorrig, vom Holze, das 
sich schlecht verarbeiten oder spalten 
lässt. 

knastern , knaotern , knnddern, 
knistern, knittern, klistern, klastern, 

knätern sind lautnachahmende Verba, 
die auch im Nhd. theil weise vorkom- 
men. Die Plattd. verbinden gern: 
knistern un knastern z. B. vom bren- 
nenden Holze. Knittern un knaotern 
z.B. vom nahen Donner, von der Em- 
pfindung beim Ausziehen eines Zahnes. 
klistern un klastern wenn der Hagel 
gegen die Fenster schlägt etc. 

Knittergold,Flittergold, Rauschgold. 

Knäterling S. Krek'n. 
knäter- od. gnäterswart, tiefschwarz. 

Nach dem Brem. Wörterbuch sollen 
Gnetem die dunklen Granaten lieissen, 
die früher mehr als jetzt zuHals-Co- 
rallen benutzt wurden u. um so hoher 
geschätzt wurden, je dunkler sie sind. 

knätrig, verdriesslich, scheltend. 

knau'n und gnau'n (engl. gnaw= 

beissen) = nagen, wie der Hund am 

Knochen. Dao sali Uh wol an knau'D, 



er wird viel Schwierigkeiten bei der 
Sache zu überwinden haben. 

Knäw'l=KnäpI. 

knautSCh'nu. knÜtSCh'n, durch Zu- 
sammendrücken einer Sache,die Glätte 
behalten soll, Kniffe und Falten hinein- 
bringen z. B. bei d. Wäsche, Papier etc. 

Knaok undKnaok'n, Dimin. Knäö- 

kelk'n, der Knochen. 

knaokendrög, vollständig ausge- 
trocknet.. Vgl. drög. 

knaokschäölig, was nichts© ist, wie 

es sein soll. Du süst jo knaokschäölig 

ftt, fehlt di Watt ? dein Aussehen beson- 
ders dein Gang, ist ja so ganz anders, 

bist du unwohl? Datt süt noch knaok- 
schäölig Ütsagt man, wenn eine zu fer- 
tigende Arbeit noch nicht so weit ge- 
diehen ist, als dass sie zur bestimmten 
Zeit fertig werden konnte. Es ist stär- 
ker gesagt, als : du bist noch trtigg', du 

bist in der Arbeit noch zurück. 

knäökern, knöchern, aus Knochen 

gefertigt. 

knaotern S. knastern. 
KnäÖW'l, Knöchel an der Hand ; auch 
für die ganze Hand im Gebrauch. Ick 

schlao di upp de Knäöw'ln. 

Knfe, dasKnie; alts. cneo, goth. kniu. 
Knfebog, Kniebeuge. 
Knebucks, Beinkleider, die nur bis 
dicht unter das Knie reichen. 

knennlich S. klennlicb. 

Knick, eigentlich eine Ecke, gebildet 
durch Gebüsch, das in einer längern 
Liniesich schmal ausdehnt. Der Haupt- 
begriff des Geknicktseins ist bei uns 
verloren gegangen, so dass jedes 
schmale Buschwerk zwischen Acker- 
stücken bei uns mit diesem Worte be- 
zeichnet wird. 

knickbfenig heisst Jemand, dessen 
Beine beim Gehen einknicken vor Kör- 
perschwäche, 



110 



Knickerer, ein Knauser, der hl Klei- 
nigkeiten geizig ist; Adj. knickerig. 

Knickbuff s' GnickbuiT. 

Knicks S. Knacks. 

Knif, ein schlechtes Messer. Vergl. 
auch Paok. 

■ knip'n (Imperf.knep, Part, knäp'n) 
1. kneifen, knip'n int Llf, Leibschmer- 
zen ; hüt knippt sogt man, wenn es recht 
kalt ist. knip'n gaon oder Ütknip'n, ent- 
laufen, entwischen, verloren gehen, mit 
dem Nebenbegriff des Heimlichen, 
wodurch es sich vonfleit'n gaon unter- 
scheidet. Vgl auch Fleit. 2. hart drän- 
gen, besonders vom unbarmherzigen 
Gläubiger im Gebrauch. 

Knipög'n, Verb. u. Subst, die Au- 

o-enlider öfter zukneifen , wie der zu 
o 

thun pflegt, der an einem AugenUbel 
leidet. Als Subst, gebr. man es auch als 
Scheltwort, und spricht es dann auch 
wohl Klippög'n. Davon die Redensart : 
hfeis knipögig, ihm ist nicht recht zu 
trauen. 

Knippk'n l. das Heftel, ein Metall- 
Haken oder Krampe an einem Buche, 
die in ein Öhr eingreift, wie man sie 
sehr häufig bei alten Büchern fmdet. 
^ierfi Schneller mit dem Finger. 

Kniptang', die Zange. 
'■■ Knirrficks, ein kleiner Mensch ; das- 
selbe bedeutet Knirps, 

knistern u. knittern S. knastern. 

knitSCh'n — kna utsch'n. 

Knochen, ein hartes Scheltwort be- 
sonders für Mädchen unterer Stände. 

Knock, auch Knock'n, nur beim 
Flachs gebräuchlich. Mehrere Risten 
(S. unten) zusammengelegt und mit 
den Enden scharf in einen Knoten zu- 
sammengedreht, bilden einen Knock'n ; 
sie haben nur diehalbeLänge derRisten. 

knollig, Bezeichnung des Superla- 
tivs. S. gefährlich. 



knoddrig S, knaddrig. 
Knöp, PI. Knöp, derKnopf. Der Plur. 
wird auch vom Vermögen gebr,:Hft 
hat Knöp, er ist ein reicher Mann. 

knöp'n, knöpfen, aufknöpfen ; de 

Jack, den Rock uppknöp'n, toknöp'n. 

Knopnaod'l, Stecknadel. 
Knoppen l.Baum- od.Blumenknospe; 
2. der Samen des Hederichs, in sofern 
ersieh noch in der Hülse im gedrosche- 
nen Korn befindet. Vgl.Nopp. l 

Knubb'l u, KnuWW'l l. ein kurzes 
knorriges Stück Holz oder Brot. Auch 
Bezeichnung eines kleinen aber dicken 
Menschen; 2. Beule. S. unter Buh 

knudeln, zusammendrücken, zer- 
knittern, besonders von glatter Wäsche 
und Kleidern. Vgl. auch Knüll, Knüll. 

Knnff, der Stoss Davon 

knnfiTn, mit der Faust stossen, unter- 
scheid et sich von slaon (schlagen), dass 
bei jenem nicht mit der Hau dausgeholt, 
sondern nur gestossen wird. 

knnfßg, zum Knuffen geneigt, daher 
grob. 

knÜJBeln ist l. ein geringerer Grad 
desKnuffens, wofür man in Hamburg 

karnüffeln sjgt. Vergl. auch knüll'n. 

2. sich mit einer Arbeit beschäftigen, 
zu deren Beendigung vielUberlegung 
erforderlich ist, wobei vielerlei Klei- 
nigkeiten zu beobachten sind, die über 
die gewohnten Beschäftigungen des 
Arbeiters hinausgehen. knÜfSich, das 
Adj. hiervon, ist noch mehr als das Ver- 
bnm im Gebrauch. Von fänzüch (S. 
oben) unterscheidet es sich, dass dies 
mehr das Zeitraubende der Arbeit, wo- 
bei eben kein Nachdenken erforderlich 
ist, ausdrückt. Vgl. auch pulig. 

Kntiffler, der ein Freund vom Knüf- 
feln ist. 

Knufflök, der Knoblauch (Allium 
sativum).. Man verstellt aber in der 




111 

Altiri. meist darunter einen im Roggen harte Semmel, frisches Brot. Vgl. auch 

hie und da wildwachsenden Lauch(Al- gnabbeln. 

lilmi oleraceum), wovon das Korn Kliupps, eigentlich eine Interjection, 

leicht einen knoblauchälinlichen Ge- diedenLaut ausdrücken soll, wird aber 

ruch und Geschmack annimmt. auch substantivisch gebraucht u. davon 

Knül, Knäuel Z.B.Garn, wird auch ^'" ^erb. knupps'n abgeleitet. Wenn 

Klün, KIdn gesprochen. Davon das J^"^«"^ ^^'"^ Arbeiten sich Schaden 



Verbum : sick knülln, sich in einen 
Knäuel zusammenziehen, wie der Igel. 
Knull, selten Knfill, Falte in einem 
Gegenstande, der glatt sein soll z R. in 
der Wäsche, im Papier etc. Das Zeit- 
Wort von diesem ist knnirD, knüirn, 
wie imNeuhd. zu unterscheiden von 
knautSCh'n, knutSCh'n. Eine oder we- 
nige Falten im Zeuge, Papier etc. sind 
zum KdüU'h schon hinreichend, zum 



thut, u. in irgend einem Theil des Kör- 
pers etwa eine Sehne überspringt, das 
ruhlbar ist, so sagt der Erzähler: ddO 

kreg ick 'n Knupps, oder ett knappst mi 

in'nLiw. Noch weiter wird der Begriff 
in der Redensart : H^ hat 'n KüUppS weg, 
er hat einen körperlichen Fehler, der 
ihn siech u. elend macht, der leicht zum 
Tode führen kann. 

KnÜst, Dimin. KnÜStk'n, die Ecke, 



KnautSCh'n genügen einige nicht, das ^«^ Ende vom Brote, besonders wenn 

Ganze muss zerdrückt und zerknitscht ^^ ^^'""^ ß^^^^" ^'^"^ herausgetrieben 

sein. knüU'n bedeutet ausserdem: mit '^^- 2- eine Abtheilung der Semmel, 

der geballten Faust stark und heftig auch LÖSC genannt, 
drücken und zwar ununterbrochen; Knutt'n, der Knoten. In Knutt'n 

durch dies letztere unterscheidet es sich ^"*'°' einenDoppelknoten ohneSchleife 

binden. 



von knnff'n, das in Absätzen geschieht. 

knüll u. knüppeldick, besoffen. Hfe 

iss knüll, ist stärker gesagt, als ; he iSS 

besaopen. 

Kntipp'l, der Knüppel, wie imNhd. 

De Knüpp'l is bi 'n Hund bunn' wird ge- 
braucht, wenn sich Jemand gern über 
seine Kräfte, Vermögen etc. erheben 
möchte, aber wegen fehlender äusserer 
Mittel seinen Wunsch nicht erreichen 

kann. Datt schmeckt ass de Knüpp'l 

npp'n Kopp, das schmeckt sehr schlecht. 



Knutt'nkaff, die Spreu b. Dreschen 

der Flaclissamenkapseln. 

knütt'n I.Stricken; Kntitt'lsticken, 

Stricknadeln. DasSprichw. : FleSChei'S 

Jochen kickt üt Strumpknütters Fin- 
ster wird gebr., wenn der Strumpf ein 
Loch hat. 2. einen Knoten bilden. 
Knütttüg, Strickzeug. .if 

KÖ, PI. Kö, Dimin. Kök'n, diekuh^ 
alts. kö. Kör, der Kuhhirte. Eigen- 
thümliche Rufnamen für Kühe sind: 

Snicker, Krön, Steil, Asmus, Munter, 



Knüppeil, grosse Schlägerei, wo Wachtel, Sntiwer. 
man sich der Knüppel bedient, vom Kobbold 1. der Kobold. Nach der 

Verbum knüppeln, schlagen. Altm. Vorstellung sind die Kobolde 

knuppern, auch knappern, etsvas kleine muntere Gnomen, schalkhaft 

hartes so mit den Zähnen verarbeiten, aber doch gute Freunde der Menschen, 

dassman es hören kann z.B. beim Na- Wer durch Fleiss und Sparsamkeit in 

gen der Mäuse, Ratten etc. Davon das Wohlstand gekommen, der hält sich, 

JAdj. knupprig , z. B. frisch gebackene nach einer früher allgemein herrschen- 



im 



den, auch jetzt noch nicht ganz ausge- 
storbenen, abergläubisclien Meinung, 
einen Kobold. Er wohnt unter dem 
Okel und nauss täglich mit Milch und 
Semmel gefuttert werden. So lange 
dies geschieht, vermehrt er täglich das 
Geld des Hausherrn. Unterlässt er die 
Darreichung der Speise auch nur ein 
einzigesmal, so zieht der Kobold ab u. 
lässtauch wohl das Haus in Feuer auf- 
gehen, nachdem er vor dem Abzüge 
ein gewaltiges Getöse durch ein Zu- 
sammenwerfen aller Gegenstände, die 
sich auf dem Boden befinden, verur- 
sacht. Davon das folgende Verbum. 

2. das Purzelmännchen der Knaben, 
meist aus Hollundermark gefertigt. 

3. vom Menschen gebraucht bedeutet 
es den, welcher durch starkes Toben, 
Lärmen, Umherwerfen der Gegen- 
stände, die ihm gerade in die Hand fal- 
len, seinen Zorn auslässt. 

kobbolz'n,hieund da fehlerhaft ka- 
bolz'n gesprochen. Lärm machen, Ge- 
genstände durcheinander werfen, wo- 
durch ein Getöse entsteht. 

Robbolz'n SCll5t'D, Burzelbaum ma- 
chen. In einigen Gegenden der Altm. 
heisst dies Knabenspiel: Koppheistei* 

scbet'n. und kopheistern auch bock- 
heistern. 

Köblöm, die Butterblume (Caltha 
palustris). 

Kocb von Külau S. Schult von Bülau. 

Ködder S. Kaoder. 

köddern S. käörn. 

Kofent, Kafent, Dünnbier, 

Köft, ein kleines holzerues Gefäss 
mit einer Handhabe, um aus grössern 
Gefässen Wasser etc. zu schöpfen, Fut- 
ter den Thieren zu geben etc., kleiner 

alsTubb'n. 

Köherr, abgekürzt Kör S. Herr. 
Koj'n S. Grebn. 



Kök'D, der Kuchen. Botterkök'n, 
Eierkök'n. 

Köl, der Kohl. Datt Sali den K61 

nicb fett maok'n, damit wird man auch 
nichts ausrichten, es wird nichts zur 
Beförderung d. Sache beitragen, VäÖl 
Köl maok'n, viel unnütze Worte ma- 
chen mit dem Nebenbegriff des Lang- 
weiligen. 

köl'n. Dies Verbum bezeichnet das- 
selbe, mit dem eben angeführten Köl 

maok'n. 

köl'n, alts, Colon, kühlen. Dat Wäd'r 
költ Sickaf, es wird kühler z.B. nach 
einem Gewitter. 

^ kolhaftig u. kölig, etwas kühl ; auch 
köl, letzteres auch als Subst., wiewohl 
selten, statt :Küll. 

Kolk, die Tiefe vor den Mühlen- 
rädern (Möllnkolk) und Schleusen. 

kolks'n u.kölks'n, sich brechen, mit 
dem Nebenbegriff des Unanständigen, 
vielleicht mit kotz'n dasselbe Wort, im 
Begriff wenigstens unterscheiden sie 
sich nicht. 

Köir, der obersteTheil einerPflanze, 
besonders der Bäume. 

köll'n, die Kölle eines Baumes ab- 
hauen, kröpfen z. B. Weiden, Pappeln 
etc. 

köllsch'n, die Strünke von Pflanzen, 
vielleicht allein imGebrauch vom Kohl. 

kolt, goth. kolds, kalt. 
Kolter, das im Pilugbaum befindliche, 
die mitderSchaar zu bildende Furche 
gewissermassen vorzeichnende, Pflug- 
messer. 

Kömm'l, der Kümmel (Carum Carvi), 
Pflanze und Samen. 

Kömmeleck, die äusserste Spitze des 
Ellenbogengelenkes, bekannt durch 
den sogenannten Wittwerstoss. 

könn ! könn ! od. könn knmm ! Lock- 
ruf für Sphweine, auch Pick'l ! Pick'l ! 






113 



Auch wird Könn als Snbst. für Schwein 
gebraucht. 

könn' (Imperf.kunn,Partkunt) ist 
hier anzuführen \vegen eines eigen- 
thümiiclien Gebrauchs dieses Worts. 
Soll ein Knabe etc. etwas inemoriren, 
und er glaubt das Aufgegebene dem 
Gedächtniss anvertraut zu haben, so 

sagt er: ick kann! 

K6p, der Kauf; to Köp hämm, feil 
bieten. 

köp'n, kaufen (Pr. köp, du köffst; 
Imp. u. Part.koiTtu.köfFt.) alts. copon, 
copan. 

Köpmann, der Kaufmann. 

Kopp, der Kopf. Dat geit jo Kopp 
unner, Kopp äöw'r, das geht ja toll her, 
besonders von grossem Lärm gebr. Hfe 
hat sin Kopp, er hat seinen eigenen 

Willen. Watt 'n in Kopp nich hat, mtitt 
'n in d' Ben hämm. He rönnt, ass wenn 
ämm de Kopp brennt. Das Diminutiv 
Köppk'n wird vorzugsweise von der 
Obertasse gebraucht. 

Koppel hat ausser den Bedeutungen 
des Nhd. auch noch die, dass es eine 
Menge besonders lebender Wesen aus- 
drückt. 'nKoppel Jangs,Lüd,Swinetc., ' 
ein Haufen Knaben, Leute, Schweine 
etc., auch sagt man : 'nKopp'IDann' von 
einer kleinen Gruppe Kielern. Davon 
sicktosaom'n koppeln, sich zu einem 
Haufen versammeln; upp fen Koppel, 
auf einen Haufen. Dann bedeutet das 
Wort einen eingezäunten Weideplatz. 

Kopp'r, das Kupfer als Metall, nicht 
als: Kupferstich, letzteres heist nur 
Bild; koppern, aus Kupfer bestehend; 
kopp'rig, kuprcrartig,demKupfer ahn-, 
lieh, Hfe Sut kopprig Üt, er hat ein 
kupferfarbenes Gesicht, 

köpp'n 1. enthaupten, den Kopf ab- 
schlagen : 2. zu Kopf steigen. De Wtn 

kdppt 



koppheister S. Kobolzen schet'n. 

Koppwedaog, Kopfschmerzen. 

Korf, der Korb. 

kort, kurz, Eigentliümlich ist die 
Redensart: to kort Waren für sterben. 
kort Un klein, gänzlich zerbrochen. Ick 

slao di 'nPnck'l kort un klein, du be- 
kommst derbe Prügel. 

kört'n, verkürzen z. B. den verdien- 
ten Lohn. 

kortens, kürzlich, vor Kurzem (ad*: 
jectivisches Adverbium). ^ 

kortköppsch u. kortköppig, kurz 

angebunden, aufbrausend. 

Kost, Essen, Speise. Datisnichmin 
Kost, das esseich nicht gern. Waokel- 
kost, das Nachtessen, was man den spät 
nach Hause Gekommenen darreicht. 
Dagegen Waokelköst , eine Mahlzeit 
bei den Kosten (S. das nachfolgende), 
die des Nachts zwischen 10 und 12 Uhr 
verabreicht wird ; auf den Hochzeiten, 
heisst dies Essen zur Nacht auch : Wao- 

kelhaon ät'n. 

Kost, ländliches Festmahl irgend 
einer Art, das bei jeder ausserordent- 
lichen Veranlassung gereicht wird. 
Vorzugsweise werden Hochzeiten, 
Tauf- Schmause Iiierdurch bezeich- 
net. Ausserdem giebt es Richtköst, 
beim Richten eines neuen Gebäudes, 
KleiwköSt (S. oben) etc. 

Köstenbitter heisst der Landmann, 
der die Gäste zu einer Kost vorzugs- 
weise zu einer Hochzeit feierlich ein- 
ladet Er ladet durch eine gereimte 
höchst charakterist. Rede ein, u. wird 
von jedem Verwandten des Brautpaars 
mit seidenen Tüchern und Bändern 
nach dem Grade der Verwandtscliaft, 
auch mit Rosmarinsträussen beschenkt, 
womit er Hut und Kleidung schmlickt. 
Je grösser die Zahl dieser Tücher etc. 

15 



aü 



mit denen er behangen ist, je grosser 
die Elire des Brautpaars. 

Koster S. Kaot'. 

Köster, der Küster. 

KuckuckkÖSter, der Wiedehopf 
(Upupa Epops), heisst auch Köster- 

wupk. 

Kötäk, die Kubzecke, ein Insect, 
das sich in die Füsse des Rindviehs ein- 
saugt. Metaph. bedeutet es einen Men- 
schen, der uns durch sein zu langes 
Verweilen lästig wird. 2. in einigen 
Gegenden werden die Heidelbeeren 
auch Kötäk'n genannt. 

Köt'r 1. der männl. Hund ; 2. jeder 
Hund ; 3. der Kossathe ; 4. ein Schimpf- 
wort: du bist'n ganzen Köt'r, du bist 

mir der rechte (ironisch). 

kötern,rttmmkötern, ütkötern, sich 

herumtreiben, viel aus dem Hause lau- 
fen. 2. in der gemeinen Sprache wird 
es auch von liederlichen Dirnen gebr. 
Subst. Köteri, das unsittliche Herum- 
treiben auf der Strasse. 

Kotitten, Je länger je lieber, eine 
kletternde Waldpflanze (Lonicera pe- 
riclymenum). 

Köttel, harte Excremente d. Thiere. 
Hunn'-, MÜS- etc. Köttel. Davon das 
Verbum kötteln. 

kotz'n, sich erbrechen. 

Krabaot und Krabaut, kleine Kin- 
der, die viel herumkrabbeln ; auch von 
Halberwachsenen gebraucht, vorzugs- 
weise im Plur. gebräuchl, ; von Krabb, 
kleines Kind, aber nur im Gebrauch, 
wenn man unwillig auf das Kind ist. 

krabbeln S. krawweln. 

krabb'n S. rack'n. 

Krack, altes, schlechtes Pferd. 

Kraft, der Krebs, Plur. ebenso. 
^, krajöl'n S. karjöl'n. 
/♦ ' Krakel, gesuchter Streit, wobei es 
laut hergeht. fuS '>ih T9«^iy^r 



krakMn, zanken, stärker im Begriff 
als das folgende. Ebenso KrakMer 

Stärker als Kräkler. 

krakeln, stets recht haben wollen und 
deshalb stets andern widersprechen u. 
Streit anfangen; schwächer als kra- 
keln, abermitdenselben naheverwandt. 
Vorzugsweise von Knaben beim Spiele 
im Gebrauch. Vgl. auch kreiteln. 

Kräk'ier, der gern krakelt. — Diese 
letzten Wörter, so wie kreiteln, sick 
kribbeln, Kribbelkopp etc. gehören zu 
dem imNiedersächs. hie und da noch 
gebräuchl. Krek, Streit, Zank. 
Kramp l.dieKrampe;2. der Krampf. 

Kränk, verkürzte Form fürKrank- 
heit, bedeutet eigentlich die Epilepsie 
als die böseste Art der Krankheit. Es 
kommt nur noch bei drohenden Ver- 
wünschungen, Flüchen vor : datt is JO 

am de Kränk to krig'n, du säst de 
Kränk krig'n, datt du de Kränk kriggst. 

Kranzri, d. Wachholder (Juniperus). 
kraspeln, ein schwaches Geräusch 
machen, z.B. wenn Mäuse in Papier- 
spänen oder im Stroh sich bewegen, dd 

kraspelt watt, 'n Mos. 

Kratzböst, ein in Zorn gerathener 
Mensch ; Ad j. kratzböstig. 

kratzen, wie im Nhd. Das Compos. 
afkratz'n hat ausser den Bedeutungen 
des Nhd. noch die von 1. davon laufen, 
mit dem Nebenbegriff der Furcht vor 
Unannehmlichkeiten irgend einer Art; 
2. sterben, aber nur in der niedern 
Sprechart ; M iSS afkratzt, er ist ge- 
storben. 

Kratzkaoter, Scheltwort für kra- 
tzende Kinder. 

krauln, kriechen, klettern, besonders 
von Kindern gebr., welche die Hände 
gebrauchen, um sich fortzubewegen. 
2. sich viel beschäftigen, unaufhörlich 
inThätigkeit sein, mit dßm Neben be- 



115 



grlfi, dass d, Arbeit eben keine schwere 

war. ick heff mi ganz möd krauelt, ich 

bin so lange in Tliätigkeit gewesen, so 
dass ich ganz ermüdet bin. 3. von al- 
tersschwachen Menschen, die sich niclit 
viel mehr beschäftigen können und un- 
sicher auf den Beinen sind, sagt man: 

h^ krault noch so watt rümm. 

Krauter, unerzogenes kleines Kind, 
ohne tadelnden NebenbegrifF. 

Krawall, Lärm, Spektakel, besonders 
der von einer versammelten Menschen- 
menge lierrUhrt. 

krawauln l. von Kindern gebraucht, 
ist es gleichbedeutend mit karjöln (S., 
oben). 2. von Erwachsenen gebraucht 
man es, wenn ein Arbeitsfähiger stets 
beschäftigt ist, ohne etwas Ordentliches 
zu leisten. Hieu. da spricht man auch: 
trawalljen in demselben Sinne. 

krawweln, das Frequentativ von 
krabb'n. In einem bekannten Wiegen- 
liede heisst es : SuSC, lewe Suse Wat 

krawweltin't Stroh etc. 

Kraog'n l. derKragen an der Klei- 
dung etc., bi'n Kraog'n krig'n, gewalt- 
sam anfassen, gefangen neiimen; dat 

geit mi bit an'n Kraog'n, das wird für 

mich gefährlich. 2. das Fett, worin der 
Dann der Thiere liegt, verschieden von 
Gekröse , welches den Darm mit be- 
greift. 

Kräök'l, eine Falte, Bruch in Kleidern, 
die glatt sein sollen, in welchem Sinne 
auch Kniff im Gebrauch ist. Dagegen 
heisst eine Falte, oder eine eingeschla- 
gene Ecke in einem Buche: Krünk'l. 
Ebenso unterscheiden sich die Verba 

kräökeln u. krünkeln, doch gebraucht 

man auch letzteres mitunter im Sinne 
des ersten, nie aber das erste im Sinne 
desletzten. Dasselbe gilt vonden Adj. 

kräöklig und krünklig, tokräökeln und 



tokrfinkeln = durch kräökeln u. krün- 
keln verderben. 

Kraoln(Subst.)=KoralIen, die auf 
Schnüren gezogen um den Hals als 
Schmuck getragen wurden, dann auch 
andere Kugeln, die zu diesem 
Zwecke dienen, z.B. Bernstein, Per- 
len u. dgl. 

kraol'n (Verb.) = in Begriff das ver- 
stärkte käörn (S. oben) wenn Kinder 
beim Versuch, die ersten artikulirten 
Laute hervorzubringen, lauter als ge- 
wöhnlich sind. 

Kraom, allerlei meist unbrauchbares 
Hausgeräthe etc. das im Wege steht. 
Bisweilen hat es auch eine ganz allge- 
meine Bedeutung für Sachen, wie im 

Nhd. Watt hat de Kraom tobedüd'n, 

was soll dies bedeuten, dat is'n SChlim« 

menKraom,dasisteineschlimmeSache. 

kraom' (Verb.), kramen wie im Nhd. 

Kraomeri, derKrarii u, das Kramen. 
Kraon, der Hahn in einem Zapfloche. 

Kräöpel l. der Krüppel; 2. der sich 
mit Anstrengung fortbewegt, wie der 
Reconvalescent und derGreis ; auch ab- 
getriebene kraftlose Pferde. 3. iigürl. 
der ausMangel anGeldmittelnin seinem 
Gewerbe es zu nichts Rechtem bringen 
kann. In dieser dreifachen Bedeutung 
werden kräÖpUg u. kräöpcln gebr. 

KräÖp'll, jede mühevolle, zeitrau- 
bende, wenn auch nichtschwereArbeit. 

KräÖp'lspann , ein Pferdegespann, 
das nicht recht von der Stelle kommt. 

kräös'n, kräöseln, leicht in kleine 
Theilchen zerfallen. Wird besonders 
von Kornähren etc. gebr., aus denen bei 
geringer Berührung in ganz trockenem 
Zustande die Körner leicht ausfallen ; 
von kroSS, krosch (S. unten). 

KräÖt 1. die Kröte. 2. Scheltwort für 
Kinder und kleine Personen. KIk maol 
dat Kräöt sagt man, wenn ein kleiner 

15* 



116 



sich gegen einen grossen setzt, ihn an- 
greift. 011 KräÖt nennt man daher ein 
muthlges, nicht leicht zu bändigendes 
Pferd, ohne darunter ein schlechtes zu 
verstehen. Ahnlich wird auch Onark 
gebraucht und Lork. In KräÖt steckt 
noch der NebenbegrifFdes Zornigen. 

kräötig, übermüthig, zornig, aufge- 
blasen m it d em NebenbegriiT der K lei n- 
heitu. desÜberschätzens seiner Kräfte. 

Krei, die Krähe, alts. kraia. Vergl. 
auch Raow. Zwiegespräch z weierKrä- 

hen. Erste: Ick wfet 'n Brao'n ! Ickwet 
'n Brao'n ! (Braten). Zweite ; Knaok'n- 
dorr? Knaok'ndorr? (knocliendUrre). 
Erste :Sniggefett,Sniggefett! (so fett 
wie eine Schnecke). Zweite: WÜ'r 
denn ? Wü'r denn ? (Wo denn ?) Erste : 
Hinner'n Barrrg! Einner'n Barrrg! 
(Berg). 

Kreinög, Hühnerauge. 

krei'n, krähen, wie der Hahn; nicht 
vom Ton der Krähe im Gebrauch, wo- 
für man kaok'n sagt. Sprichwort: De 

Haon maokt de Ög'n to bi't kreint, h& 
wet'tbntwennig. 

kreiteln, kritteln, zanken, Streit an- 
fangen, besonders beim Knabenspiel. 
Daher vor Anfang des Spiels öfter als 
Gesetz festgestellt wird : kreiteln gelt 

nich. Davon Kreltler und Kreiteli. 

Kreinogen l. die Brechnuss (nux 
vomica). 2. die Heidelbeere S. Bär. 

Krek'n, (PI. tantum) heissen bei uns 
die kleine Art dunkelfarbig. Pflaumen, 

auch Knäterling und Knitterling. 
krepir'n,Impers.Datkrepirt mi, das 

ärgert mich. 

Krets, die Krätze. In de Krets gaon, 

verloren gehen, verderben. 

kreuzfidel S. fidel. 

Kribbel, die stechende, unangenehme 
^mpfindung in den Fingerspitzen, 



wenn bei der Kälte die Hände längere 
Zeit nass gewesen sind, derKriebel. 

kribbeln 1. sich in Masse bewegen. 
Wenn auf einem gestörten Ameisen- 
haufen die Ameisen in grossen Schaa- 
ren herumlaufen, so heisst es : dat krib- 
belt un wiwwelt, ebenso von einem 
dichten sich bewegenden Menschen- 
haufen. 2. drückt es eine stechende, 
kitzelnde Bewegung der Geschmacks- 
und Geruchs-Nerven aus, z. B. wenn 
man scharfen Meerrettig oder Bier, 
worin viel Kohlensäure enthalten ist, 
geniesst und man in der Nase eine 
stechende Empfindung wahrnimmt. 
't kribbelt in d' Näs'. Davon sind abge- 
leitet kribblig, Kribbelkopp, kribb'l> 

köppsch = wer sich leicht ärgert. Von 
kribbeln in der ersten angegebenen Be- 
deutung ist mir kein Adject. bekannt. 
In der zweit. Bedeutung wird adjecti- 

visch krimig u. krimltch gebr. Dat Ber, 
de Märak , de Semp iss recht krimig. 

Auch von stark riechendem Dünger be- 
dient man sich des Worts krimig. ~^- 
Sick kribbeln, sich Innerlich ärgern, 
ohne es sich merken zu lassen. 

kricklig, etwas stärker als kribblig, 

es schhesst nämlich auch den Begrift' 
des Zanksüchtigen ein. 

Krid', die Kreide ; ick heff ämm an't 

Krid', er ist mir schuldig. 

krig'n (Imperf. kreg; Part, krägn 
undkriggt), kriegen, für: bekommen. 

Hebb'n iss bat'r ass krig'n. Schlag', 

Bök'r etc. krig'n. In dieser Bedeutung 
heisst das Part, kräg'n, in der folgenden 
Bedeutung aber kriggt. Dann bedeu- 
tet es auch : haschen, krig mi maol ru- 
fen sich die Kinder gegenseitig zu, 
wenn sie sich haschen wollen, das Spiel 

selbst heisst Krig'n späöl'n. Se hat 'n 

Kindkräg'n, sie hat ein Kind geboren. 
rannkrlg'n, zu einem Geschäfte heran- 



\ 




117 



ziehen, "k hefiTü doch rannkräg'n, ich 

habe ihn doch noch veranlasst, dass er 
die Arbeit Übernimmt, oder beider Ar- 
beit hilft. Ein eigenthümiicher Gebr. 
dieses Verbums ist, anzudeuten, dass 
etwas sofort od. unerwartet geschieht: 
Erzählt Jemand von einem Gefecht, in 
dem die Feinde sich sofort oder uner- 
wartet zurückzogen oder schössen, so 
drückt er dies so aus : SC kreg'll gUk dat 
Lopen, sie liefen davon; SCkreg'n gUk 
dat SchetCD, sie gaben sofort Feuer. 
Affkrig'n l. mit der Hand etwas abneh- 
men. Aoft afifkrig'n, Obst abnehmen. 
2. abbekommen; kriggst nix äff, ich 
gebe dir Nichts ab ; ick heff watt äff- 
kräg'n, ich habe Schelte, Schläge be- 
kommen; auch: ich habe Verlust, 
Schaden erlitten, inkrig'n wird beson- 
ders von F"eldfr Lichten gebraucht, die 
unter Dach und Fach gebracht sind. Ick 

heff min Kaorn, Hen, Tüffeln etc. Doch 

inkräg'n, ich habe mein Korn, Heu, 
Kartoffeln etc. unter Dach und Fach ge- 
bracht, bevor z. B. Regen kam. nppkrt* 
g'n 1. von oder aus der Erde Etwas auf- 
nehmen, krigupp ist der Zuruf, wenn 
Jemand einen auf die Erde gefallenen 
Gegenstand aufheben soll. Tüffelnupp- 
krtg'n, Kartoffeln aufnehmen, wofür 
man auch, und zwar richtiger: Ütkrig'n 
gebr. 2. etwas Verschlossenes öffnen, 
meistens nur mitNegat. im Gebrauch: 

ick kann dat Schlot, de Deckel, de Büss 

nichuppkrlg'n, das Schloss, der Deckel, 
die Büchse will nicht aufgehen. 3. ver- 
zehren : ick kann't nich uppkrig'n sagt 
der, welcher beim Essen einen Theii 
tibriglässt. kleinkrig'üwird neben der 
eigentlichen Ikdeututig : zertheilen, 
auch bildlich gebraucht : datt kann ick 
nich kleinkrtg'n, das ist mir unerklär- 
lich, ist mir unbegreillich. 
' krill, munter, lebendig, datt iss 'o 



krill Dfern, das ist ein lebhaftes, mun- 
teres IVladchen; im bildlichen Sinne so 
viel als : gesund, bist noch krill ? bist 

du noch wohlauf? iss 'r all weddei 

krill ? hat er sich nach seiner Krankheit 
schon wieder erholt ? 

krimig S. kribbeln. 

Rrimskramms l. altes durcheinander 
geworfenes Gerumpel. 2. verworrene 
Reden ohne allen Zusammenhang; die 
nhd. Redensart: das ist wie Kraut und 
Rüben, hatdenselben Sinn. 

Kringel, der Brätzel, ein Backwerk 
von der Form zweier aneinander ge- 
schobener Ringe oder einer 8. 

Kringidreier , wörtlich: Kringel- 
dreher, Scherz und Spottname für 
Bäcker. 

Krinten, Korinthen. 

krinzeln drückt einen höhern Grad 
des Juckens aus, wenn nämlich mit dem 
Jucken ein Stechen verbunden ist. 
Auch wenn beim Genuss vom Bier die 
Kohlensäure vom Magen ausgestossen 

wird, so heisst es; dat krinzelt in de 
Näs'. Vgl. schrinn'. 

Kripps 1. Gripps. 2. In der Redens- 
art : enbin Kripps krig'n ist es gleichbe- 
deutend mit: en bin Kraog'n, Wick'l 
krtg'n, hinauswerfen. 

Krischaon, der Vorname Christian. ' 
krisch'n, kreischen. '^ 

kritteln S. törn. ' 

kritz'n, mit einem spitzen od. schar- 
fen Dinge über einen glatten Gegen- 
stand überhinfahren, so dass sichtbare 
Spuren davon zurückbleiben z.B. mit 
einer Nadel über einen polirten Tisch, 
mit einem scharfen Feuerstein über die 
F'ensterscheiben. In demselben Sinne 
wird auch : inkritz'n gebr., wodurch 
zugleich der Gegenstand bezeichnet 
wird, in dem die Spuren zurückgeblie« 



118 



ben sind, kritzeln das Frequent. davon 
hatdie Bedeutung wie im Neuhd. 

kröChelD, viel husten. 

Krög, ländliches Bierhaus, Krug. 

Krog'r, der Krüger. 
KrogerSCh, Frau d. Krügers, Wirthin. 

krögern, Krugwirthschaft treiben. 

Krögeri, Gewerbe eines Krügers. 

Krögfiddler, ein Musikant, der im 
Kruge zum Tanze spielt. 

• 'kröm, Diminutiv Kröm'l, Krömk'n, 

Krume, ein kleines Stückchen, beson- 
ders vom Brote; 2- das Innere des 
Brotes im Gegensatz von der Rinde. 

kröm'n, krÖmelD, krumen, in Krumen 
zerfallen und krümeln in Krumen zer- 

theilen. He hat watt intokröm'n, er ist 

wohlhabend. 

Krön I. der Kranich ; 2. he hat watt 
in d' Krön, er ist angetrunken, 

Krönblöm, die Küchenschelle, die 
Gattung Pulsatilla. 

Krönsbär, die Preisseibeere (Vacci- 
nium vitisidaea). 

Kropp, der Kropf, in allen seinen Be- 
deutungen. 

kröpp'n, den Bäumen die Aste neh- 
men z. B. Weiden, Pappeln etc. Vergl. 
anch snöd'n, von köll'n unterschie- 
den. Beim Kröppen werden alle Aste 
eines Baumes weggehauen, u. nur der 
Baumstrunk bleibt stehen, beim Köllen 
wird nur der obere Theil oder die Sei- 
tenzweige weggenommen. 

Kröpper, die Kropftaube. 

KrÖS, der Krng, woraus man trinkt. 

Sprichw. : Wer flitig mit'n Krösdeckel 
klappt, drifft licht tohoH. 

krOSS, krOSCh, spröde, was wegen 
der geringen Cohäsion seiner Theile 
leicht zerbricht oder zerspringt. 

KrÖS'l 1. die Öllampe, besonders 
wenn sie alt ist, oder wenn man einen 
Tadel aussprechen will. De oU Krds'l 



brennt schlecht. In diesem Sinne ge- 
brauclit man auch das Wort : Funzel od. 
Fnnzel. 2. das Fügeeisen der Glaser. 
3. He hat watt in'nkrÖS'l, er hat stark 
getrunken. 

KrÜd, Plur. Krtid'r, das Kraut, alts. 
crüel, Inbegriff aller grünen Püanzen- 
theile, KrÜd VÖr't Yfe = Viehfutter. 

2. Suppenkräuter, hast all KrÜd an't 

FlftSCh?=hast du schon die Suppen- 
kräuter in den Fleischtopf gethan ? 

Krüderköl, ein aus verschiedenen 
Kräutern bestehendes Essen am Grü- 
nen - Donnerstage. Es gehören dazu 
neun verschied. Kräuter als: Gunder- 
mann, Relitz, Veilchenblätter, Nessel, 
Sprossen von Braunkohl, Maiblatt etc. 

Krtk, ein Krug mit weiter Öffnung 
und ansehnlicher Grösse, wodurch sieh 
dies Wort von Kr6s unterscheidet. 

krüU'n l. kräuseln z. B. die Haare. 
2. essbare Gegenstände mit ihrer Hülle 
kochen, z. B. Kartoffeln mit der Schale 
(Krülltülfeln und Pelltüffeln), Erbsen 
mit der Schale (Ströpärften). 

Krümm', die Krümmung, 'ngöd Weg 

ümm' iss kfen Krümm', ein guter Um- 
weg ist besser, als der gerade, wenn 
dieser nichts taugt. 

krumm, mit 'n krnmm' Arm kaom'n, 

durch Geschenke zu bestechen suchen ; 
watt krumm näm, etwas übel nehmen. 

krnmpen wird nur von Wollenge- 
weben gebraucht, wenn sie in nasse 
Tücher geschlagen werden, wodurch 
sie sich zusammenziehen. 

Rrummstro , das Stroh , was beim 
Aufbinden des guten Langstrohs nach 
dem Ausdrusch d. Korns, zurückbleibt 
u. auch in kurzen Bünden zusammen- 
gebunden wird, 

Krünk'l S, Kräök'l. 

krunken oder krunksen, sich unwohl 

fühlen u. darüber klagen. He krunkst 



I 

I 



119 



watrüm, er ist zwar ausser Bette und 
gellt umher, fühlt sich aber unwohl u. 
klac;t darüber. 

Krunkser, derherumkrunkst. 

Krüpbon S. Krüp'r. 

krüp'n (krüp, krüppst, kröp, krao- 
pen) = kriechen ; alts. criopan, crupen. 
nnnerkrüpen = unterkriechen. Das 

Sprichwort: kiüp unncr, kiüp unner, 
de Welt iss di gram hat bei uns nicht 
die Bedeutuno[: stirb nur.man aiebt auf 
dich Nichts mehr, wie in Hamburg, 
sondern wird nur beim Tändejn mit 
kleinen Kindern gebr., die im Bette lie- 
gen und gern die Bettdecke von sich 
stossen, oder die beim Spiele sich das 
Gesicht verhüllen und die Hülle rasch 
Svieder abnehmen. 

Krüp'r, KrÜpbohnen, d. Buschbohne, 
die nicht rankt. 

KrÜphÖn'r, Haushühner mit kurzen 
Beinen. 

KrÜpkaomer, ein Zimmer, in dem 
man nicht aufrecht stehen kann sondern 

kriechen muss. Krüp unner d' Bank 

(Subst.) das ungetaufte Kind. 

kr&s, kraus. Maok mi den Kopp Dich 

krftS, reize mich nicht zum Arger. Wer 
leicht in diesen Zustand kommt,' heisst : 
'n Krftskop, welche Bedeutung das nhd. 
Krauskopf nicht hat; wovon das Adj. 

krüsköppsch. 

Krusdnllen, Halskragen, Handman- 
schetten, Jabots, überhaupt Wäsche, 
die in Falten gelegt und gekräuselt ge- 
tragen zu werden pflei);t. 

krtiseln , kraus machen, z.B. das 
Haar, die Wäsche etc. 

KrftS-mint S. Parmint. 

Kruse-mnse, ein Ausdruck, um an- 
zudeuten, dass alles bunt durch einan- 
der lie^jt. 

KrÜtSCh, die Karausche. 
Ji^ Krtttz, alts. cruci, 1. das Kreuz. WCr't 



KrutZ hat, Segent Sick, jeder ist sich 
selbst der Nächste. 2. tropisch: Leiden, 
Ungemach. 3. der untere Theil des 

Rückgrats. 'khefftsoin'tKrutz. 

Krutzdaorn, der Kreuzdorn (Rham- 
nus catharcticus). 

Krützkrut, ein Gartennnkraut (Se- 
necio vulgaris). 

Ktiff, ein schlechtes u. kleines Haus. 

Kuffer, der Koffer. 

Kujön, aus dem Franzüs. Coyon, 
ganz ins Piattd. mit geringer Ab- 
änderung in der Aussprache überge- 
gangen, jedoch mit einer andern Be- 
deutung. Man versteht darunter einen 
listigen ^verschlagenen Menschen, der 
andere gern zum Besten hat, sich an 
ihnen reibt, auch wohl zu etwas verlei- 
tet, das ihm Schaden bringt, und nach 
gelungener That sich darüber freuet. 
Wird nur als Scheltwort gebraucht. 

knjon^r'n, das franz. coionner, im 
Sinne von scheren, hudehi, turbiren. 
Den Nebenbegriff der Faulheit u. Feig- 
heit haben beide Wörter nicht. 

Kük'n 1. jimges Federvieh, Küchlein. 
2. verdickt. Nasenschleim, bei Kindern, 

KückerÜkti', der Haushahn. 

Kukuksblöm nennt man alle violett 
blühenden Orchisarten z. B. Morio, ma- 
culata etc. DieOrchisart mithandfür- 
migen Wurzelknollen werden von den 
Kindern öfter ausgegraben und die 
grossere alte wird dieGotteshandge« 
nannt, die jüngere kleine aber; die Ten- 
felsklaue, sie wird mit Äusserungen 
des Unwillens abgebrochen und weg- 
geworfen Auch der Günsel (Ajuga 
reptans) heisst: blaue Kukuksblftm. 

KukuksspUCk nennt man die schaum- 
artige Wohnimg, welche sich die Larve 
von derSchaumcicade(Cicada spuma- 
ria) auf den Pflanzen bildet. Nach der 
Vorstellung des Landmanns ist es der 



130 



Speichel des Kukuks, er ruft dann : 

Kukuki keck! keck! keck! iviitdem 

Namen Rukllk wurden die früher all- 
gemein üblichen Pudelmützen belegt. 
Diese mussten, sobald es warm ward, 
und der Kukuk rief, abgelegt werden. 
Daher das Sprichwort: Sett äff, SÜSS 
schitt de Kukuk rinn od. : süss beschitt 

di de Kukuk. Wer es unterliess bekam 
Sommersprossen. Weim der erste Ku- 
kuk sich hören lässt, so singen dieKin- 

der : Kukuk von Häweu wu lang schall 
ick noch iäw'n. Oder • Kukuk min Lew- 
ken, watt steitin dinBrewken? watt 
steitdaorinschraw'n? wu lang schall 

ick noch Iäw'n ? Man achtet genau, wie 
oft der Vogel dann ruft. Verstummt 
er zu früh, so wird er Kukuk! Speck- 
buk! 011 GrÖtsnÜt! gescholten, und 
man achtet nicht weiter auf seine Pro- 
phezeihung. Im Frühjahr ruft d.Kukuk 
dem Weibchen zu : Kukuk ! Kukuk ! 
Wult du mi hebb'n. Das Weibchen ant- 
wortet: Kukuk! Speckbftk! Langnas'! 
Dicksnüt ! 

Kukuksköster S. Kosten 

KÜl, jede Vertiefung, Grube, Grab, 
Loch, kommt in sehr vielen Zusam- 
mensetzungen vor: Dreikül (Strudel), 
Schinner- oder FillkÜl (Abdeckerei- 
platz), Sandkül, Lemkül, fflodderkül 
(Sumpf loch), MeSSkÜl (Mistgrube) etc. 
Das Verb, kül'n ist wenig im Gebrauch, 
wohl aber inkül'n, eingraben, in die 
Grube bringen z. B. Kartoffeln, auch 
von Gestorbenen = begraben. 

Kül, die Keule, in allen Bedeutungen. 

Kulfsög'n, grosse stark vorstehende 
Augen. 

KÜlngräwer, der Todtengräber. 
Külk'n, Grübchen in der Wange oder 
imKinn. Dimin. vonRÜl. 

Küir, die Kälte, wenn sie gross ist, 
nicht das blosse Kühlsein, 



Kullerhaon, der Truthahn. 
kullern, kollern in allen Bedeutun- 
gen, 'k heff sonn Kullern in't Llf. 

külln, kalten, kalt machen, de Stüw' 

issso ütküllt. Dat Berküllt mi so in 

d' Tän*, das Bier erzeugt das eigen- 
thümliche Kältegefühl in den Zähnen. 

Külpogg S. Pogg. 

küm, kaum. 

kum, lecker im Essen. 

kumpaob'l, fähig, im Stande, capabel. 

Kump'n 1. der Trog, grösserer Napf 
mit geraden SeiteuM'änden. 2. ein ellip- 
tisches ledernes Geräth, das den Pfer- 
den über den Hals gelegt wird, woran 
sich die Seile etc. zum Ziehen befinden. 

Kumpelment, (gesprochen wie ge- 
schrieben) das ganz ins PJattd. überge- 
gangene französ. Compliment. Uh iSS 

yuller Kumpelmenten , er ist ein 

Schmeichler. 

kumplett, wohlgenährt, fett, nur 
von Menschen im Gebrauch. 

Kunn'oder Kundmann, der Kunde. 
Du bist mi 'n schönen Kundmann hat 

neben seiner eigentlichen Bedeutung 
auch die ironische; du bist mir der 
Rechte. 

kunkeldick S. Ennelbutt. 

kunkeln, betrügen, heimlich etwas 
verkaufen z. B. von Frauen, die ohne 
Vorwissen der Männer Dinge verkau- 
fen, um sich Geld zu verschallen. 

Kunkelfus'n, allerlei Ausflüchte und 
Lügen, um die Wahrheit zu verbergen. 

Maok ken Kunkelfus'n. 

kunterbunt l. sehr bunt und zwar 
so, dass dieFarben ohne Ordnung und 
Geschmack angebracht sind. 2. unor- 
dentlich, verwirrt. Dao geit kunter- 
bunt to, da geht es drüber und drunter. 

He maokt mi dat to kunterbunt , er 

macht es mir zu arg. Kunterbunt 



121 



dÖrch 'n anner Sprlk'n, b«nfe durch ein- 
ander spreclieu. 

kuntrar, kunterher, entgegen. ÄÖ 

geit all'S kuntrar, es kommt alles anders 
bei nieinem Thun, als ich erwartete; 
auch ganz in dem Sinne des franzüs. 
au contrair. 

knranz'n S. karan/.'n. 

knrern oder korern, heilen, curiren, 
sehr häufig im Gebrauch. 

knrlos, kr,ink. 

Kurptz , der Schlammpeizker, eine 
J'ischart. 

knrrig, munter und keck, mit dem 
NebenbegriiT, dass der von dem dies 
Wort gebraucht wird, leicht heftig und 
zornig wird. 

. kusch, kusch di,Zurufan die Hunde, 
sichruhiü; zu verhalten undsich nieder- 
zulegen ; A^erbum kusch'n. wist du 
kusch'n, verhalte dich still und ruhig, 

K.US'1.1. der Kreisel ; 2. Steilen in Flüs- 
sen, wo d. Wasser kreisförmig wirbelt; 
3. die Stelle des Haarkopfs, wo die 
Haare sich nach verschiedenen Rich- 
fcungen.legen, der Scheitelpunkt. 



kfiseln 1. den Kreisel treiben ; 5. vom 
"U^inde gebraucht, so viel als: wirbeln, 
daher : Küselwind. 

Kussel (SS sehr sanft), zusammen* 
stehendes Strauchwerk, Dann'kussel, 
auch schon ein einzeln stehender nie- 
driger breiter Tannenbusch. 

Kfiss'n, das Kissen in seinea ver-t- 
schiedenen Bedeutungen. i 

Ktiss'nbur S. Bür. 

Ktit, das Gedärme, nicht das ganze 
Eingeweide, auch alles, was die Wei- 
che der Gedärme hat, z.B. weiche Ge- 
schwüre. Davon küt'n, ausweiden. 

kutbut'n, küterbutj'n, einen uner- 
laubten Tausch vornehmen, meist von 
Kindern gebraucht, die gedankenlos 
das Ihrige gegenseitig umtauschen, 
büten ist =r tauschen und küten soll das- 
selbe bedeuten nach Haitaus' Glossar. 
Vgl. auch schattern ; das Substantiv ist 

Kütbütert. 

Kutt = cunnus, vulva. 
knttendull =;= mannstoll. 
KÜW'l 1. ein kleines Brot ; 2. süsses, 
nicht gesäuertes Brot aus Roggenmehl. 
KÜtz, die junge Kuh, Färse, 



1j. 



labbern, lecken. Dat Kind stiggt 
nichorndlich, 't labbert man, das Kind 

meint es nicht ernst mit dem Saugen, es 
leckt nur an der Brust. Hieraus entsteht 
mit vorgesetztem f Flabb'(S. oben) und 
mitS SChlabb'n (S. unten). 2. wird es 
von Brautleuten gebraucht, die sich in 
Gegenwart Anderer oft u. viel küssen. 
Pas Adj. labbrig wird bei uns fast pur 
von Speissen gebr, denen das Kräftige 
im Geschnwck aj>geht ; kraftlos, weichV 
lieh. Kürbissmiis nennen die meisten 
Menschen labbrig, ebenso wenn an den 
Speissen das Salz oder das nOthige Gß? 



Avürz fehlt, oder wenn zu viel Süsses 
sich darin befindet. 

Labbert, das Geküsse der Brautleute 
im tadelnden Sinne. 

labfet 1. seh wächlich, unwohl, krank. 

Ick bin ganz labM = mit mi iss't nix 

mehr = mit meiner Gesundheit steht es 
schlecht. 2. beim Kartenspiel so viel als 

das übliche Bete. 

Labk'nbläd'r S. Ribkenbbtt. 

lach'n, wegen der Redensart: 't ftl 
mi recht in't Lach'n, das war mir sehr 
Jächerlich, zu merken. 

Lack Subst. 1. de;r Siegellack ; 2. der 
16 



122 



Goldlack, eine Pflanze (Cheiranthus 
Cheiri). ;-' : : > 

lack Ad j.= kahl und nüchtern von 
Geschmack z.B. Bkr, das 'lange in 
einem offenen Gefäss gestanden, also 
die Kohlensäure verloren hat. Dasselbe 
sagt : affschmeckig, das aber auch gebr. 
wird, wenn der Speise noch ein ihr 
nicht angehörender Beigeschmack bei- 
gemischt ist. Im Ndd., Ndl. n. Engl, 
bedeutet lack : Mangel, Fehler. 

lack'n und tolack'n, siegeln, 

LafF, der Lab, die im Magen der Käl- 
ber sauer gewordene Milch, womit man 
die Milch gerinnen macht. 

Läfföt, eine Art langbeiniger Spin- 
nen ohne Gewebe (Phalangium), deren 
.ausgerissene Füsse sich noch längere 
Zeit bewegen und zu leben scheinen, 
daher die Benennung (Lebefuss). Sie 

heissen auch ffleispioii' von meien = 

mähen, weil die Füsse die Bewegung 
eines Mähenden zu machen scheinen. 
So lange ein so ausgerissenerFuss sich 
bewegt,schreien die Kinder: Föt, Föt, 

sägg uns, wao gaon unse Par nn Kö ? 

läk'n, das intransitive lecken ; das 
transitive lecken heisst im Plttd. licken. 
Der Hund lickt, das Fass läkt. Das 
Lecksein, Durchlassen v. Flüssigkeiten 

heisstplttd. spaokig sin, 

Läks'l, was tropfenweis aus einem 
GefäsSi mit- Flüssigkeiten in eidem 
unterstehenden Gefäss sich gesammelt 
h^t, von lak'n =?= lecken. Davon Rao- 
laksi , ganz schlechter' Covent, dem 
Wasser näher verwandt^ als dem Biere. 
,, Lämmel, ein Messer, von dem die 
Schale abgegangen ist. 

Läng', Längd, die Länge. Dat tut 
sickin de Läng; de Längd vondeLinn' 
iss richtig. ... 

läng'n (Pr. ick legg,Imperf. lä, Part, 
leggt. alt. leggian, goth. lagjan), legen. 



läng'n, sick, wörtlich : sich legen d. h. 
bettlägrig werden, und; ins Kindbett 
kommen. ■ .' 

läng'n, reichen, darreichen, ausrei- 
chen. Min Geld will gaor nich mehr 
läng'n ; lang' maol dat her. 

langtäögt, wörtlich: langgezogen, 
von täög'n, ziehen, wird besonders von 
•Reden, Erzählungen etc. geraucht. 
'n langtäögt Snack, langweilige, weit- 
läuftige Rede, Erzählung, dieeinschlä- 
fert. ^ ■ ' .^-^V ■ 

Lann,dasLand, Gegensatz zur Stadt. 
He iss up'n Lann. God's Wort von'n 

Lann, der Landprediger. 

Läp'i,Dim.LapeIk'n, der Löffel Ick 
hefiFt so satt, ass wenn ick 't mit Lapeln 

gätenhär, ich bin der Sache im hohen 
Grade überdrüssig. 
'• Läplkost, Speise, die man mit Löf- 
feln isst. 

lapeln, mit diem Löffel essen. 

lappern, läppern, kleinanfangen und 
allmälig fortschreiten. Wenn Jemand 
Kleinigkeiten aber in vielen Häusern 
schuldig ist, oder mit seht* geringen 
Mitteln sich nach und nach ein Erkleck- 
liches erwirbt, so heisst es : dat läppert 

äickrann, 

lästerlich, arg, schändlich, Hfe hat 

mi lästerlich bedraog'h, er hat mich arg 
betrogen. Se hat 'n lästerlich ML Das 

Subst. Laster kommt in den alten Ur- 
kund. öfter in dem Begriff^'on Schande 
vor. 

last'n, eine Last übernehmen, die- 
selbe tragen. Tritt nach einem starken 
Regenguss oder b^im Thauwetterder 
Fluss über seine Ufer, so heisst es; de 

Bak kann dat Waoter nich all lasten. 

Sind bei Auseinandersetzungen zu 
starke Ablobungen oder ein zu bedeu- 
tendes Altentheil ausgesetzt, so heisst 

es: dat kann h6 nich lasten, eine solche 



123 



Last kann der Hof (Hofwrrth) nicht 
tragen. 

. latin, latinsch wird besonders in der 
Redensart : sin Latin iSS Üt, seine Grün- 
de sind erscliöplt, er ist still geworden', 
oder;, sein Gedäclitniss hat ihn beim 
Her5ap;en eines memorirten Pensums 
verlassen. Dasselbe bedeutet: mit SID 

Latin iss't väörbi. 

Lattk'nbläd'r, die Pestwurz (Peta* 

Sites officinalis). ■. , 

lau'n, weinen. Für diesen Begriff 
sind noch folgende: Wörter im G;ebr : 

wSn', snuck'n, schrin, blär'n, hül'n, 
raor'n, quär'n, gnar'n, flennen, flensen, 
plinsen , tüt'n , flinsen , wimmern, 

winseln, gaul'n. Alle sind der natür- 
liche Ausdruck des Schmerzes. Wen', 
weipen, snuck'n, schluchzen, SChri'n u. 
SChrig'n, schreien, blär'n entspricht 
niclit dem nhd. plärren, es bezeichnet 
yj^mebr ein starkes, sehr lautes Wei- 
nen, wpbei der Mund stark geöffnet 
.wird. Bildlich gebraucht man es auch 
jdTQpi sehr lauten Sprechen. HÜl'n, heu- 
len, raor'n drückt den stärksten Grad 
des Weinens aus. Gern verbindet der 

Piattd. hül'n un raor'n. Cluär'n, quarren, 
Äusserung der Unzufriedenheit der 
Kinder in einem weinerlichen Ton ; 
gnar'n ist dasselbe Wort, der ihm in- 
wohnendeBegriff ist etwas schwächer; 
flenn' drückt das schwache Weinen ans, 
das Frequent. davon istflinsen od. plin- 
Sen und bedeutet ein sehr schwaches 
Weinen, es besteht liauptsächlich darin, 
dass das Kind bei jeder Gelegenheit u. 
ohne Grund einen weinerlichen lang- 
gedehnten Ton annimmt und deii 
Schmerz mehr erkünstelt ;tüt'n, etwas 
lÄuter als flinsen; lau'n ist die stille 
mehr tonlose u. vorzugsweise im Ton 
der Stimme, in Mienen und Geberden 
liegende Art des Missbehageus z.B. 



über eine abschlägliche Antwort ; Wim« 

mern und winseln wie im Nhd. gaul'n, 

in einem weinerlichen Ton sprechen. 

Lawdaog', das Leben. AU min Law- 
daog' hebb icksowattnichsen, wäh- 
rend meines ganzen Lebens habe ich 
nichts Ahnliches gesehen. Diese sub- 
stantivisch-adverbielle Redeweise (Gr. 
Gr. 3, 140) kommt in dieser Accusativ- 
form einzeln im Piattd. vor, noch häufi- 
ger in d. Genitivform : all Äins LäW'ns 
wird eben so oft gesagt, als: all min 
Law und diese genitivische Adverbia 
kommen in den verwandt. Gothischen, 
Mittel- und Neuniederländischen, An- 
gels., Engl, und Altnord, öfter vor. Vgl. 
Gr. Gr. 3, 127-135 und unter Morgen. 

läwig, lebend, lebendig vonläw'n, 
das Leben. >H aalswl nyb 

LäW'r, die Leber. In einem Gesang« 
heisst es : Schlächt'r gifi't sin Docht'r ftt 
mit de Läw'r, mit de Lang, mit de poln- 
sehe Ossentung ! 

Laod' 1. Fensterladen; 2;!Lode, aus 
einem Stamm frisch ausgetriebene 
Zweige ; 3. eine Art Koffer, bei dem der 
Deckel nicht so gewölbtist; 4. da die 
Innungen in ihrer alten Form in Kisten, 
welche die Form derLade in der dritten 
Bedeutung hatten, ihre Privilegien, 
Schriften undGelderaufbewahrten und 
diese Lade beim Gildemeister sich be- 
fand,so entstanden daraus verschiedene, 
jetzt durch die Aufliebung des alten 
Zünftwesens veraltete, Redensarten. 
Jede Sitzung des Gewerks ward bei 
offener Lade gehalten. Bilaod', ein 
kleines Seitenfach in derLade nach der 
obigen dritten Bedeutung, M^orin die 
Frauenzimmer ihren Schmuck aufzu- 
be\\'ahren pflegen. Dat kttmmt Üt de 
Kist oder Bilaod', es ist einerlei, aus 
welcher Kasse od. aus welchen Mittel« 
diese Aufgabe bestritten wird; oderi 

16* 



124 



es ist einerlei, ob der Mahn od. die Frau 
die Zahlung leistet. 

laod'n (Pr. laod, 16dst ; Imperf. laodt; 
Part, laod'n) 1. laden z. B. Korn ; 2. ein- 
laden z. B. zu einem Feste ; 3. viel trin- 
ken : he hat göd laod'n, er ist betrunken. 
M LaodhÜp'D, derLadeliaufend.il. das 

in grosse Haufen auf den Wiesen zu- 
sammengebrachte Heu, um es einzu- 
fahren. 
: Läög" u. LäÖgner S. leg'n. 

Laok 1. die Lake (auf Pökelfleisch 
und Heringen). 2. eine Niederung, be- 
sonders in Flüssen, Wiesen u. Weiden, 
wo das Wasser stagnirt. 3. ganze 
grössere Räume, Wiesen, die niedrig 
liegen, und daher häufig unter Wasser 
ßtehen. Das nhd. Lache hat nur die bei- 
den letzten Bedeutungen. Ein Theil 
des Grenzgräbens von Salz Wedel, der 
in der Regel stagnirt, wird nhd. fälsch- 
lich Lake genannt. Das alts. lagO be- 
deutet überhaupt: Wasser. 

Laoken, aus Wolle gewebtes Tuch. 
Soll es ein Gewebe aus anderem Mate- 
rial bedeuten, so wird dies durch einen 
Zusatz angedeutet z. B. Dischlaok'O, 

Bettlaok'n, Seilaok'n (Säetuch). alts. 

lacan, was jedes Gewebe bedeutet. 

läökern, langsam, in ganz kurzen 
Absätzen , gleichsam tropfenweise 
trinken. : 

, LäOn 1. der Faulbaum, dessen Rinde 
und Blätter der Landmann zum Ver- 
treiben der Läose benutzt. 2. der 
Ahorn. 

LaOSCh (seh wie das französ. ge ge- 
sprochen), die Agio, das Aufgeld. 

läösig, träge, dessen Gelenke gewis- 
sermassen lose sind, schläfrig; ein Kör- 
perzustand, in dem sich z.B. der Jüng- 
ling befindet, wenn er zu rasch in die 
Höhe schiesst. DäÖsig un läösig wird 
bäuiig verbunden. Von laotSChtg un- 



terscheidet" sich läösig darin, dass letz- 
teres einen vorübergehenden körper- 
lichen od. geistigen Zustand ausdrückt, 
jenes aber nur vom Gange gebraucht 
wird. 

laot Ad j. U.Adverb = spät. Im alts. 
bedeutet lät, träge, langsam, das goth. 

iats = lässig, faul, to laot kaom'n, zu 

spät kommen. Der Superl. lautet : lest, 
letzt, nn lest, ganz vor Kurzem, lest 
Snns, neulich. Auch im Alts, heisst der 
Superl. lasto,lazte,lezto, letisto. lestüt, 
am Ende ; lestüt stind 't doch Läög'n, 
am Ende sind es doch Lügen; lestÜt 

hebb'ns'sickverdraog'n, zuletzt haben 

sie sich doch ausgesöhnt. 2. der Impe- 
rativ von laot'n, lassen, das zuweilen 
adverbialisch im Sinne von : g u t ge- 
braucht wird. Diese Form laot wird 
auch nicht selten im Sinne einer Inter- 
jection gebraucht, deren man sich be- 
dient, wenn man etwas unbeachtet las- 
sen wilh Wird das Gesinde von der 
Herrschaft getadelt, u. es will dasselbe 
zu erkennen geben, dass es den Tadel 
nicht achtet, so pflegt es für sich laot zu 
sagen; der Sinn ist : lass dieFrau immer 
sagen, was sie will, ich kehre mich 
nicht daran, achte nidit darauf. 

laot'n (Im perf, ick let), lassen, alts. 
lätan, läten. Eigenthümlich ist di»s Im- 
personale im Sinne von: sich ausneh- 
men, passend erscheinen ; z. B. datlett 
em göd, das kleidet ihn gut; auch ohne 
den Zusatz, wie es kleidet, mau sagt 
auch : dat lett ar. Auch ohne den Dativ 
der Person: dat HÜS lett SChÖn, das 
Haus hat ein hübsches Aussehen. 

laotsch'n, latschen, ohne äussere 
Haltung gehen, verschieden von slad- 
dern, das sich auf das Nachlässige, Zer- 
lumpte inderKleidung bezieht Adject. 

laotschig. Vgl. auch läösig. 



II 



155 



p 



laow'n 1 . loben, laudare. 2. geloben. 
Ick laow di wat, ich gelobe dir Etwas. 
3. (sick) = sich laben, erquicken, er- 
frischen z.B. durch einen Trunk, ftt- 
laow'n wird vom Vater gebraucht, der 
seiner Tochter so und so viel aisHei- 
rathsgut aussetzt. Ick heff SC mit du- 

sentDaolerütlaowt. 

Lechel, ein hölzernes Gefäss in Form 
eines Kugelsegments, dessen sich der 
Landmann bedient, um Getränke den 
im Felde beschäftigten Arbeitern zu 
bringen. 

LScker (Subst), der Zustand, in dem 
Jemand lecker ist. Dao hebb ick 'll 
rechten Leck'r nao, nach dem Essen 
habe ich ein grosses Verlangen. Datt 

iss watt väör'n Leck'r, dies ist etwas, 

wodurch du deineLeckerhaftigkeitbe- 

friedigen kannst, 't iss man Lecker- 

werk hat dieselbe Bedeutung. Vergl. 
auch Gip'r. 

Lecks, die Lection, das den Kindern 
zum Memoriren aufgegebene Pensum : 

Kannst din Lecks all ? alts. leccia. Das 

goth, loiktja bedeutet einen Abschnitt 
zum Vorlesen. 2. bedeutet es auch 
Tadel, Scheltworte, he hat sin Lecks 

weg. 

Lecksch, ein Streifen bunten Papiers, 
das als Zeichen in die Bllcher gelegt 
wird. 

Ledd (alts. lith) 1. das Glied, Gelenk. 
Leddwaot'r , Gelenkwasser, 'n Ledd 
von Finger. 2. Augenlid. Der Plural 
scheint imPlattd. zu fehlen. Ich habe 
nur Glieder gehört, imHoll. heisst der 
Plur. Leden, im Holsteinschen laden, 
Ostfr. auch Läe. 3. der Deckel eines 
Buches. 
' Lfed, Subst. u. Adverb, wie das nhd. 

Leid, sick 'n LM andön, dat deit mi 

Idd. Das alts. 16th (Subst. u. Adj.) be- 
deutet dasselbe, 2. ein Lied, Gesang, im 



PI. Leder : datt is 't Enn' von LH, wört- 
lich: das ist das Ende vom Liede, be- 
kanntes Sprichwort, verled'n, verlei- 
den. 

Ledd'r l. das Leder, Adj. leddem. 
DattLedd'rgaormaok'n S. wamms'n, 

2. die Leiter, meist gesproch. wie Ler'r. 

leddig, ledig in allen Bedeutungen. 
DatHÜS Steit leddig, das Haus ist nicht 
vermiethet; lÖSUn leddig, unverheira- 
thet; leddig Tid nennt der Landmann 
die Zeit zwischen der Frühjahrsbestel- 
lung und der Heuernte. 

IMspräk'n, schlecht von Jemandem 
sprechen, schwächer als verläum- 
d e n ; wer es thut ist 'n Ledspräk'r. 

Ifef (Compar. Ifew'r, Superl. lewst), 

lieb, 'k heff di Ifef, Ifew'r gaor nich, de 

Lewst, dem. die Geliebte, Bräutigam, 
Braut. 

Ifeg heisst alles, was in seiner Art 
schlecht ist, leg Geld, falsches Geld; 
leg Og'n, kranke, schwache Augen; 
leg Tid, theure, nahrungslose Zeit, leg 
Ütsen, kränklich und mager ausse,ben. 
HMslegWOrn, er ist abgemagert. Die 
Cholera nennt der Landmann: 4e leg' 
Krankheit. Von leidig unterscheidet 
sich leg nur wenig; für mager, abge- 
magert wird aber nur Ifeg gebraucht. 

Leghöp, ein Mensch von schlechter, 
boshafter Gesinnung. Die Endsilbe 
höp ist \vahrscheinlich=: gehäuft, wue 
in tohöp, zusammengehäuft, FÜlhöp, 
der Faulpelz (in dem die Faulheit ge- 
häuft ist). 

Lfegknobb, das Überbein. f 

Ifeg'n, lugen (Pr. l^g.lüggst ; Imperfi 
log, Imperat. leg, ParL laog'n). goth. u. 

alts. liagan. Hfe lüggt ass wenn 't drückt 

Wfer. Davon LäÖg, die Lüge. 
LäÖgner,derLügner. 
Läögnersch, die Lügnerin. 
Läög'nsack, der Erzlügner. 



126 



--leich'nJäuCTiien.' . •■ 

- Leich'n (Subst.) -die belle Flamme, 
alts.logna.' .itowiio 

leidig (Ad ject.). moralisch schlecht. 
De hat 'n leidig Ml, sie hat ein loses 
Maul, 'n leidigen Karl, ein schlechter 
Mensch. Vgl. auch Ifeg. leidig (Adv.), 

sehr. Dat stickt mi leidig in de Og'n, 

das wünsche ich mir sehr. 

Leilaok'n, das LeichentuduS i-jinnav 

lei'n , leiten , führen z. B. einen 
Schwachen, Kranken, ein Kind, das 
noch unsicher im Gehen ist. 

Leis', Wacjenffeleise, '" - 
' tfek, Fisch- und Fro$chlaiCn; Ifek'n, 
laichen. -, -»*! 

LemkÜl, die Lehmgrübe." ,; 

Ifen', leihen, Verlen,Ütlen, verleihen, 
ausleihen. Lener, der Leiher d.h. der 
etwas yon einem, ^ndern leihet, borgt ; 
picht : der einem letwas borgt; 

LSnk, das Gelenk; auch die Masche 
einer Kette. 

Lenn, die Lende. 

Lerk, Lewe(r)k, die Lerche. Sie 
wird vom Landmann nicht als Früh- 
lingsbote anerkannt, denn er isagt: De 

Lferk iss'nLork, je dtiller hfeschrU, je 

ärger 't snit. Von einem Landmann, 
der seinen Acker nachlässig oder gar 
nicht düngt, heisst es: he Verlettsick 

drupp, dat de Lerk messen sali. Lerche 

und J'ch walbesingen von den Weibern 

so: Leiche: DatWiw'rtüg, datWiw'r- 
tilg , datt iss sonn glatt scharmantes 
Tüg. Schwalbe :Söst du sesen, wiick 
se sfe, wenn se 's Morgens frti uppstaon, 
nn in de Käök nn Kostall gaon, du müst 
^i bräk'n. Oder : Lerche : De Frünslud, 
de Frünslud, de draog'n doch gaor to 
nüdlich,ntidlich, nüdlichTüg. Schwal- 
be: Sost semaols^n, wenn ickse sh, 
's Morgens, wenn 'tnao'n Kostall geit, 



wenn ick se sfe, denn geit : de Slibb, de 
Slabb, de Slibb, de Slabb de Slirrrr ! 

Lerk'nklew'r S. Bullnklt w'r. 

ler'n, lehren u. lernen; altslerian = 
docere, ]ihon = discere. ••■;>•: 

les'n (Pr. les', list ; Imperf. les u. lassj 
Part, les'n u. les't), lesen. 

lest S. laot. 

Lest'n, der Leisten des Schusters u. 
die Leiste des Tischlers, letztere wird 
noch öfter Lest genannt. 

Lew, die Liebe, Ifew'n, lieben. 

LewkenkrÜt, der Erdrauch, eine 
Pflanze (Fumaria offlcinalis). In einig, 
Dörfern heisst diese Pflanze ful Grfet. 

iew'r, lew'st S. lef. 
> Ifewern, liefern, hfe iss lewert, er ist 

geliefert, es ist ausmit ihm. ;, -n' 

Licht, das Licht. Sprichw. : Lichter 

to Köp hämm, wenn Kinder den Nasen- 
schleim aus der Nase hangen lassen. 

licht (Adject. u. Adv., goth. leihts), 
leicht, leichtsinnig, leichtfertig. 

lichtfäörig, etwas leicht und rasch 
ausführend .oder erlernend, datt gung 
ganz lichtfäörig, die Arbc it war leicht 
zu begreifen u.ging leicht von statten. 

lichtlerig, die zumMemoriren ge- 
gebene Aufgabe leicht erlernend, ein 
gutes Gedächtniss habend. . 

lichtlöwig, leichtgläubig. 

lick'n, sick, sich lecken, wird auch 
von Verliebten gebraucht, die^sjch in 
Gegenwar.tanderer vielküspeni ". .' * ^ J 

LId=Ledd, das Glied. 

li(d)'n (Part, läd'n), leiden. Ick mag 
dilid'n, ich habe dich lieb, schätze dich 

hoch; ick kann kSn Strump app deFöt 

lid'n sagt der Podagrakranke in dem 
Sinne: der Strumpf verursacht mir 

Schmerzen ; dao mtitt de Arm unner 

lid'n, der Arme muss darunter leiden. 

Lif, Plur.Liw'r, der Leib, besonders 
der Unterleib; bi Liw', wohl beleibt, 



127 



gut genährt, nur vom Mensclien im Ge- 
brauch; bi Liw' nich oder: biLiw' nn 
Hals' nich, bei Leibe nicht, ja nicht; in'n 
Liw' Un npp'n Liw*, Nahrung und Klei- 
der; sin Liw' ken Raoth weten, sich 
nicht helfen und rathen können ; de Lif 
iss rüt bedeutet ^; der Mastdarm ist 
ausgetreten, 2. die Gebärmutter ist vor- 
getreten ; Lif holln, sättigen. Supp'n- 
werk höllt ken Lif, Suppen sättigen 
niclit. 

Lifk'n = Snöriif, das Schnürleibchen. 
Lifwedaog, Leibschmerzen, 
liggen (Nasallaut ng), goth. ligan 
(Pr. ligg [nicht Nasallaut] ; Imperf. leg, 
lagg; Part, läg'n) liegen; ligg'n gaon, 
sich niederlegen, krumm ligg'n, 
hungern. 

Ltk, goth. leik, alts. \\k, die Leiche, 
'tiss 'n Lik, es wird ein Todter begra- 
ben. 

■■ ■ ilk (Adject. u. Adv.) gleich, gerade, 
alts. gilic, gelic ; like Reg'n, gerade Rei- 
hen, lik Ütgaon, geradeausgehen: ltk 
un recht dön , aufrichtig und redlich 
handeln, to lik, zugleich; ük äöw'r, 
gerade gegenüber ; lik an, unmittelbar 
neben an; lik to, geradezu; he iSS 'n 
bät'n lik to, er macht nicht viel Um- 
schweife, spricht sich unumwunden 
und etwas derb aus. Daraus ist: ein 
Subst.,Likto, gebildet, ein Mensch, der 
init der Thür ins Haus fällt, lik u. glik 
sind zwar dasselbe Wort, aber im Be- 
triff verschieden, im ersten ist das Ge- 
radlinige, beim zweiten das Gleiche der 
vorherrschende Begriff. 

likers, gleichwohl, dennoch, trotz 
dem ; 't isS likersall göd, es ist dennoch 
gut. 

LlkdäOrn, Leichdorn, Hühner- oder 
Krähenauge. ^ 

Likhön, wörtlich : Leichhuhn, be- 
zeichnet jede kleine Eule. Der Aber 



glaube fürchtet den Tod eines Hausge- 
nossen, wena eine Eule sich auf oder 
nahe bei dem Hause zeigt. Ihr Ruf: 
Knninimit, hat diesen Glauben veran^ 
lasst. ' 

Lilj', die Lilie, Liljen konfalj'n, die 

Maiblume (-Convallaria majalis) früher 
Lilium convalliiün genannt. 

Lim, der Leim (gluten), dagegen 
LfellQ, die bekaimte Thonart; lim', lei- 
men; Limpott, Leimtopf. 

Lln und Linig, die Linie in allen Be- 
deutungen und die Leine. TügUnig, 
Leine zum Aufhängen der Wäsche. 

Ltn, der Leinsamen und die Flachs- 
pflanze. Hast all Lin seit. Die L e i n - 
wand heisst : Linn', das Adj. ebenso, 
alts. lin, goth. lein. 

LingelangS, nach der Länge, längs. 

Linn', die Linde (Tilia). 

linn' 1 . gelinde; 2. ausLeinwand be- 
stehend; linn'Bttx'n, leinene Beinklei- 
der; 3. Adject. von Linn' (Linde) linn' 
Holt,Linn'bast 

Lir, die Leier, Drehorgel ; lim, leiern, 

Lirumdrei'r, Lierkarl, Drehorgel- 

spielen 

LiS oderLischen, Elisabeth. 

lis', Di min. lißk'n, leise. 

Lisk'nsliker , M-er seinen Zweck 
durch Schleichen zu erreichen sucht. 

listig Ätsen, possirlich aussehen. 

Lock 1. das Loch; 2« ein kleinet 
schlechtes Wohnzimmer. 

loddern, Lodd'rer, loddrig, Loddert, 

nach (araff mit dem neiihd. lieder- 
lich »dasselbe Wort, ioddrige Arbeit 
wofür man auch liederliche Ar- 
beit sagt, eine Arbeit, worauf keine 
Mühe, kein Fleiss verwandt ist. Dat 

Tüg sitt gm so loddrig npp'n Liw, er 

wendet nicht die geringste Sorgfalt auf 
seinen Anaug; dafür sagt man auch: 



128 



sick liederlich antreck'n. sloddern, 

Sloddrig haben dieselbe Bedeutung. 
Den NebenbegrilT des Lasterhaften hat 
dies Wort bei uns nicht 

l8d'n 1. lüthen, 2. mit dem Bleiloth 
die Perpendiculare finden, von Löd, das 
Senkblei der Maurer und Zimmerleute. 

L6f, das Laub der Bäume; alts. löf, 
gotb. laubs. 

Loff, das Lob ; alt. lof. Vgl laow'n. 

Löfft, die Verlobung, von laow'D, 
auch der Verlobungsschmauss. 

Log 1. die Lauge des Bleichers; 
2. die Lohe des Gerbers. 

L6k, der]Lauch(Allium\ Snittlök, 

Knufflok etc. " ?:;';'^;; ■ 
lömern,lomrig S. flömern. -^^ ■ f 

Lop 1. der Lauf (cursus),2. d^i-.'f firf- 
tenlauf,3.Tmperat. von löp'll. ''' . ;^^' 

Lopeiid, dat, der Dufch-falf/ vö^^tig- 

lich die Ruhr. 

lÖp'n(Imperf.lep,Part.lopen)götb. 
hlaupan, alts. hlopan = laufen, gehen 
lernen, 't Kind löppt all, es fängt ah zu 
gehen. He löppt, ass wenn am de Kopp 
brennt, er läuft sehr rasch. 

Lop'r 1. der Läufer, 2. der Stein, mit 
dem der Maler die Farben reibt. Löperf, 
ein häufiges Laufen, unnütze häufige 
Besuche von Bekannten. 

lopsch 1. von Hunden gebr. : hitzig, 
2. von Pferden : durchgehend 

Löpk'n, ein Gemäss für trockene 
Sachen, zweiMetzen enthaltend. 

Lork 1. die Kröte, 2. Scheltwort fü^ 
einen kleinen Menschen, in welchem 
Sinne es meist generis neutrius ist. Vgl. 

Kraöt. lih ftent sick, ass wenn hh 'n 
Lork an'n Strick här, er freuet sich, als 

wäre ihm das grüsste Glück zuTheil 
geworden. 

Lös' S.Knust. 

Low', die Laube. 

löw'n S. glöw'n. 



LoWisch'n, Lawisch'n, der Vorname 
Luise. t: 

Lncht, die Luft: fries. locht, holK 
lucht in d' Lncht gaon, ins Freie (im 
Gegensatz vom Zimmer) gehen, de 
Lncht geit, es ist ein massiger Wind. 
luchtig, luftig. Ütlnchten l. von der 
Luft durchziehen lassen, besonders 
wenn etwas lange Zeit dem Zugange 
der freien Luft entzogen gewesen ist, 

2. Hasel- und Wallnüsse von der sie 
einhij Menden äussern Schale befreien. 

3. aus Pflaumen, Kirschen die Steine 
herausnehmen. 

lncht (Adj. u. Adv.) link. tO lucht'l 
Hand, zur linken Hand. 
,?;.Lticht, die Laterne. -> ^ 

lücht'n, leuchten, Licht um sich ver- 
breiten, goth. hichtjan. De Stäm 

lücht'n recht. Iticht em rüt, begleite 

ihn mit einem Licht heraus. Von einem 
sehr entfernten Gewitter, dessen Blitz 
man zwar sieht, aber den Donner nicht 
hört,heisstes: 'tlücht, jedoch nur im- 
personell. 

Lnchter, der Leuchter. 

Inchtern (Adj.) helsst Jemand, der 
die linke Hand vorzugsweise ausge- 
bildet hat, und feine Arbeiten vorzugs- 
weise mit derselben verrichtet. 

Inck'r, locker, im eigentlichen und 
tropischen Sinne. 

LÜ(d) (PI. tantum)^ die Leute. Laot 
de Lud man snack'n. Man bedient sich 
dieses Wortes auch zur Bezeichnung 

des Pluralis z. B. Mauuslüd, Frünslüd, 

TimmerlÜd = Männer, Frauen etc., 
auch bedeutetes den Inbegriff allerauf 
einem Gehöfte, w^ohnenden Personen 
mit Auschluss der Miether: uns' Lud 
SÜnd all in Hei'n, Herrschaft U. Gesinde 
sind mit Heuarbeiten auf der Wiese 
beschäftigt. In andern Th,eilen der 
Provinz wird dies Wort in einem noch 



129 



engern Sinne genommen, indem man 
blos denHoflierrnund dessen Frau da- 
runter versteht 

>■ 'Lud u. lüt (Substu. Adj.),alts. hlud, 
Laut und laut. Snack nich so lüt, sprich 

nicht so laut. He kann ken Lud von sick 
gäw'n, er ist heiser. 

Lüde, der Vorname Ludwig. 

IÜ(d)'n (3. Sing. Pr. he lUtt), läuten. 

flast de Klock'n lüd'n hört', hast du 

etwas gemerkt; 'n Esel belÜd'H nennen 
«nsere Knaben das Hin- und her bau- 
meln der Schulknaben mit den Beinen, 
die beim Sitzen auf der Schulbank nicht 
•zur Erde reiclien. 

Ln(d)brQ'r S. brüd'n. 

lüdhalsig, wörtlich : lauten Halses, 
•nur mit schritt (schreien) verbunden= 
■überlaut schreien. 

iüd'rmässig als Superlativbezeich- 
nung S gefährlich. • 

LÜk, nicht blos wie im Neuhd. die 
Öffnung im Boden und in den Wändeiii 
der Gebäude, sondern auch die hölzerne 
Thiir selbst, welche dieselben ver- 
schliesst. Ulaok de LÜk to, mache die 
Klappe vorder Luke zu. Im Alts, be- 
deutet lukan verschiiessen. 

lüks'n, versteckt auf Etwas lauern, 
Frequert von lük'ü (in der Altm. nicht 
gebräuchlich, wohl aber im Bremisch.) 
also : aus einer Luke öfter hervorsehen. 
Im Begriff ist es mit lür'ü (lauern) ver- 
wandt mit demNtbenbegrifl' des Heim- 
lichen, Versteckten. Aus diesem Ne- 
benbegriffgeht eine zweite Bedeutung 
hervor: jemandes Eigenthum auf 
heimliche, versteckte Weise an sich 
bringen. In diesem Sinn werden auch 
die Composita : äff lÜkSD, bclüks'n Und 
WeglÜkS'n gebraucht. 

LÜkworm, Ke^^enwurm. 

LÜlei, der Müssiggänger. Davon 
I^lein, faullenzen. Vgl. bummeln. 



LÜmm'l, Schimpfw,, grober Bengel. 
Inmpen (Verb.), kommt nur in der 

Redensart vor: sick nichlnmpenlaoten, 

sich nicht weigern, beim Trinken etc. 
etwas zum Besten zu geben. -■■ 

Lnmpenkärl, der Lumpensammler. 

lün', launen. Subst. ebenso. 

Inngern, faullenzen mit dem Neben- 
begriff des häufigen Liegens aus Faul- 
heit, daher Lungerbank. Sick upp de 
Lungerbank leggen, sich der Faulheit 
ergeben. Die Bedeutung: lauern auf 
Etwas, hat es in der Altmark nicht. 
Subst. Lung'rer. 

Lünick, die Bachbunge (Veronica 
Beccabunga). 

Lüning, der Haussperling (Fringilla 
domestica). 

Lunk, eine Vertiefung, unterscheidet 
sich von BÜl (S. oben), dass jenes von 
jeder concaven Vertiefung, dieses aber 
nur von metallenen Geräthen gebr. 
wird. Wenn auf dem geebneten Acker 
sich in der Folge eine Stelle senkt, so 
entsteht eineLunke, wofür nie Bülge- 
braucht werden kann. Dagegen: de 
KatI hat 'nLunk oder BÜl. Das Verb, 
heisst lunk'n, wovon tnluuk'n = eine 
Lunke hervorbringen. Wer über frisch 
gegrabenen Acker oder über ein Moor 

geht,lunktin. 

Ltink heisst in einigen Dörfern der 

Sperling. 

Iftnsch, lünsch, lünsk = launisch» 

■woraus fünsch. 

LÜnwink'I, ein Versteck, wohin sich 
der Launische in seiner Stimmung be- 
giebt. 

Lün8'(das S sehr sanftgesprochen), 
der Achsennagel. 

Lupk S. Wuppwupp. 

Lftr, die Lauer. Sick upp d'Lftr leggen; 

auch : der Laurer z. B. in dem Sprichw.t 

Bür iss 'd Lür, Schelm von Natur. 

17 



130 



Iftrn, lauern, wartet! auf Jemanden. 
Frequerit. von lug'n. 

Lnrr', Erdichtunpj, Unwahrheit. 

Lüs, die Laus. lIw'h ass 'nLüs in'n 

Schorf, drückt ein Wohlleben, beson- 
ders mit Rücksicht auf einen guten 
Tisch aus. 

LÜsblÖm, der Löwenzahn (Taraxa- 
cum officinale) heisst auch Gäldick* 

kopp. 

lüs'n, lausen und lausen. 

LÜs'angel, der Läuse hat. 2. ein 
Scheltwort. 

LÜS'knickr, ein arger Geizhals. 

Lusk'nknicker, scherzhafter Name 
des Daumens. 

Lust, wie im Nhd. Zu merken ist 
die Redensart: mitLust Wäs'o, lüstern 
sein, ein Gelüste nach etwas haben, be- 
sonders von Schwangern gebraucht. 

lOSt'O, lÜSt'n, Lust haben. Datt SOU 



mi noch lÜSt'n, das sollte mir noch feh- 
len. 

lästern gaon, sick verlnst&rn, dem 

Vergnügen nachgehen, sich eine Lust 
machen. 

lüstern, sick oder npplüstem, sich 

schmuck anziehen. Funkelndes, Glän- 
zendes anlegen. 

lüthalsen, lüthalsig, auffallend laut, 
besoiid. von Weinenden im Gebrauch: 

lüthalsig raor'n. 

lüt'r, lauter, nichts als. Datt SÜnd 
lüfr Läög'n, das ist Nichts als Lügen, 
goth, hlutrs, alts. hlutar. 

lüttjlüttj, lüttk, klein, wenig, alts, 
luttic,holl.lutje. tof 'n lüttj, warte ein 
wenig, lütt Jnng',Mäk'n, kleiner Junge, 
kleines Mädchen und die Kleinmagd, 
auch substantivisch de Lutt, der Kleine. 

Lüttknecht, der kleine Knecht, 
zweiter Knecht. 



M. 



Machandel, Machaldelböm, Wach- 
holder; Machandelbarn, Wacholder- 
beeren (Juniperus communis). 

mächtig, zur Bezeichnung des Su- 
perlativs S. gefärllch. 

Mach-Sachte (Subst.), der vordere 
ungefaltete, aus altem Zeuge gefertigte 
.jTheil des Weiberrocks, der von der 
Schürze bedeckt wird. 

mack 1. zahm. De Düw'n sünd recht 

mack. 2. kraftlos, erschöpft. HS is 
mack, seine Kräfte sind erschöpft, er ist 
zahm geworden, körperlicli u. geistig. 
Hack nn Mack S. unter Hack. 

fflädjder Meth, Getränk aus Honig 
und Wasser. In de Mäd gaon ist der- 
selbe Tropus wiedasNhd. in die Kir- 
schen gehen. IVIan spricht auch ; hütiss 
Mäd, heute wird Meth verkauft. 

maddeln, maggeln bezeichnet die 



üble Behandlung, die Kinder den jun- 
gen Vögeln etc, durch unaufliörliches 
Spielen mit denselben widerfahren 
lassen. Dasselbe drückt malkern und 
Salkern aus. Auch bedient man sich 
des Worts, wenn z. B. Fleisch etc. durch 
zu häufiges in die Hand nehmen ein 
übles Ansehen bekommt. Davon ver» 
maddeln, durch unpassende Behand- 

iur)g übel zurichten. Dat Kind iss ganz 

Vermaddelt, durch schlechte leibliche 
Fliege und Nahrung ist das Kind in 
einem üblen Zustande. 

Maddel!, ffladdler, Substantive vom 

vorigen. 

maddem, im Schmutz (Modd'r)oder 
im Wasser herumgehen, oder darin mit 
den Händen wühlen, hauptsächlich von 
Kindern gebraucht. 

Mäddl (über die Aussprache des ä 



r 



131 



sielie Einleitung), der Windlialm im 
Roggen und Weizen (Agrostis spica 
venti) ; ausserdem alle Arten von Grä- 
sern, die auf sterilem Boden wachsen 
und vertrocknet sind. 

Maikäw'r, der Maikäfer. DieKinder 

singen: Maikäw'r flieg, dinVaorer iss 
in' Krtg, din Mutter iss in Pommerland, 
Pommerlandiss affgebrannt, Maikäw'r 

flieg. Die Einmischung nhd. Formen 
(flieg, abgebrannt) finden wir bei un- 
sern Kinderliedern in der Altm. öfter. 

mäkeln, tadeln, besonders in Klei- 
nigkeiten. Subst. Mäkler, der gern alles 
bekrittelt. 

Mäk'n, das Mädchen; 1. als Gegen- 
satz von Knabe. 2. weiblicher Dienst- 
bote. Tst eigentlich die Diminutivform 
vonMaogd, ist aber in der Bedeutung 
ganz an die Stelle des Stammworts ge- 
treten. 

Mälbär, die Frucht des Weissdorns 
(Crataegus oxyacantha) die eine rothe 
mehlige Beere ist. 

malkern, maggeln, maddeln sind 

gleichbedeutend. 

mallörn, ein aus malheur im Palttd. 

gebildetes Verbum. Dat hat mi recht 

maliört, da habe ich Unglück gehabt. 
Auch das Subst. Mallör ist vielfach ge- 
bräuchlich. 

man (Adverb,), nur, aber; hh WUll 

wol, h5 kann man nich; laotämmman 

gaon. Das nhd. Pron. man kennt man 
in der Altmark nicht. Der Begriff des- 
selben wird durch 'n, fen, enn, sfe, de 
Lud ausgedrückt : fen schall wol glöw'n, 

man soll wohl glauben ; dao kann 'n 

sick npp sin Wort yerlaot'n, darin kann 

man sioh auf sein Wort verlassen; fen 

mfit man ken Blatt väör't Mül nehm, 

manmus.s tuir keinBlatt vor den Mund 
nehmen; sfe glÖW'O, man glaubt; dC 
Lud Seggen, man sagt. Ähnlich sind 



die Redensarten: hfe kann SntoFräfl'u 

iaot'n ; slao hn nich. 

Mandelbrot = Mälbär, Frucht des 
Weissdorns. 

Mangel, die Mange, eine grosse Ma- 
schine zum Glätten der auf Walzen be- 
findlichen bedruckten Zeuge, beim 
Kattundrucker, Schwarzfärber u. dgl,, 
auch eine kleinere, um die auf eine 
Rolle gewickelte Wäsche glatt zu 
machen. Das Verrichten dieser Arbeit 

heisst mangeln. 

mank (Praep. u. Adverb.), unter, 
zwischen; alts. angimang d.h. im Ge- 
menge, von mengian, mengen. 
He iss midden mank west, er ist mitten 

dazwischen gewesen. Mank deRogg 

iss Dresp. 

mankanner u. malkanner, unter ein- 
ander. 

mankher, mitunter, bisweilen. 
Mann, mit einem eigenthümlichen 

Genitiv : Hfe iss Manns nög, dao bin ick 

Manns Väör, dazu ist er (bin ich) der 
Mann, fühlt in sich die Kraft. Der Flur, 

heisst Mannslad. Vgl. mannsdall 
männig, manch (Adj.). Männig fen 

(Subst), Mancher. 

Männk'n l. Männchen, Dimin. von 
Mann. 2. possirliche Bewegungen, 
närrische Gerberden, sie mögen aus 
übler Angewöhnung herrühren, oder 
absichtlich hervorgebracht werden, 
letztere besonders hinter dem Rücken 

einesandern. Männkens maok'o. 
Mannsbild, Mannsminsch, die Manns- 

person. 

mannsdnll u. mannslif, mannsUch- 

tig, verliebt, vom weiblich. Geschlecht 
gebraucht. Das erstere ist viel stärker 
als das zweite und ein sehr tadelndes 
Wort. 

manschen, mischen, mengen mit dem 
Nebenbegrift des Unpassenden, Unge- 

17* 



132 



hörigen. Se manscli'n den K61 un de 
Arft'n sick dörch, dat nöh'm seLempntz 

an Strö, sagt Bornemann. Weil nun 
beim Durchwühlen des Wassers auch 
leicht die auf dem Grunde liegenden 
Gegenstände sich mit dem Wasser mi- 
schen, so wird dies Wort übertragen auf 
ein zweckloses Herumwühlen im 
Wasser, besonders bei Kindern. Man 
spricht auch : matsch'n. Mansch'n war 
früher auch im Nhd. gebräuchlich. 

Manschetten hämm, sich vor Jeman- 
dem fürchten. 

fflär 1. die Stute, wenn sie ein Fohlen 
hat: 2. jedes schlechte magere Pferd, 
auch wohl Schindmär genannt ; 3. ein 
liederliches Frauenzimmer. 

marach'n, angestrengte Kcirper- 
arbeit verrichten. Ick heff den Ütge- 
Slaog'n Dag maracht, ich habe den gan- 
zen Tag unausgesetzt sehr fleissig und 
schwer gearbeitet. Daher sick affma- 
rach'n, durch fleissige und schwere 
Arbeit ganz erschöpft sein, wofür man 

auch : sick ütmarach'n sagt. 

, Maräk, der Meerrettig (Cochlearia). 

Maraokel, Lärm, Spektakel. 

Maratz u. Moratz, der Morast. 
' Marcht, der Markt in seiner doppel- 
ten Bedeutung. 

MarienkrÜd heissen die beiden sehr 
häufig vorkommend. Arten Knöterich, 
Polygqnum amphibium und lapathifo- 
lium. 

Marilis' (a .wifd nicht gehört), tiie 
Vornamen Marie Luise. 

Marks l . der Mark in den Knochen ; 

)i5 hätt Marks in de Knaok'n, er ist ein 

kräftiger Kerl. 2. der grosse grüne 
Wasserfrosch, dessen Keulen hie und 
da gegessen werden. 

Marotten. Sprichwort: hast Marot- 
ten in'n Kopp ? brütest du über etwas 



Übles, das cTu ausführen willst ? 
Vgl. auch Knap. 

Mä(r)sch, die Viehweide. 

Mä(r)schbl6m, das Tausendschön- 
chen (ßellis perennis). 

Märtensdag, Marti nstag(10. Nvbr.), 
der Tag, an dem zeither das Gesinde 
wechselte. Am Martinsabend ziehen 
die Kinder in die Häuser und singen, 
wofür sieObst erhalten : Märtens,Mär- 

tens Vöggelken, mit din vergulden 
Flöggelken, fieg so wit, bett an de Sit ; 
dao kämm de gröte Martin, slacht 'n 
gröt fett Swln, dao kämm de grote 
Jaokob fratt all mit 'n maol npp. Kiep- 
p'n, klopp'n Ringelken, hir staon 'n 
Paor arme Kinnerken, gäwt se watt un 
laot se gaon, datt se hüt noch wider 
kaom bett väör Naowers Däör , Nao- 
wers Däör iss nich wit, Äppeln un Barn 
sündallrip, deNäöt de mag ick garn. 

(Nach Firmenich :in Gardelegen.) Mär* 

tens, Märtens Vöggelken, mit dinver- 
goldteFlöggelken,fieghochbesäöbern 
Wim, morgen iss Martin ; Martin iss 'n 
göden Mann, de uns all watt gäwen 
kann ; Appeln un Bärn mag ick girn, 
Näöt smeck'n ök all göt, smit'n se mi 
weck in Strohhöt; gäwt se watt un 
laot se gaon, datt se hüt noch wider 
kaom bes väör Martins Däör, daogifft 

Äppeln un Barn. (Nach Firmenich ; in 
Stendal,) In Salzwedel lautet der Ge- 
sang- Märtens, Märtens Vöggelken, 
mit din vergulden Flöggelken, fleg so 
wit bett äöwern Wim, morgen iss datt 
Martin ; denn kämmt de gröte Goliath 
un stickt uns all in sin' Sack, denn 
kämmt de klein Äpöstelken, maokt uns 
frische Wöstelken. Mari, Mari maok 
aop'ndeDäör, dao staon 'nPaor arme 
Schöler väört Däör, gäwt uns watt un 
laot' uns gaon, datt wi hüt noch wider 
kaom, bitt väör Naowers Däör, dao 



133 



krlg'n wi AppelnunBärn, Näötsmecken 
ök all göt, smit'n wi all in' Strohhot. 

Haben die Sänger eine kurze Zeit ge- 
wartet und nichts erhalten, so singen 

Avohleinzehie:Märtens,MärteusBlaos', 
wenn ji mi nicks gäwen willn, so lickt 
mi midden in' Maors. 

MärtensgOS, die gebratene Gans, 
welche am Martinitage gespendet wird. 

Sprichw.: Wenn de MärtensgOS upp'n 
Ise steit, Christkindk'n int Waoter 

geit. Sinn ; Wenn es Martini friert, ist 
Weihnachten offenes Wetter. 

Märzblöm, das Leberblümchen (He- 
patica triJoba). 

Masseln, die Masern, eine Haut- 
krankheit. Der Maser im Holze dage- 
gen heisst fflaoser. 

Materig, der Eiter. 
mät'n (mett, met, raät'n), messen. 
Sin Geld mit Schäpel mat'n. alts. metan. 
Matsch, Patsch und Claatsch, der 

Strassenkoth, \\'enn er durch den Re- 
gen oder schmelzenden Schnee bei- 
nahe flüssig geworden ist. In abgelei- 
tetem Sinne wird alles, was durch 
Reiben, Stampfen etc. mit hinzuge- 
kommener Flüssigkeit in einen haib- 
ilüssigen Zustand versetzt ist, in dem 
die einzelnen Bestandtheile nicht mehr 
erkennbar sind , so genannt. Adject. 

matschig, patschig, quatschig. Das 

Verbum matSChen bedeutet auch: in 
solchen Halbflüssigkeiten herumwüh- 
len. Vgl. plantschen. 

Matt, die Metze, iV des Scheffels. 

matt'n, vom Müller gebr., dieMahl- 
metze nehmen. 

Maukatt, kindlicher Ausdruck für: 
Katze. 

manschein, betrügen. Mauschelt, 

der Betrug, insofern er versteckt, im 
Geheimen geschieht. 

Matz 1. Scheltwort für einen Men- 



schen, der zu Nichts recht zu gebrau- 
chen ist, gewühnl. mit andern Worten, 
zusammengesetzt: Matzpump, MatZ« 
fotts, ohne den Begriff zu ändern. Das 
letzte Wort hat oft den Zusatz : von 
Dräsden, den ich mir nicht erklären 
kann. 2. Zuruf der Knaben an ehien 
gezähmten Vogel, wofür auch das 
Dimin. Mätzk'n üblich ist. 

Maog'n, der Magen. Maog'nkramp. 

mäöglich, möglich. 

mäög'n (magg, mugg undmuclit) 
1. mögen, wie imNhd. 2. gern essen, 
sich gut schmecken lassen. He mag, er 

hat guten Appetit. Datt mag ick woll, 

das schmeckt mir gut. 

maog'r, mager. Hfe iss so maog'r 
ass 'n Hund oder hundmaog'r. 

maok'n, machen, in allen seinen Be- 
deutungen. Das Subst. Maok wird wie 
dasnhd. Mache gebraucht. Dat Tüg 
iss noch in de Maok, die Kleider sind 
noch in der Mache. De Saok isS lang 
in de Maok west, über die Angelegen- 
heit ist viel verhandelt. Datt ick di nich 
in de Maok krig, dass du mir nicht in die 
Hände fällst, um dich durchzuprügeln ! 

5n in d' Maok hämm. 

Maok'r, der Macher; so heisst auch 
der, welcher bei öffentlichen Verstei- 
gerungen vom Verkäufer beauftragt 
ist, durch Bieten die Gegenstände in die 
Höhe zutreiben. 

Maokwerk, schlechte Arbeit, Mach- 
werk. '« 

maol, mal. hn- twemaol, dütmaol, 

ein- z\\eimal, diesmal. 

Maol (Subst.) 1. das Mal, in di<^ser 
Bedeutung heisst der Plural Maoler. 

'n Maoler dre bin ick dao west, etwa 

dreimal bin ich dort gewesen. Vi^y 
leicht ist Maoler in dieser Verbindung 
alsGenit. Plur. zu nehmen. Vgl. auch 
Daoler. S.Ziel u, Zeichen für dasselbe 



134 



7..B. beim Ballspiel und andern Spielen. 
Wuiss'tMaol?nurim Sing, gebräuch- 
lich. 3. das Muttermal. 

Maol enns , einmal (nicht als Zahl, 
sondern das latein. forte). Vgl. §nns. 

Maoltid, die Mahlzeit, prost Mdoltld, 

der gewöhnliche Mittagsgruss. Wer 

nich kümmt to recht'n Tid geit de 
Maoltid qnid. 

Maon ]. der Mohn (Papaver), alts. 
mago. 2. der Mond, alts. mano. Das 

Sprichwort: de Maon iss ämm noch 

nich oll noch bezeichnet einen Nach- 
lässigen, der seine Geschäfte gern auf- 
schiebt; und dadurch leicht Verluste 
erleidet. 

Maond, der Monat. 

Maondag, der Montag. 

maon' (Imperf. maont, Part, maont), 
mahnen, mit allen Bedeutungen. 

MaonSChin, der Mondscliein. 

mäör, mürbe, vom Obst, Fleisch, 
auch vom Holz. 

ffläörbraod, der Mürbebraten. Der 
Muskel zu diesem Braten heisst: de 

Mäör und Mäörken. 

Maors S. Aors. 

Maort, der Marder (Mustela foina). 
2. der Alp, nach den Vorstellungen des 
gemeinen Mannes ein böser Geist, der 
uns im Schlafe drückt und ängstigt. 

Maos'l S.Masseln. 

Maos'r, Maos'l, Auswuchs, Knorre 
am Baum, die im Innern bunt geädert 
sind, maosrig Holt, Holz mit vielfach 
verschlungenen Adern. 

Maot, das Mass, wie im Nhd. Ick 

kaom wol nich to Maot, ich komme 
wohl zur Unzeit. Dat Kled sitt mi nich 

to Maot, das Kleid passt mir nicht. 

Kinn'r nn K'älw'r Maot mütt'n oll Lud 

Wfet'n, sagt man zuKindern die mehr 
zu essen verlangen, als ihnen zuträglich 



ist. 'n Maot Bfer, ein Mass Bier; Maot 
näm', vom Schneider. 

med'n, miethen, z.B. Gesinde, Acker 
etc. Sick vermed'n, sich vermiethen, 
vom Gesinde. 

Med, die Miethe. tO Mftd Sitt'n, zur 
Miethe wohnen. 

MSdslud, Miethsleute. 

Medspennig, das Handgeld, was das 
Gesinde beim Miethsvertrag erhält. 

M6dicin (auch Waor genannt) nennt 
der Landmann alles, was er in den Apo- 
theken kauft. In frühern Zeiten be- 
fragte der Landmann selten einen Arzt, 
er behandelte sich und die Seinen selbst 
und bestimmte die Medicamente, die er, 
wenn sie nicht zu den Hausmitteln ge- 
hörten, in den Apotheken kaufte. Die 
Namen der Arzeneimittel wurden im 
Munde des Landmanns entstellt, viele 
von ihm selbst gebildet und so entstand 
eine Unmasse von Namen, die nur der 
Landmann und der Apotheker kennt. 
Das Nachfolgende ist nur eine kleine 
Auswahl. Bei Pferdekrankhei- 
ten werden gebraucht: ÄSChenfett 
(Schlangen fett). GrauGrisnm (Foenum 
graecum), Ammanns- (von einem Amt- 
mann benannt) Dreschillings • Dräng-, 
Frät- oder Piper-Pulver. Bei R i n d - 
vieh krank heiten: DraokenSWanS, 
ÄoronwaorWÖrtel ( Arum maculatum), 

Mir kumm quirknmm (Foenum grae- 
cum), Däsing,Säöw'n väör acht, Arm- 
sünner • Botter • Hexen - Oberhexen« 
Negen un negenterlei Bläd^r-, Vfertei- 
nigerlei-, Verfang-, Yerdag - Pulver. 

Ist das Vieh behext, so wird gefordert: 

Gao weg un kumm nich wedder, Jaog'n 

Düwel J zur Erregung der Brunst dient: 

Bullappel (Boletus cervlnus), Maokdi 
lustig, frölichuppuntrurig daol. Zur 

Vertreibung der Kopfläuse: 

Haowerstoff(Staphisagria),Kaftingen« 



135 



saot (Semen Stapbisagriae), Folnisch 
Haower, Rtitersalw, Stoff^aot (Staphi- 
sao;ria), Jodenpulwer, Mönkenpulver, 
Halunken, Kaimucken. Gegen K r ä m - 

pfeund Epilepsie: SchUSSWaoter, 

Oculi von Edelstein, Elke Sten-Herzpul- 
▼«r (Edelherzpulver), Heilt to allen 
Schaoden, Blindlingspulver. Kratz- 
mittel sind: Ägrau, Contrasalw 

(Contra scabiem) , Dumm Jungssalw 

(doppelt Gummipilaster), Grundsten- 

salw, Prinz Dukaot'nsalw (Unguen- 

tum praecipitatum), "Witscliopphusen- 

salw, Hans fraog nich nao, Hans isst es 
nicht, Hans habe nicks, Hüdrangsalw 

(H ydrargy rum albiim). Kafungensaot, 
Roden Trinitatis (rothes Praecipitat), 

ümgewennten Schaopkopp (Unguent. 

contra scabiem), Duwwelten Schaops- 
kopp. Gegen R h e u m a und Gicht: 

Anwussöl, Ameisenöl, Grön Afftöggsöl, 

DörchwUSSÖl, (Oleum Hyperici), 

Dörchdrungengliedöl, Dampöi, Kathri- 
nenöl, Reck un Trecköl, Schaopmei- 
steröl, Schamperöl, üpptrecksalw, 
Ochsenkrüzplaoster (Emplastr. oxy- 

croceum). Gegen das kalte Fieber: 

.Kerumm, Swigstill, Königsribbenpul- 
ver (China regia), Fidibumsdropp'n, 

Hunnsdropp'n. Gegen Brustbe- 
schwerden: Formium Scordinm 
(H«rbascordii),WoIkenbrUCh(IVIed Ul- 
la saxorum), Vosslungenpulver, Koral- 
lenpulver nach einem alten Arzt Cu- 
re 11 a so genannt). Magenmittel 
sind: Figölramör (Philonium roma- 
num,Theriak),MutterramÖr(dasselbe), 

Sunn'balsaom, Bierlei sallerei, Hilgen- 
bitter , Aller • heiigen • Lebenswörtel, 
Kinner mitte Daot, Herz- un Karfunkel- 
waoter, Königs Verbindungsdropp'n, 
Glupsche Mutterdropp'n, Intellgens- 
pulver ^Enzian), Maog'nschröt, Abece- 
dropp'n, Ftftrittsdropp'n , Spaniolöl. 



Pflaster, Pulver, Salben und 
Öle zum äussern Gebrauch: 

Armsünnerblick , Drejaokel compös 

(Diachylon compositum), Diejaokel 
sin blick (Diachylon simplex) , Com- 
mandörbalsaom (Balsamum commen- 

datoris). Jerusalemsbalsaom, Ochsigen 
Kruzplaoster (Oxycrocium), Umge- 
wennt Napoleonsplaost'r (Unguentum 
Neapolitanum), Hannotterfett , Alum 
Towintir, Sinauschplaost'r , Jaokob 

Simsonsplaost'r (Emplastr. simplex), 

Vertarplaost'r, Fip'nstalplaost'r (wird 

in dünnen Stangen gegeben), Kumpa* 
nicplaOSt'r(Emplastrum compositum), 

Büinplaost'r , Dicke Straffsalw, Musi- 
kantensalw, Kanickelsalw, Duwwelt 
Schaoperöl, Sprungöl, Juschottöl, Kai- 
ser - Königs - Eddelmannspulver , Tftn- 
reinwaot'r, Ulannwaot'r. Zu Sym- 
pathien aller Art werden gebr. : 
Elfenhörnerholt , Haosensprung un 
Yerdung (tali leporis), Holt üt flet'n 
Waot'r, Sympatienpulwer, Kleinmaokt 
Fleddermüs, Tünkönigspulwer, Stenz 

Marie (Stincus marinus). Ick IfeW di, 

kumm man to mi, Ick mag di nich, 
LiebessalW. Einzelnes: DuU Dill 
(Semen Hyoscyami), Dodenwecköl 
(Ammonium), Gips Jaokob (Unguent. 
aegyptiacum), GrouAbzUgSÖl (Oleum 
absinthii), GraU Latteupulwer (Pulvis 
Jalappae), LaphtaffÖl (Naphtha), Musi- 

cus (Moschus), Minutenplaost'r (Empl. 
Meliloti), Witten Pomonium (weisse 
Pomade), Schecherillpulwer (Pulvis 
cascarillae), Salvelaot (salvolatile), 

Aopenhonwörtel,Arrestantenöl (gegen 
Flechten), Excri sempli oder Extra hVL 
kumplex(iviixtura simplex;, ülnsnao« 

beifett, Hurtig un SWind( Salmiakgeist), 

Habakuk (Ammoniak), Hack unmack 

(das alte Räucherungsmittel Tacama- 

haca) , Hurra kumm wedder (Abfuh- 



136 



mngsmlttel), fleiligengeistspiritüs 

(Salmiak), WemkenÖl (Wermnthsol), 

Tankraoln (Zalm perlen), Semmel- 

snrfist oll Saotan (das veraltete Semen 
sulfuris tartari satum). 

C-;|Bd 1. .der Monat Mai, Meidag, der 
erste Mai. 2. derPlur. Mei'n bedeutet 
grüne Birkenreiser oder junge Birken, 
mit denen am Pfingsttage Häuser, Kir- 
chen etc. ausgeschmückt werden. 

Meiblä(d)'r, die Blätter von Ranun- 
cuiiis Ficaria, die im Frühling als Salat 
genossen werden. 

Meibom, die Birke. - '.^■•.^' 
t Meidärm, der Fettdarm, iVTastdarm 
^pn den Schweinen, dann auch die in 
diesen Darm gestopfte Schlack-, o^er 
Cervelatwurst. 

mei'ü, mähen, hie und da mäj'ü. Das 
goth. maitan bedeutet etwas hauen, ab- 
hauen. 

Meinheit, Meind, Gemeind, die Ge- 
meinheit d. i. Alles, was einer ganzen 
Gemeinde zukommt oder gehört ; auch 

die Gemeinde selbst. Datt bringt d' Ge- 
meinheit upp ; de Par wei'n in d' Ge- 
meinheit, diePferde weiden aufGrund- 
stücken, welche gemeinschaftlich den 
Dorfbewohnern gehören. 

fflei'r 1. ein Mäher, 2. ein aus der ar- 
beitenden Klasse gewählter Aufseher 
über das Gesinde grösserer Landgüter, 
der aber selbst mitarbeitet. 

Meiraon, der Majoran (Origanura 
Majorana). 

Meis'r, der Mörser. 

Meispinn' S. Läwföt. 

meist, beinahe, fast. Ick heff meist 

nao d' Stadt Wäst, ich bin (beim Spa- 
ziergange) fast bis z. Stadt gekommen. 
. Meiworm, der Maiwurm (Meloe 
"proscarabaeüs). 



Welk, die Milch ; Melllflesch, Kälber- 
milch, die zarten Drüsen an der Brust 
des Kalbes. 

melk'o, melken und milchen. Dil 
müst in m'elk'n gaon ; de Eö melkt göd. 

Melkert, der Milcher d.h. der männ- 
liche Hering; das Weibchen heisst 

Räögner. 

Meli, die Melde, die ganze botani- 
scheGattungChenopodiumu.x'\triplex. 
mell'n, melden, anzeigen. 
Memm, in d. Kindersprache: Mutter. 

men, meinen ; watt menst dato ? 

menglern oder mgnglirn, durch ein- 
ander mengen, auch vom mündlichen 
Vortrage gebraucht. 

Wengels, Mengsei, Gemengsei, be- 
sonders beim Futter für das Vieh. 

Mengeis up 'tSwinfudder dön, gescliro- 

ten Korn auf das Grünfutter für 
Schweinestreuen, und dann durch ein- 
ander mischen. 2. verschiedene Korn- 
arten gemischt z. B. Roggen u. Gerste ; 

heisst auch fflgngkaom. 
mennig u. minch, manch, mennig- 

maol, manchmal. 

mennig en, mancher. 
merken, merken, bemerken. Imperf. 
murk,Part murken und murkt. 3? 

Mes',connus. 

Mfesk, die Meise, die Gattung Parus. 
DiePimpelmeise(Parusmajor) spricht: 

Schinkenspeck, Schinkenspeck. Oder: 
Schinkendef. OderzKikin'tEi. Oder: 
Dtiwelsdreck. Oder .- Sieh dich für. 

M8SS, der Mist; Messfork, die Mist- 
gabel; mSssnatt, völlig durchnässe; 
MßSSkÜl, Mistgrube; MeSSberg, Dün- 
gerhaufen, Sprichw.r Wenn de Haon 
npp'nMessberg steit, hat he gröt Recht 

fflessbörg S. Borg. 

mSss'n 1. düngen, 2. fett machen z. 
B. Schweine. ÜtmeSS'n, den Dünger 
aus dem Stall bringen. 



137 



MessmEl, die meisten Arten der 
Pflanzengattung Chenopodium. 

Mett, fein geliacktesScliweinflelsch, 
worin kein oder sehr wenig Fett ist, 
woraus die MettWOSt (Schlackwurst, 
Cervelatwurst) gefertigt wird; fflStt- 
werk, das zur Mettwurst bestimmte 
Fleisch. 

mStt, alts. mid = mit (Praepos.). In 
den mit dieser Praepos. zusammenge- 
setzten Verben wird sie bald mit bald 
mSt gesprochen, am öftersten aber mit. 

ffl&W' 1. die Möwe (larus), '2. eine 
Art Tauben mit kurzem Schnabel und 
einer Reihe gekräuselter Federn vor 
der Brust. 

Metz, das Messer. Von einem stum- 
pfen Messer sagt man: Upp datMetz 

kann fen nao Kom rid'n un krigt ken 
Wulf. 

ml, mir. und mich, eben so im Alts. 
Michelig, Michelsdag, der 29. Septbr. 

. Mick, jedes Hausgeräth, das nicht 
mehr fest ist und zusammen zu brechen 
droht. 

mickrig, in seiner Art klein, 'q mick- 
rig Dern, ein nicht ausgewachsenes 
Mädchen, 'n mickrigenBöm, einkrüpp- 
lich gewachsener Baum ; von der Hand- 
schrift gebraucht, bedeutet es : kritzlich 
und klein. 

Middag, der Mittag. Widdag maok'n, 

in der Mittagszeit von der Arbeit ruhen 

und essen, 's Middags, 'z Middags S. 

Morg'n. 

Midd'l, die Mitte. Fragt man z. B. 
wie dieErndte ausgefallen ist, so erhält 
man oft zur Antwort: SO int Midd'l, 
mitte! massig. 

Midd'lslag, jedes lebende oder leb- 
lose Ding von mittlerer Beschaffenheit. 

MIg S. Piss'. 

Mlggmk, Mir, Mtrimk S. Emk. 



Mik'D,fflarik'n, weiblicher Vorname: 

Marie. 

Mil, die Meile, 'n Mil upp fif Yärdel 
•^aon, einen Umweg maclien. üpp de 
Mil hat de Voss 'n Swans togäw'n, die 

Meile ist sehr lang. 

millgäwrig, mildthätig. 

min,d!n, sin, er(Pron. poss.), mein, 

dein, sein, ihr ; im PJ. :Uns', jü, Sr, wird 
nicht declinirt, höchstens als Bezeich- 
nung des Dat. u. Accus. Masc. durch ein 
angehängtes 'n. Min'nHÖt, meinen Hut. 
Zur Bezeichnung des Genitivs hängt 
man dem Nominativ ein zweites Pron. 
poss. an. Auf die Frage : Wessen Kleid 
ist das? erhält man wohl zur Antwort: 

uns' Frü ar, min Yaod'r sin. S.sin. Das 

nhd. der meinige, deinige etc. wird 
ebenfalls durch miD, diu etC. ohne Arti-^ 
kel ausgedrückt: dat Bok iss min, diu, 
sin, er. Bemerkenswerth ist der Ge- 
brauch von min in der Redensart : datt 
hört all'S min, dies alles gehört mir. 

Mindaog nich oder min lew nich, 

nun und nimmermehr, niemals. Datt 
geit mindaog nich göd. Wegen der 
Accusativform vergl. Läwdaog. 

mins Gefalln, meinetwegen, wört- 
lich : nach meinem Gefallen. Wegen 
der Genitivform vgl. Morgen. 

minig, minigt, der Aleinige. Dütt 
iss all dat Minigt. de Minigt'n, alle 

meine Angehörigen. 

mintweg'n, meinetwegen. 
Minschheit, eine grosse Menge von 

Menschen, 't wäss väöl Minschheit dao. 

Minsch, der Mensch und das Mensch 
wie im Nhd. durch den verschiedenen 
Artikel unterschieden. Doch ist dat 
Mtnsch nicht immer im verächtlichen 
Sinne zu nehmen. Es vertritt aucliz. B. 
die Stelle des Pronomens d ii in Form 
eines Ausrufs. Sieht eine Frau ihren 
Mann im Besitz vpneinerMengeGeldes, 

18 



I3S 



so ruft sie wohl aus; watt datMinscb. 

Väör Geld hat ! Zeichnet sich der Mann 
durch eine zarte weisse Haut aus, so 

sagt die Frau: watt dat ffiinsch väör'n 
Witte Hftthätt! 

Mint, die Münze, die Pflanzengat- 
tung Mentha mit den Arten Parmint, 
Katt'nmint, Pferde- u. Katzenmünze. 

mirig, geizig, stärker im Begriff als : 

gizig. 

Mir, Mirgmk S. Emk. 

Mis, die weibliche Katze, im Gegen- 
satz vom Kater, dann ohne Rücksicht 
auf das Geschlecht: die Katze über- 
liaupt, endlich ist es auch der Lockruf 
für dies Thier. 

Miss, die Messe, grosser Jahrmarkt. 

miss'n, vermissen, entbehren. Datt 
kann ick nich miss'n, das kann ich nicht 

entbehren. Datt miss ick recht oft, 

das vermisse ich oft. 

Missing, Messing. Davon missingsch, 
das Adject. Wer hochdeutsch sprechen 
will u. plattd. Formen vielfach hinein- 
mischt, der spricht: missingsch. 

Mist, der Nebel; mistig, neblig; 

mist'n, neblig sein, fen kann Miest 

(Mieste ein Dorf am Drömling) väÖr 
Mist nich S5n, man kann dasDorfMieste 
vor starkem Nebel nichtsehn. 

mit (Praep.), mit. mit Wes'n, billi- 
gen, lieb sein. Datt iss mi gaor nich 
mit, damit bin ich gar nicht zufrieden, 
ist mir recht unlieb. 

mit-ens u. mit-enns, zusammen, zu- 
gleich. 

Mit 1. eine kleine Milbe in dem Mehl 
oder Käse. 2. ein im Freien erricliteter 
kegelförmiger Haufen Getreide oder 
Heu. 3. der Düngerhaufen, besonders 
wenn Plaggen u. Stalldünger scliicht- 
weise aufgehäuft werden. 

mitig, Milben enthaltend. 

Mö auch Möj', die Muhe. 6iff di kßn 



MB. Watt bin'k schüllig väör de M8 ? 

fragt der Landmann, wenn Jemand ein 
Geschäft für ihn übernommen hat. 
Dank väör de Moj' sagt der, M-ekUer 
sich Feuer zum Anzünden der Pfeife 
hat geben lassen. DerLandmann nimmt 
es übel, wenn man für das Feuer 

dankt. Datt iss d' fflö nich wert, das ist 

des Dankes nicht werth, ist eine unbe- 
deutende Kleinigkeit. 

MÖd, Muth, alts. ebenso. Das Sprich- 
wort sagt : Göd maokt M6d, Möd maokt 
Äöw'rmöd, Äöw'rmöd deit selten göd. 
Mi iss nich göd to Möd l. ich bin unwohl, 
2. ich bin darüber besorgt, ich fürchte 
einen schlechten Ausgang. In hastig'n 
Möd, mit Übereilung. Das Adject. ist 
mödig, mnthig. 

möd, alts. mothi, müde. DcRogghat 

sickmSddraog'n, es ist zu oftaufdem 

Stück hintereinander Roggen gesäet, 
so dass derselbe nicht mehr recht ge- 
deihet. 

Modder, Moder, Schlamm, Pfütze, 
stärker im Begriff als Dreck , also ein 
tiefer Dreck besonders auf Wegen; 
Ad j. moddrig. Vgl. fflott. 

moddern, im Moder herumwühlen. 

Modderkül, Modderlock, eine Ver- 

tiefung, stark mit Moder gefüllt. 

Moderplaog, die Kolik. 

möd'n und vermöd'n, vermuthen. 

Datt wass ick mi nich vermöd'n , das 

konnte ich nicht vermuthen ; ick bin 

ämm all Daog vermöd'n, ich erwarte 

ihn täglich. 

Mög', Vermögen. Ick heff äöw'r min 

Mog' gät'n, ich habe mehr gegessen, als 
ich sollte. 2. Mühe. Dao h§St Väöl 

Mög' mit hat 

mogeln (intransit.), heimlich betrü- 
gen, besonders beim Kartenspiel; be- 
mogeln ist transit. mit demselben Be- 
griff". 



I 



139 



Moir, die Mulde. Datt räg'nt ass 

-Wenn't mit Mölln gütt, vom Platzregen 
gebraucht. 

mollig, muldetiformig. 

Möir, die IVI üble, 't geit mi in'n Kopp 
rtimm ass 'nlÄöllnrad, ich bin schwind- 

lich, auch: ich habe heftige Kopf- 
schmerzen. WöU'r, der Müller. Ein 
Kindergesang: MöU'r, MöU'r, Maol'r, 

Jung's kost'n Daoler, Derns kost'n 
Duw'ndreck, smit'n wi alle Jaor weg. 

ffioUbult'n, IManlwurfshaufen. 

Köllnkolk S. Kolk. 

Mollworm, Mullworm, Moll- u. Mftl- 

WOrp, der Maulwurf. Moll istmitMüU 
(S. unten) diisselbe Wort, und worm ist 
aus worp entstanden, weil der Plattd. 
alle Härten in derConsonantenverbin- 
dung in weichere umsetzt. Also Moll- 
WOrmeinThier, was die lockere mllll- 
artigeErdeaufwirft. mhd. moltwcrf, 
moltwurf; altn. moidvarpa. 

Molt, das Malz, alts, malt; molt'n, 
Malz machen. 

molum, betrunken, stärker als dÜD. 

Möm und Mön, ländlicher Ausdruck 
für M u 1 1 e r. Sprichw. : 't is MÜS as 
Mön, das ist einerlei, gleichviel. Dient 
auch alsScheltwort ; oll' Mön, ohne eine 
besondere Nebenbedeutung. TiSSmÖÜ, 
die Amme. 

mö'n, betrüben, Sclimerz und Mit- 
gefühl empfinden. Ick mö' mi daOF- 
äöw'r äff, ich gräme mich darüber. Ick 

mö'mi äöw'r de Kinner, das Schicksal 

der Kinder betrübt mich. DattmÖ't mi 
recht, das bedauere ich rechtsehr. 

Mopp, die Frauenmütze. 

Moppe, die Ohrfeige. 

Mops, Di min. Möppel 1. eine Spielart 
vom H unde. 2. ein Scheltw. im Munde 
des V^olks, womit besonders diejenigen 
belegt werden, welche eine kurze ab- 
stossende Antwort geben. Daher : fen'n 



affinops'n, schnöde und kurze ant- 
worten geben. He hat Möps' in'n Kopp, 

er hatLaunen,diesich durch abstossende 
Antworten kund geben. Wer sich so 
beträgt heisst mopsig. 3. der Plural 
MöpS' hat nicht selten den Begriff von : 

Schläge, denn gifft et Möps' np de 

Mutz (Bornemann) 4. bedeutet es auch 
so viel als R e i c h t h u m. He hat Möps', 
er ist reich. 

MÖr, der Mohr; davon: Mörjän (aus 
Mor u. Jan [Johannes] gebildet), wofür 
in der Altm. stets Murijän gesprochen 
wird, von Kindern gehraucht, die sich 
Gesicht, Hände, Kleider etc. besudelt 
haben. 

Mor atz S. Maratz. 

Morg'n. Zu bemerken ist das sub- 
stantivische Adverb : 's Morgens, ge- 
sprochen 'zMorgens , neuhd. Morgens. 
Solcher geuitivischen Bildung giebt es, 
wie im Neuhd., im Plattd. viel z. B. 

's Aobens, 's Nachts, 's Middags, (das 

anlautende S wird wie Z gesprochen) 
ensdfels, annerdels, eines- anderntheils, 

min's Läwens, min's G'fallens u. mehre 

andere. Vgl.Gr Gr. 3, 127 ff. 

morg'n dient auch als eine Art Par- 
tikel wodurch man Jemandes Bitte ab- 
schlägllch beantwortet. 16n mi doch 
dat Bök (leihe mir doch dies Buch), 
worauf der Gebetene antwortet: jao 
morg'n, d.h. nein. 

mör'n, morden. Im höclisten Zorn 
sagt die Mutter wohl zum Kinde: ick 
mör' di, ich schlage dich todt, was aber 
so böse nicht gemeint ist. 

Mör'r, der Mörder. 

MörrÖW und GalröW, die Möhre, Ca- 
rotte(Daucus Carotta). 

Mos 1. Muss,Plümmös, App'Imös, 
Ttiff'lmÖS(gemuseteKartonVIn) 2. eine 
Mehlsuppe, Brei, Rögg'nmöS, KlÜt'r- 
mos etc. Im Alts, bedeutet mos die 

18* 



140 



Sp'eise überhaupt. Vergl, Gr. Gr. 
3, 460. 

mösig, musig und musicht. 

m6s'D, zerquetschen, zu Muss ma- 
chen. Tüffeln mös'n. 

möt'n (Imperf. u. Part, mött), begeg- 
nen, goth. u. alts. motjan. Wi hemm 
nnsmöt', wir sind uns begegnet, in de 
Wöt gäon, entgegen gehen ;so dass also 
ein Subst. fflöt zum Grunde liegt. 

Mott, Schlamm z. B. in den Fiscli- 
teichen u. dgl., verschieden vonModdcr, 
das eine weitere Bedeutung bat. 

mottkern, stehlen, mit dem französ. 
escamoter verwandt. 

Mncken, Launen, mürrisches Wesen. 
Vgl. Nucken. 

mnck'n u. mucks'n (Verb.) l. mau- 
len, böse sein ^ 2. widersprechen, sich 
widersetzen. mUCkst du di, SO kriggst 
da^ns. Ein hier zum Grunde liegen- 
des Subst. Muck od. Mucks kommt noch 
in der Redensart : kfen Mucks Seggen, 
ganz stille sein, vor. affblttck'n 1. prü- 
geln, und zwar so ganz in der Stille ; 
2. mit harten Worten widersprechen; 
3.einenlieimlich tüdten. 
-II; taUCksig, mucksch, launisch, grol- 
lend mit dem Nebenbegriff des 
Schweigsamen. 

muddeln, anmuddeln, sick, sich vor- 
läufig so viel anziehen, als erforderlich 
ist. 

;n muddig, mufßg, mfifflich; mulstrig. 

Vielleicht dieselben, wenigstens dem- 
selben Stamm angehörige, und in ihrer 
Bedeutg. wenig verschiedene Wörter. 
Sie bezeichnen sämmtlich die unange- 
iiehmen Eindrücke aufden Sinn des Ge- 
ruchs oder Geschmacks, ausgehend von 
Veränderungen, ehem. Zersetzungen, 
die im Innern eines Körpers vorgegan- 
gen sind. Das Bier, der Wein ist mud- 
dig, wenn die leere Flasche nicht gehö- 



rig ausgelüftet U. gespült ist, wodurch 
das Bier einen üblen Geschmack an- 
nimmt, eben so riecht das Mehl muffig, 
wenn es dem Luftzugange längere Zeit 
entzogen wird; die daraus bereiteten 
Speisen schmecken dann auch muddig. 
Muffig und mufflig ist besonders vom 
Fleisch im Gebrauch, wenn der Anfang 
der Fäulniss durch den Sinn des Ge- 
ruchswahrgenommen wird. Mulstrig 
wird meistens vom Stroh u. ähnlichen 
Gegenständen gebraucht, wenn sie zu 
stocken anfangen, z.B. in den Betten 
gemeiner Leute, die an einem feucliten 
Platz stehen und nicht gehörig gelüftet 
werden. Ausserdem sind noch einige 
tropische Bedeutungen zu merken. 
Muddig hat nicht selten den Begriff von 
schlecht. Ist Jemandem ein bedeu- 
tendes materielles Glück widerfahren, 

soheisstes: dattis nichmuddig. Muf* 

fig dagegen gebraucht man von Men- 
schen, die stets in einem finstern, mür- 
rischen Ton antworten, oder selbst 
Fragen nicht beantworten, wenigstens 
höchst wortkarg sind. Daher dasVer- 
bum muff'n, das Maul hängen lassen 
und diese Stimmung durch finstere 
Mienen u. abstossende Worte äussern. 
Ausserdem bedeutet'muff'n auch : ohne 
Anstand beim Essen kauen, so dass man 
den Mund zu voll von trookenen Ess- 
waaren hat. Das veraltete Much bedeu- 
tet Schimmel, latein.mucor. i» 

müff'n, muffeln, die Zeitwörter vom 
vorigen, kommen selten vor. 

Mügg', die Mücke. 

muggeln, mit einem nassen Tuch 
sich oder einem andern das Gesicht, die 
Hände reinigen; mugglichder Zustand, 
in dem das muggelu erforderlich ist. 

Dtn Hänn' sen so mugglich üt. 

Mtill, der Grus, Alles was zerrieben 
und in lockere staubartige Theile 



I 



141 



übergegangen, Torfmull ; dat Land is 

to müllig, der Acker ist zu lose, zu 
mürbe und staubig. Im Gotliischen ist 
m u 1 d a= Staub, alts. m e 1 m. 

Mül, das Maul. He gtinnt endatMül 

nich, er ist nicht in der Stimmung, Je- 
manden um Etwas mit Worten anzu- 
gehen. 

MÜlaop, der Maulaffe. Dies ins Nhd. 
Ubergegange Wort ist nicht von Aop := 
'Alle, sondern von aop'n = offen abzu- 
leiten. Es bezeichnet also einen Men- 
'schen, der mit offenem Maule alles 
'angafft. Davon dasVerbum mülaop'n, 
gaffen. 

mülful, maulfaul, einsilbig, schweig- 
sam. 

mürn, maulen, schmollen ; Adject 
mülig undmülsch. Mulsch wird vom 
Obst gebraucht, wennesseinelntegrl- 
tät verloren hat, indem es in einen Zu- 
stand der Gährung übergegangen ist, 
ohne faul zu sein, wodurch die Farbe 
ins Braune übergeht. Manche essen 
mulsche Birnen und Apfel recht gern; 
■die ftlispeln werden nur in diesem Zu- 
stande gegessen. Einige Obstarten 
mulschen gar nicht, sondern faulen 
sofort. 

mullstrig S. muddig. 

Mltrumm'l, Maultrommel. 

MÜlwerk, grosse Fertigkeit im Re- 
den. De hat 'n göd MÜlwerk, die ver- 
steht zu schwatzen, sich wacker zu 
vertheidigen , lässt andere nicht zu 
Worte kommen, 

niQmm, mamm - kik , kik. Man 

spielt mit kleinen Kindern , dass man 
sich das Gesicht verhüllt (Mummerei 
imNhd.)u.dannmumin,mumm spricht, 
worauf rasch : kik, kik. 

mummeln und mummeln, essen, wie 

Kinder und zahnlose Greise, die den 
Mund stärker verscLliessen müssen. 



Ick mütt bi't Ät'n lang mummeln ; auch 

bedeutet es undeutlich sprechen, Silben 
und Buchstaben nicht gehörig aus- 
sprechen. Mummel nich sa, sprich 
deutlich. 

Mumms, eine Halskraukheit, der 
Ziegenpeter. 

Mund, der Mund, hat einen Plural; 
Mtinn'. 

munkeln l. in der Stille, verstohlener- 
weise über eine Sache oder Person 

sprechen. Datt munkelt allerlei äö\w'r 

ämm, man spricht unter sich in der 
Stille allerlei über ihn. 2. wenn der 
Himmel sich mit Wolken bezieht und 
den Anschein gewinnt, als ob es regnen 
wolle, so heisst es : 't munkelt oder dat 

Wad'rsutmunkligüt. 

Munster, Muster, Modell, besonders 
zu Kleidungsstücken. 

munstern, ütmunstern, sick, reiche 
Kleidung anlegen mit dem Nebenbe- 
griff des schlechten Geschmacks in der 
Anordnung der Kleider und Farben. 

Mtir, die Vogelmiere (Stellaria media), 
heisst auch StampiUt. 

MÜr, die Mauer, mtir'n, mauern. 

Murrjaon, unrehillcher Mensch, be- 
sonders mit schmutzigem Gesicht. 

Bist'nswatt Murrjaon. 

Murk'r, der Maurer. 

murk'n, Partie! p von merken. Ick 
heff 't murk'n, icli habe es bemerkt. 

Murks, ein kleiner unansehnlicher 
Mensch, gleichbedeutend mit KnirpS. . 

murksen, durcheinanderwühlen n. 
in Unordnung bringen, wobei dieKlei- 
dung, Wäsche etc. Kniffe und Faltea 
erhält und beschmutzt wird. 

mursch, morsch, was leicht zer- 
bricht. DeFötissmurschaff, derFuss 
ist ganz abgebrochen. 

MÜS, Plur.MÜs' 1. die Maus. S{)^rich- 
wort : H^ SÜt Üt aSS 'u Pott VUU MüS', er 



142 



ist ein Sauertopf. Hfe kickt aSS 'n MÜS 
Üt 'n Dnnk Hfed' ^^•^rd gebraucht von 
Personen, die bei kleinem Gesiebt eine 
verhältnissmässig grosse Kopfbe- 
deckung tragen. 2.DerDaummuske]. 

musig in der Redensart: sickmnsig 
maok'n, findet sich auch iniNhd.: sich 
mausig machen. 

MÜsklew'r, der Ackerklee (Trifo- 
lium arvense). 

müsk'nstill, mäuschenstille. 

fflüsköttel, IMausedreck. 

mÜS'ni. mausen, Mäuse fangen. De 
Katt mÜSt göd. 2. Kleinigkeiten heim- 
lich entwenden, dann überhaupt : steh- 
len; in dieser zweiten Bedeutung wird 
auch müskern gebraucht, wovon das 
Substant. Müsker. 

muSChelll S. buschein. 

MuSChÜ, MoSChfe oder Musck, das 
französ, Monsieur, jedoch in einer 
andern Bedeutung. Will man Jeman- 
den nicht beim blossen Namen nennen, 
jedoch ihn auch nicht: Herr tituliren, 
so nennt man ihm fflusch, Muschti. 
Auch wird es mit Appellativen ver- 



bunden : Musch-Dreck , Musch-Urjaon, 

beides Scheltwörter. Die Form MüSCh 
erfordert, dass der Naipen hinzugesetzt 
wird : Musch Fritz, ohne diesen Zusatz 
gelten die ersten Formen. 

Muss, MOSS, das Moos (alle Species). 
Ad ject. mussig. 

Musshummel, die Erdhummel 
(Bombus). 

mussein (SS sehr sanft gespr.), in et- 
was herumkramen und dasselbe in Un- 
ordnung bringen, namentl. im Anzüge, 

davon musslig ; du säst so musslig üt, 

es istalles an dirso in Unordnung. Dann 
wird mussein, musslig vom feinen 
Staubregen gebraucht, 't iSSmUSSUg 

Wäd'r. 

mtitt'n (Pr. mütt, müst; Tmperf. u. 

Partie, musst), müssen. 

muttersein allen, mödseln, eine ei- 

genthüraliche Verstärkung des Begriffs 

allein. Ick was mutterselu allen to 

Hfts, ich war ganz allein zu Hause. 
Nach Grimm so viel als : verlassen von 
jeder Seele, den die Mutter geboren hat. 



HT. 



'n, Fem. 'ne, der Artikel ein; der 
Dativ u. Accusativ Mascul. 'n auch fenen, 
wie in dem Kinderges. : Bummbamm ! 
bälam! Köster hat sick upphangt, 
wiU'n ämm enen Ben ajETsnid'n, sali nich 
mehr in Bummbamm stig'n. 'n steht 

nachPräpositionen statt desbestimmten 
Artikels im Mascuh'no (beim Neutrum 
't) z. B. bi'n Disch, bei dem Tisch; 
Väör't HÜS, vor dem Hause. Tritt beim 
Neutro eine Härte od. eine Utibequem- 
\lc\i im Sprechen ein , so wird statt 't 
auch 'n gesetzt ; man sagt nicht achtei't 

Dörp,üt't Hfts', sondern : achter'n Dörp, 
ftt'n Hfts'. Beim Femininum hört man 



meist ein 'd; hinner 'd DäÖI, hinter der 
Thür; in d'Eck, in der Ecke. Beim 
Nom. propr. dagegen wird das'n nicht 
der Präposition, sondern dem Nomen 
angehängt, was in eu übergeht, wenn 
die Aussprache nicht leicht wird, ick 
bin bi Fritz'n West, ich bin bei Fritz ge- 

wesen ; ick will nao Voss'u gaon, ich 
will Voss besuchen. Letzteres gilt auch 
bei Nomen propr. ohne Präposition : 
ick heff Möllern sen , ich habe Müller 
gesehen ; ick wiU't Fritz'n seggen, ich 
will es Fritz sagen. Soll der Plural aus- 
gedrückt werden, so kommt noch ein 

s hinzu, de bei(d) Jochens, Richters 



WS 



laoten grÜSSen. — 'n vertritt auch die 
Stelle des nhd, man, wofür es im acht 
Plttd. keine eigene Form giebt, magg 'ü 
giÖW'n watt 'n will, man mag glauben, 
was man will. Vgl. man. — 'n bei Be- 
zeichnung einer ungefähren Zahl S. 

Daol'r. 

na, nu (kurz abgestossen) Interject. 
meistens dem nhd. nun entsprechend; 

na! watt sali dat! 

nä, nein, goth. ne (Gr. Gr. 3, 766). 

Nachtmaolstuch, die Kleidungs- 
stücke, welchezumGenuss des heiligen 
Abendmahls angezogen werden ; ähn- 
lich ist der Begriff in StindaogstÜch. 

Nachtslaopentid, dieNachtzeit, 't was 
Nachtslaopentid , ass't Für uppgaon 



Geschlecht Lanius, auch Dickkopp 
Näg'nmÖrer genannt. 

näg'r, nagst S. nao. 

Nägd, Naoheit, die Nähe; hewaont 

in d' Nägd, er wohut in der Nähe ; in de 
Naoheit mütt sin, nicht weit von hier 
muss essein. 

Näks, ländl. Ausdruck für krankes 
Ferkel. 

näm', nehmen, wie im Neuhd. H§ 
nimmt en, er trinkt gern Schnapps. 

nanig, nirgends. 

Napp, Näppk'n, Napf, Schüssel, 
gleichviel aus welcher Masse das Ge- 
fäss bereitet ist, alts. nap u. hnap. 

När, der Narr. 

närgeln für nörgeln S. nöckern und 



da, es war Nacht, als das Feuer aufging, tcirn'. 



's Nachts, 'zNachts S. Morg'n. 

NachtÜl, Avörtl.: Nachteule, Schelt- 
wort für ein Mädchrn, das sich gern am 
späten Abend auf der Strasse herum- 
treibt, 

Nachtvogg'l, die Nachtigall. 

Nack'nslag', üble Nachrede; daVOÜ 

hatt 'n nix ass Nack'nslag, man erntet 

davon nur Undank. 

naff, hinab ; ick will'n blt'n naffgaon, 

ich will das Dorf liinab gehen. 

Näg'i, der Nagel am Finger oder Ze- 
hen (Unguis), alts. nagal. Vgl. Naog'l. 

Nägelk 1. die Nelke (Dianthus); 
2. das Gewürznägelein, von der Ähn- 
lichkeit mit einem Nagel, nicht: Ge- 
würznelke. 

näg'n, neun ; näg'ntein, neunzehn ; 
näg'ntig, neunzig. Die Ordinalzahlen 

davon sind: de näg'nte, näg'nteinte, 
näg'ntigst 

näg'nterlei Köl, elnKühlgerichtam 
grünen Donnerstage aus 9 verschiede- 
nen Kräutern bestehend. 

Näg'nmÖrer, der Neuntodter, das 



nä(r)gens, nä(r)nich, na(r)ns, nir- 
gends. 

närig, das Seinige zu Rathe haltend, 
sparsam. Im Alts, bedeutet n e r i a n 
servare, salvare. S übst. När igkeit. '■ 

näm, nähren, aber selten in der nhd. 
Bedeutung, vorzugsweise vom Stillen 
der Kinder durch die Mutter im Gebr. 
Se nirt SÜlfst bedeutet: sie hat keine' 
Amme. 

Narw, die Narbe. 

Nas', die Nase. Erst de Nas' un denü 

de Briir bedeutet : man muss sich erst in 
einer geeigneten physischen oder mo- 
ralischen Lage befinden , bevor'man 

etwas thut oder will. De sin Nas' aff- 
snitt, schännt sin Angesicht, wer die 

Fehler der Seinigen aufdeckt, schändet 

sich selbst Watt di nix angeit, dao laot 

dInNas' daOVOn, mische dich nicht in 
Dinge, die dich nichts angehen. 

Nasdrippel, Nasentropfen. 
Nas'nkiemmer, die Brille. 
Naswis oder Wisnas', der Naseweis, 
Das Adj. heisst wisnäsig und naswIs. 



144 



'n näswts Kuli' (Wind), eine Kälte 

(Wind), der die Nase fliessen macht. 

nasseln S. nnsseln. 

Nät, Nisse (lendes); dagegen Näöt, 
Nüsse. 

Nätgras, die Krötenbinse (Jnncus 
bufonius). 

Nät'nscMt'r, plebegischeBenennung 
eines argen Geizhalses. 

natt u. nättig, nass und nässig. So 

natt ass 'nKatt=klatscli'nnatt, ganz 

durchnässt 
, nau, genau. 

- nao (Präpos.) nach; nao düssen, 

nach dieser Zeit, in der Folge. 

nao, Compar. näg'r, Superl. nägst, 
nahe; entonao kaom, Jemanden ver- 
letzen, beleidigen, nao bi, nahebei, in 

der Nähe; dat Hemm iss mi näg'r ass 

de Rock, die Meinigen stehen mir naher 
als andere, od. : Jeder ist sich selbst der 
Nächste; nägstan, in dem nächsten 

Hause ; ick heff mi to nao daon, ich 

habe mir (durch Arbeit) ein Kürper- 
leiden zugefügt; oder: ich bin bei der 
Geldzahlung zu kurz gekommen ; datt 
iss mi to nao, dadurch fühle ich mich 
verletzt, beleidigt. 

naoaop'n, nachäffen, Jemanden ver- 
spotten. 

naoarn S. slachten. 
naobäörn S. bäürn. 
Naobott, Nachgebot (bei Versteige- 
rungen). 

naodam, naodess, naodüss'n, nach- 
her, nachmals ; naodäm bin 'k noch enns 

dao West, nach der Zeit bin ich noch 
einmal dagewesen. 

NaodÖSt, der Nachdurst des betrun- 
ken gewesenen. 

naofleit'n S. fleit'n. 

Naogedanken, das Nachdenken über 
etwas und der möglichen Folgen einer 

Handlung. Duhast do&h 5k gaor ken 



Naogedanken, du hast doch bei deinem 
Thun gar nicht nachgedacht, dass das 
Gethane schlecht, unpassend ist. 

Naog'l, PI. Näög'l und Naogeln, der 
(hölzerne oder eiserne) Nagel, alts. 

nagal ; h5 hat 'n gröt'n Naog'l in' Kopp, 

er ist stolz, trachtet nach hohen Dingen. 

naogeln, einen Nagel einschlagen. 

Naogras, Nachheu, Grummt. 

naograod, nach gerade. 

Naojagd, die Verfolgung z. B. eines 
Diebes, dann auch das eilige Aufsuchen 
einer Person, eilige Nachfrage nach 

ihrem Aufenthalt; dao kummtallNao- 

Jagd sagt Jemand, wenn er sich 
eben aus dem Hause entfernt hat und 
ein nachgesandter Bote ihn zurückruft. 

naohenn, naohär, nachher, späterhin. 

naokaun S. kann. 

Naokeldei werden scherzweise die 
kleinen Kinder genannt, wenn sie beim 
Aus- oder Ankleiden nur mit dem 
Hemde (in' naokt'n Himm') oder gar 
nicht bekleidet sind. 

naokt u. naoktig, nackt. 

Naolaks'l S. Läks'i. 

Naolaot, Nachlass, nicht blos von 
Sachen, sondern auch von der Aimlich- 
keit des Sohns mit dem Vater. He isS 

den Ollen sin ganzen Naolaot, der Sohn 

ist das ganze Ebenbild des Vaters, nicht 
blos im Äussern sondern auch im Han- 
deln ; der Vater mag totit sein od. noch 
leben. 

naolaot'n, neben den Bedeutungen 
des nhd. nachlassen auch; unter- 
lassen, bleibenlassen. Ick wiU't denn 
man naolaot'n , ich will es denn nur 
bleiben lassen. 

näöl'n, träge, langsam sein, im Gehen, 
Arbeiten, Reden. Näöl nich SO ruft 
man , wenn Jemand zu langsam geht, 
oder mit einer Arbeit nicht vorwärts 
kommt,oder beim Sprechen langweilig 



tm 



:^jangsam u. monoton die Worte her-' 
vorbringt, auch gar nicht aufhören 
kann, über einen und denselben Gegen- 
stand zu sprechen. Adj. näölig. Vgl. 
auch nusseln und täöteln. 

NäÖler!=(jenäüle, Schnickschnack. 
Näöler, ein träger, langsamer Menscli 
itn Handeln und Sprechen. 

Näölklaos, Näölpeter, Scheltworte 

fiiruenNäüler. 

Naomaoksel , das Nachgemachte, 
Nachgeahmte. 

Naomaot, Grumthet, Ertrag der 
zweiten Schur einer Wiese. ••' 

Naom'n, der Name, altsächs. namo. 
nöm', nennen, alts. namon. 

Naors S. Aors. 
Naosäög, ehie Art von grosser Harke, 
die dazu dient, dieKornähren, welche 
bJm Binden deä gemäheten Korns lie- 
gen geblieben sind, zusammen zu brin- 
gen; sie wird meistens von Menschen, 
mitunter auch von einem Pferde gezo- 
gen. Das Verb, davon ist: Iiaosäög'n, 
im Süden heilst dies : SUSterb'n. 

naosch S. hott. 

naoseng n, nachsagen. 

naosk, zur Unken Hand, eigentlich: 
nach sich, vom Pflugtreiber hergenom- 
men, der zur linken der Pferde geht. 

Naosmack, der Nachgeschmack. 

Naot, die Naht, nao de Naot, hinter 
einander, der ReiJie nach, 't geit Upp 
de Naot, es geht auf die Neige. 

NäÖt,Plur. vonNott. 

naotäögSCh, eigennützig, habsüch- 
tig, begierig, von nao thh, nach sich 
ziehen. 

Naotel, die Nadel, goth. nethla, in 
allen Zusammensetzungen, Steck-, 
Näh- etc. nadel. Die Stricknadel aber 
heisst Knfittelsticken S. oben. 

NäötscheHn S. Nott. 



Naotschön, nusNatioh cornimpirt=af 
Gesindel. Lumpenpack. jj 

Nao W'l, der. Nabel. 

Naow'r , der Nachbar, alts. nSbiir7 
Naowersch, die Nachbarin ; naowcm, ' 
von einem Hause ins andere gehen, und" 
die Zeit mit Gevatterschnack hinbrin- 
gen; v^'ofür man auch sagt: ütnaowern 
gaon, oder: upp't Naowern gaon. i 

NaOW'rSChopp, Nachbarschaft. 1 
Neber, ein Bolirer mittler Grösse, 
grösser als Baoritch'D.. 

Nfed, das Niet ; Nednaogel, Nietnagel. 

nSdd'n, unten. Baow'n un ngdd'n,. 

oben und unten. 

nedd'r, nieder. Sett di nedd'r, setze 

dich nieder. ; 

nSddrig, niedrig, nur im eigentlichen! 

Sinne. ■'■.•■; 

nei'n, Italien ; fttnei'n, davonlaufen.? 

Neisterauch Neisterin, die Näherin,: 

nen, kein. alts. negen, nigen, aus 
n§cen, nicht einer, entstanden. Vergl.r 
Gr. Gr. 3, 70. 71. 722. 

Ner, die Niere. 

nesig. Im Alts, bedeutet g i n esa n 
= genesen. Die Vorsilbe verdrückt 
die Umkehrung des Begriffsaus, also: 

V e r n i s a n , ein im alten Niederd. vor- 
kommendes Wort, bedeutet dasGegen- 
theil von genesen. Die Vorsilbe 

V e r ging, was zu den Seltenheiten ge- 
hört, verloren, so dass also nesig als 
Adject. von vernesen zu betrachten 
ist. Auch wird noch vemlst für nesig 
gebraucht. Ein Kind von schlechter 
Gesichtsfarbe, abgemagert wegen ver- 
nachlässigter Wartung u. Pflege heisst 
nfesig oder vemfes't. Von quin'n unter- 
scheidet es sich dadurch, dass bei jenem 
Worte mehr auf die Gesichtsfarbe ge-: 
sehen wird und dass der kränkelnde 
Zustand nicht so anhaltend ist. 

nesseln, einen Übel behandeln. Ick 
19 



146 



will di nesseln, ich werde dich züchti- 
gen. 

Nest l. wieimNeuhd. das Nest für 
Vögel ; 2. ein schlechtes, kleines Haus 
oder Zimmer; m5d di doch 'n omdliche 
Stüw, dtitt issjo 'n ollen Nest, miethe 

dir doch eine ordentliche Stube , dies 
ist ja ein elendes Loch ; 3. bildlich s. v. a. 
Bett ; tO Nest gaon, zu Bette gehen. 

Nestkeil u. Nestkük'n S. keil'n. 

nfet'n S. genet'n. 

Nett, das Netz, alts. nett, goth. nati. 

Nett'i, der Nessel (urtica). Klök 

Höner legg'n ök towiln in Nett'i, Kluge 

oder sich klug dünkende fehlen oder 
irren sich auch. Die einjährige Art 
(Urt. urens) heisst Höner- oder Pnter- 
nett'i, dieperennirende Art(U. dioica) 

aber Dunnemett'l. Dow'n Nett'i, der 
Bienensaug (Lamium album u. purpu- 
reum). 

n! u. ntt, neu ; alts. n i g i ; naogelnt 

und fbnk'lnaogelnt sind Verstärkungen 
des Begriffs, so funkelnd wie ein neuer 
Nagel. Wat gifftnis, was giebt's Neues. 

Nibb'l-nibb'l werden die Ziegen, be- 
sonders so lange sie jung sind, gerufen ; 
daher man das Ziegenlamm auch Nibb'l 
nennt. 

nibbeln (von Nibbe = der Schnabel 
der Vögel), eigentlich mit dem Schna- 
bel etwas benagen, wird von Schafen, 
Ziegen und auch von Menschen gebr., 
wenn sie von dem Vorgelegten nur 
immer eine Kleinigkeit abbeissen. 
Wenn das Kind Zucker od. Naschwerk 
so recht mit Appetit isst und es in ganz 
kleinen Theilchen und in Zwischen- 
räumen verzehrt, damit es recht lange 
vorhalte, so nibbelt es. Benibbeln be- 
zieht sich auf den Gegenstand, der nib- 
belnd verzehrt wird. Vgl. auch gnib- 
beln. 

nib'r, niw'r wird von der äussern 



Gestalt eines Dinges gebraucht, in so 
fern dieselbe einen angenehmen Ein- 
druck macht. Das nhd. niedlich 
entspricht ihm zum Theil. De Dfem sEt 
SO niw'r Üt, das Mädchen macht durch 
sein ganzes Wesen einen angenehmen 
Eindruck, besonders durch ein heiteres 
sprechendes Gesicht, das sich vorzüg- 
lich durch den Ausdruck im Augezeigt. 
Wir besitzen im Nhd. kein Wort, das 
dem nib'r ganz entspräche. Zugleich 
schliesst es den Begriff des Kleinen 
in sich, das in seiner Art Grosse heisst 
nie nib'r. 

nich, nicht; goth. ni-vaihts. nicks 
nich, gar nichts; nichdoch, gar nicht; 
doch nich? gewiss nicht? Im Plattd. 
werden gern Negationen zur Verstär- 
kung des negirenden Begriffs verbun- 
den , besonders mit kein: k^n Biot 
nich. Im prohibitiven Sinn steht nich 
wie im Alts, dem Verbo vor, und zwar 
meistens mit dem Infinit. : nich dön für ; 
thue das nicht! 

nicht nur mit der Präpos. tO und mit 

im Gebrauch : to nicht slaon, maok'n= 

zerschlagen, zu Grunde richten; mit 
nicht'n, keinesweges, durchaus nicht. 

Nick'l 1. Nicolaus, in der Altmark 
nicht mehr gebräuchlich ; Q. Bezeich- 
nung einer gemeinen Weibsperson, 
ohne nothwendig den BegrifFder Hure 
einznschliessen. Es ist eins der härte- 
sten Schimpfwörter. Saunick'l oder 
Saumaog'n, Sauledd'r, eine Weibsper- 
son, die im höchsten Grade unreinlich 
ist. 

nickkopp'n,wörtl.: mit dem Kopfe 
nicken. Der sitzend Schlafende nick- 
koppt. Zum Spielzeug der Kinder ge- 
hören auch de Nickköpp. Bildlich : stets 
seine Zustimmung zu etwas geben, ein 
Jabruder sein Das Sprichwort: Wer 
nickkoppt, gifft nicks rührt von der 



147 



Sitte her, dassder, welcher beim Um- 
gange des Klingbeutels in der Kirche 
Nichts geben will, mit demKopfe nickt. 
Ntcks, Nichts, gewöhnlich wird 
noch nich hinzugesetzt; (Gr. Gr. 3> 

727) nicks nn wedder nicks ist eine 
Verstärkung; h5 deit dattväör nicks 

unwedder nicks, er tbutdiesohne einen 
Nutzen davon oder eine Absicht dabei 
z?i haben. 

nlt und nt, neu ; in't nie Nest legg'n 

de Höner garn, der Mensch liebt die Ab- 
wechselung. 

niderträchtig, herablassend, populär. 

Dattiss'n niderträchtigen Karl ist eine 

ehrende Redensart für einen ailabeln 
Mann, der nach der Liebe derNiedern 
trachtet. Den Begriff des Nhd. kennt 
dergemeineMann nicht. Vgl. gemein. 

ntdSCh, neidisch. Dasalts. nith, goth. 
neiths bedeutet auch invidia. Das 
Subst. Nid scheint in der Altmark nicht 
im Gebrauch zu sein. 

nigenS, neulich. 

Niir, penis. 
' Nimsch (ganz kurz gesprochen) = 
Niemand. Ausmich'nfflinsch? 

nipp (Adv.) nur vom Sinn des Ge- 
sichts und Gehörs im Gebrauch und be- 
deutet: genau, scharf. Mtist nipp to- 

kik'n, wn 'k 't maok. Hä hört nipp to 

sagt man vom aufmerksamen Anhörer 
einer Predigt. 

nipp ( Ad ject.), niedlich, glatt, artig; 

'n nipp D5rn. 

nischirig, nitschirig, neugierig. 
Subst. Nischirigkeit. 

niwer wird vorzugsweise von Kin- 
dern und jungen Mädchen gebr., wenn 
sie durch ein gefälliges Äussere, ein 
glattes munteres Gesicht, und gefällige 
Körperbewegungen verbunden mit 
einer Lebendigkeit sich auszeichnen. 

Nobb', Knoten im gewebten Tuch. 



Daher: nobb'n od. nöpp'nbei denTuch4 
machern: Mittels eines besondern In- 
struments die im Tuch befindlichen 
Knötchen entfernen, was vor der Walke 

geschieht. 

nöckern oder gnöckem, gnöckeln 
ist mit närgeln, in der Altm.; nörgeln 

wohl dasselbe Wort und bedeutet: über 
jede Kleinigkeit seine Unzufriedenheit 
zu erkennen geben und nicht aufhören 
darüber zu sprechen und durch dies 
mürrische Wesen andern lästig werden, 
meist durch Kränklichkeit verursacht. 
In Hamburg sprichtmannnckern. Wer 
viel nöckert ist ein Nöckerei. Mit knur- 
ren, gnurren, gnarren etc. zu einem 
Stamme gehörend. Adject. nöckrig, 

gnöcklich. 

N6d, die Noth mit allen Bedeutungen 
desNeuhd. Das Sprichwort: Nöd lert 
bäd'n ist auch in die Schriftsprache 

übergegangen. Nöd iss'n bitter Krftd 

drückt das Unabwendbare aus. Iss 

äöwerwnnn' de Nöd, so kümmt deDöd, 

ist der Mensch zu einigem Wohlstande 
gelangt, so muss er sterben. 

nödig, nöthig. 'k heJST'n Jacknödig ; 

mi deit' nödig, ich muss zu Stuhl gehen. 

nödig'n l. zu einer Gesellschaft, 
einem Feste etc. einladen ; in dieser Be- 
deutung heisst das Wort auch nög'n, 
ick bin to Kinnelber nögt. 2. ermuntern 
zum Essen oder Trinken. 

NÖdgrÖSChen, Nothpfennig. 

nög , genug, alts. ginog. Ick heff 
nög bedeutet: ich bin gesättigt, u. bild- 
lich : ich habe genug gehört, erzähle 
nicht weiter. 

Nög', Genüge, 

nög'n S. nödig'n. 

NoU, längere und hervorstehende 
Federn auf demKopfe einiger Vögel, 
die einen Büschel bilden, z. B. bei eini- 
gen Haushühnern, bei einigen Enten ; 



im 



NoUhÖn, Nollaoilt, Huhn, Eflte, mit 
einem Noll auf dem Kopfe. In einigen 
Gegenden helsst er : ToU. 

nöm', nennen, benennen, erwähnen. 

De Jung issnao minomt, das Kind hat 
von mir seinen Vornamen erhalten. 
Datt iss nich nomt, das ist gar nicht er- 
wähnt, goth. nammjan. Ick kann de 

Saok nich recht nöm' (ütnöm), ich kann 

dem Dinge keinen rechten Namen 
geben. : w^ibv^q». u 

,. nörgeln S. nöckern. '' 
.- Nott,Plur.NäÖt, die Nuss, vorzugs- 
weise die Haselnuss. : ; 

Näötschelln , Nussschaleh ; Hassel« 
näöty Haselnüsse: Böknäöt, Walsch- 

Häöt,' Buchnüsse,, Wallnüsse. 

nu,nun. Watt seggst nn? was 

sagst du nun, nachdem der Ausgang 
ein ganz anderer ist, als du erwartetest? 
Ausserdem istnu eine Art Partikel, die 
einen Satz oder eine Antwort etwas 
mehr hervorheben soll. Nu, dat geit 

Wol; nu, so maok doch ; nu, du besöchst 
mi doch ? nu, ick denk dat ök. 

Nück'n (Plur. tantum) erklärt Richey 
und das Brem. Wörterbuch mitTticke, 
welche Bedeutung das Wort in der 
Altm. nicht hat. Esbezeichöet vielmehr 
gewisseEigenthUmlichkeiten,dienicht 
so:leicht erkennbar sind, oft auch so viel 

als Launen. . Wenn' euer erst sin Nück'n 
kennt, kann man göd mitämm torecht 

kaom'n, wenn man erst mit seinen Ei- 
gentliünilichkeiten bekannt ist und sich 
darnach richtet, so ist es recht leicht mit 
ihm zu verkehren. Dasselbe bedeutet. 

Mucken. ? s 

nucksch und nücksch, launisch. H6 
iSShÜt all wedd'r nucksch, er hat heute 
wieder seine Launen. Das holld. nuk j 
4as dänische Nykke, dasschwed, Nyck 
bedeuten alle auch : Laune. 

audlicb, niedlich. 



-'Jlttlk, ein Trinkgeschirr für lileinie' 
Kinder auf dem Lande, dessen oberer 
Theil aus einer Röhre besteht, durch 
die das saugende Kind die Flüssigkeit 
zieht» ' Besteht dasGeräth aus Holz, so 
heisst es : Pip kann S. unten. 

nüik'n,, nftlk'n, von Säuglingen ge- 
braucht, die, wenn sie gesättigt sind,' 
noch gern die Brust im Munde behalten, 
ohne zu saueep, oder docli nu r sehr'xi'e- 
mg saugen. , 

nünkern, leise vor sich-hin singef). 

nupp'n kommt nur vor in: sick rftt' 
(•öder rüt'r) nupp'n, sich \^ieder jieraus 
i^ressen z.'B. nach längerer Krankheit, 
od. nachdem man durch lange schwere 
Arbeit abgemagert gewesen ist. 

nüsseln, nusseln, nasseln i. langsam 

arbeiten, so dass sehr wenig gefördert 

wird. Dao nusselt he all twe Daog bi 

Unwät nich farig. Unterscheidet sich 
von näöl'n dadurch, dass dies Wort eine 
allgemeinere Bedeutung hat (S. oben), 
nusseln und nasseln nur von demBe- 
s.chäftigtsein gebraucht wird. 2. leise, 
langsam und undeutlich sprechen: hfe- 

nusselt dao watther, watt ken Minsch 

versteit, er spricht so undeutlich, dass 
ihn Niemand versteht. Sick beUÜSSeln, 
einen kleinen Rausch haben. 

Nusselt, Nasseli, die Handlung des. 

Nusselns. 

:. NuSSler, Nassler, ein Mensch der 
nusselt. Das Adject. nasslig wird auch' 
vom unordentlichen u. unsaubern An- 
züge gebraucht. '* 

- nftt S. herut. 

nutsch'n, saugen, von säugenden 
Kindern, auch von Erwachsenen gebr., 
wenn letztere dieEsswaaren saugend 
zu sich nehmen. 

ntitt (Adj.), nütz, Nutzen bringend. 

De Olsch iss to nicks lade Welt watt 



149 

nütt, das alte Frauenzinitner Ist doch zu nütt bedeutet aö,ch;' mit meiner Ge^ 
nichts mehr brauchbar. Ick bin nicks sundheit sieht es nicht sonderlich aus. 



off, ob. Off 'r wol schräw'n hat ? ob 

er wohl geschrieben hat? 

Ög, Dimin.Ög'Iken, das Auge; alts. 

oga. De Ög'n in d' Hand näm'n, seine 

Aufmerksamkeit auf das richten, was 

man thun soll. He günnt en dat Witt in 

d' Ognich, Umschreibung eines Neidi- 
schen. Nichsoväöl ass 'n in^t Ög lid'n 
kann, durchaus Nichts. De Ög'n sünd 

grötter aSS de Mund wird gesagt, wenn 
man mehr Speisen auf den Teller 
nimmt, als man verzehren kann. Was 
die Diminutivform betrifft, so weicht 
das Plattd. in der Altm. von der Regel 
Grimms (Gr. 3, 681) in so fern ab, dass 
wenn, das Wort mit einem Kehllaut 
schliesst, die Diminutivform nicht 
durch ein eingeschaltetes S, sondern 
d urch EL geschmeidiger gemacht wird. 
Man spricht daher: Jtingelken, Ögel- 

ken, Ringelken, Bökelken von Jung', 
Ög,Ring,B6k. 

Ogenbrün, die Augenbraunen. 
. Og'nSChin, der Augenschein, hb > ; 

Ög'nspegel, Vorbild. Dao nimm di 

'n Ög'nspegel an, dass lass dir zu einem 
ermunternden oder abschreckenden 
Beispiel dienen. 

Ög'nverbläun, Blendwerk. Eben so 
das Verb um. 

hÄ ruft der Bauer seinen Pferden 
zu, wenn sie stille stehen sollen. 

Ok , der Windhajf^r (Avena fatua), 
besonders in der Wische ein lästiges 
Unkraut. -■ 

(jk, auch ; goth. a u k , alts. 6k. Die 
nhd.Con iunct. n i c h t n u r - s o n d e r u 
lassen sicn im Plttd. nicht wörtl. geben, 
weil für sondern kein .einzelnes. 



Wort sich hier findet. Der Begriff wir4 
durch Ök mit Wiederholung des V^i'b. 
ausgedrückt: he hat nich blos Ko, hö 

hatÖkPär, er hat nicht nur Kühe, son- 
dern auch Pferde; wofür auch gesagt 

wird : nich blos, datt he Ko hat, h& hat 
okPar. 

Ok'I, der oberste Tliell des Hauses 
unterden Sparren; eigentlich der Win- 
kel, den die Sparren mit dem Boden 
bilden. 

Ök'lnaom', Spitznamen, Spottnamen, 
schwed. Ökname. 

Olart, Ulrich (Vorname), 

Oir,de, der Alte d.h. der Vater, der 
Hausherr, der Lehrer. ■'■ 

OllSCh', de, die Mutter, die Hausfrau. 
Eben so Oilschken, aber nur wenn man 
zärtlich sein wllh 

old, öld, alt. 
Oldfiick'r, zurückgekommener Schu- 
ster, der nur noch Flickarbeit bekommt. 
oldfränksch, altmodlg, etwa Roccoco, 
vom Hausgeräth, Anzug etc. gebraudit. 
Auch von Menschen, die in ihren Sitten,»^ 
Gewohnheiten etc. nicht mit der Zei^i 
fortgeschritten sind. 

Ölgötz, ein Schimpfwort: dummer 
Mensch, dem es besonders an Ent- 
schlossenheitfehlt. Bist doch 'n Ölgötz, 
datt di so watt g'fallen lässt. 

ÖUer, das Alter; Öllervaod'r, Öller-, 

matt'r , Eitervater , Eitermutter. Vor , 
OilerS, in früherer Zeit, wobei die Ge- 
nitivform zu merken. Vergl. unter 

Morgen. 

Öllern (Plur. tantum), die Eltern. 

Öllem, altern. 

01m, Holz, das anfängt in f äulniss 



150 



überzugehen, olmig, olmen das Ad ject. 
und Verbum. 

OU'ndel, das Altentheil auf dem 
Lande, sowohl die Wohnung als auch 
das was den Alten gereicht werden 
muss. 

Opp'r, das Opfer, oppem, opfern. 

öpperste, der Oberste in einer Rang- 
ordnung, daher: der Vornehmste in 
einer Gesellschaft. 

Orbummel, Ohrgehänge. 

Ort, Örtsdaoler, der vierte Theil 
eines Thalers. 

Orten heissen Reste von Speisen, die 
besonders von Kindern übriggelassen 
werden. Davon das Verb, verört'n. 

Ossel, ein Nössel, kommt bei uns nur 
als HalfÖSSel vor beim Brantwein = 

X Mass. 'n half Össel Snapps wofür 

man auch: 'n half Pund sagt. 

Oss', der Ochse; gotb. aulisa, alts. 

ohso. Datt iss jo 'n Für, datt 'n Ossen 

braod'u kunn sagt die Hausfrau, wenn 



die Köchin ein zu grosses Heerdf euer 
unterhält. 

Os', das Öhr, ein rundlicher Drath- 
ringan Kleidern, meist mit dem Haken 
in Verbindung, Haok Un Ös'. 

Oss'ntnng, die Ochsenzunge. 

OSSig, grob im Umgange mit seinen 
Nebenmenschen. 

OSSig und OSS'nmäSSig als Bezeich- 
nung des Superlativs S. gef ärlicL 

Osterblöm, die Küchenschelle (Pul- 
satilla), weil der Landmann die Oster- 
eier damit blau färbt. 

Öt wird vom weiblichen Geschlecht 
gebr., wenn es sich geziert, affectirtim 
Gange, in Geberden und Worten be- 
nimmt, dann: sich besonders beim Es- 
sen zieren, denEnthaltsamen aflectiren. 
Solchen Zieraffen pflegt man denn wohl. 

zuzurufen : bekack dimannich. 

Owen, üben. Ütöwen, ausüben. 
ÖW'r, das Ufer d er Fl üsse. 
Öwern, borden, den Rand eines Flus- 
ses oder Grabens abstechen. 



P. 



Der Buchstabe P kommt in dem 

Sprichwort vor : tof man, dao will ick 

di'nP VäÖrSChriw'n, warte nur, ich will 
schon dafür sorgen, dass du das nicht 
ausführen sollst. 

Pack, Gesindel, besonders in Zusam- 
mensetzungen : Dfewspack, Hörnpack, 
Lump'npack etc. Das Sprichw. : Pack 
sleit sick , Pack verdröggt sick wird 

von Menschen gebr. , die sich häufig 
zanken und schlagen , sich aber bald 
wieder versöhnen. 

Pack'n, ein Pack, Bündel. 

Padanz, Interjection, das Hinfallen 
eines Körpers nachahmend. PadaQZ, 

daofelicknppd'Näs'. 



Padd', der Froscli, hie und da auch 
die Kröte, 

paddeln, Frequ. von pedd'n, treten, 
also öfter auf et\v*as treten , in dem 
Schmutz herumtreten. Der Stamm ist 
Päd, das Weg und Wasser zugleich 

bedeutet Padd'l mi de Stüw nich so to, 

mache die Stube nicht schmutzig. Wer 
über den bestellten Acker etc. geht, 

paddelt dat Land daol. 

pafF, pifF, puff, Interjectionen, die den 
Schall nachbilden, je nachdem der Ton 
heller oder dumpfer ist, der dadurch 
nachgeahmt werden soll. Paff und Puff 
werden auch substantivisch gebraucht, 



151 



Tetzteres besonders vom Schlagen oder 
Stossen mit der Faust. 

Päffk'n, das Befclien der Geistlichen. 
2. das Geifertuch, das kleinen Kindern 
vorgebunden wird. 

pafiTn, den Schall paff hervorbrin- 
gen z.B. beim Tabackrauchen ; de StÜW 
iss ganz topafft, die Stube ist ganz mit 
Tabackrauch angefüllt. 

pägeln, stark trinken, heisst auch 

picheln. 

Pagelün, der Pfau. . 
Pägemk S. Emk. 

Pagen , die Quecke (Triticum re- 
pens); Groten Pagen, die Sandsegge 
(Carex arenaria). 

paggeln, den Mehlteig bearbeiten, 
bevor er in den Backofen kommt. 

Paggeleiz oder Paggeleitsch ein im 
Hannoverschen und in den angrenzen- 
den Dörfern der Altm. gebräuchliches 
aus dem Wendischen noch übrig ge- 
bliebenes Wort , das eine Art Weizen- 
brot in Hufeisenform bedeutet. M'elches 
bei keinem Feste der Wenden fehlen 
darf. 

Pag'ment, gesprochen wie geschrie- 
ben = I.Zahlung fürgeleisteteDIenste. 
2. die Zehrung dafür. 
Päk'l, Pökel.' Pak'lflesch,Pükeltleisch. 

pakein, inpakeln, in de Päk'l hauen, 

ehisalzen. 

Päk'lswln, ein Schwein, dessen 
Fleisch ganz zum Einpökeln bestimmt 
ist. 

päk'n, ankleben, hängen bleiben wie 
Pech (Peck). Datt päkt, das klebt ; bild- 
lich von Besuchenden gebraucht: über 
Gebühr bleiben u. dadurcji lästig wer- 
den, anpäk'n, ankleben, päkig, klebrig. 

palschen, im Wasser platschen. 

Palsternaok,gewöhnlicherBalster- 

naok, die Pastinake (Pastinaca sativa). 
Palt'Q 1. ein zusammengeballter an 



sich weicher Körper, besonders in so 
fern er sich unter dem Absatz der Fuss- 
bekleidung befindet. Dao häst du 'n 

gröt'n Palten indeStüw slapt, du hast 
dirdieFüsse nicht gereinigt und Erde 
in die Stube geschleppt. Snepalt'n, 
Schneebällen, die sich beim Thauen 
unter den Schuhen etc. ansetzen, 
2. auch von einem derben Stück Brot 
oder Fleisch wird dies Wort gebraucht. 

Vör'n Bür gehört 'n gröden Palt'n, der 

Landmann muss ein derbes Stück Brot 
und Fleisch haben. 

Pamp, Pamps S. Papp. 

pamp'n , papp'n, sich vollessen mit 

tadelndem NebenbegrifF. 

pampig S. pappig. 
Pand, Pfand, Unterpfand. 
Pann', die Pfanne, ein vertieftes Me- 
tallgeräth zum Kochen, Backen, Braten 

etc. Eierkök'upann', Branpann' ; dann 

eine Art Dachziegel, Pfanne. 

pann' (Verb.) pfänden ; Ütpann', aus- 
pfänden. 

Pannel, Pannelung, Pannelwerk, 

ßretterbekleidung der Wände. Ütpau- 
nein, mit einem Parmel versehen. 

Pannkök, Pfannkuchen. 

Pann'mann, der Feldhüter, Pfände- 
mann. DieKinder haben ein Spiel, wo- 
bei sie singen: PlÜck, pltick Ärfteil 

wenn de Pann'mann k§m nn slog uns 
um de Mn, ach, wo wolln wi wen. 

Pantln, Patin, PantoHel, in specie 
Holzpantoflel. 

Panz, Pansen l. der zweite Magen 
der Wiederkäuer. 2. der Schmerbaucli 
eines fettenMenschen. Dalier: oU'Dick' 

panz, ein Scheltwort. H^ hat sick den 
Pansen recht vull slaon bezeichnet 

einen starken Esser. 

Päper, Pfeffer; päpem, mit Pfeffer 
würzen. * 

Päpernäöt, Pfeffernüsse. 



13ß 



Papp, Pamp, PampS, Brei, Mus, auch 
jede dicke Speise von dem Naturlant 
der Kinder, um sowohl das Essen als 
auch das Sprechen anzudeuten. 
'-"■ Papp'nstal, der Pappenstiel, unbe- 
efeutende Kleinigkeit. 

päppeln, essen, von kleinen Kindern 
gebraucht, dann auch : schnell und al- 
bernes Zeug schwatzen. Will man 
einen päppelnden Menschen nicht wei- 
fer anhören, so sucht man ihm mit dem 
Zuruf: ach pappelapap , Stillschwei- 
gen aufzulegen. 

papp'n, essen, besonders Consisten- 
tes z. 13. Brot, Semmel. 

pappig, wird das schlecht ausgeba- 
ckene Brot u. dgl. genannt, wenn es 
sich beim Kauen nichttrennt, sondern 
zusammendrückt. Eine ahnliche Be- 
deutunghat pampig, eine Suppe, in der 
mehr Consistentes enthalten ist, als man 
erwartet, die also wie man sagt zu dick 
gekocht ist, wird pampig genannt. 

Pär, die Pfarre, he hat 'n Pär kräg'n ; 

auch das Pfarrhaus, Pfarrgehüft. Upp't 
Pär SÜnd Fromm, im Pfarrhause ist Be- 
such. De Pär iss 6k äff brennt. 

Pärd, Plur. Par, das Pferd ; alts. pererd. 
Pärvolk, Cavallerie. Besondere Ruf- 
namen für Pferde sind : Wachtel, Bum- 
mel, Fittke, Drall, Rüsch,Beiert,Knäps, 
Knieper, Brüning, Stärmann, Pummer, 
Bläsing, Nils, Lott, Lis, üssel, Bläss, 
Foss, Hans, Wittkopp. 

Pardauz, Interj., S.Bauz. 

Pärdokter, Thierarzt. 

parmäSSig S. gefärlich. 

Parmint, die Feldminze (Mentha 
arvensis), auch KrÜSmint genannt. 

Pärsaotj Samen desPferdekUmmels 
(Oenanthe Phellandrium). 

Part, der Antheih Der Zuruf: half 
Part bedeutet: lass uns theilen, Ick 
näm min Part, ich nehme meinen An- 



theil. 2. eine Familie. Inuns'MswaOB* 
SÖSS Part, in unserm Hause wohnea 
sechs Familien. 

pass'n, passen, wie im Neuhd. DU' 
kannst lang passen, du kannst lan^e 
warten ; giff Pass oder paSS Upp, richte 
deine Aufmerksamkeit hieher, gieb^ 
Acht. Pass upp, Paris, du irrst dich, 
wenn du glaubst, dass ich dirdiesgeben, 
oder das Geschäft für dich übernehmen 
soll. Was der Zusatz Paris sagen will, 
ist mir nicht klar. To pasS kaom', zur 
rechten Zeit kommen. DeRockissmi 
nich to pass, der Rock passt nicht. Datt 

schall mi wol to pass kaom', daraus 

will ich einen Nutzen ziehen. Aus den 
Beispielen erhellet, dass hier ein beson- 
deresSubst. Pass zumGrunde liegt, das 
aber in der Altmark nur in diesen Ver- 
bindungen gebräuchlich ist. 

passig, das Particip vom vorigen = 

passend. Ist di ök hüt passig, sünst 
kaom 'k maol wedder väör. 

Päs'l S. BuUnpäs'l. 
Päs'lborg S. Borg. 

pässeln, eigensinnig sein, von klei- 
nen Kindern im Gebrauch. Adj. päSS- 

lig. Subst.Pässel. 

Pastet kommt vor in der Redensart: 

da hämm wi de Pastet, da haben wir 

das gefUrchtete Übel. 

Patsch, Matsch ; patsch'n, im Patsch 
gehen. 

Patsch, Patschhand, in der Kinder- 
sprache, die Hand, giff'n Patschhand 
ruft man kleinen Kindern zu, die einen 
Fremden durch die dargereichte Hand 
begrüssen sollen. 

Patsch, ein breites Ruderholz, im 
Gebrauch auf Flüssen etc., die tief sind, 

patsch'n, mit dem Patsch einen Kahn 
fortbewegen. 

PattSCh'n (Plurale tantum) l.abge-. 
schnittene Strümpfe, die mit starker 



t^ 



Leinwand versohlt sind. 5. jede aus 
Tiicbeggen, Filz etc. gefertigte Fuss- 
bekleidiing. 

patSCheiD, partagiren.theilen. 

patttimmerümm u. pantümmeringnm 

S. battlimtnerUmm. 

patzig, in Antworten kurz angebun- 
den und derb. Subst. Patzkopp. 

pan'n, quarren, die Worte stets in 
weinerlichem Ton ausprechen, von 
Kindern gebr., wenn siesich über etwas 
beklagen, oder etwas fordern, das ihnen 
schon einmal abgeschlagen ist. 

Paogl, Paul (Vorname).— Paogl 
Diak, (letzteres einsilbig gespr.) Paul 
Dietrich. 

Paok, elnschlechtesMesser, ein noch 
schlechteres heisst: Knif, das aller- 
schlechteste heisst : Schiülierpaok. 

Paol, der Pfahl. Hfe hatt 'n Paol in'n 

RÜgg'n wird voneinem hölzernen Men- 
schen gebraucht, der wo es erwartet 
werden kann, sich nicht bückt. Sprich- 
wort: Wenn de Sann schintnpp'nnat- 
tenPaol, so regn't glick noch 'nmaol. 

J")ann bedeutet es auch die Hülle von 
Bohnen , Erbsen und andern Schoten- 
gewächsen. De Ärft'nhebb'nallPaol'n, 
die Erbsen haben schon Schoten ange- 
setzt. Davon : paol'n, Ütpaol'n, Erbsen, 
UberhauptHUlsenfrüchteausderSchale 
herausnehmen, aushülsen. Dasselbe 
drücken die Wörter Huls', SlUW' aus. 

Päöl, Bettpfühl. 

Paop 1. Pfaffe, Priester; plebejischer 
Ausdruck für: Geistlicher. Wenn es 
regnet, hört man wohl von unsern Kin- 
dern auf der Strasse den Gesang : Räg'n- 

blatt , maok mi nioh natt , maok den 
olln Paop'n natt, de 'nBüd'l vuU Geld 
hat. 2. der Papagei. S.derDompfafie, 
Gimpel, letzterer heisst auch Dömpaop. 
Paopenmütz, ein Gc-bäcksel aus Wei- 



zenmehl, mit Butter bestrichen und 
Zucker bestreut. 

Paop'nkinn'r , die Aronswurzel 
(Arum maculatum). 

päöseln, pusseln, sich mit allerlei 
Kleinigkeiten stille und unbemerktbe- 
schäftigen , doch so , dass man di^ 
Leistungen eben nicht recht bemerkt. 
Alte Leute, denen Kraft zum Arbeiten, 
fehlt, sich aber doch mitKleinigkeiten 
körperlich beschäftigen pnsseln nOCh 
ÜmmerSOWattrfimm. Von näöl'n un- 
terscheidet es sich, dass dies zugleich 
einen Tadel des Langsamen in sich 
schliesst, welcher Nebenbegriff inpus- 
sein nicht liegt. Das Adj. pUSSlig hat 
auch oft den Nebenbegriff der schlech- 
ten Leistungen bei der Arbeit: datt SÜt 
80 pnsslig Üt, die Arbeit ist ohne Ge- 
schick gefertigt. 

Paot, der junge Trieb eines Baumes, 
in so fern er als Steckling, Setzling oder 
Pfropfreis dient, besonders wenn der 
Steckling schon eine bedeutendeStärke 
hat, daher am häufigsten von Weiden 
und Pappeln im Gebrauch. — Paotwid; 
paot'n, das Verb. = abgehauene Wei- 
den und Pappeläste pflanzen ; auch 
pfropfen d. h. ein Edelreis auf einen 
wilden Stamm setzen. 

paotern, laut sprechen, besonders 
wenn es in monotoner Weise geschieht 
und man die einzelnenWorte nicht ver- 
stehen kann, z. B. wenn ein Knabe in 
einem Nebenzimmer ein aufgegebenes 
Pensum laut memorirt. Vgl. taotem. 

päötern, mit einem Instrument ih 
Etwas herumwühlen, herumstochern; 
ist das dabei gebrauchte Instrument 
spitz, so heisst es : päökern. 

Peck, Pech ; Peckdraot. 

Peckfister, Spottname des Schusters. 
Pecklicht kommt bei uns nur in dem 

Sprichwort vor : ?on ämm krtgt kiner 

20 



15^ 



'n Pecklicht, er ist so geizig, dass man 
von ihm auch nicht die geringste Klei- 
nigkeit erhält. 

Peddick und Petk, Mark der Pflan- 
zen, auch der verhärtete Eiter in den 

Blutgeschwüren. den Peddick fit- 
drück'n. 

pedd'n, treten, von Päd, nhd.Pfad, 

der Weg. pedd' dcFlfegdöt. 

Pik, die Pieke ; davon pek'n, stechen. 
Der NebenbegrifF: mit einem spitzen, 
verwundenden Instrument ist im Plttd. 
aber verloren gegangen , wenn man 
nicht die Bedeutung; „einen Eisschlit- 
ten mittelst zweier Pieken (Ispik'n) 
fortbewegen" lii eher rechnen will. Die 
Nadelsticht heisst nicht: de Naod'I pek't 
sondern : de Naod'l Stickt. Man gebr. 
pik'n fast nur beim Spielen mit kleinen 
Kindern, wenn man sich Ihnen mit vor- 
gestrecktem Zeigefinger allmä'hlig 
nähert und mit demselben gleichsam 
sticht. Man pflegt dabei wohl singend 
die Worte zu sprechen : Swtük'D slach- 

t'n, Wörstk'n maok'n, datt sali säng'n : 
Pik! 

Peir, die dünne Haut z. B. über dem 
Kern der Nüsse, über dem gekochten 
Eiweiss, die Schale der KartolTeln. Ob 
es gleich mit Fell dasselbe Wort ist, so 
wird es doch nie von behaarten oder 
befiederten Thierdecken gebraucht. 
Man sagt nur : Kalffell, Schaopfell. 

peirn, die Pelle abziehen. Vgl. fllln. 
Beide zu einem Stamm gehörende 
Wörter unterscheiden sich genau. Die 
Pelle ist nur dünne und löset sich leicht, 
bei Filln ist die Haut stärker, und ihre 
Ablösung erfordert mehr Kraft. Dann 
wird pellen nie im figürlichen Smne 
gebraucht. j'i : ''-•'*; 

pelz'n, durchprügeln. 

Pellttiffeln S. krüll'n. 

pemmeln i, verzärteln, übertrieben 



ängstlicheVorsicht ausüben, sich gegen 
Witterung etc. zu schützen. 2. spie- 
lend und nachlässig arbeiten. 

pemmlig, pimplig, der gegen sich 
und andere diese Ängstlichkeit zeigt. 

Pemmelt, Verzärtelung, Verweich- 
lichung. 

Pennig, alts. eben so, der Pfennig. 

Penunsch', Geld, auch Pekunsch'. 

Persch, die Pfirsiche. 

pett'n S. pedd'n. 

picheln S. pägeln. 

pich'n, schwer und hörbar athmen, 
besonders nach einem langen Laufe od. 
raschem Tanze. Im Ton ist es gleich- 
bedeutend mit g!m'n(S. oben) aber dies 
drückt einen Krankheits- jenes einen 
vorübergehenden, nicht dauernden Zu- 
stand aus. 

Pick'l 1. ein Ferkel, 2. Lockwort für 
die Schweine überhaupt: Pick'l, Pick'l ? 
oder Pick'l kumm! 3. Scheltwort für 
ein Kind, das seine Kleider beschmutzt 
hat. 4.einkleinesGeschwüram mensch- 
lichen Körper, besonders im Gesichte, 
wovon das Ad ject. pickelig. Vgl. auch 

Pnnk'l. 

pickelhart S. bickelhart. 

pickein (Verb.), ist nur beim Ball- 
spiel der Knaben gebräuchlich, wenn 
einer, der am Ziel steht, stets Miene 
macht, als wolle er zum entgegenge- 
setzten Ziele laufen, wodurch er die 
Aufmerksamkeit der Gegenpartei stets 
rege erhält und den Fortgang des Spiels 
aufhält. Daher beim Anfange des Spiels 
häufig die Bedingung gestellt wird: 
Pickeln gälltnich, Pickeln gilt nicht. 

Pickeisten kommt nur in der Re- 
densart vor: 't frttst Pickelstln, es ist 
sehr kalt. 

pick'n, den Laut: pick nachmachen. 

de Ür pickt ; de Specht pickt an den 
Böm. Obgleich es mit bick'n dasselbe 



t5ä 



Wort ist, werden doclibeide im Spre- 
chen aenau unterschieden. 

pickern, das Frequent. vom vorigen, 
öfter od. leise pick'n, pulsiren. 't pickcit 
mi inn' Kopp, ich fühle den Ptilsschlag 
im Kopf. Ist das Gefühl des Pulsschla- 
ges stärker, soheisst es: 't puckert mi 
SO inn' Kopp. 

Pijönje, diePaeonie(Paeonia ofiici- 
nalis). 

Pik 1. die Pieke, der Spiess. 2. heim- 
licher Groll. Hfe hat 'n höllischen Pik 
npp mi. 

Pik'n, PirOCk, das Oberkleid für 
kleine Knaben , bevor sie Beinkleider 
bekommen. 

Pikesch, Rock für Erwachsene. 

Pill, der Pfeil. 2. gleichbedeutend 
mit Sp!l S. unten. 

. pil (Adv.), gerade gegen z.B. pil 
gegen 'n Wind gaon, wenn man den 
Wind gerade im Gesicht hat. 
: Piler, der Pfeiler. 

pimplig S. pemmlig. 

Pin, Pein, Schmerz. Sprichwort: 

Hoffart mütt Pin Itd'n. 

pinigen, peinigen, quälen, lästig 

werden. deFlei'npinig'nmi ganzdull. 

pinlich, peinlich, schmerzhaft. 
Pingsten, Pfingsten. Die Knaben 

singen : Pingsten schitt de Hund am 
ringsten. 

Pingsthäghiessvor den Separation, 
das Brachfeld, weil es bis Pfingsten 
gehegt ward, u. von da an erst alsWeide 
zunächst für die Pferde benutzt ward. 

PingStkärw' helsst das Viehmäd- 
chen, das am ersten Pfingsttage zuerst 
seineKühevümHofejagt,währenddas, 
welches zuletzt im Dorfe ihre Kühe 
bringt Dausiäp'r heisst. Das erste zu 
sein ist grosseEhre, das zweite bringt 
Schande. 

Pinkel S. Pisse. 



pink'n, den Laut : pink nachahmen, 
namentlich mit Hülfe von Stahl und 
Feuerstein Schwamm oder Zunder an- 
zünden; auch der Schmidt, wenn er 
mit einem kleinen Hammer auf den 
leeren Amboss schlägt pinkt. 

Pinn', kleiner Nagel, Zwecke. Sn8r- 
pinn', Schnürnadel. Verbum: pinn', 
nageln, annageln. 

Pinnj'nschmedd, der Nagelschmidt. 

pinseln, sich als ein verweichlichter 
Mensch über Kleinigkeiten des Un- 
wohlseins beklagen. Wer dies thut ist 
einPins'ler. Adject. pins'Iig. 

PIp, die Pfeife, sowohl Instrument 
zum Angeben eines gellenden Tons, 
als auch die Tabackpfeife. S. auch 

blarn. 

Pip'npnrrer, der Pfeifeuräumer. 
Pip'nstal 1. der Pfeifenstiel; 2. der 
Schachtelhalm (Equisetum), 

piperlingS, frisch hervorquellend 
und ineinem Strahl, nichttropfenweise, 

herahlaufend. DatWatei lepmipipcr- 
lings üt'n Mund. 

Pipgöss'l S. Göss'l. 

Piphaon, mentula. 

Pipkann' S. Nülk. 

Piplök, Schnittlauch (Allium schoe- 
noprasum). 

plp'n (Imperf. nicht gebräuchlich, 
Partie, pipt) 1. einen Ton wie ganz 
junge Vögel von sich geben. Davon 
plpig, von der menschlichen Stimme 
gebraucht, wenn sie in den höhern Tö- 
nen sich hält. Uns' Köster hat man 
plpig Stimm'. 2. pfeifen z. B. mit den 
Lippen. 3. unwohl sein, klagen. Dat 

Jäör plpt den fttgeslaogen Dag, das 

Kind klagt den ganzen Tag. Daher 
pipig, kränklich, stets klagend über 

Unwohlsein. Eh pipt üt d' letzte Loclg 
er liegt im Sterben, und; er iüt dem 

20* 



156? 



gänzlichen Verfall seines Vermögens 
nahe. 

Pipp, PippS, eine Zungenkrankheit 
bei Vögeln, wird auch bildlich in dem 
Sprichworte gebraucht : 'n Pipp hämm, 
eine Krankheit brüten. 

Pip Toback S. blaff'n. 

Pipvoggel 1. der Vogel. 2. ein 
schwächlicher Mensch. 

Pir oder Pirmaod, der Regenwurm. 

Pirock S. Pik'n. 

pisack'u, quälen, plagen. Das goth. 
s a k a n bedeutet schelten. 

Piss', der allgemeinste Ausdruck 
für: Urin; Pinkel wird vorzugsweise 
vom Urin kleiner Kinder, Mtg' von dem 
derThiere und Seick' mit dem Neben- 
begriff desTadelnswerthen, Verächt- 
lichen gebraucht. Die davon abgeleite- 
ten Verba für: uriniren sind : pisS'D, 

pinkeln, mig'n und seichen. 

Pissämk S. £mk. 

Pisshaon, membrum virile. 

Pisslapp'n, Windeltuch. 

Pisspott, Nachttopf, 

Pistlett, Pistöi, jedes Fünfthaler- 
stück in Gold. 

Pitsch, Pitsk, die Peitsche. 

Pitj'n, Pittk'n, Pit, eine noch nicht 
ausgewachsene Henne, aber grösser als 

Kfik'n. 

Pitz, die weibliche Brüst (selten im 
Gebrauch). 

Plack, Plack'n, ein Flecken ; Klecks, 
besonders wenn er nicht 2anz klein ist; 
ein kleiner Fleck Landes. Vgl.Pleck. 

Plack'r, ein Fehler ; plackem, Fehler 
machen. Sick plack'n, sich sehr plagen, 
abarbeiten. 

Plackert, müh volle und schwere 
Arbeit. 

pladdern, nicht gleichbedeutend mit 
platschen. Es bedeutet 1. Flüssigkei- 
ten unnütz hin und her giessen, wie 



Kinder wohl zu thun pflegen, man ruft 
ihnen dann zu: Laot dat Pladdero. 
2. beim Ein- und Ausgi essen von Flüs- 
sigkeiten einen Theil aus Unachtsam- 
keit verschütten, 3. wird es auch im- 
personell vom starken Regen gebr., 
doch so dassman gewissermassen die 
einzelnen Tropfen noch unterscheiden 
kann ; ist dies nicht mehr der Fall, so 

heisstes: 'tgtitt. Vgl. get'n. pladdiig 

wird besonders von Speisen gebraucht, 
die zuvielFlüssigkeiten enthalten. Sönn 

pladdrig Sapp mag 'k nich. 

pladd'rnatt u. platsch'nnatt, so nass, 

dass das Wasser von den Kleidern ab- 
läuft. 

Plaggen, die mit einer eigenen Art 
Eisen (Plaggtsen) abgehauenen Gras- 
narben, deren sich der Landmann zum 
Einlegen in die Viehställe und als Dün- 
gervermehrung bedient. DasVerbum 

ebenfalls plaggen. Vgl. Soden. 

pläg'n, pilegen, 1. im Sinne von: 
Sorge tragen, besonders im Darreichen 
kräftiger Nahrungsmittel. 2. = solere 

pleggt 'n wol to seng'n, pflegt man 

wohl zu sagen. 

plämpern, häufiger verplämpern, 

unnütz verthun,bei Kleinii^keiten ver- 
schleudern. He hat stn Geld reinver- 
plämpert, er hat sein ganzes Vermögen 
auf eine unnütze Weise in lauter uner- 
heblichen Kleinigkeiten verschwendet. 
Plansch wird nur von Speisen gebr., 
die nicht gehörig zubereitetsind, indem 
entweder Ingredienzien in ihnen ent- 
halten sind, die nicht hinein gehören, 
oder durch zuviel Wasser zu dünne u. 

kraftlos sind. Dat Plansch mag ick 
nich, oder : datt iss Planschwerk. Da- 
her ; Planschsnpp. Das Verbum heisst 
planschen. 

plantschen, im Wasser herumwülb- 
len,so dass es einen Schall hervorbringt. 



15^1 



pIatscheD,plaiitschen,mantschen drü- 
cken fast dasselbe aus, und sind Verba 
von Naturlauten gebildet; eben so mat- 
SChen, quatschen ; die von diesen Ver- 
ben gebildeten Adjective werden 
ohne Unterschied für denselben Begriff 
gebraucht. 

Plant, häufiger im Plur. Plant'n im 
Gebrauch = dle Pflanze, besonders die 
zum Verpflanzen bestimmte. 

plant'n, pflanzen. Plant'r, Instru- 
ment beim Pflanzen gebraucht, Bön'n- 

plant'r, Ärft'nplant'r, Ttiffelplant'r, der 

letzte heisst auch Reg'ntreck'r. 

plastern = pladdern, vom Regen. 

Platt', die Platte, ein messingenes 
oder eisernes hohles Geräth, in deren 
Höhlung ein glühender Eisenbolzen 
gebracht wird, um die Wäsche etc. 
glattzumachen. DasBügeleisen (Büg'l- 
is'n) bestellt aus massivem Eisen und ist 
nicht hohl. Davon das Verb, plätten. 

plattSCh'nnatt S. pladd'rnatt. 

plauz, ein Naturlaut, vom plützliclien 
Fallen nicht kleiner Gegenstände gebr. 
Davon das Verb, plauz'n = auf irgend 
eineWeise diesen wSchall hervorbringen 
z. B. durch Abschiessen einer Flinte. 

Plaog, jedes anhaltende Leiden z. B. 
körperliches Unwohlsein , neben dem 
Begriff von Plage des Nhd. 

Plaonlaok'n, ein grosses Laken aus 
Leinwand, das über die Frachtwagen 
ausgebreitet wird. 

Plaost'r und plaostern, Pflaster und 
pflastern derWundärzte u dasStrassen- 
pflaster. Vgl. auch ffledicin. 

Plaot, Plaot'n, eine Platte aus Eisen- 
blech, auf der Kuchen etc. gebacken 
wird. 2. die Schwelle über dem Erd- 
geschoss eines Hauses. 

Pleck, ein klehier Flecken, Klecks. 

pleck'n, flecken, Flecke bekommen. 
Dat Tüg pleckt licht, das Stück Zeug 



bekommt leicht Flecke; pleckig =4 

fleckig. 

plenssen, wachsendes Korn oder 
Gras niedertreten. 

Plesir (gespr. wie geschrieben), das 
französ.plaisir=Wohlgefallen, Scherz, 

Datt do ick to min Plesir, od. : üt Plesir ; 
ickhefTmin Plesir daoran. 

Pletsch, Pletschk'n, Zuckerpletsch, 

kleine Stückchen Zucker in Kugelseg- 
ment-Form. 

Plink bezeichnet einen kleinen Raum 
im Ackerfelde, der wegen Nässe nicht 
bestellt wird. 

plink'n l. die Augen häufiger und 
schneller als nöthig ist, schliessen, eine 
nicht seltene Angewohnheit der Kin- 
der. Plink nich SO. 2. mit den Augen 
einen aufmunternden Wink, ein Zei- 
chen geben, was auch toplink'n ge- 
nannt wi rd . Hfe hat am plinkt, toplinkt. 
3. wird es auch als ein Zeichen des Bei- 
falls gebraucht. He hat plinkt, er hat 
seine Zustimmung zu erkennen ge- 
geben. 

plins'n S. lau'n. 

plir'n, die Augenlider zusammen- 
ziehen, theils um genauerzusehen, wie 
der Kurzsichtige, theils um den Schein 
zu gewinnen, als habe man die Augen 
geschlossen. Der Scheibenschütze plirt 
d.h.visirt. 

Plirög, ein Mensch, der pliert, oder 
dem von Natur das obere Lid etwas 
herabhängt. 

plirögt das Adjectiv davon. 

putsch, schlau, komisch (aus poli- 
tisch gebildet). i 

Plock'n, der Pflocken. In der ver- 
kürzten FormPlock wird es auch als 
Spitzname gebr. l.von einem kleinen 
u. dicken Menschen. Datt iss 'n waor'n 
Plock. 2. in der Schule von dem Unter- 
sten auf einer Bank oder der ganzen 



15S 



Klasse. Bist du Plock?=bist du der 

Unterste ? 'S. werden die Fettwürfel in 
der Rothwurst, besonders wenn sie 
etwas gross sind, Plock'D genannt. 

plock'n (Verb.), unaufhörlich um 
etwas bitten oder an etwas mahnen. 
Davon Plockvogt, der stets plockt, da- 
von das Verb, plockvogten. 

Plockholt S. Plüggholt 

Plög, derPtlug. Datt iss m!n Wao- 

g'nnnPlÖg, das ist mein Geschäft, da- 
mit verdieneich mein Brot; auch: das 
ist meine Lieblingsbeschäftigung, mein 
Steckenpferd. Das Verb, plög'n wird 
auch bildlich vom schlechten Schreiben 
gebr., auch vom beschwerlichen Gehen 
z.B.über frisch gepflügten Acker oder 
durch einen Fluss: Kik enns, WIl hfe 
plögt sagt man von Jemandem, der über 
einen Sturzacker, oder durch Wasser 
mit Mühe geht. 

PlÖglS'n, die Pflugschaar. 

Plögmarin ist die ländliche Benen- 
nung von Maria Verkündigung, weil 
um diese Zeit der Plug wieder zu Felde 
zieht. 

plücken, pflücken. 

pludern, plaudern. 

Plügg' Dimin. von Plock'n, ein klei- 
ner hölzerner Nagel, womit der Schu- 
ster Sohlen und Absatz der Fussbeklei- 
dung befestigt. 

Plüggholt auch Plockholt wird häu- 
fig das Holz von Evon ymus europaeus 
genannt, dessen die Schuster sich gern 
zur Anfertigung der Pltigge bedienen. 
Vgl. Poggcnklöt. 

Plüm, eigentlich die Flaumfeder, bei 
uns nur von allen Dingen, die so weich 
sind, wie Flaumfedern z. B. vom zarten 
Rauhwerk im Gebrauch. 

Plüm, die Pflaume ; Plümböm ; PWm- 
m6s. 

Plümbott'r, Pflaummus. 



PlÜmösköster, eine hie und da vor- 
kommende Benennung eines Elemen- 
tarlehrers. 

Plump (Subst.), die Wasserpumpe. 

Plump, Nachahmung des dumpfen 
Schalls, der entstellt, wenn ein schwe- 
rer Körper ins Wasser fällt; davon 
piump'n u. plumps'n, ins Wasser fallen ; 
he iss äöw'r Kopp rinn plumpst. 

plümpern, Frepuent. von plump'u, 

oft und wiederholentlich ins Wasser 
stossen, wie z.B. die Fischer thun, die 
mit einer Stange, welche unten durch 
aufgenageltes Leder ein breiteres Ende 
hat (Plumper genannt) .die Fische aus 
dem Ufer hervorscheuchen. Sprich- 
wort: Fischer sündPlump'r, un wenn 
se nicks krig'n, sfind arm Stümp'r. 

Auch von den Menschen, die beim 
Schwimmen im Wasser nur mit Hän- 
den und Füssen ins Wasser schlagen, 
gebraucht man dies Wort. 

PlÜnn' = Plunder; 1. Lumpen, 
schlechte zerrissene Kleidung. 2. Bet- 
ten, in denen sich fast keine F'edern 
mehr befinden, also den Lumpen ähn- 
lich geworden. 

plus'n , verwirren , in Unordnung 
bringen, zerzausen, sehr häufig vom 
Kopfiiaar gebraucht. Sickplus'n wird 
vom Federvieh gebraucht, wenn es mit 
dem Schnabel in den Federn herum- 
wühlt. 

Plusterbüdel , weisse Nieswurz 
(Veratrum album). 

plustern, das Frequent. von plus'o. 
Sick uppplustern, wenn die Vögel die 
Federn in die Höhe richten, Zeichen 
des Zorns oder einer Krankheit. 

plustig, plusig, zerzaust, verworren. 

piustrig, von Vögeln, die sich plu- 
stern, von Menschen bedeutet es: auf- 
gedunsen, aufgetriebenes Gesicht, auch 



159 



vom ungekämmten Haar beim Men- 
schen im Gebrauch. 
■ Pock, Singular von PockCD, die be- 
kannte Hautkrankheit; ausserdem in 
der Bedeutung von jeder pustelartigen 
Hanterhöhung, bei Thieren und Pflan- 
zen z.B. bei der Kartoflel. In dieser 
Bedeutung kommt aiicli das Adjectiv 

pockig vor; de Tüffeln, Äppeln stind 
recht pockig. Vgl. Schorf. 

Pockenkärl, Spitzname für einen 
Menschen, der nach überstandenen 
Blattern die rothen Flecken noch lange 
im Gesichte trägt. 

Pockennarw, die Blatternarbe. 

Fofist 1. der Bovist, ein bekannter 
Staubpilz, der auch Ptister, auch FOSS- 
eier heisst; 2. ein körperlich elender, 
kraftloser Mensch, dem es daher auch 
an Muth fehlt. 

Pogg'('tn Süden :Utsch),derFrosch. 
Kolt aSS 'n Pogg' = eiskalt. Vor ihrer 
letzten Verwandlung, in der sie den 
Ruderschwanz verlieren, heissen sie 
KÜlpogg', Kaulpadde, an andern Orten : 
Pülpogg'. Das Froschgequak übersetzt 

derLandm. so: Yaddersch, Vaddcrsch 
(d. i. Gevatterin) wenn er back'n ji, 
back'nji. Maorgen,Maorgen! Eck-eck- 
eck ök(lch auch)Eck-eck-eck ök. 

Pogg'nklöt auch Haonklöt. Die 

Frucht vom Spill bäum (Evonymus 
europaeus). Das Holz dieses Busches 
.heisst; Plockholt. Die erste Benen- 
nung scheint ausPaopenklötentstanden 
oder verdreht zu sein, weil die Staude 
in einigen Gegenden Pfa£fenhÖdlein, 
Pfaffenkäppchen genannt wird. 
Pogg'nstöl, ein Pilz (Boletus). 

P61, PI. Pol u. PM'n = zusammenge- 
laufenes Wasser, Pfulil, Pfütze. Dao 
Steit 'n P6l Waot'r bedeutet nicht selten 
schon eine gerhige Menge Wasser, 



wenn sie nur da sich befindet, wo sie 
nichtseinsoll. 

politsch u. putsch, schlau, gewitzt, 
pfiffig. 

Polk 1. ein halberwachsenes Schwein, 
2. ein dicker junger Mensch. 

polk'n, pöik'n, mit den Fingern ein 
Theilchen vom Ganzen wegnehmen, 

abpflücken. Pölk de Rosinstfen rüt, 

suche aus den Rosinen die Kerne her- 
aus, an't Brot pöik'n, kleine Theilchen 
von dem Brot abpflücken. VonKindem 
gebraucht bedeutet es : mit den Fingern 
in der Nase w ühlen. 

pöln, affpöln, Ütpöln, von den unter 
Wasserstehenden Wiesendasgemähete 
Grasauf höher liegendeRäume bringen, 
um es dort zu trocknen. 

Polteri 1. das Gepolter; 2. altes un- 
brauchbares Gerumpel in einem Hause. 

Pomoch'l, ein kurzes dickes Kind. 

Poppe!, der Pappelbaum. 

Pöpp'ikes S. Keskrut. 

Port, alts. porta, Pforte, Hofthür. 
achter 'd Port, hinter der Hof- oder 
Gartenthür, woraus AchterpÖrt als 
Subst. : die Hinterpforte, Hofthür. 

Pös', Federspule. Vgl. auch Spöl. 

Post, Porst, derPorsch(Ledum pa- 
lustre. 

Post'n, der Pfosten. 

Postürk'n, eine alte Frau, deren An- 
blick zum Lachen reizt, 

P6t S. Föt. 

Pott, Plur. Pött, der Topf. Pötter, 
der Töpfer. Das Sprichwort : 't iss k^D 

Pott so sch6f , 't findt sick 'n Stölper 

drupp, es sei Jemand noch so missge- 
staltet, es findet sich ein Freier. Unsere 
Kinder singen : Twfe Eier in' Pott, twfe 
Ög'n in' Kopp, 6n Sei in' Liw, sünd datt 
nich fiw? 

pöttern. Hast all wedder pötterH 
— hast du tchon wieder etwas (Topf^ 



160 



Scliüssel etc.) zerbrochen? Wird nur 
von KUchengegenständen gebraucht. 

Pöttk'nkik'r S. kik'n. 

Pöttk'nlick'r, Scherzname des Zei- 
gefingers. 

Pottlicker, Tellerlecker. 

Pottschön, eine Portion. 
, PotzBlix S. Blitz. 
, ^ power, arm, dem es an dem Noth- 
dürftigen fehlt. 

Pracher, der Arme, Rettier. Sprich- 
wort: Wenn de Pracher nicks hemm 
schall, verlert he dat Brot üt de Kip. 

Pracheri, Bettelei, 

prachern, betteln, auch von Kindern 
gebraucht, die recht inständig umetwas 
bitten. 

Pracherherberg, Wirthshaus, wo 

die Armen einkehren. 

Pracher Muscanten, herumziehende 
Musikanten. 

Pracherstaot,Kleidungen, die etwas 
bedeuten sollen, aber keinen Werth 
haben. 

Prachervogt oder Pracherkönig, 

der Bettelvogt. 

prachrig, bettelnd, bettelhaft. 

praddeln, mit den Beinen zappeln, 
von Thieren gebraucht, auch von klei- 
nen Kindern, wenn sie durch schnelle 
unaufhörliche Bewegung der Hände 
und Füsse ihre Begierde nach etwas, 
oder ihre Unzufriedenheit ausdrücken 
wollen. 

Prafaotstunn', Privatunterricht. Ick 
heffPrafaotstunn, dafür sagt man noch 

häufiger : ick gao in't Prafaot. 

praforsch, aus dem Franz. par force 
ins Plattdeutsche übergegangen. Dat 

Arbeit'n geit praforsch. 

prall, angespannt, straff, prall Wao- 
den; deBücks'n sitt'n prall, die Bein- 
kleider schliessen eng an. 

prampen, prampsen, allzu fest ein- 



pressen, vom Einpacken in ein Gefä'ss 
besonders im Gebrauch. 

prampin'n und pramper'n, auf be- 
schwerliche Weise unablässig um et- 
was bitten, unterscheidet sich von 
prachern durch das Unablässige, Fort- 
dauernde des Bittens, verbunden mit 
Ungestüm. 

Pratiken, Ränke, listige Streiche, 
auch unbegreifliche Kunstfertigkeiten. 
Daher: Pratikenmaoker , der allerlei 
listige Streiche ausübt. 2. der Taschen- 
spieler. 

praol'n, zu laut sprechen : Praol doch 

nich so, ick kann jo nochhör'n. 2. gross 

sprechen. 3. sehr in die Augen fallen: 

dat Hüs, de Blöm praolt recht. 

praosch'n =braotsch'n. 

praotj'n, praotjern, ein schwächerer 

Ausdruck für: praoschn, braotsch'n 

in der zweiten Bedeutung; es hat auch 
den tadelnden Nebenbegriffnicht. Man 
gebraucht dasWortauch von Kindern, 
die bei ihren Spielen stets viel u. rasch 
für sich sprechen. 

PreduUj', Verwirrung, Verlust, ver- 
zweifelte Lage. In dePredulljkaom'; 
'tgeitaU'sin de PreduUj, es geht alles 

unter, ich verliere Alles und komme 
dadurch in eine verzweifelte Lage. 

Prfester, gewöhnl. Ausdruck des 
Landmanns für den Ortsgeistlichen, 
aber nicht in der Anrede, wo erPaster 
heisst. alts. prestar. 

Prfesterstull, ein ganz dünnes But- 
terbrot. 

Prich, die Emporen, Chöre in den 
Kirchen. 

prick, rund und fett ; drückt so wie : 
prall das Wohlgenährte aus, aber bei 
prick fehlt der Nebenbegriff des Ange- 
spanntseins. De 66s iss prick un fett 
sagt man wohl, aber prall nur wenn die 
Fetthaut recht angespannt erscheint. 



I6i 



prickeln, mit etwas Spitzigem ste- 
chen, dann auch von gelindem, steclien- 
den Körperschmerz im Gebrauch. Ick 

heff Sonn Prickeln in de Ben, wenn der 

Fuss, wie man sagt, eingeschlafen ist. 

Auch : de Sunn' prickelt. 

Priliken, eine Art Schmalzkuchen. 

Pris', der äussersteTlieil am Hemds- 
ä'rmel, der häufig gesteppt und bunt be- 
nähet wird. 

PriSS, der Preis fUrWaaren. Watt 
iSS de PrisS ? = Wie theuer ? 

pritsch, verloren. Min Geld iss 
pritsch, mein Geld ist dahin. 

pröddeln (Verb.) Wenn beim Ko- 
chen die Speise so weit gar ist, dass 
nichts mehr zugegossen wird, aber 
noch kocht, so wird der Ton, der dann 
hörbar ist, mit diesem Zeitwort be- 
zeichnet. 

pröddlich drückt dagegen den Ge- 
ruch aus, der sich nach dem Essen im 
Speisezimmer vorfindet, auch wenn, 
wie auf dem Lande, das Brot in der 
Stube liegen bleibt, woraus sich in ver- 
schlossenen und niedrigen Zimmern 
ein eigenthümlich riechender Dunst 
entwickelt. 

prOckn^rn , laut vor sich scheltend 
reden ; 2. quälend u. laut etwas fordern. 

proper u.propper, sauber, hübsch. 

Propp und Propp'n, der Pfropfen, 
Stöpsel. 

propp'n, pfropfen, stopfen. 

proppig oder proppenig vuU, ganz 

voll gepfropft. 

Pröst od.PröstMaoltid i. eiuGlück- 

wünschungs- Zuruf beim Essen, aus 
prosit; der Essende antwortet: Repröst. 
2. eine Verneinung. Wenn z.B. Jemand 
einen Andern um etwas bittet, u. dieser 
will es nicht tliun, so ist dns : Pröst oder 
PrÖStfflaoltid, oder Pröst Swinäg'l eine 
abschlägliche Antwort, prosten, Je^ 



mandem ein Pröst zurufen. 2. Jeman- 
dem etwas abschlagen ; ick will di watt 
prosten, das will ich niclit thun. 

Prott, kurze und abstossende Ant- 
worten gebend. Datt iss 'n protten 
Karl. 

PrÖW', die Probe. ^ 0mä. 

prow'n, für probiren, plttd. proberB, 
häufig im Gebrauch, auch in mehrern 
Compositis, woimNeuhd.die längere' 
Form stattfindet. PrÖW maol, Off dat 

Äten soltig nög iss. 

Pröw', Praebende,noch imGebrauch 
für eine gewisse Art von kleinen Ab- 
gaben in Naturalien. 

pmddeln und preddeln, kochen, be- 
sonders wenn nur wenig Flüssigkeit in 
dem Gefäss sich befindet, wodurch ein 
Laut hervorgebracht wird, aus dem das 
Wort gebildet ist. 

prndeln, eine Arbeit schlecht verfer- 
tigen, besonders von Handwerkern ge- 
bra ucht ; Pmdli, schlechte Arbeit. Ad-J 

jectiv prudlig. 

Prud'ler, der schlechte Arbeiten 
fertigt, verprndeln, eine Arbeit durch 
Prudeln gänzlich verderben. 

Prtik, die Perücke. Sprichwort: De 
Prüksteitämm vekört, er ist übellau- 
nisch. Watt best in Prtik? Was willst^ 

verlangst, denkst du? 

Prall, altes schlechtes zu nichts tau- 
gendes Zeug. 

Prümmel, Prünnel, Dim. Prünnelken, 

ein kleiner übrig bleibender Rest von 
nicht flüssigen Esswaaren, z. B. Brot, 

Fleisch etc. itt docb dat PrünnelkeD 
noch upp. i5lfiwij it'K / 

prün', nähen, und zwar 1. allerlei 
kleine Schäden an der Wäsclie aus- 
bessern : Ick heff so väöl to prun'n. 

2. schlecht nähen: datt isS JO prönt. 

3. unnütze Nähereien vornehmen, wie 
kleine Mädchen es nicht selten thun. 

21 



162 



toprSn'n, ein Loch in der" Wäsche 
schlecht und nur obenhin zunähen. 

prttSt'n 1. niesen. Da das Niesen als 
eine Bejahung des Gesagten beim ge- 
meinen Manne angesehen wird, so ent- 
steht daraus die Redensart: datt kann 
ick ('n Kind) beprusten, die Wahrheit 

kann ich, kann jedes Kind, betheuern. 
2. schnauben, wie die Katzen, wenn sie 
vom Hunde angegriffen werden, oder 
wie der Iltis, Marder etc. Ick will di 
Watt prnsten ist eine abschlägliche 
Antwort. 

_ PÜch 1. ein altes schlechtes Bettstück, 
dem so wohl die nöthigen Federn feh- 
len als auch niit schmutzigen zerrisse- 
nen Überzügen versehen ist. Wenn 
sich mehr Stücken der Art in einer Bett- 
steile vorfinden, heisst es: PÜchwerk. 
2. als Interjection dient es bei Heraus- 
forderungen zweier zwieträchtigen 
Partheien ; erschallt von einer Seite das 
PÜch, dann ist keine Gewalt im Stande, 
das Handgemenge beider Theile zu 
hintertreiben,denselben Sinnhat: PÜCh ! 

knmm upp, uns' Ül iss dod. 

puch'n 1. pochen; datt pncht so in 

4'Aodern. 2. pochen, stürmisch etwas 

fordern. Wenn du noch lang pnchst, 
^iggstgaornicks. 

Puck'l, der Buckel, Rücken und 
Höcker. Eins der wenigen Wörter, in 
denen der Plattd. den härtern Conso- 
nant statt des weichen angenommen, 
da bei sehr vielen Wörtern die umge- 
kehrte Regel gilt. Den Puck'l smärn, 
fttwasch'n S. wams'n. 

pnckeln, auf dem Rücken tragen, u. 
zwar mit einiger Anstrengung. 
_, pnckern, das Frequent. vonpnch'n, 

Hi puckert dat Hert in'n Liw. 

Pnddel, ein kleines Kind, das zu ge- 
hen anfängt. Dimin. Puddelken, meist 
nur als Scherzwort im Gebrauch. 



pnddeln wird von kleinen Kindern 
gebraucht, die sich zuerst auf die Beine 
machen und dabei noch unsicher und 
mit kurzen Schritten gehen. Min Jäöt 
puddeltall, mein Kind fängt schon an, 
allein zu gehen. 

Pudel 1. eine Hundeart, 2. einVer- M 
sehen, Fehler, nicht blos im Kegelspiel, ^ 
sondern überhaupt. Davon pudeln =: 
einen Fehler machen, ein Versehen be- M 
gehen. ^ 

pud'ldick, völlig betrunken. 

Puffer 1. kleines Pistol, auch Taschen- 

pufferj 2. eine kleine breite Schnapps- 
flasche. 

Puff u. Puffn S. Buff-n. 

Puir 1. Flasche, 2. Schimpfwort für 
eine Weibsperson, die sich dem Trunk 
ergeben hat. Daher das Verbum puU'n, 
stark trinken. 

pftl'n unterscheidet sich im Begriff 
nur wenig von polk'u oder pölk'u. Bei 
diesem werden nur die Finger gebr., bei 
pftl'n kommen auch andre Werkzeuge 
zur Anwendung, z. B. Messer, die 
Zähne etc. Wer von den Knochen ge- 
nau das Fleisch absucht mit Hülfe des 
Messers oder der Zähne, derpftit aber 
pölkt nicht. Vom Raufen in den Haa- 
ren wird es in der Altmark nicht, wie 
in Hamburg und Bremen , gebraucht, 
dies heisst bei uns tül'n. 2. bildlich: 
mühsame eben nicht schwere Arbeiten 
vornehmen ;Pftlert, das Subst. für beide 
Begriffe. 

pülig nennt man eine Arbeit, die viel 
pftl'n erfordert , z. B. das Charpiepflü- 
cken, das Entsteinen der Kirschen etc., 
sie fördert nicht und ist zeitraubend. 
Von fftnzlig unterscheidet es sich durch 
den in pftl'n liegenden Nebenbegriff, 
während der Begriff des Langweiligen, 
Zeitraubenden beiden gemein ist. 



163 



FÜlknaok, Fleisch mit darin befind- vielleicLt mit Bezug auf den Weclisel-«^ 
liehen Knochen, von denen jenes erst balg (vgl. dies Wort). Am häufigsten 



übersetzt man ihrenGesatig: Schinken- 

d6w! Schinkend^w! Schinkendew! 

dew! und benennt den Vogel auch so. 
Endlich betr^ichtet man ihren Gesang 
als eine Verhöhnung des Bauern, der 
auch den Namen KIk in't Krös führt, 



nicht ohne MUhe abgesucht werden 
muss. Unsere Kindernennen das Kern- 
haus vom Apfel und der Birne, wenn 
sich noch ein Weniges von dem Obst- 
fleisch daran befindet auch : PÜIknaok. 

Püllken S. Buddel. 

pülsch'n, im Wasser rühren, in der weil er, bevor ertrinkt, stets erst in den 

Altmark nur noch inzusammengesetz- Bierkrug hinein sieht, weshalb die 

ten Verbis imGebrauch, als: toptilsch'n, Meise ruft : Kik in't KrÖS, kik in't KrÖS, 

Wasserzu giessen z.B. beim Versetzen kikin'tKrÖS, kik! 

des Biers mit Wasser. ÜtpÜlsch'n, Pumpföt, das Weinglas, 

äöw'rpülsch'n sagt man, wenn beim Pumpkär, wohl das entstellte Komm- 

Tragen eines Gelasses mit Flüssigkeit karren, Schiebkarre mit einem Kasten, 

lietztere in Bewegung geräth, so dass PumpkÜl 1, der Rohrkolben (Typha 

einTheil über den Rand des Gefässes latifolia). 2. gleichbedeut. mitPümp'l. 

steigt und verschüttet wird. Punk'l, ein Punkt, und eine kleine 

Pnlw'rbÜSS, ein Schiessgewehr. Erhöhung in der Gesiclitshaut oder 

Pumm'l l. ein kurzer dicker Mensch, kleine Geschwüre, etwas stärker als 

L\eiii breites dickes Weizenbrot an bei- Pick'l. 

den Enden zugespitzt, auch Stoir ge- Pünkeltö, ein Knabenspiel. Vier 

nannt. Seiten einesWürfelssind mitdeuBuch- 

pnmmlich, kurz und rund, dabei staben 0., A., N. u. P. bezeichnet; die 

wohlgenährt. 'npummliche Jung', GÖS- Anfangsbuchstaben von Oberall, Äxpc 

kük'n, ein kurzer dicker Junge, junge (accipe)ens, Nig'Inix, PankeltÖ ; zwei 

Gans. entgegengesetzte Seiten des Würfels 

Pämp'l, der Stösser, Stampfer z. B. sind verlängert u. laufen in eine Spitze 

vom Mörser. aus, von denen die eine zum Drehen als 

pümpeln, im Mörser zerstossen, Handhabe dient, auf der entgegenge- 
dann überhaupt: stossen. Wenn von setzten Spitze dreht sich der Würfel, 
zwei in einem Bette liegenden Kindern Jeder Spielersetzt eine Nadel. Wirft 
das eine unruhig schläft, so klagt das erO., so bekommt er den ganzen Ein- 
andere : Hans - Jochen pümpelt mi satz , A. erhält eine aus dem Einsatz, 
Ümmer. N. geht leer aus und P. setzt eine Nadel 

Pttmpelm&sk, die Pimpelmeise (Pa- als Strafe zu. Davon das Verb, pnnkeh 

rus major). Nicht von pümpeln abzu- tön. 

leiten, sondern nach der Stimme des Pnnnnäg'l, ein kleiner Mensch, der 

Vogels gebildet. IhrGesangwird ver« sich aberwie ein grosser geberden will; 

schieden übersetzt Entweder ganz ein Scheltwort. 



gern üthlich : sitt ick hier, sitt ick hier, 
sitt ick hier, sitt; oder: sldiväör, st 

diväör, st di Väör; oder sie schimpft: 

ktkin'tEi! ktkin'tEi! ktk in't Eil kik! 



Pnntsmtt'n ist der Name eines Kna- 
benspiels, wenn ein Stein etc. so auf 
eine,Wasserfläche geworfen wird, dass 
er ricochettirt. So oft der geworfene 



164 



Stein wieder aufhüpft, so viel Pfunde 
werden gezählt. VerPunt Smit'n, wenn 
der Stein dreimal wieder von der Was- 
serfläche zurückgeworfen wird. 

Pttnt, Püntk'Q 1. das Pfund, alsGe- 

.jH^ wicht und Gewogenes; 2. die Spitze; 

nur in der Redensart gebräuchlich : dat 

Mündk'n in't Püntk'n ten oder sett'n, 

einen spitzen Mund machen, bei Kin- 
dern oder bei . erwachsenen Mädchen 
mit dem Nebenhegriff der Eitelkeit. 
Half-punt = ? MaassBrantwein. 
puntwis, pfundweise,beim Verkauf. 
PÜp, Schall eines heimlichen Windes 
(crepitus ventri). püp'n, das Verbum 
davon. Wer dies thut, dem ruft man 

wähl z u : holt hinn' fest. 

pur ist auch ein Adverb, im Begriff 

von: nur, blos. ün pür to'm Lachen 
SChref ick dütt (Bornem.). Als Adj. hat 
es die Bedeutung des Nhd. 

pnrr'ü l. mit einem spitzen Instru- 
ment, oder mit der Fingerspitze klau- 
ben. In de Näs' purr'n. 2. Jemanden 
^ schrauben, zum Besten haben. Icklaot 

mi nich purr'n. anpurfn, z u etwas an- 
reizen, auch mahnen, verpurr'n, ver- 
stopfet! z. B. ein Schloss mit kleinen 
Steinen etc., so dass der Schlüssel nicht 
hineingeht 2. einen Strich durch Je- 
mandes Rechnung, machen. Dat Lock 
will ick di WOl verpftrr'n, dafür werde 
ich schon sorgen, dass du dein Vorha- 
ben nicht ausführen sollst. Ütpnrr'n, 
einen verpurrten Gegenstand wieder 
reinigen. 

pÜSCheln S. buschein. 
ij'pnsseln S. päöseln. 
-•'iPüst (Subst.), der Äthem. De PftSt 
geitmiüt. 

Püstback, ein Mensch mit runden, 
fetten Backen, 'n püstbackig'n Jung' 
ist ein dickköpfiger, wohlgenährter 
Knabe. 



püst'n l. hauchen, blasen. Für an- 
pÜSt'a, Feuer anfachen, anblasen, in d* 
Hand püst'n, die kalte .Hand durch den 
Athem wieder erwärmen. 'tLicht ftt- 
pÜSt'n, das Licht auslöschen. De Wind 

pftst dörch de Däör, Finster etc. 2. tro- 
pisch : von einer abschläglichen Ant- 
wort; ick will di watt pftsten, ich 

werde das nicht thun. Sick VCrpist'n, 
sich erholen nach rascher Arbeit, ange- 
strengtem Lauf, sich verschnaufen. 

püstig, drückt das Beschwerliche 
des Athmens aus, ein geringerer Grad 

von dampig, amböstig u. gtmig. 

Pusten, der Blasebalg. Auch bild- 
lich: woto hast du denn 'n Puster ? sagt 
man von dem, der das Pusten nicht an- 
wendet. 2. der Bovist (ein Pilz). 

pÜStern das Frequent. von püst'n. 

PÜStrÖr, das Blaserohr. 

Puternett'l S. Nett'I. 

Püt-pftt, ein Rufwort zum Locken 
der Hühner. Daher Putchen, PuthÖner 
für Hühner im Gebrauch ist, 

PÜtjunker, verächtlicher Ausdruck 
für Gutsbesitzer, Edelmann. 

putsch'n, toputsch'n, anreizen, auf- 
wiegeln , zu etwas aufhetzen , durch 
Ohrenbläserei die Spannung od. Feind- 
schaft zwischen zwei Personen immer 
grösser machen. Durch diesen letzten 
Nebenbegriff unterscheidet es sich von 

toschünn'n. 

ptttt'n, Wasser aus einem Zieh- 
brunnen oder Plumpe schöpfen. Das 
alts. put be bedeutet ehrten Brunnen 
(puteus)«!f in««; nov iiblVI 

Putz, hur im Plural Putz'n vorkom- 
mend = scherzhafte Possen. — NAr'DS- 

putz'n. 

putzig, drollig, possierlich. 

putz'n, barbiren; daher heisst der 
Barbier beim Landmann oft; Baort- 

putx'r. 



165 



Putzbti(d)'l l. die Tasche, in welcher 
der Barbier seine Utensilien trägt. 
2. Spitzname für : Barbier. 



Pntz'nmaok'r , Possenreisser, ohne 

tadelnden NebenbegrüT. 

putzwunnerlich , sehr auffallend. 

Datt iss 'n pntzwunnerlicheu Snack. 



a. 



ünabb', die Aalraupe, ein Fisch im 
süssen Wasser (Gadus Lota). 2. die 
Rispe, besonders des Hafers. 

Ciuabbstert, Bachstelze (Motacilla), 
von der steten Bewegung des Schwan- 
zes. Qnabb drückt nämlich eine zit- 
ternde Bewegungaus, wovon QUabbelll, 
das im Nhd. und Plattd, dieselbe Bedeu- 
tung hat. quabblig bezeichnet alles, 
was leicht in Bewegung kommt; das 
Fleisch wohlgenährter Kinder ist QUab« 
blig, vom Acker, Wiesen u.s.w., in 
denen sich Stellen finden, die beim Be- 
treten sich bewegen, in die man mit den 
Füssen wohl einsinkt, heisst: quebbig 
S. unten, auch vergl. SWabbeln. 

Quackbrök, Scheltwort = elender 
Mensch. 

quackeln, Frequent. von quak'n, 

unvorsichtig, leichtsinnig reden. Watt 
quackelst du all Wedder, welche un- 
vorsichtige Reden führst du wieder! 
verquackeln, sein Geld für Kleinigkei- 
ten ohne relativen Werth verthun. Sick 
verquackeln, ein unüberlegtesEhever- 
sprechen eingehen. Adject. quacklig. 

Subst. Quack'ler, Quack'ii. 

Qnack', laut nachahmende Inter ject., 

davon quack'n. M fällt bann, datt 't 

tnan so quack't. Im figürlichen Sinn 
■wird es' auch von kranken Kindern 
gebraucht, welche nicht die Kraft ha- 
ben, sich aufredit zu erhalten, sondern 
zusammensinken. Dat Jäör quackt jao 

^anz tosaom'n od. : bangt ass 'n Quack, 

wo Quack ein Substantiv ist. Adject. 

quaokig. 



üuadd'l S. Bül. 

Quäk , die Quecke (Triticum re- 
pens) besonders die Wurzel dieser 
Pflanze. Dat Land iss quäkig, in dem 

Acker finden sich viel Quecken ; dage- 
gen : dat Stück iss ganz verquäkt be. 
deutet: die Quecken haben in dem 
Acker überhand genommen. 

quak'n, quäk'n, quik'n=Tc)ne von 

sich geben, die den Laut nachmachen; 
quak'n wird vom Frosch und der Ente, 
quäk'n vom Hasen, quik'n vom Ferkel 
gebraucht, letzteren Worts bedient man 
sich auch vom Aufschreien eines Mäd- 
chens. 

Qualm bedeutet auch so viel als 
dumme unwahre Reden, arge Ueber- 
treibungen, auch : viel Lärm um Nichts. 

Qualster l. zäher Schleim. Das 
Verb, ist qualstern. 2. die Baumwanze, 
die Gattung Ciniex. 

quanswis, zum Schein. Datt deit 
h^ alls man quanswis. Quant für Schein 

ist noch im benachbarten Hannover* 
sehen im Gebrauch, Väör Quant, zum 
Schein. Im Mittelniederd. bedeutet 
Quansis dasselbe. (Grimm, Gr. 1, 503}» 
quanter, eine Comparativform, die 
so viel als : besser, übertreffender be- 
deutet. Datt kümmt quant'r , das ist 
besser, kräftiger, durchdringender als 
etwas Vorhergegangenes. Dej^'.-Posit, 
quant kommt bei uns nicht vor. 

Quär, weinendes Kind. Erst 'nPär, 

Un de Quär = Man muss nicht eher liei- 
rathen, bevor man keine Familie ernäh- 
ren kann. Pas Verb, hejisst: quär'H = 







166 



\veinerliclisicli geberden, von kleinen 

Kindern im Ciebraoch. Subst. Cinarrerl. 

Cinark, ein vernclitUches Ding ohne 

jeden Wertb. Watt wist denn daomet, 

'tisSJO 'nOuark, was willst du damit, 
es hat ja durchaus keinen Werth. Auch 

bildlich : jed'n Quark uppmutz'n (Bdr- 
nemann). Datt geit di 'n Cluark an, da- 
rum hast du dich nicht zu kümmern. 

Ähnlich: Daovon versteist du 'n Qnark. 

Auch ist es ein Scheltwort für einen 
kleinen Menschen, der gar nicht in Be- 
tracht kommt. Die Bedeutung von ge- 
ronnener Milch, weichem Käse hat es 
in der Altmark nicht. 

qnark'n, etwas glattes z. B. Papier, 
Wäsche etc. unordentlich zusammen- 
legen oder zusammendrücken, so dass 
es Falten bekommt. 

qu'ängeln, mit nichts zufrieden sein, 
immer etwas anders wollen, als andere. 

Davon qnänglich,'n Quängler, Qnängli. 
Vgl. auch törn. 

Ouärl 1. der Quirl. 2. der Bund am 
Hemde um den Hals, an den Beinklei- 
dern der obere gurtartige Theil der- 
selben : Bücksenquärl. 

qnasseln, qnasslig, Qnatsch S. 

dwaoln. 

ÜUast, ein dicker Pinsel z. B. Mur« 
keiqnastzum Weissen. 

quatsch, unsinnig, albern ; datt iss 'n 
quatschen Snack, davon das Adjectiv 

quatschig und das Verbum quatscheu. 

Quatsch (Subst) S. Matsch. 

quatsch'nnatt S. klatsch. 

quaod (Adject.), kränklich. He sfit 

quaod M. 

quaos'n, das dargereichte Futter 
nicht ordentlich verzehren, sondern 
dirrin herumwühlen, sich das Beste 
heraussuchen, von Thieren und Men- 
schen gebr. verquaos'u, das Futter 
durch quaos'n gänzlich verderben. 



Ouebb', ein Boden , der durch ver- 
steckte Quellen aufgeschwemmt ist, 
in den man beim Betreten unerwartet 
hinein sinkt. Man siebtes nicht vorher, 
dass der Boden so erweicht und mit 
Wasser geschwängert ist, wodurch 
sich dies Wort vom Sumpfe unter- 
scheidet. Das Adjectiv heisst quebbig. 
Auf Wiesen und Weiden heisst eine 
solche quebbige Stelle Dodläw'r, hie 
und da auch ; Dödläg'r. Dies ist durch 
die darüber befindliche Grasnarbe von 
Quebb' unterschieden. Tritt man auf 
das DÖdläw'r, so biegt sich die Gras- 
narbe ein, man bricht aber in der Regel 
nicht durch. Für beide Wörter scheint 
imNeuhd. nur das allgemeine: Sumpf 
im Gebrauch zu sein. Abzuleiten ist 
Dödläw'r vielleicht von Död, der Tod 
und Läw'r, die Leber, welche auch bei 
einem geringen Druck eine Vertiefung 
bildet. Es wäre demnach ein (mit einer 
Grasnarbe versehener)Boden, der beim 
Betreten sich einbiegt, in dem man 
(beim Zerreissen d. Grasnarbe) seinen 
Tod findet. Im Ditmarschen heisst dies 
DäÖpei, alts. dopil von dopp = Schale, 
Hülse, Deckel. Ob unser DÖdläw'r aus 
diesem Däöpel abzuleiten sei, be- 
zweifele ich. 

QuempaSS. In einigen Orten der 
Mark bUeb die Mette in der Weih- 
nachtsnacht, wobei nach uraltem Her- 
kommen das Weihnachtslied gesungen 
ward, das mit den Worten: „Quem 
pastores" anhebt. Dieser Gesang ward 
besonders von der Jugend mit sehr 
grossem Wohlgefallen gesungen, und 
man nannte ihn : den QuempaSS. 

Oftes S. Bul. 

Qu^skopp, Querkopf, ein Mensch, 
der immer quest, 
qufes'n S. törn'n. 



167 



quick, ausgedehnt, aufgetrieben. De 

Käörn' süud so qaick ass de Bön'n. 

(Bornemann.) 

Qaickstert=Qaabbstgrt. qnick, qneck 

drückt eine beschleunigte Bewegung 
aus. Davon quickstert'n, ohne Zweck 
und Ziel herutnlaufen. 

quik'n, einen liehen Ton mit vor- 
herrschendem i hören lassen, wie die 
jungen Mädchen, die sich erschrecken, 
©der junge Ferkel. 

quin', fortwährend kränkeln und 
körperlich immer mehr und mehr hin- 
schwinden. Im Alts. bed. q u i t h e a n 
klagen. Auch die Bilanzen qulü' bei 
einer Witterung, die ihnen nicht zusagt, 
oder wenn sie verpllanztsind. Dieselbe 
Bedeutung hat verquin'n, nur dass we- 
gen der Vorsilbe ver derNebenbegriff 
des zu Endeseins darin enthalten ist. 
DatKind iss verquint, das Kind ist an 

langem Siechthum gestorben. 

quinkeln, häufiger quink'ifern M-ird 

besonders von jungen Vögeln gebr , 
wenn sie im ersten Jahre anfangen zu 
singen, der Gesang aber nocli sehr 



schwach und unausgeblldet ist; auch 
von Menschen in ähnlichem Sinne gebr. 

Quist, Verlust; in de ünist gaon, 

verloren gehen, verderben. Das goth, 
q u i s t j a n bedeutet etwas verderben. 

Quitz, die Eberesche, Vogelbeer- 
baum (Sorbus aiicuparia). 

Ouitsbärn, diel'ruchtdiesesBaumes, 
Vogelbeeren. Zum ersten Mai werden 
Zweige von der Quitze und vom Krfiz* 
dorn (Schwarzdorn) gebroclien und 
auf den Höfen ausgesteckt gegen die 
Hexen. 

qunrr'n wohl dasselbe mit gnurr'n, 

wird aber vorzugsweise von hörbaren 
Bewegungen in den Gedärmen gebr. 

Ick heff sonn ünnrr'n in't Lif. Auch die 

Form qnurksen wird gebraucht, diese 
letzte Form bedeutetauchihalbflüssige 
Gegenstände so durch die Finger pres- 
sen, dass der Ton quurks entstellt. 
Wenn Wasser in die Fussbekleidung 
eingedrungen ist, so quurkst es bei je- 
dem Schritt; oder wenn Wurst in die 
Därme eingestopft wird. 



MBrn 



*r 1. er (Pron. pers.) statt he; für: 
datt schall hh WOl laot'n spricht man 

auch : datt schall 'r wol laot'n ; datt 

knnn'r dön, das konnte ertliun. 2. an 
mehrern Orten wird das 'r als ein un- 
übersetzbares Einschiebsel gebraucht: 

dao kümmt 'r nicks bi rüt. 

Rabb'l 1. der Zustand, in welchem 
Jemand vor aller Geschäftigkeit nie zur 
Ruhekommt, sich nicht die Zeitnimmt, 
in Ruhe zu essen und zu trinken, selbst 
im Gehen stets Eile zeigt. Ein solcher 
Mensch heisst Rabbier. Macht er bei 
seiner Beschäftigung zugleich viel 
Lärm dadurch, dass er Alles kräftig an- 



fasst und fortlegt, oder laut und kräftig 
auftritt, so heisst er: Rabaster und das 

Verbum rabastem. (Sick alabastern 

bedeutet auch sich abquälen Inder Ar- 
beit auch im Laufen.) 2. der Seelen- 
zustand des Rappeins, Verrücktseins, 

M hat 'n Rabbel oder hh iss rabblig ; 

h^hat'n Rapps hat beide Bedeutungen. 

He kriggt all wedder sin Rabbi sagt 

man auch von einem aufbrausenden 
cholerischen Menschen, der seinem 
Temperament keine Zügel anlegt. 
Auch von dem polternden, sich in den 
einzelnen Worten überstürzenden 
Sprechen ist es im Gebrauch. Rap 



T6S 



bedeutet in Hamburg und Bremen, 
Scliweden und Holland : geschwind, 
und rapen = schnell bewegen. Sick 
rabbeln bedeutet auch : sich beeilen. 

rabb'lköppsch, rabbiig, wie ein 
Rabbier sich nehmend, meistentheils 
nur für cholerisch, aufbrausend im Ge- 
brauch ; vonRabb'lkopp. 

rabbeln, den Rabbel haben. 
"■ Täbeln, rasen, laut pbantasiren mit 
Kraftäusserungen. 

Rabsaot, Samen vomRapps u. vom 
Räpps (Brassica Rapa undNapus) die 
in der Altmark selten unterschieden 
werden. 

Rabünsch, der Rapunzel, RapUns- 
chen (Fediaolitor'a). 

RabÜSCh (seh ganz schwach, ziem- 
lich wie das franzos. ge gesprochen), 

die Verwirrung, datt iss in d' Rabüscb 
mit wegkaom'. 

rack'n, kratzen, reinigen, mit dem 
NebenbegriiT des Mühevollen und 

Schmutzigen. Dao sast wol watt to 

rack'n krig'n sagt eine Tagelöhnerin 
zur andern, die den Auftrag hat, ein 
sehr mit Schmutz angefülltes Haus, 
Gehöfte etc. zu reinigen. Rein rack'n, 
den Schmutz so vollständig wegschaf- 
fen, dass es rein wird. Denn das Racken 
schliesst den Begrlft' des Reingewor- 
denen an sich noch nicht ein ; man kann 
schonviel gerackt haben, und es ist doch 
noch nicht rein. Auch inderBedeutung: 
mit den Nägeln stark kratzen wird es 
besonders von Kindern gebr. 2. bedeu- 
tet es so viel als raffen, scharren. Hfe hat 

in sin Läwen watt ehrlichs tosaom 

rackt, er hat sich ein gutes Vermögen 
durch Thätigkeit verschafft. In diesem 
Sinne braucht man auch kiabben. Ick 

teff SO väöl to krabben hat, ich habe so 

viele und mühsame Geschäfte gehabt. 

Vgl. raok'n. Inrack'n , einsudejn , so 



gänzlich beschmutzen, dass es nur 
mühsam wieder gereinigt werden 
kann, torack'n , zuschmutzen , be- 
schmutzen. Du rackst di to, ruft man 
einem Kinde zu , das etM'as Beschmu- 
tzendes in die Hand nimmt oder sich 
demselben nähert, naorack'n, reinigen, m 
was ein anderer beschmutzt Iiat. Üt« 
rack'n l. den Schmutz aus einem Raum 
fortschaffen, 2. Jemanden stark und auf 
eine gemeine Weise ausschelten, her- 
untermachen. In der letzten Bedeutung 
ist es nicht von rack'n, sondern vom 
ScheltM^ort : Rack'r abzuleiten u. steht 
statt fttrackern. In mehrern Gegenden 
der Altmark bedient man sich auch in 
dieser zweiten Bedeutung der vollen 
FormÜtrackern. DerPlattd.stösst,wo 
es geht, den Buchstaben r bekanntlich 
gern aus. In der letzten Bedeutung 

wird auch die Form; runnerrackern 

gebraucht, npprack'n, aufräumen, rein 
machen z.B. ein Zimmer. 

Rack'r, ein Schimpfwort; eigent- 
lich der Büttel, Scharfrichterknecht 
Datt di de Rack'r! dass dich derHenker! 
Auch wird in einigen Gegenden der 
Altmark der Holz h eher (Corvus 
glandarius) so genannt, während in 
den meisten Dörfern die Mandel- 
krähe (Coracias garrula) damit be- 
zeichnet wird ; gewöhnlich heisst diese 
Blanracker. Wenn die Mutter imUn- 
muth die herumtobenden Kinder: de 
Rackers nennt, so meint sie es nicht so 
böse damit. 

Rack'rtüg = Rack'r , coUectivisch 
genommen. 

rackrig, erzürnt, böse. Wer WÜI 
denn glik so rackrig wäs'n, wer w^ird 

denn gleich so böse, erzürnt sein. Den 
Begriffs c h m u t z i g, wie inHamburg, 
hat dies Wort in der Altmark nicht. 

Rad, d. Rad, hat im PI. Raod' u. Räd'r. 



I 



im 



mraff, raff*!, herab. Krig maol raff, 

lange das einmal herab. Rllinin enns 
laff, komm doch herunter. 

Tafflg heisst Jemand, der mit begie- 
riger Eile Dinge jeder Art (nicht blos 
Geld) an sich zu bringen sucht. 

Rägi, Riegel, auf dem Lande. ' ; 
_ rfyöln S. rigüln. 

Rakel, ein plumper, ungeschliffener 
Mensch. 

räkel'n, Sick, im Sitzen eine unan-. 
ständige halb liegende Stellung anneh- 
men. Eigentlich: sich oft recken. Sub- 
stantiv: Räkell. ftträkeln , Jemanden 
einen Rakel schelten, im Betriff noch 
stärker als fttrack'll.'f';^^"^'\ 

raken i. rechnen: rlkini maol datt 

dt 5 auch ironisch : schätzen, "wUrdijgen. 
2. rächen, Rache üben. "'* ' ' * ' " ' 

räklos, anzüglich, verächtlich. ' ;''"'/ 
" 'ftäm, das Gestelle des Tuchschef 61*5?,' 
in das er die Tuche zum Trocknen und 
Ausweiten einspannt. .of']-. 

Räm'l bedeutet in der Altmark dn'eW 
schmalen Strich von Dorn oder andern 
Gebüsclien zwischen zwei Ackerstü- 
cken von Rfem, der Riemen. 

Ramm', die Ramme, das Verbum 
^benso. 

Ramm', eine lange aber schmale Ver- 
tiefung in einem ebenen Gegenstande, 
Kerbe, z. B. wenn man mit einem Nagel 
über einen polirten Tisch hinfährt. 

Ick will di'nRämm' in'tÖr snfd'n be- 
deutet eine Mahnung für: vefgiss die 
Sache ja nicht. Daher inrämm', solche 
Mittel ergreifen, die bewirken sollen, 
dass sich Jemand an etwas erinnere. 

Dätt will ick diwol inrämm'. Es sind 

darunter cmpfmdliche Mittel zu ver- 
stehen. 

ramänt'n und rnmmramänt'D, auch 
rammeln gebraucht man von Kindern, 
die sich im Bette etc, hia- und 



herwälzen; rammeln bedeutet auch: 
sich begatten, bei Hasen und Kanin- 
chen, daher Rammler, der männliche 
Hase ümi das männliche Kanincheri.'** 
rammdäösig, dumm, mit dessen" 
DäÖtz (Kopf) man rammen kann. '■ '■■ 

". tainbjni , "nerümwlrthschaften , x^, 
einigem Getöse sich beschäftigen. HS 

ramört all wedder npp'n Bäön rümm, 

er macht sjch wieder auf dem Hausbo- 
den zu thun, so dass man es laut hürt^ 

Ramör nich so rtimm ruft die Mutter 

dem Knaben zu, der sich im Bette her- 
umwälzt, keinen Augenblick ruhig 
sich verhält, und die Bettstücken hin- 
und herwirft Subst. datRamÖm und 
Rümmramörn. Es ist stärker im Begriff 
als ramänt'n, derRUmörCir macht melir 
Getöse mit den Dingen, die er zur Hand 
i^'mmt, ramänt'n wird überdies nictif 
im Sinn des im Hause Herumrumorens 
gebraucht. ' 

Ramp, Bausch und Bogen. In'nRamp 

köp'n. Das Verb, ramp'n kommt auch 
im Nhd. vor. fartramp'n, den ganzen 
Vorrath in Bausch und Bogen fort- 
käufen. 

rand, vom leinen Garn u. Leinwand 
nur im Gebrauch, es bedeutet das Mittel 
zwischen fein und grob, doch so, dass 
es sich mehr dem Letztern nähert. 

randaol'n, sich wild herumj^^g^^ieln 
und dabei lärmen. .,k >• -J 

Rang' (g soll blos den Nasenlaut aus- 
drücken), Scheltwort: oli'ftlRang'. 

Rank'n, ein derbes, besonders dickes 
Stück Brot. '^ 

Rank'l, die Ranke, bei Schlinirpflah- 
zen, auch die Cirrhen oder Gaffeln am 
Weinstock, der Erbse und 1iberh;>upt 
der Leguminosen. Auch das Kartoffel- 
kraut wird bei uns: Tttffelrank'n ge» 
nannt, worin der eigentliche Begriffdes 

22 



170 



Worts verloren Ist, bbgleicli man nicht 
Tüftelrankeln sagt. 

rankeln, das Verb, davon von klet- 
ternden und mit Cirrhen versehenen 
Pflanzen gebraucht. 

rann, heran. Krig em mit rann, halte 

ihn an mit zu arbeiten. Wist nich 'n 

bät'n rannkik'n ? = Willst du nicht ein 

wenig einsprechen, micfi besuchen ? 

Ränzel S. Balg. 

ranz'n, anranz'n, auf gemeine Weise 
Jemanden mit Worten anfahren. 

räp'n, die aufgezogenen Leinpflan- 
zen durch die Flachsraufe ziehen, um 
die Samenkapseln von der Pflanze zu 
trennen 

rappeln, Sick, sich beeilen, hurtig 
arbeiten. Verschieden vonrabbeln im 
Begriff. Obgleich dasselbe Wort, nur^ 
durch das stark hervorgehobene pp 
verschieden. 

Rapphön, das Repphuhn, 

Rapp's S. Rabb'l. 

rasch'n, wird vom Teige gebraucht, 
wenn er sich gährend hebt. De Deg hat 

schön rasckt. Adject. rasch. 

Rast kommt nur in der tautologisch. 

Redensart: Nich Rnh nich Rast hämm 
vor. 
rastern, rasseln. In't Htts rtimm 

rastern, polternd, lärmend, (rasselnd) 
im Hause herum wirthschaften. 

ratsch, ritsch, Nachahmung eines 
Lauts, der beim raschen Zerreissen 
eines Gegenstandes entsteht, je nach- 
dem der Schall dnmpfer oder heller ist, 
Beide Wörter werden auch mit einan- 
der verbunden: RitSCh! ratSCh! dao 
rfet ick't intwei. Auch adverbialisch : 

He hat 't ratschenkaol maokt , er hat 

z.B. sämmtliche Pflanzen vollständig 
ausgerissen. Selbst substantivisch : in 
&n Ratsch = ununterbrochen fort. 
rattern^ schnell sprechen, so dass 



man das eine Wort vor dem andern 
nicht verstehen kann. 

Rau', Ruhe, auf dem Lande gebräuch- 
lich. Nimm mi de Ran' nich mit, sagt 
man, wenn ein Besuchender sich nicht 
niedersetzen wilU 

rau'n,Mran'n, ruhen, ausruhen, 

RausnÜt, der Schnurrbart des Men- 
schen, nicht bei Thieren. 

raodbraok'n, die Wörter verstüm- 
melt aussprechen, radbrechen. 

Rao(d)hackS.Bick. 

Raod'l,Raol u.Raolk'n, der Raden, 
ein imRoggen sich häufig vorfindendes 
Unkraut (Agrostemma Githago) be- 
sonders führt der Samen dieser Pflanze 
den Namen. 

raod'n (Präs. raod, raodst; Imperf. 
raodt, Part, raoden) 1. roden. Daher 
das in der Altmark so häufig vorkom- 
mende Raod'land (meist Raoland ge- 
sprochen) d. h. Acker, der fr Uher Holz- 
grund gewesen und durch Ausroden 
zu Ackerland umgeschaffen (Ütraod) 
ist. Vom Vertilgen desUnkrauts wird 
raod'n nicht gebr., dies heisst wäd'n; 
zum Raod'n gehören Instrumente be- 
sonders die grosse Hacke. 2. rathen, 
errathen. Auf dieFrage : WattiSS datt? 
erhält man häufig zur Antwort: raot 
maol ! 3. rathen, Rath geben. Ick kann 

mi nich mer raod'n, ich weiss nicht 

mehr, was ich thun soll, 'k wUl't di 
nich raod'n drückt eine drohende War- 
nung aus. 4. wohingerathen. Ickwaor 

int Waoter raod'n. 

raodlich, raodsam l. rathsam, heil- 
sam ; 2. sparsam, zuRathe haltend. H6 

geit raodlich mit datSinigt fim; dao- 
met künn wi raodsam ümgaon. 

Raogensaogel, Name eines Kobolds. 

Man singt : Morgen Aowend, iewerHin- 
zelmann, krig ick 'n jungen Timmer- 



171 



mann ; h& iss so dnll, datt h^ nich whi, 
datt ick Raogensaogel li^t. 

RäÖg'n, der Fischrogen ; RäÖgüCr, 
der weibliche Hering, der Rogen bei 
sich führt, der männl. heisst : MSlker. 

raok'n, raop'n, alts, racian = raffen, 
kommt besonders in Zusammensetzun- 
gen vor und bedeutet : das einzeln Ste- 
hende od. Liegende zusammenbringen. 
Aufgezähltes Geld wird tosaom laokt, 
wenn es auf einen Haufen gebracht 
wird ; Stroh u. dgl. Gegenstände, die 
zerstreut her umhegen, werden tosaom 
raopt, wenn sie auf einen Platz zusam- 
men gebracht werden; die Teilern, 
die nach dem Essen einzeln herumste- 
hen werden bi Sid raokt, wenn sie auf 
euien Fleck über einander gestellt wer- 
den. Von rack'n unterschieden. Der 
NebenbegriffdeslVlühsamenundUnan- 
genehmen der Beschäftigung geht dem 

raok'n ab. 

raorn, laut und heftig schreien, von 
Kindern gebraucht ; von Erwachsenen 
heisst es rbölk'n. 

raor i. rar, selten. 'tGcld iss raoF. 

2. in seiner Art schön. Datt Ictt laor, 
das sieht hübsch aus. Datt iSS 'Uiaor 
Stück Flusch, das ist ein ausgezeichne- 
tes Stück Fleisch. 

Raow', der Rabe, besonders der 
Kolkrabe. Der Landmann macht aber 
selten einen Unterschied zwischen 
Rabe und Krähe. Der Krälienruf wird 
vom Landmann verschieden übersetzt. 
Gemeiniglich lautet er: Hinner'n Barg, 

hmner'n Barg liggt 'n Knaok, liggt 'n 
Knaok ; pul äff, pül äff. Im Winter, wo 
die Krähe auf den Wegen jeden gefal- 
lenen Pferdemist untersucht, ruft sie; 
Köttel iss Honnig ! Im Sommer aber, 
wo sie überall Nalirung fmdet: Köttel 

iss Stank, äks ! äks ! äks ! Ein sehr 
gemeines Sprichwort für einen unwis- 



senden Menschen ist: H5 wet SO v3,öl 

daovon, ass de Rrei von'n SUndag. 

Grosse Krähenzüge bedeuten nahen 
Krieg. 

rS, rfesch, rfedsch, allreds, allrfe ver- 
schiedene Formen für: schon, bereits. 
Ick heff 't ämm rfe all seggt, ich habe es 

iiim schon gesagt. Goth. raihtis, holl. 
alirede. 

räöw'r, herüber. Kumm 'n bäöt'n 
räöw'r. 

rebbeln, ausfasern (transitiv und in- 
transitiv). Ein Gewebe, das nicht ge- 
säumtist ribbelt ftt, die Einschlagsfä- 
den losen sich ab. Davon UpprSbbelu, 
Gestricktes oder Gewebtes in Fäden 

zerlegen. Ickwill den Strump wedder 

UpprSbbeln, den gestrickten Strumpf 
wieder in Fäden auflösen. Das Ausge- 
faserte beugst Rebbels. 

reckhalsen, den Kopf (Hals) in die 
Höhe recken, um zu horchen, auf 
etwas zu lauern ; 2. sich affectirend 
zieren. j^j,^, ., 

reck'n l. reichen, hinreichen. R8ck 
mi datt her ; datt iss to hoch, ick kann't 
nich reck'n ; dat Brot will nich recht 

reck'n oder ÜtrBck'n. 2. dehnen, stre- 
cken. RgckdätDök'nbät'n, ziehe das 
Tuch ein wenig aus, dasses sich aus- 
dehnt, rßck dl 'n bät'n, strecke dich ein 
wenig aus. rSckig ist das Adject. ml 
iss SO rBckig to WÖd, ich habe Neigung 
mich zu recken d.h. ich bin müde, oder: 
ich bin nicht recht wohl. 

R6ff, der Körper, Rücken. Giffäm 
6ns npp'n R6ff, versetze ihm einen der- 
ben Hieb. Zum Grunde liegt Rä. Alts. 
Hraew; Island. Hrae= Leib. Körper, 
Leichnam. Im Bremischen spricht man 
noch :en'nwatl npp'n Riga W'n, einen 
prügeln. 

R6g, Reihe, Zeile. 



m 



r6g6dir'l) , das franz. regarder, auf 
etwas achten. Hest du drupp regedirt? 

reg'n, regen. Ick kann den Arm nich 
r^g*n, ick kann mi nich rüppein nn 
reg'n. ^ 

regern, Sick, sicli verhalten, sicli ge- 
stalten. Na ! wu regert sick de Process ? 

= Nun, wie gestaltet sich die Klage- 
sache ? Wu regfert sick de Kullera ? = 
Nimmt die Cholera ab oder zu ? 

rein hat ausser den Bedeutungen in^ 
Neuhd. auch noch eine eigenthümliche 
im Plttd. so viel als : g a n z , g a r. Bist 

da denn rein nnklök? Datt iss reinto 
dnll; 't iss rein ütmett ämm, er liegt 
im Sterben, 'k kann doch rein to nicks 

kaom, ich kann dpch durchaus nicht 
zur Arbeit kommen, ich werde unge- 
wöhnlich davon abgehalten oder bei 
der Arbeit gestört.; Auch die längere 
Form reinweg kommt in dieser Bedeu- 
tung vor. 

' Reinfaor, der Rainfarn (Tanacetum 
vulgare). ■ .v-^ui^ u:i u-nn 

reistem, beim Arbeiten Geräusch 
Äschen, bald hierhin bald dorthin zum 

Arbeiten sich begeben. De reistert den 

ganzen Dag mm, die Frau Ist den gan- 
zen Tag in ununterbrochener grosser 
Thätigkeit^ und ist bald hier bald dort. 
In einigen Gegenden lautet dies Wort 

raostern. ■. ? : 

'-' RMitz, die Schafgarbe,-eine Pflanze, 
die häufig zum Brustthee verwandt 
wird ( Achillea millefoHum). 

Rfem, alts. reomo, der Riem. 2. der 
aus dem Rücken geschlacht. Schweine 
geschnittene Fettstreifen. R6m'r, der 
Riemer. 

rSng'n , sick , sich recken , dehnen, 
strecken z. B. nach dem Schlaf, oder 
wenn rnan müde ist. 

rSnnlich, reinlich. Subst. RSnnlich- 
keit. Sprichw.cG^it doch nicks äöw'r 



de Rennlichkeit? seggt jenn' Fru, un 
kert all Sündag Morgen ar Hemm' ümm. 

R5p, das Seil, StrickjReif. goth.raip, 

Rep'r, der Seiler. 

reptfern, Jemanden schlecht machen. 

Sprichwort: Sicknao'nDöd nochrep- 
tern laot'n. 

ReSS nennt man 1. die Kornähren, 
die beim Aufbinden der Garben nicht 
mit in den Band gekommen sind, nach 
dem Aufstellen der Garben entweder 
mit der Harke oder mit einem beson- 
dern Gerätli gesammelt werden S. Nao« 
säög. 2. der im Tass (Nebenräumen 
der Tenne) zurückgebliebene Abfall 
von den Korngarben. 

R^St'r, ein Flicken auf dem Oberle- 
der eines Stiefels etc. an der Seite des- 
selben; ein Flecken an der Spitze des 
Stiefels heisst: Snüff. 

Ribbkenblatt, der Wegerich (Plan- 
tago maior), heisst auch Labkenbläd'r. 
Rich'l S. Bort. 
Rieht 1. die gerade Richtung: ind' 

Rieht bring'n, in d' Rieht gaon, einen 

Richtsteig, Richtweg gehen. 2. = Ge- 
richt. 

richten, das hölzerne Geribbe eines 
Gebäudes aufrichten. Morg'n wätricht, 
morgen wird dasGebäude aufgerichtet. 
Am Schhiss der Arbeit folgt dann die 

Richtköst. 

Rick, eine lange hölzerne Stange 
z.B. um ausgekochtes Garn darauf zum 
Trocknen zu hängen , oder um einen 
Ackervor dem Vieh zu schützen, auch 
= Wim. berick'n, vor einem Acker 
Ricke zur Befriedigung desselben an- 
bringen; oder auch einen Weideplatz 
ringsum mit Ricken umgeben, damit 
sich das Weidevieh nicht aus demselben 
begeben kann. Sind diese Ricken zum 
Einsperren der Schafe für eine Nacht 



■ 

^m im Freien bestimmt,' So heissen sieHört. 
" Vgl. aticli Heck. 

rid'n, reiten, davon Rid'r, der Reiter. 
Datt iss 'n däögten Rid'r , das ist ein 
tüchtij^er Reiter, Der Cavallerist aber 
heisstRut'r. 

- : RIf, Rip, der Reif, pruina. Rurip, der 
Rauhreif; rifn, reifen. 

RijÖloderRajöl, ein hölzernes Ge- 
stelle zum Aufstellen von Büchern oder 
rum Aufbewahren von Kaufmanns- 
waaren. 

rij6Ill = Holen, den Acker sehr tief 

aufgraben. 2. herumwirthscliaften. 

Rik, Rik'I, der Vorname Katharine, 

rik; reich, alts.riki; Rikd6m,Reich- 

tlium : Dick d6n issminRikdöm, nicks 

hämm iss min Geld bezeichnet einen 
Grossprahler. 
Rtm, der Reim. 

Rimns-remas-in rentibus hört man 

von spielenden Knaben, auch ; RemUS- 
ramUS-in rentibus, dessen Bedeutung 
mir unbekannt geblieben ist. Der Sinn 
ist; ganz verloren. 

rin, reihen, durch Fäden nur obenhin 
befestigen, was nachher erst ordentlich 
genähet werden soll ; auch anrin. 

ring' (ng ist der reine Nasallaut, 
doch so gesprochen, dass er noch nach- 
tönt) = geringe, Adject. und Adverb, 
ring' Lud', kleine unvermögende Leute, 

He nimmt mit ring' Kost vörlef, er 

nimmt mit geringer Kost vorlieb. Datt 
kann ick ring' dön, das kann ich leicht, 
mit geringer Mühe, thun. Datt kann 
ringerköfftwärn, das kann wohlfeiler 
gekauft werden. 

rinn, herein. Kamm 'n bit'n rinn. 

Rinn', die Rinde der Bäume, des 
Brotes etc. 

rtp, reif; alts. ripi. De Appeln sünd 
rIp. Dat Mäken iss rip, dass I\lädchen 
ist mannbar. IVörip, was zeitig reift. 



173 

Fröripk'n ohne weitem Zusatz , doch 
so, dass man die Sache vor sich hat z. B. 
Kartoffeln, Erbsen, Apfel etc. Dütt 
Stind Fröripk'n, dies ist eine frührei- 
fende Art. ^ 
Rip, Subst. S. Rjf. •■, 
rip'n, reifen, von Früchten. 

Ris 1. der Reis (oryza). 2. das Reis, 
Reisig z.B. Bessenris, Bärk'nriS = Be- 
senreis, Birkenreis. 

Rist, nur vom Flaclis gebräuchlich, 
bedeutet so viel Flachs, als mit einem 
Male durch den Hechel gezogen wird. 
Mehrere Risten ein wenig gedreht, 
werden zusammen gelegt und, in der 
Mitte getheilt, zugedreht, sie bilden 
einen Knock'n (S. oben). Man unter- 
scheidet daher Ristenflass von Kno« 
ckenfiaSS, je nachdem der Flachsbündel 
in Risten oder Knocken liegt. 

Rit, ein kleiner Graben, auf dem 
Felde, der meist fliessend das Wasser 
abführt, vonGripp dadurchverschieden, 
dass letztere im beackerten Lande sich 
findet und absichtlich aufgeworfen ist. 
Während Rit sich selbst gebildet hat. ^ 

rit'n (Präs. rit, rittst; Imperf. retj 
Partie, rät'n) = reissen u. zerreissen *). 
Dat Brett ritt, bekommt Risse. De 
Twärn ritt, der Zwirn ist mürbe, er 
zerreisst leicht; alts. writan. afiHt'n 
1. abreissen z. B. einen Faden ; 2. viel 
Kleider zerreissen. Kinner rit'n väöl 
äff, Kinder verbrauchen viel Kleid ungs- 
stücke. 

Rit'nspltt, einer der viel Kleidungs- 
stücke verbraucht Eine Tautologie; 
dennspllt'n ist das veraltete spleisse% 



*) Für das Nhd, acer hat der Plattd." 
keine Form, er umschreibt es meist mit 
liitwei, oder Insst es ganz unberück- 
sichtigt. T 



174 



Diminutiv von Spalten , bedeutet also 
dasselbe mit rlt'n. 
^ritsch S. ratscli. 

R!w 1. dieKeibe, Reibeisen. 2. als 
Ad jectiv bedeutet es einen geringem 
Grad von Verschwendung in der Haus- 
wirthschaft. Se iss to riw sagt man von 
der Hausfrau, Küchln etc., wenn sie In 
in der Küche mehr als nöthig ist, ver- 
braucht. Rlw' upp gab'n, bei einem 
Gastmahl zu reichlich auftragen. 

riw'n (Pr. riw' ; Imperf. ref; Partie. 

räw'n)= reiben. He refsickdeHänn'. 

Rocklör, ein (aus der Mode gekom- 
mener) langer und weiter Tuchmantel 
mit grossem Kragen und gefuttert. 

Röd', die Ruthe, in allen Bedeutun- 
gen des Neiihd. Man bezeichnet damit 
auch dieStangeznm Fortschieben eines 
Kahnes auf dem Wasser, wird aucli 
Rör, Ror gesprochen. 

' Rod'n Haon upp't Back sett'n = 

Feuer anlegen. 

Röd'n Hinnack, wörtlich: röther 
Heinrich ; Benennung des kleinen, sehr 
häufigaufdemBracliacker wachsenden 
Sauerampfers (Rumex acetosella) wird 
auch SÜrk genannt. 

Rodnmp (der Ton ruht auf der letz- 
ten Silbe), der Rohrdommel (Ardea 
stellaris). 

R6f, der Raub. alts. robb, rof. 

Rogg' und Rogg'n, der Roggen (Se- 
cale). Adject. rögg'n. — Rogg'nmoD, 

Roggenhexe, womit die Kinder ge- 
schreckt werden, um sie vom Pflücken 
der Kornblumen abzuhalten. In eini- 
gen Gegenden der Altmark ist Rocken* 
mon ein geträumtes Gespenst, dass den 
Spinnmadehen, wenn sie ihren Rocken 
Flachs am heil. Drei-Königstage nicht 
abgesponnen haben, einen grossen 
Schabernack zufügt. Wahrscheinlich 
nicht von Rocken (als Spinngeräth) ab- 



zuleiten, welches Wort in der Altmark 
völlig unbekannt ist, sondern nur eine 
etwas härtere Aussprache für Rogg'n- 
mön. Dies ist um so wahrscheinlicher, 
da in andern Theilen der Akmark die 
Rogg'nmon im Roggen sitzt, mit 
schwarzen Brüsten, an denen die Kin- 
der saugen müssen, die ins Korn laufen, 
RoggblÖm, blaueKornblume, Cyane 
(Centaurea cyanus), heisstauch Hung'r. 
Schönrögg'n (Substant.) statt: Schön- 
rögg'n -Brot ist ein Brot aus feinem 
Roggenmehl gebacken. 

röj'n 1. rühren. Roj mi maol an, ick 

raod't di. 2. rege machen, in Bewe- 
gung bringen. Eh kannsick nichröj'n 
un bog'n. roj di, rühre dich. Ick will 
di röj'n, ich werde dir Beine machen. 

Das Sprichwort : Je mfer 'nDreck röjt, 
je mh stinkt he bedeutet; Man lasse 
sich nicht zu weit in einen Wortwech- 
sel ein , oder : Man forsche über eine 
unangenehme Sache nicht zu sehr 

nach. Vgl. rtippeln. 

Rök, der Rauch ; alts. ebenso, rök'n, 
rauchen. 

rökern, räuchern ; rökrig, räuchrig. 

Rokhön S. Wim. 

Röklock 1. die Öffnung in der Brand- 
mauer, durch die der Rauch aus dem 
Ofen abzieht. 2. Ort, wo es viel raucht. 

De Käök iss 'n recht oli' Röklock, die 

Küche iststets voller Rauch. 

Rökswalw, Spottname des Schorn- 
steinfegers. 

rorn= gröl'n S. oben. 

Rom, die Sahneauf der Milch. 

Römer, das Weinglas, besonders mit; 
massivem Fusse, 

Römerei, Beton ica officuialis, 

Römkfes', Sahn käse. 

röm', die Sahne von der Milch ab- 
nehmen, 

Rönn' , RönnstSn = 1. die Rinne, 



I 



175 



Dachrinne; die Gosse, im ersten Sinne 
wird aber die zweite Form nicht ge- 
braucht. Der Stein zum Ablaufen des 
Wassers aus der Küche, dem Keller etc. 
heisst Gottsten oder GäÖt'lsten, Guss- 
stein. 

rönn' (Verbum) 1. rennen , laufen ; 
rönn' nich so, laufe nicht so stark. 
2. rinnen, fliessen ; dat WaotCF rönnt 
6t, das Wasser fliesst heraus. Dat WaO- 



es! Wird dies nicht hinzugefügt, so 
gedeihet das Kind nicht. 

R6r,R6rS.R6d. 

Rortp u. Rurip, der Rauhreif. Verh. 

rorip'n. 

rör'n, rühren, in den verschiedenen 
Bedeutungen. Nich röl an, keineswegs, 
durchaus nicht; wörtlich: nicht rühre 

daran. Ick dacht, de Slag soll mi ror'n 

sagt man, wenn man über etwas Gehör- 



terrÖnntämpiperlingSÜtdeOg'n.seine tesinhohem Grade aufgebracht ist 

Thränen fliessen reich. 3. gerinnen; Rosenkranz. Unsere im Kreise tan- 

defflelkiss tohöp rönnt, die Milch ist zenden Mädchen singen: Ringe(l)« 

in einenKäseklumpen geronnen. Von Ringe(I)-Rosenkranz, Mäkendans, Kä- 

kes'n unterschieden, welches letztere tel upp datFtir, Junfern stind SO dur, 

erst den Anfang des Gerinnens andeu- JUDgens kosten Duwendreck smit'n wi 



tet, indem die Käsetheile erst in kleinen 
Theilchen sich zusammen gezogen 
haben. 

Rönn'r, ein starker Fussgänger. 

Röp, guterund schlechter Ruf. 



alle Jaor weg. 

Rost'r, die Rüster, Ulme (Ulmus 
campestris). 

fot'n, die Leinpflanze ins Wasser 
bringen, damit der Bast sich lüs^ von 



röp'n (Pr. röp, rüppst; Imperf. rep rott'n = faulen. 



und röp j Partie, rop'n) = rufen, goth. 
hröpjan , alts. liröpan. afflröp'n 1. zu- 
rückrufen, abrufen. 2. vom Nacht- 
wächter gebrauchtheisst es : i^egen den 
Morgen zum letzten Mal die Stunde 
anzeigen, wobei früher stets ein Lieder- 
vers gesungen ward, nnberöp'n, wört- 
lich : unberufen ; es bedeutet: ohne ein 
böses Omen damit verbinden zu wol- 
len. Dat Swin iss nnberöp'n all fett. 
Dat Kind hat sick nnberöp'n recht to- 

naom'n. Wird ein solches oder ähn- 
liches Wort nicht hinzugesetzt, so er- 
zeugt, nach dem hie und da noch herr- 



Röt, der Wasserraum, in den der 
Lein zum röt'n (rosten, rotten), gelegt 
wird. 

RötbÖSt, Rötbosk, dasRothkehlchen 
(Sylvia rubecülaj, 

Rotorinkrud , Tausendgüldenkraut 
(Erythraea Centaurium). 

Rotsten, der Röthel, Rothstift. ^ 

Rott, die Ratte (musrattus), nicht» 
Ratze. 

rott'n, verrott'n, faulen, verfaulen ; 
aff^Ott'n, abfaulen. 

RÖW', Dimin. RÖwk'n, Plur. Röb'n, 
die Rübe. Sprichwort : Frftnsraot üü 



sehenden Aberglauben, ein solches Lob RöWSaot gerött man alle SäÖW'n Jaor. 
in dem Munde gewisser im Besitz von RÖwk'n SChraop'n S. ätsch. 
Zaubermitteln beiindlicher Personen röw'n, rauben; alts. robon. RÖW'r, 

das Gegentheil des Gesagten ; das Vieh Räuber. 

nimmt nicht mehr zu, es ist verröp'n, Rotz , dör Nasenschleim. Daher : 

die Kinder siechen hin. Ähnlicher Be- Rotz Un Waot'r wfen', heftig weinen. 

deutung ist beim Lobe zarter Kinder Jung! wisch di de RotznäS' äff oder; 

der Zusatz ; Gott sägeos ^ Gott segne hast n Rotzuas'. 



176 



Rotzläpel, Schekw.: Gelbsclinabd. 

rtt, rauh, wie ein behaarter Körper. 

rün' l. rauhen, rauh maclien« 2. vom 
Federvieh : mausern. ^['^ -^ •' -{-^^ 

rubblig, rubbrig, ruwwrig, uneben, 
rauh auf der Oberfläche. Ein unbeho- 
beltes Brett, die Haut nach einer Haut- 
krankheit ist rubblig. i> ■••■.;■. i> 
'■ rnck'n, rnckeln, rücken, wiederholt 

rücken. Rnckel doch nich so mit'n 

DiSCh, wenn der Tisch nicht mit allen 
vi'er Beinen die Erde berührt und bei 
der leisesten Bewegungschwankt. 

- rück'n, rütrtick'n (Verb.) i. Holz, 

das im Walde oder im Sumpfe steht 
nach einer Stelle bringen, W6 es auf den 
Wagen geladen und abgefahren wer- 
den kann. 2. Geld hergeben ; na! FÜck 
man rüt ! nun ! gieb nur Geld her. 

Rtiffl, stark tadelnder Verwes, niit 
Drohungen verbunden. 

rüffeln l. mit einer Steigschaufel das 
Unkraut in- 'dön ' Gartebsteigeii ab- 
stossen. 2. Jemandem einen harten 
Verweis geben. 3. die Wäsche mit den 
RüfTeleisen glätten. 

Rüffelis'n , eine Art kleiner Plätten 
(Platten) in Kegel form, um faltenreiche 
Wäsche z. B. Kragen, Halskrausen etc. 
glatt zu machen. Es heisst auch Toll« 
Is'n von tollen, wie diese hohlen Krüm- 
mungen solcher Kleidungsstück« ge- 
nanntwerden. 

Rtigg, der Rücken, daher Midd'lrÜgg, 
Mittelrücken eines Ackerstücks ; rügg- 
aors, rückwärts. 

rük'n (Pr. rük, rückst; Itnperf.rök; 
Partie. raok*n)= riechen (transit. und 
intransitiv). Dao rtik an, diesen. Vier- 
weis, Tadel etc. merke dir. 

Rik'r, der Riechör. B6 hat 'n göden 

Rlk'r, er merkt sich leicht etwas, er 
ahnet leicht etwas. Auch wird die 
Nase öfter so genannt. 



Ruir, die Rolle, in den verschiedenen 
Bedeutungen : rnU'n, das Verbum. 

RÜm^ selten Rümpte, der Raum ; alts, 
ebenso. Adject. rtimig. 

rüm (Adject.), geraum : 't IsÖ aU 'tt 
rüm Tid her. 

rüm', räumen, ausräumen, Platz 
machen ; alts. rumian. 

mmm, rummer, rümm, herum. 

rümmkntschern, indemWagen herum- 
fahren, ausfahren. 

Rummdriw'r, der Herumtreiber. 

Rnmmeli (Ton auf ultima), Räum-, 
lichkeiten. Ein grosses wenig ausge- 
Ixmetes Haus, oder Haus mit dazu ge- 
hörigi Nebengebäuden bilden: 'ngrote 
Rummeli, dasganzebildet einengtossen 
Raum. ■ 

rummeln S. grummeln. 

rümmschecht'n S. schecht'n. 

rümmschürn S. schürn. 

Rumpelkär, ein Wagen, der beim 
Fahren stark rumpelt, auf deni man un- 
angenehm gerüttelt u, gestossenwird.: 

rumpampeln, ein verstärktes Rum- 
peln^. 

Rnmpel!, allerlei Gerumpel, das im 
Wege steht und beim Verändern des 
Platzes Getöse macht. 

mmpig, von kurzem aber kräftigen 
untergesetzten Körperbau. Dat Mäken 

iss man klein äöw'r doch mmpig. 

ramplig, holperig ,^ wenn der f ah-, 
rende Wagen rumpelt. . i 

rnmpreck'n, mit Gewalt hin- und 
herziehen, hartanfassen. HehatmiSO 

mmpreckt; 

RnndM (Ton auf ultima), ein Gar- 
tenrundtheü. ! 

Rnng', Waogenrung', starke Holz- 
stange, an die sich die Wagenleitern 
lehnen. 

mngen&rn, ruinlren. 

rnnks'n l. auf eine unanständige 



177 



Weise sich strecken und dehnen, sich 
fast hinlegen. 2. von Kindern gebr., 
wenn sie an den Winterabenden bald 
hierhin bald dorthin sich hinlegen, um 
zu schlafen. 

Rnnkunk'l, Scheltwort für ein altes 
runzliges Weib. 

runn, runn'r, herunter, kumm runn'r, 
komm herunter. Dat Kom iss mnn'r 

gaon, die Kornpreise sind gefallen. 

runnerrack'n S. unter rack'n. 

RÜp, die Raupe. 

Rüp'nschit'r S. unter Bottervogg'I. 

rüp'n, raupen, die Raupen absuchen. 

rüppeln, bewegen, rühren, das ver- 
altete rippeln. Datrüppelt unröjt sick 
nich. Ick kann mi nich rüppeln un roj'n. 

rupp,rupp'r, hinauf, herauf; knmm 
rnpp, komm kerauf; gao rupp'r, geh 
hinauf. 

rnpp'n l. raufen, ausziehen; Gös' 
rupp'n. 2. mausern (von Vögeln) ; da- 
von ruppig = lumpig, in der Kleidung 
vernachlässigt. 

RnripS.Ronp. 

Rusebuse und Rusemuse, grosse 

Verwirrung, die durch dasZusammen- 
bringen vieler nicht bei einander gehö- 
rigen Dinge veranlasst ist. Wenn man 
eineWohnung räumt, Vielerlei zusam- 
menwirft, und in der neuen Wohnung 



alles durcheinander erst vorläufig hin- 
stellt, so entsteht eine Rusemuse. Datt 
iss in de Rusemuse verlaoren gaon. 

Rüs', die Fischreuse. 

RÜSCh 1. der obere Theil des Butter- 
fasses. 2. Äppelin'nRtsch leggen(im 
Süden) = Apfel ins Stroh legen. 

RÜsch'nsiäden, Schneeschlitten mit 
Scliellengeläute begleitet von Rauschen 
oder rutschen. Andere wollen, es be- 
deute so viel als: Rigaischer Schlitten; 
rüsch'n, in einem solchen Schlitten 
fahren. 

russeln, ein schwaches Geräusch 
hervorbringen z. B. wenn Mäuse im 
Stroh herumkriechen. 

Rust, Gerüst, z.B. beim Bauen. 

RÜt, Fensterscheibe, eigentlich: 
Raute, Rhomboid, die frühere Form der 
Fensterscheiben. 

rüt, rüt'r, heraus, hinaus. 

Rüt'r S. Rid'r. 

rütmustern, aufputzen. Du hestdi 
maolrechtrütmustertjdu hast ja recht 

viel Putz angelegt. 

rütrück'n S. rück'n. 

Rutsch ! Interjection, das unerwar- 
tet Schnelle ausdrückend. 

Ruwerk, das Rauhwerk, thierische 
Felle, die so gegerbt sind, dass sie die 
Haare behalten haben. 



I§. 



's wird einigen Wörtern als eine 
Art Genitiv vor- und nachgesetzt, und 
wie tS od. Z gesprochen : z.B. 's NachtS, 
'8 Aobens, 's Sündags = des Nachts, 
des Abends, des Sonntags. Hieher ge- 
hört auch: von wegens für: wegen. 
Ausserdem steht 's für sfe, Femin. des 
Pronom. pers. = sie. Watt seggt 's, 
was sagt sie? 

sabbeln l. sabbern; den Speichel 



fllessen lassen, wie bei zahnenden Kin- 
dern und bei zahnlosen Greisen. Dafür 
sagt man auch seiwern. 2. wird es auch 
von kleinen Kindern gebraucht, die 
alles, was sie in die Hände bekommen, 
zum Munde führen und durch den 
Speichel verunreinigen od. erweichen. 
tosabbeln, sick, durch Sabbeln od. auch 
beim Füssen, sich den Anzug beschmu- 
tzen ; ebenfalls nur von Kindern gebr.. 

23 



17a 



Sabblig, vom Sabbeln beschmutzt; 
statt besabbelt. Datt SÜt SO Sabblig ftt. 

sacht, sachten, sachtken i. sanft, 

langsam, leise. Sprick sacht, sprich 
leise. Man sacht, nur gemach! sacht 
gaon, leise auftreten. In dem Sprich- 
wort : de sacht geit, ktimmt 6k fürt be- 
deutet es: langsam. 2. wird es gewisser- 
masseii als Partikel gebraucht, etwa 
dem Nhd. wohl entsprechend. Datt 
kann sacht s!n, das kann wohl sein; 

dao kann ick sacht'n mitgaon, ich kann 

wohl mitgehen; datt lett Sick Sacht 
ät'n, das lässt sich essen. DasDiminut. 

heisstsach(t)k'n odersäch(t)k'n. 

sachtmödig l.sanftmütliig, gelassen, 
still vor sich hingehend, nicht heftig. 

't iss 'n sächtmödigen Minsch , er ist 

ruhig in allen seinem Thun, Gegentheil 
von rabbiig , rabastrig ; 2. gleichbe- 
deutend mit sacht; sachtmödig drao« 
gen, vorsichtig etwas tragen ; gfet dat 
Ber sachtmödig in, gless das Bier lang- 
sam und vorsichtig ein. ünsacht, das 
Gegentheil von sacht, Sett nich SO 
unsacht daol, setze den Gegenstand 
nicht so hart nieder. Ick kann ämm 

nich unsacht anfaot'n, ankik'n, man 

darf ihn nicht unsanft berühren, ihn 
nicht schief ansehen; mi isS ganz un- 
Sacht to MÖd, mir ist nicht wohl zu 
Muthe, ich bin unwohl. 

Sack, der Sack, auch Tasche, Stick 
in'nSack, steck in die Tasche. M isS 

mit Sack un Pack wegtrock'n, er ist 

mit seinem ganzen Mobiliar fortgezo- 

gen ; de Katt in'n Sack köp'n , etwas 

kaufen, ohne es vorher gehörig anzu- 
sehen. He hat am in' Sack, er hat ihn 
ganz in seiner Gewalt, besonders vom 
Schuldner gebr. Das Verbum sack'n 
kommt nur vor in der Bedeutung den 
Sack mit Korn füllen. Morg'n Wä('r)t 
sackt, morgen wird da&Kornin Säcke 



gebracht ('um es z. R. zu Markt zu brini^ 
gen). Sick besacken, sich stark beladen, 
reichlich an sich nehmen, es geschehe 
mit Recht oder Unrecht; auch insack'n 
wird in dieser Bedeutung gebraucht. 
Uppsack'n,''^i'fpacken. aufbürden. Auch 

tropisch : Ick heff mi to väöl uppsackt, 

ich habe zuviel Arbeit übernommen. 

Ick heff mi in de Rüll 'n Snäöw upp- 
sackt, ich habe in der Kälte mir den 
Schnupfen zugezogen. 

sack'n, sinken, sich senken. Dat 

Hüs, Waoter etc. sackt ; dat Ber mtitt 

erst sack'n, das Bier muss sich durch 
Niedersenken der Hefen erst klären. 
Sinlwer sackt all, sein Eifer, aufwal- 
lender Zorn, lässt schon nach. He sackt 
daol, er sinkt nieder, fällt um. affsack'n 
wird von Flüssigkeiten gebr., die von 
durchnässten Gegenständen ablaufen 
z.B. Teichschlamm, durchnässte Klei- 
dungsstücke, gewaschene Gegenstände 
der Küche, Salat, Kohl etc., laot man 

erst den Salaod affsacken. daolsack'n 

und to höp sack'n , zusammensinken 
im eigentlichen Sinne, auch tropisch 
vor Schreck, besack'n, sich senken und '' 
dadurch fester werden. 

sädig'n, sättigen. Ick bin sädigt ist 

beim gemeinen Mann eine abschlagen- 
de Formel, wenn er zum Mitessen auf- 
gefordert wird. 
Safkarl S. Säwwäk. 

Saft, das Sieb. Das Zeitwort heisst 
sicht'n, man sollte Säft'n erwarten. 

Sag'l 1. das Segel, 2. das Siegel, 
3. der grosse Schmutzfleck auf dem 
Ärmel unreinlicher Knaben, wenn sie 
die Nase nur mit dem Ärmel abwischen. 

^ sag'n , segnen. De hat sick göd 

Sägent, er hat gut für sich gesorgt. Töf 

man, du wärst ungesagent rütkaom, 

warte nur, wenn du nicht gleich gehst, 
so werdeich dich hinaus werfen. Dao 



I 



179 



mücht 'n sick krtizig'n nnsäg'n ist ein 

Ausdruck der liüciisten Verwunde- 
rung. Wenn eine \\^ücluierin besucht, 
oder ein säugendes Kind angeredet 
wird , oder wenn Jemand nieset, so 
lieisst es: Gott Sägns statt : CiottesSegen 
(sei mit dir). 

Säk, Sä'r, säst, sagte ich, sagte er, 
sagtest du. Vgl. ick. 
;- Säl, SU, Sielen, Pferdegeschirr, 

Säl- oder Siltüg, Sielenzeug, das 
ganze Geschirr. 

sälig 1. seelig (beatus); 2. betrun- 
ken. He iss sälig, er ist ganz betrunken. 

sali oder schall = ich soll ; du sast, 

he sali oder sehall; Im pert.SChull. Die 

übrigen Tempora sind nicht gebräuch- 
lich. Dient häufig, ebenso wie.willn 
(WUlln) zur Bezeichnung des Futurs, 
zur Bestimmung der Verpflichtung. 
(Vgi.Gr. Gr. 4, 450 f.) Die Umschrei- 
bung des Futurs durch willu u. hämm 
(hebb'n) schliesst den Begriff des freiv 
wiiligen, hebb'n mehr das abstracte Fu- 
turum ein. 'k hSfftodÖn, ganz wie das 
nhd. ich habe zu thun. 

salkern S. m ad dein. 

Salm, mündliche Darstellung, be- 
sonders wenn sie verhältnissmässig 
länger ist, als man erwartet hatte z.B. 
wenn das Kind Memorirtes von einiger 
Länge hersagt, oder der Hochzeiten- 
bitter seinen langen Antrag macht; 
zugleich schliesst er nicht selten den 
Nebenbegriff des Ermüdenden, Lang- 
weiligen, Eintönigen ein. Datt waS 'n 
langen Salm sagt man dann, auch wohl 
von einer langen und langweiligen 
Traurede des Geistlichen. 

Salw', die Salbe, alts. salba, goth. 
saitxJ. besalw'n, beschmieren, besu- 
deln. H& besalwtall's mit stn smärig'n 

flänn', er besudelt alles mit seinen 
schmierigen Händen. 



Salwi, Salve! (Salvia officinalis). 

Sammelsurium, ein Durcheinander, 
Avas niclit zusammen gehört. Datt isS 
lüt'r Sammelsurium, das ist alles durch 
einander gewühlt, von Sachen u. auch 
von mündlichen Darstellungen, wenn 
Jemand Sinn und Unsinn spricht. 

SandhaOS', ein Fehlwurf beim Ke- 
gelspiel, wenn die Kugel nicht das 
Brett berührt, verschieden von Pudel. 

SandkÜl, die Sandgrube. 

Sandmann. Wer schläfrig wird u. 
die Augen zu schliessen anfängt sagt: 
de Sandmann kämmt, od. auch : 'khäff 
Sand in d' Ög'n. 

Sang , alts. ebenso = Gesang, en'n 

aon Sang un Klang begraob'n, Jeman- 
den ohne alle äusseren Ceremonien zur 
Erde bestatten. 

Säng'n (Pr. segg, seggst ; Imperf. sä ; 
Partie. säggt)= sagen, alts. seggian. 

sangern, Frequent. von sengen = 
verbrennen, drückt die hörbare Bewe- 
gung einer im Koclien begriffenen 
Flüssigkeit aus, wenn dasKochgeschirr 
nur theilweise mit derselben angefüllt 
ist und der obere Theil der Flüssigkeit 
an dem heiss gewordenen leeren Theii 
des Kochgeschirrs gewissermassen 
verbrennt. Die Speise nimmt dadurch 
einen widerlichen Geschmack an, der 
durch bräösig bezeichnet wird. 

sängrig, sengend. HIr rückt sängrig, 

hier riecht es, als wenn etwas sengt; 

de Melk smeckt sängrig. q 

sann'n, tosann'n, versann'n= sandeir, 

versanden. 

sannig, sandig. Bat Brot iss sannig, 

es knirscht. 

Sapp, der Saft. Fabiaon Sebastiaon 
lätt dat Sapp int Holte gaon, um Fabian 

Sebastian (20. Januar") tritt der Safjt 
wieder in die Räume. Vgl. auch unter 

fiuppnpp. rode Sapp, Blut. H^ patscht 
23' 



im 



in den Dreck, datt de Sapp am um de 

Ör'n flüggt, er tritt so stark in diePfütze, 
dass er von dem Schmutz bespritzt 

wird. Dukriggstens, dattdi de rode 

Sapp Üt' d Ml geit, du bekömmst eine 
derbe Maulschelle. Adj. Sappig ; auch 
obscüne Reden sind sappig. Der Saft, 
alsMedicin fürKitiderheisst nie Sapp, 
sondern Saft oder Säftk'n. 

Sapp'n, den Saft von sich lassen z.B. 
Eiter aus einer Wunde, nahe verwandt 
mit Stp'n und SUpp'n. 

sapperlot S. zapperlot. 

sarp, herbe von Geschmack, beson- 
ders beim Obst und Wein. In einem 
alten Glossar aus sec. 9 kommt sarfi 
heit für : Hartherzigkeit vor. 

Satt', irdenes oder gläsernes Gefäss 

für die Milch, damit in demselben sich 

die Sahne abscheidet. Ist dies Gefäss 

aus Holz und grösser, so heisst es : TIn. 

Saildann',derPorst(Ledumpalustre). 

Saunick'l, Saumaog'n, Sanswanz S. 

Nickel. 

Sansalaot, wilder Lactuk (Lactuca 
scariola. 

Säw'rsaot, Zittwersamen (Cinna), 
gegen die Spulwürmer, in einigen 
Dörfern wird der Rainfarrn (Tanace- 
tum vulgare) auch so genannt. 

Sawwäk auch Sawkarl, der Maikä- 
fer (Melolontha vulgaris). Wenn die 
Knaben einen solchen Käfer fliegen 
lassen, so zählen sie ; mit der Zahl 30 
musseraufburren, sonst taugt er nichts. 
Sie rufen ihm beim Auffliegen nach: 

Sawwäk fleg ; fleg wit ! din Yaorer iss 
in'n Krfg, din Mndder iss in'Hnnger- un 

Kammerstand. Der Rosenkäfer 
(Melol. solstitialis) heisst Braoksawk'n. 

Saok, die Sache. Datt iss ken Saok, 

dazu ist kein Grund vorhanden. 
Saod'l, der Sattel. 

saodeln, satteln. H^saodelt U% nn 



ritt laot, Sprichwort für Jemanden, der 
sich bei seinem Handeln viel Zeit lässt. 

Saodler, der Sattler. 

Saod'n nn Braod'n, wörtlich : Gesot- 
tenes u. Gebratenes S.Braod'n. saod'n 
ist das Partie, von dem nicht mehr ge- 
bräuchlichen sed'n = sieden. 

Saod'n-Kring'l , Fastenbrezel; sie 
werden vor dem Backen erst gesotten. 

Saodrach, ein Schimpfwort des 
Pöbels für Weiber, vielleicht aus der 
Bibel (Daniel 3) hergenommen. 

Säög' 1. die Sau, das Mutterschwein, 
von sög'n, säugen, üns' Säög' hett 
ferkt. Du kämmst an ass de Säög' int 

JudenhÜS, du wirst sehr übel empfan- 
gen werden. 2. arges Scheltwort für 
ein schmutziges Frauenzimmer, in 
welcher Bedeutung man auch : oll' SaU 
spricht. 

Saog', die Säge; saog'n 1, sägen, 
2. stark schnarchen. Saogbock, Saog« 

spön. 

Saok, alts s a c a , die Sache, res, causa. 

Saol, (alts. seli. Das goth. saljan be- 
deutet Wohnung nehmen, althd. sal=x 
das Haus). 1. der Vorsal, besonders in 
den obern Stockwerken der Häuser. 
Den Saal d.h. ein grossesZimmer kennt 
der Plattd. nicht, Upp'n Saol bedeutet: 
auf dem Vorflur desobern Stockwerks; 
in der Bedeutung : Hausflur des untern 
Stockwerks kommt es nur noch selten 
vor. 2. die Sohlen an Stiefeln und 
Schuhen. 

SäÖl, die Sole, geschmolzenes Salz 
auf dem Pökelfleisch. Dat Päk'lfleSCh 
het recht väöl Säöl. 

Saolert, Sudelei. 

Säöl'n schwächer als SUddeln , be- 
schmutzen, besudeln, goth. sautjan, 
alts.sulian. Du hest di tosäölt, du hast 
dich beschmutzt. De Wand Säölt, die 
Wand schmutzt ab. He säölt daomet 



I 



181 



rümm, er schleppt sich damit herum, 
wodurch es beschmutzt wird. Dann 
gebraucht man das Wort auch, wenn 
ein feiner Staubregen fällt, wodurch 
die Wege schmutzig werden, 't Säölt 

den ganzen Dag. Vgl. Soll, säöligdas 

Adject. davon in der angegebenen dop- 
pelten Bedeutung. Auch gebraucht 
man das Ad ject. von dem Auge, ^\•tnn 
ihm der gewöhnliche Ausdruck fehlt, 
hervorgegangen aus Nachtwachen, zu 
vielem Trinken, vielWeinen etc.; über- 
haupt für : blass, bleich, synon. mit Sek. 

Säön, der Sohn ; Säönskind, Enkel 
oder Enkelin vom Sohne; dagegen 
Dochterkind von der Tochter. 

Saot, alts. sad, die Saat und der Same. 

Röwsaot, Kölsaot. In d' Saot schet'n, 

den Blüthenstengel treiben, 't iss göd 
Wäd'r to'r Saot, es ist gutesWetter zum 

Säen. De Saot steit göd, dünn', bultwis. 

To d' Saot plög'n, zum letzten Male 
pflügen, um gleich darauf zu säen. 
Auch versteht man unter Saot den 
Winter- und Sommerrübsen. De Saot 
iss dtitt Jaor recht dar, der Rübsen 
(Rapps) ist in diesem Jahre sehr theuer. 

Saotlaok'n, das Säetuch. 

Saottid, die Saatzeit. 

SäÖW'n, sieben ; half SäÖw'n, wört- 
lich: halb sieben, bildlich für: halban- 
getrunken. Bornemann sagt: IsSSÖnn' 

Späölmann nich half säöw'n , hat de 
Strich k&n'n Tact. 

SäÖW'ntein, siebenzehn. 

SäÖW'ntig, alts. sibuntig, siebenzig. 

SCh. Der neuhd. Consonant SCh fin- 
det sich im Anlaut unverändert nur vor 
den Vocalen und vor r im Plttd, wo er 
aus sk entstanden ist ; vor 1, m, n und w 
dagegen lautet er wie ein scharfes S (sz) 
was dem nhd. seh auch zum Grunde 
Hegt. Das Plttd. ist also den Urformen 
viel treuer geblieben, als das Nhd, Doch 



ister Inder Altmärk nicht so entschie- 
den diesem einfachen Consonant in der 
Aussprache gleich, wie dies in IMeklen- 
burg und Holstein der Fall ist, indem 
er sich auf eine Weise, die man nur 
durch das Gehör wahrnehmen kann, 
dem Ton des Nhd. in der Altmark bald 
mehr bald weniger nähert. Daher ist 
die Schreibweise sl, sm, sn und sw statt 
der nhd. schl, schm, sehn, schw beibe- 
halten, obgleich in sehr vielen Fällen 
auch der plttd. Laut weit mehr wie seh 
klingt. Der westphälische Laut sg oder 
sk statt seh findet sich hie und da in der 
Altmark, aber sehr vereinzelt im Aus- 
laut : Flesk, Minsk statt : Flesch, Winsch 
(Fleisch, Mensch). Im Alts, fi^ndetsich 
das SCh bekanntlich gar nicht, im Althd. 
bereits, wiewohl noch vereinzelt. Gr. 
Gr. 1, 173- 175, 420-422. 

schabb'n und schubb'n , sick , sich 

scheuern, reiben an einem härtern Ge- 
genstand, wie z. B. Rindvieh und 
Schweine gern zu thun pflegen. 

SChabbig, schäbig, abgeschabt be- 
sonders von Thieren, denen Haare feh» 
len. 2. filzig, geizig mit dem Neben- 
begrifl'des Verächtlichen. 

Schack'r, eine grosse Drosselart, der 
Ziemer (Turdus viscivorus). 

schaff 'n bedeutet auch: gelingen, 

rasch fördern. De Arbeit schafft am 
recht. 

Schäl, der Unterschied. 

schall S. sali. 

Schalmei S. Huppupp. 

SChäln, verschäln, verschieden sein. 
Datt schält VäÖl, 'n ganz Del, das unter- 
scheidet sich sehr, ein ganzTheil. Datt 

kann 'n Hüp'n verschäln, das kann für 

mich ein grosser Unterschied sein. Das 
Sbst. kommt meist nur als Yerschäl vor. 
schämig Läufiger: SChämrig, ver- 
schämt. 



182 



SChamerlro, tändeln, liebkosen (mit 
Mädchen) aus dem franz. chamarrer. 

Schamp, Stoss oder Schlag, der ein 
sichtbares Zeichen hinterlässt. Ickwär 

di 'n Schamp gäw'n, ich will dich 

zeichnen. Dies Wort kommt nur in 
einigen Dörfern vor, vielleicht so viel 

als Schramm, 
schampern, schampir'n, sich aus dem 

Staube machen, nach dem französisch. 

echapper. 

'' SchamÜs'I, Gerhusch. 

^' Schan, Schanben i. die Schiene, 
2. das Schienbein. Ick hcffmi ant Schan 
stött. 

Schanstäd oder Schänstell, Stellen 

im Acker, deren Untergrund zu durch- 
lassend ist, wo also die Pflanzen leich- 
ter verdorren, wenigstens kümmerlich 
gedeihen. 

Schandär, der Gensdarm. 

schander'n, schänder'n, Schande an- 

thun, schmähen, schimpfen und zwar 
mit einem grossen Lärm. SChimp'ü und 
schander'n wird sehr häufig verbunden 
gebraucht. 

Schandköp S. Gottsköp. 

SchandmÜl, SchandsnÜt, ein Läster- 
maul, ein schmähsüchtiges Weib mit 
grosser Zungenfertigkeit; aus der 
Sprache des gemeinen Haufens. 

scharntrlich (seltener schenant, seh 

sanft gesprochen) ganz in dem Sinne 
des französischen genant. 

Schann', gothisch skanda, 1. die 

Schande. An di erläwt 'n noch Schimp 
nn Schann' ; 't iss 'n Sünn' nn Schann' 

od. :'t tss Schann' wart, das ist schänd- 
lich. 2. Lärm, Gezänk. Maok doch flich 
Sonn Schann'. 3. eine Wassertrage S. 
Dracht. 

Echänn', schänden. Wek sin Nas' 
aff^nidt, schännt sin ilngesicht, wer 



von den Seinigen übelredet.beschimpft 
sich selbst. 

Schäp S. Schipp. . 

Schäp'l, der Scheffel. Mit Schäpeln 
nt- mit Läpeln inmät'n, mehr ausgeben, 
als einnehmen. 

schäpeln, scheffeln d. h. reichüdi 
gedeihen, leicht den Scheffel fUllen. 

Dat Kaorn schäpelt dütt Jaor recht 

bedeutet einen reichen Körnerertrag. 
De Tüffeln schäpeln, die Kartoffeln sind 
von ansehnlicher Grösse, so dass eine 
verhältnissmässig geringe Anzahl das 
Gemäss füllt. 

Schapp, der Schrank. Ätelschapp, 
Kled'rschapp , Schrank zum Aufbe- 
wahren von Esswaaren, Kleidern, alts. 
scap. 

SChär'n l. aufziehen, zum Besten 
haben, plagen. SChärmlnich, beunru- 
hige mich nicht ; he hat mi watt erlichs 

SChaorn, er hat mich ganz gehörig ge- 
plagt. 2. sich um etwas kümmern; 
watt schärt mi datt , was geht mich 
dies an, darum kümmere ichmich nicht. 
3. sickschärn,sich fortmachen, packen. 

Schär di oder schar din'r Wäg', packe 

dich forti 

Schanäk'l, ein Mensch, der uns in 
allen Stücken entgegen ist, ohne gerade 
feindselig gesinnt zu sein. Davon das 

Verbum schanäkeln, Vgl. schurigeln. 

Schanzlöper, ein Hausrock. 

Schärwand, Zwischenwand, Schei- 
dewand. 

SCharw'n und SChärw'n, fein zer- 
schneiden , z, B. Kohl, Nicht mit 
SChraop'n zu verwechseln ; Braun- und 
Weisskohl zum Essen, Grünfutter fürs 
Hausvieh, wenn es mit einem scharfen 
Messer ohne Maschine verkleinert 
wird, wird gescharbt , ein Apfel für 
zahnlose Kinder und Greise wird ge« 

schrapt. 



i 



183 

SChäs'n, schnell laufen, auch ohne SChäÖlll, spülen, die Flüssigkeit in 
Plan herumgehen, besonders eilig; Bewegung setzen. Dat Waot'r SChäÖlt 
rnmmschäs'n , schnell umherlaufen; dat Öw'rfurt, der Fi uss spült das Ufer 
auch von den Bewegungen beim Tanze weg. Schäöl 6k nich SO ! ruft man Je- 
sehr im Gebrauch. mandem zu, der ein Gefäss mit Flüssig- 

SChät S. schit. keiten trägt, und so damit zu gehen er- 

SChattern, verschattern, Etwas für muntert wird, dass die Flüssigkeitsich 
einen geringen Preis weggeben, ver- nicht stark im Gefässe bewegt. Üt* 
schleudern ; meistens von Kindern ge- SChäÖlll 1. Wäsche im V\''asser hin und 
braucht, die den Werth eines Dinges her schwenken; 2. durch Schäolen 
nicht kennen, auch von Erwachs. Uu- einen Theil der Flüssigkeit aus dem 
terscheidet sich von kütbüt'n so, dass Gefässe verlieren. Dasselbe bedeutet: 
dieses einen reinen Tausch bedeutet, Verschäöln. üpscMöIn, eine Flüssig- 
"Während SChattem das Weggeben für keit so bewegen, dass die zu Boden ge- 
einen Preis, um den man sich vorher fallenen Theile sich wieder mit der 
■geeinigt hat, der aber dem Werthe der Flüssigkeit verbinden z.B. der Hefen 
Sache nicht entspricht, weggiebt. Skat der auf dem Boden einer Flasche sich 
bedeutet ImGothischen Geld. beim Klären des Biers wohl zu fmden 

Schäw S. Gnitz. pfit-gt. 

Schäwertän S. Schiw'rtän, Schaom, die Scham (pudor). He hat 

schäwig, worin sichSchäw findet. nichSchaom, nichGraom, er hat kein 
Dat FlaSS iss schäwig. Dem neuhd. Gefühl für Scham und dem daraus her- 
schäbig entspricht es nicht, dies vorgehenden Gram. 
heisstimPlattd.rSChabbig. Schaop, Dimin. SchäÖpk'n, Schaf; 

SChäwSCh, neidisch, feindlich gesinnt. Schaop'r, Schafliirte, Schäfer ; Schäöp- 
SChawnppen, zweck- und ziellos k'n bedeutet auch die flockigen W^olken 
herumgehen luid laufen. Von dem zur Sommerszeit. 
Pilastertreter heisst es: he SChaWUppt SchaopkÖtt'l , Schaopslorbärn , die 
ämmerrümm; Kinder, die spielend in Excremente der Schafe, 
der Stubeherumlanfen, werden ange- Schaop'n, eine Pfanne zum Braten, 
rufen : nu ! Watt SChawuppst hir rümm. meist auch Biaodschaop'n genannt. 



Im ähnlichen Sinn wird aiicli scherwen- 
zeln, aber nur von erwachsenen Perso- 
nen, mit dem Nebenbegriff des Affectir- 
ten gebraucht. 

Schaod'n, der Schaden wie im Nhd. 



SchaoprlS, Schachtelhahn (Equi- 
setum hiemale;. 

Schaort i. die Scharte. De Schaort 

Ütwett'n, einen Fehler wieder gut zu 
machen suchen, auch : sich wieder für 



•lusserdem s. v.a. ein körperliches Ge- erlittene Beleidigungen zu rächen su- 
brechen, vorzugsweise der Bruchscha- chen. 2. die Trümmer eines zerbro- 



den. 

SChaol, SChaolig, schal, vom Getränk. 

Schaol, Dim.SchäÖlk'n, die Schale, 
als vertieftes Gefäss. 

Schäöl, die Schale d. Messers. Mctz- 

schäOl. Vgl. Schell. 



dienen irdenen Gefässes, die Scherbe. 

SChaow'n, schaben, z.B. in der Ger- 
berei. Vgl. schraop'n. 

Schaow'r, der Loh- und Weissgär- 
ber, aber mit dem Nebenbegrifl des 
Spottes. 



184 



«• Schecht und Schefft 1. der Schaft 
an einer Flinte, davon Verschechten u. 
Btichsenscheffter. 2. der obere Theil 
eines Stiefels, Davon VerSChecht'n od. 
verschefft'D, den obern Theil eines 
alten Stiefels mit einem neuen untern 
Theil versehen, vorschuhen. 
SChecht'n, eiligst laufen. 

schef, schief, 'n schfef Wül maok'n, 

den Mund verziehen, was i tir eine Be- 
leidigung angesehenwird ; SChef laod'U 
hämm', betrunken sein. 

Schefbfen, der Schiefbeinige. 

Schefhack, der einen schlechten 
Gang hat; der sein Schuhzeug schief 
d, h.nach einer Seite geht. 

Scheiss = schit. 

SCheiSS'n ist eigentlich nichts anders, 
als das nhd, aber veraltete SChmeisseD, 
das in seiner frühern Bedeutung auch 
so viel war, als: den Unrath ausstossen. 

Scheit, die Grenze, da wo sich des 
EinenGrundstück von dem des Andern 

scheidet, 'n Stfen int Scheit sett'n, 

einen Grenzstein setzen; dieser heisst 

dann Scheitstfen. 

Scheir 1. die Schale, äussere Beklei- 
dung weicher Körper. Ärft-, NäÖt- 
SChell'ü , Erbsen - , Nussschalen. Das 
nhd, Wort Schale bedeutet bekannt- 
lich 1. die äussere Hülle der Früchte; 

2. die äussere Hülle der Muscheln; 

3. ein flaches weites irdenes Gefäss. 
Im Plttd. ist das e r s t e : Schell', für das 
zweite und dritte aber: Schaol'. 
Die Eierschale u, die Hülle der Eichel 
helssen im Plttd, : Dopp (S, oben). Ähn- 
lich unterscheidet der Nordfriese 2. die 
Schelte, der Tadel, Vorwurf. Du 

kriggsthüt noch Scheli'. 

SChell'n, affSChell'n l. die Schale ab- 
machen, abschälen. Tüffeln schell'n, 

Kartoffeln schälen. Von Hülsenfrüch- 
ten die Schale abmachen, heisst plattd. 



nicht SChelln, sondern paol'n (S. oben). 
2. schelten. Im ersten Fall geht das 
Wortnach der schwachen, im zweiten 
nach der starken Conjugation ; Präsens 
schell, Imperf. schull' u. schüll' (selte- 
ner : schult). Partie, schulin. 

Scheilnbraod'n , der Rippenbraten 
besonders vom Schwein. 

schein, schielen. 

Schelp heissen beim Landmann alle 
schmalblättrige Sumpfpflanzen von 
massiger Länge, von Gras genau un- 
terschieden, worunter die Wiesen- 
pflanzen von geringerer Länge und 
Breite verstanden werden. 

SChelpig, Schilf enthaltend und dem 
Schilfe ähnlich. 

Schelw'r, SchÜlw'r, das was in seiner 
Art besonders dünn, schuppenartig ist, 

Giff am 'n Schelwerken Brot, gieb ihm 

ein kleines ganz dünnes Stück Brot. 

schelwern, häufiger: schnlwern, 

SChtilwern, abblättern, sich in dünnen 
Schuppen absondern,auch feineSchup- 
pen bilden. Im ersten Sinne heisst es 
auch affschulwern. De Masseln schnl- 
wern äff, dleOberhaut sondert sich nach 
überstandener Masernkrankheit ab. In 
der zweiten Bedeutung gebraucht man 
häufig das Compositum: äÖW'rSChul- 

wem. Dat Waot'r schtilwert oder: 

iSS äÖW'rSChtilwert, das Wasser fängt 
an sich mit Eis zu belegen, doch so, dass 
das Eis noch keinen Zusammenhang 
hat, sondern noch aus kleinen schup- 
penartigen Theilchen besteht. Adject. 
schülwrig 

sehen, Verbum Impersonale (Präs. 
'tschüt, Imperf. schao, Part, sehen) = 
geschehen, Datt SChut all' Daog. Häu- 
fig wird das Praefixum ge bei diesem 
Worte schon gebraucht. 

Scherw'l, der Scherben, PottSCher« 

wi. 



185 



SChet'll(Pr. sehet, schUtt:st;Imperf. 
Schott und schot; Partie, schaot'n) = 
schiessen. De Rogg SChÜtt all, die Rog- 
genpflanze treibt schon den Stengel. 
Für das Zeigen der Ähren ist mir kein 
eigenes Wort benannt, ich kenne nur 

de Rogg kriggt (oder hat) all Äorn. 

Schetprüg'l, die Flinte. 
Schicht, eine verliältnissmässig nicht 

ganz kurze Zeit; 't iss all 'n Schicht 

här, vor einiger Zeit; ick hin 'n göd 
Schicht weg Wäst, ich bin eine ganze 
Zeit von Hanse weg gewesen. Schicht 
bedeutet im Neuhd. unter andern auch : 
die Pause, welche man bei einer Arbeit 
macht; ebenso: eine bestimmte Anzahl 
von Arbeitsstunden, mit welchen Be- 
deutungen obige plattd. in Verbindung 
steht. Ausserdem hat Schicht im Plttd. 
alle Bedeutungen des Nhd. 

Schick, Geschick, das Geschicktsein, 
Proportionalität, der Anstand. Datthat 
noch Schick, das ziemt sich, darin findet 
sich Harmonie; datt hat nich Schick 
nich Stäl bedeutet das Gegentheil vom 
Vorigen. Auch bildlich: ick bin nich 
recht Upp'n Schick, ich bin körperlich 
nicht recht wohl, 't isS alls inSchick, 
es ist alles in Ordnung. Sprichw. : Kort 

an dick, hätt ken Schick, lang an gröt, 

datt lett göd = ein grosses Mädchen 
sieht besser aus, als ein kurzes dickes. 

SChick'n, sick, sich schicken, gezie- 
men. 

Schillebott S. JumferSibold. 

schillern l. einen Lichtglanz von 
sich geben, das Reflectiren der Licht- 
strahlen z.B. wenn die Sonne auf eine 
Wasserfläche scheint; dann 2. verschie- 
dene Farben nach den verschiedenen 
Richtungen des zurückgeworfenen 
Lichts zeigen. Die Benennung eines 
Schmetterlings, desSchillervoggels, ist 
auch in diesem Sinn aufzufassen. 



3. Schildwache stehen, schildern. Da- 
von Schillerhfts. 

Schilling, eine eingebildeteMUnze, 
9 Pfennige, früher häufiger im Gebr. 
als jetzt. 

SChimfern , anhaltend schimpfen, 
auch einen Gegenstand entstellen. 

Schimp, Schimpf. Schimp an Schann' 

'nRopp affbit'n, unempfindlich gegen 
Tadel sein ; Adjeet. SChimplig. Datt isS 
mi doch to SChimpIig, das bringt mir 
doch Schimpf. 

Schin, derSchein; Maonschin, Sann'- 
schtn, Döpelschtn, Trüschfn. schin', 

alts. scinan = scheinen in den Bedeu- 
tungen des Neuhd. 

SChinbarlich, augenscheinlich. 

Schindlüd'r, eins der stärksten 
Schimpfwörter für ein Frauenzimmer. 

Schink'n, de, besfen S. wams'n. 
Schinkendfef, die grosse Meise (Pa- 

rus major). 

Schinn, feine Schuppen, die sich von 
derHaut der Menschen undThiereab- 

lösen. Ick heff so Yäöl Schinn app'n 

Kopp. Das Adjeet. heisst : SChinnig. 

schinn', schinden, die Haut abziehen, 
vom Scharfrichter, nicht vom Schläch- 
ter, tropisch: den wohl verdienten Ver- 
dienst, Lohn etc. bekümmern. Im Nhd. 
sagt man auch : das Fell über die Ohren 
ziehen. 2. Sick SChinn', sieh abarbeiten, 
abquälen. 

Schinn'r, der Scharf richterknecht, 
tropisch wie beim Verbo SChinn'. Datt 
hat de Schinn'r haolt, das ist verloren; 

gao nao'n Schinn'r, packe dich. De 

Schinn'r haol ist ein verstärkender Aus- 
ruf ; de Schinn'r haol? datt geit nich, 

das geht durchaus nicht; de Schinn'r 
Ök! hol der Teufel! 

Schinnert , ungerechte Uebervor- 
theilung ; schwere Arbeit. 

Schinnerkftlf die Abdeckerei. 
24 



186 



Schinnerpack S. Pack. 

Schipp, Plural Schap, das Schiff, 
grosser Eibkahn. alts. skipp. 

Schir, alts. skir, sciri ; g"odi.skeirs = 

1. lauter, rein, unvermischt, nichts als; 
SCWr FlfeSCh, Speck, Fleisch ohne Kno- 
chen, Speck ohne Fleisch. SChirBott'r 
ät'n, die reine Butter (ohne Brot) essen. 

2. glatt, klar, rein. SCWr Holt, ein Holz- 
stück ohne Äste. SChir HÜt, reine, klare 
Haut, die nicht durch Pusteln etc. un- 
eben ist. Als Adverb bedeutet es so viel 

als gänzlich. Datt hebb ick schir ver- 

gäten, das habe ich rein vergessen. 

Schirkasten, ein mit Bohlen ausge- 
setzter Raum an einem fliessenden 
Wasser, in dem das Wasser sich abklä- 
ren muss, bevor es durch die Rühren in 
die Brunnen geleitet wird. 

Schit, auch Schät, Menschen- und 
Thierkoth. Die 2. Form dient auch als 
eine Art Interjection, umEtwas zu ver- 
neinen oder abzuschlagen, wofür man 

auch : ScMt'r de Schat und oll'ü Schat 

sagt. Im Munde des gemeinen Mannes 
ist dies Wort nicht unanständi<j. 

SChit'n, das Verbum davon. Sprich- 
wort: De väöl fritt, de väöl schitt, viel 
und gut futtern , giebt viel Dünger. 
beschiten bedeutet auch betrügen, an- 
führen. i^im.*' 

Schiteri l. der Durchfall, 2. nichts- 
nutzige Dinge. 

SchithÜS und KackhÜS, Apartement. 

Schitkräöt, ein kleiner Kerl oder 
Junge, der keck auftritt. 

Schitränzel S. Balg. 

Schiw', die Scheibe. 

Schiw'nkik'r , der beim Scheiben- 
schiessen die Stelle bezeichnet, wo die 
Kugel eingeschlagen hat. 

Schiwertan und Schöwertän, kleine 
spitze, und schwarze Zähne, die sich 



zuweilen bei den Ferkeln anfinden und 
ausgebrochen werden müssen. 

SchÖ, alts. sc6h = d«r Schuh; Plur. 
ebenso, Dimin. SchÖk'D. 

Schoblöm und Duw'nkutschen, die 

Pflanzengattung Aconitum. 

Schöl, die Schule. 

SChoIaotern, die Schule schwänzen, 
versäumen, und dabei sich den Schein 
geben, als habe man den Unterricht be- 
sucht. 

Scholk'r oder Schöler heisst beim 
Landmann derDorfschulmeister, in so 
fern er nicht zugleich Küster ist. 

SCholln (Pr. sali und schall, säst und 
schast ;Imperf. suU ; Part, solt u. sultj=r 
sollen. Der Infin. ist wenig im Gebr. 

Schönrögg'n-Brot S. Rogg'. 

schönst, schon; bereits ziemlich 
veraltet, man gebr. dafür lieber : all. 

Schorf, PL Schörw', die rauhe Decke 
einer Wunde; 2. die Auswüchse bei 
Früchten z. B. bei d. Äpfeln, Kartoffeln. 
Vgl. Pock. Das Adj. heisst SChÖrwig. 

Schört, die Schürze. Unner de Schört 

kaom', verheirathet werden. 

SChÖrt'n, schürzen, z. B, einen Kno- 
ten. Iippschört'n , aufschürzen, von 
Frauen, die Kleider etwas in dieHöhe 
nehmen und durch ein Band in dieser 
Höhe befestigen. 

Schos'H (aus dem franzüs. ch6se) = 
dumme Streiche, alberne Erzählungen. 

Schosten, der Schornstein. 

Schost'r, der Schuster; schostern, 
das Schusterhandwerk treiben. Mit 

Schosters Rappen förn, zuFusse gehen. 

Schot, der Schooss. Sprichwort: 
Kinner fali'n Engel in'n Schot. Sinn : 
Kinder fallen oft, ohne sich zu schaden. 

Schott 1. der Schuss, z. B. mit einem 
Feuergewehr. 2. der Schoss, die Ab- 
gabe, 3. Schutt, Bauschutt. 



187, 



Schöt'ntöffel, eine ausLnmpen zu- 
sammengesetzte Figur, die einen Men-. 
sehen vorstellen soll und in die Korn-, 
Erbsen - etc. Felder gestellt wird, 
zum Verscheuchen der Vogel. Inder 
Rathsordnung der Stadt Brnnnschweig 
bei Leibnitz kommt das Wort: Scho- 
dÜWel(Scheuteiifel) vor, woraus wahr- 
scheinlich, das in Rede stehende Wort 
hervorgegangen ist. In diesem Sinne 
ist jedoch dasselbe in der Altmark ziem- 
h"ch veraltet, indem man dafür: 
SchÜCht'r, FeldSChÜCht'r sagt ; dagegen 
kommt es häuilg im bildlichen Sinne 
voi', nacli welchem es einen IVlenschen 
bezeichnet, der zu Nichts, allenfalls zu 
einer Vogelscheuche, brauclibar ist. 

SchÖtt'l, die Schüssel. SchÖtt'lbÖrt 

S. Bort. 

Schottspöl S. Spol 

Schöw', sorgfältig ausgesuclites 
Langstroh in Bünden, das am untern 
Theil gerade abgeschnitten ist und zum 
Dachdecken verwandt wird. Der 
selten vorkommende Singular heisst: 
Schöf. 

schraui'n S. jaul'n. 

SChraop'n, schrapen, schaben. Tüf- 

fein, Röw'n etc. schraop'n. Dann durch 

Schrapen einen Körper ganz in kleine 
Theile auf losen, um sie für einen zahn- 
losen Mund geniessbar zu machen, z. B. 
Apfel, Möhren für Kinder. Geld tohöp 
schraop'n, Geld zusammenscharren. 

Schraopels oder Schraobsel u. Aff- 

SChraopels , was abgeschrapt ist. Üt- 
SChraop'n, aus einem Topf, Scliüssel 
ctc, die letzten darin noch befindlichen 
Reste in kleinenTheilenmitdeipLüifel, 
Messer etc. heraussuchen u. verzejiren. 
BaortSChraop'r, der Barbier. 

Schreiheister S. Windracker, 
schräm, schröt, schräg. M waont 



schrem oder schröt äöw'r, er wohnt 
schräg gegenüber. 

Schriebt S. Geschricht. 

SChrid'n, schreiten. «rl 

SChrin (Pr. schri, schrjst, schrit und^' 
schrigt; Imperf. und Partie, schrit) = 
schreien. 

SChrinn'dmpers.), ein stark jucken- 
des Gefühl empfinden, stärker alskrin- 
zeln, denn esschliesstschon den Begriff 
des gelinden Schmerzes in sich. Beim 
Kitzel unter denFusssohlen empfindet 
man ein Krinzeln, beim Stechen mit der 
Nadel ein Schrinnen , beim Berühren 

des Nessels ein Brennen. 

SChriw'n (Pr. schriw; Imperf. schref ; 
Partie. schräw'n)= schreiben. SChrä* 
W'n Schrift = Geschriebenes; im Ge- 
gensatz von Gedrucktem, alt. scriban. 

SchrÖundEUernschrÖ, eine aus ab- 
gezogener Ellern rinde zusammenge- 
rollte Dute,^'orin die Landjugend die 
Himbeeren, Brombeeren etc. in den 
Holzungen sich sammelt. 

schröt S. schrem. 

Schrubb'r, eine Bürste mit langer 

Handhabe zum Scheuern d. Stuben etc. 

SChrnbb'n, mit d. Schrubb'r scheuern. 

SchrubbhÜWel, der Hobel des Tisch- 
lers, womit das Rauhe eines Brettes 
fortgeschafft wird, um mit dem 
SchlichthÜW'I dann die Brettseite zu 
ebnen. 

SchruU'n, übleLaune, Verstimmung, 
besonders wenn die Äusserungen mit 
einander im Widerspruch sind. H6hat 
Sin SchrnU'n, er ist böser Laune; hh 

kriggt all wedder sin Schruü'n, er 

kömmt wieder in seine üble Stimmung. 
Schrnmp'I,IUnizel,FaltenimGesicht 
oder beim Obst, das zu früh abgenom- 
men ist, auch vom Wurzelwerk. Da- 

herschrumplig, schrumpeln, inschrnm- 
peln, tohöp schrumpeln. 

24- 



^X^v 



1B8 



Schrftw, die Schraube. 

Schrftwstick'n , der Schraubestock. 

SChrÜW'n (Präs. schrüw, schrüffst ; 
Imp. schrof ; Part, schraob'n) = schrau- 
ben ; l.dieSchrauben anbringen, 2.zum 
Besten haben, vexiren. 

Schu (Subst. u. Ad ject.), die Scheu, 
scheu. 

SCMn S. schuck'n. 

SChnbb'n , die Schuppen, z. B. der 
Fische abmachen ; sick SChnbb'D, sich 
scheuern, wie Kühe, Schweine etc. 
wenn sie Theile d. Körpers an Bäumen 
etc. reiben, von Menschen: die juckende 
Stellen mittels der Kleider scheuern. 
Vgl. schürn. Davon Schubbejack, ein 
Schimpfwort , wörtlich : der sich vor 
Ungeziefer mit der Jacke schubbt, 

Schücht'r S. Schot'ntöffel. 

Schuck, die Scheu. Ick heff'n Schuck 

Väör 'n Aust, ich fürchte mich vor der 
Arbeit in der Erntezeit. Adj. ebenso. 

schuck'n und SChÜ'n, scheuen. Dat 
Part schuckt (schüt) ; h& schuckt sick 

naoHÜS to gaon. Auch sagt man: h5 

iss Schuck ; en' in' Schuck sett'n. 

schttddeln = seh ütteln. 

Schüddelkopp , Jemand , der durch 
Kopfschütteln etwas verneint; davon 
das Verb. SChÜddelkopp'n, verneinen. 

SChnddern, schaudern vor Kälte, vor 
Schreck, bei grausigen Erzählungen. 
Mi schuddert so sagt man auch beim 
Durchziehen eines Fieberfrostes. Datt 
schuddert mi dörch sagt man , wenn 
man den Einfluss einer kalten Witte- 
rung auf den Körper fühlt, ohne dass 
es gerade sehr kalt ist: z.B. an einem 
kühlen Aprilmorgen sagt man wohl: 

deLuchtiss noch so schuddrig; oder 

wenn man etwas sieht, vor dem man 
Ekel u.dgl. empfindet Da durch das 
Schuddern der ganze Körper in Bewe- 
gung gesetzt wird, so sagt man auch: 



dat Hfts schuddert, wenn ein schwer 
beladener Wagen vorüber fährt, oder 
wenn es stark donnert. Bornemann 
sagt von dem Rülpsen eines Menschen : 

denn schuddert de ganze Saol. Das 

Ad ject. heisst SChuddrig, dasSubstant. 

de Schudd'r. 

Schtiff'l mit Schaufel dasselbe Wort, 
aber von verschiedener Bedeutung. 
Zum Grunde liegt schieben und 
dieser Begriff hat sich in SchÜfTl erhal- 
ten. Die Schaufel, plttd. SchÜpp dient, 
Gegenstände damit zu werfen ; Schtlff'I 
ist ein Werkzeug um z. B. Unkraut aus 
den Gängen eines Gartens durch 
Schieben fortzuschaffen. Das Schüf- 
feleisen ist in einem Winkel gegen den 
Stiel geneigt, die Schuppe liegt in der- 
selben Ebene mit dem Stiel. 

schüffein l.mit derSchülTel arbeiten. 
2. ein Knabenspiel mit Stecknadeln. 

Schuft l. das Schulterblatt des Rin- 
des; 2. ein Scheltwort = elender Kerl. 

Schumt, der Uhu (StrixBubo). 

schul! 1. S.Sall,2. Imperf.von schel- 
len = schelten. 

schüllig, schuldig, watt bin 'k schul- 

lig ? was kostet die Waare, Arbeit etc.? 

Schull'r, die Schulter. 

SChÜl'n, schleichen, sich den Augen 
anderer entziehen, aus Furcht, Scham, 
List, Neugierde etc., daher auch die Be- 
deutung: auf etwas lauem, rümm- 
SChÜl'n, herumschleichen; 2. durch 
allerlei Mittel um eine Arbeit herum- 
zukommen suchen. Dao hat he sick 
maolwedderrummschült, da hat eres 

wieder so zu drehen gewusst, dass er 
von der Arbeit frei geblieben ist. 

SChfilp'n, von Schulp, das in Ham- 
burg noch im Begriff von Muschel- 
schale im Gebrauch ist = eine in einem 
Gefäss befindliche Flüssigkeit so in Be- 
wegung setzen, dass sie gegen die Sei- 



189 



tenwand schlägt und den Laut hervor- 
bringt, den das Wort nachahmt, wobei 
auch ein Theil der Flüssigkeit aus dem 
Gefässe herausfliegen kann; in diesem 
Fall heisst es : Üt- oder äÖW'rSChtilp'D. 
Zuweilen gebraucht man es auch in- 
transitiv : dat Waot'r schülpt. 

Schult, der überaus bäuiig in der 
Altmark vorkommende NameSchulze ; 
und: der Dorfschulze. 

Schult von BtilaU (od. wie hier meist 
gesprochen wird : VOU Tälau) im Süd. : 
Koch von Ktilau = der Pfmgstvogel, 
Pirol (Oriolus Galbula). Die Kinder 
singen von ihm : Schult VOn Ttilau, hat 
sick in'n Btidel haut. Oder : Schult von 
Ttilau, woUn bei(d) toBer gaon! Heff 
ken Geld, Un Drir Geld. Oder : Heff ken 
Geld, will watt len; heff kfen Büdel, 
scher to'n Düwel! Oder: Schult von 
Ttilau hätt sick mit't Bil in'n Büdel 
haut ; woll nao'n Rrög gaon, har ken 
Geld! ken Geld! kgn Geld! 

schulwern und schtilwern S. schel- 

wern. 

Schüm, der Schaum; Adj. schtimig. 

SChtim', affSChtim', schäumen (tran- 
sitiv und intransitiv), abschäumen. 

Schtimkell, der SchaumlüfTel. 

Schumniel,ein Scheltwort für den, 
der uns in irgend einem Geschäft über- 
vortheilt, betrügt, noch häufiger für ein 
leichtfertiges flüchtiges Mädchen, wo- 
für auch Hummel, will' Hummel gesagt 
wird. 

schummeln und beschummeln, be- 
trügen, übervorthei len. F^twas stärker 
als das letzte ist : beschuppeu. Dagegen 
sind die-'Ausdrücke belftkseu, bemo- 
geln schwächer in der Bedeutung. 

Schummer, die Abend- u. Morgen- 
dämmerung. In'n Schummer sitt'n, im 
Halbdunkel sitzen. 
schummern, dümmrlg werden, auch : 



im Halbdunkel ohne Licht sitzen und 
traulich mit einander sprechen. Laot 

uns 'n bat'n schummern. Daher: 

Schummersttindk'n, ein trauliches Ge- 
spräch im Halbdunkel. Adj. SChumm« 

rig. 

Schün, die Scheune; Schfindäl, die 

Dreschtenne. Sin Maog'n iss 'n Schün- 

däl, er hat einen starken Appetit, isst 
mehr als ein gewöhnlicher Mensch. 

SChiin (Verbum), geschehen. Datt 
SChut nich oft, das geschieht selten. 
Andere Tempora dieses Verbums sind 
mir nicht bekannt. 

schün = schuck'n (S. oben). 

Schund, jedes nichtsnutzige Ding, 
nur des Wegwerfens werth ; stärker 

als Plunder. 

Schunk'l, die Schaukel, davon SChun« 

kein. 

SChtinn', tOSChtinn', uppSChÜnn', an- 
reizen, autlietzen, um etwas Unrechtes 
auszuführen, oder einen Zank fortzu- 
setzen, damit daraus eine Schlägerei 
hervorgehe. Vgl. auch putsch'u. 

Schflpp l. die Schaufel. FÜrSChtipp, 

Kaornschtipp. Vergl. auch Schöff*!. 
2. der verzogene Mund bei kleinen 
Kindern, wenn sie weinen wollen. 

Dat Kind maokt 'n Schtippk'n. Verb.: 

SChtipp'n, schaufeln. 

Schtippen, Pique im Kartenspiel. 

Schupps, der Stoss, mit dem Arm 
oder dem ganzen Körper. 

SChuppsen, durch einen Stoss Je- 
manden in Bewegung setzen. He 
schuppst mi geschieht in der Altmark 
nicht mit demFuss, das nurstöt'u heisst, 
sondern mit den Händen , oder mehr 
noch mit dem ganzen Körper. 

Schür bedeutete früher ein Feli, 
Decke derThiere. Davon der allge- 
meine Begrill einer Bcdacluing, 



190 



Waog'nschür, Torfschür; in't Schür 

gaon — untertreten, um sich z.B. vor 
Regen zu schützen. 2. ein Regen- 
schauer, gieichbedentend mit Swäfk, 
einvorübergehender.nichtanhakender, 
Regen, Hagel etc. 3. kramphhafte Zu- 
fälle,' besonders bei kleinen Kindern. 
In dieser Bedeutunö; wird in der F^eael 
das Dimin. Schurk'n gebr. Mlü Dem 
litt an Schürkens, meine Tochter leidet 
an krampbhaften Zufällen. 4. plötz- 
liche .Anwandlungen von Schelten, 

Lärm^Toben etc. He hat hut wedder 

sin dullen Schür. 5. In der Redensart : 

'ü ganz oder göd Schür slaop'n, wen' 

liat es die Bedeutung von: Zeit; eine 
längere Zeit scblafen , weinen. Ganz 
verschieden im Begriff kommt dies 
.Wort in der Redensart: en'n watttom 
Schür dön — Jemandem etwas zum 
Possen tliiin, um ihm zu schaden, dann 
ist das Wort von SChärn, zum Besten 
haben , abgeleitet. Vergl. schurigeln. 
afFschÜrn, durch eine Wand oder Quer- 
stangen trennen. Wenn z. B. zwei 
Schweine auf einen Koben sich beissen, 
so schürt man eins ab, d. h. man bringt 
zwischen beide Bretter etc., wodurch 
sie getrennt werden, dörchschüm, ein 
Zimmer, einen Stall etc. durch eine 
Wand in zwei Theile theilen. 

schurig 1. vor Wind und Regen ge- 
schützt, 2. behaglich. Tritt Jemand aus 
der Kälte in ein Haus oder massig er- 
wärmtes Zimmer, so sagt er : Hir iss 't 

sohurig. 

Schurk'n S. Schur. 

schtir'n, scheuern ; sick schur'n, sich 
scheuern, reiben, auch: die Haut ab- 

stossen. 

schurekeln u. schurigeln, stärker im 

Begriffals SChauäkcln, Jemanden ohne 
Auflioren schären, aufziehen, zum 
Besten haben, plagen. (Vergl. SchÜr.) 



He schurigelt mi watt erlichs bedeutet 

1. er vexirt mich unaufhörlich, was 
meist mit lachendem Munde geschieht 
und selten böse gemeint ist. 2. er plagt 
mich unaufiiörlich mit Arbeiten, lässt 
mich gar nicht zur Ruhe kommen. 

SChurr'n l. über etwas rutschen, hin- 
gleiten. Die Knaben scliurren, wenn sie 
nach genommenem Anlauf über das Eis 
mit den Füssen hingleiten; wir sagen 
dafür auch sliddern, gleich einem 
Schlitten (Släd'n) über das Eis hinglei- 
ten; davon Schurrbaon, Slidd'rbaon. 

2. scharren mit den Füssen. Schurr 

'ü Disch 'n bat'n ran = schiebe den 

Tisch näher heran, oder: de Pott 

schurrt von Disch raff, der Topf 

steht nicht sicher, er kann leicht abglei- 
ten. Bildlich ist die Redensart: 't Ät'n 
will nich SChurr'n, ich habe keinen Ap- 
petit, oder: die Speise schmeckt mir 
nicht. Vgl. auch giid'n. Affschurr'n be- 
deutet auch : sterben. He isS affschurrt. 

SChÜt, geschieht, 3.Pr. von gesche- 
hen; dage4en SChÜtt, 3. Präsens von 
SCheten, schiessen. 

Schutt', die Schleuse. 

schüttkern, unnützer Weise mit 
dem Feuergewehr schiessen. Wer dies 
thut ist ein Schtittker, auch so viel als : 
ein schlechter Schütze, Jäger, sein. 

SchÜw'r, der Schieber, Riegel. 

SChUW'n (Pr. schüw,schüllst; Imp. 
schof; Im perat. schuf; Part. schaob'n), 
goth. skiuban, schieben. Unsere Kin- 
der wärterinnensingen zur Beruhigung 
und Belustigung der Kinder; Backe, 

backe Koken, de Bäck'r hat all röp'n, 
wer will enen Koken backen, demütt 
hebb'n säöwen Sachen : Eier un Solt, 
Bott'r un Smoit, Melk un Mal, Safitan 
maokt den Kök'n gal ; schuf in'n Aow'n, 
schuf in'n Aow'n. 

Schuwkarr', der Schiebkarren. 



191 



|i SchUWiaod, die Schieblade. 

Seund Sfek'n S. He und Hek'n. 
Segg, die Segge (Carex), Adjectiv 

seggig. 

Sei, Traber vom Malz. 

Seiw'r und SaWW'r l. der Speichel, 
der kleinen Kindern häufig aus dem 
Munde zu fliessen pflegr. 2. die Ta- 
backslauge in dem Pfeifenabguss. 

Seiwern S. sabbeln. 

Seich' S. Piss'. 

Seiling, ein Tagewerk beim Korn 

säen, si'n Seiiing dön. 

sei'n, säen, goth, u. alts. saian. 

Seissl und SeSSl, die Sense, nicht: 
Sichel. 

Seiss'iblöm , der gemeine Reiher- 
schnabel (Erodium cicutarium). 

Sek, blass, bleich, von Menschen mit 
kränklicher Gesichtsfarbe gebr., von 
Sük, die Krankheit. 

Sei 1. die Seele (animus); 2. die 
Fischblase des Herings ; 3. die innere 
Haut des Gänsekiels. 

Selk'n, Diminut.von Sei (die Seele) 
drückt die recht innige Liebe zu einem 

Kinde aus. Ach min Selk'n, watt heff 
ick di lef. 

Sell'n, trödeln, besonders mit alten 
Kleidern. 

Seiler, ein Mann; SellerSCh, eine 
Frau, die alte Kleider zum Verkauf hat, 
auch Kledersellersch gen. Diese Wör- 
ter werden jetzt nur noch selten gehört. 
Sellschopp, Gesellschaft, Begleitung. 

In Sellschopp gaon. 

Seltaog'n, in den letzten Zügen lie- 
gen, wird bei uns nur im bildlichen 
Sinne von Kindern gebr., wenn sie eine 
grosse Müdigkeit zeigen, und bereits 
die Augenlider schliessen, sie aber noch 
mit M ülie zuweilen öflhen. 

Sfemhonnig, der geseimte Honig. 

semig , seimig. De Sapp , Brüh iss 



semig, wenn sie nicht wasserdünne ist, 
sondern durch einenZusatz von Mehl, 
Eiern u.dgl. eine etwas weniger flüs- 
sige Form angenommen hat. 

SemmelstuU S. Stull. 

Serap, der Senf, Mostrich. He mütt 

oksinSemp daotogäw'n, er will auch ^ 

sein (nicht verlangtes) Wort drein 
reden. 

Semsbläd'r, die Blätter des Sennes- 
baums (Cassia senna), als Abführungs- 
mittel vom Landmann viel gebr. 

Sen (Pr. se, süst ; Imperf. sä, scg und 
sagg; Imperat. sü (gewöhnlicli kikj): 
Part, sen) = sehen. 

senkig, sich senkend, z.B. vom Fuss- 
boden, Acker etc. 

Sep, die Seife. Verb, sep'n, insep'n. 

SSr, eiternder Ausschlag der Haut, 
das Adj. lautet ebenso. He hat 'n sem 
Kopp. Das goth. s a r und das alts. s e r 
bedeutet Schmerz, Wunde. Seik'n, der 
Mundausschlag säugender Kinder, be- 
stehend in weissen Bläschen auf der 
Zunge. Gleichbedeuc. ist Swämmk'n. 

Sett'n, alts. settian (Pr. sett, Imp. sett, 
Part, sett) 1. setzen, ponere, coUocare. 
DatWäd'r Settsick, es fangt an, gutes 
Wetter zu werden und giebt dieHofF- 
nune, dass es gut bleiben M'ird. 2. pflan- 
zen," Hast all Tüffeln sett? 

Sibold S. JumferSibüld. 

SibÜrk'n S. Zibürk'n. 

sichten, sieben z.B. das Korn. Vgl. 
Saft. 

sick, Pron. renex.,sich. 

Sid (der Ton rul)t etwas Iai>geaiif i, 
wodurch essich von Sit unterscheidet), 
die Seide, wovon das Adject. sid'n. 

Sidök, ein leinenes Tuch, durch wel- 
ches die M ilch geseihet wird. 

sikern S. sipern. 

Sll'n, Siltüg, S. Säl. 

Sil l.dieSchicuic,auch Wass«?rrülire 



192 



oder tborartige Öffnung zur Ableitung 
des Wassers. 2. ein Stadtthor. 3. gleich 
Sal S. oben. 

simeiern (simuHren), über etwas 
nachdenken, grübeln. 

SimiQS l. das Gesimse ; 2. die pferde- 
haarne Angelschnur. 

sin, (Pron.), sein, Femin. är, äör, ihr. 
Ein eigenthümlicher Gebrauch dieses 
Pronomens findet statt, wenn das 
Eigenthum einer Person ausge- 
drückt werden soll, entstanden aus dem 
grossen Mangel an Genitivformen. Die 
besitzende Person wird durch den Ac- 
cusativ ausgedrückt, dann folgt das 
Pronomen mit dem Gegenstand des Be- 
sitzes im Nominat. Min Vaoder sin flöt, 
Mudder äör Schört, uns' Vedder sin 
Gaorn, deBürnarPar, die Pferde der 
Bauern. Dabei hat das natürliche Ge- 
schlecht den Vorzug vor dem gram- 
matischen : datffiäk'n Er Schört nicht: 
sin Schört, die Schürze des Mädchens. 
Man sagt sogar: 'tissminsin, das ge- 
hört mir. Dieser Gebrauch des sinetC. 
findet auch statt, wenn ein Pronomen 
demonstr. anstatt eines Subst. vorauf- 
geht, z. B. datt iss düssen sin Bök, düss 
6r Hot, denn' sin Glas, de er Disch= 
diesBuch, Hut, Glas, Tisch gehört die- 
sem, dieser, jenem, jenen. Auch bei 
dem Pronom. interr. Wgfc Sin Stäw'I IsS 
datt ?= wessen Stiefel ist das? Wek 
5r Spinnrad iss datt? = welcher Frau 
gehört dies Spinnrad ? Bezieht sich 
der Genitiv nicht auf Personen, sondern 
auf Sachen, so wird das Pronomen sin 
nicht gebraucht, sondern diePräposit. 

von, z.B.: de BrM von de Gaorn iss 

dürttig Schritt, die Breite des Gartens 
beträgt 30 Schritte. Will man das um- 
schreibende Pronomen sin vermeiden, 
so bildetmaneineeigene Art von Genit. 
durch Hinzufügung eines S und stellt 



das Hauptwort nach: Vaoders StÜW, 
Naowers Hön'r, Mudders H6t, so dass 
also das S auch den Feminis angehängt 
wird. 

sin (Verb.), Wäsen= sein (esse),Pr. 
bin, bist, iss, im PI: sLind ; Imperf. waor, 
wer, was ; Im per. si u. was ; Part. west. 

sin, seihen, durchseihen, besonders 
von der Milch gebr., wenn sie aus dem 
Milcheimer durch ein dünnes Tuch 
(Sidök) in die Milchbehälter geseiet 
wird. Diese Operation heisstuppstn. 

Sinböm , Christbaum, Weihnachts- 
baum, eigentlich : Rosinenbaum. 

Sing'n hat neben den Bedeutungen 
des Nhd. auch den von : sieden, welches 
letztere Wort dasPittd. in der Altmark 
nicht kennt. 

Sinigte, dat, das Seinige. 

sinnig l.Verstand.Nachdenken ver- 
rathend. Im Magdeburger Recht von 
1233 kommt Sinnekeitfür Verstand 
vor. 2. Gegensatz von stark, heftig. 

Datt räg'nt recht sinnig oder : 'n sinnig 

Räg'n, wenn der Regen in feinen Tro- 
pfen ruhig herabfällt, der Staubregen. 

Laot de Pär man sinnig to gaon, lass die 

Pferde nurso langsam fortgehen. 3 er- 
innerlich, 't iss mi so sinnig, ich erin- 
nere mich dessen so eben. 

sipern S. sip'n. 

sip'n, eine wässerige Feuchtigkeit 
von sich geben. Wenn auseinerWunde, 
die noch kein Blut giebt, das Serum aus- 
schwitzt, so heisst es : 't SUppt. Kommt 
die Feuchtigkeit stärker hervor, so dass 
sie ausderWundefliesst, nichtunmerk- 
lich ausschwitzt, so heisst es: 't dmllt 
rftt (S. oben). Diese Wörter werden 
aber nicht blos von W^unden, sondern 
auch von jeder in geringem Grade her- 
vortretenden Feuchtigkeit gebr. Davon 
dasFrequent sipern u. sikem, ersteres 
von Wunden, letzteres vorzugsweise 



i 



193 



vonGefassen gebraucht,, die nicht fest 
schliessen, aus denen vielmehr die Flüs- 
sigkeit tropfenweise hervorquillt. 

Sipott = Satt S.oben. 

siso, so also; bei Fragen und Ant- 
worten. 

Siss! siss! Interjectionen , womit 
man säugende Fohlen zu locken pflegt. 
Daher SiSSfoH'nod. SiSSmann, ein sau- 
gendes Fühlen. 

Sit, alts. sida, die Seite ;Iipp dÜSS Sit, 
auf dieser Seite. Specksit, die Speck- 
seite. Das Sprichwort: de Wost nao 
d' Specksit smit'n ist auch ins Hoch- 
deutsche übergegangen, 

Sit, seicht, niedrig. Sit Water, 'ns!- 
den Stöl=niedriges Wasser(im Fluss), 
ein Stuhl mit kurzen Beinen. sitUOWit, 
weit imd breit. Das goth. siggen, alts. 
und angels. sinkan = sinken , senken,- 
Hegt zum Grunde. Von flack oder flöt 
(Vgl. oben) unterscheidet sich Sit, dass 
bei diesem nur auf das Gesunkensein 
des Wassers gegen früher gedacht 
wird, während bei jenem Worte nur 
die geringe Dimension in der Tiefe in 
Betracht kommt. 

Sit (Adverb.), seit, slt gistern bin 
'kweddersund. 

Sttfeld ; bei vielen Dörfern der Alt- 
mark wird der niedrig liegende Theil 
der Feldmark sogenannt. Vor der Se- 
paration hatte jeder Bauer seinen Theil 
darin. 

sitt'n (ick sitt, set und satt, säten) = 
sitzen, goth. sitan, alts. sittian ; sitt'tt 
gaon, sich setzen ; gao sitt'n, setze dich, 
wörtlich : gehe sitzen. 

slabb'n l. schlappen, mit Geräusch 
essen und trinken, nach Art derHundö 
und Schweine; gebildet aus Slap, das 
Geräusch nachahmend. SUbb'nichso! 
ein Warnungsruf lür Kinder, welche 
sich leicht diese Unart angewöhnen. 



In slabb' ftt bedeutet es schlechtweg : 
essen, besonders solche Speisen, die 
mit dem Löflel genommen werden. 
2. seinen Anzug durch Unordnung ver- 
derben. Sö verslabbt all' Er Ttig, sie 
nimmtihre Kleidung gar nicht in Acht. 
In dieser Bedeutg. wird auch : slamp'n, 
Slampamp'n gebraucht. Endlich?, ge- 
braucht man es für eine unordentliche' 
Hauswirtschaft, die aUsIVlangel an Spar- 
samkeit und aus Unordnung zu Grunde 

geht : De hemm alls verslappt. Wer so 
handelt ist ein Slamp, Slampamp. 

Slabbsack, Schimpfwort für ein 
Frauenzimmer, das seineKleidung ver- 
slappt, und unordentlich u. schmutzig 
einhergeht. 

slabbern i. das Frequ. von slabb'o, 

jedoch nur in der ersten dort angege- 
benen Bedeutung. 2. bedeutet es : beim 
Sprechen oder Hersagen von Memorir- 
tem ohne allen Accent, ganz monoton 
und. schnell durch Verschlucken von 
Buchstaben und Silben reden, wie dies 
bei Kindern beim Hersagen von Tisch- 
gebeten in der Regel der Fall ist. bc« 
slabbern, sich beim Essen und Trinken 
besudeln, beklickern. Daher Slabber« 
d6k u. Klickbrett, die Kinderserviette. 
slabbrig wird hauptsächlich von 
Speisen gebr., die nichts Consistentes 
haben, was der Landmann aber verlangt 
z. B. dünne Suppen, Kafteeetc. slab- 

brige Haowergrütt. 2. geschwätzig. 

Slackern, beim Essen etwas auf die 
Kleider fallen lassen, wodurch diese be- 
schmutzt werden. Klackern ist dasselbe 
und kommt als Composit. sick bekla* 

ckern, toklackern vor. 

Slackig wird besonders vom Wetter 
gebraucht, wenn durch anhaltendenRe- 
gen die Wege etc. schmutzig werden. 
Slackig Wäd'r in der Bedeutung nicht 
verschieden von ichlickrig Wäd'r. 

25 



im 



:TiSladd'r, lumpige, zerrissehe KleU 
düiigsstlicke. Dann: ein Frauenzim- 
mer, dassladdrige Kleidung trägt. Das 

Verbum ist : sladdern. 

Sladdrig bedeutet 1. zerlumpt, zer- 
fetzt. 2. wird es von Dingen gebr., die 
schlaff, schlotternd herabhängen, z. B. 
von der Wäsche, die nicht genug ge- 
steift ist, von Stangenbohnen, die sich 
nicht um die Stange wickeln, sondern 
schlafi herumliegen, von denmusculö- 
sen Theilen des Greisenkörpers, denen 
die frühere Elasticität fehlt u.dgl. 
n\ Släd'n, der Schlitten ; unterscheidet 
sich von SlÖp,dassjenereinen Sitzkasten 
wenigstens Rungen hat, welche beide 
bei der Slöp fehlen. Diese dient haupt- 
sächlich zum Fortschaffen des Düngers 
aus den Viehställen oder grosser Gra- 
uitblöcke etc. j-j;; »- i .rsi ;^<:- 

Slafittj'n, Slafuttj'n konlftit nur in di 
Redensart vor: en'nbi'n Slafittj'n krig'n 

= Jemanden angreifen, um ihn z. B. aus 
dem Hause zu werfen ; also etwa so viel 
als: handgreiflich werden, 'vi-b'ii'/* i :»' 
.^iSlag! eine Interjection, die beson- 
ders zur Verstärkung einerBehauptung 
dient. 

.9 , Slag (Subst.), Geschlecht, Art. Datt 
iSS nao min'n Slag, das ist nach meiner 

Art. 'n göden Slag fflinschen, ein guter 

Menschenschlag ; von IVlenschen, Thie- 

ren und leblosen Dingen im Gebrauch. 

slagt'n(Verbum von Slag, nicht zu 

verwechs., mit schlachten, abschlach- 
ten, das einem andern Stamme ange- 
hört) = nacharten, ins Geschlecht ein- 
schlagen, an Sinnesart gleich sein. H6 
Slagt nao sin' Yaoder kann heissen : er 
sieht seinem Vater äusserlich ähnlich, 
und: er hat die Gewohnheiten, Denk-, 
Sinnes - und Handlunosweise seines 

Vaters. He slagt 'o bat'n nao mi, er 

artet ein wenig nach mir. Seltener 



wird dafür ■ nao aorn(nach.'»rten) ge- 

hrjUcht. 

Slamp und Slamparap S. slabb'n. 
Slanz S. Slunzi> .(i jjb^ 

Släp, die Schleppe am Kleide. 
Släpig, schleppend, besonders vom 

Gange gebraucht. De Dfem hat 'n slEpi- 
g'nGang. "^ M 

8lap'n,5chleppen. 'I " 

slapp, schlaff; als Subst : die Maul- 
schelle, Ohrfeige. 

Slapps, ein Scheltwort. Ein Non- 
chalant. Vgl.Flabbs. 

Slä(r)n, slnrrn, beim Gehen die Füsse 
nicht gehörig aufheben, so dass man die 
Sohlen u. Absätze derFussbekleidung 
Über den Boden hinschleift. Da d ies am 
häufigsten von dem geschieht, der Pan- 
toffeln trägt, so heissendiese auch Slär'tt 
besonders wenn sie von abgetragenen 
Stiefeln abgeschnitten sind und keine 
Hackenleder haben. Von slapp'n un- 
terscheidet sich slär'n wesentlich ; jenes 
bedeut. nur das Aushacken der Schuhe, 
wenn sie zu gross sind und beim Gehen 
vom Hacken abgleiten ; släm kann man 
nur mit Schuhen, wenn das Hackenle- 
der niedergetreten ist, slapp'n nur: 
wenn dies hintere Leder noch in der 
Höhe steht. Vgl. slabb'n. 

Slät (von slit'n = schleissen, was 
noch in Hamburg und Bremen im Ge- 
brauch ist) = das Verbrauchen, Abge- 

nutztwerdeii. DeRockiss upp'n Sllt, 

der Rock hält etwas ab, verbraucht sicli 

nicht so leicht. Eh hat 'n gröt'n Siat, er 

hat viel Gesinde, Wagen, Spann vieh etc. 
zu seiner Wirth&chaft nöthig. 

Slaod6t, ein grosser langer Mensch. 

Datt iss'nSiaodot von Karl, das ist ein 

gewaltig grosser Mann. 

Slaog', ein grosser hölzerner, an bei- 
den Enden mit eisernen Reifen verse- 
hener Schlägel, womit der Holzhauer 



195 



die eisernen Keile zum Zerspalten ins 
Holz treibt, heisst auch HoItslaOg. 

Släöks, ein Scheltwort, in ziemlich 
allgemeinerBedeiitung, eii^entlich : der 
Faulenzer. ImGottingischen bedeutet 
läök'n, aus Trägkeit langsam gehen. 
-IStläÖksig, das Ad j. davon. Auch das 
Verb, siäöks'n kommt hie und da vor. 

Slaon (Pr.slao,sleist; Imperf. slog; 
Part, slaon) = schlagen, mit allen Be- 
deutungen des Neuhd. alts. slahan. 
InsldOn, einschlagen, gelingen. 
j Slaop, Dimin. SläÖpk'n, der Schlaf. 
'n SläÖpk'n maok'n, ein wenig scbium- 
meni. 

Slaop'n, alts. slapan, (Präsens slaop, 
slüppst; Imperf. slep; Part, slaop'n) = 
schlafen. Ein vielfach vorkommendes 
Wiegenlied heisst: Slaop, Kindken, 

'slaop, bnt'n steit 'n Schaop, datt iss di 
gaor 'n fraomes Blöt drüm sünd am alle 
Minschen göd, slaop, Kindken, slaop ! 
Oder : Slaop, Kindken, slaop ! im Gaorn 
sttnd twe Schaop, en swartes nn ^n 
Wittes, nnwenn datKind nich slaop'n 
will, so ktimmt dat swart nn bitt ett. 
Od. : Slaop, Kindk'n, slaop ! din Yaoder 
höd' de Schaop, din Mudder höd' de 
bnnte Gös, de Yaoder sitt bi'nBerkrös, 
slaop, Kindk'n, slaop ! 

Slaop'nstid, Schlafenszeit. 

Släöt'l, der Schlüssel, alts. slutil. 

Slaow, der Sclave im tropischen 
Sinne; sickslaow'n, sich arbeitend ab- 
quälen, 

Slef, ein Scheltwort für einen langen, 
schlaflen und plumpen Menschen. 

Slfetheissen, die Bretter oder runden 
Hölzer über der Tenne einer Scheune, 
um das eingefahrene Korn darauf zu 
legen ; sie liegen lose und niclit eng 
zusammen. 

SU, die Schleihe, ein Fisch (tinea). 

Blick ist ülles, was sich schleimartig 



an einen Körper ansetzt. Lange Ini 
Wasser gelegenes Holz überzieht sich 
mit Slick. Elbenso das Öl und Fett, wo- 
mit ein Gei^enstand zur Vermeidung 
der Friction überzogen wird, z. B. Wa- 
genachsen. A uch der Schleim , M'omit 
die Haut des Aals und anderer Fische 
überzogen ist, heisst so 

slickrig, das Adjectiv vom vorigen. 
Slickrig Wad'r bedeutet die Witterung, 
wenn es bald regnet bald schneit, wo- 
durch die Wege glatt werden, slickern, 
slickerig sein. De Fötstig slickert, der 
Fusssteig ist vom Regen glatt gewor- 
den. Im abgeleiteten Sinn wird es auch 
von Speisen gebr., die glatt hinunter- 
gehen z, B. von Austern. Burnemann 

sagt: Se slickerten manchmaol mit 
Enns den ganzen Eierkök'n upp. 

Sliddern S. schurr'n. 
slik'n,(Präs.slik, Imperf. slek, Part, 
släk'n) = schleichen. Laot slik'n, lass 
es nur so hingehen, bemerke es nicht. 

Sllkfister, ein Mensch, der auf eine 
hinterlistige Weisesich bei Jemandem 
einschmeichelt. 

Slik'r, der Schleicher, im eigentlich, 
und bildlichen Sinne, für letztern sagt 
man auch : Llsk'nsllk'r. 
Slim, d. Schleim, schwächer als Slick. 
Slink 1. Einfassung eines offenen 
Brunnens. 2. Eisenstäbe über einem 
Erdloch. 3. statt Geschlinge = Einge- 
weide ohne Gedärme, also Herz, Leber, 
Lunge. 

Sllp'n (Im perf. slöp wenig im Gebr.) 
= schleifen, z, B, Schneideinstrumente. 
Daher Schfernsllper, Scheerenschleifer ; 
SlipstSn, der Schleifstein. 

slipig, schleifig. So netmt man die 
Kartoffeln, wenn sie noch nicht die ge- 
hörige Reife haben, gekocht noch niclit 
mehlig sind, sondern b. Durchsclmei- 
den noch wie geschliffen aussehen. 



196 



Slipp 1. der Zipfel; daher 2. "eine 
Stirnbedeckung der Frauen zur Zeit 
der Trauer. Kommt bei gänzlicher 
Umwandelung der bürgerlichen Klei- 
dung nicht mehr vor. 

slipp'n, schlitzen. Ick hefif mi'n Fin- 
ger slippt, ich habe eine Risswunde am 
Finger. 

sloddern, schlottern in seinen ver- 
schiedenen Bedeutungen. Das Adject. 
sloddrigwird neben der gewöhnlich. 
Bedeutung des Nhd. schlottrig auch 
vom Kopfkohl gebr., der keine festen 
Köpfe bildet. 

slöm', schlemmen; Slömer, der 
Schlemmer. ;-■■;'; 

SlBn' , die Schlehen , Fpüdite des 
Schwarzdorns. 

Slop 1. die Schleife, z. B. aus Bändern ; 
2. der Schlitten. Vgl.SIäd'n. 

slöp'n, schleifen ; die Leinwand mit 
Schleifen versehen , um sie auf die 
Bleiche zu bringen. 2. Lasten auf der 
Slöp fortschaffen. 

Slöp'ndriw'r, Schimpfwort für einen 
Menschen, der nichts Ordentliches vor- 
nimmt, seine Zeit unnütz vergeudet, 
ein nichtsnutziger Bengel. 

^.^jUott .1. das Schloss (an der Thür) ; 
2. Palast, Fürstenwohnung. 

Slött'l, der Schlüssel. 

slowitt, schneeweiss. In Bremen ist 
Sin als ein Substant. noch gebräuchlich 
für Schnee. 

, . .Sluck,Dimin.SlÜcks'n, so viel Flüs- 
sigkeit, als man mit einem Male nieder- 
schlucken kann, eine kleine Portion 
Branntwein. Giff mi 'ü Slnck. — Sink- 
Wächter, ein starker Trinker. 

Slnck-npp, Snnck-npp,auch Hncknpp 

und Hickupp, das Schluchzen, der 

Schlucken (Singultus). Ickheff 'nSlnck- 
npp. 



slüdern wird vom Garn, Zwirn etc. 
gebraucht, wenn beim Abwickeln, Ab- 
haspeln etc. die Fäden ijicht in der Ord- 
nung liegen bleiben, sondern sich zu- 
sammenziehen u. schwer zu entwirren 
sind. Durch Letzteres unterscheidet 

es sich von sDärk'n u. von tfidern, ver- 
ludern, was dem SlÜdern voraufgeht, 
indem bei jenem erst einzelne Fäden, 
hier aber das Ganze in Verwirrung ist. 
Dann bedeutet es so viel als : verschleu- 
dern. Der Handwerker, welcher seine 
Arbeit unter dem Werthe weggiebt, 
slüdert u.heisst 'nSlüderer. Das Adject. 
Slüdrig hat neben seiner eigentlichen 
Bedeutg. auch die von : schlotterig. 

Datt iss 'n slüdrige Arbeit. 

Slük, Slunk u. Sltik'r, die Speiseröhre, 
der Darm vom Munde bis zum Mager», 
die ersten beiden Formen , besonders 
beimRinde, die letzte mehr von Men- 
schen imGebrauch; von slük'n=schlu- 
cken. 

Slükwächt'r S. Sluck. 
Slump, derZufal1,Glücksfall, worauf 
man nicht gerechnet hat. 't was 'n rech- 
tenSlnmp. Das Verb, davon istsinmp'n. 
Datt hat recht slnmpt. Adject. slnmp- 
wis. 

Slnmperjaon, schlechter Hand werks- 
mann, auch Arbeiter überhaupt, dem es 
gleich ist, wie die Arbeit geräth. . 

Slüng'l,der Schlingel, ein Schimpf- 
wort. 

Slnnk S. Sluk, 

Slnnz u. Slanz, ein Kleidungsstück, 
das vor Alter etc. sich in Lumpen auf- 
gelöset hat ; Betten, in denen sich sehr 
wenig Federn befinden. Auch von 
Frauenzimmern , die slunzige Kleider 
anziehen, imGebrauch. Adj. slnnzig, 

slanzig. 
Slnpp^eineÖfi'nung in einem Gehege, 



197 



oder in einer Waldung, durch die man 
schlüpfen kann. 

Slurr'n S. slar'n. 

Slüt'n (Präs. slüt, Imperf. slot, Partie, 
slaot'n) = scliliessen. De Slött'l sititt 
nich, der Schlüssel schliesst nicht. 

SIÜW', die Schlaube, Schale von Erb- 
sen, Bohnen etc.; die von Kartoffeln 
heisst Pell'. 

smachtig, schmachtend vor Durst, 
vom Hunger wird es in der Altmark 
nicht gebraucht. 

Smack, Geschmack. 

smack'n, schmatzen beim Essen, 
Trinken. Die Bedeutung: küssen, 
hat es bei uns nicht. 

Smäd', die Schmiede; Smett, Plural 
Smäd 1. der Schmidt; 2. der Springkä- 
fer (EJater). 

Sinä(d)'n, schmieden. 

Smaddem, sudeln, mit flüssigen 
Dingen verunreinigen. Beim Schrei- 
ben bedeutet es sowohl Dintenkleckse 
machen als auch schlecht und flüchtig 
schreiben, und dabei das Papier 
nicht sauber erhalten. Mit dem Talg- 
licht smaddert man, wenn man die ge- 
schmolzenen Talgtheile abfliessen lässt 
und so Leuchter etc. verunreinigt. 

Smadder, alles was durch das Smad- 
dern hervorgebracht wird. Adjectiv 

smaddrig. 

Smädknecht S. Smättworm. 

smägtich, lang u. verhältnissmässig 
dünne. 

smälich, Bezeichnung des Superla- 
tivs S. gefährlich. 

Smalt S. Smolt. 

Smaltstull S. Stull. 

Smär, die Schramme; häufiger noch 

die Narbe, die nach einer geheilten 

Eleischwunde zurückbleibt, 'n gröten 

Smär in't Gesicht, eine lange Narbe im 

^Gesicht. 



Smär'D, schmieren in allen Bedeutun- 
gen des Neuhd. Wer göt smart, de göt 

fort, wer andere besticht, erreicht sei- 
nen Zweck, smärig, sclunierig Das 
alts. s m e r ist adeps. 

Smarpas'l, Scheltwort für de», der 
seineKleider besudelt hat. jag 

Smät, ein Wurf; wird besonders ge- 
braucht, um eine kurze Entfernung 
auszudrücken. Vgl. blalFn. 

Smättworm u. Smädknecht, Spring« 

bock, der Springkäfer, die Gattung 
Elater. Kinderspielen gern damit und 
nennen dies Spiel: Ick hör to, wat de 
Klock slög. Sie setzen sich um einen 
solchen gefangenen Käfer herum, legen 
ihn auf den Rücken und rufen : Smätt* 

worm, watt iss de RIock ? So ofc er 

sichln dieHöhe schnellt, zählen sie ; en, 
twe, dreeto. Lauter Jubel erhebt sich, 
wenn über zwölf gezählt wird. 

Smelt'n, schmelzen (Partie, smolt'n 
und smult'n), transit. und intransitiv. 

Smidig, geschmeidig, biegsam. 

smit'n (Imperf. smet, Part.smät'n) = 
schmeissen, werfen ; im Plttd. kein un- 
edler Ausdruck, und fasstnurimGebr. 
statt : werfen, so auch in allen Composi- 
tis. affsmit'n l. abwerfen, im Spiel. 
2. im Sinn von einbringen, eintragen. 
Wird Jemand aufgemuntert etwas zu 
kaufen, so antwortet er wohl : datt will 

't nich affsmit'n. 

Smitt 1. der flockige Russ, der sich 
an die beim Feuer stehenden Kochge- 
schirre setzt. 2. der Brand im Weizen, 
Hafer und in der Gerste. Im Angels, 
bedeutet smittu derSclmiutz. 

Smök, Smökfur l. der Schmauch, 
Rauch ohne sichtbare Flamme. Smök 
maok'n, durch Sägespäne und andere 
nicht hell brennende Holzgegenstände 
Rauch verursachen, um die Räucher- 
kummer damit anzuiüilen. ROk QU 



198 



Smök wird oft verbunden. 2. der Ne- 
bel. Ad j. smökig VI. smökrig, letzteres 
auch vom entfernten Nebel und Höhen- 
rauchs Im Süden der Altmark heisst 
dieKlatschrose (Papaver Rlioeas) auch 

Smök. 

smök'n, smSk'n u. smökern i. Smök 

hervorbringen ; 2. Taback rauchen. 

Vgl. srnBrn. 

Smok'r l. ein starker Tabackraucher ; 

2. ein altes unansehnliches Bucli. 

Smökstaok'n, die Tabackspfeife, im 
verächtlichen Sinne. 

Smol'n, dampfen, wird gebraucht 
1. vom starken Staube, der sich bei 
grosser Dürre beim Gehen, Fahren etc. 
auf den Feldwegen erhebt ; 2. vom star- 
ken Thau und Nebel, der sich erhebt 
od. niederfällt, von feinem Staubregen ; 

3. vom Feuer, das nicht ordentlich 
brennt, sondern nur viel Rauch ent- 
wickelt. Vgl. smök'n. 

Smolt und Smalt, der Schmalz. De 
App'l iSS so Wek, aSS Smolt. Von un- 
schmackhaften Speisen sagt man; Dao 

iss nicht Solt nick Smolt an. 

Smörn, schmoren, figürlich: der 
brennenden Sonnenhitze ausgesetzt 
sein und so stark schwitzen. 

SmÖrpott, Bratpfanne. 

Smu, der Vortheil, Gewinn. 

Smnck Hand gäw'n , einen Eintre- 
tenden durch Darreichen der Hand be- 
grüssen, wird besonders bei Kindern 
gebraucht, diedieszuthun aufgefordert 

werden. GiffsmnckHand! 

Smnddeln, schmutzig werden und 
schmutzig machen. Dat Tüg Smuddelt 
liebt, das Kleid etc. wird leicht schmu- 
tzig, wenn es z.B. helle Farben hat. 
Hast di tosmnddelt, dein Anzug ist 
nicht mehr rein. Das Wort drückt 
einen geringenGrad desSchmutzes aus. 
Wenn dIeWäsche, d. Schreibpapier etc. 



ihre frische glänzende Weisse und na- 
türliche Farbe nicht mehr haben, ohne 
eigentlich schmutzig zu sein, so nennt 
man es schon smnddlich. Längeres 
Tragen d. Wäsche, die dadurch smndd» 
lieh wird, verursacht daslngrimmcln. 
Siehe oben unter grimmein. Substant. : 
Smndd'l, Adj. smuddlig, das auch von 
einer feuchten Witterung im Gebrauch 

ist: 'tisssmnddligWäd'r. 

smuggeln, Schleichhandel treiben. 
Smuggler, der Schleichhändler. 

Smnrgel, Jauche im Pfeifenabguss. 

smustern u. smnnstern, aus Wohl- 
gefallen heimlich lächeln. 

snabnlir'n, mit Behaglichkeit essen. 
Snack, Plauderei, Gerede, Gewäsch. 

Watt iss datt väör'n Snack = welch 

Gewäsch! Auch alsinterject : Snack! 
oder: watt Snack! wenn man etwas 
verneinen oder verwerfen will, etwa 
so viel als nimmermehr, keineswegs! 
Datt iss 'n anner Snack, das ist etwas 
anderes! Snick-Snack, Rinnersnack, 

Vadd'rsnack, etwas stärker als Snack. 

Snackeri, nur im tadelnden Sinne: 
Gewäsch. 

Snackerig heisst ein Mensch, der 
alles ausschwatzt. 

snack'n, einen Snack treiben, auch 
überhaupt reden, plaudern, sprechen. 

Ick heff'n bat'n snackt ; dat Kind kann 
all snack'n. Affsnack'n i. Jemanden 

überreden, dass er uns etwas überlässt 

oder schenkt. He hat mi dat Bök äff- 
snackt. 2. zu Ende snack'n, Na!heiji 

bald affsnackt ? = Nun ! ist das Geplau- 
der bald zu Ende ? 3. sich über Etwas 
mit Jemandem bereden Wi hSmm datt 
affsnackt, wir haben die Sache bespro- 
chen, sind übereingekommen. Besna- 
Ck'n 1 etwas durch Besprechen überle- 
gen. 2. eine Sache unberufener Weise 

beschwatzen. Eh mfitt ök all'n Dreck 



199 



besnack'n. 3. durch Schwatzen Jeman- 
den verleumden , schlecht von einem 
sprechen. Hfe hat mi besnackt. 4. Je- 
manden zu Etwas bereden, beschwa- 
tzen. Versnack'n de TId, die Zeit durch 
Geschwätz verbringen u seine Arbeit 
dadiirch versäumen, ütsnack'n, ausre- 
den, seine Rede beendigen. Klöksiia- 
ek'r, Kiökschit'r, ein meistentheils jun- 
ger Mensch, der vom Klugheitsdünkel 
ergriffen sich in ein Gespräcli mischt, 
letzteres meistentheils ein tadehider, 
scheltender Ausdruck. 

snacksch u. schnackig, gern schna- 
ckend. Dagegen 

Snäksch, possierlich, drollig. 

Sna(d)', ein Schnitt. 'DSnaCd)'Brot, 

ein Schnitt Brot. 

Snaddern, schnattern, von Gänsen u. 
Enten, auch von Menschen. 

Snädderdenk, Nachahmung des 
Tons der Trompete. Daher Snäddei- 
denk'n, die Trompete, auch das Post- 
korn, blasen. 
. Snapps, derBrantewein. 

snärk'n, tosaomsuärk'n, versuärk'n 

(von Snarr, Garnwinde, in Bremen 
noch gebräuchlich), als Frequent. von 
snär'n zu betrachten. Vgl.snirr. Wird 
gebraucht, wenn einzelne Fäden des 
Garns oder Zwirns beim Abwickeln 
sich zusammenziehen, wodurch dann 
das Ganze sladrig wird. S. oben unter 
sludrig. 

snarr, strenge, schneidend, 't iss 
snarr Lacht sagt man im Winter z. B. 
wenn ein unangenehmer Nord- oder 
Ostwind weht. 

snäternu. snaotern, schnattern, viel 
und geschwind sprechen, von Kindern 
und JVauenspersoneu im Gebrauch. 
Wer dies thutheisst: Snäterer, Snätcr- 
kapeir, Snätertasch. 

Snaoksch = snaksch. 



Snäöw', der Schnupfen, von snuw'n. 
SnäÖWSCh das Adject. davon. 
SnaOW'l 1. der Schnabel der Vogel. 

2. der Mund Datt iss watt väör sin 

Snaow'l, das Gericht isst ergern. Da- 
von snaoweln, mit Lust essen. 

Sneblöm, Sneblössen, der fliegende 
Sommer. , .j, 

snell' Katrin', d. Durchfall, Diarrhöe. 
Snibb, die Schneppe, Schnibbe, be- 
sonders an Frauenkleidern. 

Snick'r, klar und rein, vorzUglich 
bildlich, 'n snick'r Dem bedeutet ein 
Mädchen von gesunder Gesichtsfarbe, 
reiner Haut, das sich rein, klar und nett 
anzieht u. eine gute Körperhaltung hat. 

snickern, aus Spielerei mit einem 
Messer etc. schneiden, besonders von 
Kindern gebraucht, die dergleichen un- 
nütze oft gefährliche Spielereien gern 
vornehmen ; es liegt iu dem Worte stets 
ein Tadel. 

snitkern, das Frequent. mit demsel- 
ben Iiegriff. Davon 

Snitker, ein Messer. mit einem lan- 
gen gekrümmten Stiel, dessen sich der 
Tischler und Holzschneider bedient. 

Snid, die Schneide z. B. des Messei*». 

De Snid hat sick ümmleggt. 

sni(d)'n (hesnitt. icki-ned, snäden), 
schneiden z, B. mit dem Messer. 2. die 
Leute übervortheilen. De Lud snid'n. 
3. sick snid'n, sich täuschen. ^\tß, 
snithan. 

Sni(d)'r, der Schneider. Mi früst ass 
'nSni(d)'r, ein Sprichwort. 2. scherz- 
weise werden die kleinen Weissiische 
auch Sni(d)'r genannt. 

Sni(d)laod, die Futterlade, eine Ma- 
schine zum Zerschneiden des Krauts 
als Viehfutter. Sie ist kleiner als die 

Hecksellaod. 

Snigg' = Sprütüt — snigg-fett, so 

fett wie eine Scliuecke, 



200 



Silin, sclineien, von Snfe (nicht Sn])= 
derSclinee. 

Snipp-Snapp-snnrr, ein Kartenspiel. 
^■'Snippk'n, Snippelkn, ein schmales 
Stückchen z.B. Papier, Leinewand; 
davon snippeln, in schmale Stücken 
zerschneiden, versnippeln, durch Zer- 
schneiden verderben. Adj. SOipplig. 

Snippsch, auch imNeuhd. vorkom- 
mend: schnippisch. 

Snirr', die Schlinge. Das Verb, ist 
Snär'n, wovon Snärk'n das Frequent. 

Soitt 1. der Schnitt, das Schneiden» 
2. der Vortheil, der beieiriem Geschäft 
gemacht wird. 

snöckern, in der Stille aiiszuM'ittern 
suchen, herumsuchen besonders nach 
Naschwerk, daher dies Wort im be- 
nachbarten Hannoverschen gleichbe- 
deutend ist mit Naschen. Bornem. 
sagt von einem jungen Arzt: deDock- 

ter snöckert, öff väör ämm 6k Kund- 
schaft Wfer. Bildlich vom männlichen 
Geschlecht, wenn es den Frauen und 
Mädchen nachgeht. Wer dies thutist: 

'n Snöckerer. 

Snodd'r, plebejischer! Ausdruck für: 
Nasenschleim. Das Adject. snoddrig 
nur im bildlichen Sinne: unanständige, 
verletzende, beleidigende Antwort ge- 
bend. Knmm mi nich so snoddrig. Man 
sagt in einigen Gegenden dafür auch 

rotzig. 

Snöd'n, die jungen Zweige eines ge- 
fällten oder noch stehenden Baumes ab- 
hauen; ntsnöd'n bedeutet dasselbe, 
wird aber nur von noch stehenden Bäu- 
men gebraucht. Vgl. auch kröpp'n. 

Snör 1. die Schnur im Allgemeinen. 
2. die Richtschnur des Zimmermanns. 

snor'n l. schnüren ; 2. beim Zimmer- 
mann : mit der Schnur eine gerade Linie 
auf dem Bauholze darstellen , wofür 
auch aflisnor'n gebraucht wird. 



SnorlifS. Ltf. ,,i 

Snörpinn, Schnürnadel. 

Snörstäw'i, Schnürstiefel. 

Snuck, das Mutterschaf. 

snnck'n, schluchzen. S. auch laü'n. 

Snuckupp S. Sluckupp. 

SnÜff, Stammwort fürsnuw'n, snüf- 
fein, SnäÖW'n, snodd'r. Die Grundbe- 
deutung ist: der vordereTheil des thie- 
rischen Körpers, die Nase, was es noch 
in Hamburg aber nicht in der Altmark 
bedeutet. Bei uns kommt es nur beim 
Schuhzeuge vor, wenn der vordere 
Theil des Stiefels etc. durchgestossen 
ist, und ein neues Stück Leder darauf 
genähet wird. Vgl. auch RestCf. 

snüffeln (von sn ü w'n = schnauben) 

1. hörbar durch die Nase athmen. 2. bei 
Kindern: den Nasenschleim in <3ie 
Höhe ziehen. 3. von Schweinen und 
Hunden: mit der Nase nach etwas her- 
umsuchen. 4. figürlich von Menschen : 
durchsuchen, durchstöbern, wozu man 
kein Recht hat und was gegen den An- 
stand verstösst. He snüffelt alls dörcb, 
ersucht (beiemem Fremden) heimlich 
alles durch. 5. Taback schnupfen. 

Subst. Snüfüer. rümmsnüffein, herum. 

suchen mit demselben Nebenbegriff. 

Snnrr, eine kurzweilige, aber meist 
unwahre Erzählung. 

snnrr'n l. schnurren, wie die Katze, 

2. sich Almosen erbitten. He Snurrt, er 
geht betteln. 3. auf bittende Weise sich 
in den Besitz von Dingen setzen. Der 
Knabe snurrt Sick Bohnen, Nüsse etc., 
wenn er von diesem u. jenem einzelne 
erbittet. 

snurrig, drollig, seltsam. Bist 'n 

snnrrigen Jung , du bist ein drolliger 
Bursche ; 't iss snuirig Wad'r, es ist eine 
komische, seltsame Witterung; datt 

iss 'n snurrig Geschieht, das ist ja eine 
Geschichte von wunderlichem Inhalt. 



lOt 



SnÜt, die Schnauze, auch vielfach 
von Menschen gebrauclit. Holt SnÜt, 
haltsManl. Se hat 'n M SnÜt, sie hat 
ein Lästermau], Du kriggst CDS UPp 
d' SnÜt, du wirst Maulschellen bekom- 
men, 

Snutk'n, Diminut. vom vorigen, fast 
nur gebräuchlich bei Kindern für: ein 
Küäschen. 

sntitern, sich viel und häufig küssen, 
wie man es wolil bei Brautleuten findet. 

SIlÜW'll(Pr. snüw, snüflst; Imperf. 
snöf; Particip snaob'n) = schnauben, 
schnauzen; häuilger ÜtsnÜw'n. Du 

snüw di man erst deNas' üt sagt man zu 

einem vorwitzigen jungen Menschen, 
der sich auf unschickliche Weise in die 
Gespräche Erwachsener misclit. 

SnÜwkatt, ein Weib, das allenthal- 
ben horcht und herumschnüffelt. ; 

Soden (Plur. tantum) Rasenstücken, 
besonders zum Anlegen von Gras- 
plätzen in den Gärten, zu Plaggen wird 
hl der Regel heidiger Boden gewählt. 

Soff, das Saufen. He hat sick 'n Soff 
hengäb'n; in'n Soff läw'n, sind Aus- 
drücke (Uv einen Säufer. 

Sogg', Muttermilch, holländ. zog; 
engl. suck. Se hat ken Sogg', ihr fehlt 
es an hinreichender Milch ziu* Ernäh- 
rung des Säuglings. In der Zusammen- 
setzung von Thieren bedeut. esThiere, 
die noch saugen z.B.SoggfÖll'n, Sogg- 

kalw etc. 

SÖg'n, 'Säugen; SÜg'n, saugen, Präs. 
sag, süggst ; Imperf. sogg ; Part, saog'n. 

Sögmön', die Amme. 

SÖk'n (Pr. sok, suchst; Imperf. und 
Part, sucht und socht)= suchen, goth. 
und alts. sokjan. 

Sökeri, das anhaltende Suchen. 

Soll, stehendes schlammiges Wasser 
von einigem Umfange in den Feldnie- 
derungen , die nicht mit Holz bewach- 



sen sind. Dasalts.undanofels. sol bed. 
Schlamm, worin sich die Schweine 
wälzen ; Pfütze, Sumpf. 

SoU'n, sollen, müssen. Die Con juga- 
tionsweise des Landmanns ist von der 
des Städters verschieden. Erstere ist: 
Präs, ick schall ; Part, schollt; während 
der Städter das ch überall weglässtund : 
ick sali, soll, solt spricht. 

Solt, goth. u. alts. Salt, das Salz. Du 

hest noch 'n Schink'n bi mi in't Solt, ich 

habe mit dir noch über eine Sache zu 
rechten, ich werde dich noch dafür be- 
strafen. Verbum SOlt'n, Part. SOlt'n und 

soltt'. -, 

SOltig, salzig, gesalzen. Soltfatt,T 
Salzfass, 

SÖm (goth. siujan = nähen) , der 
Saum, umgeschlagener genäheterRand 
an den Zeugen. Verb. SÖm', z.B. ein; 
Tuch. 

Somm'r l. der Sommer, die Jahres- 
zeit. 2. das im Spätsommer fliegende 
Spinngewebe, auch Sommersid ge-. 
nannt. Vgl. auch Sneblöm. 

Sommersaot = Sommerraps und 
Sommerreps. 

sonn', sonn', SO-en = so ein, solcher, 
wird häufig doppelt gesetzt. SöDQ'n 

Racker sönn'n. u 

Sönnaowend, der Sonnabend. ' 

SÖr, verdorrt, versengt ; auch mager. 
SÖr'n, Versör'n, verdorren, versen- 
gen ; ÜtSÖrn, die Kräfte des Ackers aus- 
saugen. 

söss , (alts. sehs) sösstein, sösstig, 

(alts.sehstig) sechs, sechzehn, sechzig. 

sot, süss, sot un sür vörl^f nem'n, 

alles. Angenehmes undUnangenehmes, 
mit Gleichmuth ertragen. 

spack (Adject.) wird von liölzernen 
Gefässen gebraucht, die hi leerem Zu- 
stande dem Luftzuge ausgesetzt sind, 
deren T heile dann eintrocknen und 

26 



202 



Wasser durclilassen. DeTnnD, deEm- 
mer SÜnd spack ; unrichtig spricht man 
auch hie und da Spaok ; 2. bildlich von 
alten Leuten, deren Kräfte schwinden. 

Späg'l S. Spett. 

Spalk, Hader, Zank, Lärm. 

spalk'n, zanken, rumoren, herum- 
werfen. Mit't Für rummspalk'n, aus 
Muth willen mit dem Feuer spielen, es 
hin und herwerfen. Das Frequ. heisst 
Spalkern und wird besonders von den 
zappelnden Bewegungen der Kinder 
gebraucht. 

Spalier, Adject. Spallrig, ein dünnes 

Stück Holz. Dat Holt iss so spall- 
rig bedeutet vorzugsweise, dass beim 
Spaltendes Holzes zu dünneu. kleine 
Stücken gemacht sind, die aber immer 
noch Klobenlänge haben können ; dann 
aber auch, dass das Holz sich leicht in 
dünne Tlieile zerlegen lässt. Von Spil« 
1er unterscheidet sich Spalier durch 
seine Grösse, ein Spiller = Splitter ist 
höchstens ein paar Zoll und darunter 
lang, ganz dünn und spitz. Die Adject. 
spallrig und spillrig unterscheiden sich 
ebenso, letzteres wird überdies häufig 
von dem zarten, schwachen Körperbau 
des Menschen und der Pilanzen gebr. 

Datt iss 'n spillrigen Jung, der Knabe 
ist schlank u. dünne. De Planten staon 

so spillrig, die zu dicht stehenden 
Pflanzen sind zu sehr in die Höhe ge- 
schlottert. 

spallern, sich leicht in Spallern zer- 
legen lassen, dagegen Spillem, schlank 
und dünn in die Höhe schiessen von 
Pflanzen und Kindern gebraucht. 

Spalt, die Spalte, wie im Nhd. 

Span', entwöhnen, nicht mehr die 
Muttermilch reichen. Ickheff all spln't, 
ich habe das Kind schon entwöhnt. Nur 
von Menschen im Gebrauch, von Thie- 
ren sagt man : affsett'o. Das gothisch. 



spunni, angels. spana bedeutet die 
Brustwarze, Zitze u. die Muttermilch. 

Spann l. die Spanne d. Fusses : 2. die 
Spanne, die Länge d. gespreizten Hand 
von der Spitze des Daumens bis zu der 
des kleinen Fingers. 3. statt Gespann; 
das Zugvieh, gewöhnlich versteht der 
Landmann unter : 'n Spann Pär, 4 Stück. 

Spannnaog'l, ein grosser eiserner 
Nagel, der den Hinterwagen mit dem 
Vorderwagen vereinigt. 

SpänSCh, wörtlich: spanisch = un- 
gewohnt, fremdartig. Datt Wät 8m 
SpänSCh Väörkaom', das wird ihm sehr 
ungewohnt und lästig vorkommen. 

Spar, die Sparre, Träger der Dächer. 

Spärn 1. versperren, 2. weit öiTnen 
z. B. die Stubenthür nppspäm, 3. von 
jungen Vögeln im Neste, wenn sie den 
Schnabel öffnen um Speise zu sich zu 
nehmen. 

Spaok'n, Verspaok'n, vom Holze ge- 
braucht bedeutet das Ersticken dessel- 
ben in seinem Safte. Alles Holz, das 
nicht ausgetrocknet in einen Raum ge- 
bracht wird, oder runde Hölzer, wenn 
sie auch dem Luftzuge ausgesetzt, aber 
noch mit der ganzen Rinde versehen 
sind spaok'n leicht. Ist nicht zu ver- 
wechseln mit spack sin , zusammen- 
getrocknet sein S. spack. Adjectiv 

spaokig. 

Späöln, spielen ; SpöU, das Spiel. 

Späölding, Spielzeug. 

SpäöUüd, die Musicanten, 

Spaor, die SpurdesFusses und des 
Wagens. 

Spaorbrot, scherzhafte Bezeichnung 
eines Verstorbenen. 

Spaorenn', der Lichtknecht. 

Spaorsaom l. wie im Nhd. 2. spär- 
lich, in geringer Menge vorkommend. 

De Verdienst iss spaorsaom ; de Bick- 
bärn sünd dfitt Jaor spaorsaom. 



203 



i , späör'n , spüren. Hast all späört, 

hast du sclion etwas bemerkt, mit dem 
NebenbegrifT d. Geringen, Schwachen, 
also: hast du schon einige geringe An- 
zeichenbemerkt. 

Spaoss, spaoss'n, Spaossmaok'r = 

Spass, spassen, Spasser. 

SpaoSSig, spasshaft. 

Spechtholt nennt man das Holz von 
Bäumen, die schon auf dem Stamme 
abgestorben sind. 

Speckhäring (richtiger Spickhäring) 
der gesalzene, dann geräucherte Hä- 
ring, verschieden von Bückling. 

Spfeg'l, der Spiegel. 

Speg'lblöm nennt der Landmann alle 
Species der wildwachsenden gelben 
Ranunkeln. 

spei, schnippisch, naseweis, spitze 
Antworten gebend. 

Spek, die Radspeiche. 

Spelling, SpöUing, Speljen, eine Art 

kleiner gelber Pflaumen. 

Spend'l, die Stecknadel. 

Spendern, schenken, vertheilen, mit 
dem Neben begriff desReichlichen, oder 
Unerwarteten. 

spendabel ist der, welcher reichlich 
austheilt und verschenkt. 

Spendferbücks'n anhemm'n, wörtl.: 

Spendirhosen anhaben, ist ein scherz- 
hafter Ausdruck für den, welcher in 
einer zufälligen Laune reichlicher als 
gewöhnlich giebt. 

sperrangelwit , völlig aufgesperrt. 

De Däör steit sperrangelwit upp. Auch 

Opitz gebraucht dies Wort, das aber im 
Nhd. veraltet ist. 

Sperßnz'n, Sperönzk'n, das Sich- 

nicht-rUgcn ■ wollen , Einwendungen, 
Umstände, Umschweife. 

Sperfektlv, Perspectiv. 

Spett L der Spiess, Bratspiess, H« 

schrlt, ass wenn 'r ant Spett st^k. 



2. ein kleiner spiessförmiger Spaten 
mit kurzem Stiel, auch Röwspett ge- 
nannt, weil er vorzugsweise zum Aus- 
heben der Möhren (bei nns Röw'n ge;^ 
nannt) dient. Im letzten Sinn hat man 
auch die Form : Späg'L 

Spi, gewöhnlicher: Spnck, der 
Speichel. 

Sp!n (angels. spiwan), speien, ist 
wenig im Gebrauch; gewöhnlich sagt 
man dafür spuck'n. Auch bedeutet es : 
sich erbrechen , wofür nur spin im 

Gebrauch ist. Spuck üt, un snack 

anners sagt man zu dem , der mit 
seinen Worten nicht zurecht kommen 
kann, öfter anstösst, sich beimSprechen 
unterbricht. 

Spigenern, spioniren, ist viel im Ge- 
brauch, besonders im figürlich. Sinne*** 

Spik, derLavendel. 

Spiker, Speicher, Kornboden. 

spikern, Jemanden pflegen, ihm 
etwas zu Gute thun mit Esswaaren, 

auch mit Worten. Se spikert datKind 

to VäÖl, sie giebt dem Kinde zu viel 

Näschereien. H6 spikert am mit Wörr', 

er fertigt ihn mit Redensarten ab, und : 
er spricht ihm zu Munde. 

Sp!l 1. ein zugespitztes Stäbchen 
aus Holz, um Gegenstände daran zu 
heften z. B. kleines Geflügel an den 
Bratspiess oder Würste an beiden En- 
den damit zu verschliessen , wofür 
auch: Woststick'n im Gebrauch ist. 
'2. der Federkiel, wenn er noch unent- 
wickelt in der Haut des Vogels steckt. 
Diese heissen auch PU'n. 

Spill, die Spindel, besonders am 
Spinnrade. 

Spiller, spillrig, spillern S. SpallerO 

spin, S. unter Spt. 
Spiniyumfer S. Jumfer Sibold. 
Spinnkär S. Kar. 

26* 



ijör 



Spint 1. eine Metze, als Gemäss; 

2. derSplint, der noch nicht in Kernholz 
übergegangene Theil eines Baumes; 

3. ein Schrank , von welcher Form es 
sein mag. 

Spintisirn , grübeln , herumsuchen 
um etwas aufzufinden. 

Spinnwaw, das Gewebe, Netz der 
Spinne, dann jedes Gewebe, das zu 
dünne und darum nicht haltbar ist. 

Spir und Spirk'n, ein ganz kleines 
Theilchen. Hat z.B. ein Kind nur ein 
kleines Stückchen Brot, so sagt ein 
anderes wohl: giff mi 'n Spir äff und 
versteht darunter nur eine ganz unbe- 
deutendeKleinigkeit.Nich'n Spir, nicht 
das Allergeringste, meist mit dem Zu- 
satz dessen, was fehlt; z.B.: nich 'n 
Spirk'n Botter. 

Spis', die Speise, nicht häufig im 
Gebrauch. 

Spitaok'l, ein starker Lärm. Dao 
gifFt Spitaok'l, da giebt's Zank und 
Lärmen. 

Spitaok'l maok'n S. tornern. 

', SpitSCh, spöttisch. 

'SpitzbÖW, Spitzbube, auch häufig 
Vorkorhmendes Scheltwort. 

spitz krig'n, begreifen, verstehen. 

Datt kann ick nich spitz krig'n. 

Spitzen,inderRedensart:hehatsick 
daorupp spitzt bedeutet: er hat sich 
grosse Hoffnung auf etwas gemacht. 

Splant, die spalte. De Fedd'r hat 

kenSplant, die Schreibfeder hat keine 
Spalte. 

Splanthaowk, die Gabelweihe (Falco 
Milvus). 

split'n, spalten, reissen, besonders 
vom Reissen der Bett- etc. Federn im 
Gebrauch, wenn die Fahne abgerissen 
wird,spleissen ; vgl. rit'n. 

splinternaokt, splinterfaosennaokt 

sind Verstärkungen d. Begriffs nackt. 



SpHnter scheint ein plattd. veraltetes 
Wort zu sein, für: Fetzen, Faden (Vgl. 
Adelung unter Splitter)^ Fasen ebenfalls 
plattd. für feine, aufgelöseteFäden( Vgl. 
oben Fass'l). Beide Wörter bedeuteten 
daher dasselbe und der Sinn wäre; so 
nackt, dass auch kein Faden sich am 
Körper befindet. Schiller hat aucli das 
Wort gebraucht. 

Spod'n , sick , sich sputen , fleissig, 
eilig sein. Spöddi, beeile dich. 

SpÖk und Spök, der Spuk, das Ge- 
spenst ; Lärm, Geräusch. Maok nich SO 
Väöl Spök, mache nicht so viel Lärm. 

spok'n, spuken. Dao spökt sick. 
Auch figürlich : Spökst di all wedder ? 

bist du wieder unerwartet da? 'tspÖkt 
ämm in'n Kopp, er hat närrisches Zeug 

im Kopfe; hesnacktasswenn'tspökt, 

erführt wunderliche Reden. Mit'tFtir 
spok'n, mit dem Feuer spielen und un- 
vorsichtig umgehen. Subst. Spöker!. 

Spöl, die Spule und zwar 1. der Fe- 
derkiel zum Schreiben, häufiger P6s' 
genannt. 2. die Spule am Spinnrade u. 
des Webers. 3. dasWeberschiff; letz- 
teres heisst auch Schottspöl. Spölk'n 
sind die kleinen Spulen, die im Webe- 
schiff angebracht werden, spöl'n, We- 
berspulen fertigen. 

Spöl, eine Anlage im od. am Wasser, 
um die Wäsche, besonders aber die 
Leinwand d. Bleiche zu spülen (spöl'n) 
und auszuklopfen. 

SpÖll S. späörn. 

Spölworm, der Spulwurm. Beim 
sogenannten Wasserspeien, aus Magen- 
schwächeherrührend, sagt der gemeine 

Mann : de Spölwörm'r beseichen (be- 
piss'n) mi. 

Spön, der Span. Hnw'lspön', Dack- 
spon', Saogspon'. Spon' hemm, reich 

sein ; Spöu' in Kopp, Launen. 



205 



I^K Spor, der Sporn (calcar) nur Im ei- 
gentlichen Sinne gebräuclilicli. 

spräk'nCPr. spräk, sprickst; Imperf. 
sprack, sprok u. spräk ; Part, spraok'n), 
sprechen. 

spräksch, zum Sprechen geneigt; 
kommt hauptsächlich in der Redensart 
vorrnich göd spräksch Wäs'n, in übeler 
Laune sein, daher unlustig zum Spre- 
chen sein. 

Spraok, die Sprache, nur in der Re- 
densart: hfewillnich rüt mit d' Spraok. 

SpräÖSSel, d. Faulbeerbaüm (Rliam- 
nus frangula). 

Spraot, Piur. Spraot'n, die Sprosse 
z. B. an der Leiter. 

Spre, Spräg'n, alts. spra und stara, der 
Staar. 

Sprei'n, breiten, auseinander legen 
z.B. Gegenstände, die rasch trocknen 
sollen, wie Flachs, Heu etc. Substant. 
Sprei, der Ort, wo etwas aussebreitet 

ist. Bist all nao 't Sprei west? bist du 

schon hingewesen, wo der Flachs, das 
Heu ausgebreitet istV — fitsprei'n = 

sprei en. 

Sprekwort, Plur. Sprekwör, Sprich- 
wort, sprichwortl. Redensart. Ausser 
den hieund da bereits angeführten bild- 
lichen Redensarten und Reimen mögen 
noch folgende hier einen Platz finden : 

Fett swemmt baoben, 6k wenn 't man 

von' Swinägeliss, Sinn: Gerechtigkeit 
erhält doch den Sieg. — Wo de Tun Sit 

iss gaon alle Hunn' äöw'r, Sinn .- wer 

allzu gütig ist, den respectirt Niemand 

mehr. — Böm , de oft knack'n bräk'n 

nich licht, Sinn : alle Leute, die viel kla- 
gen halten es doch lange aus.— In Ge- 
danken fort de Bür ök in't Kutsch wird 
gesagt, wenn Jemand schwer auszu- 
ijihrende Pläne vorträgt. - Wenn 't 'n 

Esel to woU iss, geit 'rupp't Isun brickt 
Sick 'n Bfen , Sinn : Hoclunuth bringt 



zum Fall. — Uns' Herrgott iss kenKuln- 
siäg'r, he iss 'n Naodräg'r, Sinn : Gott 

straft, wenn auch nicht sofort, endlich 

doch. — Datt iss ass wenn 'n Für haolt, 

wörtlich : das ist, als wenn man Feuer 
holt (aus einem Hause, um sich die 
Pfeife anzuzünden). Dieser Redensart 
bedient man sich, wenn ein lieber Gast 
zu früh wieder abreiset, auch: wenn 
Jemand etwas rasch ausführt. — Watt 

helpt en'nKö, wennse 'nEmmer vull 
melkt un sleit 'n in'n Dreck, Sinn : was 

nützt Hab und Gut, wenn esverprasst 
wird. Besonders bedient man sich die- 
ser Redensart, wenn eine Frau eine be- 
dedeutende Mitgift einbringt und nicht 
haushälterisch ist. — Watt 'n göden 

Yoggeliss, debüt'n göd Nest, was Je- 
mand thut, muss er so thun, dass es 
gleich ordentlich wird. — Swin hÖ(d)'a 

kümmtwedderrümm, Wort!.: Schweine 

hüten kommt wieder herum. So ruft 
man einen Beleidiger zu, den man au- 
genblicklich nicht erreichen kann. (Vor 
der Separation gab man in einzelnen 
Dörfern dem Hirten einen Gehülfeii 
[Kört, Swintkl mit, der von den Höfen 
der Reihe nach gestellt ward). — Dre 
maol issBÜrrecht r uftman, wenn 2Bur- 
schen mit einander ringen (sickfaot'n). 

- Wer 't Klein nich acht, denwä(r)t 
't Gröt nich bracht, wer im Kleineu 

nicht sparsam ist, bringt es zu nichts. — 

Dubrükst man Teller säng'n, so lit 

de Wost all drupp, Siim : du glaubst 
wohl, dass alles gehorcht, wenn du be- 

iiehlst. — Hfe lett nix ling'n , ass glu 

Isen un MöU'nsten, erstielilt alles, was 
ihm vorkommt. — De Vöggel, de SO frtt 
fleit'n, bitt an Daog de Katt n Kopp äff, 

Sinn : ein lustiger Anfang bringt oft ein 

trauriges Ende. — Wer d' Ögen nich 
uppdeit mtitt 'n Btid'l uppdön; wer 

beim Handel nicht vorsichtig ist, leidet 



206 



Sclia(Ien.-DeGosgaonäöw'rallba(r)ft, 

man finde^ übemll IMängel.- Wen 'tKled 
paSSt, treck't Sick an, wer kein gutes 
Gewissen liat, fühlt sich getroffen. - ün 

wenn deFrü issnochsorik, sogeitse 

doch mit de K6 in't glik, d. Schwanger- 
schaft der Frau dauert so lange als die 

der Kuh. — Wer väör de Höll' waont, 
mtitt 'n Dtiw'l tum Fründ hemm, mit 

einem bösen Nachbar muss man ein gu- 
tes Vernehmen zu erhalten suchen. — 

VLh söcht ken hinner'n Äow'n , he hat 
denn sülwst hinner sät'n, M-er andern 

nur Schlechtes zutraut, ist sicherlich 

kein guter Mensch He Smitt de Wost 

nao'n Schink'n, er will mitKleinigkei- 
ten G rosses erringen. - Sten Üt d' Hand, 
iSS 'nDüw'l in d'Hand, durch Werfen 
mit Steinen kann man leicht Schaden 

anrichten. —Wenn deKo götstaoDjUn 
de Früns göt a^gaon, kann de Bar be- 

Staon, wenn des Bauern Vieh gut ge- 
deihet und seine Frauen ihm absterben, 
so hat er viel Gewinn. — He kämmt mit 
d' Däör int HUS to falln bezeichnet ein- 
mal einen groben Menschen, dann einen 
solchen, der oline Umschweife uns 
etwas Unangenehmes mittheilt Wer 

Vaod'r un Mntt'r nich hör'n will, mütt 't 

KaliTell hör'n, der unfolgsame Sohn 
muss als Soldat gehorchen lernen. — 

Wer töw'n kann , kriggt 6k 'n Mann, 

alte Jungfern verheirathen sicli auch 

öfter. — Fett swemmt baob'n bedeutet 

1. mit einemEinflussreichenist schlecht 
zanken; 2. der Wohlhabende erreicht 
durch Bestechung oder durch seinen 
Einfluss leicht seinen Zweck. — He 

bätert sick, ass de Dreck ümm Winacht, 

er wird immer schlechter Wenn de 

Pracher nicks hämm schall, so verlast 
he dat Brot at de Kip, ein Verlust folgt 

dem andern. — Wenn't SÜSSnicks iSS, 

ass koir Bön un Bottermelk upp'n Süd* 



dag; Sinn : dieser dein Wunsch, deine 
Hoffnung, Erwartung etc. ist im höch- 
sten Grade thöricht u. widersinnig 

He hätt lang' noch upp'n Käörböm (von 
käörn= auswählen) räd'n, un kämmt 

nu upp'n FÜlböm to Sitt'n ; oder w ie das 
Sprichwort an andern Orten lautet: 

de 'n Käörböm söcht, 'n Fülböm find', 

Sinn : Wer lange unschlüssig bei seiner 
Wahl ist, allerlei Schwierigkeiten fin- 
det und Bedenken hat, bekommt am 
Ende das Schlechteste. — He SUt Üt aSS 
de dtire Tid, es geht schlecht mit ihm. — 

Ick bin ganz affbrennt, ich bin ganz 

ohne Geld (auch von andern Gegen- 
ständen im Gebrauch). — He gifiFt sin 
Hemm VOn'tLiw, er ist sehr freigebig. — 

He hätt 't füstdick hinner'n Örn, er ist 
schlau.— He kummt an, ass de Sau in't 

Jttti'nhÜS, er ist sehr übel angekommen, 
(worunter auch Schläge verstanden 
sein können).— ick wa(r) quält aSS d' 
Erftin'nPott sagt das Gesinde, das mit 
Arbeiten überhäuft ist. — H6 hat Infäll' 
ass'n oltHÜS drückt einen Tadel über 
eine unpassende Äusserung aus. — Mi 
früst ass'n Espenlöf drückt das Zittern 

vor Kälte aus Se iss SO falsch ass 

Galgenholt drückt einen sehr hohen 
Grad von Falschheit aus.*) — So drög 
ass 'n Braotbär, völlig abgemagert, zu- 
sammengetrocknet — He stit üt, ass 
wenn 'r ämmüt 'tfflülkraopenwer, er 

sieht seinem Vater überaus ähnlich. — 

Sick de Bül'n ütdriw'n, wörtlich : sich 

die Beulen austreiben. Sinn: bei Ga- 



*) Im Plttd, ist die Art von Vergleichen mit 
ass ungemein Imufig. Sie drücken inoi.>-t 
den Begriff des Stii^erlativs eins, wofür der 
Altn)ärker nur selir selten eigene Formen 
hat. Nicht unwahrscheinhrh ist a^. djiss 
diese Vergleiche die älteste Bezeichnung 
des Superlativs war. Siehe auch den Ar- 
tikel gefiirlicti. 



20T 



I 

\Wk stereien, wo es niclits kostet (WÜ 't Upp 

Regiments-Ünkosten geit), sich recht 
satt essen. _ Ddtt kann 'n blinn' Fru 

mit'n Stock föl'n, das istsehr leicht zu 

beo reifen. — Mit'n Prest'r en stand 

hämm bezeichnet den schlechten Kir- 
chen besuclier, er ifct dann nicht in der 
Kirche, wenn der Prediger daselbst ist. 

—Mit'n Kopp an de Starn stöt'n, in ho- 
hem Grade übermüthig sein. — Sammt 
npp'n L!w un Kaff in'n Maog'n ent- 
spricht dem Sprichwort; Dick thun ist 
meinReichthum, nichts haben ist mein 

Geld. — Pracher! hast 6k Lüs' , oder 

schuppst di man so ? bezciclmet einen 

Grossprahler. — De Hund, de en bät'n 
hat, daovon mütt 'n Haor uppleng'n, 

wer den Katzenjammer hat, der miiss 
frisch wieder los sau fen. — Wollsmack, 
Beddelsack, der Schlemmer geräth an 

den Bettelstab. — Watt bdt'r iss ass 'n 
LÜS, datt nimm mit nao Hüs bezeichnet 

den Sparsamen. — So lang asS Jao- 
kobsdag drückt die hervorstechende 
Länge eines Dinges (in Zeit und Raum) 
aus. Warum ist der Jacobstag (2 1 . J uU) 
gewählt, der doch bei weitem nicht der 
der längste des Jahres ist? — 'ngöden 

Weg timm iss kene Krümm', ein guter 

Weg, wenn er auch länger ist als ein 
anderer, liält nicht auf. — Väör Gewalt 
issnicks, der Gewalt muss man wei- 
chen. — Äöwermöd deit selten göd, 
Uebermuth tliut selten gut. — Frin iss 
khü Pärköp, sei vorsichtig bei der Wahl 

einer Frau.- YöiGeld kannst'n Dtiw'l 

danz'n laot'n, durch Geld kann man 
alles erreichen.-- Einige 13auernräth- 

sel: 1. Ächter uns' Schün, dao plogt 
uns' Brün, aon Plög un Schaor, gifft 
doch 'n göt Faor. •jjnAs.|UK|y\i ja([ 
2. Flüggt 'n Yoggel äöwer't Dack, hätt' 
'n Gefifel (Gabel) in'n Aors. 



3. Watt väor schitt un hinn' fritt 

Sprenks'l, der Sprenkel, nicht zu 
verwechseln mit Dohne. 

Springbock l. der Springkäfer, die 
Gattung Elater. 2.einKinderspielzeug 
aus dem Knochen der Gänse-, Hühner- 
etc. lernst gefertigt. 

Sprink, Springbrunn, die Quelle; 

springig (Nasallaut), quellig; Spring- 
Waot'r, Quellwasser. 

Sprock, abgestorbene Baumreiser; 
als Ad ].=: spröde, leicht zerbrechlich ; 
dalier Sprockwid, die Bruchweide. 

Sprott 1. die Larve vom Uferaas, 
wird als Köder beim Fischangeln gebr. 
2.S.unterSprott'n. 

sprott'n. Wächst der Weizen im 
Frühjahr zu üppig, so wird er zurück- 
geschnitten. Diese Operation heisst 
sprott'n od. SChrÖpp'n, das Abgeschnit- 
tene heisst Sprott. 

SprÜt'n sind die an den Strünken des 
Braunkohls im Frühling hervorspries- 
senden Triebe, die gegessen werden; 
SprÜt'nkÖl ist dasselbe. 

SprÜt-Üt, Schnecke mit Gehäuse. Die 
nackte Schnecke lieisst : Snigg. Unsere 
Kinder singen.wenn sie mit den Schne- 
cken spielen: Sprüt-üt! stick dinver, 
fif Häörn üt ; wenn du dat nich dön 
deist, slagg 'k di Hüs un Hoff intwei. 
Oder : Snigg-üt ! stick din ver, fif Häörn 
üt, wenn du datt nich dön deist , so 
smit ick di in Graob n, dao hack'n di de 
Raow'n. 

SprÜtt, die Spritze; sprtitt'n, spri* 
tzen. Datt iss ^n von de Sprütt, das ist 
ein t üchtiger Kerl. SprÜttbÜSS, eine aus 
ausgehöhltem Holunder gefertigte 
Büchse zum Spritzen, (ein Knaben- 
spielzeug). 

Spuck u.spuck'nS.Sfi. 



2öS 



äptlQIl\ Spünden, mit einem Spund 
versehen. iDSpnnn', einsperren. 

SpÜr'n,dasGe!eise halten ; deWaOg'n 
spürt Dich, die Wagenachsen sind ent- 
entweder kürzer oder länger, so dass 
dieRäder nicht in dem Geleise passen. 

Stachels, der Vorname Eustacliius. 

Stakett, Stakitt, Kastett, Kastitt= 

Scheidewand aus Latten. 

Sta(d), die Stelle (goth. stads). Du 
geistnichüt de Sta(dj; ick kann nick 

Üt de Stä(d) kaom'n, ich bin durch Ge- 
schäfte ganz an das Haus gefesselt, od. : 
icli kann durcli vielfache Arbeiten ganz 
und gar nicht mein Geschäft fördern. 
He hat sin eigen Sta(d), er hat ein eige- 
nes Haus; Sin Docht'r to d' Sta(d) 
breng'n, seine Tochter verheirathen ; 

de Sta(d) annam'n, äöv/'rgäw'n, verkö- 

p'n,ein Bauerngut od. Wohnhaus über- 
nehmen, übergeben, verkaufen, upp- 
Stä, Uppstäds, Uppstnnds, eben jetzt, 
sogleich. Worthch : aufder Stelle, auf 

der Stunde. Vor düssen un uppstunds, 

sonst und jetzt. 

stadwis, stellenv^'eise ; de Rogg steit 
städwisaligöt. 

Staff u. Stapp kommt hier nur in der 
Bedeutung von Daube zu Fässern vor; 
daher Staffholt, H()lzer, die sich zu 
Fassdauben eignen. Der Stab (baculus) 
heisst nur Stock. 2. Zuweilen hortman 
dies Wort noch für: Fussstapfen. Im 
Alts, ist stapan = gehen. 

staffern, ütstaffern , stafflren, aus- 

staffiren, ist sehr im Gebrauch. 

Stlg und Stäg'l, eigentlich ein Weg, 
den man nur besteigen (von: Steg) nicht 
befahren kann. Der letzte Nebenbe- 
griffist in der Altmark häufig verloren 
gegangen, so dass auch fahrbare Wege, 
2. B. zwischen Gärten etc. Stägl 
lieissen. 

Stak, der untere Hals des Schweins, 



wo dasselbe beim Schlachten gestochen 
wird. Dies Stück wird meistentheils 
ausgeschnitten und zur Anfertigung 
der Wurst verwandt. 

Stäk'n, aks. stecan (Pr. stak, stickst; 
Imperf. stok. stck; Partie. staok'n)=: 

stechen. Stickt di de Haow'r? nimm 
di in Acht, datt di de Zag'n nich bleck'n! 
odei : du kannst doch nich in heier Hut 

stäk'n sagt man zudem übermüthigen 
Knaben, es enthält die Drohung, dass 
er wegen seines "Ubermuths leiclit in 
ernste Strafe verfallen kann; WU Stickst 

du denn, ick heff di all so väöl röp'n, wo 

steckst du etc. 

Stäk'lbock, Stäk'ling, der Stlchling, 
ein kleiner Fisch, der gesellig in den 
Gräben lebt. (Gasterosteus aculeatus.) 

Stäl, der Stiel. Besseu- , Gräwer-, 
Appelstal. Das Adject. stalig kommt 
nur in Zusammensetzungen vor : kort« 
stalig, langstalig = mit kurzem, lan- 
gem Stiel versehen. Schick Un Stil S. 
Schick. 

Stal'n (Pr. stäl, stillst ; Imperf. staol ; 
3 Phw. stül'n; Part. staoln)= stehlen. 

He stillt ass'nRaow'. 

Staii'n 1 . in den Stall bringen. Ick 
kann ken Ko mer Stall'n, ich habe kei- 
nen Raum mehr für Kühe. 2. harnen, 
uriniren, nur von Pferden im Gebrauch. 
Sick stall'n, friedlich neben einander 

leben. Ick kann migansgödmit ämm 

stall'n, ich kann mich recht gut mit ihm 
vertragen. 

Stallräp'n sind Hölzer, welche mit 
Strohlehm umwickelt zur Ausfüllung 
der Wände in Ställen und der Boden in 
Gebäuden überhaupt dienen. Das dazu 
gewälilteHolz heisst Staokholt. 

Stamm, der Stamm eines Baumes, 
besonders der Erle, wenn der Stamm, 
aus dem die jungen Loden aufschie- 
ssen, von ansehnlicher Stärke ist; von 



509 



dem untern Tliell des Baumes über- 
haupt sagt man wie im Nhd. StdlDID* 

enn'undStämmenn'. 

Stan', stöhnen; über Unwohlsein 
klagen ;tropisch: über schlechte Zeiten, 
Mangelan Arbeitete, klagen. Das Sub- 
stantiv ebenso, auch Stän'ri, wiederhol- 
tes Klagen und Stöhnen. 

Standär l. die Standarte; 2. ein lan- 
ges Frauenzimmer, Dattiss'n recht'n 
Standär. 

Standau, ein Knabenspiel. Einer 
aus der Gesellachaft sucht mit einem 
Balle einen andern zu treflen. Der Ge- 
trolTeneübernimmtdie Rolle des Wer- 
fens, fehlt er, so läuft die Gesellschaft 
so lange, bis der Werfende Standau ruft, 
was aber nur geschehen darf, wenn er 
den Ball wie(fer in Händen hat. Im Sü- 
den heisstdies Spiel Stanteihien. 

stank, Gestank. Stank vor Dank, 

grosser Undank. Watt Wist mit'n 
Stank ? = was willst du mit dem übel- 
riechenden Dinge? Auch der stark 
riechende Käse heisst vorzugsweise 

Stank ; sön'n oil'n Stank mag ick nich. 

Stänkrig, übelriechend, 't rtickt SO 

stänkrig. 

Stankstiw'l wird imsüdl.Theilder 
Altmark die Pflanzengattung Tagetes 
genannt. 

Stänk'n , sick , beim raschen Essen 
den Mund gewissermassen verstopfen, 
wobei dann sehr leicht eiuTheilchen 
der Speise in die Luftrühre gelangt und 
ein krampfhaftes Husten entstellt. 2. zu 
viel von einem Gericht essen und da- 
durch einen Widerwillen gegen das- 
selbe bekommen. 

stänkern l. Gestank verursachen : 
2. Streit inid Händel suchen. Werdies 

thiit ist'n Stänker, Stänk'rer. 

Stänker! l. Erregung von Gestank ; 
2. Zänkerei. 



Stännig, beständig, stets; gewöhni 
lieh mit stets verbunden, stäts nn Stänkt 
nig. Auch = geständig. 

Stänz'n, Jemanden zum Fortgehen 
zwingen, unter Androhung von Stra- 
fen. Ick will di stänz'n ist dasselbe als : 
ick will di feistem. Siehe oben unter 

käntern. 

StappS.Staff. 

Star, ein junger Ochse. Stärk, eine 
junge Kuh, die noch nicht gekalbt bat. • 

Starkmödig, entschlossen. 

Stärmann Hütik, das Rothschwänz- 
chen, dessen Männchen eine weisse 
Stirn hat (Silvia phoenicurus). 

Starn l. die Stirn, 2. der Stern. 

Starnkiker, ein Mensch, der den 
Kopf auffallend hoch trägt. 

Starnkrut S. Mür. 

Start, Start, der Sterz in allen seinen 

Bedeutungen. De Start wackelt mi 

bedeutet: ich äussere meine Freude. 

DatMül geit ärass 'n Lämmerstärt^; 

Schwätzerin, Plappermaul. 

stätsch, statisch, im eigentlichen u. 
fi'j:ürlichen Sinne. 

stau, ein Damm etc. wodurch man 
das Wasser aufstauet oder absperrt; 
Stan'n, einen solchen Damm anfertigen, 
auch d urch Zusetzen der Schleusen den 
Abfluss des Wassers hemmen, was auch 

nppstan'n heisst. 

Stäw'l, der Stiefel. 

Stäweln bedeutet iu der Altm. nicht : 
Stiefeln anziehen, es hat nur eine figür- 
liche Bedeutung : einen beschwerlichen 
Weg gehen; auch derBarfüsserStäwelt 

dörch'n Sand, dörch dick un dünn', 
dörch't Waot'r, dörch'n Dreck. 

Stäwig, stämmig, steif, solide, 'd Stä- 
wig'n Karl. 

Staok'n, eine lange und verhältniss- 
mässig dünne Stange. Hoppon-, BÖD« 
Staok'u. Figürlich : ein langer, steifer 

27 



710 



Kerl. Die Redensart: he fritt 'n göden 
Staok'n bezeichnet einen starken Esser. 

Staokig, hoch aufgeschossen, von 
Menschen und Pflanzen; bildlich: un- 
beholfen. 

staok'n (Verbum) 1. Stangen bei- 
steck en. De B6n' sünd noch nich staokt 
= die Bohnen sind noch nicht mit Stan- 
gen versehen. 2. Stallräp'n (S. oben) 
zurechthauen, sie mit Strohlehm um- 
wickeln und so in die einzelnen Fächer 
der Wand einfügen. Ist dies geschehen, 
so werden die Unebenheiten mit Lehm 
ausgefüllt, es wird gekleibt. S. oben 
unter kieiw'n. 

Staokeln, dasFrequ. vom vorigen = 
init eSner Stange oder einem andern 
längern Instrumente etwas in Bewe- 
gungsetzen. StaokelmarnPaorPIüm 
äff; staokel de Katt achter'n Fürhärd 
weg ; dat Für staokeln, das Feuer im 
Ofen anschüren; in de Tän staokeln, 
dieZähne stochern, nppstaokelni. auf- 
stapeln, 2. mit Mühe etwas aufsuchen. 

Ick kann dat Bök nick erst nppstao- 

kein. Ütstaokeln,ausstossen, zerstören. 

Staokel maol dat Yoggelnest üt. 

StäÖkern ist gewissermassen ein 
neues Frequentativ von Staokeln und 
in der Bedeutung ziemlich dasselbe. 
In der Hegel ist das Werkzeug, dessen 
man sich dabei bedient, kleiner oder 
kürzer und die Bewegungen mit dem- 
selben müssen häufiger sein. Beide 
Ausdrücke werden aber nicht selten 
verwechselt, obgleich es Wendungen 
giebt, in denen nicht das eine für das 
andere gesetzt werden kann. 

■s jStäÖk'r, dieReute, ein Stab an dessen 
Ende ein dreieckiges Eisen befindlich 
ist, mit dem der Pflüger die Erde von 
der Pflugschaar u. vom Kolter abstösst. 
^Staomern, stammeln, stottern. 



Staomelbüx, Staomeljochen, Schelt- 
wort für einen Stammelnden. 

Staon (Präsens stao,- steist ; Imperf. 
stund; Part. staon) = stehen, bestehen, 
dasein, alts. sta n. 

Staopel, hoch aiifgescliichtetes Lang- 
holz, Geld etc. Davon staopeln l.auf- 
scliichten z. B, Holzkloben (nicht aber 
kurz gesägtes Holz). 2. in frühern Zei- 
ten gingen die Chorschüler staopeln, 
d. h. sie besuchten die Umgegend oft in 
beträchtlicher Entfernung und warte- 
ten mit ihrem Gesänge auf. Staopehl 
ist nämlich auch s. v. a, Stapfen = hoch- 
beinig gehen, in weichem Sinne es auch 
noch hie und da gebraucht wird. Na! 

watt staopelst denn in'n Dreck rümm? 

Staot, der Staat, Aufwand. 
StaotSCll , stattHch , Staat machend. 

Dattsünd jao 'nPaor staotschPar ; 'n 

Staotschen Karl, ein schmucker junger 
Mann. 

StaziöS 1. =staotsch. 2. Staat Hebend 
imAnzuge, in der Haltung desKörpers. 
3. von imponirendem Ansehn, stattlich. 
(Der Ton ruht auf der letzten Silbe.) 

Staow'n, die Badstube. Das Wort ist 
mit der Sache verloren gegangen, hat 
sich in Salz wedel aber noch in Staow'n- 
Steg eine kleine Brücke in der Nähe der 
ehemaligen öffentlichen Badstube er- 
halten. 

Stefvaod'r, Stfefmutt'r, (Stefmön) 

Stfefkinn'r= Stiefvater, -mutter, -kin- 
der. Die erste Silbe leitet Eberhard 
vom nieder!, stec, stidde, stie her, das 
so viel als : statt, anstatt bedeutet. Man 
könnte sie aber mit demselben Rechte 
vom alts. stad, im Accusat. s t e d i = 
der Platz, die Stelle ableiten. 

Steg bedeutet die nur schmale Über- 
brückung eines Grabens oder eines 
schmalen Flusses. 



2n 



Steir, der über der Dreschtenne be- 
ündliche mit Schiiten belegte Raum, 
unterschieden von TaSS. Beide dienen 
zum Aufbewahrender Korngarben. 
. Stell' 1. der Platz, die Stelle; Ein- 
kommen, Amt. 2. statt Gestelle: der 
Vordertheil eines Wagens, zwei Räder 
enthaltend. 

SteH'n, stellen, bewerkstelligen. Ei- 
nige Redensarten sind zu bemerken: 
Datt will ick wol stell'n, ich will es so 

einrichten, dass es wohl gehen soll. Hc 
kann 't wol stell'n, er hat die Mittel, 
Kräfte, das Vermögen dazu, dasser dies 
be\\erkstelligen kann; datBer Stell'n, 
Hefen ins Bier bringen, damit es in 
Gälirung geräth. 

Stellaosch (seh wie das französ. ge 
gesprochen) = ein Gestelle, um etwns 
darauf zu setzen z. B. Blumentöpfe; 
auch ein Ger '.ist, sich darauf zustellen. 

Stelt, Stölt, die Stelze ; de Jung geit 
upp Stölt'n. 

stempeln hat neben der Bedeutung 
im Nhd. auch die von bestechen oder zu 
etwas bereden. Hfeiss Stempelt, er muss 
seine Aussagen so machen, wie es ihm 
eingegeben ist. 

Stin, PL Sten u. Sten'r, alts. ebenso, 

der Stein. Adject. Stenrig. 

Stenberg, bed. auch das Hünenbett. 

Stfenbick'r, der Name eines Vogels 
(Saxicola Oenanthe) ; 2. der Steinmetz. 

Stenblöm nennt der Landmanu die 
beiden hier häufig wachsenden Arten 
desRuhrkrautsGnaphaliumdioicumL. 
und luteo album L. In einigen Dürfern 
heissen sie Tobacksblöm. In andern 
Dörfern ist Stfenblöm die Benennung 
von Tcufelsabbias (Succisa vulgaris). 

Stfengöd, Töpfergeschirre,' die aus 
einer Tlionnrt gefertigt sind , welche 
durch das Brennen eine steinartige 
Härte bekommt. 



Stengrand wird besonders vom 
Acker gebraucht, wenn er einen harten 
kiesartigen Untergrund hat = Stein- 
grand. -^ 

Stenkaomer heissen die in der Altm. 
zahlreich vorkommenden Hünengrä- 
ber. Sie führen in den verschiedenen 
Gegenden noch verschiedene Kamen, 

als : Riesenbetten, Hünenbetten, Sten* 
kissen, Stenberg, Stenklumpen. ••' 

Stib'n, steuern, verhindern oder ver- 
bieten Etv^'as zu thun. Ick heffmitde 
Gäörnso väöl to stib'n, dat Rack'rtüg 

will gaor nich still sitt'n sagt die Mut- 
ter, wenn die Kinder in der Stube her- 
umtoben. 

stibitz'n, stehlen mit dem Nebenbe- 
griff, dass dabei List angewandt wird 
und dass der Bestohlene gegenwärtig 

ist. Datt hat he mi unner'n Hänn' weg- 
stibitzt. 

StichkäÖrn, der Samen von Silybum 
marianuni (Mariendistel), als HausmiN 
tel im Gebrauch. 

stich'lhaorig , mit schwarzen und 

weissen Haaren versehen. -- tji>-jIi: .•! 

Stick'lbär, Stick'lbäsing, dieStacHel-i 

beere. 

Stick'lkärl, ein geträumtes Gespenst 
im Süden, das im Brunnen sitzt, wo- 
durch die Kinder abgehalten werden, in 
den Brunnen hineinzusehen. 

Stick'n, ein langgestrecktes Werk- 
zeug zum Stecken. Die Klappe einer 
Thür wird durch einen Sticken ver- 
schlossen, wenn ein passendes Stück 
HolzsodurcheineKrampegelegtwird, 
dass es der Länge nach vor derKlappe 
liegt. Woststick'n, kleine dünne Holz. 
zweige zum Verschliessen des Darms, 
worin Wurst ist. Kutttt'lstick'n, Strick- 
nadeln ; Taofelstick'n , Schivfergriffel. 

Dao will k di 'n Stick'n väörstäk'n, das 
werdeich verhindern. Dattsteitgraod 

27* 



212 



in'n Stick'n, die Zunge am Wagebalken 
steht genau. 

Stick'ndÜster, völlig dunkel, stock- 
finster. 

Stlf, steif. Holt de Ör'n Stif, werde 
nicht krank; sick Stlf ärgern, sich 
ärgern, dass man fast starr wird; dat 

Kräöt maokt sick so stif, ass 'n Born 

wird von Kindern auf dem Arm der 
Wärterin gesagt, wenn sie sich steif 
machen; SOStifaSS'nBock drückt den 
Mangel an Körpergeschmeidigkeit aus. 
Davon das Verb, stiw'n, steif machen 
z. B. die Wäsche durch Stärkemehl. 
Die zerlasseneStärke heisst dann selbst: 
de Stiw'. Stiwigkeit, das Steifsein. 
Stiwig ist gewissermassen dasDimin. 
von stif in seiner Bedeutung von ziem- 
lich steif. 

Stifkendanzen. Kinderwärterinnen 
treiben mit den zarten Kindern, wenn 
sie so viel Körperkraft erlangt haben, 
den Oberleib steif zu halten, ihr Spiel, 
wobei sie das Kind mit festgehaltenen 
Oberschenkeln in einem Tanztact auf 
u. nieder od. drehend bewegen, welche 
Belustigung für Kinder u. Umstehende 
mit diesem Namen bezeichnet wird. 

Stig, der Steig, der Pfad, davon Stig'n, 
steigen. 

Stig', ein zählendes Gemäss, 20 Stück 
enthaltend, wird auch häufiggebraucht, 
um im Allgemeinen eine nicht kleine 
Zahl anzugeben, Stig'D, Stiege geben. 

Dat Kaorn stigt dtitt Jaor siecht, die 

Zahl der Kornstiege ist in diesem Jahre 
gering. 

StiglitSCh (Ton auf d. letzten Silbe), 
der Stieglitz. 

stig'n (stig, stiggst; Imperf. Steg; 
Part.stäg'n), steigen, üpp'n Stöl, upp 

deLedder stig'n; de Nebel, datWaot'r 
stiggt. 

stillken, Dim.-Form von still, stille. 



Stirn' (Verb.), steuern, als Mittels- 
person einen Kinderstreit schlichten, 
oder ein unartiges Kiiod durch milde 
Mittel zur Ordnung bringen. Ick heff 

mit de Krabb'n all soväöl rnmmstimt, 
't will äöwer nix helpen, ich habe d urch 

Ermunterungen, Tadel, Schelten etc. 
die Kinder in Ordnung zu halten ge- 
sucht, aber alles ist vergebens gewesen. 

Stinkfist'r, ein Mensch, der einen 
stinkenden Geruch durch fisten ver- 
breitet, auch Stinkfitz genannt. 

Stinkmatz, alter stark riechender 
Käse. 

Stip'l (stipula) eineStange od. Busch 
zur Unterstützung d. Rankengewächse 
und Büsche, wird auch statt Pfahl gebr. 
Sett'n Stip'l bi'nBöm. 

Stipelbön, Stangenbohne. 

Stipeln, mit einem Stip'l versehen, 
z. B. Erbsen, Bohnen etc. 

Stipp'n, instipp'n, tunken, eintunken 
z. B. Backwerk in den Kafiee od. Thee, 
Laot mi mit instipp'n sagt der Schul- 
knabe zum andern , wenn er sich des 
andern Dinte mit bedienen will. Vergl. 

tobit'n. 

Stippeis, Brühe, Fettete, um z. B. 
Kartoffeln darin zu stippen. 

Stippelnu. tippeln wird vom Fallen 
einzelner Regentropfen gebr. Adject. 

stippligu.tipplig. 

Stippelk'n und Tippelk'n, kleine Fle- 
cken ; Erhabenheiten in der menschli- 
chen Haut. 

Stippkes, der mit Milch zerriebene 
Käsequark, ein Lieblingsgericht des 
Altmärkers. 

Stippstnt'n , Stimmpstnt' S. Hed- 
weck. 

StippstBrkcn, kleine Geschichtchen 
munteren Inhalts. 

stiw'n S. stif. 
stockdüster, ganz dunkel. 



213 



stockplackig, stockpläckig, stock- 
fleckig. 

Stölt S. Stelt. 

Stoff 1. der Stoff, woraus etwas ge- 
macht wird. 2. der Staub; davon 
StÖW'D, stftuben und stäuben, Ick 

wet nich wü he henn staow'n un flaog'n 

iss, ich weiss nicht wohin er gegani^( n 
ist, wörtlich: wohin er gestoben und 
geflogen ist. Adject. stöwig. 

Stöwern , Frepuent. vom vorigen, 
auch figürHch für forttreiben. Tof ! ick 
will di StÖWern ! warte nur, ich werde 
dir Beine machen. 2. fein regnen oder 
schneien, stöbern. 

Stori, StÖff'I, Christoph. 
• Stöl,DimIn.Stölk'n, der Stuhl, alts. 
st61,stuol, 

Stolkern, stoikerig, stolpern, stol-^ 

perig. 

Stoll, ein ungesäuertes Weizenbrot 
von länglicher Form. 

Stölp'r, der Deckel. Pottstölp'r, 

Pip'nstölp'r. 't iss ken Pott so schef, 't 
findtsick 'n Stölp'r dato sagt man von 
einer Person, zu der sich unerwartet ein 
J'reier findet. Das Verb, heisst : StÖlp'O. 
Vmstölp'n, umkehren z. B. einen Topf, 
sodass die Mlindimg sich unten befln- 
det. nppstÖlp'D, einen Deckel auf etwas 
setzen, 'n Keifuppstölp'n, den Hut auf- 
setzen, jedoch stets mit dem Nebenbe- 
griii des Unschicklichen oder Unbe- 
hülfiichen. 

Stolperf&t, Stolperjoch'n, ein Mensch, 
der leicht stolpert. 

Stopp'ndig kommt nur in der Ver- 
bindung mit vuU vor; stopp'ndigvnll, 
voll gestopft. 

Stöps'l, ein kurzer, dicker Mensch. 

Storf, Imperfectum von Sterb'D. 

Stork, der Storch; Storkbfen, ein 
Mensch mit dünnen langen Beinen. 

Stl)rpken oder StöppkeDspöU. lu 



einer beliebig starken Knabengesell- 
schaft erhält jeder einen zusammenge^ 
legten Zettel ; fünf derselben sind mit: 
Amtmann, Richter, Kläger, Störpke u. 
Dieb, die übrigen nicht beschrieben. 
Der Kläger wendet sich an den Amt- 
mann: Herr Amtmann,HerrAmtmann! 
ich klage hier. Amrm. : Was klagst du 
denn? Kl. : Einen Dieb. Amtm. : Was 
hat er dir gestohlen ? Klag, nennt einen 
beliebigen Gegenstand. Amtm.: Zieh 
ihn bei der Nase her. Wählt der Kläger 
zufällig den , welcher den Diebzettel 
hat, so bestimmt der Richter die Anzahl 
von Klumpsäcken, die dem Diebe vom 
Störpke zuertheilt werden ; wählt Klä- 
ger einen unrichtigen, so bekommt er 
die Strafe. 

Stört'n, stürzen, transit. u. intransit. 
Stöt, der Vorstoss unten am Rande 
des Franenrocks. 
Stötherr S.Herr. 

StÖt'n, stossen, stampfen; StÖttsen, 
ein S-förmiges Eisen, mit dem indem 
Stöttrogg Kartoffeln, Rüben, Kraut etc. 
zum Viehfuttcr zerstampft werden. 
Stott, der Stoss, 

strack, straeks, sogleich, sofort. 

Strak'l, ein mit Theer und Sand 
überzogenes Stück Holz, womit die 
Sense gestrichen wird, um siezu schär- 
fen. Vgl.strik'n. 

sträk'n, den Brachacker, in weiten 
und flachen Furchen umpflügen. V^on 
treck'n, ziehen abzuleiten; das tiefer^ 
Pilügenistplög'n. 

Strakfaor, die durch das Sträk'n ge- 
bildete Furche. 

Sträk-holl'n l. Strich halten bei einer 
gemeinschaftlichen Arbeit. 2. bildlich 
von Menschen, die inigeachtet ihres 
Versprechens in ihrem ganzen Beneh- 
men sich verschlechtern. Behält oich 

Strak. 



214 



stramm, straff, angespannt De Stä- 
wein sitt'n stramm ; dat Strick iss to 
stramm; 'n strammen Gang bat Jemand, 

der affectirt gerade geht. Liegen die 
"Kleider zu eng an, so entsteht ein unan- 
genehmes Gefühl, das durch straom 
ausgedrückt wird, ebenso, wenn eine 
Geschwulst, oder Geschwür unter der 
Haut liegt, wodurch diese straff ange- 
zogen wird. Davon das Verb, straom'. 
De Föt straomt so, ich fühle im Fuss 
eine schmerzliafte Anspannung. 

Sträm, der Striemen z. ß. die sicht- 
bare Spur auf der Haut nach einem der- 
ben Schlage mit einem Stock etc. 

Stram'l, Sträp'l, Strip'l, ein langer, 
schmaler Streifen vom Papier, Brot, 
Leinwand, Acker u. s. w. 

strampeln S.tramp'n. 

Stran, eine bestimmte Anzahl Fäden 
des gehaspelten Garnsj Zwirns, Seide 
etc. "'■ •*'■ 

Strang bedeutet in Salzwedel den 
Inbegriffder Wasserleitungsröhren, die 
einen gemeinschaftlichen Sckh'kasten 
(S. oben) haben.' Der Plur. Sträng be- 
zeichnet die Seile, Stricke, an denen die 
Pferde ziehen. Das gwird nicht gehört. 

Stranz, Scheltwort für ein grosses, 
faules und unordentliches Mädchen. 

strapsfern, Sick, sich bei abmattender 
Arbeit abquälen, Strapazen bestehen. 

Straw', die Strebe. 

sträwig, rüstig, kräftig, 'n sträwig'n 

Jung, ein Knabe, der stramm auf dem 
Arme der Wärterin sitzt. 

Straok'n, sick l. sich strecken, aus- 
strecken. 2. sich streicheln , putzen. 

Straokt sick de Eaot'r den Baort 

(Voss), Das Frequent. Straokeln be- 
deutet auch streicheln. 

straom' S. stramm. 

Straot (strata via), die Strasse, Gasse, 
Heerstrasse, alts. strata. "k bin ök 



nich npp de Straot funn', Ich bin auch 

nicht so arm, kraftlos, von so schlechter 
Geburt etc. als du glauben magst. 

Streff, strafil\, z B. ein angespanntes 
Sei! ; ein kräftiger muskulöser Mensch. 

Streissel l. das Stroldager; 'k häff 

düsse Nacht upp't Streissel slaop'n. 

2. alles M-as in die Viehställe einge- 
streuet wird z. B. Stroh, Laub, Schilf, 
Heidekraut etc. 

streng in der Verbindung deMaräk, 
Kesetc. iss recht streng, der Meerret- 
tig, Käse etc. afficirt stark die Ge- 
schmacksnerven. 

Strigg' (in der Weibermütze) S. 
Flor. 

Strick 1. der Strick; 2. ein Schelt- 
wort. Man meint es damit nicht allemal 
so böse. Aber Galgenstrick ist der, 
welcher den Galgen verdient. 

Strickräder wird spottweise der 
Gensd'arm genannt. 

Strid, alts. ebenso, der Streit. 

Stri(d)'n (Pr. strid, striddst; Imperf. 
stred; Part. strä[djn) = streiten, läug- 
nen. affstri(d)'n, abläugnen. 

Strik'n (strek, sträk'n) = streichen. 
Sick strik'n laot'n, sich streichen lassen. 
Der gemeine Mann nennt gewisse 
Krankheiten : anWUSSen Sin (ange- 
M'achsensein) und lässt sich dann von 
alten Wdbern streichen d. h. dieang-e- 
spannten Thelle des Körpers mit dem 
Daumen derb drücken und kneten, wo- 
bei gewisse Wortegesprochen werden, 
2. dieSense mit dem Sträkelanschärfen. 
Das Frequent. strikeln entspricht dem 
Nhd. streicheln. 

Strip'l S. Sträm'l. 

Strip'n, streifen. 

stripig, streifig, gestreift. 

Stripp-Strapp-Stmll rufen die Kin^ 
der der Magd zu, welche die Kühe 
melkt. 



215 



Stripps', Schläge ; stripps'ü, schlagen, 
peitschen. 

strÖp'n, streifen ; davon Stlöp'ndri- 
Wer, Müssii^gänger, Herumtreiber. 

Ströparflen, Erbsen, die mit der 
Schale gekocht und dann mit den Zäh- 
nen alisgestreift werden. 

StrÜf, aks. ebenso, rauh auf der Ober- 
fläche, gewissermassen struppig z.B. 
unbehobelte Bretter; auch vom Haar 
bei Menschen und Tbieren,- die sich 
nicht glatt legen. 

StrÜk, der Strauch, das Gesträuch. 
StrÜkrÖW'r, Strauchräuber, Strauch- 
dieb. 

StruU, ein Strahl von flüssigen Din- 



Stummel, Stumpf, kurzes Ende. 
Stummel Licht, TaQstnmmel. 2. eine 

kurze Tabackspfeife. 

Stunn', die Stunde. 

Stüp'n, stäupen mit Ruthen hauen ; 
dafür wird auch hier und da fitzen ge- 
sagt. ^ 

stur, starr, stier, erstarrt. H6 WaS 

gans stür vor Schreck, er war vor 

Schreck ganz erstarrt. H§ kikt mi SO 
stür an, er sieht mich mit starren, stier 
ren Augen an. 2. von hartem, unbieg- 
samen Sinn und Charakter. In der letz- 
ten Bedeutung wird auch die Form 
StÜrSCh gebraucht. 

Stür l.dasSteuerru<ler, 2. Zucht u. 



gen, der aus einer engen Öflnung mit Ordnung. Holt StÜI. 



Geräusch hervorkommt. Striiirn, das 
Verbum davon. 

Strnnzel, Scheltw. füreine schmu- 
tzige Weibsperson. 

Strta, Strauss, z.B. Blumen. 

StlÜW'n, sick, sich sträuben. 

Stubb'n, der Wurzelstock eines ge- 
gefällten Baums; von Stüf abgeleitet, 
engl, stubb, angels.stebb, stybb. 

Stück. Über die Bezeichnung einer 
ungefähren Stückzahl siehe unter Dao- 
1er. 2. Weibsstück. 

Stückschen, Stückelken, ein Stück- 
chen. 

stüf, stum pf, ohne Spitze, abgestutzt. 
StÜfrÖ(d), eine mit farbigem Bande 
umwickelteRuthe, die den nicht artigen 
Kindern vom Weihnachtsmanne ge- 
bracht wird, von s t e u p e n u. R u t h e 
gebildet. 



Stür'n 1. steuern, ein Fahrzeug. 
2.steuern, hintertreiben. StÜrdochoder 
holt Stur! suche doch den Streit zu 
schhchten, damit es zu keiner Schläge- 
rei kommt. 

StÜrsch, fürsteiermärkisch, ein bei 
Landleuten beUebter Tanz; andere 
ländliche Tänze sind: Haunacksch, 

Twetritt. 

StÜt'n,\^^eissbrot, Semmel. DattiSS, 

as bi'n Bäcker 'n Stut'n, das hat einen 

festen Preis. 

Stutenwoch, eine Woche, in der den 
neu in die Schule eintretenden Kindern 
die Verstösse gegen die Disciplin nach- 
gesehen werden. 

Stutts kommt nur mit der Präpos. 
Upp vor. upp'n Stutts, sofort, den Au- 
genblick. Du sast upp'n Stutts ütgaon, 
du sollst sofort ausgehen ; upp'n Stutts 



Stük'n, stauchen, beim Waschen das kannicknichkaom'n, in diesem Augen- 



Zeug wiederholentlich im Wasser 
niederdrücken, verstük'n, verstauchen. 

Stuir, Butterbrot. Botterstull, Sem- 
melstnil, PlummösstuU , Smaltstull, 

HonnigStuU sind die verschiedenen Ar- 
ten von Stullen. 



blick kann ich nicht kommen. Dasselbe 
bedeutet; upp 'd Städ, auf der Stelle, 

und Uppstunds. 

StÜW 1. der Ueberrcst einer Sache, 
besonders von Zeugen in Wolle, Lein- 
Wand etc, 2. die Stube. 



216 



•' Stuz auch Stüt, der Steiss besonders 
des Federviehs. 

Suborg S. Borg. 

Saddeln, sudeln, stärker als Säöln; 
wird auch im tropischen Sinn vom 
nachlässigen Arbeiten gebraucht. Adj. 

suddlig. 

Sudissel, Saudistel, die Pflanzengat- 
tung Sonchus. 

stift'n, sücht'n, seufzen, verstift'n, 

verschmerzen. 

SÜg'n S. süg'n. 

Stik, jede Krankheit, allgemeiner als 
das nhd. Seuche, goth. siuks, alts. sioc, 
seck, siec. DasAdjectiv heisst ebenso. 
SÜk'n, krank sein. hennSÜk'n, in der 
Krankheit nach und nach ganz von 
Kräften kommen. 

SÜl, die Pfrieme, gerade u. krumme. 

SÜlei, Ei ohne Dotter. 

Stilf, selb; stilfanner, selbander ; Stilf- 
drüdd, drei zusammen. So mit allen 
Ordinalzahlen. Gr. Gr 2,950. 

SÜlftig, SÜlwig, selbig, wird wie im 
Nhd. stets mit dem Artikel gebraucht. 
deStilftig, datstilftig, und mit folgen- 
dem Substant. statt: SÜlfst. De SÜlwig 
(nicht sülfst) FrÜ, dieselbe Frau. 

Stilfst, Stilfst'n (f wird wenig gehört) 

=selbst. He kämm von stilfst, er kam 

von selbst, d. h. ohne dazu aufgefordeit 

zusein, ick-, du-,h§-, wi-,ji-,sesülfst, 

ich etc. selbst. 

Stilfst maoktTügS. Warp. 

Stilk, stick, solcher, solche, solches ; 
nicht viel im Gebrauch. 

Still, die Schwelle, goth. suella. 
VerstiU'n, verschwellen. 

Stilt 1. die Sülze, Presswurst; 2. eine 
Salzlache, salziger Quellengrund. 

Stilw'r, das Silber. Adject.stilWCm. 

SÜm', siimig, verstim', säumen, säu- 
mig, versäumen. 

Sump, der Sumpf, schlammiger Bo- 



den, in den man leicht versinken kann. 
Ist weit weniger im Gebrauch, als das 
mehr bezeichnende Dödläw'r. S. oben. 
Adj. sumpig. 

SUnd, gesund. 

Sünndag, Sonntag. 

Simdheit, Gesundheit; dient auch als 
Zuruf, wenn Jemand nieset. 

Stinn', Sünde; Stinn' UD Schann' be- 
zeichnet ein arges Vergehen. 

Sunn', die Sonne; goth. sunno, alts. 
sunna. 

Sunnpläck, die Sommersprossen. 

StiQDSt, sonst, vormals, anderswo, 
ausserdem; SÜnnst Tlds, in frühern 
Zeiten (über die Genitivform siehe 

Morgens) . Ick heff emm all stinnst sen, 

ich habe ihn schon anderswo gesehen; 
wenn 'tstinnst nickS is, wenn esweiter 
nichts ist. 

SÜp'n (Pr.sup, süppst ; Imperf. söp ; 
Part, saop'n) = saufen, übermässig gei- 
stige Getränke zu sich nehmen. Ver- 
SÜp'n 1. versaufen, durchSaufen durch- 
bringen ; 2. ertrinken. 

SÜpÜt, ein Saufaus, Trunkenbold; 
stärker als Stip'r. 

Supp, die Suppe, Brühe; dann jede 
Feuchtigkeit Ick slao di upp 't MÜl, 

datt di de rode Supp (Blut) rütgeit. 
Auch bildlich: He sitt in de Supp bit 
äÖW'r de Orn, er kann sich vor Schulden 
nicht bergen. In de Supp sitt'n laot'u, 

Jemanden, der in grosser Verlegenheit 
ist, verlassen, in Stich lassen. 

SUpp'n = SJip'n. Vgl. oben. 

SUr, sauer als Ad ject,, als S übst, der 
Essig. 

Sürhöltk'n S. Höltk'n. 

SÜrn, sauer werden. 
Stirn, Brot etc. einsäuern ; Sürwaot'r, 
Wi)sser zum säuern. 

Sürk, der kleine Ampfer (Rumex 
acetosella L.). 



217 



SSrk'n, kleines Geschwür. 
Sftrsnüt, SÜrpot, ein Sauertopf 
(ScheltM'ort). 

SÜS'n, sausen. Subst. und Verb. 
SnSS'n, Kinder in d. Schlaf einlullen. 

sfiss,8tinst, sonst. uinsüss,nmstinst, 

umsonst und zwar sowohl frustra als 
gratis, 

Süsterb'n S. Naosäog. 

SÜwern, säubern, reinigen ; ist nur 
von Flüssen, Gräben und Brunnen im 
Gebrauch. Von SUW'r, sauber, rein. 

swabbeln, Frequent. von swappen, 

1. hin und her bewegen z. B. ein Gefäss 

mit Flüssigkeit. Swabbel nich 80 ! holt 
graod. Alslntrans. wird esvonganz- 
und halbflüssigen Gegenständen (Gal- 
lerte etc.) gebraucht, die bei sehr ge- 
ringer Berührung in Bewegung kom- 
men. Im Begriff wenig unterschieden 

von quabbeln. Vergl. auch Gluebb. 

2. Unnützes und Unüberlegtes reden. 
Watt SWabbelst du da != Welch un- 
überlegtes Geschwätz ! Swabb'li (Ton 
auf der letzten Silbe), das Subst. davon. 

swack, schwach. DatMäk'u iss väör 
mtn Arbeit to swack; deBalk'n iss to 
swack. 

SwaddjSward, der Schwaden d. h. 
1. der Raum, den der Mäher mit der 

Sense erreicht. H6 mei't 'n bred'u 

Swadd. 2. das Korn oder Gras, das beim 
Mähen vom Schnitternach links hinge- 
bracht wird. De Gerst liggt noch in't 
Swadd. 3. in der Redensart: datFlass 
upp de Swadd sprei'n, den gerütheten 
Flachs auf dem Felde so ausbreiten, dass 
er gewissermassen eine Swatt in dem 
zweiten angegebenen Sinne bildet, ist 
das'\^^ortim ligürliclien Sinne zu neh- 
men. Swaa bedeutet im altfriesischen 
die Sense. 

Swäfelk auch Swallig, Sweigelk, die 

Schwalbe. Sie singt: Klicke Wie ick, 



klicke datt'thÖltCklick'n hier s.v.a. mit 
Dreck bauen). Oder: Mutter mÜSSt 

denn Jung 'n Kittel flick'n, Kittel flick'n, 
mit Witten, mit swarten, mit swarten 
Zwirn. Oder : Ass ick wegtög, wegtög 
här ick all's noch ; ass ick wedder- 
kämm, wedderkamm, wass et fleit'n 
gaon; un dao het et, het et : frittNettel- 
köl un schit, schit Schmir ! Od. : Ass ick 
wegtög, ass ick wegtög, waorn all d' 
Kisten un Kasten vull; ass ick wedder- 
kamm, ass ick wedderkamm, waor 
allens üt, wenn 't, wenn 't jümm man 
nichbelu-rrt! 

SWäk'n, schwanken, wie einBetrun- 
kener. 

Swäl, die Schwiele. 

SWäl'n, schwelen, durch Einwir- 
kung des Feuers anfangen zubrennen, 
ohne Flamme zu zeigen. Kleidung und 
Wäsche, wenn sie zu nahe am Ofeu 
liegt sengen, wenn der Verbrennungs- 
prozess erst angefangen, sind sie aber 
durch das Versengen in Verkohlung 
übergegangen, so dass das Versengen 
länger angehalten, so sind sie VerSWält. 
Hir SWält watt, ist demnach stärker, als 

hir sengt watt. Dat Holt swilt man, 

das Brennholz ist zu nass, es kommt 
nicht in Flamme. 

Swans, der Schwanz hat neben allen 
Bedeutungen des Neuhd. auch die von: 
Haarzopf. Diminutiv Swänsk'u und 
Swänsek'n. 

Swäp, das äusserste Ende der Fuhr- 
mannspeitsche, dann die Peitsche selbst. 
Das Verb. SWäp'n ist wenig im Gebr. 

Swapps, SwippS, Swupps, Interjec- 
tionen,died.Lautnachahmen.Swapps! 
daokrfeg hfefens upp'tSnÜt, in derGe- 
schwindigkeithatte er eineMaulschelle 

weg. Swipps ! dao waor h^ um d' Eck, 

mit grosser Geschwindigkeit war er 

um die Ecke. Swupps ! dao lag hg in'^ 

28 



2-18 



Waot'r. Die Veränderung des Vokals 
drückt den angedeuteten Laut aus. 

SWapp'n, das aus dem Vorigen ge- 
bildete Verbuni nach der Verscjiieden- 
helt des Lauts auch SWipp'n, SWUpp'n ; 
gebraucht werden diese Verba von den 
Gegenständen, die einen ähnlichen Laut 
hervorbringen. Wasser in einem be- 
wegten Gefa'sse schlägt an die Seiten- 
wand hörbar ; 't SWappt oder SWUppt. 
Wenn eine geschwungene Peitsche 
einen Gegenstand trifft, so swippt sie. 
Das obige SWabbelü ist das Freqiient. 

Swärbrett , Swarhack , Swarenn', 

Swärelenz, Swarnötsind verwundern- 
de Fluchwörter, von dem letzten wird 
auch einVerbum SWärhÖtern gebildet 
in der Bedeutung von fluchen. Das 
Adject. SWäruÖtSCh entspricht unge- 
fähr dem nhd. verteufelt. Datt iSS 'n 

swarnötsch'n Karl Swarnöter, ein 

Scheltwort. 

Swärk S. Flaog'. uppswärk'n wird 

vom Aufsteigen dunkler Gewitterwol- 
ken gebraucht. Im Alts. bed. swer- 
c a n ebenfalls : sich mit Wolken bezie- 
hen, dunkel werden, und g i s w e r k , 
s w e r c das Bewölktsein, der Regen. 

SWäril 1. schworen, goth. svaran, 
alts. suerian. 2. schwären , ein Ge- 
schwür sich bilden. 

SWatt, schwarz, schmutzig, nicht 
rein. 

SWattbunt, schwarz mit weissen 
Flecken ; dagegen wittbunt, weiss mit 
schwarzen Flecken. 

Swattdäörn, Schwarzdorn (Prunus 
spinosa). 

Swaor, die Schwarte; hh mütt ar- 
beit'n, datt emm die Swaorn knack'n 

drückt schwere körperliche Arbeiten 
aus. Das Dimin. Swäörkens wird vor- 
zugsweise von den weichenSchwarten 
gebr., die beim Zubereiten des Wurst- 



fleisches abgeschnitten , und dann ge- 
meiniglich mit Backobst gekocht wer- 
den. 

swaor (Adject.) alts. suari, schwer. 
SWaon (Impers.) eine Vorahnung 
haben, vorhersehen ;datthatmiSWaont, 
davon habe ich eine Ahnung gehabt. 
Das alts. w a m a n bedeutet meinen, 
vermuthen. 

Swaow, mehr noch im PI. de Swaob'n 
im Gebrauch , bezeichnet altes Leder 
von unbrauchbarem Schuhzeug, das 
die Schusterlehrlinge auf dem Lande 
sammeln; es wird besonders zu Ein- 
schiebseln bei den Stiefelhacken gebr. 

SWecklig, schwächlich. 

Sweflstick'n, durch geschmolzenen 
Schwefel gezogenes und in kurze En- 
den geschnittenes Garn, 

SWemm', schwimmen und schwem- 
men. 

Swen, der Schweinhirte, SwenSCh, 
dessen Frau. 

Swengel l. das Querholz an das die 
Pferde gespannt werden ; 2. der unter- 
stützte Baum bei einem offenen Brun- 
nen, um Wasser aufzuziehen. 

SWenzelern , schwänzeln d. h. den 
Fuchsschwanz streichen. 

Swet, der Seh weiss, SWet'H, schwi- 
tzen ; Adject. SWetig. 

swibb'ndig, schwebend, swibb'üdig- 

VUll, über dieMassen voll, nur vonFlüs- 
sigkeiten im Gebrauch, von festen Ge- 
genständen heisst esStopp'ndigVUU. 

SWig'n (swig, Imperf. sweg, Partie, 
swäg'n) = schweigen. 

SWilln, anschwellen. 

Swimel, SwimnisS, der Schwindel. 

SWimeln l. schwanken, schwindelig, 
ohnmächtig werden, taumeln wie ein 
Betrunkener. 2. von einem Wirths- 
hause ins andere gehen. Adj. SWimlig. 

Swimler, der Herumtreiber. 



219 



Swin , Plural ebenso , das Scliwein. 
Yäöl Swin maok'n 'n Drank dünn', bei 

vielen Theilnehmern wird jedePortion 
klein. Kinderwärterinnen singen, 
wenn sie mit dem Kinde spielen mit 
vorgestrecktem Zeigefinger: Swink'n 

slacht'n, Wöstk'n maok'n, datt sali 

Segg'nPek! Alrs.suin,goth.svein. 

Swinäg'l 1. der Jgel; 2. der Keller- 
wurm, Assel ; 3. ein unsaubererMensch 
in Kleidungen und in Gesprächen. Die- 
selbe Bedeutung haben die Wörter: 

Swinhnnd, Swindriwer, die aber häufig 

blosse Schimpfworte sind. 

Swinert, Unsauberkeit in Kleidungen, 
Unfläterei in Worten. 

Swinpäs'l = Smerpäs'l. 

SWinn, geschwind, goth. svinths. 

SWinn' (Verb.) Seilwinden , SWinn' 
laot'n imHandel, nachlassen in der For- 
derung. 

Swinsterlins, Swenterlens, Swenze« 

lenz, ein Flucliwort. Bornemann sagt: 

Potz hunnert dnsent Swenzelenz, 
hämm jao vegät'n de Reverenz. Auch 
als Sbst. : du sast de Swenterlenz krig'n. 

SwippS S. Swapps. 

SWir'n, schwirren, schwärmen, be- 
sonders des Nachts sich herumtreiben, 
gleichbedeutend mitswimeln. Hfeswtrt 

von en Wartshüs in't anner. Davon 
Swirbroder. 



SWÖg'n, SWOW'n, mit vielen Worten 
über etwas staunen oderklagen, wie die 
Weiber zu thun pflegen. Das goth. 
svogjan, svogjian bedeutet: seufzen, 
stöhnen; dasangels. svog = sonus, so- 
nitus, svogan = sonare ; ebenso das alts. 
suogan. 

SWÖl, schwül. 

Swor, der Eidschwur. 

SWncht'n, umherschwärmen, wahr- 
scheinlich =swimelu, SWirn, und dem 
folgenden SWUddem. 

Svi^UChtlappen, ein Schwärmer. 

SWUddern, die Zeit durch Herum- 
liegen in den Bierhäusern tödten. VgL 

swimeln und swfrn. 

SWÜI, SWÜlig, schwül, vom Wetter. 

SWUlk'n wird vom Aufthürmen der 
Gewitterwolken gebraucht. 

Swulst, die Geschwulst. 

SWUnk'n, schwenken u. schwanken. 
Ein hoher vom Winde stark bewegter 
Baum SWUnkt; eineBohnenstange stark 
hin und her bewegt, um ihre Festigkeit 
zu prüfen SWUnkt. 

Swunsch, der Grünfink (Loxia 
Chloris). 

SWUpp'n S. swapp'n. 

SWUppS S. swapps. 

Szackelöt, Szapperl6t, Szackerment, 

SzackerlÖtSCh siehe unter Z. 



T. 



't = I.Neutrum des Personal- Pron. 
es ; 2. Neutrtim des Artikels dat= das. 
3. vertritt es die Stelle des Artikels in 
allen Cas. und Gen. nach Präpositionen, 
selbst da, wo in der Regel 'n steht ; man 

sagt: achter'n Tun (hinter dem Zaun) tachteln. 

u. äÖW'r't Schapp (über dem Schranke), Tack, Tack'n, der Zacken, Baumast, 
nnner't Volk (unter dem Volke). H6 der Baumzweig heisst Telj'. IstaCk'D, 
iss int Fromm , er ist in der Fremde, Eiszapfen. 

28* 



wandert als Geselle. J)er Altmärker 
kümmert sich wenig um den Unter- 
schied des Dativs und Accusativs. 

Tacht'l, die Ohrfeige. Im Goth. be- 
deutet tagl das Kopfhaar. Das Verb.: 



220 



Tackholt, Buschholz, 
tackig, zackig, ästig. 

Tadde,TadderS.Talt'r. 
Tag un Nacht, der Kuhweizen, die 
Gattung Melampyrum. 

tag, tag, tei, taog =zähe ; datFlesch 

iSSnoch tei, das Fleisch ist noch nicht 
mürbe genug gekocht. De Rräöt hat 'n 
tei Läwend, die Kröte hat ein zähes Le- 
ben. 

Tagt, der Zeliend vom Acker und 
Vieh. 

Tägtland, Acker, von dem der Ze- 
hend entrichtet wird. 

tägt'n, täg'n, den Zehend einsam- 
meln; bildlich: HemtittaH's tägt'n, er 
muss von allem etwas haben. Hast all 
wedder tagt? hast du von dem Gegen- 
stande schon wieder heimlich etwas ge- 
nommen ? Das goth. t e h a n bedeutet 
dieZdillO. 

Täk, die Zeche, Schaflaus ; von Kin- 
dern, die ihre Wärterinnen nicht von 
sich lassen wollen, von Erwachsenen, 
die durch ihren langen Besuch lästig 
werden wird das Wort ebenfalls gebr., 

so wie das Verbum : tak'n ; he satt weg 

aSS 'n ollTäk, seinBesuch dauerte lange. 
Tall, die Anzahl, der Antheil, Por- 
tion. Wird einem etwas zugezählt 
zum Empfange oder zur Bearbeitung, 

so heisst es : ick heff min Tall kräg'n. 

Von Del, Theil, unterscheidet es sich, 
dassbei diesem nicht auf das Ab- öder 
Zuzählen,wie bei jenem, gesehen wird. 
Ein Plur. von Tall scheint nicht vorzu- 
kommen. Als Inbegriff von Einheiten 
wird Zahl gebraucht. 

Tallpatsch, Scheltwort für einen 
Menschen, dereinen ungeschickten Ge- 
brauch von seinen Händen und Füssen 
macht, plump auf alles losgeht; davon 
das Verbum : tallpatschen. 

talps'n, beim Gehen stark auftreten, 



besonders mit dem Hacken stark auf- 
treten. 

Talt'r,Tantel, Tadder, Taddel, Zad- 

der, Lappen, Fetzen an zerrissenen 

Kleidungsstücken. Kikmaol, wn de 
Talters an am Rock hang'n. Adjectiv 
taltrig, taddlich, tantlich, zaddrich = 

zerlumpt, zerfetzt. 

tämelk, ziemlich. 
tamm, zahm, gezähmt. 

täm' 1. zähmen, zahm machen. 
2. Sick täm', sich ziemen. Datt tlmt 
Sicknich. Häufiger wird dies Wort in 
dem Sinne von : sich etwas nicht an- 
schafFen,wasman gern hätte, wovonaber 
hühereRücksichten uns zurückhalten. 

Frisch Flesch kann ick mi nich tam', 

meine Vermögensumstände erlauben 
es nicht, dass ich mir frisches Fleisch 
kaufen kann, das ziemt sich nicht für 

mich. Hat heff ick mi 'n Glas B^r tam't, 

heute habe ich mir nach langer Über- 
windung ein Glas Bier gekauft. Die 
Redensart : betäm' laot'n, nicht hinder- 
lich sein, in Ruhe lassen, nicht zerren, 
laot mi betäm', lass mich in Ruhe, wird 
auch von Luther (2. Sam. 16, 11) gebr. 
Esliegenbei diesem Worte zwei ver- 
schiedeneStämmezumGrunde; I.Dom, 
Thom, 'Thum = das Haus , also an das 
Haus gewöhnen = zähmen. 2. Das 
goth. t i m u n , alts. t e m a n = ziemen. 
Vgl. ttig'n. 

Tän, Flur, ebenso, goth. tand, Plur. 
tende = der Zahn. Datt Sall di nich in 
de Tan hack'n bliw'n, du wirst dich ir- 
ren, wenn du glaubst, dies zubekom- 
men. Wenn die Kinder die Zähne 
wechseln, so werfen sieden ausgezo- 
genen Zahn rückwärts über den Kopf 

und singen : Müs, Müs ! haol'n Tan, ick 
gtw di 'n knäökern Tan , säst mi 'n 
Isern wedder gäm. 



221 



Tänbräk'r, eigentlich derZaLnbre- 
cher,kommt nur in der Redensart vor: 

Schri'n ass 'u Tänbräk'r. 

Tanwedaog, Zahnschmerzen. 
Tang' l'ngder blosse Nasallaut), die 

Zange. De mtitt 'n mit de Tang' an- 

faot'n, die Person ist so schmutzig und 
schmierig, dassman es nicht wagt, sie 
zu berühren. 

tangein, tangern, eifrig, mühsam 

nach etwas trachten; das Kind tangelt 
nach der Mutter, wenn es ein eifriges 
Bestreben zeigt, von derMutter auf den 
Arm genommen zu werden; he tangert 
den Berg in d'Höcht, seine Kräfte sind 
kaum ausreichend, den Berg zu erstei- 
gen. 

tanteln S. Talt'r. 

Tanterlatant (von Tant = Unnützes, 
Nichtiges, Wertliloses) wird bei uns 
als Interjectiongebraucht für : PoSSen ! 

Tapet, wie im Neuhd. etwas aufs 
Tapet bringen, häufig im Plattd. gebr. 

tapper, tapfer, derb, tüchtig. 

Tapp'n (Subst. u. Verb.), der Zapfen 
und zapfen z. B. Bier. 

Tappjumfer, ein bei einem Bier- 
schenker dienendes Mädchen, dem die 
Pflicht obliegt, das Bier für die Gäste 
einzuzapfen. 

Tapps, auch im Nhd. gebräuchlich 
für: Tölpel, tapps'n 1. beim Gehen 
stampfend auftreten; 2. sich unge- 
schickt und plump betragen. Tapps- 
in>de-GrÜtt, Scheltnnme für den, der 
rasch und unüberlegt auch in wichtigen 
Dingen zufährt. 

täpSCh ist nicht mit dem nlul. täp- 
pisch gleichbedeutend, sondern be- 
zeichnet das Kindische, Alberne in Ma- 
nieren,Stellungen,Geberden, besonders 
wenn man in der Sprache die der klei- 
nen Kinder nachahmt. 



tärg'n, tarn, zerren, necken, zum 
Zorn reizen, z. B. den Kettenhund. Das 
alts. terjan bedeutet dasselbe. 

Tärgert, das Foppen, zum Besten 
haben. 

tarn 1. zehren, goth. tairan, alts. te- 
rian. Öt anner Lud Btid'l tarn, auf 
fremde Unkosten leben ; davon Tärung. 
2. mitTlieer bestreichen. 

Tasch, die Tasche, wie imHochd., 
ausserdem die verkrüppelte Pflaume, 
die ohne Stein eine Höhlung im Innern 
hat und zu Nichts taugt. Dütt Jaor gifft 
väöl Taschen. 

Tass, der Raum zur Seite der Scheu- 
nentenne, wohin das eingefahrene 
Korn gebracht und gepackt (gebanst) 
wird. 

tass'n, tasten. Hön'r tass'n, durch 
Betasten untersuchen , ob die Hühner 
ein ausgebildetes Ei bei sich haben. 

Tass'nkopp, die Obertasse. 

Tatsch, die breite Hand, wahrschein- 
hch s. V. a. Patsch. 

Tau 1. ein starkes Seil. 2. derWe- 
berstuhl. 3. im Hansjochenswinkel be- 
deutet es auch jedes irdene Küchen- 
und Hausgeräth; Kafifeetau = Kaffee- 
kanne. 

tau'n, gerben, das Leder zubereiten ; 
Tau'r, der Gerber. 

Täw' und Tiff, die Hündin; auch 
Scliim pfwort füreine liederlicheDirne, 
Ti,Tiwlieisstim Alts, die Magd, 

Taofelkip S. Tobel, 
Taofelstick'n S. Stick'n. 
taog S. tag. 

Täög'I, der Zügel; täögeln, zügeln. 

täög'n, einen auf d. Ziehbank (TäÖg- 
bank) eingeklemmten hölzernen Ge- 
genstand mit dem Ziehmesser (Täög- 
metz) bearbeiten , wie beim Böttcher, 
Rademacher. 



009 



täögern, verzögern ; 't wät wol noch 

'nbät'n täögem, es wird wohl eine Zeit 
dauern ; sick vertäögem, sich verzö- 
gern, länger bleiben, als man wollte. 

Taok'l, Taok'ltfig, Taokelaosch (seh 

wie das franz. ge gesprochen), Geräth 
jeder Art, das gar keinen Werth hat. 

Dattisslüt'r Taok'l, Taok'lwerk. Von 

Back'nbäriKS. oben) unterscheidet sich 
Taok'l dass in jenem der Nebenbegriff 
des Werthlosen nicht enthalten ist. 
2. Lumpengesindel, Mit SÖnn' Taokel 

will ick nix to dön hämm, mit solchem 

Lumpengesindel will ich niclits zu 
thun haben. Das Verb, taokeln kommt 
bei uns nur in Compositis vor. Upp- 
taokeln wird besonders vonFrauen und 
Mädchen gebraucht, die viel Putz anle- 
gen , mit dem Nebenbegriff des Über- 
ladenen und Geschmacklosen; afiftao- 
kein kommt auch besonders vom weib- 
lichen Geschlecht vor in dem Begriff: an 
seiner frühern Schönheit bedeutend 
verloren haben. 

Taolk, die Dohle (Corvus monedula); 
figürlich : ein langweiliger Schwätzer, 
besonders wenn er die einzelnen Silben 
lang zieht. 

taolkig, beim Sprechen die Silben 
langsam ziehend. 

taolks'n, auf eine ungewandte un- 
geschickte Art etwas berühren, beson- 
ders im Gebrauch, wenn ein Mann auf 
diese Weise gegen ein Mädchen zärt- 
lich sein will. 

täöteln, langsam beim Arbeiten und 
Reden sein. TäÖt'ltrinJäÖt'lllS, Schelt- 
worte für ein Mädchen, das bei lang- 
samer Förderung seiner Arbeit auch 
durch viele nichtssagende langsam ge- 
sprochene Worte die Zeit hinbringt, 
nahe verwandt mitnä&lig, worin aber 
der Nebenbegrig des Monotonen im 



Sprechen mehr angedeutet ist. täOtllg 
das Adject. TäÖtler, das Subst. 

Taot'r, M^ahrscheinlich aus Tartar 
entstandener: ein Mensch mit dunklem 
schmutzigen Gesicht. Du SllSt jao Üt 
ass 'n Taot'r. Auch die Zigeuner hei- 
ssen Taoters. 

taotern, plaudern, schwatzen, wird 
in der Altmark nur von Kindern gebr., 
die angefangen haben zu sprechen und 
unaufi]örlich schw^atzen. Mit paotem 
wohl dasselbe Wort. Vgl. täöteln. 

Teckel, der Dachshund ; Scheltwort 
für einen krummbeinigen Menschen. 

teckeln, von Kindern gebr., wenn 
sie mit dem Gesindeetc. beim Ausgehen 
mitlaufen. 

Tegeli, die Ziegelei. Tegl'r, der Zie- 
gelbrenner. 

Tegelsten, der Ziegelstein. 

tei S. tag. 

Teik'n , Tek'n , das Zeichen, goth. 
taikns, alts. tekan. DasVerbum heisst 
ebenso. 

tein, zehn ; goth. taihun, alts. tehan ; 
't issKlock tein, unBettjaonstid. teind, 
der zehnte. Dao wet der teinde nix von, 

das wissen die wenigsten. 

Teite , in der Kindersprache des 
Landes so viel als: Vater ; goth.atta. 

Telj', juno;er Baumzweig. Vergl. 

Tack'n und KöU'. 

tell'n, alts. tellian, zählen. Der Mai- 
käfer teilt, wenn er kurz vordem Auf- 
fliegen die Füliier ausbreitet und mit 
dem Kopfe nickt. 

Temp'l kommt in der Redensart : Üt'n 
Temp'l rüt jaog'n im Begriff von ; Haus, 
vor. Auch bedient man sich dieses 
Worts von Dingen, die zu einer gewis- 
sen Höhe über einander gebracht sind, 
mit dem Nebenbegriff, dass er bald fal- 
len kann. Packt man Z.B.Mauersteine 
zu einer zu grossen Höhe aufeinander, 



223 



so heisst es wohl : datt iss jao 'n Temp'l. Tids, vor Zeiten, sonst Sprichwörter : 

Daher Upptempeln , aufJiäufen, über He süt Üt, dSS de dÜreTld, entweder: 

einander packen. Das einfache tempeln ersieht trübe, niissgestimmtaus, oder: 

kommt bei uns nicht vor. er ist abgemagert. — Wer aich kümmt 

ten (Pr. te, tust ; Imperf. tög ; Partie, to rechter Tid, geit de Maoltid quit. 

taog'n), alts. tiohan = ziehen, wie im Tldverdriw, der Zeitvertreib. Tid* 



Neuhd. Ebenso die Composita anten, 

äfften, dörchten, inten, mitten, naoten, 
toten, nppten, ütten, väörten. Vergl. 

aucli treck'n. gotli.tiiihan,alts. thenian. 



verdriw, het min Wif. 

tidig, zeitig, früh. 

Tiff S. Täw. 

Tiifötg'n 1. mit den Beinen zucken 



tenn' (Präpos.), neben, am Ende. He z. B. sterbende Thiere ; 2. bildh'ch ; et- 

Sitt tenn' Disch, er sitzt an der schmalen was sehr begehren, darauf hinarbeiten. 

Seite des Tisches, abenso ; he iSS tenn' Will z. B. ein armer Mann ein reiches 

bi, er istbeim nächsten Nachbar. Scheint Mädchen für sich zu gewinnen suchen, 

aus toEnn'=zu Ende, zusammen ge- so tilfötgt er danach. 



zogen zu sein, tenn' Föt'n, am Fussende 
des Bettes. 

Tenn', das Zinn, ebenso das Adjectiv, 

auch : tennern. 

Tennget'r, derZinngiesser. 



Timmermann, Plur. Timmeriüd, der 

Zimmermann. 

timmern, zimmern. Timmermanns- 

haorbret, scherzhafter Ausdruck für: 
ein Paar Zoll breit, nach der Meinung, 



tick'n, antick'n, goth. tekan = sanft, dasses dem Zimmermann auf ein Paar 



besonders mit einer Fingerspitze be- 
rühren. Davon : tick upp Näs', ein Spiel 
mit zarten Kindern. 

Tick-tick, ein Lockruf für die Hüh- 
ner: daher in der Kindersprache Tick- 



Zoll Unterschied nicht ankommt. 

Tin S. Satt. 

Tinsen, Zinsen füreinGelddarlehn. 

tippen, die äussf.rste Spitze z.B. des 
Fingers in eine Flüssigkeit eintauchen; 



hÖn,das Huhn ; man gebr. auch eben so mit der Fingerspitze einen Gegenstand 

häufig das Dimin.Tickelk'n. DenHahn leise berühren. In Dittmarschen heisst 

ruft man : Tucktuck, daher das Verbum es dippen, düppen u. hängt mit Dopp^ 

tuckern gebr. wird, wenn der Hahn Hülle etc. zusammen. 

seine Hühner lockt. TuckhÖneken in Tipp'I, der Punkt auf dem Buchsta- 

der Kindersprache: der Hahn. Die beni; kleiner Fleck im Zeuge oder in 

Kinder singen: TuckhÖneken, Tuck- der Haut; feiner Regentropfen, wenn 

höneken! watt deist upp unsen Hoff, er einzeln fällt. 

du frittst uns all de Blöm'r äff, du tippeln S. stippein. 

maokst'tgaortogroff. tirig, schmierig, besonders von halb- 

Ticktack, die Pendel- auch Taschen- flüssigen Gegenständen, wenn sie nicht 

uhr, davon das Verb um: ticktack.'n von flüssiggenugsindz. B.Wagenschmiere, 

dem Ton der Wanduhr. Von derTa- Öle zum Vermeiden der Friction bei 



sehen uhr wird das Verb, tickem gebr. 
T!d, alts. tid, die Zeit, bi Tid'n, bei 
Zeiten, früh, to Tid'n, zu Zeiten, bis- 
weilen. TIdwass't, CS war hohe Zeit. 



den Maschinen. 

Tiss, Titt, die Zitze, bei Menscheu 
und Thieren; Tittgäw'n, einem Kinde 
die Brust reichen. Von einer Mutter 



de Tid be(d)'n, Jemanden grüssen. Ehl oder Amme, die wenig Nahruug für 



das Kind hat, sagt der Landtnann : hX 
Titt'nwerk döggt nix. Sprichwort: 

Ämm iss'n göden Titt affönäd'n, er hat 
eine bedeutende Hülfe, Protection etc. 
verloren. 

Titt'nwif S. Hunnques'. 

TittmÖD, die Amme. 

to (Präp. ) zu ; nu to ! nun vorwärts ! 
gaoto, geh vorwärts; hennto, hinzu; 

to 'n anner, zu einander ;to Jaor, von to 

Jaor,im vorigen Jahre; datHÜS issto, 

die Thlir ist verschlossen; na! denn 
man to ! nun ! wenn es so steht, dann 
fahre nur fort! toPasS, zurrechtenZeit; 
toMötkaom, begegnen. Die Mehrzahl 
der mit dieser Präposit. zusammenge- 
setzten Verba, deren Begriff sich aus 
dem einfachen Verbo von selbst erklärt, 
sind übergangen. 

Tobacksblöm S. Stenblöm. 

Tobb, ein dickköpfiger Nagel, mit 
dem die äussere Belegung des Wagen- 
rades befestigt wird. 

tobit'n , beim Trinken etwas Con- 
sistes (Brot, Semmel etc.) geniessen, 
verschieden von instipp'n. Wer Ge- 
bäcksei in den Kaffee tunkt und so isst 
stippt in, wer von dem Gebackenen 
während des Kaffeetrinkens ein Stück 
abbeisst, ohne dasselbe vorher einge- 
tunkt zu haben, bitttO. 

Tob'l, Taof Ikip, derKober, ein aus 
breiten Holzspänen oder Kieferwur- 
zeln geflochtenes mit einem Deckel 
versehenes, Geräth zum Aufbewahren 
von Esswaaren etc. des ausfahrenden 
Landmanns. 

töb'n, tÖW'n, warten; töf 'n Bät'n, 
warte ein wenig; häst tow'n Ifert, Zu- 
ruf an einen Ungeduldigen; tÖf, ick 

will di help'n, eine Drohung ; tof man 1 

warte nur ! (drohender Zuruf). 

tobring'n, zubringen, vom Heiraths- 

gut ; s^ bat mi dusend Daoler tobracht. 



tockeln, sein Hausgeräth aus einer 
Wohnung in eine andere bringen. Von 
Üttfen oder Üttreck'n unterscheidet es 
sich, dass jener nur den Act desUm- 
ziehens selbst im Auge hat. Ick tfe oder 
treck Üt kann man schon eine geraume 
Zeit vor dem Umzüge, ebenso gut aber 
auch vom Act des Umzuges selbst sa- 
gen, tockeln aber nur vom letztern. 

tock'n, zupfen, ziehen, z. B. die ein- 
zelnen Flachsfäden beim Spinnen. 

Todaot,dieZuthat. 

toddeln, in einzelnen kleinen Thei- 
len herabfallen. Wenn in einem Korn- 
etc. Sack ein kleines Loch sich be- 
findet, so toddeit das Korn heraus, liegt 
Stroh und Heu auf den Schleten und 
fallen einzelne Halme herab, so toddelt 
es. Im bildlichen Sinne bedeutetes: 
einzeln herankommen ; se kaom'n an« 

totoddelnoder: se kaom'n toddelwis, 

sie kommen einzeln an. 
Tofall, Zufall. 
toflin S. flin. 
TöffI, Schimpfwort, der Tölpel. 

tofräd'n, zufrieden; kannst en to« 

fräd'n laot'n, lass mich in Ruhe ! zerre 
mich nicht! 

Togg, Phir.TäÖg, in allen Bedeutun- 
gen des Nhd. Z u g, jedoch wird es von 
einer Seelen- oder Gemüthsstimmung 
nicht gebr. Das ist ein schöner Zug von 
ihm kann nicht durch Togg gegeben 
werden, dagegen : hfe iSS in' Togg, er ist 
in gutem Zuge. Der PI, Täög' ist auch 
zugleich der Plur. vonTÜg, das Zeug. 
S. unten. 

togäb'n, Sick S. grunsen. 

tO'gang wird vonReconvalescenten 

gebraiTcht : ick bin wedder to-gang. 

Tögling (aus Zögling) bedeutet hier: 
ein Lieblingskind der Eltern, das dann 
folgerichtig verzogen wHrd. 

tograpsch'n S. grapsch'n. 



225 



tohöp A Jv., (wörtlich : zu Haufen), 
zusammen, alltohöp, alle zusammen. 

tokaom u.tokaomd (Adj. u.Adv.), 
künftig, tokaomde Tid, tokaomd'n 
Sommer. 

tokik'n, zusehen ; tokik'n gaon, hin- 
gehen, wo etwas zu sehen Ist. 

tokrig'n l. eine Zugabe erhalten. Ick 

heff 'n Stüt tokräg'n oder: hehatmi 'n 
Penningskringel togäb'n. % bewirken, 
dass etwas zu gehe oder verschlossen 

werden kann. Ick kann de Däör, dat 
Slott u. dgl. nich tokrig'n, Ich bin nicht 
Im Stande die Thüre, den Überwurf, 
das Schloss zuzumachen, zu verschlle- 
ssen. 

Tol, ein schlechter unansehnlicher 
Hund. Von einem schlechten Dorfe, 
worin arme Bauern wohnen, sagt man : 

Ar Töl'n sitt'n upp'n Backaowen un 
blaffen. Jaokobsdag kumm ball, ball, 
ball ! ans Brot iss wedder all, all, all ! 

Ein Dorf pflegt wohl ein benachbartes 
mit diesen Worten zu necken, woraus 
nicht selten arge Rauferelen entstehen. 

Toll 1. S. Noll. 2. der Zoll, als Län- 
genmass. 3. der Zoll, Steuer, Abgabe. 

Tolaog, der Beitrag zu den Gemein- 
delasten, insbesondere die Grundsteuer. 

Tolaog'ndräger heisst der Bote, der 
die Grund- etc. Steuer allmonatlich aus 
mehrern Orten einsammelt und über- 
liefert. 

toU'n S. RUfflis'n. 

Tolöp, der Zulauf ; Anlöp, Anlauf. 

Tom, der Zaum, Zügel. 

töm' 1. zäumen, den Zaum anlegen; 
2. zahm machen. 

to-möd, wörtlich ; zu Muthe, wird 
j. vom körperlichen Befinden gebr.: 

mi is nich recht to Möd, ich bin unwohl. 

'2. Mi is to M6d heisst aber auch ; ich ver- 
muthe, habe eine Ahnung. 

tomöd'a, zumuthen, anmuthen ; ick 



will 't di nich tomod'n, datt da mitgeist. 

Dasselbe bedeutet anmöd'n. 

Tön, der Fusszehen. 

Tönknip'r , der grösste Wasserkäfer 
(Hydrophilus piceus). 

to pass kaom', to maot kaom', zur 

passenden Zeit kommen. 

toplant'n, das Pflanzen beendigen; 

de Tüffeln sünd toplant, mit dem Kar- 

tofi'elpflanzen bin ich fertig. Ahnlich 
ist der Begriff tOSein, toplög'ü. 

topntsch'n S. putsch'n. 

torack'n, tosmaddeln,tofl!n, tosad- 

dein S. besuddeln. 

torecht, zu recht; maok di torecht, 

ziehe dich gehörig an. 

Törkapp'ljderKürbis. 

torkeln, stark taumeln, fast zum Fal- 
len kommen wie ein Betrunkener oder 
ein steifgewordener Greis. Adjectiv 

tork'lig. 

Torm, der Thurm, Plur. Törm. 

töm' 1. auflösen , trennen ohne zu 
zerreissen. De Naot npptöm'n, den Fa- 
den, mit dem genähet ist, herausziehen, 
oder ihn zerschneiden, doch so, dass 
die durch die Naht verbundenen Theile 
nicht verletzt werden. 2. drückt es 
eine Missstimmung des Gemüths aus, 
diesich durch Worte Luft macht, doch 
so, dass der Verstimmte nicht gerade 
herausspricht, sondern mehr andeutet. 

Watt törnst da denn ? sprick graod 

herüt, sprich gerade heraus was du 
willst, und nicht in unverständlichen 
Andeutungen. Es kann sich beim Tör- 
nen selbst ein heiteres Gesicht zeigen. 
Abzuleiten von dem hier ungebräucli- 
liehen Tom (alts. ebenso) der Zorn, 
törn'n also eigentlich zürnen, welcher 
Begrift jedoch für den jetzigen Ge- 
brauch des Worts zu stark ist. Es giebt 
im Platttl. eine Menge Wörter, welche 
die Verstimmung des Gemüths ausr- 

29 



226 



drücken , deren feine Unterschiede 
schwer zu bestimmen sind. Ques'n, 

quängeln, wrägeln, dwärnägeln, wran- 
ten, nörgeln oder närgeln, nöckern, 
brummen, gnnrren, kritteln, gnaddern, 
gniddern, gnägeln, gnfew'n drücken 

sämmtlich die Verstimmung aus, aber 
nur insofern, als der Verstimmte auf 
irgend eine Weise sich durch Worte 
äussert. Für den stillen schweigsamen 
Gemiithszustand wird keins dieser 
Wörter gebraucht. Von allen diesen 
Wörtern sind die Adjective auf -ig, und 
die Substantive auf -er im Gebrauch. 

toniern, seinen Unmuth laut und an- 
haltend äussern , Frequent. von töm'. 
Sinnverwandt sind: SChelltt, kiw'u, 

spetaokeln, Spitaokl maok'n, lärm' 
oder Lärm maok'n, to Ker gaon. 

Tort, in der Redensart : datt hat hh 
mi tum Tort daon, das hat er gethan, 
mich zu ärgern, mich zu schikaniren. 

törwig, torfig, torfartig z. B. der 
Acker. 

tosaom, zusammen. 

tosaom'gäw'n , verheirathen , tran- 
sitiv ; sick tosaomgäw'n, sich verhei- 
rathen. 

tOSChann, beschädigt, zerbrochen. 

denn' Pott hast all wedder toschann 

maokt, den Topf da hast du schon wie- 
der zerbrochen. 

tOSChÜnn' = seh Linn'. 

tosmuddeln, tosnddeln S. besuddeln. 
Totogg, Totucht und Towass, An- 
wuchs, Zuzucht. Ick heffnoch Totogg, 

ich habe von der Art Vieh noch mehr. 
totrulig, zutraulich. 

Toverlaot=Verlaot. 

Tovertriin, das Vertrauen. 

towedder, zuwider ; hh iss mi ganz 

tOWedder, er ist mir zuwider d. h. 1. ich 
kann ihn nicht leiden ; 2. erarbeitet mir 
in allen Stücken entgegen, tritt meinem 



Handeln feindlich entgegen; datt ISS 
mi towedder, das ekelt mich an. 

töwern, zaubern, Hexerei treiben, 
Substantiv Töwer!. 

towiln, zuweilen, bisweilen. 

tÖW'nS.tüb'n. afftöw'n, abwarten. 

TÖZ S. Tüskalf. 

traläl'n, Tralala singen, laut und un- 
artikulirt singen z.H. wie ein Betrun- 
kener; dann schlechtweg singen. Laot 

nns 'n bät'n traläl'n, 't iss jao morgen 
doch Stinndag (Voss). 

Tramm'l- oder Trumm'lbär, eine 

schlechte Art von Birnen, den wilden 
nahe verwandt. Vgl. Höltk'n. 

tramp'n, tramps'n, trapp'n, trapps'n, 

heftig und ungestüm mit den Füssen 
auftreten; trampeln, diesFrequentativ 
drückt das Trampen in kurzen Ab- 
sätzen aus, das wiederholte, rasche in 
der Bewegung der Füsse, auch wen:in 
sie nicht die Erde berühren, z. B. kleine 
Kinder, wenn sie vom Arme zur Erde 
wollen: trampeln; wofür man auch 
wohl strampeln gebraucht. 

Trapp, dieFussspur. 

Trarat S. Hupp-upp. 

traschaok'n, trischaok'n = dra- 

schäükeln. 

tratsch'n, nachlässig gehen. 
trawallj'n S. dravallj'n. 

Traonl. derThran (aus dem Speck 
der Fische). 2. die Thräne, alts. trahni : 
Plur. wie der Singular, 3. der Tropfen, 
dafür häufiger das Diminut.Trä^nk'n. 

Ick will man 'n Träöuk'n to mi ngm'n, 

ich will nur ein Tröpfchen Branntwein 
nehmen. 

Traonkrösel, alte schlechte Lampe. 

TraonÖg, Triefauge. 

Traon-trin, die Küchenlampe. 2. ein 
Kind oder ein Erwachsener, dem das 
Weinen sehr nahe ist. 



r 



227 



n traon', thränen. de Og'n traon' mi 
glick in'n Rök. 

träötschen (im Sprechen streng von 
dräötschen verschieden , das sicherlich 

dasselbe ist) = vielerlei und Unsinn 
sprechen, klatschen. Das Subst. heisst 

Geträötschauch Träötscheri. 

Trechter, der Trichter. 

tieck'n (Pr. treck; Imperf. trock; 
Part, trock'n u. treck t)=: ziehen, stär- 
ker als ten(S. oben) aber häufig gleich- 
bedeutend. Es ist eigentUch ten mit 
einer grössern Kraftanwendung. Auch 
mit reck'n ist es sehr nahe verwandt, in 
letztern ist der Regrifl' des D e h n e n s 
vorherrschend. Spannt der Tuchsche- 
rer ein Stück Tuch in den Rahmen, um 
es in die Breite auszudehnen, so leckt 
er das Tuch Üt. Die Composita von 
treck'n lauten so wie bei ten. — Sick 
treck'n sagt man auch von einem ver- 
liebten Paar, das gern spazieren geht. 

He treckt sick mit Ltschen. 

Trecksehi. Treckeis, ein kleines 
Fuder Heu, Stroh etc. 

tred'n (du trittst; Imperf. tred; Im- 
perat. tritt; Part. tred'n)=treten, wovon 
de Tritt , das auch den Hahnentritt im 
Ei bedeutet. 

Trin, Trink'n, d. Vornam. Catharina. 

Trindört, CatharincDorothee. 

Trlngret, Catharine Margarethe. 

Trlnlis', Catharine Elisabeth. 

Trinfe od. Trinflk, Catharine Sophie. 

Trinre, Catharina Maria. 

Triss'l, die einfache od. zusammen- 
gesetzte Kolle, um durch dieselbe eine 
Last leichter in die Hohe zu heben. 

trisseln, alts. thringan, dasVerbum 
davon, wird aucli bildlich gebr., wie 
tribullren, für quälen, ängstigen, 
mir Bitten dringend bestürmen. Tn die- 
ser Bedeutung heisj^t es auch trölzCD, 
das goth. threihan bedeutet drängen, 



bedrängen , wovon threisl= Bedräng- 
niss, Drangsal. 

trödeln l.Trodelwaare feil haben j 
2. langsam im Arbeiten sein, nicht fertig 
werden; 3. Arbeiten vornehmen, die 
unnütz sind, und nur zum Hinbringen; 
der Zeit vorgenommen werden. Subst. 
Trödeli, Trödeler. 

Tropp'l S. Drümp'l. 

trü, treu. 

Trubel, Haufen, Menge. 

Trudd'ldÜW, die Holztaube. 

trtigg,tortigg, zurück. He iss noct 
trtigg in de Schöl. Trtigg kaom', in sei- 
nem Vermögen sich verschlechtern. 
De Saot iss noch trügg, das Getreide ist 
in seinem Wachsthumnoch zurück. 

Trnll', wohlbeleibtes Frauenzimmer, 
gewöhnlich mit dem Adject. dick ver- 
bunden. 

TrüH, Neige in einem Biergefäss, 
überhaupt schlechtes, gehaltloses Ge- 
tränk. 

trül'n, trül'n, rollen, fortrollen lassen, 
von ganz oder zumTheil abgerundeten 
Gegenständen gebraucht; die Kugel, 
das Obst, die Würfel etc. trül'n. Im Alt- 
engl. soll trul eine Walze bedeuten ; im 
Hannoverschen ist trÜC eine runde 
Scheibe, Rolle, Das Substant. Trtil be- 
zeichnet alles was wegen seiner abge- 
rundeten Form leicht fortrollt. Bildlich: 
ein kurzer dicker Junge. Appeltrül 
heisst ein in Teig gehüllter u. gebacke- 
ner Apfel, der wegen seiner runden 
Form leicht trült. 

trtin 1. transitiv trauen, vom Geistli- 
chen. 2. intransitiv trauen, vertrauen, 
alts. truon. 

Trnmm'l, die Trommel; trumiBelD, 
trommeln. 

Trumm'lstöck'r helssen auch die 
Blüthenknuspen, der Wasserlilie (Nui- 
phar luteum) mit dem Stiel, wegen der 



228 



ÄbnrichkeitmitdenTromtnelstÖckern. 
Die Blumen von Niiphar u. Nymphaea 
heissen Waot'rtulp'n. 

Trump'I S. Drümp'l. 

Trür, Trauer, Verbum trürn, Ad ject. 

trurig und drorig. 

Trat, der Napf in dem das Fressen 
für den Hofhund sich befindet. 

Trutzel, ein Liebkosungswort, zu- 
weilen auch ein Scheltwort, was aber 
dann ein Adject. z. B. oll bei sich hat. 

Tubb'n, Kübel, Zuber mit einem 
Handgrifi", kleiner als : Balj. 

Tucht 1. Zucht; in Tucht holl'n. 
2. Zuzucht, dat Kalf wick tor Tucht be- 
holl'n oder sali to Tucht gaon bliwen. 

TuchtSäÖg, die Zuchtsau. 

Tückbold, Irrlicht, Irwisch. Nach 
dem Aberglauben sind die Irrlichter 
tückische Geister oder die Seelen der 
vor der Taufe verstorbenen Kinder, die 
den Wanderer in der Dunkelheit vom 
rechten Wege ab und in einen Sumpf 
locken. 

n tuckern drückt das Locken d. Hahns 
aus, wenn er den Hühnern ein gefunde- 
nes Krümchen überlassen will. Vergl. 

tick-tick. 

TückmÜS'r, derDuckmäuser, bedeu- 
tet im Plattd. nicht einen verstockten 
auf den Schaden seiner Nächsten sin- 
nenden Menschen, sondern der finster, 
wortkarg, verschlossen ist, mit andern 
nicht spricht, kurze einsilbige Antwor- 
ten in einem unfreundlichen Ton giebt, 
wobei auf deninnern Werth oderUn- 
werth gar keine Rücksicht genommen 
wird, Adjectiv tückmtis'rig, Verbum 

tückmüsern. 
tudern , vertttdern wird vom Garn 

oder Zwirn gebr., wenn die Fäden sich 
zu verwirren anfangen, woraus dann 

ein sladern, versludern wird (S. oben) ; 
sick vertüdern bedeutet ausserdem: 



sich im Reden, oder im Hersagen von 
Auswendiggelerntem verwirren, und 
in Widerspruch gerathen. Vgl. auch 

sick verttitteln. 

Tüff'l 1. Kartoffel. 2. Pantoffel, 
Tüg, das Zeug in allen seinen Bedeu- 
tungen. Dat Tüg holt nich ; dumm Tüg. 

Auch wird das Wort häufig zur Um- 
schreibung desPluralis mitSubst. ver- 
bunden, um den Begriffder Menge oder 
des Tadelnswerthen hineinzulegen 

z.B.Fleg'ntüg, Wiw'rtüg, Schelmtüg, 

Spitzbob'ntÜg etc. Dies Wort schliesst 
auch nicht selten einen Tadel ein, wie 
das nhd. Zeug. In diesem Falle nimmt 
das Wort im Ablaut ein S an. Dat TügS 

will jao gar nich wass'n, das Zeug da 

(etwa der Kohl , Pflanzen) will ja gar 
nicht vorwärts im Wachsthum. Auch 
der Vocal Ü wird in diesem Fall gedehnt 
gesprochen. Der Pluralis Täög ist auch 
zugleich Pluralis von Togg (S. oben). 

Wattsünd datt väör Täög, was ist das 

für dummes Zeug. Watt 't TÜg holl'n 
will, mit allen Kräften, 

Tüg', der Zeuge, unterscheidet sich 
vom vorigen durch die Aussprache, in- 
dem der Vocal länger nachtont und nur 
wenigauf gruht. 

tüg'n, zeugen, in allen seinen Bedeu- 
tungen. Sick tüg'n, sich anschaffen, an- 
kaufen mit dem Nebenbegriff, dass es 

ein Opfer war. Ickheff mi 'n uiuRock 
tngt. Datt kann ick mi nich tüg'n, das 

kann ich mir nicht anschaflen, dazu 
reichen meine Mittel nicht aus. Von 
sick tarn darin verschieden , dass dies 
Wort den Nebenbegriff desUnvermü- 
gendseins nicht ausschliesst. Er kann 
immer die Mittel haben, sich etwas zu 
kaufen, will es aber nicht. 

Tül S. Hott. 

tUlks'n wird vom eifrigen Saugen 
der Lämmer gebraucht. 



Üf»' 



Tüir 1. die Dille d. h. die kurze 

Rühre eines Leuchters, einer Laterne, 
zur Aufnahme des Lichts. 2. die kurze 
Ausgussrühre an den Töpfen und an- 
dern Geschirren. 

tftln, tüsn,tüseln, in den Haaren zau- 
sen, raufen. 

tümmes, abwechselnd. Wollen zwei 
Personen ein und dasselbeGescIiäft ver- 
richten und sie einigen sich dahin, dass 
sie abwechselnd arbeiten wollen, so 

Leisst es : laot uns datt tümmes maok'n. 

Ttimp'l 1. ein Haufen ; 2. die Pfütze, 
Wasserpfuhl. 

tfimmeln, taumeln z.B. im betrun- 
kenen Zustande. 

Tümmler, eine Taubenart. 

Tun S. Heck. 

tun', einen Zaun maclien. 

Tung', die Zunge; goth.tuggo, alts. 
tunga. 
TÜnkÖnnig, der Zaunkönig. Er singt: 

Zick'r, zick, zick, zick, de Vöggelkönig 
datt bin ick. 

Tunn', die Tonne, Dimin. TÜnnk'n. 
Tunner, der Zunder. 
TÜnrit, das rauhe Labkraut (Galium 
apariue). 

Tünstaok'n, der Zaunpfahl. 

Tür, der Raum nach Zeit und Ort. 

IckheGfaH'n gödTür maokt, ich habe 

schon einen beträchtlichen Weg zu- 
rückgelegt, 'n düchtige Tür slaop'n, 
eine ziemlich lange Zeit schlafen. 

turn, zwecklos umhergehen; hfe 

türt den ütgeslaog'n Dag iimher. 

Tüskalf auch TÖZ, ein Kalb weibli- 
chen Geschlechts ; ebenso TüsröU'n, das 

Fohlen weibl. Geschlechts, 

tüsch'n, tauschen; Tüsch, Tüschert. 
Ehrlich Tüsch iss ken Schelmstreich. 

tUSCh'n und tuschen, im Reden Ein- 
halt thun, Jemanden beschwichtigen, 



durch sanfte Mittel ihn veranlassen, 
nicht weiter zu reden. 

Tut' 1. die Tute (aus Papier). 2. der 
Regenpfeifer, ein Sumpfvogel (Chara- 
drius pluvialis). 

Tütkendreier, spöttische oder ne- 
ckende Benennung d. Materialwaaren- 
händlers. 

tüt'n, mit dem Hörn blasen, wie der 
Hirte, Nachtwächter etc., bildlich auch 
von Kindern, die laut weinen. 

tütteln, bei seinem Geschäfte ver- 
gesslich und dadurch säumig sein, und 
in Verlegenheit gerathen, überhaupt: 
vergesslich sein, sich nicht mehr recht 
ausdrücken u. besinnen können, wie im 
höhern Alter, davon tttttlich, Tüttler. 

Twärn, der Zwirn, das Verb, heisst 
ebenso; blaueuTwärn, der Brantewein. 

twe, alts. tuena, tua, tue, zwei ; das 
goth. t v a i findet sich noch im Plattd. : 
intwei=entzwei, wofür auch blostwei 
im Gebrauch ist. Min Rock isS twct, der 
Rock ist zerrissen oder hat ein Loch, 

tweduwwelt, zwiefach, doppelt; 
(wörtlich : zweidoppelt) ; Pleonasmen 
der Art finden sich im Plattd. mehr. 

tweerlei, zweierlei. 

Twegt, ein schmaler Steig, enge 
Viehtrifft, auch Dweuger. 

Twelldissel, die Scheere am ein- 
spännigen Wagen. 

twer = dwer. 

tw^släöprig oder twesläöpern Bett, 

ein Bett, in dem zwei Personen schla- 
fen können. 

twet, der zweite; SÜlftwfet, selb- 
ander. 

Twibister, das Halbdunkel. 

Twig, der Zweig; angels. tvig. 

Twilicht , das Zwielicht. 

twing'n, zwingen, alts. thuingan. 

twintig, zwanzig, a\ti. tucntig. 

twiSCh'n, twißk'a, is\vischen. 



230 



Twiw'l, Zweifel ; twiweln 1. zwei- twölf, zwölf; alts. tuelif, goth. tralif. 

fein ; 2. zwiebeln d. h. qnälen mit Wor- TwÖlften, die zwölf Tage zwischen 

ten und mit der Tbat, ängstigen, goth. Weihnachten n. heiligen drei Könige; 

tweifls = der Zweifel; alts, tvvifli = sie spielen eine bedeutende Rolle in der 

zweifelhaft, vertwiwelt, verzweifelt. Hexerei und dem Aberglauben. 

Twiwler, der Zweifler. 



U. 



Üder, der Euter; griech. ov^rap. 

fidern, in üder gaonwird von Kü- 
hen etc. gebraucht, wenn kurz vor dem 
Kalben die Euter anschwellen. 

nkerwenSCh l. unverständlich, kau- 
derwälschim Sprechen. 2. von Sachen 
gebraucht, bedeutet es das, was ganz 
anders ist als es in der Regel sein soll. 

DeBöm staoa jao hir nkerwensch, die 

Bäume stehen ja ohne alle Ordnung, 
man sollte hier eine ganz andere Stel- 
lung erwarten. 

Ül l.die Eule (Strix). 2. die Eule 
d.h. eine Sippe aus der Ordnung der 
Nachtschmetterlinge. 3. d. Eule, Borst- 
wisch, Borwisch, aus Schweinsborsten 
zumFegen etc. mit langem Stie](Wand- 
tl) oder mit kurzem (HandÜl), beide 
heissen auch ; HaorÜI. Einige Redens- 
arten verdienen noch gemerkt zu wer- 
den. In de ülnflucht, in der Dämme- 
rung. ÜlnunKrei'n maok'n, schlechte 

Buchstaben schreiben. He passtassde 
Ul nimer Krei'n, er eignet sich für die 
Gesellschaft gar nicht, ist dort nicht 
gern gesehen. Blind ass'nUl sagt man 
besonders von denen, die aus Flüchtig- 
keit über etwas, das sie z. B. herbei- 
bringen sollen, hinwegsehen. Se SÜt 
Üt ass 'n Ül = 't iss 'n Haortil, dem Mäd- 
chen etc. hangen die Haare ungeordnet 
um den Kopf herum. Ül'n und afEtH'n, 
mit dem Kehrbesen die Wände vom 
Staube, Spinngewebe etc reinigen. 



Ulnspegel, der Eulenspiegel, närri- 
scher Kerl. 

Ülk (statt: Ilk von ill =büse), der 
Iltis (Mustela putorius) und wiewohl 
seltener: der Hausmarder (Mustela 
foina). Der gemeine Mann unterschei- 
det diese beiden Arten vonRaubthieren 
nicht hinreichend,nennt jedoch letztern 
häufig Maort. 

Ülsdäörn, der Ülsedorn, die Stech- 
palme, eine immergrüne Buschpflanze 
mit glänzendgrünen stachlichen Blät- 
tern, in Form der Lorbeerblätter (Hex 
aqui folium. 

umm,ämm; um. hemm (Präpos. u. 
Adverb.). Du geist timm, du machst 
einen Umweg ; dcTld ISS Ümm, die Zeit 
ist verflossen ; achter Umm, hinten her- 
um ; dao bin ick ümm, da bin ich drum 
d.h. das habe ich verloren, darum bin 
ich betrogen; Ümm datt, damit. Sprich- 
wort: 'n göden Weg timm iss ken 
Krümm sagt der Fuhrmann, wenn er 
einen längern aber bessern Weg wählt; 

Watt he mit d' Hänn' nppricht, datt 
stött he mit 'n Aorswedder ümmdrückt 

einen sehr unbeholfenen, ungeschick- 
ten Menschen aus. — Die Zusammen- 
setzung der Verben etc. mit Qmm ist 
zahlreich , deren Bedeutung aus dem 
einfaclien Verbo leicht erkennbar ist, 
daher sie hier grösstentheiLs übergan- 
gen werden. 

fimmdön, umhängen; dö mi doch'n 
Haatel ümm. Sick timmdön, sich Mühe 



231 



geben, etwas zu erforschen, sich nach Menschen und Thiere mit dem Begriff 

etwas erkundigen. des Wilden, Ungebäudigten. 

Ümmer,timmerweg, immer, stets. UnfläÖtSCh, unQätig in allen seinen 

ümmgänger 1. ein Schaf, das an der Bedeutnngen, auch als Bezeichnung 

Drehkrankheit leidet; 2. ein Müssig- des Superlativs im Gebrauch. 



ganger. 

timmhörn S. hörn. 

Ümmkaotern, umkaoterern, umän- 
dern, abändern. He ummkaoterert dat 
ganze HÜS, er verändert alles im Hause. 

timmkippen i. umfallen; de Stöl 
kippt timm,d. Stuhl schlägt um; 2.abor- 
tiren ; SC hat kippt oder Ümmkippt. 

ÜmmlangS, in der Umgegend. 

Ummlöp holln. Als die Bauernfelder 
noch im Gemenge lagen, bestimmte der 
Schulze, wenn das Mähen seinen An- 
fang nehmen sollte ; Tags vorher ward 
Ummlöp holln d. h. es ward ein Paar 



Ungedullig, ungeduldig. 
Ungedur, Ungeduld. 
ungesund bedeutet in der Sprache 
des Landmanns auch bruchkrank. 
Unglück, d. fallendeSucht, Epilepsie. 
Unlik, imgleich. 
Unn', unten. 

unnedäm, wörtlich: unter dem, so 
vielals: wohlfeiler, geringer; Unnedäm 

kann'k'tnichverköp'n. 

unner i. vmter; unner sick gaon 

laot'n, von schweren Kranken: cacare. 
2. während, unner de Prädigt, während 
des Gottesdienstes. Der hiervon gebil- 



Stunden zur Probe gemäht, am folgen- dete Superlativ kommt in der Altmark 



den Tage aber VUllweg meit. 

ummerherflötjen, fanllenzen. 

Ümmschichtig, wechselsweise. 

Ümmsen (Substant.). In'n Ümmsen 

WaSShe weg, in einem Augenblick war 
er verschwunden. 

umsüss, umsonst, gratis und frustra. 

Ummtrecken l.seineWohnung ver- 
ändern ;2. andere Kleider anziehen. 

Un, alts. end, und. Die mit un zu- 
sammengesetzten Wörter, die aus den 
nicht zusammengesetzten Woltern 
riicksichtlich ihrer Bedeutung von 
selbst erheilen, sind übergangen. 

Unband, ein ausgelassen munterer 
Mensch, Unbännig, anch von grossen 
Hausthieren im Gebrauch. 

Unbehtilpsch, unbeholfen. 

unbeiöpen S. rop'n. 
ündäögt, der Taugenichts, aber in 
einem viel mildern Sinne; bist 'nun- 
ist kein harter Tadel. 



nur Substantiv, vor, ick bin d' Unuerst, 
ich habe den untersten Platz in der 
Schule. 

UnnerärtSCh, ein mythisches zwerg- 
kleines Wesen, dessen Dasein noch von 
vielen geglaubt wird; bildlich wird es 
auch von auftauend kleinen Personen 
gebraucht. 

unnerböt'n S. böt'n. 

unnerdörch, unterdurch; dao bist 

UnnerdÖrch, dabei kommst du zu kurz, 
bist der Unterliegende. 

Unnerhands, unter der Hand; datt 

iss mi unnerhands wegkaom ; unner- 
hands will ick di vertelln , im Ver- 
trauen will ich dir erzählen. 

Unnerkötig, eiternd, doch so, dass 
der Eiter (Küt) noch unter der Haut 

steckt; auch bildlich: dat Dingiss Un- 
nerkötig» das ist eine faule Sache. 

unnerkrüp'n S. krup'n. 
unnerlangs und unneriaot (meist mit 
Und^rt, Untliier, Schimpfwort für vorgesetztem äU verbunden) wieder- 



232 



holentllch, häufig ; allüiinerlaot kümmt 
miwattweg. 

unnerstaon, Sick, sich unterstehen 
d.h. sich erdreisten, wagen ; unnerstao 
dimaolÜst eine droliende Abmahnung. 

nnnöd, ungern; ickdö'tnnnöd, ich 

thue es ungern. Im Alts, bedeutet o d i 
leicht ; u n o d o schwer, nicht leiclit. 

nnntitt, unnütz, sich unpassend und 
ohne Anstand vertheidigend, unartig. 

ünraot kommt nur in figürlicher Be- 
deutung vor; datt iss Unraot, das ist 
etwas Überflüssiges, Verwerfliches, 
ist nicht haushälterisch. 

Unrecllt Hals, die Luftröhre. 

unrennlich, unreinlich, schmutzig, 
von Sachen u. Personen. 

nnrimsch, ungereimt,närrisch, nicht 
bei Verstände ; he isS Unrimsch 1. er ist 
verrückt,wahnsinnig. 2. er spricht wie 
ein Verrückter. Vgl. anwälSCh. 

unsacht S. sacht. 

Unsmidig heisst der , welcher sich 
beim Essen übernimmt, ein Schlemmer. 

unvermod'n, unvermuthet. 

ünverträ, der Vogelknötrich (heisst 
auch Wegenträ) (Polygonum avicu- 
lare), in anderti Dörfern : der Wegerich 
(Plantago maior). 

nnverwärns, unversehens; ick heff 
dinnverwarns StÖtt, ich habe dich ge- 
stosseu ohne es zu wollen. Von waorn 
sich in achtnehmen. 

ünwad'r, Unwetter. 

Ünzel, die Schnellwage. 

Upp, alts. üp, auf; npp IUI daol, auf 
und nieder; npp ün äff 1. auf und ab; 
2. bisweilen; Upp un ann, bisweilen. 
He iss npp, er ist aufgestanden (aus dem 
Bette) ; 't Fudder iss upp, das Vieh f utter 
ist aufgezehrt; npp d' Nacht, in der 
nächsten Nacht. - ; 

nppbrenn' S. wamsen. -f^m 
uppdÖD, Jemandem, der höher steht, 



etwas darreichen ; dö maol dat Holt 
rupp, reiche mir doch das Holz herauf. 
2. Speisen aufgeben, das Essen anrich- 
ten. 3. den Flachs um den Spinnrocken 
wickeln, wodurch der Wocken gebil- 
det wird. 

nppbluck'n, vom Feuer, das plötzlich 
aufsteigt. 

Uppblutsch'n, eine kleine Quantität 
Schiesspulver anzünden, was z. B, 
geschieht, um aus einer frisch getünch- 
ten Stubeden Kalkgeruch zu entfernen. 
Das einfache blutsch'n kommt in der 
Altmark nicht vor. 

Uppdrag, der Auftrag, dieBestellung, 

Uppdrög'n, auftrocknen. 2. bildlich : 
mager werden; heiss ganz üppdrogt, 
er ist ganz abgemagert. 

UppdruU'n S. drull'n. 

uppdnk'n S. duk'n. 

Uppfliü S. flin. 

uppflömern,uppglömern S.flömrig. 

Uppfod'n S. föd'n. 

uppgäw'n 1. aufgeben z.B. d. Suppe. 
2. beim Ballspiel : den Ball ein wenig in 
dieHöhe werfen, damit ihn ein anderer 
mit demBallklappbequem treffen kann. 

npphämm' i . a uf haben ; he hat 'n Höt 

upp, er hat den Hut auf dem Kopfe; 
2. verzehrt haben; ick heff min Stull 
all upp, ich habe mein Butterbrot schon 
verzehrt. 3. Aufgaben zum Memoriren 
oderzur Ausarbeitung erhalten haben; 

ick heff Spruch upp. 

Upphelp'n, aufhelfen, wie im Neuhd., 
ausserdem bedeutetes auch Jemandem, 
dereine schwere Last tragen will z.B. 
einen belasteten Tragekorb, eine Holz- 
last etc. behülflich sein, dass man durch 
Anfassen und Heben ihm die Last auf 
den Rücken etc. bringen hilft. 

Upphuck'n l.auf den Rücken neh- 
men ;huckupp sagt der Knabe zudem 
kleinem, wenn er Huckeback spielen 



233 



will. 2. eine Lasf, Arbeit auflegen ; de 
Meister hat mi so väöl npphuckt, datt 
ick 't nich torecht krigen kann. 3.etsvas 

ruhig ertragen z. B. eine Tracht 
Schläge, Schelte. 

nppkrämp'n, die Ärmel oder den 
untern Theil der Beinkleider umschla- 
gen um sie z. B. vor dem Nasswerden 
zu schützen. 

uppkrig'n S. krjg'n. 
nppkulks'n S. uppstöt'n. 

üpplöp, der Auflauf; UppiÖI, der 
Aufruhr. 

npplop'n l. aufgehen, vom Gesäme, 
das nach dem Keimen aus der Erde her- 
vortritt. 2. Anschwellen eines Kürper- 
theils, durch einen Stoss etc. veranlasst. 

nppmSng'n l. auf Heckerling. Kraut 
etc. nahrhaftere Substanzen z.B. Schrot 
etc. schütten und durchmengen. 2. eine 
Tracht Schläge bekommen; he kreg 

watt nppmengt. 

nppnäm' bedeutet auch den Fussbo- 
den mit einem feuchten Lappen auf- 
wischen; Sick nppnäm', die Kleider in 
die Höhe heben um sie z.B. beim Waten 
durch einen Graben nicht nass werden 
zu lassen; wird dabei ein Band ge- 
braucht, das die Kleidung in der Höhe 
erhält, so heisst dasnppschölt'n. 

Uppnaom, die Aufnahme, das aufge- 
nommene Geld ; 't iss gaoF ken recht 

Uppnaom, der Verdienst ist jetzt 
sch'echt wegen Mangel an Arbeit. 
npprebheln S. rebbeln. 

Uppsack'n S. sack'n. 

nppschört'n S. schört'n. 
uppseng'n l. aufsagen z.B. den Dienst, 

2. Memorirtes hersagen. 

nppspnck'n, Jemanden hart zusetzen 
durch Worte und handgreiflich. 

uppstäds, nppstnns, nppstntts S. 

stiitl. 

appsternaotsch, störrig, halsstarrig, 



auffahrend, jähzornig und dabei eigen- 
sinnig. 

Uppstölp'n S. stölp'n. 

nppstörtig, widerspenstig. 

uppstöt'n, nppkulks'n, aufrülpsen. 

nppswärk'n S. Swärk. 

upptaokeln S. Taok'l. 

Upptelln 1. aufzählen z. B. Geld. 
2. Schläge austheilen ; wist dU watt 
Upptellthämm? willst duHiebehaben? 

upptempeln S. Tempel. 

üpptog, der Aufzug; Upptog Un || 

Inslag nennt man ein Essen , was oft 
hintereinander gegeben wird, oder was * 
aus einem u. demselben Grundbestand- 
theil zusammengesetzt ist. Liegt z.B. 
bei allen Gerichten Kalbfleisch zum 
Grunde, so heisst es: KalfEl^SCh waS 

üpptog un Insiag. 

Upptöm' l. aufzäumen; 2. Jemanden 
zwingen, etwas zu thun. 

Upptreck'n, aufziehen z.B. Pflanzen, 
Vieh, Kinder; von Kälbern insbeson- 
dere sagt man Uppwätem. 

uppwaorn, aufwarten, bedienen, 
Subst. Uppwaorung. 

Uppwussen, aufgewachsen ; ick bin 

mitämmuppwussen. 

uppznnd, jetzt ; gleich uppstäds. 

ürjaon l. Beiname des Teufels; 
2. scherzhaftes Scheltwort um zu be- 
zeichnen, dass man einem nicht trauet. 

ftt, alts. ut, aus ; acht'r Üt, hinten aus, 
ausderHofthür; heissüt, er ist nicht 
zu Hause; deKSrk issüt, der Gottes, 
dienst ist beendet ; he isS Üt mei'n, er ist 
zum Mähen gegangen, 

ftt un dftt drückt den ununterbro- 
chenen Zusammenhang einer Zeitbe- 
stimmung aus; ick bin acht Wochen ftt 
un düt krank west. 

fttaorn (von Aor=dieÄhre) findet 
beim Reinigen der gedroschenenGersW 

statt. Sind mehrere BeUcncS.Zuäätze) 

m 

30 



234 



abgedroschen, so wird die Gerste nach 
entferntem Stroh noch einmal stark ge- 
droschen , um die Grannen (Acheln) 
von den Körnern zu trennen. Diese 
Operation heisstbaok'n. Dann wird die 
Gerste auf einen Haufen zusammenge- 
schoben und Ütaoit, d.h. an die Mitte 
des Harkenhöfts (S.Hüft 2) wird ein 
etwa zwei Fuss langer Strohwisch ge- 
bunden, und mit demselben durch Hin- 
und Herbewegen die sich etwa noch 
vorfindenden Ähren , Hederichknob- 
ben, Spreu etc. zur Oberfläche gebracht 
♦ werden. Mit der A^aogerr6(d) werden 
dann diese fremdartigen Tlieile abge- 
kehrt. Dann folgt das Worfeln, wobei 
der AfQaOg'r ebenfalls angewandt wird. 

ütatsch'n S. ätsch. 

Ütback'n 1. den Rest des Mehls ein- 
säuern ; 2. das Brot gut gar backen ; 
3. es mit Jemandem verdorben haben; 
bi denn' hast Ütbackt, die Freundschaft 
mit dem Manne ist zu Ende. 

Ütbedung'n, mit Ausnahme, mit Vor- 
behalt. 
: Ütbinn', ausreissen, davon laufen. 

ütblö(d)'n S. blöd'n. 

ütbög'n S. büg'n. 

Ütbring'n l. Junge ausbrüten (von 
Vögeln). 2, aus den Viehställen den 
Dünger fortschaffen. 

ütdraog, der Gundermann (Glecho- 
ma hederacea). 

Ütdoktern, der Reihe nach mehrere 
Arzte u, deren Mittel gebraucht haben; 

ick heff de ganze Apthek ütdoktert, 
äöwer 't hat niz hnlpen. 

Ütd5n 1. in dem Rechnungsbuch 
streichen ; dön S' 't Ök Üt ? sagt der ße- 
zahler einer Rechnung. 2. Geld auf 

Zinsen ausleihen, ick heff min Geld all' 

ftt daon. 3. ein brennendes Licht aus- 
löschen ; d5 de Lamp üt. 



fttdopp'n, Nüsse, Eicheln, Buchnüsse 
etc. von dem Dopp befreien, aushülsen. 

fttdüd'n S. düd'n. 

üter, ausser ; utCF sick Wäs'n, ausser 
sich sein ;Uter HÜS, ausser dem Hanse. 

Uterst, das Äusserste; dat Otcrst 
datt ick gaw'n kann, aufs Höchste kann 
ich so viel daliir zahlen. 

Ütfeistern S. käntern. 

ütfiin S. flin. 

ütflum' S. flöm'. 

ütfor'n, ausführen; 'n Fack ütför'n, 

etwas meist Tadelnswerthes ausüben. 
Ütfrät'n, watt, etwas ausfressen; 
1. im eigentlichen Sinne; 2. bildlich: 
einen losen , tollen Streich ausführen ; 

dao hast gewiss watt ütfrät'n, da hast 

du gewiss etwas arges ausgeübt; 'tiSS 
en ütfrät'n, das kann zugleich mit abge- 
macht werden. 

ütgang, das Ende eines Zeitraums; 
Ütgangs Juni mei'n wi de Wisch , Ut- 
gangs He(r)wst löppt de Rogg' upp. 

Ütgaon, ausgehen 1. einen Spazier- 
gang machen ; 2. vomFeuer, derLampe, 
von den Pflanzen. 

fttgeslaog'n, ein Ad ject. welches das 
Ganze eines Dinges ohne Ausnahme 

bezeichnet; den ganzen ütgeslaog'n 
Dagdriffthesick rümmer. 

Ütgifft, die Aussteuer einer Tochter 
bei ihrer Verheirathung. 

ütglipp'n, ütglitsch'n S. gUpp'n. 
üthack'n S. hack'n. 
üthalln S. halb. 

Üthau'n, austragen, betragen ; wenn 

't noch so väöl üthaut, so ist 't noch 
nich twe Daoler, wenn es noch so viel 

beträgt, so istesnoch nicht zwei Thaler, 

ütholk'n S. holk'n. 

üthorn S. hörn. 

Üthnnz'n, auf eine grobe Weise aus- 
schelten. 

Ütjaog'n, ausjagen ; wird auch -von 



235 



Gescliwüren oder Hautentzündungen, 
besonders im Gesichte, gebraucht, die 
sich sehr schnell entwickeln. 

Ütklaorn, untersuchen, ob etwas 
auch klar ist z. B. Eier, 

ütknip'n S. knip'n. 

Ütkraom' S. kraom'. 

Ütkratz'n, sich aus dem Staube ma- 
chen, davon laufen. 

Ütkräös'n S. kräös'n. 

ütkrig'n S. kng'n. 

ÜtlaOW S. laown. 

Ütlensch, ausländisch. 

Utlucht, der Vorbau an den Bauer- 
häusern, der sich noch hie und da in der 
Altmark findet. 

ütlucht'n S. Lucht. 

Ütlog'n, auslaugen. 

ütlösch'n, en watt S. wams'n. 

ÜtlÜd'n, auslauten, Laute von sich 
geben. 

Ütnämend, eine Superlat.-Be^eich- 
nung S. gefärlich. 



Ütnein, eiligst davon laufen. 
Ütöw'n, ausüben z. B. dumme 
Streiche. 

ütpanneln S. Pannel. 
ütpaoln S. Paol. 
ütpöln S. poln. 
Ütpraotsch'n, ausplaudern. 
Ütptilsch'n S. pülsch'n. 
Ütpurrn S. purrn. 

ütrack'n, ütrackern S. rack'n. 

Üträkeln, Ütranzen, auf eine gemeine 
Weise Jemanden tadeln und auscheiten, 

Ütsch S. Pogg. 

Utschott, der Ausschuss. 
Ütsnod'n S. snod'n. 
Ütsnüffeln, ausspüren. 
ÜtsnÜW'n S. snuw'n. 
ütsörn S. sörn. 
Ütstaokeln S. staokeln. 
üttärung, die Auszehrung. 
Ütten undüttreck'n, ausziehen z. B. 
die Kleider, die Wohnung verändern. 
Ütwring'n S. wring'n. 



Yadd'r (klingt fast wie Varia, r nicht 
stark herausgehoben), der Gevatter, 
YadderSCh, die Gevatterin. Beide Wör- 
ter dienen auf demLande als allgemeine 
Anrede von Bekannten, auch wenn sie 
nicht mit einander durchGevatterschaft 
verwandt sind. 

Yadd'rschopp l. Gevatterschaft; 
2. entfernte Verwandtschaft; hfe iSS 

noch Yadd'rschopp met ml, wir sind 

noch entfernt verwandt. In dieser Be- 
deutung ist es eigentlich eine Verwech- 
selung mit Yedderschopp von Yedd'r, 

der Vetter. 

Yadd'rsnack, unnützes Geschwätz. 
van (Präpos.) alts. fan = von. 
van-^n S. vunn-tn. 



Yaod'r, der Vater, goth. fadar;Väö- 
derk'n, Väterchen. 

Yaog'l S. Vogg'i. 

Väögeln, coire. 

vaoken, oft. 

VäÖl, goth. filus, viel. 

väör, vor ; hh iss ämm väör, er ist ihm 

voraus; hb Will VäÖF, der Fuhrmann 

will einem andern vorfahren; hh hat 

ämm väör, er tadelt, schilt, schlägt etc. 

ihn ; wenn hg 't daoväör nich dön will, 
so deit 't 'n anner daoväör, wenn er es 

für den gebotenen Preis nicht verkau- 
fen will, so thut es ein anderer, 
Väörgrip'n, vorgreifen. 

väörig, väöricht, vorig; väöricht 
Nacht iss de Spektaok'l west, in der 

vorigen Nacht ist der Lärm gewesen. 

30* 



236 



Väörkau'n , Jemanden etwas sehr 
umständlich auseinander setzen. 

Yäörlaot, Vorzeiclien, Vorahnung 
kurz vor dem Tode eines Menschen 
z. B. ein dumpfes Rasseln, als wenn die 
Stricke unter dem Sarge weggezogen 
werden. 

Yäörmeier l. der Vormäher, der vor- 
derste von denMähern; einEhrenposten. 
2. als Scheltwort, gewöhnh mit Häön* 

ken verbünd.; du bist'n Häönkeu Yäör- 
meier sagt man zu dem, der ohne dazu 
aufgefordert oder verpflichtet zu sein 
etwas thut was einem andern nicht lieb 
ist. 

Väörmelkt KÖ wird die melkende 
Kuh genannt von der Zeit an, wo sie 
gekalbt hat bis sie wieder rindert. 

VäÖrSChet'O, vorschiessen z. B.Geld. 

Yäörsprang, der erste bei der Destil- 
lation übergehende Brantwein. 

Yäörvßrtel, die vordere Hälfte eines 
geschlachteten Viehes, das Vorder- 
viertel. 

Ve, goth. faihu, alts. fehu, das Vieh. 

Vedd'r, der Vetter, Verwandte; Be- 
kannte; nicht selten allgem. Bezeich- 
nung für jede männliche Person. Watt 
Yedd'r, watt Fründ! ein Ausruf, wo- 
durch man eine abschlägliche, vernei- 
nende Antwort auf einen Antrag oder 
eine Ansicht ertheilt. 
^« Yeit-velt!" Ruf beim Locken der 
Enten. ■ •' 

Yeitken, kindliche Benennung da- 
•Enten. 

ver-. Von diesem Praefix ist zu mer- 
ken, dass beim Sprechen das r nicht ge- 
hört wird , es hätte also eigentlich im 
Folgenden dieser Buchstabe geklam- 
mert (r) erscheinen sollen; es möge 
jedoch diese Bemerkung genügen. Es 
entspricht meistens demselben Praef. 
im Neuhd., kommt jedoch in manchen 



plattd. Wörtern vor, wo es das Neuhd. 
nicht kennt z. B. vertellü = erzählen. 

Vfer, vier. 

VeraOS'n, durch unordentlichen Ge- 
brauch verderben; de Zick VeraOSt 

väölFudd'r 

VeräÖwern, erübrigen. 

Verbälln, Sick. Bei schweren kör- 
perlichen Arbeiten ereignet es sich zu- 
weilen, dass durch heftige Dröhnung 
der musculöse Theil der Hand eine 
schmerzhafte Anschwellung erleidet, 
diesich erst langsam verliert, zuweilen 
auch in Eiterung übergeht. Man sagt 

dann : ick heff mi de Hand verbällt ; wi rd 
auch vom starken Druck des Pferde- 
hufes gebraucht. 

verbäörn S. bäärn. 

verbed'ü, verbieten, untersagen, 

verbimfn S. wams'n. 
verbistern S. bistern. 
Verbit'n, verbeissen z.B. d. Schmerz. 

verblüffen, ausser Fassung bringen, 
sehr einschüchtern. Spricliw. : Wn hfet 

dat elfte Gebot ? laotdi nich verblfiff*!!. 

Yerbott, Verbot. 

verbrenn' S. brenn'. 

Verbubans'nS. verfumfein. 

Verbnlg'n, aufgeblasen, frech, auch 
boshaft. 

verbnmmeln S. bummeln. 

Verdädig'n, vertheidigen. 

verdäg'n S. däg'n. 

Verdelg'n, vertilgen, aufzehren ; ick 

kann deTtiffeln nichverdSlg'n, ich kann 

die Kartoffeln nicht aufessen. 

verdämmern S. dämmern. 

verdammt und verflucht als Super- 
lativ-Bezeichnung S. gefärlich. 

verdäömeln, in der Däömelei etwas 

vergessen oder verlieren. 

verdaom, verwinden ; sick verdaom, 
sich erholen; hh bat sick VOtt de Be- 



;iln. 



ms 



swöwniss wedder verdaort, er hat sich 

V(;n der Ohnmacht wieder erholt. 

verdeffendern, sick, sich entschuldi- 
gen, rechtfertigen wollen ; defendere. 

verdeikert, verdeiwelt (von Deiw'l 

= Teufel) verteufelt, als Superlat.-Be- 
zeichniing S. gefärlich. 

Verdenst, der Verdienst ; de Verdenst 

iSS schlecht l.ich habenicht vielNutzen 
von der Arbeit ; 2. es ist eine nahrungs- 
lose Zeit. 

Verdrag, Einigkeit, Harmonie. Mit 

Sonn' Karl iss ken Verdrag, mit einem 

solchen Menschen lässt sich nicht in 
Frieden leben. 

Verdraog'n, ertragen, vertragen. Ick 

kann watt verdraog'n bedeutet i. ich 

bingegenHitze,Kälte, Schmerzen, Ta- 
del etc. ziemlich unempfindlich; 2. ich 
kann eine gute Portion Essen zu mir 
nehmen. 

Verdret, Verdruss. Eh maokt mi 
väöl Verdret. Sick verdret dön bedeu- 
tet: durch Heben od, durch eineschwere 
Arbeit sich Schaden zufügen. Das 
Stammwort Dröt = Beschwerde ist in 
der Altmark nicht gebräuchlich. Das 
Verb, verdr^t'n = verdriessen ist im- 
personell wie im Nhd. (verdrütt, ver- 
drott, verdraot'n); verdr^tlich =ver- 
driessllch. 

Verdrink'n l. vertrinken, durdi Trin- 
ken verbrauchen ; hh hat HÜS Un Hoff 

verdninken. 2. ertrinken, dat Kind iss 
verdrnnk'n. 
verdriw'n , vertreiben ; Tldverdriw 

hfet min Wif, ein Sprichwort. 

verducht'n. Mi verdacht dat glik, 

ich hatte bei der Sache gleich mein Be- 
denken. 

verdtitSCh'n, erklären, deutlich ma- 
chen; eigentlich: verdeutschen, ins 
Deutsche übersetzen. 

verduwweln, verdoppeln. 



verdwaorn S. dwaoFn. 

Verdwär, VerdwaSS, verquer, ver- 
kehrt, 

Verenzeln, vereinzeln. 

Verfang'n , sick bedeutet im Plattd. 

1. sich herausnehmen, etwas wissen 
oder thun zu wollen. Ickwillmi nich 

verfang'n dat bät'r to wet'n, ich will 

nicht behaupten, oder mir es heraus- 
nehmen, dies besser zu verstehen. In 
demselben Sinne gebraucht manauch: 
sick rütnäm'n = sich herausnehmen. 

2. wenn beim Trinken ein Tlieil der 
Flüssigkeit in die Luftrühre gelangt, 
so bezeichnet man dies auch durch: 

sick verfang'n. 3. wird es auch vom 

Aufgeblähtsein des Rindviehs gebr. 

Verfärn, Jemanden erschrecken. He 
hat mi verf ärt, er hat mich erschreckt. 
Sick verf arn, sich erschrecken. Vergl. 
sickverjaog'n, 

verflucht S, gerärlich. 

Verförn l. beim Fahren den rechten 
Weg verfehlen, 2. verführen, verleiten, 

Verf ötsch S. Hätitsch. 

verfrat'n S. frät'n. 

Verfrern, erfrieren. 

verfumfein, leichtsinniger und un- 
geschickter Weise etwas verderben 
oder durchbringen z.B. eine Arbeit, 
Geld. Auch ein zu Fall gekommenes 
Mädchen ist verfnmfeit. Dasselbe 
drückt verbubans'n aus, jedochschliesst 
dies den NebenbegrilT des Absicht- 
lichen ein. 

Vergang, das Vergänglichsein: an 
de Bücks iss ken Vergang, die Beinklei- 
der sind ungemein dauerhaft. 

Vergaon, vergehen, wie iniNeuhd., 
ausserdem bedeutet sick vergaOD noch : 
den rechten Weg verfehlen. 

vergät'n, vergessen, Adject. vergät« 
lieh. 

Verglik, PI. Verglik'r, der Vergleich. 



238 



De Yerglik'r in de Prädig waor'n göd, 

die Vergleiche, Beispiele in der Predigt 
waren gut gewählt. 

YergodendM, das Erntefest, das die 
Herrschaft dem Gesinde giebt, entwe- 
der wenn der Roggen abgemäht ist, od. 
am Ende der Ernte. In festlichem Auf- 
zuge unter Musikbegleitung ziehen die 
Mäher mit geschmückter Sense und die 
Binderinnen mit ihren Harken vor das 
Herrschaftshaus, bringen dem Haus- 
herrn die grosse grösstentheils aus 
Roggenähren mit bunten Bändern und 
Blumen verzierte Erntekrone u. jedem 
Mitgliede der Familie einen kleinern 
Erntekranz mit einer feststehenden 
Anrede. Hierauf folgt der Ernte- 
schmans und dann Tanz. 

vergrell'n, Jemanden erbittern, zum 
Zorn reizen ; figürlich : eine Wunde 
durch Reiben oder Stossen verschlim- 
mern. 

vergröttern, vergrössern. 

verhaddern S. Hadd'r. 

Verhast'n, übereilen. 

verhaoln, Sick, sich erholen, nach 
einer Krankheit, einer Ohnmacht; 
auch: allmählig wieder zu Geld kom- 
men. Vgl. sick verpusten. 

Verhenkert, im höh. Grade schlimm. 

Dattiss 'n verhenkerten Streich, das ist 

eine höchst fatale Sache. 

verhimnieln , sich gebärden , als ob 
man sterben müsse. 
verhitz'n, verköl'n, erhitzen, erkälten. 

Verhod'n, verhüten. 

verhög'n u. verhÖChern, höher ma- 
chen oder stellen. 

veihörn S. hörn. 

verjaog'n, sick, sich erschrecken, 

stärker als : sick verfErn. 
verkaddeln S. kaddeln. 
verkantig S. Kant. 



Yferkerdrftw, eine viertraubige Ha- 

selnuss. 

verklaom' S. klamm. Adjectiv ver- 
klaomt. 

verkleckern, verklickem S. ver- 
quackeln. 

Verknfts'n l. etwas vollständig be- 
greifen. Dat kann ick nich verknfts'n, 
davon sehe ich den Grund nicht ein. 

2^ vergessen. Datt verknüs' ick m!n 

LäVirdaog nich, die Beleidigung ver- 
zeihe ich in meinem ganzen Leben 
nicht. 

verköl'n und verktiH'n S. verhitz'n. 

Verlaot, Toverlaot, Verlass. üpp 
denn' isskSn Verlaot, auf den kann man 

sich nicht verlassen. 
verlaot'n, verlassen. 
verled'n S. Led. 

verlef ( Adv.), vorlieb ; müsst verlfef 

nem'n sagt man, wenn Jemand gegen 
Mittag unerwartet zu uns kommt, und 
mitzuessen verspricht. 

verlern (Pr. verler, Verlust; Imperf. 
verlaor ; Part, verlaorn) = verlieren. 

Yerlof, Verlaub, Erlaubniss. MitYcr- 
löf, mit Verlaub. 

verlaow'n, verloben. 

Yerlöfftniss = Löffc. 

verlow'n, erlauben. 
verludern, durch Trägheit, Nachläs- 
sigkeit etc. zu Grunde gehen lassen. 

Verlustiren, sick, sich eine Lust, ein 
Vergnügen machen. 
Vermed'n, vermiethen. 

vermöd'n S. mod'n. 

vermuckt, sehr unangenehm, häss- 

lich, im Begriff von verhenkert. 

vermünnern, ermuntern, vom Schlaf 

aufwecken; sick vermünnem, vom 

Schlaf aufwachen, sich ermuntern. 

vernesen S. nesig. 

vernimm, klug. Dat Kind iss recht 



239 



verDimm, das ist ein aufmerksames, 
klugesKind, es achtet, vernimmt alles. 

vernüt, besonders, zumal, vemüt, 
wenn 't so iss, zumal wenn die Saclie 
so beschaffen ist. 

Verollern, veralten. 

Verolmen, in Olm übergehen. 

VerÖW'n, verüben. 

verpämmeln, verzärtehi. 
verplämpern S. plämpern. 

Verpuff'n, durch Nachlässigkeit oder 
Dummheit eine Arbeit verderben. 

verpurrn S. purrn. 
verpust'n S. pusten. 

verquackeln, in Kleinigkeiten viel 

ausgeben. Eh hat dat Sinigt all' ver« 

quackelt, erlmtsein ganzes Vermögen 
bei Kleinigkeiten ganz unnütz ver- 
bracht. Dasselbe bedeutet: verkleckem, 

verklickern. Sick verquackeln , sich 

beim Eingehen eines Eheverlübnisses 
übereilen. 

Verquasen, Dinge, besonders Ess- 
waaren, unnütz verderben , von Men- 
schen und vom Vieh im Gebrauch. 

verquin' S. quin'. 

verreck'n, verenden, sterben; nur 
von Thieren im Gebrauch; von Men- 
schen nur im verächtlichen Sinne. 

Verrichtung = Geschäft. 

verröken, verrauchen, den Geruch 

verlieren ; de Branuwin iss verrökt. 
verröp'n, verrufen S. auch röp'n. 

verrott'n, verfaulen. 
verrungnSrn, verderben, ruiniren. 

versack'n, von Gebäuden gebraucht 
aus der vertikalen Richtung kommen, 
sich senken. 

versaok'n i. verleugnen. He lätt sick 

Versaok'n. engl, forsake, alts. forsakan. 
2. Jemanden etwas ableugnen. H6 VCF- 
saoktmi datPlög, er leugnet, den Ptlug 
erhalten zuhaben. 



verschattern, unter dem Werth ver- 
kaufen oder weggeben. 

Verschal, Unterschied. Verb. VCr- 
SChäl'n, unterschieden, verschieden 
sein. Dat verschält nichväöl, dabeiist 
wenig Unterschied, es differirt nur we-» 
nig. Das einfache SChäl'n ist in der 
Altn)ark nicht im Gebrauch. 

verschreck'n, erschrecken. 

verschüchtern, schüchtern machen, 
sodass man alle Fassung verliert. Die 
Hühner etc. werden schüchtert, wenn 
sie aus einem Räume fortgescheucht 
werden , werden aber verschüchtert, 
wenn sie sich verfliegen und ihre Woh- 
nung nicht wieder auffinden können, 

VerSChÜnn', verführen. 

versfen hat die Bedeutungen des nhd. 
versehen. Ausserdem wird es von 
Personen, besonders alten Weibern ge- 
braucht, die bei dem noch vielfach herr- 
schenden Aberglauben die Kraft besi- 
tzen sollen, durch blosses Anschauen 
eines Thiers oder eines Kindes das Ge- 
deihen desselben aufzuhalten. DeHeX 

hat min Swin versen. Sick versen wird 

von schwangern Frauen auch im Nhd, 
gebraucht. 

versett'n S. wams'n. 
verslabb'n S. slabb'n. 
versludern =sludern. 

VerslÜt'n, verschliessen. 

versman, versmaon, etwas ausschla- 
gen, nicht haben wollen. ,. j 

versmit'n, verlegen; datMStz mütt 

ick versmät'n hemm', das Messer muss 
ich wohl verlegt haber). 

versnabbeln, sick, sich verschnap- 
pen, durch übereiltes Reden sich ver- 
rathen. 

versnack'n S. snack'n. 
versnickern S. snickem. 
versüippelu S. Snlpp'l. 



240 



versök'n, versuchen, protlren. Sub- 
stantiv Versbk. 

VerSÖp'n, ersäufen ; verSUp'n, ersau- 
fen, ertrinken. 2. versaufen d.h. sein 
Geld mit Saufen durchbringen. 3. auch 
Von Saaten, Wiesen etc. im Gebrauch, 
wenn die Früchte etc. durch Wasser 
zu Grunde gehen. 

VerspäÖln, verspielen. Von dem 
rmglUcklichen Kriege 1806 sagt der 

Landmann: üns' König hat siü Land 
verspäölt. 

verstaon , verstehen (activisch) ; 
Verstand = Einsicht von einer Sache, 
selten : Verstand. Das Adject. VCrsten« 
nig aber = verständig. 

verstük'n, verstauchen z. B, d. Hand. 

verstürt, versteuert auf etwas. 

verstift'n S. sUft'n. 

versum', versäumen, wie im Nhd., 
ausserdem mit dem abhängigen Casus 
der Person : en versüm', Jemanden in 
der Beschäftigung stören, ihn davon 

abhalten ; ick wül di nich wid'i vcrsüm'. 
Subst.Versümniss. 

V«rswäln l. durch Swäln verderben. 
2. mehr Brennmaterial als erforderlich 
ist verbrauchen, was den Köchinnen 
nicht selten zum Vorwurf gemacht 
wird. 

Vert, i Scheffel, als Gemäss und als 
Gemessenes. 

vertäörn, erzürnen, verletzen. Ick 
heffgmm vertäörnt, ich habe ihn mir 
abgeneigt gemacht. Ick hcff mi mit 
ämmvertäörnt, ich habe mich mit ihm 
überworfen, gezankt. 

Vertein, vierzehn. 

Vertel, das Viertel ; 't Iss 4re Vertel, 

die Einheit wird hinzugedacht. 

vertelln l. erzählen. 2. Jemandem 
derb Bescheid sagen ; im Alts, bedeutet 
t e 1 1 i a n sagen, sprechen. Das Subst, 



Verteil kommt auch , obgleich selten, 
vor. 

Verten , verziehen , in allen Bedeu- 
tungen des Nhd. Adj.heisstvertaogen. 

Substantiv davon: Vertog. 

verter'n, verzehren, alts. furterian. 

vertig, vierzig. 

Vertoddeln, durch Toddeln (S. oben) 
verlieren. 

vertörn, vertäörn, erzürnen. 

Verträd'n, vertreten wie im Neuhd. 
Ick will mi man deFot'n bat'n verträ- 
d'n sagt Jemand, der lange gesessen hat. 

vertreck'n, verziehen, d.h. 1. ver- 
schleppen, nicht wissen, wo man etwas 
gelassen hat; 2. Sick vertreck'n, vom 
Gewitter, Regen etc. gebraucht. 

vertrödeln, durch Trödelei etwas 
verlieren oder versäumen. Datt hast all 

wedder vertrödelt bedeutet i. durch 

Saumseligkeit hast du dies oder jenes 
zu thun, bestellen, bringen etc. verges- 
sen ; 2. durch Unaufmerksamkeit hast 
du dies verloren. 

vertndern S. tüdern. 

vertüsch'n, vertauschen ; vertusch'n 

(mit kurzem U) verhelen, verheimli- 
chen. 

VertÜtteln, sick, im Reden, od. Her- 
sagen einer memorirten Aufgabe den 
Zusammenhang verlieren ; von Einem 
aufs Andere kommen; ähnlich, jedoch 
verschieden im Begriff mit sick VCr- 

tüdern. 

Vertwiweln, verzweifeln. 
Verwäg'n, ein Adverb., drückt das 
Ausserordentliche, Übertriebene eines 

Dinges aus. DeKlrliss verwäg'n grdt, 

das ist ein ausserordentlicli grosser 

Mann. DeTwarnissverwäg'nfast,der 

Zwirn ist ausserordentlich fest. Nicht 
zu verwechseln mit VerWÖg'n, dem 
nhd. verwegen entsprechend, 'ü ver- 

w6g'n Karl. 



241 



verwaor, nii wahr! datt iss vcrwaor 

80 ! das ist in Wa!,rheit so ! 

verwög'n, tollkühn, wagehalsig; 
auch in sehr hob. Grade erhosst, heftig. 

verwöst'n , zerstören. Dat Tug iss 
nnverwöstlich. 

verwuss'n, verwachsen. 
vigelett, violett. 
Vigelin S. Fidd'l. 

Vijolk'n und Yilk'n , das Veilchen 
(Viola odorata). Gal- Yilk'n, der Gold- 
lack (Cheiranthus Cheiri). 

Yijöl maternaol = Hesperis matro- 
iialis. 

Villicht, vielleicht. 

Yogg'l und Yaog'i, der Vogel, der 
Plural in beiden Formen mit dem Um- 
laut. 

Yolk 1. das Gesinde, 2. eine Masse 
Soldaten. ParVOlk,Cavallerie. 

von, von. Eigentbümlich ist der Ge- 
brauch dieser Praepos. in den Redens- 
arten : Datt iss 'n Oss von Karl, der Kerl 
ist ein Grobian; du Knirps VOn'n Jung, 
du Junge bist ein Knirps. 

VOn-^n, von einander. Argem mütt 
'nsick ganzvon-^n, man muss sich är- 
gern zum Bersten. 

VOnftt,VOrÜt S. vernüt. 

VÖr-an, voran. 

vörbach, über die Massen. Eh arbeid 
▼örbach; h^ftitt vörbach. 

vör-bi, vorbei. Met ämm iss't vörbi, 

mit ihm ist es aus, erstirbt. 

VÖr-dÜSSen, sonst, ehedem. 

Yörflöt, Vorfluth. 

VÖrfÖtsch , ohne Auswahl , eigent- 
Kch: vor den Füssen weg. Nimm do 
Tflffeln VÖrfotSChweg, nimm die Kar- 
toffeln, wie sie daliegen, suche nicht 
erst die grossen aus. 

VÖrgistern, vorgestern. 

vom, vorne, Adverb, des Ortes. Hft 



iss vorn, er ist vorne im Hause oder in 
der vordem Stube. 

Vor Ollers, vor alten Zeiten. 

Yörrerstell, das Vordergestell eines 
Wagens, das nur die beiden Vorder- 
räder entliält. Vgl. Stell. 

vörrichtjVörrig, vorig, in vörricht'n 

Jaor, im vorigen Jahre, wofür man aber 
meistentheils VÖrcht Jaor sagt. Dat 
vorige maol säst', das vorige Mal (als 
ich mit dir sprach) sagtest du. 

VÖrst (Superl. von väör, vor)=der 
vorderste, ein Comparat. davonkommt 
nicht vor, man müsste denn die Form 
VÖrrer in Zusammensetzungen dafür 
nehmen z.B. in Yörrerstell, der Vor- 
derwagen, Yörrerpärd. 

Yort'i,derVortheil. 

vor-ftt, voraus ; hfe was väöl vorftt, 

erwar weit vor mir; 'kheffnicksvorüt, 
ich bin nicht bevorzugt ; VOrÜtbetaol'n, 
vorausbezahlen. 

Yoss S. Foss. 

Yossgmk S. Emk, 

VUll, voll. Yullbür, der VoUhüfner. 

VUll Geld hört man häufig bei Ver- 
steigerungen, beim Vieh- etc. Handel 
und bedeutet , dass die nächst höhere 
Einheit voll gemacht werden soll. Sind 
z.B. bei einer Versteigerung 28 Sgr. 
geboten, so bietet ein anderer : Villi Geld 
d. h. einen Thaler. Hat ein Käufer für 
ein Pferd 98Thlr. geboten, so sagt der 
Verkäufer wohl; Na! VüU Geld! das 
heisst 100 Thaler. 

vnllens, vollständig. Upp't Tnchthfts 
hat'r erst vullens fttlert, auf d em Z ucht- 

hause ist er erst vollständig mit den 
Diebsränken bekannt geworden. 

VOUhellig, 1. angeruilt mit Speise 
und Trank. 2. ein Krankheitszustand, 
in dem die Brust stark mit Schleim be- 
legt ist und das Atbmcn schwer wi rd. 

31 



242 



vullenkaom, vollkommen. DaomBt 
bin'kvullkaom'tofräd'n, ich bin voll- 
ständig befriedigt. 



VUlI-npp, vollauf. 

VUnn-en, auseinander, zerbrochen.; 

vunn Farns S. Farns. 



lirf-.t 



ir. 



wabbeln, WUbbeln= wackeln, quab- 
beln von Fett. 

wabblig. Datt iss 'n wabblig Ät'n 

wird von Speisen gesagt, denen Salz 
oder dergleichen fehlt, die also keinen 
rechten Geschmack haben, auch denen 
es an Consistenz fehlt z. B.Suppen. Es 
drückt auch den Zustand aus, in dem 
sich Jemand befindet, dessen Magen leer 
ist, oder wenn Jemand Tags vorher zu 
viel geistige Getränke zu sich genom- 
men hat. In diesem Sinn sagt man auch 

wibb'l-wabblig. 

„'4 Wach, die Wache, das Wachthaus. 
'■'Wacht 1. die Wage, das Gewicht. 

Datt holt de Wacht nich, das ist zu 

leicht, hat nicht das gehörige Gewicht. 
2. die Wageschale, heisst auch Waog, 
besonders wenn sie gross ist. 

Wachtel. Sie ruft des Morgens: 

Weck denn Knecht, weck denn Knecht. 
Dütt Stück iss rtp, dütt Stück iss rtp ; 
bei Tage: Btick dennRtigg, bück denn 

Rtigg (Rücken); des Abends: Nu gao 

naoHüs, nu gaonaoHüs. Auch lautet 
ihrRuf: Flick de Bücks, flick de Bücks 
(Beinkleider) mit Witten Twarn, mit 
Witten Twärn. 

Wäd 1. eine zähe Art Weiden, die 
zum Winden gebraucht wird. 2. ein 
aus solchen Weiden und andern zähen 
Busch- oder Baumzweigen ged rehetes 
Band, zum Anbinden von Pflanzen und 
Zusammenbinden andererGegenstände 

Wä(d)'r, das Wetter, die Witterung, 
besonders das gute Wetter, zuweilen 
auch das Gewitter, 't Will sick gaor 

nich erst to Wad'r sett'n , die Witte- 



rung will noch nicht beständig werden. 
Auch dient dies Wort, wie imNeuhd., 

als Interjection : Wad'r! watt bist du 

Smuck ! ünwad'r heisst auch ein anhal- 
tendes Gewitter. 

Wäftan, der Webestuhl. 

Wäg'n(Präs wäg, wiggst; Imperf. 
w6g;Part. waog'n)=a:wiegen u. wägen. 

Wagens, wegen ; von Wagens, meist 
im Sinn von : was anbetrifft. Von Wa- 
gens de Böker, wick di man segg'n, was 

die Bücher betrifft, so will ich dir nur 
sagen. 

Wägträ, wörtlich : Wegentritt wird 
der Vogelknöterich (Polygonum avi- 
culare) genannt. 

Wälig, Adj. vom ungebräuchlichen 
Wäl = der aus einer kräftigen Gesund- 
heithervorgehende tjbermuth der Ju- 
gend, 'n wäligen Jung, Pard ; auch von 

üppig stehenden GeM'ächsen : de BÖD 
Staon to wälig. Das alts. wala ist — 
bene. 

Wäldaog, Wohlbefinden in jedem 
Verhältniss, mit dem Nebenbegriff des 
Überm üthigen und Üppigen. Sprich- 
wort : Festdaog sttnd Presters Sr Ciuäl- 
daog, 'tGesinn' er Wäldaog un Bür er 

GlÜpdaog, in den Festtagen muss der 
Prediger sich abquälen, das Gesinde 
feiert und ist lustig, der Bauer (Hof- 
wirth) sieht sich nach Allem um. 

Walische Bon', die Saubohne (Vicia 
Faba) und zwar die grosse Spielart, die 
kleinere heisst Feldbön. 

Wallnott, Plur. Wallnäöt, die Wall- 

nuss. 

wams'D, schlagen, durchprügeln. 



243 



Von Wamms, Jacke, Kamisol. Andere 

Ausdrücke flir durchprügeln sind: 

walk'n, dörchwalk'n, den Puck'l ütwa- 
sch'n, en' watt ütlösch'n, watt anwi- 
sch'n , dat Fell losmaok'n , dörchwa- 
ekeln, verbimpf n, watt uppbrenn', de 
Jack ütstöw'n, de Scbink'n besen, 
pelz'n, gärb'n, watt anstäk'n, anrack'n, 
wattuppmeng'n,bideBö(r)stenkrig'n, 
dat Fell versaol'n, 'n Puck'l smarn, dat 
Lädd'r gaor maok'n , deff'n , affdeff'n, 
affdösch'n, draschäökeln, watt ver- 
sett'n, affbäökern, dörchbäökern, üt- 
bäökern, de Jack vnll dösch'n, dörch- 
gallern, en fiUn. 

Wän, eine Erhöhung. Beule iu der 
Haut, Überbein. 

Wänack, der Enteridi, Erpel. 

Wand, dat, ein wollenes Gewebe, 
Tuch, 

Wandmaok'r, der Tuchmacher. 

Wandsnid'r, der Gewaindschneider, 
Tucliiiändler, 

wank'n l. schwanken, 2. viel hin und 

hergehen, üpp'nMärcht iss väöl wan- 

k'n, auf dem Markt ist es sehr lebhaft. 

Wanne! eine Interjection, die eine 
böse Ahnung ausdrückt. Wanne! 

wanne ! wn wät di dat gaön ! O weh ! 

wie wird es dir da ergehen I Dann wird 
es auch als Ausruf gebraucht im Sinne 
des lateinischen : Quos ego. 

Wann-^r , wenn-fer , Interrogativ. = 
wenn V holl. wanner, westfr. wenner. 

Wänrick, der wilde Senf, ein sehr 
lästiges Unkraut (Sinapis arvensis) 
wird in der Regel mit dem Hederich 
verwechselt. 

Wansch, die Bettwanze. 

Wärbaon S. Weirhaon. 

Wärmnitz, die Wärme. 

Warmöi, Wärmod, im Süd.: Wräömt 

= d. Wcrmuth (Artcmisia absinthium). 
warn (Pr. war, werst [wörst] ; Imp. 



ward u. Word ; Part, waorn), das E hat 
hier den eigenthümlichen Laut zwi- 
schen a und ä wie in Häddäk, Arftetc. 
worüber in der Einleitung. =werden. 
Ick war ganz däömlich, ich werde ganz 

con f US. Wat hüt nich iss, kann morg'n 
warn. 

Warp, ein Gewebe, dessen Aufzug 
leinen, der Einschlag wollen Garn ist. 
Drfekamm und Fifkamm sind ebenfalls 
solche Gewebe, sie unterscheiden sich 
nur durch die Zahl der beim Weben - 
angewandten Kämme, je nachdem 
zwei, drei oder fünf in Anwendung 
kommen. Alle diese 3 Arten Gewebe 
heissen: SÜlfstmaokt Tilg, im Gegen- 
satz des angekauften Tuches, das vor- 
zugsweise Wand heisst. 

Wärt 1. der Wirth, bei dem man ein- 
kehrt oder wohnt; 2. der Hausvater, 
Familienvater. Im Alts, bedeut. w e r d 
auch den Familienvater; goth. vairdus. 

WartshÜS, das Wirthshaus. 

Wärw'l l. d. Wirbel, das Wirbelbein. 

2. der Wirbel, Scheitel der Kopfhaare, 

3. ein hölzerner Riegel. 4. die Kurbel. 
5. das Stück des Spinnrades, das auf der 
Spindel sich unmittelbar hinter der 
Spule befindet. 

Wasböm, der Wasbaum d.h. ein 
junger langer Raum, der auf ein Fuder 
Heu, Korn etc. der Länge nach gelegt 
und festgeschnürt wird, um das Korn 
etc. vor dem Herabfallen zu schützen. 

Wasch S. Waos*. 

Wasdom, der Wachsthum ; d. Land- 
mann versteht hierunter meist dieEnt- 
wickelungsperiode des männlichen 
Körpers, u. die einzelnen körperlichen 
Zufälle in dieser Zeit. Datt kümmt 

allns von Wasdöm. 

Wäschersch, die Wäscherin. 
Waschtubb'n, der Waschkübcl. 
Was'I, der Wiesel, auch Wess'I. 
31- 



m 



Wäs'n, der Infinitiv des Hiilfszeit- 
W'orts, mehr auf dem Lande im Gebr., 
in der Stadt sagt man jetzt öfter sin = 
sein (esse); alLs. wesan. Prät. ickkeff 

west, Imperf. ickwass u.waor. Vgl. 
hßbb'n. 

Wäs'n S. Wäswerk. 
""■mrask'n, waschen, auf dem Lande 
gebräuchlich. 

WaSS, der Wachs, alts. wahs. 

WaSS'n (Pr. wass ; Imp. wuss; Part, 
wuss'n) =w'achsen ; gorh. vahsjan, alts. 

wahsan. an- oder äöwerwnssen sin, an 

Rheumatismus leiden. Bei rheumati- 
schen Schmerzen in verschiedenen 
Küf-pertheilen , besonders im Nacken 
und Rücken glaubt der gemeine Mann, 
dass die Haut an- oder übergewachsen 
sei, und lässt sich von kundigen Leuten 

dann knülln nn striken und recken = 

dehnen d.h. den Rücken mit den 
Knieen gewissermassen ausdehnen. 

Waswerk, derinbegrifl aller Mobi- 
lienund Immobilien, wofür man auch 

Mos Wäsen sagt. MinWäsenissnngöd 

in Stann', meine Hofgebäude und das 
zur Wirthschaft gehörende Mobiliar 
sind nun in gutem Zustande. 

Wätern, wässern d.h. das'Vieh trän- 
kien. 

Wätertrog, der hölzerne oder stei- 
nerne Trog, aus dem das Vieh säuft. 

wätrig, wässrig. 

watt 1. was (Interr.) Mascul. Wer, 
selten .'weck; 2. etwas; alts. huat. Et 

schrit all watt he kann, er schreiet aus 

vollem Halse. Töf noch watt , warte 
noch etwas. WattväÖrfen ist ebenfalls 
däsPM'n. interr. aber für alleGeschlech- 
ter,Plur. watt Väör WÖCk. 3. über einen 
tigenthümlichen Gebrauch des Watt 
im Sinnevon : etliche S. unter Daoler. 
Watk, die Molken, Adj. Watkig. 



Wä(r)t WOl, wörtlich : wird wohl = 
vielleicht. 

waw'n, weben; wtft StrÜmp, ge- 
webte Strümpfe. 

Wawtan, der Webestuhl. 

Wäwind, Plur. Wäwinn', die Acker- 
winde, ein den Saaten sehr schadendes 
Unkraut (Con volvulus arvensis). 

Waod'n, waten im Wasser. 

Waog, die Wage, als Instrument 
zum Wägen. 

Waog'n, der Wagen. 

Waog'n, wagen, unternehmen. 

Waok, ein Loch im Eise, um Wasser 
daraus zu schöpfen. 

Waok'n, wachen; goth. vakan, alts. 
wakan. 

Waokelkost u. Waokelköst S, Kost. 
waon', wohnen ; Waonung u. Wäö- 

nnng, die Wohnung. 

waonschaop'n , missgestaltet vom 
Goth. van=rder Mangel, unsernn« und 
SChaop'n = gestaltet; im Engl, ist shape 
= dieGestalt noch vorhanden ; vonPer- 
sonen u, Sachen im Gebrauch. Ebenso 
Waonkantig, ohne scharfe Kanten, 

Waop'n, das Wappen; datMekeln- 
borgsche Waop'n maok'n, den Kopf auf 

beiden Händen stützen. 

Waor, in mehrern Gegenden soviel 
als Medicin, oft aber nur, wenn es in 
Mixturform gegeben wird, in welchem 
Fall dann Pülver den Gegensatz bildet. 

Waor 1. die Waare, Kaufmannsgut. 
2. die Warte, der Wartethurm. 

waor (Adject.) = wahr. 

waorn l. dauern, währen. Watt 
lang' Waort, Wä(r)t god, ein gutes Ding 
will Weile haben. Waor-appel, Dauer- 
apfel, 2. warten, in acht nehmen, hüten. 
Waor di, nimm dich in acht, gehe aus 

dem Wege. Kinner waorn , dat Hfts 

waorn = die Kinder warten, das Haus 
hüten. Mit deÜg'n waorn, die Augen 



245 



stets auf eine Sache gerichtet haben. 
Ick kannt Waorn bedeutet : ich habe die 
Zeit dazu. KÖQB't Se WOl WaOFD, Dli to 
balb^rn ? fragt der Landmann den Bar- 
bier für: haben Sie wohl Zeit mir den 
Bart zu scheren. 3. bemerken, sehen 
(das alts. waron bedeutet animadver- 
tere) ; hir könn wi alls waorn, von hier 
aus können wir alles beobachten. 

Waortsfrft, gedungene Wärterin bei 
einer Wöchnerin. 

Waorteik'n, das Wahrzeichen, Denk- 
zettel. Datt kannst ass Waorteik'n 
brak'n, daran denke oft in der Folge. 

Waorwulf, der Währwolf. Hefritt 

ass 'n Waorwulf, er ist ein sehr starker 
Esser. Der Glaube an den Währwolf 
war früher sehr allgemein, ja man 
meinte sogar, dass, wenn man sich in 
den Zwölfen (von Weihnacht bis heil. 
Dreikönigstag) unter Anwendung ver- 
schiedener zauberischen Gebräuche 
einen Gürtel mit Einfügung der 12 
himmlischen Zeichen fertige und den- 
selben umlege, sich in einen Währwolf 
verwandeln könne. 

Waos' 1. die Base, Vater- oder Mut- 
terschwester ; dann: jede nahe Ver- 
wandte, in welchem Sinne es auch 
Wasch heisst ; oft drückt es nur eine 
Bekannte aus. 2. eine zusammenge- 
bundene Quantität Reisig und Strauch- 
werk. 
Waos'n,aufsteigenderWasserdampf. 
Waot'r 1. das Wasser; goth. vati, alts. 
watar, ersetzt auch den Begriff des 
Flusses, wofür es kein eigenes Wort 
im Plttd. giebt. 2. der Urin, besonders 

der Kranken ; laot 'nDokter maol dat 
Waot'r besfen. 

Waot'rdtik'r S. Dük'r. 

Waot'rstrlm S. Klitsch. 

Waot'rtnlpen S.Trummclütöcker. 



Webdäörn, der Weissdorn (Cratae- 
gus oxyacantha), 

weck 1. (Pron. interrog.) wer, ist 
wenig im Gebrauch. 2. etliche, einige : 
wecksäng'n, einige sagen. Im letzten 
Sinne ist auch die Form WÖCk im Ge- 
brauch. Vgl. watt. 

weck'r und weck-fen , welch einer ? 
(Fragepronomen) von zweien oder 
mehrern im Gebrauch, also uter und 
quis. 

Wedaog, der Schmerz. IckheffsöMl 

Wedaog in'n Kopp. Tan-. Kopp-, LifwS- 

daog, Zahn-, Kopf-, Leibschmerzen. 

Wedd'n, wetten. 

Wedd'ri. wieder, wiederum. 2. wi- 
der, gegen. Auf dem Lande wird es in 
der ersten Bedeutung, nicht in der 
zweiten, zusammengezogen und lautet 
etwa : wärr, Wä. 3. entweder, mit fol- 
gendem oder. 

Wedderspöll, der Widerspiel. 

WedderspÖnIg, gegen den Span lau- 
fend, vom Bauholz gebräuchlich ; bild- 
lich = widerspenstig. 

wedderstöitig= uppstörtig. 

Wedd'rwör, Widerrede, unpassende 
Vertheidigung mit Worten. Wist da 

nochWedd'rwor hämm ? willst du noch 

widersprechen? 

w5d'n, wieten, Unkraut ausgäten. 
Das engl, weed bedeutet Unkraut. 

Wfeg, die Wiege ; W§g'n, wiegen. 

Wegbliw'n, weg sin l. ausser sich, 
ausser Athem , fast ohnmächtig sein. 
Wenn ein Kind überaus heftig ge- 
schrien, oder ein Mensch in sehr grosse 
Wuth gerathen ist, dass die Kräfte ge- 
schwunden sind, und eine Art passiven 
Zustandes eintritt, so heisst es ; h.h iS8 
ganz weg. Desselben Ausdrucks be- 
dient man sich auch von einem in den 
Schlaf gefallenen: he iss Weg, er ist ein- 
geschlafen, selbst für : er ist gestorben. 



246 



Wegenträ = Unverträ. 
weglüks'n S. Iftks'n. 

Wei mit voraufgehendem aH, o weh ! 

Wel'rhaon n. Warhaon, Wetterfahne 
(Weir von wein = wehen). 

Weik, der Zustand, in welchem et- 
was eingeweicht ist. Ut de Weik wa- 
SCh'n bed. die erste vorläufige Wäsche 
des eingeweichten Zeuges. Davon in- 
Weik'D, einweichen. 

Wei'n, wehen ; goth. waian. So lang 

de Wind weit un de Haonkreit bedeutet 

die unendliche Zukunft. Sprichwort : 

De Wind weit wolBerg' tohöp äöwer 
kene dicke Buk d. h. von Nichts kommt 
Nichts. 

weinig, wenig. 

Weit, Weit'n, der Weizen ; gothisch 
bweitei. 

Wfek, weich ; alts. wek. So Wfek ass 
Bott'r. W^klig, weichHch, von Perso- 
nen und Sachen. 

Wfek Wad'r, mildeLuft, Thauwetter; 
Wek'n Wint'r, milder Winter. 

welk S. weck. 

welken S. wecken. 

welln, affwelln, aufsieden lassen, so 
dass es nur aufquillt. 

Welt. Hieher gehören die Redens- 
arten ; Gotts Welt = potztausend, aller 

Welt dient als Interject. des Staunens, 
wird auch adjectivisch gebraucht, 'n 
allerwelts Jung, ein überaus lebhafter 
Knabe. 

wenn' l. gewöhnen, z. B. Hausthiere 
gewöhnen, dass sie von der Weide zu- 
rückkehrend, das Haus wiederfinden ; 
auch von Menschen. Ick kannt nich 
erst gewennt warn, ich kann mich noch 
nicht daran gewöhnen. 2. wenden, um- 
wenden 2. B. Heu beim Trocknen. 

Wfen, weinen. 

wenn-er, wann ? bei Fragen. Wenn« 
^rissdattwest? 



Wfepdäörn, die wilde Rose (Rosa 
canina) ; d. Samenkapseln, Hagebutten, 
heissen Wfepk'n u.Wipk'n, mit diesem 
Worte werden in einigen Gegenden 
a*jch die Beeren des Weissdorns be- 
zeichnet. 

Werf, Gewerbe in dem Sinne von 
Geschäft, Auftrag, 'kheffnoch'n Werf 

in d' Stadt, ich habe noch ein Geschäft 
in der Stadt. Sick 'n Wgrf maok'n, et- 
was zum Vorwande nehmen, um sich 
Eingang, Gehör zu verschaffen. 

Werfel, Werft, Werw'l, die Salweide 

(Salix caprea). 

Wess'l 1. der Wechsel; 2. der Wie- 
sel (Mustela). 

wesseln, wechseln; alts. wehslan 
z.B. die Zähne. 

Wet'n (Pr. wet, west; Tmperf. u. Part. 

wusst), wissen, tn' watt wet'n iss kfen 
Kunst, äöw'r bat'r maok'n datt iss 'n 

Kunst, tadeln ist leicliter, als besser 
machen. 

wett'n, wetzen; Wettstfen, der 
Wetzstein. 

Wi, Wihe, die Weihe, eine Sippe der 
Gattung Falco. 

Wibaud, der Beifuss (Artemisia 
campestris). 

wibbeln S. wiwweln. 

Wicht, Geu icht. 

Wickfudd'r, Wicken, Hafer u. Erb- 
sen, die zusammengesäet und grün ver- 
futtert werden. 

Wick'l, in der Redensart: fen bi'n 
Wick'l krig'n. Jemand hart anfassen, um 
ihn z. B. aus der Thür zu werfen. 

wick'Iwaok'l, vpackelnd, unsicher. 

De Disch steit wick'Iwack'l. 

Wicks 1. die Wichse (zum Putzen 
des Schuhzeugs); 2. Schläge, Prügel. 
Verb. Wicks'n; affwicks'n, durchprü- 
geln. 3. Anzug, Putz, Staat. Bist all 



247 



in Wicks? hast du dich schon angeklei- 
det, angeputzt? Ick will mi inWicks 

Sett'n,ich will mich anziehen, anputzen. 

Wid 1. die Weide. (Salix); 2. die 
Weite z.B. bei der Kleidung; davon 
Wid'n, fttwid'n, weiter machen. 

Widerhenn, weiter hin, nachher, 
später, in der f olgezeit. 



welche an beiden Seiten des Giebel- 
dachs sich befinden, um den Wind ab- 
zuhalten, dass er die Dachsteine nicht 
abwirft. 

winddöf (wörtl. windtaub) heissen 
Buch- und Haselnüsse, die keinen Kern 
haben; im abgeleiteten Sinne auch von 
Menschen gebraucht: Jung! bist dQ 



Widewaol, der Pirol, Pfingstvogel winddÖf? Junge! hast du keine Grütze 



(OriolusGalbula). 

Wif, PI. Wlw'r, Dimin. Wifk'n, alts. 
wif, das Weib , im edlern Sinne als im 
Neuhd. 

Wik'n, weichen, ausweichen ; 't mfltt 
wik'n oder bräk'n, es muss weichen 
oder brechen. 

Wil, die Weile; 't hat göd Wil; 
väörn Wilk'n wass hh hir, so eben war 

er hier. 

Will-Grashärs', diebeid. Gattungen 
Panicum u. Setaria, besonders Panicum 
crusgalli, 

Willn, WUlln (Präs. will u. wull, wist, 
will;Imperf. wull u.wult; Part, wult), 
wollen ; wick, will ich ; datt Wick lÖW'n, 
das will ich glauben. Als Bezeichnung 
des Futurs S. schall. 

Will-Swln, der Assel, Kellerwurm. 

Wim 1. auf dem Lande: der Platz 

vor dem Heerd, wo das zu räuchernde 

Fleisch etc. aufgehängt wird. 2. eine 

Stange oder Latte, auf der die Hühner 

des Nachts sitzen ; mit de Hön'r to Wim 

gaon, früh zu Bette gehen. Die Nacht- 
plätze der Hühner auf dem Lande be- 
finden sich nicht weit vom Heerde, 
daher wahrscheinlich Rökhön, Rauch- 
huhn, Pachthuhn. 

Win, alts. ebenso, ohne PI. der Wein. 



im Kopf? bist du dumm ? 

Windhaok'n, streifige Wolken am 
Himmel, cirrhi. 

Windrack'r, der Grünspecht (Picus 
viridis) ; er ist 'n i^ger Yogg'l weil sein 
wiehernder Ruf Sturm und Unwetter 
verkündet. Er heisst auch Schrei- 
heister; bei den Bienenwirthen heisst 
er Immenwulf, weil er im Winter den 
Bienen in den Körben sehr nachstellt. 

windrog S. drog. 

Wink'l, der rechte Winkel ; dattiSS 
Üt'n Wink'l, das steht nicht senkrecht. 

Wink'ltäög, Winkelzüge, Entschul- 
digungen. 

Winköp, der nach einem geschlosse- 
nen Kauf zum Besten gegebene Trunk. 

Winn', die Winde als Maschine und 
als Pflanzengeschlecht. 

winn' 1. gewinnen in allen Bedeu- 
tungen des Nhd. ; alts. winnan. 2. mit 
der Winde in die Höhe ziehen, alts. 
windan. 

winnig, windig. 

Winst, Gewinst 

Winterblöm, die Königskerze (Ver- 
bascum Thapsus) ; sie prophezeit die 
Länge oder Kürze des Winters, je 
nachdem sie am ganzen Stengel oder 



Winacht'n, Weihnacht; grÖD Wi- nur theilweise ihre Blüthen entwickelt; 

nacht'n witt Ostern, giebt es in den auch sagt man : wenn SC fenzig, upp nn 

Weihnachtstagen keinen Schnee, so ist dopp glik blöt, denn gift 'n enzigen 

er um Ostern zu erwarten, Kaornpris, wenn nnn' mer Blöm sünd, 

:c WiQdbrä(d)'r sind die beidenLeisten, deuu wat to^rst dur, wenn se baow'o 



248 



vnller sitt, denn stigt de Pris int Frö- 
jaor. 

Wintersaot l. alle Kornarten, die im 
Herbst gesäet werden. 2. derWinter- 
rapps und Winterrübsen. 

Wlp'n, ein auf einer Stange errichte- 
ter Strohwisch,wodurch das Verboten- 
sein eines Weges angedeutet wird. 

WIpk'n S. W^pdäörn. 

Wippch'n S. Wuppk'n. 

wipp'n, eigentlich auf und nieder be- 
wegen ; dann : an einem Ende aufheben 
oder sich heben ; de Disch wippt, nicht 
alle Tischfüsse ruhen auf dem Boden ; 
de Tunn wipp'n, die Biertonne an dem 
hintern Ende höher legen. Bildlich 
wird es auch von der Verschlechterung 
der Vermögensumstände gebraucht. 
He wippt, er ist dem Bankerutt nahe, 
wofür man auch sagt-.Hfe Steit upp de 
Wipp. Letzteres kann auch bedeuten : 
er steht in Gefahr sein Amt oder seinen 
Dienst zu verlieren. Das Subst. Wipp 
kommt ausser obiger Redensart ; npp 
d' Wipp Staon seltener vor. wippeln 
dasFrequent.ist besonders vonTischen, 
Stühlen etc. im Gebrauch. 

Wipps. Interjection, welche die Ge- 
schwindigkeit ausdrückt. Wipps! waor 
llfe fnrt, im Nu war er fort. Wupps ist 
dasselbe. Datt gung, wnpps! äöw'r 

den Tun. Davon das Verb.: wippsen, 
WUppsen, sich schnell in die Hohe be- 
wegen, auch: im muntern tanzenden 
Gangesich bewegen. Ad ject. wippsig, 

wnppsig. 

Wippstärt S. Ackermännk'n. Be- 
deutetauch einen unruhigen Menschen, 
der schwer auf einer Stelle aushält ; da- 
von das Verb, wippstält'n. 

Wippwapp, ein Balken, in der Mitte 
auf einer erhöheten Unterlage ruhend, 
an dessen beiden Enden je ein Knabe 



sitzt, die sich auf und nieder schaukeln. 
Davon das Verbum : Wippwapp'n. 

wirrig, Wirsch, verwirrt, widersin- 
nig, ungereimt, niederer Grad des 
Wahnsinns, heisst auch unrlmsch S. 
oben. 

wis' ( Ad j. u. Ad V.) alts. uuis, weise ; 
se sprickt so wis'. 

Wis' (Subst.) I.Weise. Datt isssis 

Wis' nich anners, das ist seine Eigen- 
thümlichkeit. alts.wisa. 2. Sangweise, 
Melodie. 

Wisch 1. die Wiese, auf dem Lande 
Wisk gesprochen. 2. der niedrige 
Strich der Altmark längs der Elbe; hat 
auch im Nhd. den Namen die W i s c h e 
behalten. 

Wiscbengold, Lysimachia nummu- 
laria. 

Wiser, der Zeiger an der Uhr. Hand- 
Wis'r, der Meilenzeiger. 
Wischplack, ein kleiner Wiesenfleck. 

Wismaok'n, vorlügen, aufbinden. 

Datt laot ickmi nichwis maok'n, das 

lasse ich mir nicht einreden. Ammiss 
to Väöl wis maokt, er ist zu sehr ver- 
wöhnt. 

Wisnäs S. Näswjs. 

wis warn, gewahr werden, bemer- 
ken. 

Wis-WBr, spitze unpassende Reden, 

Wis'n (Präs. wis ; Imperf. wes ; Part, 
wäs'n), alts. uuisian, weisen, zeigen. 

Datt wis't nao nicks kenn, eine Ant- 

wort, die als ein geringer Grad von Un- 
willen über Äusserungen , denen man 
durchaus keinen Werth beilegt, ertheilt. 
wis maol hfer, zeige her, so viel als: 
giebher! 

Wist, willst du. 

Wiss, gewiss, sicher, fe.>t. JaowisS, 
allerdings. Staawiss, steh fest. Holt 
wiss, halt fest. De Disch steit wiss, der 
Tisch wackelt nicht. Ommewisse weg, 



249 



unaufhörlich in eins fort; wiss un 
waorhaftig, starke Betheurungsformel. 
alts. ebenfalls wiss. 

wit, weit. De Rock iss wit ; 'n mil- 
wit; situn wit, weit und breit. Datt iss 
noch in Witen Fel(d), das ist noch sehr 
unsicher. 

witbenig, weitbeinig, säbelbeinig. 

Witlöftig, weitläuftig. 

Witt, weiss, alts. huit. Ick heff 
SWart npp witt, ich habe es schriftlich. 

so'n Pütjunker günnt den Ititt'n Mann 

nich dat Witt in sin Og'n, ein schlechter 
Gutsbesitzer gönnt den armen kleinen 
Leuten nicht das Allergeringste. 

Wittbok, dieWeissbuche (Carpinus 
betulus). 

Wittdäörn, der Weissdorn (Cratae- 
gus ox yacantha). 

Witte Gräns, die Gänsepotentille 
(Potentiüa anserina). 

wittjern, wittkern, weissen, mit 

Kalk anstreichen, tünchen. Wittker, 
der Maurer. 

Witt'n Orand , die Bertram - Garbe 
(Achillea ptarmica). 

Wittmann, WittfVn, der Wittwer, 

die Wittwe. 

Witt-Was, der Hirtentäschel (Cap- 
sellabursa pastoris). 

Wiwi singen unsere Kinderwärte- 
rinnen, um die Kinder in der Wiege in 
den Schlaf zu bringen. Das Wort wird 
nach einer beliebigen Melodie stets 
wiederholt. 

Wiw'rdäörn, WiwkrÜd, der Heu- 
hechel (Ononis spinosa). 

Wiw'rtfig, das Frauenvolk, collecti- 
visch. 

wiwweln, wibbeln, wimmeln; datt 

Wi WWelt un kribbelt sagt mauz. B. von 
einem in Unruhe versetzten Ameisen - 
ha\ifen. 

WO,WU? wie?WUdSr,wietheuer? 



wo-hSnn, wohin; wo wnit du hgnn, 

wohin willst du? 

Wock'n, der Spinnrocken mit dem 
um denselben gewickelten Flachs. 

Wock'nblatt, die um den Wocken 
festgebundene dünne Pappe zum Fest- 
halten des Flachses. 

Wök'r, Wök'rblöm, die Wucher- 
blume (Chrysanthemum segetum). 

WÖCk'r andere Form für: weck, S. 
oben. 

wökern, wuchern. Dat ünkrüt wo- 

kertdull, das Unkraut wuchert sehr. 
Im Goth. bedeutet vokrs auch den 
Wucher; inwökem, einwuchern. De 

Tüffeln sünd ganz inwökert, die Kar- 

tofteln sind ganz vom Unkraut über- 
wuchert, tosaom wökern , Geld zu- 
sammenscharren. 

Wöi'n 1. wühlen; 2. viel arbeiten; 
den ganzen Dag ramm wol'n, den gan- 
zen Tag arbeiten. WÖlcri, Wühlerei. 

WoIIsmack, Leckerhafrigkeit. 

Sprichwort : Wollsmack bringt Bcddl- 
sack, Leckerhaftigkeit führt zur Ver- 
armung. 

Wor S. Wort. 

Wor-äöwer, worüber. 

Wörgengl , eine Art von saftlosen 
und herben Birnen; WÖrg'n wird vor- 
zugsweise von solchen Birnen gesagt. 

Worm, Fi. Wörm und Wörmer, der 

Wurm. 

Wörmmäl, Wurmmehl, staubartige 
Theile des vom Holzkäfer zernagten 
Holzes. 

wörmaodig, wurmstichig, wormsch, 

wurmig. 

WörmS, der Wcrmuth (Arteniisia 
absinthium), 

wörmsch, wörmig, vom M'^urme 
zerfressenes Holz. 

Worp, der Wurf. 

Wörp'l, der Würfel. 

32 



250 



Wort bedeutet in der Altmark den 
bei einem Hause befindliciien Aclcer, 
der durch einen Erdwall oder Zaun 
umgrenzt ist. Ursprilnglich hatte der 
Kossatlie nur eine solciie WÖftC. 

Wort, das Wort, PI. Wör, Worte und 
Wörter. 

Wörtel 1. Wurzel; 2. Wurzel der 
Küchenkräuter, Sellerie, Petersilie etc. 

Wörtelnjümmwörteln, herum wur- 
zeln, sich mit allerlei kleinen Wirth- 
schafts- Angelegenheiten beschäftigen. 

wöst, wüste; mi iss so wöst in'n 

Kopp ; WOStig, einer Wüste ähnlich. 

Wost, die Wurst. Wost wedder 

WoSt, wie du mir, so ich dir. Da die 
2. Sing. Präs. von wollen im Plttd. auch 
wost lautet, so hört man scherzweise 

wohl : HansWost! wost nochWost? hir 
iss noch Wost, wenn du noch Wost 

wost, wörtlich: Hanswurst! willst du 
noch Wurst? hier ist noch Wurst, wenn 
du noch Wurst willst. BrlmWOSt, 
Weisswurst, in die dasGehirn gemischt 
ist ; GrÜttWOSt, Rothwurst mit einge- 
mengter Grütze. 

Wostkrüt werden der getrocknete 
Majoran und Thymian genannt, welche 
zur Wurst genommen werden. 

Woststick'n S. Stick'n. 

WoststickenkrÜd, der Rainfarrn 
(Tanacetum vulgare) heisst auch 

Säw'rsaot. 

Wrack. In einigen Theilen der Alt- 
mark werden die schlecht gebrannten 
und zerbrochenen Ziegel- und Mauer- 
steine mit diesem Worte benannt. 

wraggeln, wrackein, durch Hin- u. 

Herbewegen wackelig machen z. B. 
einen Tisch, Nagel etc.; dann auch den 
Körper beim Sitzen unaufhörlich hin 
und herbewegen; wird häufig mit 
Wriggeln verbunden. Du bist jo'n 
Wriggel-Wraggel, dusitzest ja niestille. 



wrägeln, wräglich S. törn', 

Wrägelmös auch Brummsupp hei- 
ssen die Schelte, welche die spät aus 
dem Kruge heimkehrenden Männer 
von ihren Frauen erhalten ; also eine 
Gardinenpredigt. 

Wrang, die Kurbel, besonders die 
grössere. 

Wrang'n, ringen, sich balgen, engl. 
wring, agls. vringen. 

Wrangelwörtel , die Wurzel von 
Polypodium. 

wrant'n S. törn'. 

Wratt, die Warze, sowohl eine 
knopfähnliche Erhöhung auf der Haut, 
als die Erhöhung auf der Mitte der 
weiblichen Brust. 

Wribbeln, zwischen den Fingern 
etwas reiben oder drehen. 

wriggeln, so viel als wraggeln, mit 

d. Nebenbegriff, dass die Körperbewe- 
gung in kürzern Absätzen geschieht. 
Wrick'n, timwrick'n l. verstauchen, 

verdrehen. Ickheff ml 'n Föt umwrickt. 
2. durch wraggeln etwas Festes los- 
machen z. B. einen Nagel. 

Wring'n, ringen, drehen, krümmen. 
He wringt de Hänn', er ringt die Hände. 

He wringt sick ass 'n Worm, Sprich- 
wort für den, der sich gar nicht zu 
etwas entschliesseu kann. Das goth. 
vringan_(wringan) bedeutet drehen,, 
ringen. Istmit wrang'n ein Wort, wird 
aber genau unterschieden. Ütwring'n, 
nasses Zeug, durch Zusammendrehen 
so viel als möglich vom Wasser befreien. 

Wrammelbaor S. Zusätze unter 
Baorittchen. 

Wrümp'l 1. Alles was sich knaulartig 
zusammengeballt hat. Daher wrüm- 
peln , tohöp wrümpeln , unordentlich 
zusammenwickeln z. B. Garn ; 2. con- 
sistente Excremente von Menschen, 
Hunden etc. 



i^ 



251 



\5ni = wo. 

WIlbbeln,wnbbligS.wabbeln,wabb]ig. 

Wucht 1. Gewicht. Datt hat 'n 

Wucht, das ist recht schwer an Ge- 
wicht. 2. der Hebebaum. Davon das 
Verb, wuchten, den Hebel gebrauchen. 

WUhenn, WUher= wohin, woher. 

Wulf, alts. ebenso = der Wolf. 

Wuir, die Wolle. goth.VLilla. 

Wulk, die Wolke; WUlkig, wolkig. 

Wullblöm', das Wollgras (Eriopho- 
rum). 

Wtilln, aus Wolle bestehend ; WÜllu 

Strümp. 

WUlIn S. willn. WUltU, abgekürzte 
Form für: wist dU = willstdu. 

wunam und wurtonäb'n = wo ? 
wunn-ner=wenn? Wunn-neriss'r 
woltoHüs? 

Wunk, der Wink ; WUUk'U, winken. 

Wuppken u. Wüppken, auch Wipp- 
ken, Wippchen = Flausen, Blendwerk, 
Zauberkünste, Lügen. 



wupp'n = wi pp'n. >*imi 

WUppeln, dasFrequent. vom vorigen. 

wupps u. wuppsen S. wipps. 

WUppti, einelnterject. von gleicher 
Bedeutung mit WUppS, die grössere Ge- 
schwindigkeit wird dadurch angedeu- 
tet, ün wuppti ! fein wi dräöw'r her. 

Daraus ist das Substant. 'uWuppti her- 
vorgegangen in der Bedeutung von 
einem kleinen Schnapps, der mit einem 
Schluck rasch ausgetrunken wird. Töf 

'n bät'n, ick will erst 'n Wuppti näm. 

Wuppupp S. Huppupp. 

Wuppwupp, der Wiedehopf, im 
Nordwesten : Lupk (Upupa Epops). 

WUSO? wieso? 

WUtsch'n, schnell vorübereilen, sich 
rasch aus dem Staube machen. Ein aus 
demLagerweglaufenderHaseWUtSCht 
in den Busch. Abgeleitet von dem als 
Interj. dienenden Naturlaut: WUtSCh, 
der auch sehr im Gebrauch ist. 

WU VäÖl, wie viel. 



K. 



Zabben, der Engerling. 

zabbern (wenig mehr imGebrauch) 
= im Zank viele u. undeutliche Worte 
machen, schwächer als kreiteln, Strid'u 
etc., der Begriffdes undeutlichen Spre- 
chens ist vorherrschend. 

Zack, ein altes Schaf. 

zackermentsch, Adj. = verteufelt. 
De zack'rmentsche Snider hat mi dat 
Tüg nich bracht. 

ZackMist nur in der Redensart: bi't 
Zackfei krig'n gebräuchlich und bedeu- 
tet dasErgrei fen, Anpacken eines Men- 
schen, um ihn z.B. aus derThür hin- 
auszuwerfen. 

Zackerlöt, Zapperlöt und Sapperl6t, 

eine ArtFluchwort für alles, was uns 
in hohem Grade zuwider ist. Davon 



ein Adject. zapperlötsch (corrumpirt 
aus Sacra lotio?). 

zadder, zadlich, zadrich S. TaltV. 

Zäd'l, der Zettel. 

Zaffe, derGartensalvei (Salvia offic.) 

Zäg, kleiner Graben mit fliessendem 
Wasser (im Süden). 

Zäg', Zick, die Ziege; von Ziegen 
und Ziegenmist hält der Landmann in 
einigen Gegenden nicht viel, Daherdas 

Sprichwort : Sommerrogg'u un Zagen« 
mess freten den Bür ass he iss. Vom 

Sommerroggen meint man dort eben- 
falls, dass er das Land auszehre und den 
Landmann ruinire. 

Zappermenter , ein Schimpfwort, 
auch Zackermenter, aus sacramentum 
entstanden V 

32* 



252 



zanstern, viel und laut sprechen. 

zaog, zagliaft. 

Zaob'l, der Säbel. 

Zaokerern, viel und anhaltend heftig 
schelten, zanken. 

Zärg, die Seiteneinfassung der Fen- 
ster, wovon die Fensterbank ein Theil 
ist; auch die Bretterbekleidung an den 
Seiten derThüren. 

Zebürk'n, ZibÜrk'n, kleines abgele- 
genes Zimmer. 

Zefe, der Vorname Lucie Sophie. 

Zell , der Bettwinkel des Knechts, 
der des Hofwirths heisst Butz, statt Zell 
sagt man auch Gang. 

Zibb', weibliches Lamm von Schafen 
und Ziegen , auch das Weibchen vom 
Hasen und Kaninchen. 

Zibiir, oir, aus Sibylla corrumpirt = 
altes, böses Weib. 

Zicklis, d . Vorname Lucie Elisabeth. 

Zick S. Zag. 

zimperD, eine grosse Empfindlich- 
keit gegen Schmerz, Kälte äussern; 
zimperlich das Ad ject. davon. 

ZinshaOQ hat neben der gewöhnli- 
chen Bedeutung im Süden der Altmark 
auch den eines auffahrenden, streit- 
süchtigen Menschen. 

Ztp-zip sagt man, wenn man zum 
Scherz und ganz sanft ein Paar Kopf- 
haare anzieht. Davon das Verb. Zip'n. 

Zipp 1. die Graudrossel (Turdus 
musiais) ; 2. das Weibchen des Kanin- 
chens. 

zipp (Adv.) kommt nur in der Re- 
densart vor: hh kann Dich zipp sBng'n, 
er ist ganz ausser Athem. 



Zipp'n, zippkötern, mitlaufen, nach- 
laufen, wie Kinder und Hunde zu thun 
pflegen. 

Zippoll, die Zwiebel (Allium Cepa), 
zirtelln drückt die Äusserung des 
Wohlbehagens der K üchlein aus, wenn 
sie unter der Mutter sitzen, indem sie 
mit den kleinen Schnäbeln einen klap- 
pernden Laut hervorbringen. 

Zirnpp, Syrop. 

ZiS, Abkürzung für Accise. 

Ztsk und Zick'rdtitSCh, der Zeisig. 

Zissmännk'n, nass gemachtes und 
dann halbgetrocknetes Schiesspulver, 
das dann angezündet und zischend all- 
mählig verzehrt wird. Ein nicht un- 
gefährliches Knabenspiel. 

Zittlos', die weisse Narcisse (Narc. 
poeticus). 

Zopp, der Zopf. He hat sick 'n ornd- 

liehen Zopp drunk'n, er ist betrunken. 

ZOpp'n, ziehen, z.B. die Pferde mit 
dem Zaum, damit sie rückwärts gehen ; 
afizopp'n, abziehen, weggehen. 

Znck, die Wasserpumpe ; das Verb.: 

znck'n. 

zuckeln, im langsamen Trabe reiten 
oder gehen. — Zuck'ldrabb. 

Zückerkannig, der Kandis. 

Zuckerpletsch S. Pletsch. 

ZÜl,ein Schimpfwort— alter Hund; 
Zanl'n = jaul'n S. oben. 

znnd,zanner, jetzt, jetztund. 

Zwick, die Zwecke (ein kleiner Na- 
gel). Vgl.Pinn'. 

zwiebeln , unaufhörlich quälen, 
ängstigen. 



'"^XiC'^OP^ 



Znsatze nDd fiericIitiguDgen. 



Seite 1. 
Abece. DerKindergesang lautet auch: 

Abece, Katt lep in' Sne ; ass sfe wedd'r 
rftt'r kämm, ha se witte Stäweln an. 

acheln 2. tUchtig essen. H& achelt 'n 
grötKnüstBrotupp. 

Achterpört. Der Landmann hat fol- 
gende Gesnndheits- Regel: Den Kopp 

laot frern, de Föt holt warm, slaog nich 
so väöl in dinen Darm, dat Achterpört 
laot aopen staon, denn kann de Dokt'r 
Qn Apptek'r spazern gaon. Oder : denn 
kann de Dokt'r tum Deiw'l gaon. 

achter staon laot'n, übergehen, un- 
beachtet und ungesagt sein lassen ; datt 

willn wi achter staon laot'n, davon 

wollen wir weiter nicht sprechen. 

achts ist sicherlich mit dem Neuhd. 
Erachtens dasselbe Wort und dem- 
nach nicht miner-achtS sondern min- 
ErachtSz« trennen. 
S.2. 

Affhärks'l S. unten ütf ägs'l. 

A£^aog'r heisst in einigen Gegenden 
auch AfiQaog'rrÖ(d) (Ruthe zum Ab ja- 
gen); die Operation selbst afijaog'o, u. 
der Spreu etc. d. abgejagt ist : Afijaogs'l. 
Der hie und da gebräuchliche JaogS'l 
(pag.91) ist aus Jaog'r, Affjaog'r ver- 
dorben. Jaogs'i kanndahernur s. v. a. 
AffjaOgS'l sein. 

affkaotern heisst in einigen Gegen- 
den auch affkaoter^rn. 
S.a. 

afi^lenzen, Gartenbeete abtreten; 

plenzmandeStig äff, willoBöu' planten 



affslaon, abschlagen, im Preise sin- 
ken ; 't Kaorn iss affslaon. 

Aim im Nordwest, für Ach'l, Granne. 

allebott. Sprichw. : Allbott helpt 
watt, sä de Iffesk, nn pisst in de Elw'. 

Bott kommt als Subst. auch in der Alt- 
mark in einigen Gegenden vor in der 
Bedeutung von Spielraum. Gelit die 
Achse am Wagen zu dränge in der 
Büchse so heisst es : datt hätt nich Bott 
nög. Ein Landmann wollte erzählen, 
dass ein Mutterschaf nicht zum Lam- 
men kommen könne u. drückte dies so 

aus: DatLamm will gar nich hä (her), 

't hat hinn' (nämlich beim Schafe) 6k 

gaorkenBittschenBott(d.i.Spatium). 

S.4. 
all-to-Hand, sogleich, auf der Stelle. 

allhel, sogar, schon ; 'tissallhfet all 
göd, es ist schon gut; de Lu(d) seggn 

allhel, die Leute sagen sogar. Das Ge- 
sinde, die Schulkinder etc., die bisher 
nur Scheltworte von der Herrschaft etc. 
gehurt haben, sagen, wenn Schläge 

erfolgen: stist schull 'rman, nu fängt 
'r allhM an to prügeln. 

Anberg, die Anhohe ; ick stao upp'n 
Änberg. 

S.5. 
anfleit'D wird auch in mehrerii Or- 
ten für betrügen gebraucht. 

ÄngMk'nwörtel S. Gülk S. 68. 

anlei'n, hintergehen, betrügen; de 
hat mi schön anleit, der hat mich derb 
betrogen. 



254 



Ann-Ils', der zusammengezogene 
Vorname Annallsabe, 

anrack'n S. wams'n S.242. 

S.6. 
anstell'ü hat neben den Bedeutungen 
des Neuhd. und der S. 6 angegebenen 
auch noch die von empfehlen, be- 
sonders um eineHeirath zu bewirken; 

mi sünd yaölMäkens anstellt, es sind 

mir viel Mädchen empfohlen, sie zu 
heirathen. 

antWOrt'D. In einigen Gegenden der 
Altm. wird dasPraefixum vom Verbo 

getrennt ; ass he mi fraog'n da, do wört 
ick am an : dattgeitmigaor nicks an. 

S.7. 
awilk'n ist das Dlminut. von dem oft 
vorkommenden a(ll)Wil. 

äw'n, eben, genau ; datt kann ick so 

äw'n nich wet'n, das kann ich nicht so 
genau wissen ; äw'n maok'n, ausglei- 
chen, gut machen ; dU häst nOCh Väöl 

äw'n to maok'n. 

S.8. 

Aop. Das angeführte Sprichwort 
drückt auch das Missvergnügen über 
etwas aus ; mi hat 'n Aop Ifts't sagt der 
Landmann auch, wenn er z. B. beim 
Kartenspiel sein Geld verloren hat. 

AOS. Dies u. einige andere Schimpf- 
wörter werden nicht selten im freund- 
lichen Sinne gebraucht; datt iss 'n lÜtt 
AoS, oder min IfittAos sagt die Mutter 
von ihrem kleinen Schreihals, ohne es 
büse zu meinen. Ebenso sagt der Land- 
mann voneinem gewandten, durchtrie- 
benen oder kecken Menschen , ohne 
ihn beleidigen zu wollen : datt iss 'n 
Hand; es bedeutet nichts weiter als: 
uns ist ein Blitzkerl. 

äöwer wird auch als Cenjunction 
gebraucht für aber; äöwer ick segg, 
datt etc., ich sage aber, dass etc. 



äÖW'r nn däöw'r, über und über; 

ick bin äöwer nn däöwer natt, ich bin 

auf dem ganzen Körper nass; dcGös* 

kük'n sünd äöwer an däöwer gal, die 

jungen Gänschen sind überall gelb. 
S.O. 

Spalte 1, Z.22 lies gäw'n statt geb'n. 

äöw'rhenn, obenhin, oberflächlich, 
leichtfertig, besonders von einer gefer- 
tigten Arbeit im Gebrauch ; datt iss 

wedder so äöwerhenn neit, das ist wie- 
der leichtfertig genäht. 

S.IO. 
Backs, Schläge. 

Balken in der angegebenen Bedeu- 
tung ist der Plur. von Balk. 
BullerbtiSS, die Knallbüchse. 

S.U. 
bask, barsch ; 'n bask'n Karl 

Sp.l,Z. 11 v.u. ist statt bacea zu le- 
sen: bacca. 

Bär. In einigen Gegenden wird mit 
Kreinögen d. Preissei beere (Vaccinium 
vitis idaea) bezeichnet, 

Bartelme, der 24. August, Bartholo- 
mäustag. 

Bastjaon, der 20. Januar ; Faobjaon 
an Bastjaon laot'n d' Sapp in d' BBme 

gaon, mit dem 20. Januar tritt der Saft 
in die Räume. Die Knaben singen: 

Bastjaon wall nao d' Stad gaon , Pitt- 
gaon wall mitgaon, Bastjaon lep ser, 
Pittgaon kämm er. Vergl. auch Hnpp- 
app S. 87. 

S.12. 

Baa, der Spik (Lavendula spica). 

Batz (Subst.). Jede zusammenge- 
klebte Masse z. B. Haare, die in Krank- 
heiten od. beim Kopfausschlag zusam- 
mengewirrt sind : oder Eiter, Schmutz, 
Blut, die bei Geschwüren eine dicke 
Masse bilden. Von ihnen heisst es : datt 

iss all en Batz. 



255 



Sp. 1,Z.3 statt Back lies Baok. 

baok'ü, die Gerste S.ütaorn S.233. 

Baor in der dritten Bedeutung ist 
veraltet; in der vierten Bedeutung wird 
es nur vom Stangenbohrer des Zim- 
mermanns gebraucht. 

Baoremk S. unten .- Emk. 

Baorittch'n bezeichnet nur die 
kleinste Art von Bohrern und heisstin 
der Eibgegend Wrummelbaor, ein 
Bohrer von mittler Grösse heisst im 
Nordwesten Reber. 

S.14. 

Baort bedeutet auch den Rücken der 
Sense ; holt 'n Baort daol sagt der Land- 
mann zum Anfänger im Mähen, halte 
die Senseso, dass die Schneide nicht in 
die Erde fährt. 

baow'n. Der Superlat. heisst auch : 
böbberst u. bömmst. 

bedön. DasParticip bedaon drückt 
auch das Werthlose eines Dinges aus, 
mit dem Nebenbegriff, dass man es ver- 
achte ;datt iss bedaon,das ist gewisser- 
massen mit ünrath beschmutzt, etwas 
das verächtlich und mit Ekel angesehen 
wird. Dasselbe, aber noch stärker, 
drückt beschät'n aus. 

Bedrif 2. Umgang, Verkehr. 

begäw'n, Sick,sich begeben d. h. von 
etwas abstehen, sich beruhigen; ick 
heffmi all begäw'n, ich will nicht wei- 
ter darauf bestehen, ich habe mich be- 
ruhigt ; dat Kind hat sick begäw'n, das 
Kind ist Stil legeworden und bataufge- 
liört zu schreien. 

beiern bezeichnet diejenige Art des 
Läutens, wenn nicht die Glocke selbst, 
sondern nur der Klöppel durch ein 
daran befestigtes Seil in 13ewegung ge- 
setztwird. 

beklaog'n. Das Imperf. heisst auch 

beklög. 



S.16. 

beSWÖWn, BeSWÖwnitZ wird in vie- 
len Theilen der Alemark beSWÖg'n Be- 
SWÖgnitz gesprochen, offenbar richti- 
ger, wie das Alts, und Agls. zeigt. 

Bett l. das Bette, wie im Nhd. 2. die 
auf der Dreschtenne ausgebreiteten 
Garben, welche ausgedroschen werden 

sollen; wu väöl Bett Rogg' hast hüt 
affdöscht? 

bi-dess, auch bi-dessen, wofür auch 

Wil-dessen i^ebräuchlich ist, während 
der Weile, Zeit. 

S. 17. 

Bichter heisst der die Beichte anhö- 
rende Geistliche. Sprichwort : PrestCf 
iss Bichter Un ken Richter. Dieser Re- 
densart bediente sich ein Landmann, 
der sich von einem dem Pastor gegebe- 
nen Versprechen losmachen wollte. 

BidderSCh , die Leichenbitterin. — 
Die Bildung desFemininums aus männ- 
lichen Substantiven ist in dem plattd. 
Dialectsehr gewiihnUch durch Anhän- 
gung eines SCh an dasRlascul. (Gr. Gr. 
3, 399) viel häufiger als in den übrigen 
Dialecten und wird fast, von jedem 
männlichen Subst. oebildet. Nur bei 
sehr wenigen Masc. ist diese Form des 
Weiblichen in diesem Wörterbuch auf- 
genommen. 

Statt Bihasp'I sagt man auch : BllÖp'r. 

Bilaod heisst auch Bilott. 

binn', binden ; Imperf. bund, Partie, 
bunn'. 

S. 18.^ 
Blackhäörn, dat. Anderer Ausdruck 

für K o p f ; du kriggst watt an't Black- 
häörn. 

Blackschit'r, im Nordwesten an der 
Hannoverschen Grenze ein Scliimpf- 
name für den Amts- u. Gerichtsschrei- 
ber, der den Bauern verhasitist. 



256 



S. 19. 

Blaos In mebrern Gegenden ein sehr 
gewöhnlich. Sciiimpfwort für Kinder. 
S. 20. 

blinn' Ül l. ein Scheltwort; 2. ein 
Kinderspiel ähnHch dem Blinde-Knh- 
Spiel. DieKindersingen dabei: BHdh' 
ül ick lei' di! Wo leist du henn? In' 
Schaopstall. Watt schall ick dao ? 
Bottermelk slapp'n. 'k häff ken Läp'l ! 
Stick 'n Kopp dfepin'nKät'l! oder statt 

der letzten Antwort: daohasten! daO 
hast en ! wobei die Kinder die blinde 
Eule mit Strohwischen schlagen und 
dann rasch entspringen. 

S. 21. 
Sp.2,Z.3 von unten statt b5t wird 
meist büt (bauet) gesprochen. 

S. 22. 
Sp. 1, Z. 16 V. u. ist statt to bolle föm 

zu lesen :toholleforn. 

Bott für Spielraum S. unter allebott 
S. 253. 

Bolz, in einigen Gegenden der Ka- 
ter; statt bolzen sagt man auch : üpp 

de Ranz an Bolz gaon. 

Sp. 1 letzte u. Sp. 2 beide erste Zeilen 
sind zu streichen. Vgl. unter Wncht. 
S. 261. 

S. 23. 
Bös, de, der Teufel. 
Böttker. Unsere Kinder singen, 
wenn sie den Böttcher arbeiten hören: 

Böttker, Böttker, hum-bum-bnm ! Sleit 
sin Frü de Titten krnmm. 

Bracksnüt^in Schimpfwort, nicht 
überall im Gebrauch, 

S. 24. 
Brett, das Brett hat im Plur. Brld'r 

und Brad. 

S. 25. 
Brok wofür in vielen Gegenden Brök 
gesprochen wird. Sprichw. : to'n grö- 



den Aors hört 'n gröden BrBk (der 

Wohlhabende muss weitläuftiger 
wohnen und muss mehr Aufwand 
machen). 

brti(d)n bedeutet auch coire: He hat 

Mndderü brat datt se wedder kinnel- 
b&rsch iss. 

BrummSUpp =t Wrägelmös S. 250. 

S. 26. 

Brüthaon. Zusatz: Der Bra'utigam 
hat vor sich ein Glas Bier, die Braut 
einen Korb voll Zwieback stehen. Hat 
der Gast seine Gabe auf einen ihm dar- 
gereichtenTellerniedergelegt,so trinkt 
ihm der Bräutigam zu, der Gast thut 
Bescheid. Darauf überreicht die Braut 
dem Gast einen Zwieback. Dies wird 
bei jedem Zahlung leistenden Gast 
wiederholt. — In andern, besonders 
nordwestl., Theilen der Altmark findet 
dies am dritten Hochzeitstage wäh- 
rend der Hauptmahlzeit statt, wobei 
die Musikanten tüchtig blasen müssen. 

Budd'lworm, der Pfropfenzieher, 
Korkzieher. 

S. 27. 
büg'n, bük'n. Wenn das Eis auf den 

Wiesen noch nicht so stark ist, dass es 
vollständig trägt , so machen sich die 
Knabenein Vergnügen daraus, dasssie 
büg'n oder bÜk'n d. h. sie gehen einzeln 
oder in einer Reihe auf dem sich sen- 
kenden und vor den Füssen sich nieder- 
biegenden Eise. 

Bnkök'n von Halberstadt , das be- 
kannte Wiegenlied soll nach Roch- 
holz (Allemannische Kinderlieder u. 
Kinderspiele 1857. S.93 u. 115) nichts 
mit dem Bischoff Buco zu schaffen ha- 
ben, sondern von Bnkök'n, einem weit 
verbreiteten Namen der siebenpunkti- 

gen Coccinelle (S. Herrgottswörmk'n 
S. 81) abzuleiten sein, die in Deutsch- 



557 



land und der Schweiz als eine Milch 
u. Butter gebende Kuh betrachtet wird. 
An mehrern Orten Deutschlands wird 

auchBukök'n von Halle auch von Bre- 
men gesungen. 

S. 28. 
Buls', dieHülle, H ülse vonFrüchten. 

Sprichw : Häst du datSapp ütsaog'n, 
kannst ök de Bnls'n fräten. (Hast du 

das Beste davon genommen, kannst du 
auch den schlechtem Ueberrest behal- 
ten). 

S.29. 

Bünz'l ist auch ein Scheltwort mit 
dem Nebenbegriff des Kleinen ; SÖnn' 
Bünz'l, solch ein Knirps, kleiner 
schmächtiger Mensch. 

BÜr, die unter 3 angegebene Bedeu- 
tung für Bube im Kartenspiel wird im- 
merhäufiger; früher und bei den aken 
Landlei iten ward und wird er nodi im- 
mer de ünnci genannt, so wie die Dame 
de Ober, wenn gleich die sonst üblichen 
deutschenKarten mit den französischen 
vertauscht sind. 

bnrrr ! Zuruf des Fuhrmanns, wenn 
die Pferde stehen bleiben sollen. 

Bu(r)SS. Jung BUSS heisst jede uner- 
wachsene und erwachsene Mannsper- 
son, wenn sie noch nicht verehlicht ist. 

Busk. Sprichwort: Half Busk, half 
Rock ! segt de Schaop'r, nnsatt hinner'n 
Rnütt'lstick'n. 

but'n, Sprichwort : WÜ't büt'n WoU 

väör Wä(d)'r iss? segtdeFoss un sitt 
achter'n Mäddelhalm. 

S. 30. 
Butt (Subst.) 1. ein kleines Tönn- 
chen,Kfenbutt, Tärbutt. 2.ein Schimpf- 
wort für kurze, dicke Leute ; datt isS 'tt 

Butt von Karl. 

bütwennig hat in den meisten Ge- 
genden der Akmark nur eine räumliche 



Bedeutung. Etwas deni Gedachtniss 
anvertraut haben heisst: fttwennig 

wet'n. Das Sprichwort: datt iss büt- 

wennig hat häufig noch den Zusatz: 

dao kümmt Strö äöwer d. h. und dann 

ist der Schaden wieder gut gemacht. 

Butz. Redensart:deButz'n daovon 

draog'n, den Schaden tragen, für etwas 
büssen müssen. Wenn eine Streitfrage 
unter mehreren Personen so geschlich- 
tet wird, dass Einem die Schuld beige- 
messen oder die Last aufgebürdet wird, 
so sagt dieser : ick mtitt alSO de ButZCÜ 

daovon draog'n. 

S. 32. ^ 
däg'r, dägerst, auch dagst wird in der 
Regel mit dem determinativen so ver- 
bunden: De Äcker iss so dägr (dägst) 
in Unordnung, datt 'n ken Minsch to- 
recht krig'n kann. — De Jung' hat de 
Jack so dägers to Enn' rät'n, datt etc. 

Dan, der Thau. Sprichwort: 'tiSS 

nich göd, wenn d' Minsch to tidig in'n 
Dau geit, denn hat 'r den ganzen Dag 
natt Fot. 

Dausläp'r. Im nordwestlichen TheH 
der Altm. ward das ländliche Pfingst- 
fest anders gefeiert. Hier hiess die 
Kuh, welche zuerst auf der Strasse 
erschien, de Dausläp'r und die Magd 
derselben ward von den Knechten ge- 
neckt und verspottet. Weit schlimmer 
aber erging es der Magd, deren Kuh von 
allen als die letzte vom Hofe abgetrie- 
ben ward. Diese Magd hiess Fingst- 
kerw und die Kuh: de bunte KÖ. Wenn 
nämHch des Abends die Heerde ins Dorf 
zurückkehrte, war der Schwanz des 
Dausläpersmit einemBirkenbusch ver* 
sehen, die verspätete Kuh aber bunt 
gemacht d.h. mit Kränzen umwun- 
den. Mit lautem Jubelgeschrei wurden 
diese Thiere im Dorfe begrUsst. Die 
Mädchen, besonders dieder buntenKuh, 

33 



258 



schimpften gewaltig, oder weinten bit- 
tere Thränen. 

'i S. 33. 

daortomaoln : andere Formen dafür 

sind: daomaoln, daotomaorn, daomaol- 
gnns. 

däösighatin einiorenGegendenanch 
dieBedeutung von düslig, schwindlich. 

S. 34. 
Daol'r. Über die noch nicht vollstän- 
dig aul'geklärte grammatische Fügung 
der Redensart wodurch das Ungefähre 
einer Zahl bezeichnet wird, sind in 
Frommanns Zeitschrift: die deutschen 
Mundarten Bd. 2, S. 353-357 mehrere 
Erklärungsversuche gemacht. Auch 
ein ähnlicher Gebrauch des ein bei 
2iablen, um das Ungefähre auszudrü- 
cken, den Adelung (Wörterbuch unter 
e i n) erwähnt, ist in der Altmark nicht 

ungebräuchlich ; wi willn noch enacht 
Daog töw'n ; 't kümmt upp 'n tein Daol'r 
nich an ; he mütt nu wol all 'n näg'ntein 
oder twintich Jaor olt wäs'n; hast 
jioch en twe Stunn' froher kaom'. 
... Deg. Sprichwort: Weck'rn bi 't 
Backent Däg an'n Finger hack'nblifft, 
de iss gitzig. 

Del. Die Redensart : Du Sast din Del 
WOlkrig'n istelHptisch zu fassen, indem 
das woran Jemand Antheil haben soll, 
weggelassen wird und aus dem Zusam- 
menhange zu ergänzen ist. Hat z.B. 
Jemand die Mahlzeit versäumt und 
fürchtet leer auszugehen, so heisst es : 
du Wä(r)St din Del (nämlich Essen) 
WOll krig'n. Am häufigsten aber enthält 
diese Redensart eine Drohung oder 
,Warnung. Du krigst diu Del (nämlich 
Strafe). 

delg'n bed. im Nordwesten : schwel- 
gen , prassen. Statt delg'ü wird auch 

verdelg'n gesagt. 



denk'n. S prich wort ; Denk'tt drüggt, 
seggt de Foss. 

Denst'n bedeutet auch hie und da das 
Gesinde. 

Derm, der Darm. Für a tritt im 
Pktd. der Umlaut ein, wo man ihn nicht 
erwartet. Man könnte Derm für den 
Plur. von Darm halten, der Singul. hat 
aber auch schon den Umlaut, ähnlich 
sind Ment'l (Aiantel), verbrgunt (das 
Part, von verbrennen), bekSnt (in vie- 
len Gegenden der Altmark für bekant), 
nennt (genant). 

S. 35. 

Sp. 2, Z. 17 V. u. statt MItt zu lesen : 
Mit. 

Ding nur Scherzwort für: Kind ; 
bedient man sich im Ernst diesesWorts, 
so bewirkt man dadurch, dass das Kind 
nicht gedeihet. 

Dipentaot, aus Deputat entstanden, 
ist viel im Gebrauch. Wenn Jemand 
sich eine Abgabe, Last etc. auferlegt hat, 
so heisst es wohl : dao hat 'r sick 'ü 

schönen Dipentaot upp'n Hals leggt. 

S. 36. 
Docht'rkind S. Säönskind S. 181. 
Ein Wort für Enkel kennt man Inder 
Altmark nicht. 

S.37. 

döf, taub ; de Föt sünd mi ganz döf. 

bedÖW'n, betäuben. 

Dönnsenbäön, der Boden im Hause 
über der Stube. Die im hintern Theile 
des alten Bauerhauses Hegende Stube, 
nebst die daran stossende Kammer, sind 
um ein beträchtliches niedriger als der 
vordere Theil des Hauses, so dass da- 
durch ein eigener Bodenraum entsteht, 
der den Namen Dönnsenbäön (Stuben- 
boden) führt. Über demselben befindet 
sich noch ein neuer Boden, de FlÖr. 

Dopnaom häufiger J)op'lnaom ge- 
sprochen. 



m^ 



DöpelScWn, der Tauf-, Geburts- 
Schein. 

DöSSel. Die grosse Thür des 
Bauernhauses dient auch zur Auffahrt 
für das eingeerndtete Korn. Tn der 
Mitte derThür steht ein starkerPfosten, 
an den die FJügel der grossen Th in- sich 
anlehnen, dieser Pfosten heisst DöSSel. 
Er kann herausgenommen werden. 

S.38. 
Sp. 1, Z. 9 statt künnst ist zu lesen 

kümmst. 

S.39. 
Drau, Drohung. Sprichw. : Drauiss 
bät'r ass Hau (Schläge). Von Draun 
fällt kenHaos. 

drawallj'n im Begriff von gehen 
schiiesst den Nebenbegriff des Schwer- 
fälligen ein. 

Dieben, der Schusterschemel. 

S.40. 
driw'n. Driwkittel wird von 

Frauenspersonen gebraucht, der Mann, 
auf den derselbe Begriff angewandt 

wird, heisst Driwkil, Dribenkil. 

S41. 
drög. Die Redensart: drög Brot 
ät'n d. h. Brot ohne Butter essen, drückt 
einen hohen Grad vori Armuth aus. 
Drök, in einigeuGegenden der Erpel. 
drorig S. Trür Seite 228. 
drunkfällig, dem Trünke ergeben, 
drunk, Imp. von drink'n (trinken). 

Parti cipdrunk'n. 

S.42. 
du. Folgt auf die 2. Pers. Sing. Präs. 
eines Verbums das Pron. dU, so entsteht 
eine Contraction , indem statt dU dem 
Verboeine angehängt wird: gehstdu, 
hörst du, bist du, schlägst du heisst 

plattd. : gfeste, horste, biste, sleiste. 

Dtik'r, auch andere Form für :Deik'r, 
Deuk'r, der Teufel. 



dullig, düllig, geduldig. 
Dümsch-Furrmann, das Sternbild des 
grossen Bären. 

S.43. 

Dünnersdag. Sprichwörter: Wenn 
de Woch iss wunnerlich, iss Dünners- 
dag affsunnerlich. Nao Dünnersdag 
kümmt de Fridag (auf Zank und Streit 
folgt \/ersülinung). 

dupp kommt nur in der Redensart 
Upp Un dupp, oben und unten, vor, de 

Stock iss upp un dupp lik dick, der 

Stock ist oben und unten gleich dick. 

S.44. 
Dwass (Subst.) der Thor, der Narr. 
Dwel bedeutet in manchenGegenden 
der Altmark auch das Tischtuch. 
dweng'n, drängen, bedrängen. 
Dweng'r, eine enge Viehtrift, in an- 
dern Gegenden auch Twecht genannt. 
Sei:e 229. 

S.45. 

eckstern. Sick eckstern, affeckstem, 

sich ängstigen, bei der Arbeit abquälen, 
wofür man auch sick afiTdSChem und 

sick affespern sagt. 

Edd'lmann. Die Klagen des Land- 
manns über die Härte des Gutsbesitzers 
haben sich in einigen ländlichen Sprich- 
wörtern erhalten : 't isS man 'U Slump, 

wenn 'uEdd'lmann in'n Himmel kümmt; 
dütt Dörp iss all göd , 't iss man 'n Amt« 
mannun Edd'lmann drin. 

edderkaun = aderkaun S. 2. 

S. 46. 

eislick, andere Form für eisch. 

Emk. Die grosse Waldameise, deren 
Larven als Nachtigallenfutter vorzugs- 
weise benutzt werden, heisst BaoiSmk. 
Wer sich mit dem Sammeln dieser Lar- 
ven beschäftigt heisst BaorBmk'nkIrl. 

endlich un endlich! eine Interject. 
Hat man z. B. einen Boten ausgeschickt, 

33' 



Ui)0 



uiiü er bleibt zu lange ans, so ruft man, 
wenn er nach langem Warten an- 
kommt : na ! endlich un endlich ! 

S. 48. 
' erb'O, erben, wie im Nhd. Eigen- 
thUmlicli ist der Gebrauch dieses Worts 
in der Wendung: Yon denn Hingst, 
BullnetC. erwt 't god, wörtlich: Von 
diesem Hengst, Stier etc. erbt es gut; 
d.h.dieMutterthiere, welche mitdie- 
semHengst,mit diesemStiersich gatten, 
werden gleich tragend , oder wie der 
Landmana sich ausdrückt: SC begaon 

licht. 

esch'n, fordern. 
Et'ikaom'r, Speisekam.mer. 

extra (Adverb) besonders ; datt iss 

extra, extragöd-schön, das ist ja vor- 
züglich, besonders gut, schon, 'n extra 
göd'n Karl. 

etzlich auch itzlich, etliche, Bezeich- 
nung einer geringen Anzahl von Din- 
gen ; gtzlich sang', datt etc. , einige 
Leute sagen, dass. Ein ähnliches Wort 
islick kommt im Nordwesten im Be- 
griff von jeder vor. 

S.49. 
Sp. 1, Z. 4 ist statt förns zu lesen : 

färns. 

fast. Redensarten: fastföm l.fest 
fahren (mit dem Wagen); 2. sich in 
seinen Reden verwirren; 3. in Wider- 
sprüche gerathen ; 4. beim öffentlichen 
Reden stocken, stehen bleiben. Ick heff 
ämm fastkrag'n l.ich habe ihn zum 
Geständniss gebracht ; 2. ich habe ihn 
zum Schweigen gebracht. 

Faom. Sprichw.:Jeläng'rd'DagJe 
kört'r deFäÖm (je mehr die Tage zu- 
nehmen, je weniger wird gesponnen. 

Faos'l wird auch von magern Men- 
schen gebraucht. 



S.50. 

Fedd'r. Sprichwort: Nao enFedd'r 
mtitt'n Berns äöw'r dre Tun spring'n 

(eine Mahnung, Bettfedern eifrig zu 
sammeln). 

feg, ängstlich, weichherzig, der 
leicht zum Weinen gebracht wird. 

Fett, das Fett. Sprichwörter: Mit 

fetten Mül kickt he üt hog'n Finstern 

(er thut gewaltig dick) ; Fett SWemmt 
baob'n, Ök SÜlfst VOn'n Hund (Hoch- 
stehendehaben grossen Einfluss, auch 
wenn sie schlecht sind). 

S.51. 
Fingerbezeichnu ng. Die fünf 

Finger heissenrKleinfinger, Goldringer, 
Langmeier, Pöttkenlicker , Lüsken« 
knicker. Unsere Wärterinnen bezeich- 
nen die Finger der Hand zur Belusti- 
gung der kleinen Kinder so : Datt iS8 

de Dum, de schüddelt dePlüm, delist 
se npp, de dröggt se hem , de kleine 
Schelm itt se ganz allfen. Oder: Datt 
iss de Dum, de schüddelt de Plüm, de 
list se upp, de fritt se upp, nn düss klen 
seggt Yaodern un Muttern nao. 

finn', finden. Imperf. fund, Partie, 
funn'. 

Finsterlucht. In den frühem Zeiten 
schlössen die Hochzeiten besonders in 
den Städten damit, dass jeder Gast im 
Hause des Bräutigams eine Fenster- 
scheibe einschlug, und dafür eine mit 
Namen und Wappen bemalte Scheibe 
schenkte. 

Sp. 1, Z. 16 v. u. statt EiSS'I zu lesen : 
Fiss'l. 

Fist'l bedeutet in einigen Gegenden 
jedes Geschwür. 

fiw. Unsere Wärterinnen bezeich- 
nen die Zahl 5 so: tweög'n in' Kopp, 
twS Eier in'n Pott, hu Sei in'n Llw, sünd 
datt nich fiw? 



fladdl'ig KÖl heisst in einigen Ge- 
genden der hohe Braunkohl, der zum 
Blatten als Viehfutter gebauet wird 
und glatte Blätter hat, im Gegensatz des 
krusen des niedrigen mit krausen 
Blättern znm Essen. 

S.62. 
fiämsch wird auch ad jectivisch von 
dem in seiner Art Grossen und Gewal- 
tigen gebrauclit: datt iss 'nflamsch'ü 
Karl, das ist ein Mensch von hervor- 
ragender Grösse oder Körperstärke. 

S.53. 
Flesch. Auf dem Lande wird den 
Kindern bei Tische häufig zugerufen : 

Flesk watt, un Väörkost satt. 

Fiinst'r undGlinst'r, die feinen Eis- 
krystalle, die bei starken Frost selbst 
beim hellen Sonnenschein in der Luft 
schweben und niederfallen. Auch von 
einem zu stark geheizten Backofen sagt 

man : he flinstert un iss to het. 

S.57. 
frät'n. Redensart: du kannst nich 
glöw'n,watt du rinslaog'n (wörtlich: 

hineinschlagen d. h. verzehren) kannst, 

wenn du langsaom Trittst. 

Fr^seln. In einig. Gegenden spricht 
man auch : de Frescln (als Plural). 

frin. Sprichw. : Frl man erst ! seggt 
de Schaop'r to'n Hund, denn sast'n Stert 

WOll hangen laot'n (Ehestand, Wehe- 
stand). 

Frösk'n, Schwämmchen auf der 
Zunge bei saugenden Kindern; der 
Landmann curirt sie oft mit Dinte. 

S.58. 
Frucht bedeutet auch die Boden- 
feuchtigkeit; dat Land hat noch nög 
Frucht, un 't regnet all wedd'r. Eine 
Bauernregel ist : Wenn 't Aschermid- 
woch regent, holt dat Land ken Frucht 



un wät Asch ; oder : 't verdrögt de Nettl 
hinner'n Tun. Adject. : fruchtig ; 't iss 

fruchtig Wad'r, nasse M'itterung. 

fucheln, heimlich etwas bei Seite 
bringen, so dass es Niemand sieht. 

fuchs'n, die Bedeutung von necken 
oder stehlen ist mirin der Altmark noch 
nicht vorgekommen, ich kenne es nur 
in dem Sinne von : mit Drohungen ver- 
jagen ; tof man, ick will di fachs'n, 
warte nur, ich werde auf fühlbare 
Weise dich von dort vertreiben. 

Fuchs'r od. Pennigfuchs'r, der Geiz- 
hals. 

fuddeln, fuchteln ; fudd'l mi nich mit 
dfnPödümdeNas'. 

fÜl-Gret. Von wurmstichigen Ha- 
selnüssen sagt der Landmann: dao hat 
fül-Gret inschat'n. 

FÜl-Piper heisst in einigen Gegenden 
derWiedehopf (UpupaEpops). 

fummeln bedeutet auch : im Finstern 
herumtappen. 

S.59. 
Fürböt'r wird auch inmilderm Sinne 
gebraucht z.B. vonKnaben, die auf dem 
Felde ein Feuer anzünden; auch nennt 
man hie und da scherzweise den roth- 
harigen Menschen so. 

Furz. Sprichwort: üt'n drewsch'n 
Aors geit ök woll 'n lustigen Furz (der 
Brausekopf kann auch bisweilen heiter 
sein). 

fuschig, andere Form f ür fösch. 

Fftst. Sprichwort: 'U groff KuÜSt 

(Stück ßrot)iss bät'r ass 'n leddigFüst. 

Sp. 2 letzte Zeile statt gädlich, gaot- 
lieh zu lesen : gätlich. 
S.(iO. 

Gäflf 1 wird vorzugsweise gebraucht 
zum Ausschütteln des kurzen Strohs 
auf der Tenne, damit die Körner aus 
dem Stroh herausfallen. 

Gang S. auch Zell S.252. 



262 



S.61. 



. -^^ -. A «.Knr 



gärtnerirn, Im Garten arbeiten, eine 
voxhybrida aus dem Nhd. Gärtner 
gebildet. 

gasterern, Gäste bei sichliaben und 

zu Gast gehen; dao gasterem s' all 

wedd'r, dasind schon wiederGäste zum 
Schmause geladen; he gasterert all 

Daog rümni,er isttäglieh zumSchmause 

geladen ; wiH'ii bat'n gasterern gaon, 

wir wollen uns ^s Gäste anmelden 
lassen. 

S.62. 

Gaor (Subst.) kommt in einigen Ge- 
genden in der Redensart : min Land hat 
GaOIvor; sie bedeutet: mein Acker ist 
gut im Stande, weil er früher gut ge- 
düngt ist. Gaor ist nämlich nicht so viel 
als D ü n g e r , sondern die durch den- 
selben erzeugte Fruchtbarkeit des Bo- 
dens, der Boden ist gewissermassen 
gut gar geworden. 

Gaorn. Sprichww. : 'n Gaorn mütt'n 

Waor'n (der Garten kostet viel Arbeit) ; 
väölDferns nn 'n gröt'n Gaorn verderb'n 

'ü besten Hoff (die Mädchen wollen 
grosse Aussteuer haben und der Garten 
viel Dünger, der dem Acker entzogen 
wird). Anderswo lautet das letzte 

Sprichwort: väöl Dernsun väölBrün- 
kölland iss'n Bür sin Schaod'n. 

Ge. Über die Entstehung dieser 
Vorschlagssilbe vgl. Gr. Gr. I., 1015 f. 
Gebräk, Gebrechen, Noth, Unglück. 
gefärlich. Andere Bezeichnungen 

des Superlativs sind: erbärmlich, ent- 
setzlich, gnzig (einzig), ftirchtbaor, 
schrecklich, nnfläötsch, gransaom, 
grimmig, hässlich, h^l, lästerlich, ge- 
waltig, mordialisch, raosend, unge- 
heuer, gottlos, wtithend, ftt'rorndlich, 
äöwerüt, kalobarsch. Über diese Art 
den Sup&rlativ aiiszudrücken ist' zu 



vergleichen : Frommann, die deutschen 
I\l undarten Bd. l,03r, ff., Rd. V, 182 ff. 

Gelaot bedeutet im Nordv/est. auch 
Mietie, Geberden. Man sagt: watt 

maokst du vör'n Gelaot. 

genau, knickrig, geizig. 

gesannen, gesinnt ; ick bin nich so 
gesunnen, datt ick di datt naodrög., 

ich bin nicht so schlecht gesinnt, dass 
ich dir das nachtrüge. 

S.03. 
glüp'n. Das Substant. heisst Glfip'r 
und Glftp'r. 

S.64. 
Gigg'l bedeutet auch d, Zahnfleisch ; 

dat Kind schürt sick an d' Gigg'l, nn 
wät Tan krig'n. 

Sp. 1, Z.'7 V. u. statt gim zu lesen : 
gim' (für gimen). 

glatt, auch vom Anzüge im Ge- 
brauch, schmuck ; Dem, du bist so 
glatt, du kannst vör'n Köst'r un Prest'r 
staon. 

S. 05. 

Glinst'r S. Flinsc'r Seite 261. 
S. 66. 

gnabbeln heisst auch : gnaog'n. 

S.68. 
Göss'l. Sprichw.:Du sleisthiun'ftt, 
ass 'n laom Göss'l. 

S.69. 

gramm, böse, aufgebracht, erzürnt. 
Hat sich aus dem Mittelalter in der Alt- 
mark erhalten. 

Graon' heissen die langen Barthaare 
einiger Tbiere, aber nur wenn sie sich 
um die Schnauze befinden z.B. bei den 
Katzen; derKinnbartz. B. der Ziegen 
heisst nicht so. 

Graop'n werden in einigen Gegen- 
den auch die Milchsatten genannt. 

Grfep S. Fork S. 55. 



2(j3 



S.70. 

grin' bedeutet 2. auch hohnlachen ; 
3. grimmii^. wüthend aussehen. 

Grinfichl'r, ein Fichler.(S. S.50) der 
dabei grint ; man sieht es ihm an, dass er 
absichtlich anders spricht, als er denkt, 
aber in Worten sehr freundlich ist. 

S.73. 
hacksch'n , obscöne Reden führen. 

Subst. Hackscher. 

S.74. 

hallwäg. Wenn man im gemeinen 
Leben die Behandlung nicht erfährt, die 
man erwarten kann, so sagt der Ver- 
letzte : datt iss äöw'r ök nich hallwag 
z.B. wenn ein erwachsener Mensch 
von Eltern oder Angehörigen als ein 
Kind behandelt wird. 

Hansaorsch, starkes Schimpfwort. 

S. 70. 
Hat, der Hass; hät'n, hassen, nicht 
überall im Gebrauch, gewöhnlich sagt 
man für: Jemanden hassen : 'n Pik upp 

enhämm. 

Haofk." Sprichwort: de Yöggel, de 
s' Morgens to Instig sin, de stickt 
s'Aobens de Haofk. 

Haogen. In mehrern Dörfern unter- 
scheidet man Haoge (Femininum) von 
Haogen (Mascul.) und versteht unter 
dem ersten das Gehege, die Be- 
friedigung. Dies kann ein Wall 

(Haogenwall) oder Graben (Haogen- 

graoben) sein , meistens aber eine le- 
bende Hecke aus Hainbuchen (eigentl. 
Hagebuche plattd. Haogeböken und 
Haokelböken) oder noch häufiger aus 
Weissdorn (Crataegus) daher auch 
Hagedorn genannt, besteht ; Haogen 
(Masc.) dagegen bezeichnet den Raum, 
der mit einer Befriedigung versehen ist. 
Dieser Raum kann ein Stück Feld sein, 
eine Wiese, ej^ Garten, Holz, eiße 



Schonung, worin das Vieh nicht wei- 
den soll. In den Eibgegenden der Alt- 
mark nennt man Haogen junges Busch- 
holz, besonders die Elbweide, die zupi 
Bandholz vom Böttcher verwandt w ird. 

S.77. . 
häömeln l. die Operation des Kastri- 
rens bei Bocklämmern ; 2. diePilaumen 
entsteinen um Mus daraus zu kochen, 

wofür auch üthäömeln, ütlucht'n (S. 
pag 128 unter Lucht) gebraucht wird, 
an den meisten Orten aber heisst es: 
PiÜm' Sni(d)'n. Der Landmann ladet 
z|l.dieser Arbeit die Nachbarschaft ein 
und es heisst dann: bi Schulten isshttt 

Plüm'-häömeln. 

Haonbalken und Hänebalken , der 

oberste Querbalken, der die Sparren 
mit einander verbindet, ist auch Nlid. 

Häönk'n, Tapphäönk'n, der Hahn am 
Fass, bei Kindern das membrum virile. 

Haor. Upp 'nHaor bedeutet l. ganz 
genau. Datt passt Upp 'n Haoi. 2. bei- 
nahe, fast; upp 'nHaor här ick int 
Waot'r falln. 

S.78. 

He. In mehrern Dörfern ist die plttd. 
FormSfe (das Vogelweibchen) imGe- 
braucb. 

S.82. 

Hild. Der Plural heisst Hilter, der 
Singular ist also Hilt zu schreiben. 

S.83. 
hojaon. Sprichwort : Hojaon man 
gegen 'n Backaow'n an, datt helpt di 
nicks. 

S.84. 
Hön. Sprichw. : Wenn väöl Hön'r in 
$n Nest legg'n, helpt 't sick bald. 

S.86. 
Ho(r)St hat in der Altmark nicht die 
weitere Bedeutung wie im Nhd. und 
beschränkt sich auf den angegebenen 



264 



Begriff doch mit der Besclira'nkung, 
dass nur Anbohen ringsum mit 
Sumpf umgeben darunter ver- 
standen werden. Daher imDrömling 
viele Horster sind. Da sie in der Regel 
mit hohem Holze bestanden sind, wo 
die Raubvögel ihren sichern Wohnsitz 
gern aufschlagen, so nennt man das 
.Nisten derselben horsten (imNhd.). 

'^: S. 87. 

Hupp-npp. Beim Anfertigen des 
Hupp-upps singen die Knaben an 
mehrern Orten: Peter Pattjaon will 

nao d' Stad gaon, Peter Pittjaon \«fbll 
mitgaon; Peter Pattjaon kaomtoer(st) 
iin kreg 'n Kros Ber ; Peter Pittjaon 
kaom to spa(d) un kreg 'n Dracht 
Sla(g). 

huppS=:hopps. 
hupps'n, hüpfen, springen. 

S.89. 
Sp.2,Z. 14 ist statt füllen zu lesen: 
fall'n. 

in-de-erst, zuerst, anfangs, in der 

ersten Zeit; in de erst wass't mit am 
ganz göd, äöw'r dünn fung 'r an to süp'n. 

indränk'n. Im Nordwesten sagt mau 
dafür auch indriw'n. 

inhUSS'n, inhUSCh'n, ein Kind in den 
Schlaf lullen durch Schaukeln in mono- 
toner Anwendung des stets wiederhol- 
ten lius-hus-hus. 

S.90. 
inknöp'n, einknüpfen, einprägen, 
dringend einschärfen unter Androhung 
von Strafe ; im Begrifl' wie : 'n Slipp in't 

Ör sni(d)'n. 

S.91. 
Johannjöm (so ist zu lesen, nicht 
Jahannjom). Der Landmann unter- 
scheidet genau Johann und Hans; 
Johannjöm ist also Johann Joa- 
chim u. Hanschöm H a n s Joachim. 



isslick und itzlich S. S. 260 unter 
etzlich. 

S.92.. 

jäöklig = käöklig. 

Jaor. DieRedensarttO Jaor bedeu- 
tet : im vorigen Jahre. 

Jehannig, der 24. Juni, Johannistag, 
an welchem auf dem Lande keine Ar- 
beiten vorgenommen werden. 

jennich, irgend einer (nicht überall 
im Gebrauch). 

jenn' kommt als Pronomen auch auf 
dem Lande in andern Verbindungen 
vor, besonders wenn alte Geschichten 
erzählt oder sprichwörtliche Redens- 
arten angewandt werden oder wenn 
man die Namen der Personen nicht 
kennt. Erzählt z.B. Jemand eine Ge- 
schichte und wird gefragt : wer dies ge- 
wesen sei, so antwortet ersterer, wenn 
er den Namen nicht weiss oder nennen 
will : jenn' Karl. Oder in dem Sprich- 
wort : Jenn' Bür woll ök vörnam wSsen 
an slep bit half Naomiddag. 

Jti-hti! Zuruf für Pferde, wenn sie 
vorwärts gehen sollen. 

junk und junkjunk'n S. Gigl S.64. 

S. 94. 
kalabaorsch, sehr, ausserordentlich; 

datt iss 'n kalabaorsche Hitt, es ist sehr 
heiss ; hir iss kalabaorsch inböt, hier 

ist sehr stark geheizt. 

kalennern bedeutet auch im Kalen- 
der lesen oder nachsehen, ob auch gute 
Zeichen zur Uebernahme eines Ge- 
schäfts z.B. zum Säen, Pflanzen, Ader- 
lassen etc. bei dem Tage stehen. 

kalw'n, kalben, wird nicht blos von 
der Kuh gebraucht, sondern auch von 
dem Besitzer der Kuh; man sagt: 
Schult hat kalwt für: die Kuh des' 
Schulzen hat gekalbt. 

Spalte 2, Z. 12 von unten ist von der 
Abwechselung des Nhd. und desPIttd. 



565 



in Volksliedern die Rede. Eine solche 
Vermengung findet sich öfter, wie fol- 
gendes Bruchstück eines Volksliedes 
aus der Gegend von Calbe zeigt. Es 
verdient eine Aufnahme ; 

Es wohnt ein Jäger auch dabei: 
„Ach Jungfer wollen Sie meine sein ?" 

Nein, Jäger ! nein, 

Ein andrer soll es sein ! 

Sonn ollen Kik-in-Busch 

Gift so manchen Jnmfern 'n Knss ! 

Nein, Jiiger ! nein, 
Ein andrer soll es sein ! 

Es wohnt ein Müller auch dabei: 
„Ach Jungfer wollen Sie meine sein ? 
Kein, Miiller ! nein, 
Ein andrer muss es sein ! 

Sonn ollen Stopp-in-Sack 
Hat so manche Jnmfer hat ! 

Nein, Müller ! nein, 
Ein andrer soll es sein ! 

Es wohnt ein Schneider auch dabei ; 

„Ach Jungfer wollen Sie meine sein ?" 
Nein, Schneider !nein. 
Ein andrer muss es sein ! 

Sönnoll'nLappen-d^f 
Hat so manche Jnmfer l^f 

Nein, Schneider .' nein, 
Ein andrer soll es sein ! 

Es wohnt ein Leinweber auch dabei : 
„Ach Jimgfer wollen Sie meine sein ?<* 

Nein, Leinweber .'nein, 

Ein andrer soll es sein ! 

Sonn oll'n Klister^Kämp 

Hat so manche Jnmfer dangt (?) 

Nein, Leinweber ! nein, 
Ein andrer soll essein! 

Es wohnt ein Schäfer auch dabei ; 
„Ach Jungfer wollen Sie meine sein ?'' 

Nein, Schäfer! nein, 

Ein andrer soll essein ! 

Sonn ollen Schaoper-haok'n 
Mtitt sin Frü fit 't Bett rüthaok'n 

Nein, Schäfer ! nein, 
Ein andrer soll es «ein ! 



Es wohnt eJn Kuhhirt auch dabei : 
„Ach Jungfer wollen Sie meine sein?" 

Nein, Kuhhirt ! nein, 

Ein andrer soll es sein ! 

Sonn ollen Tüt-int-Häörn 
Mütt sin Frü nt 't Bett rütbäörn 

Nein, Kuhhirt ! nein. 
Ein andrer soll es sein ! 

S. 96. 
Karl. Im Nordwesten hört man auf 
Hochzeiten von den lustigen Gästen 

häufig denRuf:deSchenkeriss'nSchit, 
deKock iss 'nRarl. 

Kaspel, Kirchspiel, Parochie; ein 
anderes Wort dafür kennt man nicht. 

KäSSber. Redensart: Sön Blöttid 
(Blütliezeit) ass de Kaspern hämm, hat 
de Rogg'n 6k. 

S.f)7. 
Kattenstert, Katzenschwanz. 
Kaol. Statt der angeführten Redens- 
art ist auf dem Lande die derbere: Ick 

satt ass wenn mi de Naors brennt, 

mehr im Gebrauch. 
S.98. 

kaoterfern, affkaoterfern, unter sich 

etwas besprechen, heimlich abmachen, 
in der Regel mit dem Nebenbegriif des 
Tadelnswerthen. 

Kein wird in mehrern Gegenden der 
Altmark, wo diese Spielart des Leins 
auch gebauet wird, Kinlin genannt. 

S.99. 
Kfer bedeutet auch die Wendung, 
welche eine Sache nimmt. Man sagt: 

datt nimmt k^n göd K^r. 

kermen, jammern, winseln, sich ab- 
härmen. 

S. 100. 
Rik'r wird auch die hie und da im 
Grossen gebauete Kichererbse genannt 
(Astragalus Cicer). 

kinnelbörsch sin, schwansjer sein. 
34 



266 



S. 102 

Klafin bedeutet in einigen Gegenden 
einen Haufen aufgeklafterten Holzes, 
also gleichbedeutend mitFim. 

S. 103. 
Klaos = Nicolaus. Unsere Kinder 

singen : Klaos mit'n Bessenstal , sleit 
de Kinner allto väöi ; aUtoväöl iss un- 
gesund, Klaos iss 'n Swinehund. 

S. 104. 

Klaow, Kloben, Holzscheit. 

Kleibodd'n, schwerer fetter Thon- 
boden. Man unterscheidet in der Altm. 
Kleibodd'n und Melmbodd'n. Letzterer 
ist ein leichter Boden mit nicht durch- 
lassenden, d. h, festen Thonuntergrund, 
Bei zu nasser Witterung weicht die 
ganze Oberfläche auf, so dass Pferde u. 
Wagen stecken bleiben. 

Klensmedd, der Schlosser. 

S. 106. 

Rlockrep, Glockenstrang. 

klöw'n. Hat ein Landmann sich ein 
Glas Brantewein geben lassen und sagt 
zu einem andern ; willn klÖw'n, so be- 
deutet das: wir wollen ein jeder die 
Hälfte nehmen. Haorklöw'r wird auch 
der Friseur genannt, und da der Barbier 
jetzt das Geschäft des Haarschneidens 
besorgt, so wird auch dieser scherz- 
weise so genannt. 

S. 107. 
klungjlmperf. von klingen, Particip 
klung'n. 

S. 108. 
Knagg, Der hölzerne Vorreiber 
heisst an vielen Orten Knäöb'I. 

S. 109. 

Knick bedeutet im Nordwesten eine 
wild aufgewachsene Hecke, auch einen 
gemachtenZaun,aber kein geflochtener 
sondern ein Zaun aus abgehauenen 



Dornen, und knick'n ist daselbst so viel 
als zäune n. 

S. 111. 
Kö. Sprichwort: Wen de Kö hört, 
de faotsean'n Stert. 

S. 112. 
Komma, die Pause, Unterbrechung, 
kommt in der Redensart vor : 't dunnert 

in en Ritt ümmerto, was ök gaor k6n 
Komma twischen. Vergl. auch unten 
unter Schäw. 

S. 113. 

Kopp. S prich w. : Wer ümmer upp'n 
Kopp besteit, de kümmt am Enn upp'n 
Kopp to staon. 

Koppwedaog. Sprichw.: Koppwe- 
daog un ken Geld iss gröt Plaog upp de 
Welt. 

8.115. 

Kraog'n. Von einer geringen Speise 
und von wenigem Getränke, also von 
einem Häppchen oder Trünkchen sagt 

man: datt geit nich dörch Kopp un 
Kraog'n un kümmt nich rinn in'nBük 

Hier bedeutet Kraog'n so viel als Hals, 
Schlund. 

S. 117. 
Krischaon. Unsere Kinder singen: 

Karlin, Karlin (Caroline) hat Hochtid 
daon ; hat mi nich nogt ; kumm Kri- 
schaon will'n doch hengaon. 

S. 119. 
Krüp-unner-de-Bank ist die häufige 

Benennung eines ungetauften Kindes. 
Wird ein Kind gefragt, welchen Vor- 
namen das Brüderchen etc. führe, so 

antwortet es : Krüp-unuer-dc-Bank d. h. 

es ist noch ungetauft. 

KÜkerÜkÜ. Bei einem Spielesingen 
unsere Kinder: Ringel-Ringel-Roseu- 

kranz,Kattendans ! Kättschen sitt upp 
de Wege, spinnt klaore Side, iss so 
klaor ass 'n Haor, Jumfer Jüttchen sett 



267 
di daol, Ktikerükfiktiü ! wobei alle nie- 'n legen Yoggel, hß beschitt sin eigen 

derhocken \Venn der Hahn krähet Nest. 

so singen sie; Ktikerükti, kaok mi mit S. 130. > 

Brü, kaok mi mitPäper, schmeckt mi lütbaor, bekannt, offenbar. 
noch bäter. ^ ^^^ 

S. 121. ."> 1 

-, , , , „' . ' „ . ffläk'n. In einem Spiele gescLieht 

Sp. 1, letzteZ. ist statt Spei ssen , ,,.i, . n,, t, • 

, „ . das Abzahlen mit tolgenden Keimen; 

zu lesen bpei sen. *. « wm . wr-i . _ -n •* 

^ Ene, mene, Mik n,Mak n — wer will mit 

S. 122. nao Engeiland - Engelland iss zuge^, 

längwis' , der Länge nach ; hfe iss schlössen - Schltissel iss inzwei ge- 

upp'tIslängwishenslao(g)n, er ist der brochen — spann die Pferde vor den 

Länge nach auf dem Eise niederge- Wagen — nimm die PeitSCh Und laSS 

schlagen, auch die Form länglings sie jagen — hurre, burre, tripp, trapp 
kommtin demselben Sinne vor. _ ick oder du steit ganz allene äff. 

5^ j^25. (Wieder eine Vermengung beider Dia- 

ledlick, garstig, hässlicli, also nicht l^cte). 

so viel als leidlich, passend. mallörn. Sprichw. : Wenn en Mallör 

Legholt, schlechtes Holz, ein Scheit- ^ämm' sall, denn brickt he sick 'n Fin- 

wort im Sinne von Taugenichts; du g^r in'n Aors äff, un Stött sick mit 'n 

bist 'n Legholt hört man oft die Eltern Stummel 't Og üt. 

zu ihren Kindern sagen. S. 132. 

S. 126. Marcht. Sprichwort: De ümmerto 

Lickupp, ein kleiner Imbiss, wovon Mar cht geit un flitig Vadder steit, den 
man nicht satt wird. wä(r)t dat Geld nich olt in d' Tasch. 

Lichtputscher und PutSChfer, die MarillS ist nicht Marie Luise, son- 
Lichtputze. dern Marie Elisabeth; Luise heisst 

S. 128. plattd. nurLowtS. 

Lftsheit, Betrügerei, Schelmerei. Das aus Firmenich entnommene 

Lü(d). Sprichwort : Lü(d)snack Martinslied, wie es in Gardelegen 

maokt nen Sack. gesungen wird, ist nicht genau. Zu- 

S.129. vörderst ist statt: grÖteJaokob zu le- 

LÜmm'l heisst im Nordwesten auch sen : kiene Jaokob. Dann fehlt ein neu- 
der Stier und wird auch mit diesem Zu- hochdeutscher Schluss, der dreifach ist. 
ruf geweckt Der eine lautet : Der Himmel soll 

Lunk. Dass das synonyme BÜl nicht uns offen stehen, da wollen 
blos von metallenen Geräthen gebraucht wir alle eingehen mit unsern 
wird, lehrt die Redensart: hut hämm' li eben Gästen, Herr . . .und 
sick uns' Ko de BÜln maol orndlich Frau . . . sind die besten; der 
ttdräb'n, heute haben sich unsere K ühe andere : i c h w ü n s c h e d e m H e r r n 
recht dick gefressen, die Weichen sind einen goldenen Tisch, auf 
ausgeiüllt. allen v i erE c k en einen geb ra- 

Lnpk, der Wiedeliopf. Sprich wür- tenen Fisch, und in derMitte 
ter: He stinkt ass'nLupk. DeLupkiss eine grosse Kanne Wein, das 

34* 



268 



soUdetnHerrneine Stärkung 
sein; der dritte endlich: ich bin 
ein klein er König, gebt mir 
nicht Zü wenig, lasst mich 
nichtzulangestehn, ichmuss 
heutenoch weiter geh n. Wird 
nichts verabreicht, so erfolgen Schimpf- 
reime wie: fflertens, Mertens Dill, 
wenn Ji ans nicks gäwen willn, so schit 

ick upp de Süll, oder auch wie in Salz- 
wedel. — Auch das Martinslied in 
Salzwedel wird vielfach vollständiger 

gesungen. Hinter: Morgen iss dat Mar- 
tin ist einzuschalten : denn slachten wi 
'n fetten SwSn , denn kaom' de twölf 
Apösteikens un maok'n uns frisch 
Wö(r)stelkens, denn kümmt de gröte 
Goliath nn;stickt se all in sinenSack, 
denn kümmt de klene Dao vid un stickt 
se all in sine Kip. Dann folgt: Mari, 
Mari bis Ströhöt. Hierauf folgt: Mär- 
tens, Märtens Billerblatt, gäwt all de 
Kinner watt, mi ök watt,miökwatt, 
Naowers Kinner ök watt. Wird nichts 

verabreicht, so heisst es auch : MärtenS, 

Märtens Brill, wennJi mi nicks gäw'n 
willn, so kack ick Ju upp de Süll. 

S.133. 
Matz. Über die Redensart: MatZ 

Fotts von Dräsen , kann nich sriw'n 

kann nich läs'n (denn so heisst die Re- 
densart vollständig) hat mir ein Freund 
nähere Auskunft gegeben. Es ist ei- 
gentlich ein Spruch der reisenden 
Hand Werksburschen und bezieht sich 
auf das sogenannte Dresdner Wahrzei- 
chen. Über dem vierten Bogen der 
Dresdner Elbbrücke linker Hand von 
der Alt- nach der Neustadt ist nämlich 
ein kleines gebückt sitzendes Männ- 
chen mit untergestänimten Armen und 
einer tief in die Augen gezogenen 
Mütze in Stein ausgehauen, angebracht. 
Dies Bild soll dem Baumeister der 



Brücke Matthaeus Fotius be- 
zeichnen, woraus Matz Fotts gebildet 
ist. 

Mau, der Pulswärnier, das Hand- 
mütTchen, vomaltnieders. maue, hoUd* 
mouv, der Ärmel; davon MoUWenstri- 
ker, der Schmeichler. 

S. 134. 
maol'n, mahlen; ick will di watt 
maol'n, daraus wird nichts. 

S. 136. 
Meiersch, die Wirthschafterln. 
Melmbodd'n S. Kleibodd'n S. 266. 
Mess. Sprichwort: Wenn de Mess 
braof stinkt, so gifft Regen. 

S. 138. 
Miss, die Messe, kirchlicher Gottes- 
dienst. Dies Wort hat sich im Nord- 
westen in dem angegebenen Sinne aus 
der katholischen Zeit in der Redensart 

erhalten : wenn 't 'u Sünndag rSgent 
väör de Miss, so regent ök de Woch 
dörch wiss. 

Missgelaot, betrübte Miene. 
Mitz=:Mis, Diminutiv Misk'n und 

Mitzk'n. 

S. 139. 

Moll'r heisst im Nordwest, das Korn, 
was zur Mühle gebracht wird. 

Möm, häufiger Mön, ist nichtsowohl 
Mutter als vielmehr M u h m e. 

S.141. 
murk'n. Diese Form des Partie, von 

merken scheint nicht durchgängig in 
der Altmark vorzukommen, und die 
Form merkt gewöhnlicher zu sein; 

hast watt merkt ? ick häff nicks merkt. 

S. 142. 
mussein wird auch von schlechtem 
W^aschen gebraucht, dat TÜg SUt nOCh 
so musslich Üt, das ist nicht rein ge- 
waschen. 



2C9 



Mutt'r, Mudd'r, nicht blos die Mutter, 
sondern auch jede Hausfrau, auch wenn 
sie keine Kinder hat, sowie der Haus- 
herr Yaod'r heisst. Man sagt : TweHäön 
upp en Mess, twfe Furrlü(d) upp en 
Waog'n, twfe Mudders in hn Hüs , de 
könn' sick nich ve(rjdraog'n. 

S. 143. 
Nägelk'n-Päp'r S. unter Päper S.270. 

Näg'n-mörer. Auf dem Lande 
herrscht die Meinung, dieser Vogel 
müsse täglich 9 Vögel morden sonst 
stürbe er. 

Nas. Sprichwort: Watt de Minsch 
Dich kann, dao laot he sin Nas van. 

Naswärmer, d.kurzeTabackspfeife. 

S. 144. 

NätenSChit'r bedeutet auch einen 
falschen Menschen, der gern Zwietracht 
durch Plauderei und Klatscherei er- 
weckt. 

naobliw'n, unterbleiben ; datt mütt 
naobliw'n, die Arbeit etc. muss zurück- 
bleiben, soll jetzt nicht vorgenommen 
werden. 

Sp. 1, Z. 2 V. u. statt der ist zu le- 
sen über die, 

S.145. 

naomelkt K6, der Gegensatz von 

väormelkt Kö (S. S. 236) also eine Kuh, 

die zwar noch Milch giebt, aber schon 

■wieder gerindert hat, auch Substant. de 

Naomelkt; datt iss 'n Naomelkt, de 
wä(r)d nu woli bald naolaot'n mit 

melk'n (nicht mehr viel Milch herge- 
ben). 

naostrik'n, heimlich od. verbotener- 
weise nachlaufen. 

neien wird auch von Pferden gebr., 
die, besonders wenn ein anderes Pferd 
in der Nähe ist, ihr Wohlgefallen durch 
einen eigenthümlichen Ton, der aber 
ein anderer und schwächerer als das 



Wiehern ist, hervorbringen. Am häu- 
figsten bort man ihn, wenn ein saugen- 
des Fohlensich der Mutter nähert. 

S.147. 

Statt nicks spricht man in mehreren 
Gegenden nischt oder nist. 

Nödfür. Wenn in einem Dorfe eine 
epidemische Viehkrankheic herrscht, 
so wurde früher allgemein in derAlc- 
mark NÖdfÜr angezündet; d.h. durch 
starkeFriction zweier trockenen Holz- 
arten ward eine Flamme erzeugt, die- 
selbe mit Stroh aufgefangen u. mittelst 
desselben ein grosses Feuer veranlasst. 
Durch dasselbe ward dann das Vieh mit 
Hülfe sämmtlicher Dorfbewohner ge- 
trieben. Diese abergläubische Sitte ist 
noch nicht ganz ausgestorben. 

nödig'n, 3. durch dringende Um- 
stände zu etwas bewegen, wird auch 
nög'n und nön gesprochen. 

Nott ist auch der Singul. von Klöt 
(S. IOC) also die einzelne Testikel. 
Davon das Verb. Ütnötkern, ein männ- 
liches Schaflamm kastriren. 
S. 149. 

Ogler, der Augendiener, Heuchler. 

Öller. Sprichw. : Öller iss'n swaor 
Möller. 

S. 150. 

Oss. Sprichw.: In'nOss hört Str6, 
in'nBürnhörnRöwen. 

6rt bedeutet auch der Schuster- 
pfriemen, auch einzeln stehende Holz- 
ungen werden in einigen Gegenden 
so genannt. 

Orten. Noch häufiger wird dies 
Wort gebraucht von den Resten des 
Strohes, das die Schafe zurücklassen, 
sie heissen auch Schaopsorten ; krig 
man erst de Orten üt'tHild, unstrei t 
in Köstall. 

pack'n hat neben den Bedeutungen 



270 



im Nhd. auch die von trunken sein; he 
hat fin packt, er hat einen Rausch. 

Padd'n, Fussspuren; auch grosse 
P'üsse. 

S. 151. 

Päper. Der Pfeffer heisst in einigen 
Orten krÜS'Päp'r,z"mUnterschied von 
Nägelken Päp'r womit das englische 
Gewürz. Piment, bezeichnet wird. 

PäpermÖlljPäperbÜSS, ein jetzt sehr 
aus der Mode gekommenes Küchenge- 
räth zum Zerreiben des Pfeffers und 
des engUschen Gewürzes. Man bedient 
sich jetzt statt dieses Geräths des Mör- 
sers, der in mehrern Gegenden den Na- 
men PäpermöU od.Paperbuss behalten 
hat, meist aber Meiser genannt wird. — 
Vom zerkrünkelten Zeuge sagt man : 

dät hat woll in'n PäpermöU läg'n. 

S. 152. 

Pär wird auch in einem weitern 
Sinne gebraucht. Heirathet die Toch- 
ter eines Hirten und der Schwieger- 
sohn bekommt den Hirtendienst, so 
heisst es: se issupp dePärbläb'n; der 
Landmann stellt gern den Pfarrer und 
den Hirten neben einander. 

Parkött'l, der Rossapfel. Sprich w. : 

He issklöker ass 'nlmm,h^ will üt'n 
Parkött'l Honnig süg'n. 

S. 153. 
Päöl, Bettpfühl. Sprichwort : 's Ao« 

wens sünd de Käöln (Kohlen) wa(r)m, 
un s' Morgens sünd d' Päöl wa(r)nL 

Paopengiir, Versammlung d. Geist- 
lichen, Conferenz, Synode. 

Paopenstlg, der Richtsteig, Kirchen- 
weg für Fussgänger. 

S.155. 
Pingstkärw Siehe oben S. 257 unter 
Dansläp'r. 

Pink'lpott, der Nachttopf. Bei der 
Gelegenheic möge ein Volkslied aus 



Gardelegen und der Umgegend hier 
einen Platz finden: 

011 Mann will ridn 

Här ken Pärd, här ken Pärd ; 
011 Frü namm 'n Zickenbuck 
Sett 'n olln Mann daorupp 
Let'nsorid'n,jnch! 
Let'n so rid'n. 

011 Mann wull rld'n 
Här kenen Tom ; 
011 Frü namm 'n Himmensöm *) 
Gaff'n olln Mann tom Tom 
Let'n so rid'n,juch! 
Let'n so rid'n. 

011 Mann wull rid'n 

Här kene Stäweln ; 
011 Frü namm 't Botterfatt 
Sett'n olln Mann so glatt, 
Let'n so rid'n, juch! 
Let'n so rid'n. 

011 Mann wull rid'n 
Här kene Sporn ; 
011 Frü namm Eselsörn 
Gaff se olln Mann to Sporn 
Let'n so rid'n, juch ! 
Let'n so rid'n. 

011 Mann wull rid'n 

Här ken Klabatsch 
011 Frü namm 'n Kattenswans 

Gaff'n olln Mann to Klabatsch 
Let'n so rid'n, juch ! 

Let'n so rid'n. 

» 

011 Mann wull rid'n 
Här kenen Höt; 
011 Frü namm 'n Pinkelpott 
Sett'n olln Mann upp'n Kopp 
Let'n so rld'n, juch! 
Let'n so rtd'n. 



*) Saum eines Hemdes. 



271 



Pissprügel = Pisshaon. 

Plag. Der Landmann hat stets die 
}3esoro niss, dass das, M'as er aus gutem 
Willen tliutodergiebt, zu einemGesetz 
werde und nennt dies Plag; daher das 

Sprichw. : üt'nBad wä(r)t 'n Plag (was 

anfangs erbeten ward, wird nachher zu 

einer Pflicht); ick da datt recht gärn, 
wenn't man ken Plag von wa(r)dn da. 

S. if)d. 
verplämpern, sick, ein übereiltes 
Eheversprechen eingehen. 

S. 157. 

plenssen, plenzen nicht blos Gras 
und Korn niedertreten, sondern im All- 
gemeinen niedertreten, abtreten ; denn 
man sagt auch: Stlg plenzen d. h. im 
gegrabenen Lande die erforderlichen 
Steicre abtreten. 

Plaot ist auch das Eisen, welches 
um die Achse des Wagenrades gelegt 
wird, da wo die Nabe sich um dieselbe 

drehet; de Waog'n sali mit stäölern 
Plaot'n un Btiss'n beslaon wa(r)d'n. 

S. 158. 
PlÜm. Redensart: Sitt'n de PlÜm 

fest an de Bcm, so laot'n se sick siecht 
Üthäömeln effte Ütlucht'n d. h. ent- 
steinen. 

S. 159. 

polnsch kommt besonders in der 
Redensart vor: datt iSS 'n polnsche 
WtirtSChaft , da geht es drüber und 
drunter. 

Pop'l, verdickter Nasenschleim. Vgl. 
Kük'n. 

presch'n, eilig reiten; hfe kämm an- 
geprescht, er kam eiligst geritten. 

presstr'n, eilen, drängen ; 't pressirt 

nich, kannst noch 'n paor Daog töw'n, 

es eilt nicht, du kannst noch ein paar 
Tage warten. 



S. 161. 
PrÖSt. Wenn Jemand niess't, so 

sagt ein anderer, der eben nicht bei gu- 
ter Laune ist; Pröst Swinägel, worauf 
jener antwortet: SchÖn Dank Aorske- 

gel. 

prott kommt in einigen Gegenden 
auch als Substantiv vor; he hat 'n hölli- 
schen Prott (Trotz). 

PrÖW, nicht blos diePräbende, son- 
dern auch ein kleiner Bissen, ein kleiner 
Trunk, ein Probehappen, Probeschluck, 
der nur zum Kosten, nicht zum Satt- 
werden dient. 

S. 162. 

Puch hat in mehrern Theilen der 
Altmark nicht den Nebenbegriff des 
Schlechten , sondern bezeichnet das 
Ob er bette, auch wenn es in dem 
besten Zustande ist. 

pnch'n, 3. Dreikart spielen. 
S. 164. 

PÜt, imNordw.so viel als Brunnen. 

Pütt, die Pfütze, im Nordwesten. 

Puttscher S. Lichtputscher S.267. 
S. 165. 

Qnaokbrök. Dies Scheit w.schli esst 
den Nebenbegriff eines schwachen 
Menschen in sich. Wer, besonders als 
junger Mensch, etwas schlottrig ist, 
wenn ihm de Brök (Beinkleider) nicht 
recht prall sondern quackig auf dem 
Hintern sitzen, wenn ein solcher dann 
schlaff bei der Arbeit, im Ringen etc. 

ist, so heisst es : bist 'n Cluackbrök. Das 

Gegentheil drückt man wohl so aus; 

he hat 'n stif Krüz, hat Marks in d' 
Knaok'n, he iss kasch etc. 
S. i(;6. 

quaod, nicht allein kränklich, son- 
dorn auch büse, schlecht; in diesem 
Sinne wohl mit quatSCh dasselbe Wort ; 
qnaod dön, Büses thun. Redensart: 

quaodEi gifft qnaod Kük'n. 



275 



S. 167; 
Qnirlefix, ein unstäter, unruhiger 
Mensch. 

qnit, kitt, quitt; wi sünd kitt, wir 

haben nun nichts mehr gegenseitig zu 
fordern oder überhaupt zu schallen. 

quittengäl, sehr gelb, gleich der 
Farbe der Quitte. 

S.169. 

rammdäösig erklärt sich besser aus 
der eigentlichen Bedeutung von Ramm 
= der Schafbock, Widder, woher 
Rammnäs, Schafsnase, Rammsnüt, 
Rammskopp ; rammdäösig, wäre dem- 
nach Schafskopf ig. 

S.170. 

Räthsel. S. 207 sind einige Bauern- 
räthsel beigebracht; hier noch eine 

Fortsetzung : i.Hinner unseHüse steit 
Krick'l-Krack'l-Krüse , je mer datt de 
Wind weit, je mer datt Krick'l-Krack'l- 
Krüse geit. (Brauner Kohl.) 2. HanS 
Pralle fällt von' Stalle, wull wen, ha 
kenög'lken. (Erbse.) 3. Ging 'nMän- 
neken äöwern Hof, här 'n roden Äöwer- 
tog, här 'n Zippel Haor in Aors , raod 
maol, watt iss dat ? (Zwiebel.) 4. Ver 
runne Rollen, twe Knaokedullen , en 
leddernPlompsack; raod maol watt iss 

dat? (Kutsche mit Pferden), fj. Ging 

'fl Männeken äöw'r 'n Acker, här 'n Kip- 
k'n npp'n Nacken, här inne Si-si (Bil- 
der) : här inne Stich-stich (Nadel) ; här 
inne witte Wäsche, öne Sepe nn öne 

Asche (Papier; Lumpensammler.) 

d. Geit 'n Twebfen äöwer'n Acker, hat 
'n Drehen upp'n Nacken ; kämm Verben 
woll Twebenbit'n, nammTweben Dre- 
hen, wolle Verben daomit smit'n 

(Mann mit einer Mistgabel; Hund). 

7. Wer steit in't Holt un röppt all de 
itd an, un kener dörft am antworten ? 



(Prediger aufd.Kanzel). 8. Watt geit 
nn geit un kann nich to Dörpe (to Di- 

sehe) kaom ? (Windmühle. Wanduhr.) 

9. Wer geit nao't Holt un dröggt Tel- 
lern üt'nanner? (Kuli.) lo. Wer geit 
int Holt, un schitt nich? (Säge.) 
li.Tirrland-tirrland-tand, fällt von'n 
Bank, 't iss ken Dokter in ganz Engel- 
land, de ettwedder heilen kann. (Ei.) 
12. Ick ging in meine Kammer, begeg- 
nete mich (sie) Hans Rammer, he kreg 
midanedder, he scholl mi datLedder, 
hh da mi so sachte, datt ick närgens 
an dachte. (Schlaf,) 13. WuväölNao- 
dein hörn to 'ne gesmtickte Brut ? (Gar 

keine, wenn sie schon geschmückt ist.) 

14. Wat geit int Holt un iss in d' Dörp ? 
(Teig.) 15. Inwennig blank un büt- 
wennig blank un in 'ne Mitte rot Flesch 
daomank. (Fingerring.) 16. Viere ge- 
gangen, viere gehangen, zwei Wegwei- 
ser, einen Nachklepper.(Kuh ; — Füsse, 

Zitzen, Hcirner, Schwanz.) 17. Isem 

Pard schitt holten Kötteln. (Bohr.) 
18. Tirrland-tirrland-tand, hängel an 
de Wand, hätnäg'nHud, bitt alle Lud. 
(Zwiebel.) ip. Rupp-upp un Werp-upp 
huppten bei(d) 'n Berg upp, acht Föt 
un enen Stert, wer woll dütt entraod'n 
wert? (Frosch u. Maulwurf.) 20. Gröt- 
vaod'r kämm von'n Bodden, Grötmutt'r 
kämm ftt'n Keller, sett'n sick tohöp 

in'nKettel. (Sauerkohl mit Speck.) 

21. Weck Waot'r hat ken Land? (Re- 
gen.) 22. Wer geit vördwär nao d' 
kerk? (Nesselnadel.) 23. Wer geit 
upp'n Kopp nao d' Kerk? rSchuhpinne.) 
24. Watt iss dat hellste in de Kerk ? 
(Nasentropfen.) 25. Wer iss d'erst in 

de Kerk ? (Kirchenschlüssel.) 2(i. Wer 

iss de drieste in de Kerk? (Fliege — 

sie setzt sich auf des Predigers Nase.) 

27. He hurtget mi, hfe purtget mi , hS 
maoket mi so blank. (Kamm ) 28. Vfer 



373: 



Hangler, tein Tangier, en Holt en 

Knecht daobi. (Melkende Magd). 

29. Wecker Bock hat ken Häörn ? (Sä- 
gebock). 30. Watt vör'n ünnerschid 
iss zwischen zwei mal zwei iss vier, 
un ingemaokten Gurken? (Ausge- 
macht und eingennacht). 

S. 171. 
raop'n, tosaom raop'n, raffen, zu- 

sammen raffen. Die Naturlante ripps, 
rapps stehen liiermlt im Zusammen- 
hang. Sprich w. : rlpps ! rapps ! in min 
Sack, ick bin mi süiwst de nächst. 

recht hat ausser den Bedeutungen 
im Nenlid. aucli den von gerade; nu 
Wick't erst recht dön antwortet der 
übellaunige, wenn ein anderer ihn von 
seinem Vorhaben durch beruhigende 
Vorstellungen abzuhalten sucht: jetzt 
gerade will ich es thun. 

rechfärdig, rechtlich. 

S. 172. 
rengeln= räkeln. 

resch, spröde, hart gebacken, beson- 
ders vom Backwerk im Gebrauch, das 
wegen Sprödigkeit leicht zerbricht. 

S. 173. 

Rik, Rik'l ist nicht der V^orname Ka- 
tharine, der nur inTrlü abgekürzt wird, 
sondern Friederike. 

Rlt ist auch jede feuchte Stelle im 
Acker und auf der Wiese. 

S. 174. 
Ritt wird nach Heyse HandwÖrter- 
bucli im Oberdeutschen auch für Mal 
nacli ZahlwiJrtern gebraucht z. B, alle 
R i tt = jedesmal. Bei uns kommt es 
nur mit der Zahl eins vor;datträg6nt 
ökinfen Ritt weg (der Regen will auch 
gar nicht aufhören). 

S. 176. 
rüg, rauh, harig; davon rüg'n, rft'n, 
rauhen, rauh machen z. B. Tücher beim 



Tuchscherer. Redensart: Wathätdat 
gröte Best vor gröte rOge Lüs, seggt de 
Bür, ass he 'n paor Aop'n upp 'n Kamel 
sag. 

S. 177. 
Rüt, Plural Rüt'n bezeichnet auch 
Carreau im Kartenspiel. 

R^ut'r. Ein Kinderh'edheisst: Rut'r 

toPar, mit blanken Gewar, mitStäweln 
un Sporn hätt all's verlorn. 

Rtit'rdäörn, der wilde Rosenstrauch, 
soll wahrscheinlich Rit'ndäÖm (von 
rit'n == reissen) helssen wegen der 
Stacheln. 

S. 178. 
sacht bedeutet auch leicht. Der 

Kranke sagt: mi wä(r)t nu sachter to 

MÖd, wenn sich seine Schmerzen legen. 

Saft. Das weitläuftig geflochtene 

Sieb heisst in vielen Gegenden auf dem 

LandeBollensäft, das engergeflochtene 

Kaornsäft. 

S. 182. 

Schän-dÖrch heisst ein uralter, frü- 
her sehr beliebter ländlicher Tanz, aus 
dem später die Quadrille hervorgegan- 
gen ist. 

Schann' bezeichnet 4. die am Korn- 
sensenbaum befmdliche Schleife, in der 
die linke Hand des Mähers ruht. Sie 
wird häufig von der Binderin dem Mä- 
her geschenkt, wobei häufig unter den 
Binderinnen ein Wetteifer entsteht, 
ihrem Mäher die schönste Schann' zu 
geben. 

SCha(r)waaln , unangenehme oder 
unangehm erscheinende Töne hören 

lassen ; dao kann 'n nich 'n Üg todön, so 
scha(r)wanln de olin Nachtvöggel 
(Nachtigallen) de ganze Nacht. 
Scharwenzel und Scherwenzel, ein 

Mensch, der sehr thätig ist, abersich zn 
Allem gebrauchen läüst. 

35 



274 



S. 183. 
Schaw, SchäÖW, SchoW, der Zwi- 
schenraum, die Pause; 't Ictt maol 'n 

Schow na un denn swärkt wedder npp, 

der Regen liort eine kurzeZeit auf, aber 
es zieht gleich wieder eine neue Re- 
genwolke heran. Vergl. auch Komma 
S.266. 

Schaop. Sprichvv.: De App'l fällt 
nich wit von'n Stamm, so wi datSchaop 
issökdatLamm. 

S. 184. 

Scher, Scheere. 

Schßrw'l, nicht blos Scherben d. h. 
Stucke eines gebrochenen Gefässes, 
sondern auch ein irdenes auch ganzes 
Gefäss überhaupt, besonders der Blu- 
mentopf. 

S. 186. 

Schit, nicht blos Koth, sondern auch 

Schmutz. Man sagt : üt'n Dreck wä(r)t 
Schtt, wenn't rägent. 
S. 187. 
SchottSCh, ein ländUcher Tanz. Da- 
bei wird häufig gesungen : Erst Upp'n 

Hack'n, denn upp'n Ton, hei nn geit dat 
Schottsche schön. Vergl. auch Han- 
nackschS.74. 

SchÖW. In manchen Gegenden ist 
der Singul. Schöf häufig im Gebrauch. 
SchÖW für Pause S. ScbaW. 

S. 190. 
schurig wird im Nordwest. SChulig 

gesprochen ; htr iss dat maol schulig 
to wäs'n; Sprichwort : hir iss 't schuIig 
seggt de Foss un sitt acht'rn Mädd'i- 
halm. 

S.191. 

v... Sfer-dön, wehethun. 
b^- S. 194. 

Slamp u. Slump ist auch ein Schelt- 
wort für ein Frauenzimmer, das in un- 
ordentlichen Kleidern einhergeht = 

Sladd'r, Slunz. 



S.195. 
Slicht, einfach, natürlich, gering; 

ick bin man suchten Minsch, ich bin nur 

ein ärmlicher Mann. 

Slick ; auch der Morast wird so ge- 
nannt. 

S. 196. 

Slipp, die Schlitze in derRedensart: 
'n Slipp in d' Örn Snid'n, ein empfindli- 
ches Mittel anwenden, dass man etwas 
im Gedächtniss bewahre. 

SlÖeundSlöt, die Furt durch einen 
Graben oder kleinen Fluss ; Eingang 
und Ausgang dieser Durchfurt sind 
dann verflacht, so dass das Wasser auf 
beiden Seiten in. den Weg hineinsteht. 
In einigen Gegenden wird die Tülle 
eines Napfs oder Topfs auchSlöt ge- 
nannt. Vielleicht die ursprüngliche 
Bedeutung des Worts; die Furt ist ge- 
wissermassen die Grabentülle. 

S. 197. 
Slik'n laoten, hingehen lassen. 
Smachtigwird hie und da auch vom 
Hunger gebraucht ; mi isS Smachtig tO 
MÖd heisst dann auch: ich habe grossen 
Appetit. 

S.200 
Snittlök , Schnittlauch (Allium 
Schoenoprasum). 

snurk'n, schnarchen ; he snurkt ass 
'n Ol un sntifft ass 'n Pott vull Mus. 

S.201. 
SÖrn, eigentlich trocknen, trocken 
machen. Man sagt: de Wind SÖrt 'n 

Räg'n wedder upp; dat Land iss ganz 

Üts6rt, das Land hat keine Feuchtigkeit 
mehr, 

S.203. 

Spaotschjum (aus Spatium) der 

Spielraum, Zwischenraum. Ist die 

Wagenachse zu stark, so dass sie sich 

nicht frei genug in derBüchse bewegen 



27f 



kann, so heisst es: de ÄSS hat üich 
SpaotSChjUm nög. Werden beim 
Schreiben die einzelnen Wörter nicht 
genug von einander geschieden, so 

heisst es : du müst 'ü klein Spaotsch- 

jum laot'n. Vgl. auch Bott oben S. 250. 

spinn', spinnen; Imperfect. spunn, 
Part, spunn'. ^ 

Spök. Zum Schutz gegen Gespen- 
ster dienen folgende Worte : laot staon 

watt steit, laot gaon watt geit, un ick 
gao miner Wag. 

S. 205—207. 

Spräkwör. Zu den angeführten sind 
noch folgende hinzuzusetzen : Wer 

wet, wu de Hingst iss, wenn't Gras 
wesst. — Wenn de Kinn'r am Will'n 
krig'n, denn wen' se nich. — Watt be- 

gristiSS, datt iss Ökallbegraut (Ein- 
gewurzelte Gewohnheiten sind nicht 

zu vertilgen). — Jenn Jung' här ken 
Inwand wusst, dao här 'r Prtig'l kräg'n. 
— Ass't wäst iss, schall 't bliw'n (Wie 

es gewesen ist, so soll es bleiben). — 

Watt wet de Bür von Gnrkensalaod 

Trü 'n Düw'l un Apptek'r, se hämm' väöl 
Btiss'n,— Hag-upp hatt watt, Frät-upp 

hat all sin Law nicks (Unterschied 
zwischen dem Sparsamen und dem 

Schlemmer) Denn sinBrot ick at', 

denn sin L&d ick sing (Meines Wohl- 

thäters Sache mache ich zu meiner ei- 
genen). — De lang slöppt un drall 
iöppt, kämmt doch to Maot (Durch er- 
liohete Thiitigkeit lässt sich manches 
Versäumte wieder nachholen). — Dfe 

hat 'n Mülwerk, datt 'n Ratt'n un Mäs' 
daomitvergewenkann. — Werbesao- 
penerwls stillt, mtitt ntichternwis 

hang'n (Jeder ist für seinTInju allein 

verantwortlich). Ut annern ärn Mg- 
g'n iss göd R6msni(d)'n (Auf Kosten 

anderer kann man sich bequem Vor- 



thelle verschaffen) Wer äbä isS, lett 

sin kik'n Wer nich kümmt, denn' 

wät de Kopp nich wuschen (Auf den 

Abwesenden wird keineRücksichtge- 

noramen). — Wls'u, WU de Timmer- 
mann 'tLocklaot'u hat (Jemanden die 

Thür weisen, fortgehen heissen). — 

He iss gottsfiirchtig un drist (Er ist 

sehr dreist, unverschämt). — En sId 

Död iss 'n annern sin Brot. — Yäöl 

Hunn' iss 'n HaOS'n sin Död (der Über- 
macht mussman erliegen) 'n besao« 

p'n Minsch'n mütt'n mit 'n Füdder Hei 
üt'n Weg fern. — Yäöl Swin maok'n 'n 

Drank dünn (Je grosser die Zahl der 
Theilnehmer desto kleiner der Antheil 

des einzelnen). — Hat dePracher maol 
watt, so hat 'r wedd'r ken Fatt oder: 
't hat all's sin Wunner, hat 'r Tohack, 
so hat 'r wedd'r ken Tunner (Hat der 

Arme das eine, so fehlt ihm doch das 
andere Nothwendige), — UnkrÜt Ver- 
geit nich (Der Taugenichts lebt länger 
als man wünschen kann), — DeBÜrisS 

'n Schelm, ök wenn 'rbitMiddag slöppt 

— Du mtist diu Hut stilwst to Marcht 
draogn, un so dür verköp'n ass't gaon 

will (Man muss etwas auf eigene Ge- 
fahr unternehmen und sich wehren, so 
lange man kann). — Wenn't FleSCh 

upp iss, bit'n sick de Hunn' um d' Knao- 

k'n(von einem Verscliwender im Ge- 
brauch). -— Lang töw'n iss khn Brot 
spaorn. — Wenn't Kind in'n Brunnen 
falln iss, denn wä(r)t 'r todeckt (Ist ein 

Unglück geschehen, sucht man die 
Ursache desselben zu beseitigen). — 

Rh hat n Gewissen ass'n Siächterhund. 

- He iss so klük ass'n Judenkind oder : 
ass'n Daorsriw r. - Eh hat kfen Min- 
sch'n dat Waoter lömert (er verletzt 

N'ieman ;!en). - AlltO gödwillig iSS 

half liderlich. — Ick mütt 'n paor Rnop 

spring' laot'n sagt der, dem das Essen 

35* 



576 



^fct'sclimetkttihd viel essen will. — 
isit ämm mütt 'n umgaon ass mit 'n rö 

Ei (Er ist sehr empfindlich). — He hat 

sick'nHaorbftd'l tugt oder: he hat en 
unnerknöpt oder: mit ämm iss't all 

wedder richtig (Er ist betrunken). Da- 
gegen: mit ar iss't wedd'r richtig be- 
deutet: sie ist wieder schwanger. — 
Jenn Frü woU Brot spaorn, här Kök'n 
backt— Wasch'n tart, hä(r) jenn Frü 
seggt, dao hä(r) s' en Nachtraütz wu- 
sehn. — Datt iss ass bin Becker de 

Semmel (Dafür ist ein fester, bestimm- 
ter Preis). — Datt geit mit ämm, 
kümmst hüt nich, kämmst morgen, 

äÖW'rmoig'n Wä(r)t ganz gev/iss (Um- 
schreibung des Tragen). — De FÜl 

dröggt sick död, de Flitig rönnt sick 
död. — Je ärger Strick, je düller Glück 

(DerTaugenichtshatoftgrossesGlück) 

— Dao dürt de Ell länger ass de Kraom 

bezeichnet den Verschwender. — Datt 

iss 'n Verdrag, ass Ülnun Krein (Da ist 
beständig Zank), — He kümmert sick 
nmun(ge)leggt Eier. — Wit daovon iss 

göd Vaor'n SchnSS (Mische dich nicht 

ein). — Wenn 't in Backaob'n schuhen 
künn, un'n Kip vull Spon daoväör böt'n 

(etwas zu leicht nehmen). — Nn, datt 

de Hals äff iss, nuwill 'r krei'n(Wenn 

es zu spät ist, will man sich bessern). — 

Hfehat in d' Wör ass d' £ker in'n Swans. 

— He kann leg'n ass 'n Fard löppt. — 
Henn unherisslik wit (Wenn es nur 

geschieht, oder mir zu Theil wird, 

gleichviel wie). — Wer lang hat, lett 

lang hang' (Der Wohlhabende pflegt 
seinen Wohlstand zu zeigen). — H6 

hat 't fastdick hinner d' Örn (Er ist sehr 

klug und verschlagen). — H&SChÜddelt 

't äff, ass de Hund 'n Regen (der 
Gleichgültige). — He iss SO väörsich- 
tig ass Rösters Kö, de ging dr6 Daog 
väör'n Regen nao Hüs un word doch 



natt, denn 't Dack wass twei. — H6 bitt 
sicklew'r 'n Finger äff, ass datt he'n 

Pennig Ütgift (Er ist sehr geizig). — 

Lew'r drog Brot inFrä(d)n ass Saod'n 
unBraod'n in Strit. — He iss noch nich 
drog hinner'n Örn (Er ist noch zu jung 

um mitreden zu können), — Wenn d' 

Katt nich to Hüs iss, danz'n de Müs' 
upp'n Disch (Sind die Eltern, die Herr- 
schaft etc, nicht zugegen, so treiben die 
Kinder, das Gesinde etc. Unfug). — 

Wer woll sitt, laot s!n Rück'n (So lange 

es dir gut geht, bleib was und wo du 

bist), — De 't Klein nich acht' wä(r)t 

Gröt nich bracht (Man muss in Klei- 
nigkeiten sparsam sein), — Rtimmst 

du miso, so kaom Ick di so (Wie du 

mir, solch dir), — Ass dukümmst, SO 
geist du (Wie gewonnen, so zerron- 
nen), — Wo nicks iss, dao hat de Keis'r 
sin Recht ve(r)laorn (Vom Armen ist 

nichts zu nehmen), — He isS SO fründ- 

lich ass 'n Orworm. — He kummt von't 

Hunnerstein'tDusenste (Er ist in sei- 
nen Reden verworren). — He isS mit'ü 
DummbÜd'l kloppt (der Einfältige, 

Dumme).— He resonnert ass'n Kutsch- 
pard (der Schwätzer). — De Knüpp'l 
iss bi'n Hund bunn' (aus Mangel an Mit- 
teln kann er seine Wünsche nichtbe- 

friedigen), _ 't iss 'n Äöw'rgang sä de 
Voss, ass ämm'tFell äöw'r d' Örn treckt 
war(d), — Se süt so glu üt ass 'nLegg- 

hon (sie hat eine hübsche rothe Ge- 
sichtsfarbe). — En wä(r)t so olt ass 'n 
Kö, un mütt lern ümmerto. —He iss üt'n 

Rand un Band (Er ist im höchsten 

Affekt). — Ach watt sali datt lang' 
Töb'n, sä de Frü, här ar Mann ar väör 
rütslaon, här s' hinn wedd'r rinngaon.— 
So geit 't in de Welt, de en hat 'n Büd'l, 
de anner hat dat Geld. — Wer sin Kin- 
nern gifft Brot un litt sülwst Noth, de 
iss wart, datt'n mit de Kül sleit död. — 



277 



H6 iss so bekannt, ass 'n bunten Hund. 
— Enmaol ist kenmaol, twemaol iss 
nich oft. — De Fieg an de Wand ärgert 
ämm. — De hört 'n Kukuk nich mer 
röp'n (Er stirbt bald). Je lew'r Kind, 
je schärp'r Rö(d) (soll das Kind gut 
M'erden, so muss es streng gehaken 

werden).— 'n oll'n Huud blaff'u lern, 

holt SWaor (Was Häuschen nicht lernt, 
lernt Hans sehr schwer). — IckbÜmm 
Hüs, ass 't mi gefällt (Wie ich es will, 
so m nss es sein). — Datt mtitt 'n mit 'U 

Schap'l Elften tosaom telln (drückt 

einensehr entfernten Verwandtschafts- 
grad aus). — Wer will watt gelten, de 

mnttkaom selten (Man kann des Guten 
leicht zu viel thun). — Sammt Upp'n 
Uw un Kaff in'n Maog'n (Der Putz- 

süchtige hat oft das liebe Brot nicht), — 

De bemaolt'n Bla(d)r un de vereckig'n 
Knaok'n hämm männigen ök den Geld- 

bÜd'I braok'n (Karten und Würfelspiel 
haben Manchen schon arm gemacht). — 

Hfe kickt an ass d' Kö dat nie Daor (Er 

siebtes mit grossem Erstaunen an). — 

WotBrauhüssteit, dao kann tBack- 

hüsnich Staon (Wo viel Bier getrun- 
ken wird, da fehlt es öfter an Brot). — 

üpp' gröten Naors hört 'n gröt Brök 

(der Hochgestellte, der viel Einnahme 
hat, muss auch viel ausgeben). — 't iSS 

ass wenn 'n in'n nie Brök kickt (Das ist 

ein erfreulicher Anblick! vorzugs- 
weise bedient sich der Kartenspieler, 
der gute Karten in der Hand entfaltet, 
dieses Sprichworts). — De klökstgifft 

nao. — Verglik'n un verdraog'n iss 
bät'r ass strid'n un klaog'n. ~ An klein 
Rfems Ifem de Hunn Ledd'r naog'n 

(wörtlicli: an kleinen Riemen lernen 
die Hunde das Nagen des Leders; ent- 
spricht demSprichw. : Jung gewohnt, 

alt gethan). - De ferst kummt, maolt 
erst. — HS süt 'n Himmel vöi'a Dud'l- 



sack an (ihm schwindelt, die Ursache 
nrA.r herrühren wovon sie wolle). — 

'nr6(d)nHaonnpp'tDacksett'n(Feuer 
anlegen). — Wenn 'uEsel to woll iss, 
geil 'r upp't Is un brickt 'n Ben. — Wer 
Geld un God denkt to erlang'n, mütt 
allererst bi'tMül anfang'n (M'arnung 

vor Schlemmen). — Wostwedd'r Wost 

(Wie du mir, so ich dir).— Wersick 

will ehrlich un radlich ernarn,de mütt 
väöl Sick'n un weinig vertarn (Ermun- 
terung zur Sparsamkeit). — So ass'n 
in't Holt rinn schrit, so schrit wedder 
rüt. — Wer sin Scho sick stilwst kann 
flick'n, de brükt se nich nao'n Schoster 

to SChick'n (Man muss sich so wenig 
als möglich von andern abhängig zu 
machen suchen).— L5n (leihen) maokt 

Frtindschopp, maon (mahnen) maokt 
Findschopp. — He kann Gras wassen 

hörn (Klugheitsdünkel). — Du bist 

krank ass 'n Hon, magst woll ät'n un 
nicksdön. - Ick heff nicks mit ämm 
to schaff'n ass göd'n Dag un göd'n Weg 

(Wir liaben weiter keinen Umgang, als 
dasswir uns die Tageszeit bieten). — 

Dat dick Enn' sitt hinn' (Die grösste 

Schwierigkeit folgt erst). — Wer Sin 

Nas affsnitt, verschimfirt sin Angesicht 

(Wer von den Seinigen schlecht 
spricht, beschimpft sich selbst). — H6 

iss von'tteiEnn, wo Klabatschenstö- 
cker von maokt warn (Er kann nichts 
missen ?). — Eu Möller mütt n annern 

Üt d' fflöll helpen (Ist ein Müller banke- 
rutt,so kann nur ein Müller wieder die 
Mühle übernehmen ; oder da die Müllen 
sehr oft für Spitzbuben gehalten wer- 
den, so kann der Sinn auch sein: Ei» 
Spitzbube bringt den andern umsHrot). 

— Wedderkaom iss 'n Köpmann sin 
Schao(d)n. Wer'n annern joggt, raut 
sick sülwst nich. — Wenn 'n oft drinkt, 
wä(r)t 'd lang so döstig nich. — Dat 



27<S 



Pärd treckt nich, äöwer de Haow'r 

(Gute Nahrung ist die Hauptsache bei 
Menschen und Vieh, wenn es gut arbei- 
ten soll). — De Par lop'n bät'r, wenn 
de Furrmann 'n Slnck kriggt (ahnHcher 

SinnwiedievoranfgeliendeRedensart). 

— De K6 melkt dörch 'n Hals (Bei 

schlechtem Futter lässt die Kul) im 

Milcherträge nach). — Wenn de Dum- 
men to Maicht kaom', krig'n deKlok'a 
Geld. — Wo ener hennwis't, dao sleit 
'mich kenn. — DeHunn', de amMnd- 
lichst'n swänzeln, debit'n toerst (Dem 

Schmeichler ist am wenigsten zu 

trauen). — Je maogerer (oder schä- 
wiger) de Hund, je mer Flei'n (Der 

Arme hat mehrPlagen zu erdulden). — 

OU Hunn' rid'n upp'n Äors. — In de 
ganze Welt wä(r)tBrot backt (Zuruf 

an die, weiche sich nicht von Hause 
trennen wollen). — Sten SUnt aller- 
WärtS hart (Es glebt aUenthalben Noth 

und Plage). — Wer fröggt, wet'ü Weg 
nich. — in kann 6k 'n Tünpaol an- 

treck'n (von hässlichen Frauen, die in 
grossem Staat einhergehen). — Grot 

Minsch iss 'n half Ledd'r in 't Hüs 

(Grosse Leute können überall anrei- 
chen). — Klein Pött kaok'n licht äöwT 

(KleineLeute werden leiciit kribbelig). 

Datt ktimmt am an, ass'n Bür dat Aod'r- 

laoten(Das kommt ihm sauer an). — 

Datt kümmt nich von ungefähr, datt 
ktimmt von ganz watt anners her. — 
Watt sin mütt, mtitt sin, Sünndags 
mtitt'n Hönersupp sin. — Watt wäsen 
mutt, mutt wäsen, seggt de Jung, un 
här sick 'n Mültrumm'l köfft. — De 
nimmt sick väöl upp de Häörn (Der 

nimmt sich viel vor; auch: er bürdet 
sich eine grosse Last auf). — Wenn 'r 

Häörn här, denn stött 'r (Wenn er 

könnte wie er wollte, so wäre mit ihm 
kein Auskommen mehr). — Datt isS, 



ass'n Hund vor'n Groschen. — D5 hat 
weddr fen bügelt. He hat sick de Nas 
bedrüppt. He hat höllisch schef laodt 

(sagen alleso viel als: er ist betrunken). 

— Dat Stuck iss so hungrig, 't ktinn 
en in de Ben bit'n. — He sitt vull Hunn- 
flein. — Wenn dat Köppken drunken 
hat, will dat Fotk'n danz'n. — Jung' 
Gos hämm grot Maler (Junge Dirnen 
machen viel unnützesGekakel). — Wo 

Düw'n sünd fleg'n Düw'n to. — Besinn' 
iss't Best an'n Minschen. — Sünndags- 

gaorn holt nich (Am Sonntage soll man 

nicht arbeiten). — Daomit kann 'r nich 

Wit timmhör kik'n (Damit kann er 
keine grossen Sprünge machen). — 

He hat 't upp'n Liw ass'n Schobest (Er 

ist ungemein eifrig u. ricbtetdoch nichts 

aus). — Höner bringen Findschopp. — 
He hört de Fleg'n hosten (Er ist super- 
klug).— Wu de Wulf liggt, da bitt 'r 
nich. — Wenn-er hat de Schoster woil 
hei Stäweln un de Snid'r hei Bücks ? — 
Dat mütt gaon ass wenn deBürPlüm 
fritt (d.h. eilig). — De Kör laowt sin 
Ktl un wenn s' 6k nag'n Krümm' hat 

(Jeder glaubt seine Sachen sind die 
besten). — OU KnÜst holt HÜS (Altes 
Brot hält länger vor als frisch gebacke- 

nes). — He hat sick 'n Röd bunn' vor 

sin eigen Aors (Er hat sich selbst ge- 
schadet ; er ist selbst an seinem Unglück 

schuld). — He geit dörch ass Pupp'n- 
späölers Hund. — Lick Fett (Schit) 

(kräftige Entgegnung auf verdriess- 
liche Anfragen etc.). — Wer mit'tMÜl 

romt, kann mit 'n Aors bottern(wird 

dem Gesinde zugerufen , wenn sie 
dicke Milch mitder Sahne (Rom) essen, 
oder den Kindern, wenn sie Sahnstulle 
essen wollen ; ist die Sahne verzelirt, so 
kann es keine Butter geben). — Datt 
iss väörgät'n Brot (Was man kauft, 
mussman sofort bezahlen, sonst wird 



279 



man arm und faul). — ^He sleit hiüll* 

üt, ass'n Honnigkok'npärd (ass'n lütt 

GöSS'l) (Er kann keine grossen Sprünge 

machen). — Külkn in d' Kinn hat 'n 
krftsen Sinn, Kulk'n in de Back'a, häfn 
Schelm in'n Nack'n. — Nu kann T upp'n 

Propp'n rük'n (sagt man von dem, der 
sein Vermögen durchgebracht oder 
sonst Schaden erlitten liat). — En 

wä(r)t hedraog'n wenn 'n de Berns 
upp'n Dansbodd'u besüt, nn'n Äcker 

upp'n Weg (Auf den Acker am Wege 
kommt zuerst der Mistwagen hin und 
dort steht das Korn am besten). — En 

f&lEi, verderwt 'n ganzen Brei. — De 
Wulf Verlust wol de oU'n Haor, äöwer 
nich den ollen Sinn. — Wer an'n Weg 
büt hat väöl Meisters. — Gott gift wol 
de Kö , äöw'r nich den Strick daoto 

(Gott versorgt den Menschen , aber er 
muss dabei das Seinige thun;. — Wenn 

deSwIn satt sünd, stöt'n se 'nTrogg 

ttmm (Gehts dem Menschen wohl, so 
wird er leicht überm üth ig). — In'n 

Krög kann ick väörn Drir wattto wet'n 
krig'n, watt 'n Daoler wert iss. 

S. 207. 
Sprisseln, dünner Reisig; de Hcister 
leggt de Sprisseln erst torecht, wenn 
h^stn Nest bü'n will. 

Sprung, Imperfectum von spring'ü, 

Partie, sprung'n. 

S. 209. 
Stärtworm, eine Krankheit der 
Kühe. 

S.214. 

Sträm, Stram'l. In einzelnen Thei- 
len der Akmark kennt man nur Sträo, 
das die Bedeutung beider angegebenen 
Wörter hat. 

Strtk'n 3. gehen, laufen; strik'n 
gaon, davon laufen (nicht allgemein im 
Gebrauch). .fJÄ/j-, 



S. 215. 
Strumpeln, straucheln. 

stnnk, Imperfectum von stink'n. 

StÜr bedeutet auch aufrecht, gerade, 

stei r. Sprichwort : He sitt SO stür ass'ü 
Eddelmann, oder: he geit sostur, ass 
härhe'nPaolin'nAors. 

S.210. 
SUng, Tmperfect. von siugen, Partie. 
SUng'n ; aber SUnk , Imperfectum von 

sinken, Particip sunk'n. 

S.217. 

SÜrkrÜk, Essigtlasche, Essigkrug. 

SWabbeln. In der zweiten Bedeu- 
tung des Worts wird auch häufig 
SChwadronirn gebraucht, wobei zu be- 
merken, dass es mit vollem SCh gespro- 
chen wird, welche Bemerkung auch 
von fast allen mitSWanfangendenWör- 
tern gilt. 

S.218. 

Swar, das Geschwür ; ick Will ämm 
de Swarnuppdrück'n, ich willihmmit 

dem was er nicht weiss bekannt ma- 
chen, auch : ihm seine Schwächen,Feh- 
ler etc. vorhalten. 

S.219. 
Swinäg'l. Sprichwort: Hfe löpptass 

'n drächtigen Swinäg'l. 

S.221. 
Tau. Die Bedeutung unter 3 ist zu 
allgemein gefasst, nur Schüsseln und 
Milchsatten werden so genannt. 
S. 224. 
TobrÖt, Zubrot; man versteht 
darunter Fleisch und Speck. 

to Hand, sogleich, auf der Srelle. 

S. 225. 

to hörn, angehören, werwandt sei n. 

to l!k, zugleich. 

Torf 1. der Torf, 2. die abgehauene 
Heide, diePiaggen, welche in die Vieh- 
ställe gebracht werden. 



280 



S.227. 
trtiggüt, rückwärts ; de Kraft krtippt 
trügg-üt ; treck de Par trügg-üt 

S. 229. 
Tun. Sprichwort im Nordwesten: 

'tsittsick hirbat'r, ass npp'n Baoden- 
dikerTün. 

TweSChen, der Zwilling. 

S.230. 
um tin dumm, um und um, über den 

Haufen; he härmibinao nm nn dumm 
rönnt; he verteilt soväöl, nn ass'tnm 
nn dnmm kern, waor'n 't lüter Läög'n. 

S.231. 
nmmedriw'n, hintertreiben. 
Undäögt. Eine andere Form dafür 

istUndncht. 

nnecht, unehelich. 
nnmodig, ärgerlich. 

S.232. 

nnschicht. Yon unschicht, wider 

Erwarten, ganz zufällig, von ungefähr. 

untaog'n, eigentlich unerzogen, 

kommt meist nur im tropischen Sinne 

vor für unpassend , unschicklich ; he 

hat mi noch ken nntaog'n Wort säggt 

sagt z. B. der Knecht von seinem Herrn, 
wenn er noch keinen harten Tadel er- 
fahren hat. 

npp nn dupp S. dupp S. 259. 

S.234. 
UtiägS'l, alles was ausgefegt ist, 
ähnlich Affhärks'I, das was abgeharkt 
ist. Vgl.Äffjaogs'lS.253. 

S.235. 

Utlncht bedeutet im Nordwest, der 
Raum vor der Stubenthür. 

ÜtlÜrn, ablauern, ausspüren, hinter 
etwas kommen; an andern Orten sagt 
man dafür : äff Iftm. 



o. 4:0/ . 

verdÖW'n (von döf = taub;, betäu- 
ben, verwirren. 

S.239. 
VerSChimflm, beschimpfen, Schimpf 
anthun. 

S.240. 

verspäöln. Ick heff min Saok ver- 

Späölt, ich habe meinen Process ver- 
loren. 

vertrackt, unangenehm, verdrless- 
lich. 

S.241. 

Verwennt, umgekehrt,umgewandt; 

du kriggst mit 'n verwennten Hand ens 

npp d'SnÜt d.h. einen ins Gesicht schla- 
gen, so dass nicht die innere sondern 
die äussere Fläche der Hand in unmit- 
telbare Berührung mit dem Gesicht 
kommt. Diese Art des Schiagens wird 
für eindringlicher gehalten, als die mit 
der innern Handfläche. 

S. 242. 
Wacht, in vielen Gegenden der Alt- 
mark wird der Hebel, Hebebaum auch 
so genannt. 

S. 243. 
wamsen. Noch andere Ausdrücke 

dafür sind : en schöntodeck'n, enba(r)- 
baorsch todrink'n, dörchhuschen, äff 
huschen. 

S. 244. 
Sp.l,Z.4statt ickkeff istzu lesen; 

ick heff 

Wauwan, der Hund (in der Kinder- 
sprache). 

Waon, Meinung; nao mtn Waon, 

wie ich glaube. ,<y[ 

S.247. '^f 

Windbrä(d)'r. Bei den ländlichen 

Strohdächern liegt das Windbrett am 

Giebel auf den Latten und helsst 

Windbgrg', dat Brett mütt vör'nWind 



281 

berg'nd.h. muss das Stroh schützen Winköp. Sprichwort: Ken Hand'l 

gegen den Wind. dOD Wiüköp. 

winn', Particip wunn', adjectivisch wil-dessen S. Zusätze S. 255 unter 

aber gewuno'. bi-dess. 



-""^'^XS^'S'öP^ 



39 



1 <': 



m 



Register 



die hochdeutschen etc. Wörter enthaltend , durch welche die plattdeutschen 

Wörter erklärt sind; mussten statt der letzten Umschreibungen gewählt 

werden, so konnten diese nicht aufgenommen werden. 



Aal 7. 

Aahaupe 165- 

Aas 8. 

abändern 231. 

abarbeiten 132. 185- 

abblättern 18. 184. 

abbringen 2. 

Abdeckerei 120.185 

abdingen 77. 

Abend 8. 

Abendröthe 18. 

aber 131. 

Aberglaube 17- 

abfragen 2- 

abgeloben 3. 

abgemagert I45. 

abgenutzt 194. 

abgewöhnen 3. 

abhalten 2- 240- 

abhärmen 7I. 

abhauen 200. 

abhäuten 20. 

ablauern 280. 

nbläugnen 239- 

Ableger 47. 

abortiren 231. 

abpflücken 1 59. 

abquälen,sich 1.167. 
183- 195- 2 (4. 259 
Absatz 72. 

abschälen 184. 
abschlagen lf,|. 253 
abschneiden 3. 
abseits 3. 
abstehen 255- 
nbstossen 161. 
abtreten 253. 
abtrocknen 2. 
Abtritt 93. 
ab und 2U 2. 
abwarten 226. 
abwechselnd 229. 
abweiden 83. 
abziehen 154.252. 
Accise252. 
accurat J. 
Acer campestre 6.75 
Acheta 80. 
Achillea millofolijim 

172. 
Achillea ptarmica 

249. 
Achse 7. 

Achscnnagel 129. 



ach so ! 7. 
achten 1 72. 
ächzen 91« 
Acker 50. 
Acklei 97. 

Aconitum 186« 
Ader 7. 
Adieu 1. 
Aegopodium poda- 

graria63. 
Aesculus Hippoca- 

stanum96' 
Aethusa cynapium 

58. 
affabel63. 
Affe 8. 
Agio lv4. 
Agrostemma Githa- 

gol70. 
Agrostis spica venti 

97.131. 
Ahorn 6. 25- 124. 
Xhre 8. 
Aira2j. 

Ajuga reptans j I9. 
albern 4. 100.221. 
Alecto rolophus 102. 
allein 3. 47. 142. 
allerdings 4. 93. 
Ailium 128. 

- Cepa 252. 

- Porrum 29. 

- oleraceum 1 1 1 

- sativum 11 0. 

- schoenopra- 
snmi55. 

allmähhg 69. 
Almosen 68. 
Aloe 24. 
Alp 134. 
Alphabet 1. 
als 7. 

alsbald 56, 
als ol) 7. 
alt 149- 

Altentheil 150. 
altmodig 149. 
Ameise 46. 259. 
Amme 201. 224. 
Ampfer 77. 82. 1 74. 

210. 
Amt 211. 
Amtmniui 4. 
anderthalb 5. 



andeuten 42- 

Anemone nemorosa 
74. 

anfahren 5. 19.170. 

anfangs 48. 264. 

Angebot 4. 

Angehörige 137-279 

Angel 5. 

Angelschnur 192. 

angefüllt 241. 

angespannt 160. 

angetrunken 6- 42. 
49. 51. 118. 

angreifen |94' 

ängstigen 78- 154- 
227. 259- 260. 

Anhöhe 83. 253. 

ankleben 72- 151. 

Anna Elisabeth 5. 

Annallsabe254. 

AnnaMargaretha 5. 

Anna Marie 4. 
Anna Maria Marga- 
retha Elisabeth 5« 

anpacken 95. 
anreden 96. 
anreizen 164. 
ansngen 6. 
nnschvvellen33.2l8. 

233. 
ansehen 65- 66« 
ausinnen 6. 
Anstand 1 85. 
Anstoss 60. 
Antheil 5. 98. 152. 

220. 
Anthemis Cotula 35. 
anthun 4. 
Antrieb 14. 
antworten 153. 
Anwuchs 6. 226- 
Anzahl 220- 
anzeigen 136. 
anziehen 6. Io0'201 
Anzug 247. 
Apartement 186- 
Apfel 6.43.84. 103. 
Aquilcgia vulgaris 

97. 106- 
arbeiten J48. 154. 
156.161.162.185. 
249. 
Archangelica offici- 
nalis 68> 



ArctiumlOo- 
Ardea stellaris 174. 
arg 36. 122- 
ärgern 67. 96- 99- 

116-280. 
arm 160. 
Armbrust 54. 
Aronswurzel 1 53. 
Art 94- .194. 
arten, sich 78. 
Artemi sia Absinth. 

243.249- 
Artemis, campestris 

246. 
Art. vulgaris 17. 52. 

artig 57. 147- 
Arummaculat. 153, 
Arzenei nehmen 7. 
Asche 4. 
A?S32. 

Assel 2 19. 247« 
astig 220. 

AstragahisCicer 265 
atbmen 154.164-200 
Atriplexl36. 
auch 149. 
auf 232. 
aufbinden 248- 
aufbrausen 25.113. 

168. 
auffallend i 65- 
aufgeben232.233- 
aufgeblasen 116.2.36 
aufgeschossen 210- 
Aufgesperrt 203- 
aufgetrieben 33. 167 
aufheben 13.79. 
aufhelfen 232- 
aufhetzen 189. 
Auflauf233. 
auflösen 225. 
aufnehmen 117.233 
aufpacken I78. 
aufputzen I77. 
aufquellen 246- 
aufräumiMi 168. 
aufrecht 9. 279- 
aufreissen 69- 
aufrichten |72. 
Aufruhr 233- 
aufrühren 183- 
Hufs.igen v3.^. 
aufsätzig 40. 
aufschichten 2 10. 

36* 



284 



aufschneiden 53. 55. 

93. 
Aufsehen 80.85.136. 
aufspalten 106- 
aufsuchen 210. 
atiftauchen 42. 
Auftrag 64.232.246. 
auftreten 220- 226- 
auftrocknen 232. 
aufund nieder 232. 
aufwachen 238. 
Aufwand 2 10. 
aufwiegehi 169. 
aufzäumen 233« 
aufzehren 236. 
aufziehen 55' 182. 

190-233. 
Auge 66. 120. 149- 
Augenhraunen 149. 
ins Auge fallen 160. 
Augenlid 125. 
Augenschein 149. 

185. 
aus 233. 
ausbeugen 21. 
aJisbreiten205. 
Ausdauer 4;-^. 
ausdeuten 42. 
ausfasern 177- 
Ausflüchte 5)1.120. 
ausfragen 2" 85. 
ausführen 234. 
ausgeben 239« 
ausgedehnt lf,7. 
ausgehen 2 34. 
ausgelassen 91-231. 
ausgenommen 234. 
ausgezeichnet g. 
Ausgussröhre 229. 
aushöhlen 83. 
aushülsen 234. 
Auskehricht 48. 50. 
Ausland 57. 
hUsLiuten235. 
ausleihen 2 34. 
ausmisten 234. 
ausnehmen, sich 124 
ausplaudern 235. 
ausreichen 122. 
aussaugen 201. 
auFschelten 95-168. 

234- 235. 
Ausschlag 66. 191. 

239. 
Ausschuss235. 
aussehend 64« 
Aussendeich29. 
ausser 234. 
ausser Athem 245- 

252- 
ausserdem 216. 
ausserhalb 29- 
ausserordentlich 9. 

67-240. 
ausser sich 245. 



äasserste234. 
ausspüren 235. 280. 
iuisstaffiren 208. 
Aussteuer 234. 
ausstossen210. 
ausstrecken 214. 
ausstreichen 234. 
austrocknen 73. 109 
ausüben 235- 
Auswahl, ohne 241. 
auswählen 98. 
ausweichen 24?. 
ausweiden 121. 
ausweissen 249- 
auswendig 3O. 
auswittern 2 (iO- 
Auswuchs 134. 186« 
Auszehrung 235. 
ausziehen 224. 231. 

235. 
Avenafatua 149. 
Axtl. 

Bach 10. 

Bachbunge ]0- 129. 
Bachstelze 1.165' 
hacken 234. 
Bäcker i I7. 
Backobst 24- 
Badstube210. 
bähen 14. 
Bahn J3. 
Bahre I3. 
bald 39- 75. 
Baldrian 10. 
Balken 83* 
ballen 9- 
Ballspiel 10- 
bannen 1 1. 
Bär 1 3. 
Bär , grosser 59. 82. 

259. 
Barbier 14-50-187. 
barbirenlO.164.165 
bari'nss H. 
Barsch 14. 
barsch 254. 
Bart 14- 
Barthaare262. 
Barthold 1 1 , 
Bartholomaeus ü. 

254. 
Bartnelke 42. 
Base 245. 
Bast 11- 
Bastard 73. 
Bau 26. 
Bauch 26. 
bauen 29. 
Bauer 29- 98- 
Bauerhaus 98. 
Bauerschaft 29. 
Baum 22- 
Baumast 109. 
Baumharz 97. 



Baumreiser 207. 
Baumrinde 50, 
Baumwanze 1G5. 
Bausch imd Bogen 

169. 
beben 12. 
Becassine 78. 
Becher 10. 
Bedachung 189. 
bedenken 14-237. 
bedeuten 42- 
bedienen 233. 
bedürfen 15. 
beeilen 75. 170. 
Beereil. 
befassen J 4. 
Beffchen 15I. 
Befriedigung 78« 

263. 
begatten 22. 
begegnen 140. 
begehren 64- 
Begierde 64- 75-145. 
begleiten 17.191. 
begraben 69- 120. 
Begräbniss 17. 
begreifen 2- 70- 104« 

204- 238- 
begrüssen 152- 198. 
Behagen 76- 190. 
behandeln 145. 
behexen 239. 
bei (6. 
Beichte I7. 
beide |4. 
Beifall 17. 
Beifuss 17. 52-246. 
Beigeschmack 17. 
beiher I7. 
Beil 17- 

bei Leibe nicht 15. 
Bein | 5. 
beinahe 17.89- 136. 

2S3. 
Beinkleider 25- 26» 

77.109. 
beissen 1 8. 39. 
bekannt 14.236.267. 
bekennen 1. 
beklagen 155. 
bekommen 1 16» 
beladen I78. 
beleidigen 144.200« 
belieben 15. 
bellen 18- 19-. 
Bellisperennis 132. 
bemerken 136. 248. 
bt-nagen 66. 
benennen 15. 146. 
bequem 60- 
berechnen 1 5- 
bereden 68. 211. 
bereuen 198. 
Berg 15. 
berücken 68« 



berufen \ 5. 
beruhigen 61. 255- 
berühren 68- 222- 

223. 
beschäftigen 11 4. 
beschimpfen 28O. 
besc hmiereri 93- 
beschmutzen |4- 15. 

53-104-168-180. 
beschützen 31. 
beschwatzen 31-198 
beschwichtigen 229. 
besinnen 15- 
besoffen 95. 111. 
besonders 239-260» 
besprechen 265' 
besser 165. 
bessern 11. 
beständig 209. 
beste 89. 

bestechen 118-211. 
bestehen 2IO. 
Bestellung 64-232. 
zum Besten haben 

190- 
bestreiten 16. 
besuchen 6- 1 5- 
besudeln 15. 16.93. 

180.193. 
betasten 68- 
betäuben 280. 
beten 10- 

Betonicaofficin.174. 
betragen 15, 78-234. 
Betrieb 14. 
betrinken, sich IOO. 
betrüben 40. 1.39- 

26«. 
Betrug 6.10-14.15. 

40-120. 13.3. 138. 

186-189.253.267 
betr unken 73. 138. 

162.179. 
Bette 146. 162.229« 
betteln 6. 14-17-200 
Bettelvogt 160. 
bettlägrig 14- 122. 
Bettler 160. 
Bettpfühl 270. 
Bettstelle 16. 
Betttuch 16. 
Bettüberzug 26. 29. 
Bettwinkel 30. 252. 
Betula 15. 
beuchen 27. 
beugen 21. 
Beule 27. HO- 129. 
Beutel 26. 
bewegen 116.174. 

177.217.269. ' -A 
be we rkstelligen 31 1 
bezaubern 5. 16« 
biegen 21. 
biegsam 1 97. 
Bieae 89. 



285 



Bienenkorl3 77. 
Bipnens lUg 37. 
Bier J 5 88-103. 
Bierhaus 1 1 8. 
Biesam .^2- 
hi»*ten t4. 
hinrlen 250. 
Bindfaden (7, 
Binse I5. l44. 
Birke 1 5. 
Birnbaum 1J. 
Birne 10. M.24.84- 

1.% 226-249. 
bis 1 ft. 

Bischen IJ. 
hissig 12. 
bisweilen 3. 232. 
bitten 10. 14. 17. 

IVS. 160. 
bitter 18. 
blank 18. 
Blasebalg 164. 
blasen 19. 164- 199. 

229. 
Blaserohr 164. 
blass20. 191. 
Blatt 18. 

Blatternarbe I59. 
blau 1 8. 
Bläuling 82- 
Blech 20. 
Blei 20. 
bleiben 20. 
bleich 191. 
Bleiche 20. 
Bleifeder 20- 
blenden 20. 
Blendwerk 100- 149. 

2:)1. 
bht zen 1 28. 
blöken 22- 
bloss 2 1 . 1 64. 
blühen 20. 
Blume 20. 
Blumentopf 274. 
Blut 21. 
bluten 20. 
Blüthe2l. 
Blutgeschwür 20. 
Blütknnspe20. 39- 
Blutwurst 47. 
Boden 13. 21- 166- 

2Ö8. 
Bohle 13. 

Bohne 22- 119. 
Bohrer 13-145-255. 

Boletus !{)(). 
Bohen 22- 
Rombus 142. 

Börde 22- 
borden 1 jQ. 
Borste 22- 
Borstwisch 230. 

böse 168. 262- 271. 
böse sein 4g. 



boshaft 125.236. 
Bote 12. 
Böttcher 23. 49. 
Bottich 2 1 . 
Bouteille 26. 
Bovista56- 159- 164. 
Brache 24. 40. 153. 
Brand 197. 
Brantwein 17.24.44. 

199.229.236. 
Brassica Napus ißS- 
Kapa 168. 
Braten 24. 
Bratpfanne 24. 198. 
Brätzel 1 1 7. 
braun 25. 
Brausche 26. 
Braut 125. 
Bräutigam 25. 125- 
brechen, sich { 12. 
Brechnuss |16. 

Brei 25. 152. 
breit ^^4. 
Bremse 17. 23. 
brennen 24. 
Brennholz 49. 
Brille 25- 143. 
bringen, an sich 169 
Briza media 16. 
Brocken 20. 
brodeln |6|. 
Brombeere 24. 
Bromussecalinus 40. 
Brol 25. 87. 105-121. 

152- 
Bruch 25. 
bruchkrank 231. 
Bruchweide 8. 25« 

207. 
Brücke 25. 
Bruder 25. 
Brühe 21 2. 216. 
brüllen 19. 
Brummkreisel 25« 
Brunnen 271- 
Brunneneinfassung 

195- 
brünstig 25. 27- 
Brust 23- 156. 
brüten 25. 234. 
Buch 2 M 98. 
Buche 21- 
Buchfink 2t. 
Buchgrütze 100. 
Buchnuss45. 148. 
Buchsbaum 29. 

Büchse 29. 
Buchstabe 21. 

Buchweizen 22. 

bücken, sich 42. 

Bude 2 1 • 

Bügel 13. 

BundaniHemde 166 

Bündel 1 50. 

bunt 2 1.80. 97. 120. 



Bürger 22« 
Bursche 29- 
Bürste 22. 187. 
Burzelbaum 93.112. 
Busch 29. 
Buschholz 220. 
Buschwerk lOQ. 
Busen 23- 
büssen 23. 
Büttel 12. 
Butter 23. 
Butterblume 112 
Butterbrot 2 3. 160. 

215. 
Butterfassi77. 

Cacare 93. 

Caltha palustris 23- 
112. 

Calunna vulgaris 79, 

Campanula 106. 

Capsellabursa pasto- 
ris FO. 249. 

Cardamine praten- 
sis 72- 74. 

Carduus 36- 

Carex 191. 

Car ex arenaria 151. 

Carpinus betulus 2 1. 
77.80.249. 

CarinnCarvi J \2. 

CassiaSenna 191. 

Catharina 173. 227. 

Catliar. Doroth.227. 

- Elisabeth 227. 

- Margar. 227. 

- Marie 2 27. 

- Sophie 227. 
Centaurea Cyanus 

86. 174. 
Centaur. paniculata 

35. 
Chaerophyllum 99. 
Chaer. silvestre 94. 
Charadrius pluvialis 

229. 
Cheiranthus Cheiri 

60.241. 
CheUdoniummajus 

93. 
Chenopodium 68. 

136.137. 
Cholera 125. 
cholerisch 168. 
Christbaum 192. 
Christian 117. 
Christoph 2 13. 
Chrysanthemum 

leucanthemum 35 
Chrys. seoetum 249. 
Cicaduspumaria 1 1 9 
Cicuta virosa 42. 
Cigarre 05. 
Cimex 165. 
Cinna igQ. 



Cirsium 36. 
Coccinella 7 puncta- 
ta 81. 
Cochlearia 132. 
Coecum 47, 

coire 50. 235.256. 
Comparativ 70. 
Conferenz270. 
Conjunctiv 78. 
Contraviolon 25. 
ConvalLiria majalis 

127. 
Convolvulusarvensis 

244. 
Coracias garrula J 9. 

168. 
Corvus glandarius 

73-168. 
Corv. monedula 222 

- pica 80. 
Couleur 106. 
Courage 95. 
Crataegus oxyacan- 

tha 131-245. 249. 
crepitus ventri 59. 

164. 

Culex pipiens 66- 
cunnusi36. 

Cuscutaeuropaea52 
Cyprinus Carassius 

96. 
Cyprinus cephalus 9 
Cypripedium cal- 

ceolus 60. 

da 7. 32-43. 
Dach 20. 
Dachdeckerstroh 

187. 
Dächsei 35. 

Dachshund 222. 
l^achtraufe 40- 
Dachziegel 12. 151. 
dafür 33. 
dahin 32. 
damals 33. 43. 
damit 31, 33, 
Damm 209. 
Dämmerung 189. 

Dampf 32. 198. 
Dankiorniel 33. 
dann 43. 
dann und wann 3. 

darauf 32. 41. 43. 
daraus 32. 

Darm 2 58. 
Darmfett 115. 
darnacli 32. 
darreichen 35. 122. 

232. 
darüber 32. 
darum 32. 
darunter 32. 41. 
das3j. 219. 
das<?lbst 33. 



2B6 



Daub'J 20R. ' ' ^ 
Daucus C:irotta \ 39. 
Dauer 43. 84. 244. 
Damnen 42. 130. 
D.unnninskel 142. 
davon geh3n 79. 
davor 33. 
dazu 32. 

dazwischen 33.41- 
Deckel 37. 125.2(3. 
dehnen 171. 244. 
Deich 35. 
Deichsel 36. 
dein |37. 
dennoch 127. 
Deputat 2 J8. 
f^er 33. 
derb fi5. 221. 
derselbe 35. 
deuten 42. 
deutlich 105. 
Dianthus 143. 
- - barhatus 42. 
pickbauch 35. 
diebisch 35. 
Diele 34. 
dienen 4, 34. 
Dienst 44, 
Dienstbote |3£, 
dieser 33. 43. 
dieses 32. 

Dietrich (Name) 35. 
Dietrich (Instrum.) 

Dille 229. 
Diminutiv 4. 149. 
Di Ute (S. 
Dirne 34. 
dlsseits44. 
Distel 36, 

Distributivzahlen 35 
Docht 8. 34. 
Dohle 97. 10.3.222. 
Dompfaffe 153, 
Donner 43. 71. 
Donnerstag 43. 
doppelt 44. 229. 
Doppelhand 68. 
Dorf37. 

Dorfschulmeister 
■ 186. 
Dorn 33. 
Dorothee 37. 

- Elisabeth 37. 

- Sophie 87. 
dort 32. 

Dost 19. 
Draclie 33. 
drängen 110.25^. 

271. 
Drath 39. 

drdussen29. 
drechseln 40. 
drehen 40. 250. 
Drehorgel 127. 



drei 39. ' 

dreifac h 39. 
dreissig 37. 
dreist 40. 
dreizehn 37. 
dreschen 37. 
Dreschtenne 31« 
Drinich40. 
dritte 41. 
drohen 39.-259. 
Dröhnnng 39. 236. 
drollig 164. 199.200 
Drossel 2 f)2. 
Duckmäuser 228. 
dumm 33. 44. 46. 

169. 
dunune Streiche 186 
Dummkopf 42. 
dumpfig 42. 
Dünnbier 1 12. 
Dünger 34. J36. 
dunkel44. 212- 
dünkelhditsS. 
dLmken42. 
dimne43. 193. 

Dunst 25.57. 
durch 37, 
durchaus I.37. 
durchaus nicht 1 45. 
durchbringen 77. 

237. _ 
durcheinander 179. 

Durchfall 12 8. 186. 

199. 
durchgehen 128. 
durchhechehs 37.40. 
durchnässt 102. 
durchseihen 192, 
durchstöbern 200- 
durchsuchen 200. 
durclitrieben 37. 
dürfen 37. 
Dürre 4 1 . 
Durst 37. 74. 
dusseln 33. 
Dute 187. 



eben 9.',. 254. 
Ebenbild 63. 
eben deshalb 3. 
eben jetzt 2O8. 
Eber 95. 
Eberesche 167. 

Ecke45.in. 
Eckschrank45. 
E'.delmann 164. 
Egge 45. 
Egel 89. 
ehedem 4. 241. 
Eheversprechen |65 
Ei 2 16. 
Eichel 45. 
Eichengehölz 45. 
Eicliliörnchen 46. 



Eid 45. " 
Eidechse 76. 
Eidotter 36. 
Eierkuchen 53. 
Eierschale 45. 
eifrig 40. 
eigennützig 145. 
eigensinnig 152. 
eilen 75. 82.271. 
Eimer 46. 
ein 46. 
eiunnder 46. 
einbringen 197. 
einerlei 47. 
einfach 47, 274. 
einfädeln 49. 
Einfall 89. 
einfältig 33. 46. 
einförmig 47. 
Eingehegtes 263. 
eingestehen 90. 
eingetrocknet 204. 
Eingeweide 89. 195. 
eingraben 120. 
einheizen 23. 89. 
einhüllen 85. 89. 
einige 34. 245. 
einigermassen gg. 
Einigkeit 237. 
einjährig 92. 
Einkommen 212. 
einladen 36. 147. 
einlaufen 90. 
einlullen 217. 
einmal 47.90. 134. 
einprägen 264. 
einpressen 160. 
einsäuern 2 16. 234« 
einschärfen 264. 
einschenken 90. 
einscldagen 90. 195. 
einschmeicheln 50. 
einschiichtern 236. 

239. 
einsilbig 141. 
einsperren 207. 
Einspruch 90. 
Eintagsfliege 20. 
eintönig 46. 
eintreffen 38. 89- 
eintunken 2 12. 
Einwendmig 203. 
einzeln 47. 
einziehen 90. 
einzig 47« 
in eins weg 273. 
Eis 22. 90. 
Eisen 90.91. 
Eisfläche 19. 
Eiskristall 26 5. 
Eiszapfen 2 1 9- 
Eiter 45-91. 133- 

154.236. 
Ekel 45. 
Ektcrl97.207. 



Elbe 46. ' 
Eibkahn 186. 
Eibweide 263. 
Elementarlehrer 

158. 
Elementarschule 1. 

elf 46. 

Elisabeth 89. 127. 
Elster 80. 
Eltern 149. 
Eitervater |49. 
Emberiza citrinella 

60. 
empfehlen 2 54. 
empfindlich 96. 252. 
Emporen 160. 
Ende 47.2.34.236. 
eng 38. 

engbrüstig 32.64. 
Engelwurz 68. 
Engerling 251. 
Enkel 181. -258. 
entbehren 138- 
cntblössen 20. 
Ente 8.47. 
entfernen, sich 36. 

47. 
Entfernung zweier 

Oerter lg. 
entgegen 12I. 
enthalten 47, 
enthaupten 113^ 
Entrich 48. 
entschlossen 209. 
entschuldigen 237. 

247. 
entsteinen 263. 
entstellen 185. 
entweder - oder 245. 
entwenden 26. 142. 
entwöhnen 202. 
entzwei 89. 
Ephemere 20. 
Epheu 89. 
Epilepsie 91. 231. 
Equisetum47. 155. 

- arvense77. 

- hiemale 183. 

er 78. 167. 
E r achtens 1. 

erben 26O. 
erbitten 69. 
erbittern 238- 
erbrechen 61. 1 14- 

203. 
Erbse?. 215. 246. 
P>ile48. 
Erdichtung 130. 
Erdrauch 58. 126. 
erdreisten 232. 
erfreuen 61 76. 
erfrieren 102-237. 
ergötzen6}.76' 
erhitzen 238. 
Erhöhung 28- 



287 



erholen 148. 164. 

236.238. 
erinnerlich 192. 
Eriophornm251. 
erhalten 2 SS- 
Erker 7. 
erklären 237. 
erkundigen 85. 
crlanl)on238. 
Erle 46. 
erleben 3. 

ermuntern 147. 238. 
ernähren 55. 
Erndte 7. 
Erndtefest238. 
Ernriteschniaus 7. 
ern?t 41. 
Ero dium cicutarium 

191. 
Erpel 243. 259. 
erpicht 75, 
erquicken 125. 
erschöpft 130. 
erschrecken 7t. 91. 

2.37.238.239. 
ersparen48. 
ersticken 32. 
ertappen 38. 
ertragen 201.233. 

237. 
ertränken 216. 237. 
erübrigen 48. 
erwäbnen 148. 
erwarten 280. 
Erytliraea Centau- 

riuml75. 
Erzählung 2OO. 240. 
erziirnen 7. 168.240 

262. 
es 219. 

essen 48. 64. 67. 11.3. 
133.141.152.19.3. 
198.199.209.253. 
Essig 216. 
Fssigki-ug 279. 
f;.sshist57. 
Kssschrank48. 
Esswaaren 48. 57. 
elhche245.260. 
etwas 244. 
Eule 127. 
Eulenspiegel 2.30. 
Eustachi US 208. 
Euter 230. 
Evo.iyiuus 158. 159. 
Excrenionte I14. 
250. 

B'abrikatsi. 
Fai:h 49. 
Fächer 48. 
Faden 39. 49. 
Fagus silvalico 22. 
fiilug 120. 
fahl 49. 



Fahre 5.=). 

fahren 55. 96. 176. 

Falcofi>8. 76. 

- Milvus204. 
fallen 48. 99. 
falsch 4 8. 
Falte 55. 105. 111 

115. 1S7. 
Fant 50. 
Farbe 20.49. 
Färberei 49, 
Färse (o|. 
Fasen 49. 51. 
J'äserchen 75. 
fassen 49. 
Fastnacht 49. 
Fastnachtsbrätzel 

79.180. 
faul .iS. 

Faulbaum 58. 124. 
Faulbeere 58. 
Faulbeerbaum 205. 
faulen 175. 
faullenzen 129.231. 
Faulpelz58. 106-125 
Faust j9. 
PVder 50. 
Federhaube 147. 
Federkiel 203. ' 
Fedia olitoria j[68. 
fehlen 50. 

Fehler 11 1.156.162. 
Fehltritt 84. 
Febiwurf 179. 
feiern 51. 
feilen 50. 
fein5l. 
Feind 51. 
Feldhüter 1 Ol. 
Feldtaube 50. 
Fell ;,o. 154. 
Femininum 255. 
Fenster 5I. 
Fensterladen 123- 
l-'enstcrsrheibe I77. 
Ferkel 143- 154- 
Ferne 49. 
ferner 90. 
Fernglas 100. 
Ferse 72. 
fertig 40. 50. 
fest 49. 248- 
fest reden, sich 73. 
1 'estigkeit 84. 
Festmahl 1 13. 
fost,silzeji 70. 
I 'e.stuca 2 1 • 
lettl20.2l2.2G0. 
l'ettdarni 130. 
fett machen l.lfi. 
Fettzellen ßy- 
Fetzen 220. 
feuclit ')8. 
Feuchti{^kejt261. 
Feuer 2J. 59. 232. 



Feuer anschlageh 

15',. 
Fcu-^rbeerd 59. 
feiirig 59. 
Ficbte32. 
Fieber 50. 57. 
filzig 181. 
finden 260. 
Fingerbezeichnung 

260. 
finster 4 1.52. 
Firste 56. 
Fisch 51. 
Fischblase 191. 
Fischgräte 69- 
Fischnetz 52. 62. 99. 
Fischreuse 177. 
FisrhteichsO. 
flach 52. 
Fläche 52. 
Flachs 52. 98- 127« 

173. 
Flacbsseide 52. 
Flamme I26. 
Flasche 162. 
flatterig 5 l- 
flattern 54. 
Flaumfeder 158. 
Flaus 55. 
Flecken 19.101. 156« 

157.212.22.3. 
Flegel 52. 
Fleisch 53. 
Fleischblume 77. 
Flieder 53. 
Fliege 25. 52. 
fliegen 29- 93- 
fliegender Öomuier 

20. 
Fhese53. 
fli essen 5 3. 17 5. 
th'nk 3. 50. 
Flinte 185. 
Fhntenlauf 128' 
Fhltcrgold 109. 
rioh53. 
I'loss 54. 
Flöte 53. 
Flui h 54. 
f'liigel 55. 
Fhxss 10. 
flüstern 54. 

Fohlen43.ä5.229. 
l'öhre 59. 

fordern 55. 161-260. 
fort 59. 

forttreiben 209. 
l'rack 8. 
fragen 57. 
Fransen 57. 
Frau 58. 128. 
l'raueiunütie 3I, 

139. 
1 rauenscbuh ftO. 
Frauenvolk ji^y. 



Frauenzimmer 58. 
Fräulein 57. 
frech236. 
frei 57- 
Freierei 57. 
freilieh 57. 
fremdartig 202. 
Fremde 57. 
fressen 57. 
Freude 76. 
Freund 58. 
freundlich 53. 
Friede 56. 
Friederike 273- 
frieren 57. 86- 
Fries 57. 
Friesel57. 
Priiigilla cannabina 

74. 
Fring. caelebs 22. 

- doniestica 129. 
frisch 96. 

Frohndiener 76-81. 
fromm 57- 
Froschl32.150»150 
früh 223. 
Fuchs 56. 
Fuchsia 11. 
fuchteln 261 • 
Fuder 55-227. 
führen 126- 
Fubrmann59. 
FulicaatraoO. 
Füllung 51- 
Fumaria offirinalis 

.58-126. 
fünf 51 - 
fünfte 51. 
fünfzig 5 1 • 
Fungi 97. 
funkeln 65. 
für 49- 
Furche 49« 
Furcht 58. 
fürchten 11. 132. 
Fürth 55- 2 74- 
fiuwahr 241- 
Furz 56- 
I'nss 56- 
Fiissbanköfi. 88- 
Fussboden 31. 
Fussgänger 175- 
Fussspur 226- 270. 
Fnssstaijfen 208- 
Fusysteig .-jS. 
Futterlade H19. 

CJ;djelG2. 
(."abelwcihc 204- 
gackcru 97. 
GadusLotn J65- 
Gaffeleo. 
gähnen 83. 
t;äluung68. 
Gdliiun Hpnrine 229* 



288 



Gallapfel 45- 
Gans 68. 72. 
Gänsohabicht 68. 
Gänsefiiss f,8. 
Gänserich 61. 
Gänsestall 68. 

ganz 80. 234- 
ganz so 3, 

ganz und gar 1.64. 
100. 172. 

gai- 62. 
Gardinenpredigt 

250. 
Garn 62. 70. 
Garnahtheilung 51. 
gar sehr 49. 
garstig46.61.267. 
Garten 62. 
im Garten arbeiten 

262- 
Gäste haben 262. 
Gasteroceus aculea- 

tus 208. 
Gastmahl 57- 
gäten245. 
ge — 62- 
Gebackenes 10. 

Gebäude 98. 62. 
geben 61- 
Geberde 262. 
gebeugt 42. 
Gebinde 17. 
Gebot 23. 
gebrauchen 25. 
Gebrechen 262- 
Geburtsschein 259. 
Gebüsch 73. 
Gedächtniss 7O. 
Gedärme |2l. 
gedeihen 3 1.34. 
gedreht 38. 
Geduld 43.62. 
geduldig 259. 
gefährlich 115. 

gefallen 62- 
Gefäss49.82. 
gegen 245. 
gegen die Zeit 63- 
Gegenparthei 63- 
gegenüber 127. 
gehäuft 87. 
Gehege 26.^. 
gehen 30. 33. 41.44. 

53. 61- 162. 209. 

226- 259- 279. 

gehen lernen 128. 
geheuer 63. 
Gehirn 23. 39« 
Gehöfte 83- 
Gehölz 84. 
gehorchen 67- 
gehören 85. 
Geifertuch 151. 
Geige 50. 64. 



Geizhals 64. 106. 
130.144-261. 
geizig 138- 181.262. 
Gelass63. 
gelassen 17 8« 
Gelaufe 63. 
gelb 160. 272. 
gelblich 60. 
Gelbschnaliel 1 75. 
Geld 1 54. 
Geld geben 1 76. 
Geld und Gut 67- 
Gelenk 125. ll'6. 
gelinde 127. 
gelingen 181. 1 95" 
geloben 125. 
gelten 63. 
Gemeinde 63. 1 36. 
Gemüthsverstim- 

mung 225. 
genau 1. |09- 144. 

147.254-263. 
gemessen 63. 
Genitiv 33. 39.177. 
Gensdarm 182. 2 14. 
genug 147. 
Gepolter 1 59. 
gerade 69. 127. 273. 
279. 

geradeso 1. 

geradezu 127. 

Geräth 222- 

gerathen63. 170. 

Geräusch 1 14. i72. 
177-182.204. 

gerben 221. 

Gerede 13.103-198. 

Gericht 172. 

Gerichtsschreiber 
255. 

geringe 173. 274. 

gerinnen 99- 175- 

gerne 1- 

Gerumpel 117.159- 
161-176. 

Gerüst 177. 

Gesang |2j.l79. 
Geschäft 239. 246. 
geschehen 184.189. 
Geschenk 64. 
Geschichtchen 212. 
Geschick I85. 
Geschlecht 1 94. 
Geschmack 197. 
geschmeidig 197. 
Geschrei 63. 
Geschwätz 193.236« 
geschwinde 39. 54. 

61.75.219- 
Geschwister 22- 
Geschwisterkinder 

22- 
Geschwulst219. 
Geschwür 121- 217. 

260.279- 



Ges^^ll^chaft 191. 
Gesichtsfarbe 99. 
Gesimse 192. 
Gesinde 93. 128.241- 

2i8. 
Gesindel iQ. J43. 

150. 
gesinnt 262- 
Gesp,nnl 15.202- 
Gespenst204-211- 
gesprächig 15. 
geständig 209. 
Gestank 209- 
gestehen 63- 
Gestelle211. 
gestern 64« 
gesucht 69. 
gesund 2 16. 
Getränk 40. 92. 
Getreidehaufen I38 
Gevatter 235. 
Gewandschneider 

243- 
gcwandt3. 
Gewäsch 198. 
Gewebe 204. 
Gewerbe 6 4. 
Gewicht 246.251. 
Gewinn 198-247- 
gewiss 248- 
Gewittervvolken2l8 
gewitzt 1 59. 
gewöhnen 6- 246« 
Ge\vürznägelein 1 43 
Gezänk 182. 
geziemen i85. 
geziert I50. 
Gichtbeere 7. 
Giebel 61. 
giessen 58. 
Giesskanne 25. 
Gimpel I53. 
glänzen 18.53.55-65 
Glas 64- 

glatt65-)47-l86. 
glätten 66- 176- 
Glättstein 67. 
Glaube 65. 
Glechoma hedera- 

cea234. 
gl';ich47. 127. 
gleich achten 127. 
gleichen 65- 
gleichgültig 35« 
gleichviel 65. 
gleiten 65. 
Ghedl25.126. 
glimmen 64- 
Glockel7-105- 
Glockenschlägel 

10,8- 
Glockenstrang 266- 
Glucke 106- 
Glücksfall 196. 
glühen 64.65. 



Glycerium fluitans 

69-81- 
Gnade66- 
Gnaphalium dioi- 

cum21 1. 
Goldammer 60. 
Goldlack 60. 241. 
gönnen 72. 
Grab 68- 120. 
Graben 69- 173-251. 
Grabenufer 95. 
grämlich 89- 
Granne 1-253. 
Gras 21 131.184. 
Grasgrütze 8 1 . 
Grashirse 69- 
Grasnarbe I56. 

grässhch 69- 86- 89- 

grau 70. 

grauen 7]. 

Graupen 71.' 

grausig 69. 86. 

greifen 69. 70. 

greinen 70. 

Grenze 69. 184. 

Griff 41. 

Griffel 211. 

Gripps 1 17. 

grob 24-7(M 06.110. 
150. 

grob behandeln 26« 

Groschen 70. 

gross 77. 

Grösse 7]. 

Grossmaul71. 

grosssprecherisch 

24. 
Grübchen 120. 
Grube 120. 
grübeln 192. 204- 
Grummt69.l44. 

US. 
grün 70. 
zu Grunde gehen 

238. 
Grundstiicke 225. 
Grünfink 70. 2 19. 
Grünspecht 24". 
Grus 1 40. 
grüssen223. 
Grussformel 68. 
Grütze 71. 
Gundermann 234- 
Günsel 119. 
Gurgel 68. 
Gut 67. 
gut 47. 67. 
Gutes enveisen 67. 
G utsbesitzer 45 . 1 64' 
gut sein lassen 67. 
Gutspächter 4. 

Maar 77. 
haarig 273. 
Haarzopf 2 17- 



289 



haben 7^. 78- 
Habicht 76. 
Habseh'gkeiten Sb- 
habsüchtig 145« 
Harke (7- 
Hader 73. 202- 
Hafer 78. 246- 
Haferschleim 78. 
Hagebuche 77- 
Hagebutte 74. 
Hagel 76. 
Hahn 77. 84. 115. 

223.263. 
Haken 76. 
halb 73. 

Halbdunkel 229. 
halberwachsen 73. 
Halskragen II9. 
halten 84. 
Hambutte 78. 
Hammel 77. 
Hammer 77. 
Hand J 09. 221. 
znr Hand haben ß 1 . 
Händelmacher 77. 
Handgeld 1 34- 
Handmanschelten 

119. 

Handschuh 75. 
handthieren 75. 
Handtuch 44. 
Hanf74. 
Hänfling 7. 74. 
hängen bleiben 151. 
Hans 264. 
hapern 77. 
Häppchen 266. 
harnen 208« 
hart 17.75. 
hart anfassen 176. 
Hase 77, 169. 
Haseln uss 75. 148. 

238- 
Haselstrauch 75. 
I)assen263- 
hässhch238.267. 
hätscheln 96- 
Haube 88. 
hauchen j64. 
Hauf»!n41.84.106. 

11.3.227.229. 
häufen 87. 
häufig 232" 
Haupt 83. 
Haus 77. 87. 93. 98. 

n 9. 146.222. 
nach Hause bo. 
zu Hause sein 89. 
Hausflur 31. 
Hausfrau 58. 
Hauihälterin 88. 
Hausherr |49. 
Hauslauch 88. 
Harisrath H(j. 
Hausrock 192, 



Hausvater 243. 
Haut 154. 
Haut abziehen 50. 
Hebamme I2. 
Hebel 22- 280. 
heben (3- 
Hechel 73. 
Hecht 73. 
Hecke 78. 
Heckerhng 7g, 
Hede 79. 
Hedera Helix 89. 
Hederich 75. iJO. 
Heerde 83- 
Hefen H. 
heftig 75. 
Heide 79. 

Heidelbeere IJ.J 14. 

116. 
heil 80. 
heilen 12 1. 
heilsam I7I. 
Heimchen 80. 
Heinrich 82. 
heirathen 57. 
heirathssüchtig 95. 
heiser 8 1-129. 
heiss82.97. 
heissen82. 
heiter 50. 
helfen 80. 
helle 89. 
hellig 82- 
Hemde 82. 
Hengst 82. 106. 
Henkel 80- 
Henker 12- 
Henkkorb feO. 
Henktopf SO. 
Henne J56. 

HepaticHtriloba 72. 

133. 
herab 81. 169. 
herablassend 1 5-147 
lierabvvärts 52. 
heran 170- 
h>.-rauf 177. 
heraus 8 1. 177. 
herausnehmen 237. 

hprbe7M80. 
Herbst 75. 
herein |73. 
Hering 72. 136.203- 
Hermaphrodit 75. 
hernieder &0. 
Herrschaft 81 . 
Herr werden g. 
hersagen 85. 
herüber 8. 171. 
herum 81. 176. 230. 
herumgehen |83. 
henmikranien 14;;>. 
h'Tumldiifen 157. 
hcrunistothcrn 153. 



herunisuchen 200. 

20|. 
hcrnuit reiben 29.40 

114- 176-218. 
herumtunimeln 170. 
herumwälzen 99. 
herumwerfen 202- 
herumwirthschaftn. 

170. 
herumwühlen 68« 

186. 
herumwurzeln 250. 
herunter SO. 177- 
hervordringen 41. 
hervorquellend 153. 

Herz 81. 
Hesperis3|. 

- matronalis24l 
hetzen 82. 
Heu 70. 

heucheln 85. 269- 
Heugabel 85- 
Heiihaufen 35- 83. 
Heuhechel 72. 249. 
heulen 123. 
Heuschrecke 78. 
heute 88. 
Hexe 78. 
Hieb 70. 
Himbeere 82- 
Himmel 76. 
Himmelswagen 81« 
Himten82. 
hin 80. 
hinab J43. 
hinauf 177. 
hinaus 177. 
Hinderniss 77. 
hineinsehen 90. 
hingehen lassen 274 
hinhorchen 106. 
hinken 86. 
hinschwinden 167. 
hinter 82. 
hinterdrein 1. 
hintereinander 145. 
Hinler f uss {. 
hintergehen 253. 
hinlerlier |. 
Hintertheii |. 
Hinterthür I, 
hintertreiben 280. 
hin und hergehen 

243. 
hinzi:8(. 
Hirnschale 23. 
Hirse 81. 
Hirschkäfer 59. 
Hirte8|.83. 
Hirtentäschel 80- 
Hitze 83. 
hitzig K>8. 
Hobel88. r87.251- 
hochfahrend 24. 
Jiochmüthig7i.ö3. 



Hochzeit 26. 
Hochzeilenbitter 

113. 
Höcker lf,2. 
Hofedienst78-8f. 
Hoffnung machen 

204. 
Holthürl59. 
Höhe 47. 83. 
höher bringen 238. 
hohl 22. 83. 
hohläugig 84. 
hohnlachen 74.263. 
Hoker77. 
liolen 77. 
liolpcrig 176. 
Holz 84. 149.267. 
Holzhaufen 55. 
Holzheher73. 168« 
Holzscheit 106- 
Holzsläbchen ^^03. 
Honig 84- 191. 
Hopfen 85- 
horchen 85.171« 
hören 85" 
Hörn 77. 
Horniss 84. 
Hosenträger 39. 
Hospital öS. 
hübsch 161. 
hudeln 119. 
Huf 83. 
Hufe 85. 
Hiiflatlig 83. 
Huhn 107.119. 164. 

223» 
Hühneraugen 116» 

127. 
Hühnersitz. 24?. 
Hülfe 86. 257. 
Hülse 86. 257. 
Hummel 86. 142. 
Hund 18.99.114- 

225. 280. 
Himdenamrn 86. 
Hündin :j2). 
Hundskamille 35. 
Hund.spelcr.>-ilie 58. 
hundert 87. 
Himengrab 4.3. 21 f. 
hungern 56. 87. 274. 
hüpfen 96- 264. 
Hürde 85. 
Hure 27- 85. 
hurtig 3. 38- 50- 54- 

59.61- 69. f^5. 
Husten 22. 85. 98. 

118. 
Hul40.85.98. 
hiit;n8.^. 
Hutmdcher 85. 
Hydrophilus piceus 

22J. 

Ich 88- 93. 

37 



290 



Ichneumon 52. 

IgrfSg. 219- 
ihm 46. 
ihr 64. 

ihrentwegen 48. 
]lexaquifoliuin 230. 
Iltis 230. 
Imhiss267. 
immer 4, 93. 231. 
— in 97. 
infam 47. 
Ingwer 47. 
.Insect52. 
intim SS- 
irden 48. 
irgend einer 264. 
irgendwo 47. 
irren 37. 40.44. 
irre reden 44. 
Irrlicht 228- 

Jabruder 146. 
Jacke 92. 
Jagdtasche 84. 
Jäger 190. 
Jäger, wilder 80- 
Jahr 92. 

jammern 72« 265- 
Jauche 198. 
jauchzen 92. 
Jedermann 4. 92. 
jederzeit 3. 
jedesmal 3. 
Je länger je lieber 

114. 
•^e nachdem 3. 
jener 92. 

jetzt 7.90.233.252. 
Joachim 92. 
Joch 92. 
Johann 75. 264- 
Joh. Christoph 75. 

- Friedrich 9 (. 

- Heinrich 91. 

- Joachim 91. 

- Michael 74. 

- Peter 74. 

- Samuel 75. 

jucken 92. 117.187. 
Juncus 15.144. 
•Juniperns II4. 
• - communis 130 

ltahl97.122. 
Kahn 97- 
Kalb 94. 229. 
kalben 264- 
Kälbermilch 136. 
Kaidaunen 94. 
Kalender IO4. 
kalt 112.120. 
Kalteschale 96. 
Kamille 94. 
Kammer 119. 
Kanal 40. 
Kandis 252. 



Kaninchen 96- 169- 

252. 
Kante 95- 
karakterfpst 95. 

Karausche 96. 119. 

Karbatsche 27. 

Karl 94. 

Kartoffel 35. 228. 

Käse 99. 179.212. 

Käsepappel 77. 

Knst mie 96. 

kastnren95.263. 
269- 

Katechismus 96. 

Kater 98- 256- 

Katze 96- 1 33- 1 38. 

Katzenschwanz 265. 

kauderwälsch 230. 

kauen 10.97- 140- 

Kauf 68. 113. 

Kaulpadde 159. 

kaum 1 20. 

Kavallerie 241. 

kock I2I. 

Kegelkugel 23» 

keifen 101. 

Keil 100 

Keim |00. 

kein 86. 143« 

keiner 99. 

keinesweges 146. 

Kellerwurm 219« 

Kerbe 99. 100. 

Kerl 96. 

Kern 98- 

Kessel 96, 

Kette 90. 

Keule 120. 

Kibitz 101. 

Kicher 265« 

Kiemen loO. 

Kien 99. 

Kienapfel 32. 

Kienriiss 99. 

Kiess 69- 

Kimme 100. 

Kind 10. 17- 35.62- 
92. 98. 99. 100. 
114.1 15.1I9.144. 
159.162.165 
Kinderserviette 193. 
Kindtaufe lOO. 
Kinnlade 61. 
Kirche 68. 99- 
Kirchenacker 82- 
Kirchensteig 2"0. 
Kirchspie] 265- 
Kirsche 96. 
Kissen |21- 
kitzeln94. 101. 
klagen 91- 118.219. 
Klappe 1 29- 
klar 105. IH6. 
klar und rein 199. 
klärea 103. ...:.-. 



klatrig 104.151. 
klatschen 227. 
Klatschrose 59.198- 
klauben 164- 
Klause 107. 
kleben lOl- 
Klecks 156. 157- 
Klee 27. 104- 
kleiben 104- 
Kleid 90.92- 104. 
kleiden 124- 141. 
Kleidung 68- 160- 
Kleidungsstücke 1 43 
Kleie 104. 

klein 104- 130. 137. 
klein anfangen 122. 
Kleinhändler 105. 
Kleinigkeit 102- 
Kleister 105- 
klemmen 102. 
Klette 105- 
klettern 114. 
Klinke 105- 
Kloben 106- 166. 
Klöpfell08. 
klopfen 13. .34. 106. 
Kloss 106- 107- 
klug 106. 238. 
Klumpen 107- 
Klumpfitss 107. 
Knallbüchse 254- 
Knäuell H. 
Knauser 1 10. 
Knecht 47. 93. 
kneifen HO. 
Knie 109« 
Kniebeuge 21. 
Knirps 39. 
Knoblauch llQ. 
Knöchel 5. 109. 
Knochen 109. 
Knopf HO. 
Knorrel08.109-110. 

134- 
Knospe 1 10- 
Knoten 111.147. 
Knöterich 132-232- 

242. 
Knüppel 111. 
knurren 67- 
Koben 97- 
Kober 224- 
Kobold 111. 
kochen 97. IIB- 161. 
Köchin 97. 
Koffer 119.123. 
Kohl 112. 
Kohle 97, 
Kohkl.38. 
komisch 157. 
kommen 6- 9?. 
Königskerze 247. 
können 113. 
Köper 99. 
Kopf3A. 83. 113.253.- 



Koplbedt;(;kung 95. 

96- 
Kopfliaar 22- 
Kopfputz. 52. 
zu Kopfe steigen 113 
Kopfschmerzen 1 13. 
Korallen 115. I/O- 
Korb 101. 113. 
Körbel99. 
Korinthe II7. 
Korkzieher 256. 
Korn 98- 171.268. 
Kornblume 86- 174- 
Kornboden 203. 
Kornhaufen .35. 
Körperkiaft 55. 
Körperleiden 108. 
Kosfalh98. 114. 
Koth29. 133.186. 
kräftig96.2l4. 
kraftlos56. 11 1.130. 
kraftvolles. 
Kragen 115. 117. 
Kräiie 116- 171. 
krähen 1 16. 
Krähenaugen 27. 
Kram 1 15. 
Krampe 114, 
Krampf 91. 114. 190. 
Kranich 118. 
Krankheit 114.121. 

2lf). 
kränkeln 3. 68- 166. 

167. 
krank werden 57. 

Krätze 66. 116. 

kratzen 66. 104.168. 

kraus 1 19. 

kräuseln 118. 119. 

Kraut M8. 

Kränlerkohl 118. 

Krobs I |4. 

Kreide 116. 

kreischen 117. 

Kreisel 121. 

Kreuz 119. 

Kreuzdorn 1 19. 

Kreuzkraut 68. 

Knebel 116. 

kriechen 1 14. 119. 

kritteln 1 1 6. 

Kropf 118. 

Kropftaube 118, -f 

kröpfen 1 12. '1 

Kröte 115. 128.150, 
Krug 118. 
Krüger 108. 
Krume 1 18- 
krümmen 21. 250. 
Krummholz 74. 
Krümmung 118 
Krüppel 115. 137. 
Kübel 10. 228. 
Küche 97. 
Kuchen 112. 



291 



Kücliengescliirr?. 
Küchenschelle XI 8. 

no. 

Küchlein 119. 
Kuh 102. III. 121. 

209. 'i 36. 269. 
Kuhblume 23. 
kiihlen 112. 
Kuhweizen 220- 
Kiuhzecke 114. 
Kümmel 1 |2. 
kümmern ]82. 
Kunde 120. 
künftig 225. 
Kupfer 113. 
Kurbel 243. 250. 
Kürbis 225. 
kuriren 36. 
kurz 1 \ 3. 
vor Kurzem 124» 
kurz angebunden 96 
kürzlich 113. 
kurz und rund 163. 
KUSS201. 
küssen 121. 126. 
Küster 114. 



tab 122. 

laben 125. 

Labkraut 229. 

Lache 124. 

liicheln 198. 

lachen 64. 70. 

lächerlich 12 J. 

Lpctuca scariold 1 80 

Ladf.-hnufen 124, 

laden 1 24. 

Laffe5|. 
lahm 86. 
Laich I26. . 
Lake 124. 
Laken I57. 
Lamium album 37, 

- purpureum 37 
Lamm 252. 
Lampe 59.118.226. 
Lampyris ,i9. 65, 
L.'nd:,o. 122. 
Landkarte 98. 
Landprediger l22. 
Länge (22. 
derLängf nach 267. 
Langholz 2 1 0- 
längs 17.47. I27. 
langynm |24. 144. 

14b. 178. 212. 
lang unddimn 197, 
langweilig |22. 
Lanius 14;<. 
Lappen 220. 
Lärm 24.74. 79.80- 
85. 99. 112. 11.5. 
1,^2. 182.190.204.. 
Laras 137. 



Larve 1 f4. 

lassen 124. 

Last 233. 

Last tragen 123- 

Lästermaul 182. 

lästig werden I5j. 

Laterne 128. 

latschen 124. 

Laub 128. 

Laube 128. 

Lauch 128. 

lauern 129- 139. 140 
148. 

laufen 15. 114. 128. 
145.175.183.184. 
234. 235. 279. 

Lauge 128. 

läugnen 16.126.217. 

Laune 187. 204. 

launen l29. 140.148. 

launisch 58.129.140. 
148. 

Laus 129. 

lauschen 85. 

laut 129. 130. 

läuten 129.255. 

lauter 130. 186. 

Lavendel 203« 

Lavendula spica 254 

Leben 123- 

lebendig 117. 

Leber 8 1.123. 

Leberblume 72.133. 

lebhaft 54. 

leck 122. 

lecken 40. 121. 122. 
126. 

lecker 120.249- 

Lection 125- 

Leder 125. 

ledig 125. 

Ledum palustrelSQ. 

180- 
legen 123. 
Lehm 127- 
Lebmgrul)e 126« 
lehren 126- 
Lehrer 149. 
Lehrling 93- 
Leib 126- 

Leibsc hmerz 26. 127 
Leiche 127. 
Leichenbegängniss 

68. 
Leichen bitlerin 36. 
Leichengefolge 55. 
Loichcntuch 126. 
leicht 126-273. 
leii;htgläubig 126. 
leichtsinnig 126. 
Leido^. ji9. 157, 
leiden I26. 
Leier |27. 
leihen 36- (26- 
Leim 127. 



Lein 127- 
Leine 127- 
Leinwand 127- 
leise 127. 178- 
Leisten 126. 
leiten 126. 
Leiter 125- 
Lemna 54. 

Lende 126. 
Leontodon taraxa- 

f um23. 

Lerche 126- 

lernen I26. 

lesen 126. 

leuchten 128. 

Leuchtkäfer 59. 65. 

Leute 128. 

Libelle 6 1.93. 

Licht 126. 

Lichtknecht 202. 

Lichtscheere267. 

Lichtschnuppe 8. 

lieb 125. 

lieb sein 1 38- 

lieben 126. 

liebkosen 45. 182. 

Lied 125. 

liederlich 127. 

hefern 126. 

liegen 127. 

Lilie 127. 

Linde 127. 

Linie 127. 

link 128- 

links 145. 

Lippe 51. 

Lifjueur2. 

li.stig 59. 

loben 125. 128. 

Loch 120. 127. 144. 

locker 128. 

Lode 123. 

Löffel 122. 
Lohe 128. 
Lohgerber 183. 
Lohmühle 22. 
Loniccra periclyme- 

num 1 14. 
Loos98. 
lose 56. 
löthen 128. 
Louisdor 156. 
Löwenzahn 23. 130. 
Loxia Chloris 70. 74. 

219. 
Lucanus Cervus 59. 
Lucie Elisabeth 252 

- Sophie 252. 
Ludwig 129. 
Luft 128.246. 
Luftröhre 74. 232. 
Luftstein 107. 

lügen 53. 125.251. 
Luise 128. 
Luke 129. 



LumpengesindeJ222 
Lumpensammler'. - 
129. "-.' 

lumpig 177.194. 
Lunge 81. 
lungenkrank 4. 
Lust 7fi. 130. 
lungern 127. 
Lychnis floscuculi 

77. 
Lysimachia num- 
mulär ia 248. 

Älaassl34. 
machen 133. 
Machwerk 133. 
Mädchen 34. 131. 
Magen 133. 151. 
mager24. 49. 125. 

133.201. 
mager werden 2. 

232. 
mähen 122.136.23t' 
mahlen 268. hu 
Mahlzeit 1 34. 
mahnen 134. I58. 
Mai 136. 
Maiblume l27. 
Maikäfer 77. 13l. 

180. 
M.uwurml36. 
Majoran 136. 
mal 133. 
Malheur 131. 
Malva97.99. i 

- rotundifoli477 

97.99. 

- silvestris 77. 
Malz 1 39. 

man 131. 
manch 1 36. 
mancher 46. 131- 
manchmal 136. 
Mandelkrähe 19. 

168. . 
Mange 13I. 
mangeln 50. 
Mann 128.131. 
Männchen 78. 
mannbar 173. 
mannstoll 12 1. 
Mantel 1 74. 
Marder 134.230. 
Margaretha 69. 

- Porothee69. 

- Elisabeth 70. 

- Magdalena 69. 

- Sophie 70. 
Marie 137. 

Marie Elisabeth 267. 

- Luise 132. 
Mariendistel 2 11. 
Mark 132.164. 
Markt 132. 
Martinsgans 133. 

37* 



292 



Martinslied 132-267 
Martinstag 132. 

Masche 126. 
Masernl33. 
Materialist 229. 
Matricaria Chamo- 

milla 94. 
Maul 141. 201. 
Maulaffe 5 J. 141. 
maulen 140. 
Maulschelle 194. 
Maultrommel 141. 
Maulwurf 139. 

Maurer 39. 105. 249- 
Maus 141. 
Mausedreck 142. 
mausern 50. 141. 

176. 177. 
Medicin 1 34. 144. 
Meerrettig 132. 
Mehlsuppe 139. 
Meile I37. 
Meilcnzeiger 74.298 
mein 137. 
meinen 136. 
meinetwegen 137. 
Meise99.l36.163. 

185- 
Melampyrum 220« 
Melde I36. 
melden 136. 
melken 136. 
Melodie 248. 
Meloe proscara- 

baeusl36. 
Melolontha solsti- 

tialis 77. 
Melol. vulgaris (80. 
membrum virile 

156. 
Menge 34. 227. 
mengen 131. 136. 
Mensch 100. 137- 
Menstruation 61. 
Mentha I38. 

- arvensis 152. 
mentula 155. 
merken 1 36. 

Messe 138.268. 
messen 133. 199. 
Messer 1 (Q. 122. 

137.153. 
Messing 138. 
Meth 130. 
Mette 133.204. 
mich 137. 

Miene 262« 
Miere I4i. 

Miethe87. 134. 
Miethsleute 90. I34. 
Milbe 138. 
Milch 54. 136. 
Milchgelass 180. 
Milchsatte ^62. 
;nildthätigi37. 



Minze j52« 
mir 137. 
mischen 131. 

niissgestaltet 244. 
Missgunst 2. 
missnmthig 66- 
Misstranen 9. 
Mist j 36. 
Mistel 80. 
Mistgabel 55. 136- 
Mistgrube 120. 
Misthaufen 138. 
Mistkäfer 27. 
Mistklunker 103. 
mit (37. 1.38. 
Mittag 137. 

Mitgift 64. 37. 
mitlaufen 222« 
Mitte 137. 
Mobiliar 10.244. 
Modell 141, 
Moder 138. 
mögen 133. 
möglich 133. 
Mohn 59. 138. 
Mohr 139. 
Möhre 139. 
Molchs?. 
Molken 244. 
Monat 134. 
Mond 134. 
Mondschein 134. 
Monsieur 142. 
Montag 134. 
Moos 142. 
Moppsi39. 
Morast 1 32. 
morden 139. 
Mordbrenner 59. 
Morgen 139. 
Morgenröthe 18» 
morsch 25. I4l. 
Mörser 136-270. 
Mostrich 191. 
Motacilla 165. 
Motte 79. 
Möwe 137. 
Mücke 66. 140. 
müde 138. 
Mühe 138. 
Mühle 139. 
Muhme 268. 
Mulde 139. 
Mund 51. 56. 199. 
Münze 138. 
munter 46. 47« 50. 

59. in. 
mürbe f 34. 141. 
mürrisch 140. 
Mus 105. 139. 140. 

152. 
Muschel 46. 
Musikant 50. 118. 

160-202. 
müssen I42- 201« 



Müssig ganger 31. 

129.215.231. 
Mustela246. 

- foinal34. 230- 

- putorius 230' 
Muster J4l. 
Muthl38. 
muthwilbg 40. 
Mutter 136-139. 
Muttermaal 1 34. 
Muttermilch 20 1. 
Myosotis palustris21 

»Tabel 145. 198- 
nach 144. 
nachäffen 144. 
nachahmen |45. 
nacharten 194. 
Nachbar 145. 
nachdem 7. 
nachdenken 144. 
Nachdurst 144. 
Nachgebot 144. 
nach gerade 3. 144. 
Nachgeschmack 145 
nachher 144. 
Nachl 358 144. 
nachlässig 54, 
nachlaufen 252.269" 
nachmals 144. 
Nachrede 143, 
nachsagen 145. 
nachsprechen 97, 
nächstens 48. 
Nachtigall 143. 
Nachtkerze 94. 
Nachtstuhl 93. 
Nachtviole 3 1 . 
Nachttopf 156. 270- 
Nachtzeit 143, 
nackt 122. 144.204- 
Nadel 2O2. 
Nagel 143- 144- 145- 
155.158-202.224. 
Nagelschmidt 155. 

nagen 66. 109. 

Nähe 143. 

nahe I44. 

nahe bei 35. 144. 

nahe daran 2. 

nähen 145. 161. 

nähren (43. 

Naht 145. 

Name 145- 

Napf 120- 143. 228- 

Narbe 143- 147. 

Narcissus poeticus 

252. 

- Pseudo-Narcis. 

50. 
Narr 143. 232.259. 
närrisch 69. 

Nase23.143. 176. 
Nasenschleim (19, 

175-200-271. 



Nasentropfen 40- 

143. 
naseweis 1 43. 204. 
nassl44-l56. 
Natter 2. 

natürlich 2 74' 
Nebel 18- 138. 
neben (6-223. 
nebenhin 16. 
necken 25. 74. 22 1. 
nehmen I43. 
Neid 16. 
Neidhammel 72. 
neidisch 147. 183. 
Neige 145. 227. 
nein 139.143. 
Nelke 143. 
nennen 145.148. 
Nessel 43. 146. 
Netz 146 
neu 146. 147. 
neugieng 147. 
neulich 124.147. 
neun I43. 
Neuntödter 143. 
neunzehn 143. 
nicht 146. 
nicht nur - sondern 

149. 
Nichtiges 221. 
nichts 146. 

nichts als 130. 186. 

Nicolaus 146.266. 

nieder 32. 

niedertreten 157. 

niedlich 146. I47. 
148. 

niedrig I45. 193. 

niemals (37. 

Niemand I47. 

Niere 145. 

Nierenfett 54« 

niesen 162. 

Nieswurz 1 58. 

Niet 145- 

Nigella damascena 
70. 

nirgends 143. 

Nisse ( 44. 

Nössel (50. 

Nolh 147. 262. 

Nothdurft verrich- 
ten 77. 

Notbfeiier (69. 

Nothpfennig 147, 

nun 148. 

Ntiphar luteum 227. 

nur 2 M 31. 164. 

Nussl48.. 

Nutzen bringen 148. 

Nuxvomica | (6. 

Nymphaea alba 228. 

ob 149. 
oben 14. 



293 



obenein t4' 
eben und unten 259- 
Oberkleid 1 55. 
oberflächlifh 254' 
Oberste i jo. 
obgleich fi5. 
obscöne Reden 263« 
Obst 7. 

Ochse 50. 209. 
Ocymum Basilicum 

25. 
oder 45. 
Oenanthe Phellan- 

drium 152. 
Ofen 8. 93. 
offen 8. 

Öffnen 117. 196. 202. 
oft 235. 
ohne 8. 

Ohnmacht 8« 16. 
Oehr 150. 
Ohrfeige J 39. 194. 

219. 
Ohrgehänge 28-150. 
Ononis spinosa 72. 

249. 
Onopordon 36« 
Opfer 150. 
Orchis65. 119. 

- macnlatalig. 

- MoriollQ. 
OriganumMajorana 

13fi. 

- vulgare 19. 
Oriolus galbula 189. 

247. 



Pacht 87. 
packen, sich 182. 
Paeonia officin. 155. 
Panicuni247. 

- crusgalli247. 
Pantoffel jl. (51. 

194.228- 
Papagei 153. 
Papaver 134. 

- Rhocas 59.198. 
Pappel 159. 
Parusinajor99-136. 

163.185. 
passen 59. 124. 152. 
Pastinackl51. 
patschen (51. 

Paul 153. 
Paul Dietrich J53. 
Pause 266- 274- 
peinigen 155. 
peinlich J55. 
Peitsche 156.217. 
Pelzvorstoss 23. 
penis 151. 153-263. 

271. 
PercH 14. 
Perspectiv 203. 



Perücke 161. 
Pestwuri 1 23. 
Petasites officin. 12 3. 
pet-zen 103- 
Pfahl 153. 159. 
Pfand 151. 
Pfanne 1 5 M83. 
Pfändemann 151. 
Pfannkuchen 151. 
Pfarre 1 52. 
Pfau 151.153. 
Pfeffer 15 1.270. 
Pfeffer nuss 151. 
Pfeife 53.1 55- 
Pfeil 54. 55. 155. 
Pfeiler l55. 
Pfenning 154. 
Pferd 67. 85- 114. 

116.132.152. 
Pferdegeschirr I79. 
Pferdekümmel 152. 
pfiffig 108. 159. 
Pfingsten 155. 
Pfingstweide 82. 
Pfirsich 1 54. 
Pflanze 157- 
pflanzen69. 191-225 
Pflaster 157. 
Pflaume 116.158. 

203. 
pflegen 79- 86- 203- 
Pflocken 157. 

Pflug 76. 158. 

pflügen 2 13. 225. 
Pflugkolter 69. 

Pflugmesser 112. 

Pflugschaar j 58. 

Pforte 159. 

Pfosten 159- 

Pfrieme 216- 269. 

Pfropfen 161. 

Pfühl 153. 

pfui 58. 

Pfund 164- 

Pfütze 7. 138. 159- 
229.271- 

Phalangium 122. 

Phryganea 20. 

Picus viridis 247. 

Pieke I54. 155- 

Pilz 07- 

Piment 3. 

Pinsel 166- 

Pinus silvestris 59. 

Pirol 189-247. 

Pistole 162- 

plagenl56. 182. 

Plaggen 279- 

Plantago major 172. 
232. 

Plätte 176. 

Platte 157. 

Plaltfuss 5. 

Platz 211- 

Plalz machen 1 75. 



plaudern97.158-198 

228. 
plump 73. 80. 
Plunder 1 58. 
pochen 162. 
Pocken 159. 
podexS. 
Pökel 151. 
Polterer 27.92. 
Polygonum amphi- 

biuml.32. 

- aviculare 232. 

242- 

- hydropiper 18. 

- lapathi folium 

111. 

Polyommatus 82. 
Polypodium 250. 
populär 63. 147. 
Populus treimxla 12. 

59- 
Porree 29- 
Forsch 159. 
Porst ISO. 
Portion 98. 160- 220. 
Possen 48- 164- 
Possenreisser 165- 
possirlichl64-l99. 
Potentilla anserina 

249- 
Präbendel61. 
prahlen 24- 
prassen 258. 
Prediger 153- 160. 
Preis 161. 
Prcisselbeere 1 18. 

254- 
Pritsche 25. 
PrivatunterrichtlöO 
Probe 161. 
Probehappen 271. 
Prosit 161. 
prügeln 13. 37. 61- 

94.96.154.242. 
Prunus Padus 58. 

- spinosa 218. 
Pulsatilla|i8.150. 
pulsiren 1 50. 
Pulswärmer 268. 
Pumpe 158.252. 
Punkt 163. 228. 
Puppe 34. 
putzen 53-214.247. 
Putzwerk 28. 

quaken 7O. 

quälen 45. 155.156. 

227-230.252- 
quarren 66. 153. 
Quecke 151. 165. 
Quelle 10.207. 
quer 45. 
Querkopf 166. 
Querpfeife 53. 
Qjicrsack 45. 



Quirl 166- 

Rabe 171. 
rabbiig 168. 
rächen 169. 
Rad 40. 168- 
radbrechen 1 7O. 
Raden 1 7O. 
Rad.-peiche203» 
raffen 171.273. 
Rainfarrn 39. 172. 

250. 
Ramme 169. 
Ranke 169. 
Ränke 160. 
Ranunkel 203. 
Ranunculus acris 68 

- aquatilis 72. 

- Ficaria 1 36. 

- repens 68. 84« 
ranzig 60. 
Raphanus Rapha- 

nistruni75. 
Rappe 168. 
Rapps201. 
Rapunzel 168. 
rasch 38.40. 50.61» 

69.75- 
Rasen201. 
rasen 168. 
rasseln 170. 
zu Rathe halten 143. 
rathen 170. 
Räthsel207-272. 
Ratte 175. 
Raub 174. 
rauben 175. 
Rauch 174. 
Räucherplatz 247« 
räuchrig 19. 
Raufe 82- 
raufen 177. 
rauh 176.215.273. 
Rauhwerk |77. 
Raum 76- 176-229. 
Raupe 177. 
Rauschgold 109- 
Rechcn75. 
rechnen 169- 
recht 93. 
rechtlich 273. 
Rechtsanwalt 2. 
recken, sich ^72. 
reden 29- 141- 16<. 

165. 
Regen 64.88-139. 

142. 
regen, sich 172. 
Regenpfeifer 229. 
Regenschauer I90. 
Regenwolke 52. 
Regenwurm 129. 

156. 
regnen 39.40. 103. 

156.212.213. 



294 



reiben 174. 181-190. 

250. 
mchl39. 173. 
Reif 173.175. 
reif 60. 173. 
Reihe 171. 
reihen 173- 
Reiherschnabel 191 
Reim j 73. 
rein 89. 186. 
reinigen 140. 168. 

217. 
reinlich £72. 
Reis 173. 
Reiseränzel 109. 
Reisig 245. 279. 
reissen 173.204. 
reiten 67.9.3- 173. 

252. 271. 
reizen jgg. 
Repphnhn 170. 
Repps201. 
reuen 44. 
Reute 2 10. 
Reuter 173. 
Rhamnus catharcti- 
. CUS119. 

- frangula 58. 

205. 
Rihes nigrum 7. 
Richtweg 172. 
.riechen 51. 176. 
Riegel 169. 190.243. 
Riemen 169- 172. 
Rind 49. 
Rinde 173. 
ringen 250. 
ringsum 4. 

Rinne 70. 174. 
riolenl73. 
Rippenbraten S4. 
Rispe 165. 
Riss 22. 
Rock 155. 
roden 170. 
Rogen 171. 
Roggen 25.98.174. 
Roggenhexe 174. 
Rohrdommel 174. 
Rohrkolben 16,3. 
Rolle 176.227. 
Rosa canina 246. 
Rose 246. 
Rosenstrauch 273« 
Rossdpfel 270. 
Rost 16 1. 

RothkehIchenl75. 
Rothschwänzchen 

88. 209. 
Rothstift 175. 
Rübe 175. 

Rückenl62. 176- 
rücken 176. 
rücklings 2. 
ruckwärt« 280« 



rufen j 75. 

Ruhe 170. 

Ru}irl28. 

rühren 174.175.177. 

Ruhrkraut 2 1 1. 

ruiniren |76. 

rülpsen f,o. 233« 
Rumex acetosa 77. 

- acetosellal74. 
216. 

- crispus82. 
nmioren202. 
rundbäckig 164. 
Rundtheil 1 76. 
i-und und fett 160. 
Runzel 187. 
Riiss 19.197. 
Rüster 175. 
rüstig 2 14. 
Ruthei74.2l5. 
rutschen 190. 

SaatiSf. 
sabbern 177. 
Säbel 252. 
säbelbeinig 249. 
Sache 180. 
Sack 178. 
säen 191.225. 
Saft 179. 
Säge ISO. 
sagen 1 79- 
Sahne 54. 174« 
Sakristei 61. 
Salbe 179. 
Salix 247. 

- caprea 246. 
SaIviaofficinalisl79. 

251. 

Salz 201. 
S/ilzlache216. 
Sambucus 5.3. 
Samen 181 
Sandgrube I79. 
sandig 179. 
sanft 178. 
sanftmüthigl78. 
satirisiren74. 
Sattel ISO. 
sättigen 127. 178. 
Sau 180. 
sauber 161. 
säubern 217. 
Saubohne 242- 
Saudistel 216. 
sauer 216. 
Sauertopf 2 17. 
saufen 201. 216 
saugen 148. 228. 
säugen 201. 
Saum 201. 
säumen 216. 
sausen 217. 
Saxicola Oenanthe 
21J. 



Scarabaeus sterco- 

rarius 27. 
seh— 181. 
schaben |8.3. 187» 
schäbig 67. 181. 
Schachtelhalm 47- 

77.155.183. 
Schaden 85. 
schaden 183. 237. 
Schaf 10. 79-91. 183. 

200.2:^.251. 
zu schaffen machen 

16. 
Schafgarbe 172. 
Schailaus 220« 
Schaft 184. 
schal 183. 
Schale 183. 184. 
Scham 183. 
Schamthei]e63. 
Schande 182. 
schändlich 122. 
scharf 147. 
schärfen 77, 
Scharfrichter- 
knecht 185. 
scharren 19O. 
Scharte 183. 
zur Schau stellen 53. 
schaudern 188. 
Schaufel 188. 189. 
Schaukel 189. 
Schaum 1 89. 
Schaumcicade 119. 
Scheffel82.i 02-240. 
Scheibe ISG. 
Scheidewand 182. 
Schein 165. 185. 
Scheitel 243. 
schelten 59. 99. 101. 

184.226.252. 
schenken 203. 
Scherbe 183. 184. 
Schere 229. 274- 
scheren 95. 
Scherenschleifer 

195. 
Scherz 93. 157. 
scheu 1 88« 
scheuern 181- 188. 

190. 
Scheune 189. 
schieben 190. 
Schiebkarren 96. 

163. 
schief 184. 
schielen 184« 
Schiene 182. 
Schienbein l82. 
scliiessen 185.190. 
Schiessgewehr 163. 
Schiesspulver 252. 
Schiff 186. 
Schilf 184- 
schimmern 65» 



schimpfen 182.183. 
Schindanger 50.51. 
Schinder 1 85. 
Schlacken 196. 
Schhif kwurst 137. 
Schlnf 195. 
Schläfe 43. 
schlaff 194. 
schläfrig 124. 179. 
Schlage 247. 
Schläge 254. 
Schlagbaum 79. 
SchJägcl 195. 
schlagen 6.26.34.39. 

72.76- 88.91.95. 

100.102.106.139. 

182.195.215.233. 
Schlägerei 1 1 1 , 

Schlamm 140. 201- 
Schlammpeizker 

12t. 
Schlange 79. 
Schlappe 194. 
schlau (57.159. 
Schlaube 197. 
schlecht 125. 126. 

140.271. 
schlecht machen 

172. 
schlecht sprechen' 

125. 
Schlehe 196. 
schleichen 127. 155' 

195. 
Schleichhändler 1 98 

schleifen 195.196. 
schleifig I95. 
Schleihe I95. 
Schleim 65.165-195. 
schlemmen 90. 196. 

2H2. 
Schleuse 190- 191. 
schhessen 197. 
schlimm 238. 
Schlinge 200. 
Schlitten 194. 196. 
Schlitze 196. 
Schloss 196. 
Schlosser 104. 266« 
schlottern I94. 196. 
schluchzen 123-196. 

200. 
Schluck 106. 
Schlummer 41. I95. 
Schlüssel 195-196. 
schmachten 74. 197« 
schmähen 182. 
Schmalz 198- 
Schmalzkuchen 161 
schmatzen 197. 
Schmauch 197. 
schmeicheln 64. 96- 

195. 
Schmeichler 120. 
schmelzen 197. 



295 



Schmerbaurli 151. 
Schmerz 66- 155. 

24S. 
Schmetterling 28- 
Schmiede J97. 
schmieren 197. 
Schmiererei 102. 
schmierig 223. 
schmollen 141- 
schmoren |98. 
Schmuck 262. 
Schmutz 39. 79. 93. 

107.138.1932.32. 

274. 
schmutzig 70. 198- 

218. 
Schnabel 199. 
Schn.ipps 251. 
schnarchen 180.274 
schnattern 199. 
schnauben 162.201. 
Schnauze 20I. 
Schneeballen- 
strauch fi8. 
Schneeschlitten 177 
Schnecke 199.207- 
schnei den 5 1.6 4. 199 
Schneider (99. 
schneien 200- 
schnell 40. 59. 75. 
Schnellwage 232. 
Schnibbe 199. 
Schnickschnack 145 
schnippisch 203. 
Schnitt 199.200. 
Schnittlauch 155. 

274. 
Schnupfen 98. 199. 

200 
Schnur 200. 
Schniirleib l27. 
Schnürnadel 200« 
schnurren 204. 
Schöllkraut 93. 
schon 17 1.1186-253. 
schön (71. 
Schooss 186. 
Schornstein 186. 
Schornsteinfeger 

174. 
Srhossl86. 
Schote 153. 
schräg 45. 187. 
Schramme 197. 
Schrank 182.204. 
schrapen (^7. 
■ Schraube (88. 
schrauben 164- 
Schre< k ;-56. 
schreiben 67. I87. 
schreien 123. 129« 

171. 187. 
schreiten 187. 
Schublade 19£. 
Schuh J86' 



Schuhzeiig 2 1 8. 
S' hiilden 103- 
s' huldig 188. 
Schule 186. 
Schulter 188. 
Schulterblatt 1 SS- 
Schuppen 185- 
srhnppenartig 184. 
Schiirze 186. 
Scbnss 186. 
Schüssel 143- 187. 
Schuster 149.153. 

186. 
Schutt 186. 
schütteln 1 88- 
schütten 58- 
schützen 31. 
schwach 217- 
schwächlich j2I- 

218. 
Schwächling 156. 
Schwaden 81.217. 
Schwalbe 217- 
Schvvämuichen 261. 
schwanger 35. 
schwängern 14- 186. 
schwanger sein 265. 
schwanken 2 1 7-218- 

219.243- 
schwänzeln2l8. 
Schwären 21 8- 
Schwärmer 2 18-219 
Schwarte 218- 
schwarzlOO. 218. 
Schwarzkiunmel 69« 
Schwarzdorn 2 1 8. 
schwatzen 97. lo2« 

217.232. 
Schwätzer 209. 
schwebend 2 18. 
schweigen 218- 
schweigsam 141- 
Schwein22. 113- 

Scliwcinflpisch I37. 

Schweinhirte 218- 

Schweiss 2 1 8- 

schwelen 217- 

schwelgen 258, 

Schwelle 21 6- 

schwemmen 21 8- 

schwenken 2 19- 

schwer 2 1 8- 

schwer athmcn 64. 

164. 
schwer lernend 25. 
Schwiele 2 17. 
schwimmen 54- 2 18. 
Schwindel 43. 218« 
schwinden 2 18. 
schwindlich 258" 
schwören 218« 
schwül 5.2 19- 
Schwur 219. 
Sdave 195. 



Scolopax Gallinago 

78. 
sechzehn 201. 
sechzig 201. 
i^eele |91 
Segel 178. 
Se;jgei5l. 
segnen |78. 
sehen 99. 191. 
Sehne 81.82- 
sehr 75. 126. 
seicht I f)3. 
Seide I9I. 
Seife 191. 
Seihtuch 191. 
Seil 172- 2 14- 221. 
seimig |91. 
sein 137-192.244- 
seinige (92. 
seit 193- 
Seite 74. 193- 
bei Seite bringen 58- 
seitwärts 17. 
selb 21 6- 
selbander 229- 
selbig 216- 
selbst3.216. 
selig 179- 
selten 17I. 
seltsam 2OO. 
Semmel 1 1 1.215. 
Sempervivum tecto- 

rum 88. 
Senecio vulgaris 68- 

119- 
Senf 19 1.243. 
senken, sich I78. 

191-239- 
Sennesblätter IQl. 
Sense 19(.255. 
Serviette 105- 
Setaria 247- 
setzen 191- 
setzen, sich 62- 193- 
Setzling l.)3. 
seufzen 2l6. 
sidi 191. 
sicher 248. 
Sieb 178. 
sieben 181.191- 
siebenzehn 181« 
siebenzig 179-181- 
sieden 192. 
Siegel (78. 
Siegellack 121- 
siegeln I2I- 
Silbcr 216. 
Silvia cannabina 7. 

- phoenicurus 

88.204. 

rubeculal75. 

- Thytiss«*. 
Silybum mariHnnm 

211 
Sinapis arvensis 243' 



singen 70.148- 167- 

226. 
sinken 178- 
sitzen (9.^. 
soal.-o 193. 
Socken 1 1- 
soeben 89. 
so ein 201. 
sofort 56. 65- 21 5- 
sogar 2 53. 
sogleich 89- 208- 

213.253-279. 
Sohle 180. 
Sohn 3-18 1- 
solcher20l-216- 
Soldat 241- 
Sole 1 80. 

sollen 179.160.201. 
Sommer, fliegender 

199-201- 
Sommersprossen 

216- 
Sonchus 2 1 6- 
Sonnabend 2OI. 
Sonne 216- 
Sontdg 216. 
sonst4. 43.48. 216. 

217. 218-241- 
Sophie 50- 
Sorbus aucuparia 

lfi7- 
Spalte 100- 202.204. 
Span 204- 
Spanne 202- 
sparen 79. 
Sparlicht 38. 
spärlich 202« 
sparsam ( 70. 
Sparus 24. 
Spass 203. 
Spaten 69« 203. 
später 247. 
späterhin 144. 
Spatzierstock 14. 
Speichel |<M.203. 
Speicher 2O3. 
Speise 113. 122- 140. 

204. 
Speisekammer 260« 
Speisereste 15O. 
Speiseröhie (96. 
Spektakel 1 ( 5. 
Sperhng (29- 
Spickgans 13. 
Spiegel 203- 
spieleii2(;2. 
Spiehnnun 274- 
Spielmarke 93. 
Spielraum 253. 
Spiess 105-203. 
Spik254. 
Spindel 203. 
Spinne y-,. 122- 
Spinnrad 96. 
Spinnrocken37.249' 



296 



spioiiiren^03' 
Spitzbuhe 204- 
Spitze 164. 
Spitzen 93. 
Spitzname 149- 
Splint 204. 
Splitter 202- 
Sporn 205. 
spöttiseli 204. 
sprechen 21.25-33. 

.S9. 98. 102. 103. 

141.148.153.170. 

193.198.205.252. 
sprechen, gross 160. 
sprechen, laut ißO. 

Sprenkel 207. 
Spreu 94. 111. 
Sprichwörter 205. 

275. 
Springkäfer 197. 

207. 
Spritze 207. 
spröde US. 273- 
Sprossen 2O5. 
Sprung im Glase 5I. 
spuken 63. 204- 
Spule 151). 204. 
spülen 183- 204. 
i^Spulwurm 204« 
' Spund 207. 
Spur 202. 
spüren 203. 
sputen, sich 204. 
Staar 2O5. 
Staat 2 10. 
Stachel 5. 
Stachelbeere 2 1 1. 
Stamm 208« 
stämmig 209. 
stammeln 2 10. 
stampfen 163. 213. 

221. 
Standarte 209. 
Stange 172. 209. 
Stangenbohne 212« 
stätsch 209. 
stark 55. 96. 
' starr 2 1 5. 
Starrkopf 35. 
starrsinnig 213. 
st<ittlich2l0. 
Staub 141.213. 
sich aus dem Staube 

machen I82. 
Staubpilx56. 
stauchen 2 15. 
staunen 219. 
stäupen 2 15. 
stechen 154. 161. 

208. 
Stechpalme 230. 
stecken bleiben Iß. 
Steckling 47. 
Stecknadel 110. 
Steg 229. 



stehen 210. 
stehlenl40.l42.208. 

211. 
steif 102. 209. 212. 
Steig 208. 212. 
Stein 211. 
Steinmetz 2 11. 
Stei?s21G. 
Stellaria media 141. 
Stelle 208- 2 11. 
stellen 21 1. 
stellenweise 208« 
Stelze 2 11. 
Stengel 2 12. 
sterben 36. 113. 114. 

239. 
Stern 209- 
Sterz 209. 
stets 209- 
steuern 211. 212. 

215. 
Steuerruder 215- 
Stichling 2O8. 
Stiefel J 84. 209. 
Stiefgeschwister lOO 
Stiefmutter 210. 
Stiefvater 210. 
Stieglitz 212. 
Stiel 80. 208. 
Stier 267. 
stier 27. 215. 
stille22.57.123l42 

212. 
Stirn 209. 

Stirnbedeckung 196 
Stock 25. 
stocken 76- 260« 
stockfleckig 213. 
Stoff 2 13. 

stöhnen 69 91.209. 
stolpern 213. 
Storch?. 213. 
störrig 11.69.233. 
Stoss 189. 

stossen 22-26.34. 67. 
110.163 187.213. 
stottern 2 10. 
strafen 89- 
straff 1 60. 214- 
Strahl 2 15. 
Strasse 214. 
sträuben, sich 2 15. 
Strauch 121.215. 
straucheln 279. 
Strauss 2 1 5. 
Strebe 214. 
Strecke Weges 45. 
strficheln2l4. 
streifen 2 14« 
Streit 73-82. 114. 

209.214. 
streiten, sich 99« 
strenge 199. 
Streustroh 214. 
strichweise 53. 



Strich halten 2 13. 
Strick 172.214. 
stricken ri 1. 
Stricknadel 2 11. 
Striemen 2 14. 
Strix230. 
StrixBubo 188. 
Stroh 118. 177. 
Strohlager 214. 
Strohwisch 248. 
Strudel 40. 120. 
Strumpf 56. 152- 
Strunk 112. 207. 
Stube 37. 213.215. 
Stück Brot 169.151. 

Stück, schmales 200« 

Stück vom Ganzen 
53. 

Stückchen 2 15. 

zu Stuhl gehen 184. 

stumpf 2 15. 

Stunde 105. 21 5- 

stürzen 213. 

Stute 132. 

Succisa vulgaris 21 1. 

suchen 20 1 • 

sudeln 180.197. 216« 

Sülze 2 16. 

Sumpf2l6. 

Superlativ 3I. 62. 
262. 

Suppe 2 16. 

Suppenkräuter HS- 
Synode 270- 

Syringe 53. 

Syrop 252. 

Taback rauchen 1 98 
Tabackslauge 191. 
Tabackspfeife 98. 

215.269. 
Tadel 125. 131- 
tadeln70- 84.99- 
Tag 30. 
Tagetes 209. 
Tagewerk 191. 
täghch 3. 
Tanacetum vulgare 

39.172.180.250. 
tändeln 31. 182. 
Tanne 32. 
Tanz .32. 2 15. 

- ländhcher 74. 

27.3. 
Taraxacum officin. 

1.30. 
Tasche 178- 
Taschenspieler 37. 

160. 
Tasse 221- 
tasten 221« 
taub36.247.258. 
Taube .37. 44. 137- 

222. 229- 
tauchen 42. 



Taufe 37. 

taugen 32- 

Taugenichts 231. 

taiuneln2l8. 225. 
229. 

tauschen 121. 229. 

täuschen 40. 5.3.100. 
199. 

tausend 43. 

Tausendgülden- 
kraut 175. 

Tausendschönchen 

132. 
Tei( h 35. 
Teig .34. 67. 
Testikell06.269. 
Teufel 34. 44- 233. 

256.259. 
Teufelsabbiss 211. 
Thaler 33- 
That 32. 
Thau 257. 
thauen32. 
Thauwetter 246. 
Theil, ein gut 54. 
Theilchen 204- 
theilen34. 153.266• 
theils— theils34. 

theuer43. 
Thier 16. 35. 
Thierarzt 152. 
Thonboden 266. 
Thor 33. 37. 191. 

259. 
Thran 226. 
Thräne 226. 
thun 36. 

Thur33.79.259. 
Thürangel 82. 
Thurm225. 
tief 34. 
Tiegel 31.69. 
Tiha 1 29. 
Tinea 79. 195. 
Tisch 35. 
Tischtuch 259. 
toben 99. 190. 
Tod 36- 81. 
tödten 140- 
todtenähnhch 36. 
Todtengräberl20. 
toll 42. 
tollkühn 241. 
Tonne 2 29. 257. 
Topf 1 59. 
Töpfer 159- 
Töpfergeschirr 211. 

Torf 226. 279. 
Trab 37- 
Traber 191. 
Tracht 38. 
trachten 22I. 
Trage 22- 

träge 39. 124. 144- 
145. 



297 



trafl:en.'>,9. 162- 
tragend sein 62. 
Traube 41 . 
trauen 227' 
Trauer 228- 
Tr^um4l. 
treffen 38- 
treiben 40. 
trennen 225. 
Trespe 40. 

treten 150. 154. 227. 
treu 227. 
Trichter 22 7. 
Triefauge 226. 
Trifoliinn arreiise 

142. 
Trifol.pratense 104. 

- procunibens27. 

- repensi04. 
Trift 40. 

trinken I5.4O. 106- 
124. IÖI. 193. 

Triiikgescliirr 144, 

Trinkwasser 68. 

Triticum repensI51 
lfi5. 

trocken 40.41.102. 

trocknen 3.274. 

Troddel 1O7. 

trödeln 191.227. 

Trog 120.244. 

Trommel 228. 

trompeten 199. 

Tropfen 41-22.3.226 

Trotz M 71. 

trotzdem 127. 

trübeis. 54. 

trunken 4 1.270. 

Triuikchen 266. 

Truthahn 1^0. 

Tuch 36. 124-243. 

tüchtig42.50. 221. 

turbiren HQ. 

Turdusmusicus 252 

- viscivorus 181. 
Tussilago farfara 83. 
Tute 229- 
TyphalatifoKal63. 

i}bel8.l88. 
iibellaunig 66. 
übel nehmen 1 IS- 
übel sprechen I4. 
übel zurichten 130. 
üben 150. 
über H- 
übei-all4. 

Ucberbein 125.243. 
über die Massen 241 
übereilen 82. 238« 

2;<9. 
überflüssig 232. 
übergehen 253. 
überhaupt 9. 
übcrmüthig Hg. 



IIeberresl,21!j- 
iibersteh^jn 9. 
übertreiben 165. 
über und über 254« 
überv'ortheileii 9. 
185.189. 199. 
überwendlich 9. 
Ueberzug 9. 90. 
übrigens 9. 
Ufer 150- 
Uferaas 20. 207- 
Uhr 223. 
L'lmus campestris 

175. 

- effusa 6- 
Ulrich 149. 
Uelsedorn 230. 
um 230- 
umändern 98. 
umfallen 231. 
Umgang 255. 
Umgegend 231. 
umgekehrt X) 80- 
umhängen 230. 
umhergellen 229« 
umschlagen 233. 
Umschweife 203- 
umsehen36. 
umsonst 2 17-23 1- 
Umstände :^' 03 • 
um und um 280. 
umwenden 246- 
umwickeln232- 
umziehen 224- 
unangenclim 238. 

280. 
unartig 232. 
unausführlich 4. 
imbändig 1 1. 

uiibeholfen2 10-231. 
Undank 209. 
uneben 1 76. 
unehelich 280- 
unflätig 231. 
unfreundhch lg. 30. 

41. 
unfruchtbar 72- 
ungebleicht 70. 
Ungeduld 231. 
ungefähr 2 80. 
ungern 232- 
ungeschickt80. 221« 
»mgesund 149. 
ungetauft 266- 
ungetheilt 80- 
ungewaschen SS- 
ungewohnt 202. 
ungleich 231. 
Unghick 262- 
imnütz221. 
unordejitlich 58.141 
unpassend 280. 
unreinHch 141.232. 
unsauber 219. 
imschicklicli 280- 



unsinnig 166- 
unstät 5 1 . 
unten 145. 231. 
unter 131-231. 
unter bleiben 269. 
unter der Hand 23l. 
unterdessen 1 6. 
unterdurch 231 . 
untereinander I3I. 
untergehen 52. 
Unterkinn 97. 
unterlassen 6. 
Unternehmen 244. 
Unterschied 181. 

239. 
unterste 157.231. 
untersuchen 235« 
untertauchen 42- 
unterwühlen 26. 
Unthier231. 
ununterbrochen 233 
unvermischt 89. 1 86. 
unvermuthet 232- 
unversehrt gO. 
unverständig 44. 
unverständlich 97, 

230. 
Unwetter 232. 
luivvillig 24. 
unwirsch 6. 
unwohl 1I3. 121. 
unzufrieden 45. 66- 

147- 166. 
üppig G3. 
UpnpaEpops87.114 

151-261. 
Urin 156. 245. 
uriniren 17. 

Urtica dioica 43.146 
- urens43.i46. 



Vaccinium vitis 

Idaeail8.2.74. 
Valeriana officinalis 

10. 
Vater 149. 222. 235. 
Veilchen 241. 
ver — 236- 
verabreden 2- 
verabscheuungs- 

werth 89. 
verächtlich 169. 
veralten 239. 
Veratrum album 

158. 
Verbascuni Thapsus 

94.247. 
verbeissen 236. 
verbergen 31. 

verbieten 21 1.236- 
verbleicht 49. 
Verbrechen 8. 
verbrennen 179. 
verderben 95. 116. 



161.19.^200.23*1., 
236-237 239. ., 

Verdienst 237. 

verdoppeln 237. 

verdorren 20 1 • 

verdricssen 39.237. 

verdriesslich 66- 89. 
96-109. 

verdutzt (4. 

vereinzeln 2 3 7. 

verfaulen 230. 

verfehlen 237. 

Verfolgung 144. 

verfressen 57. 

verführen 237.239. 

vergänglich 037. 

Vergehen 237. 

vergessen 29. 31. 

229.2.S6.237.238 
Vergissmeinnicht 

21. 
Vergleich 237. 
Vergnügen 238. 
vergrössern 238. 
verhalten 172. 
verheben, sich 14. 
verhelen .h 1 . 
verheimlichen 240. 
verheirathen 61.88. 

186.216. 
verhindern 2 11. 
verhüten 238. 
verirren, sich 1 8.44. 
verjagen 261. 
verjubeln 92. 
verkaufen 7 7. 120. 

239. 
Verkehr 255. 
verkehrt 237. 
verkriechen 42. 
verkürzen 109- 113. 
Verlangen 64. 91. 
verlassen 238. 
verläugnen 239- 
verlegen 239. 
verleihen 126. 
verläumden37. igg. 
verletzen 144.200« 
verliebt 131. 
verlieren 79. 116. 

101.236.2.38.240. 
verloben 128.2 SS- 
Verlust 107. 160. 
vermiethen238. 
vermissen 138. 
Vermögen 138. 
vermuthen 87« 134. 

138.225. 
verneinen {QS- 
Veronic.iBecca- 

bunga 10. 129. 
verrathen 239. 
verrauchen 239. 
verrückt 167.232. 

248- 

38 



398 



verrufen i.^9. 
ver«aiifen 2|6- 
versäumen 216- 240« 
vt'rs( hämt 181. 
verschiedfn IBI- 
verschlagen 59. 
verschlechtern 213. 
verschleppen 240. 
verschleudern 156« 

18.3. 
verschliessen 225. 

239 
verschmerzen 216' 
verschroben 44. 
verschütten 1 56« 
verschwenden 36'54 

174. 
verschwegen 35. 
Versehen 58.84.162. 
versengen 201. 
versetzen 240. 
versperren 202« 
verspielen 240« 
verspotten 144. 
Verstand 70. 71. 
verständig 240. 250. 
verstauchen 2 15. 

240. 
verstehen 204. 
versteuert 240. 
Verstimmung 1 87. 
verstopfen 164. 
Verstorbene 202. 
versuchen 240. 
vertaixschen 240. 
vertheidigen 236. 
vertheilen203. 
vertbun56- 165. 
Vertiefung 120.129. 

1f)9. 
vertilgen 34. 
vertragen 208- 
vertrauen 226. 
vertreiben 23". 
veriiben 239- 
verwachsen24l. 
verwahren 7g. 
Verwandte ^8. 
verwandt sein 279« 
Verwandtschaft 235 
verwegen 240. 
verweichHchen 154, 
Verw eis 1 75. 
verwinden 236. 
verwirren 73. 12O. 

158.160.168.177. 

228.260- 
verwunden 90- 196. 
verzäj-teln 154.239. 
verzehren 232« 240« 
verziehen 240. 
verzögern 222. 
verzweifelt 230240. 
Vetter 236- 
vettren 55. 



ViburnumOpulusöS 

ViciaFaba242. 
Vieh 236. 
Viehheerde4(). 

Viehtrift 229. 259. 
Viehweide 132. 
viel 235. 

vielleicht 241. 244. 
vier 236. 
viereckig 95. 
Viertel 240. 
vierzehn 240. 
viei'zig 240. 
Viola odorata 241« 
violett 241. 
Viscum allium 80. 
Vogel |;,6.24f. 
Vogelbauer 29. 
Vogelbeere |67. 
Vogelscheuche 181. 
voll5S. 161-213. 
vollauf 242. 
voll essen, sich I51. 
VoIlhiifncr241- 
vollkommen 242. 
vollständig 241. 
von 235- 

vor 4^.235« 241. 
Vorahnung 236« 
voran 241. 
voraus 241« 
Vorbau 235. 
vorbei 241. 
Vorbild 1 49. 
Vordergestell 241. 
vorderste 241. 
Vordervicrtei 235. 
Vorfliith24i. 
vorgestern 48- 241» 
vorgreifen 235. 
vorhalten 84. 
vorig 235- 241« 
Vorkost 49. 
vorlieb 238. 
vorlügen 248. 
Vormäher 236. 
vormals 149. 21 6- 
Vorname 37. 

vorne 241. 
Vorreiber lOS- 
Vorsaal 180. 
vorschiessen 235. 
vorsicht'g 178. 
Vorsloss2l3. 
Vorstoss am Stiefel 

200. 
VortheiIl98. 200. 

241. 
vorübergehen 9, 
vorüberlaufen 54. 
Vorwürfe 99. 
Vulva 56. 121. 

IWaare 67.244. 
Wache 242- 



wachen 244. 
Wacholder 114.130. 
Wac]is244. 
wachsam 3. 
wachsen 244. 
Wacbsthiun243. 
Wachtel 53. 
wackeln 242- 246« 
Wage 243. 244. 
Wagen 27-96. l76- 

232.244. 
wägen 242. 
Wagengeleise 1 26. 
Wagen nnd Pferde 

59. 
Wageschale 242. 
wählerisch 98. 
wahr 4. 244. 
während 35.231. 
Wahrzeichen 245. 
Wallnuss 148-242. 
wälzen, sich 93. 96. 
Wandleuchtcrig. 
wann 246. 
Wanne 10. 
Wanze 243- 
Wappen 244. 
Wärme 243. 
warten 224« 
Wärterin 245« 
Wartethurm 244« 
Wärwolf245. 
Warze 250. 
was 249. 

waschen 244. 26*?. 
Wäscherin 243. 
Wasbanm 243. 
Wasser 245- 
Wasserblase 21. 

Wasserdampf 245. 
Wasserfläche 19. 
Wasserhuhn 20. 
Wasserlilie 227. 
Wasserlinse 54. 
wässern 244. 
Wasser pfeffer 18. 
Wasserschierling 42 
Wasser schöpfen 

164. 
waten 224. 244. 
weben 244. 
Weberstuhl 221-242 
Wechsel 246. 
Weg 208. 
wegen 242. 
Wegerich 172. 
wegfliegen 79. 
weggeben 183« 
wehen 246. 
wehe thun 274. 
Weib 247- 252. 
Weib, altes 159. 177. 
Weibchen 78. 
Weiberrock I30. 
weich 246« 



Weichen 43. 247. 
weichherzig 260. 
weichlich 12 1. 246. 
Weichling 57- 68. 
Weide 242-246-247. 
Weihe 246. 
Weihnacht 247. 
Weile 247. 
weinen 19. 226- 246. 
Weinglas 163.174. 
Weise 248- 
weiss 196. 249. 
Weissbrot 2 15. 
Weissbuche 77. QO. 

249. 
Weissdorn 245. 249. 
Weissfisch 199. 
Weissgerber 183. 
weissharig 211. 
weit 249. 
weiter 16. 
weiterhin 247. 
weitläuftig 249. 
Weizen 69. 91. 123. 

246. 
Weizenbrot 163. 
welch einer 245» 
welcher 32. 
wenden 40. 
Wendung 265. 
wenig 12. 130.246- 
wenn 243. 25l. 
wer 245. 
werden 243. 
werfen 107. 197. 
Werg 43. 79. 
Wermtith 243. 249- 
werlhlos22l.255. 
werth sein 63. 
Weste 23. 58. 
wf ttcn 245. 
Wetterfahne 246« 
wetzen 246« 
Wichse 246. 
Wicken 246. 
^vider 245- 
Widerrede 245- 
Widersacher 63- 
widersinnig 248. 
widerspenstig2 1 .40. 

233. 24 s. 
Widerspiel 245- 
widersprechen 36- 

140- 260. 
\vie 049. 
Wiedehopf 87. 11 4. 

2.T 1-26 1.267. 
wieder 245- 
wiederholentlich 

wiederkäuen 2» 
Wiege 9- 245. 
wiegen 242- 
Wiese 248- 
Wiesel 243- 246- 



299 



Wiesenschaum- 
kraut 74. 

wieviel 251. 

williget. 

wimmeln 249- 

Wind 128. 

Windbeutel 50. 

Windbrett 280. 

Winde 244. 247- 

Windel 29. 100.156. 

Wind gehen lassen 
58. 

Windhafer 149. 

Windhalm 97- 131» 

windig 247. 

Wink 251. 

Winkel 247. 

winseln 72- 

Wirbel 121.243. 

Wirth 243- 

Wirthschafterin268 

Wirthshaus 160.243 

ivissen 246. 

Witterung 79. 242. 

Wittwer 249. 

wo 25t. 

woher 251. 

wohin 249. 251. 

wohl 178. 

Wohlbefinden 242. 

wohlbeleibt 227. 

wohlfeil 23. 23l. 

Wohlgefallen J 57. 

wohlgenährt I2O. 

Wohlstandes. 

wohnen 244. 

Wo'f 251. 

Wolfsmilch 27. 

Wolke 18.3.247.251. 

Wolle 251. 

wollen 247. 

Wollrad 96. 

Wort 250. 

wortkarg I40. 

worüber 249. 

Wurherblume 249. 

wu(:hern 249. 

wiihJen I4|.249. 

Wundarzt 50. 

Wurf 249. 

Würfel 249. 

Wurm 249. 

wurmstichig 249. 

Wurst 23. 250. 



Wurzel 250. 
Wurzelstock 2 i 5- 
Wüste 250. 

Xanthippe 81. 

Zacken 2 19. 
zaghaft 252« 
zähe 220. 

Zahl, ungefähre 33. 
zahlen I9- 106- 151. 
zählen 222. 
zahm 130.221. 225. 
Zahn 18. 82-186. 

220. 
Zahnfleisch 262« 
Zahnschmerzen 221 
Zange 1 10. 221. 
Zank 9 1.202.209. 
zanken 59. 66-73.76. 

82- 93. 99- 114. 

116.251.252. 
Zapfen 221. 
Zäpfchen 85. 
zappeln 160. 
zart 104. 
zaubern 44. 226- 
Zaum 74. 225. 
Zaun 266- 
zäunen 229- 
Zaunkönig 229. 
Zaunpfahl 229« 
zausen 229. 
Zeche 87. 
Zecke 220- 
Zehend 2..0. 
Zehen 225. 
zehn 73. 
zehren 151.221. 
Zeichen 222. 
Zeidler 89. 
zeigen 248. 
Zeigefinger 23. 160. 
Zeiger 248. 
Zeile 171.2.30. 
ZH.'ig 252. 
Zeiti85. 100. 229. 
Zeitcn,voraltcn24l. 
zeitig 223- 
Zeitvertreib 223- 
zer— 173. 
zerbrechen 81.89- 

113.226.242.273. 
zerbröckeln 7 (. 



zerfetzt |04 
zerknittern j |0. 
zerquetschen 140. 
zerren 221" 
zerschlagen 146. 
zerschneiden 5 1 . 93- 

182.200. 
zerstören 95- 241» 
zerstossen 163. 
zerstreut 51. 
Zettel 251. 
Zettelende 39. 
Zeuge 2 18. 
Ziege 251. 
Ziegenpeter f41. 
Ziegelstein 222.250. 
ziehen 222.223.237. 

252. 
Ziehbank 221. 
Ziehmesser 22 1« 
Ziel 133. 

ziemen, sich 85. 220« 
ziemlich 73. 74. 220. 
Ziemer tSl- 
zieren, sich 38- 171- 
Zigeuner 222. 
Zimmer 127. 146- 

252. 
Zimmermann 223. 
Zimtrinde 95. 
Zinngiesser 95. 
Zinsen 223. 
Zipfel 196. 
Zipolle 22. 
Zipperleinskraut 63 
Zittergras 16. 
zittern |2. 16. 
Zitterpappel 1 2. 54 . 
Ziltwersamcn IgO. 
Zitze 223. 
zögern 41. 49. 
Zoll 225. 
Zopf 252. 
Zorn 91. 
zornig 2. 42. 114. 

1(6. 
Zotenreden 60. 
zu 224. 

zubringen 224. 
Zubrot 279. 

Zucht 2 15. 228. 
züchtigen 51. 
zucken |2. 117.223. 
zudringlich 75. 



zjierst 264. 
Zufall 196-224.280. 
zufrieden 224. 
Zugabe 225. 
zugegen sein 16. 
Zügel 22 1. 225. 
zugleich 1 38. 279. 
Zulauf 225- 
zuletzt 89- 
zumal 239. 
zumuthen 5. 
Zunder 229. 
Zunge 229. 
zupfen 224. 
zurecht 225" 
zurück 227. 
zurückschneiden 

207. 
zusammen 4. 138. 

225. 2-26. 
zusammendrücken 

109. 166. 
zusammengeballt 

250. 

Zusammengehark- 
tes 75- 

zusammenscharren 
249. 

zusehen 225. 

zusetzen 233. 

Zuthat224- 

zutrauhch226. 

zuweilen 226. 

zuwider 226. 

Zuzucht226. 228. 

Zwing 44. 

zwanzig 229. 

Zwecke 155.252. 

zwei 229. 

zweierlei 229" 

Zweifel 230- 

Zweig 2 19-222.229. 

Zwiebel 252. 

zwiefach 229. 

Zwiehcht229. 

Zwiespalt 67. 

Zwilling 280. 

zwingen 45. 229. 
233. 

Zwirn 229- 

zwischen 131. 229. 

Zwischen rau m 274. 

zwölf. 230" 



"^^ai^^öP^ 



.18 • 



M 



Druck der Buchdruckerei von A. Schuster's Wwe. in Salzwedel. 



^